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28
Jul

Diluvion

Nachdem die Götter eine große Flut auf die Erde schickten und jegliches Festland unter dem Meeresboden verschwinden ließen, wurde ein Großteil der Menschheit endgültig ausgelöscht. Doch die wenigen Überlebenden beweisen ein beachtliches Durchhaltevermögen, seitdem sie sich in kleine Unterwasserstationen zurückgezogen haben, um dort eine neue Zivilisation aufzubauen. Inmitten dieser Welt lebt auch Kapitän Jay Treadwasser, der sich mit seinem kleinen U-Boot im geheimnisvollen Ozean auf den Weg zum endlosen Korridor machen möchte, der den wohl einzigen Ausweg aus dem Dilemma bietet. Dumm nur, dass dieser ausgerechnet in tausend Meter Tiefe liegt und das Boot im jetzigen Zustand kaum in der Lage ist, so tief zu sinken und dem Druck standzuhalten. Bis dahin scheint also ein langer Weg vor sich zu liegen, auf dem er die Gunst der einzelnen Gilden für sich gewinnen muss. Doch in den Tiefen des Ozeans lauern große Gefahren, denn nicht nur Piraten warten auf den erfahrenen Seemann, sondern auch gefährliche Kreaturen…

Kritik:
Bereits im vergangenen Jahr auf der Gamescom vorgestellt, schien „Diluvion“ schon damals eines der innovativsten Indiegames des kommenden Jahres zu werden. Und tatsächlich stellt sich heraus: Das kleine Team aus Kalifornien bereichert den Spielemarkt wirklich mit frischen Ideen und präsentiert uns ein Spielkonzept, das wir so noch nie zuvor gesehen haben.

Diluvion

Auf den Spuren von Jules Verne
Ungewöhnlich genug ist schließlich bereits das Setting dieses Spiels, denn „Diluvion“ ist ein echtes Unterwasser-Rollenspiel. Wir steuern also ein kleines U-Boot durch die Welt und müssen dabei Quests erfüllen, die wir von den Charakteren auf den Unterwasserstationen erhalten. Währenddessen sind Crew und Skills überaus wichtig. Aber vor allem liefern die Entwickler auch noch eine zweite Innovation mit, denn dieses Spiel kombiniert gekonnt einen dreidimensionalen Ozean mit zweidimensionalen Innenansichten. Docken wir an einer Station an, wechseln wir also nahtlos in die 2D-Ansicht und sehen die einzelnen Räumlichkeiten und Figuren ähnlich wie im Mobile Game „Fallout Shelter“. Damit hat ein kleines Indiegame auch mit begrenzten finanziellen Mitteln eine interessante Möglichkeit gefunden, die Questgespräche und Charaktere umzusetzen.

Diluvion

Dunkelheit der Tiefe
Umso besser gefällt dann, dass die Grafikdesigner ihr Handwerk verstehen – und das nicht nur bei den handgezeichneten 2D-Ansichten. Die dreidimensionale Welt des Ozeans kann sich nämlich ebenso hervorragend sehen lassen. Mit realistischer Dunkelheit in den Tiefen des Wassers entfaltet sich nämlich schnell eine geheimnisvolle und mysteriöse Atmosphäre, die dank Open World-Erlebnis in jeder Ecke etwas zu bieten hat. Spieler, die den Ozean also frei erkunden möchten, werden mitunter schnell belohnt. Auch dann, wenn wir hin und wieder auf bösartige Feinde und Kreaturen stoßen, die sich nach unserem Sieg im Kampf prompt ausplündern lassen und wichtige Ressourcen liefern. Das Creature Design bringt uns dann auch mal ins Staunen – sei es bei den fledermausartigen Drohnen, die uns liebendgern einmal angreifen, oder auch bei den eindrucksvollen Bossgegnern, die von einem spinnenartigen U-Boot, bis hin zu riesigen an Leviathan aus der jüdischen Mythologie angelehnten Urzeitfischen reichen können. In der ansonsten düsteren Atmosphäre, bei der wir manchmal nur sehr schwerlich etwas sehen können, fügen sich diese hervorragend ein.

Diluvion

Frust der Niederlage
Gerade die Bossgegner gestalten sich dabei allerdings nicht immer einfach, was vor allem an der anfänglich etwas komplizierten Steuerung liegt. Immerhin müssen wir uns anders als in den meisten Rollenspielen, dreidimensional auf der Karte bewegen und unser U-Boot auch nach oben und unten steuern. Da immer den Überblick zu behalten, ist vor allem in den ersten Stunden nicht immer leicht, zumal der erste Bossgegner bereits nach zwei bis drei Stunden Spielzeit auftaucht. Noch dazu verfügt „Diluvion“ über ausgeklügelte Kampfsysteme, bei denen wir neben der Standardwaffe auch über Torpedos verfügen, gerne einmal flankiert werden und vor allem Winkel der Waffen eine wichtige Rolle spielen. Möchte man die großen Gegner besiegen, ist ein Herausfinden der Schwachstellen also zwingend erforderlich.

Diluvion

Crew wird zu Freunden
Dabei behilflich ist vor allem unsere Crew – zumindest die vier Hauptcharaktere, die etwa am Ruder, Sonar oder der Waffenstation stehen. Die bekommen nämlich nicht nur feste Namen, sondern bauen auch eine emotionale Bindung zum Spieler auf. Sie sind somit nicht nur namenlose Figuren auf unserem Schiff, die wir managen dürfen. Denn während sie uns vor allem innerhalb der Quests mit wichtigen Ratschlägen zur Seite stehen, reagieren sie auch emotional auf Fehlschläge – etwa dann, wenn ein liebgewonnenes Crewmitglied einmal im Kampf ums Leben kommt. Auch hier macht „Diluvion“ also einiges richtig, da das Spiel somit unser Interesse für die Geschichte und die Charaktere weckt. Zumal viele der Figuren innerhalb der Unterwasserstationen auch eine persönliche Beziehung zu mindestens einem unserer Crewmitglieder hat. Schade ist dann lediglich, dass sich Dialoge manchmal doch etwas häufig wiederholen und das Spiel bei den restlichen Mannschaftsmitgliedern durchaus in Muster verfallen kann.

Diluvion

Die scheinbar offene Welt
Ebenso schade ist außerdem, dass die offene Welt nur auf den ersten Blick so offen ist, wie sie vorgibt zu sein. Insgesamt bietet „Diluvion“ nämlich drei verschiedene Zonen innerhalb des Ozeans, die wir erst nacheinander betreten können. Erst nach einem Aufrüsten des Schiffs und vorherigem Lösen der dazugehörigen Quests können wir in den nächsten, tiefer gelegenen Sektor vordringen. Und auch bei den Quests selbst ist das Rollenspiel dann gar nicht mehr so offen: In welcher Reihenfolge wir diese zu erledigen haben, ist dann nämlich doch sehr linear vorgegeben. Da können wir dann zwar den Rest der jeweiligen Zone frei erkunden, bei Bedarf ein paar Piraten erledigen oder verlassene Stationen und Kapseln plündern, aber unterm Strich gibt „Diluvion“ doch klar die Richtung vor, in der es hier gehen mag. Bedenkt man den recht kleinen Mitarbeiterstab des Entwicklerteams ist das aber durchaus in Ordnung, denn mit knapp zehn Stunden Spielzeit ist „Diluvion“ auch so umfangreicher ausgefallen, als viele andere Indiespiele.

Diluvion

Ressourcen an der Angel
Apropos Plündern: Auf die Ressourcen des Spiels sind wir sogar zwingend angewiesen. Denn obwohl die Oberfläche insgesamt einen minimalistischen Eindruck macht, spielen vor allem Altmetall (Munition), Sauerstoff, Nahrungsmittel, Reparaturkits und Torpedos eine wichtige Rolle. Speziell den Sauerstoff müssen wir stets im Auge behalten, da unsere Mannschaft ansonsten in den Tiefen des Ozeans ums Leben kommen kann. Dafür können wir zusätzliche Sauerstoffflaschen nachkaufen, müssen aber an Stationen oder Schiffe mittels Angel andocken, um diese wieder aufzufüllen. Ewig können wir uns also nicht frei durch den Ozean bewegen. Und vor allem Munition und Torpedos sind dann unabdingbar, wenn wir mal wieder in einen Kampf verwickelt werden. Das gelungene Handelssystem mit unterschiedlichen Preisen auf unterschiedlichen Stationen macht das Ressourcenmanagement und Handeln allerdings tatsächlich interessant, zumal “Diluvion” damit auch ein wenig Survival-Charakter entwickelt. Allzu schwer wird es allerdings nicht, denn mit einem knallharten roguelike Abenteuer haben wir es hier nicht zu tun.

Diluvion

Geduld ist eine Tugend
Generell ist „Diluvion“ dadurch allerdings auch ein Geduldsspiel. Das liegt nicht nur daran, dass wir auf unseren Reisen immer wieder andocken müssen und uns nicht ununterbrochen in den Tiefen des Ozeans bewegen können. Zum anderen steuert sich das Spiel nämlich auch ein wenig langsam. Das ist zwar grundsätzlich noch recht leicht zu erlernen, doch gerade hinsichtlich der Fortbewegungsgeschwindigkeit wirkt „Diluvion“ nicht selten auch etwas träge. Man ist hier und da doch schon einige Minuten unterwegs und selbst wenn die Karte eigentlich nicht sonderlich groß ist, fühlt sie sich doch gänzlich anders an. Erst recht dann, wenn Checkpoints für das automatische Speichern nicht optimal liegen oder sich dummerweise auch noch mitten im Kampf befinden. Das kann schnell frustrierend werden, denn frei speichern können wir in diesem Fall nicht.

Diluvion

Kein echtes Ballerspiel
Das bedeutet zugleich allerdings auch, dass „Diluvion“ eben kein typisches reines Actionspiel ist und man dementsprechend kein neues Aquanox oder ähnliches erwarten sollte. Die Kämpfe selbst laufen dabei eher taktisch ab und können gar äußert fordernd werden, wenn wir beispielsweise von gleich fünf flinken und kleinen Gegnern gleichzeitig angegriffen werden und dabei passende Ausweichmanöver, perfekt getimete Torpedos und exakte Treffer anwenden müssen. Der Spieler muss dabei nicht selten tote Winkel ausnutzen oder kann Gegner durch passende Distanz mitunter sogar austricksen. Ein gewisses Mitdenken macht „Diluvion“ also insgesamt leichter, zumal wir nicht immer an die Hand genommen werden. Manche Lösungswege lässt das Spiel auch gerne einmal im Dunkeln und uns eine halbe Stunde lang selbst rätseln. So macht es allerdings auch Spaß, denn hier gibt es kein typisches Casual Game, sondern einen Titel für Spieler, die offen für neue Erlebnisse sind.

Fazit:
Das Unterwasser-Rollenspiel entpuppt sich als eines der innovativsten Indie-Games der vergangenen Jahre und punktet mit einer geheimnisvollen und düsteren Tiefseewelt, einem beeindruckenden Creature Design und einer gelungenen Spielmechanik aus Ressourcenmanagement und forderndem Kampfsystem. Da kann man auch die ansonsten simple und überraschend lineare Handlung leicht verschmerzen.

Diluvion Wertung


22
Jul

Transport Fever

Sowohl der amerikanische Kontinent, als auch Europa mussten in der Vergangenheit einige schwierige Krisen hinter sich bringen. In so manchen Regionen der Erde wurden schließlich die Rohstoffe knapp, Kriege bahnten sich an oder die Wirtschaft geriet mit ihren Blasen in ernsthafte Probleme. In der Geschichte hatte aber vor allem die Eisenbahn meistens irgendwie ihre Finger mit im Spiel. Ob die ersten wichtigen Strecken durch den Wilden Westen, der aufwändige Öltransport im Ödland von Texas oder die Lieferung von notwendigen Lebensmitteln nach den ersten Weltkrieg. Die Eisenbahnunternehmen hatten es stets nicht besonders leicht, die wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben zu erfüllen und selbst unter eingeschränkten Bedingungen oder fragwürdigen Gesetzen noch Profit zu machen. Nun allerdings darf der Spieler beweisen, dass er es vielleicht ein bisschen besser kann…

Kritik:
In den 90iger Jahren waren sie richtig beliebt und konnten ihre Bestzeiten auf dem deutschen Markt genießen: Die beliebten Wirtschaftssimulationen, in denen wir Produktionsketten erschließen und wichtige Transportrouten errichten mussten. Einst herausragende Spiele wir „Railroad Tycoon“ oder „Der Industriegigant“ wurden von den Fans gefeiert und geradezu gesuchtet. Nachdem es um das Genre allerdings lange Zeit etwas ruhiger war, erlebt es mittlerweile sein Comeback.

Transport Fever

Europa und Amerika
Und da knüpft man an die Erfolge der alten Klassiker auch endlich an, wenn man einmal mehr ähnlich komplexe Industrien simuliert und den Spieler vor echte Herausforderungen setzt. Genauso wie einst in den alten Vorbildern bekommt es der Genrefan dieses Mal nämlich mit gleich zwei vollständigen Einzelspielerkampagnen zu tun, die vor allem in den klassischen City Buildern heutzutage leider häufig fehlen. Daran erkennt man dann auch, dass „Transport Fever“ im deutschsprachigen Raum entwickelt wurde und speziell auf die Interessen der hiesigen Spieler zugeschnitten ist. In zwei insgesamt knapp vierzig Stunden Spielzeit umfassenden Kampagnen dürfen wir uns nämlich an vierzehn abwechslungsreiche Missionen wagen, die auf zwei verschiedene Kontinente führt. Sowohl die Amerikakampagne, als auch das europäische Gegenstück kommen dabei mit sieben Szenarien daher.

Transport Fever

Vom Wilden Westen bis nach Paris
Und die beiden Kampagnen unterscheiden sich dabei grundlegend, widmen sie sich doch vorwiegend der Geschichte des jeweiligen Kontinents und baut darauf interessante Aufgabenziele und Geschichten auf. Das wiederum hat nämlich tatsächlich Auswirkungen auf die Spielweise, etwa wenn wir auf amerikanischem Boden vorwiegend wirtschaftliche Probleme lösen müssen und etwa den begrenzten Rohstoff Öl transportieren sollen oder die Behörden bei ihrem Weltraumprogramm unterstützen müssen. Die eigentliche Schwierigkeit dabei: Nebenbei müssen wir auch noch Profit erwirtschaften – und das ist gerade mit den Hauptzielen nicht immer ganz so einfach. Häufiges Herumtüfteln und das Finden alternativer Profitmöglichkeiten sind mitunter unumgänglich, was „Transport Fever“ bis zur letzten Missionen spannend bleiben lässt.

Andererseits widmen wir uns auf europäischem Boden traditionell eher dem Passagierverkehr und müssen Hochgeschwindigkeitslinien zwischen zwei Großstädten schaffen oder den Linienflugverkehr zwischen Frankfurt und Hamburg ausbauen. Der Schwierigkeitsgrad steigt (mit wenigen Ausnahmen) währenddessen kontinuierlich, denn je höher die Betriebskosten, desto schwieriger der Profit – und dass Flugzeuge und Hochgeschwindigkeitszüge nicht gerade günstig sind, sollte jedem klar sein. Insgesamt gestaltet sich die zweite europäische Kampagne also wesentlich schwieriger, auch wenn jedes Szenario durchaus zu meistern ist. Im Test kam es aber mitunter auch mal vor, dass wir uns an einer Mission die Zähne ausgebissen haben und bis zu fünf Stunden dafür benötigten.

Transport Fever

Transport ist alles
Das eigentliche Spielprinzip ähnelt dabei insbesondere dem Klassiker „Transport Tycoon“, bei dem wir ebenfalls mit Transporten Geld verdienen mussten. Und hier geht es wahrlich nur um den Transport: Firmen und Gebäude bauen dürfen wir – abgesehen von denen, die für den Transport notwendig sind – nämlich nicht. „Transport Fever“ verzichtet also darauf, den Wirtschaftspart mit einem City Builder zu verbinden, auch wenn wir hier und da ein paar Straßen verlegen dürfen. Die Herausforderung besteht letztendlich darin, die bestehenden industriellen Möglichkeiten zu nutzen, um damit als reines Logistikunternehmen Profit zu erwirtschaften. Und das, während in der Kampagne manchmal bestimmte Möglichkeiten unterbunden werden – denn mal dürfen wir keine Züge verwenden, mal keine Schiffe und ein weiteres Mal keine Flugzeuge. Grundsätzlich stehen aber sowohl Transportwege per Schiene, Schiff, Straße und Luft zur Verfügung. Die Wirtschaftssimulation deckt also alle interessanten Bereiche ab.

Transport Fever

Komplexität der Produktionskette
Nach ein paar Tutorials, die uns die wesentlichen Basics erklären und den ersten ein bis zwei Startversuchen, haben wir dann allerdings auch den Dreh raus und dem ersten Erfolg – und somit auch einer großen Spielmotivation – steht nichts mehr im Wege. Grundsätzlich sinkt der Schwierigkeitsgrad anfänglich, sobald wir die Zusammenhänge der einzelnen Unternehmen und Produktionsketten verstanden haben. Fehlt etwa der Maschinenfabrik ein Endabnehmer, funktioniert plötzlich auch die restliche Produktionskette nicht mehr und die Eisenfabrik wird ihre Produktion mangels weiterem Bedarf einstellen. Und da liegt zugleich auch die eigentliche Herausforderung von „Transport Fever“: Im Laufe der Spielzeit werden die erforderlichen Produktionsketten immer größer und bestehen mitunter aus acht verschiedenen Fabriken, die unterschiedliche Materialien herstellen und benötigen. Und dieses auch vollständig in ausreichendem Umfang zu bedienen, stellt sich dann nicht immer als sehr leicht heraus.

Transport Fever

Simulation einer Wirtschaft
Interessant ist dabei auch, dass „Transport Fever“ tatsächlich eine glaubwürdige Wirtschaft simuliert und dies eben nicht nur vortäuscht. Verschiedene Faktoren, wie etwa die Anzahl der Geschäftsgebäude und Einwohner beeinflussen letztendlich auch die Nachfrage nach bestimmten Produkten. Das wird spätestens beim Passagierverkehr dann auch deutlich: Beliefern wir eine benachbarte Stadt mit bestimmten Gütern, die in der anderen Stadt fehlen, erhöht das die Reisebereitschaft der Bewohner deutlich und die Anzahl der Fahrgäste wird erhöht. Gleichzeitig gestaltet sich auch die Simulation der Transportwege durchdacht, wenn etwa Buslinien benötigt werden, damit Fahrgäste auch den Bahnhof erreichen und sich bei Bedarf sogar passende Umstiegsmöglichkeiten suchen. Dasselbe auch bei Gütertransporten: Auch hier lässt sich der Lieferweg durchaus auf mehrere Linien und Fahrzeugtypen verteilen. Ein Wechseln zwischen Schiff und Zug und Lastwagen ist also durchaus möglich, denn „Transport Fever“ findet passende Wege vollautomatisch, sobald wir sie eingerichtet haben. In einer Zeit, in der „Sim City“ einst die Simulation gar nur vortäuscht, ist das sehr erfreulich und vorbildlich.

Transport Fever

Schwächen beim Bau
Tatsächlich kann sich die Wegfindung allerdings auch als eine der Schwächen des Spiels herausstellen, wenn etwa das Bauen von neuen Strecken ein wenig fummelig erscheint. Das manuelle Bauen von Brücken mag nicht immer auf Anhieb funktionieren, eine zweigleisige Schienenroute lässt sich ebenfalls nicht bereits vorab einstellen und die Straßenbahn unterirdisch halten zu lassen, brauchen wir gar nicht erst versuchen. Es fehlen also durchaus einige Möglichkeiten, die den optimalen Streckenbau erleichtern würden. Zumal auch der Schienenverkehr nicht immer perfekt funktionieren mag, wenn eine mehrgleisige Strecke über Weichen verbunden ist. Warum Züge also manchmal eher unsinnige Wege suchen und Güter über riesige Umwege transportiert werden, sobald es mehrere Optionen gibt, bleibt doch manchmal fraglich. Über solche Kleinigkeiten kann man aber angesichts des ansonsten runden Spielerlebnisses schnell hinweg sehen.

Transport Fever

Einfache Steuerung
Außerdem klappt die Einrichtung von Transportwegen ansonsten ja auch perfekt. Einfach zwei Stationen bauen – ob Lastwagenstation, Bahnhof, Hafen oder Flughafen -, beide Stationen im Linienmanager anklicken und schon sucht sich das Spiel den passenden Weg völlig von alleine und führt die Route auch problemlos aus. Sollen später einmal weitere Fahrzeuge hinzugefügt werden, kann man diese ebenso einfach aus dem Depot heraus einer Linie zuweisen. Einfacher könnte es wohl kaum gehen und gerade hier zeigen die Entwickler, dass sie von Benutzerfreundlichkeit durchaus etwas verstehen. Gleichzeitig ist „Transport Fever“ irgendwie minimalistisch, aber auch übersichtlich ausgefallen. Die wichtigsten Optionen, wie Finanzstatistiken, Objektbau, Fahrzeugkauf und wichtige Hinweise bleiben – aber ansonsten verzichtet man auf allzu viel Mikromanagement, das nicht erforderlich wäre. In einzelnen Fenstern hat man dann das Wesentliche stets schnell auf Abruf im Blick und niemand dürfte damit überfordert sein, seine Einnahmen im Auge zu behalten. So macht eine Wirtschaftssimulation Spaß.

Transport Fever

Unbegrenzte Möglichkeiten
Interessant wird das auch dann, wenn wir die Kampagnen erst einmal hinter uns gelassen haben und uns endlich einmal im freien Spiel austoben können. In einem Sandboxmodus können wir dann vor uns hin spielen und versuchen, den maximalen Gewinn zu erwirtschaften. Und wenn wir dabei die gesamte Landkarte mit Schienen füllen wollen, ist das tatsächlich im Rahmen der Möglichkeiten, die der Spieler bei ausreichend Einnahmen schon bald haben wird. Da kann man seiner Fantasie tatsächlich mal freien Lauf lassen und vielleicht sogar ein richtig interessantes Eisenbahnnetz aufbauen. Den klassischen Modellbahnfan wird das sicherlich freuen, auch wenn er den Wirtschaftsteil noch als Extra oben drauf bekommt. Dass der Spieler dabei allerdings auch noch die Startparameter wie üblich frei festlegen kann, macht es besonders interessant. Zumal die Idee der prozentualen Berechnung der Map mittels Seeds sich einmal mehr als gute Idee herausstellt, wenn es darum geht, eine unbegrenzte Vielfalt an Maps bereitzustellen. Schade nur, dass dieses manchmal doch etwas zu sehr computergeneriert ausschauen.

Transport Fever

Wie bei der echten Bahn
Ein weiterer spannender Aspekt dürfte für Eisenbahnfans übrigens die gute Mod-Fähigkeit sein. Gerade Spiele dieses Genres leben schließlich geradezu davon, dass andere Spieler und Hobbyentwickler eigene Objekte, Fahrzeuge oder Szenarien bauen, aus denen man dann seine eigene perfekte Eisenbahnwelt zusammenbastelt. Denn auch wenn die Lokomotiven und Waggons in passender DB-Lackierung größtenteils fehlen mögen, wird man in der Community schnell fündig und kann sogar den ICE, rote Doppelstockwagen oder gar die Berliner S-Bahn in das Spiel einfügen, um eine realitätsnahe Szenerie zu erschaffen. Entwickler und Publisher zeigen sich hierbei schon seit Jahren – und auch bereits beim Vorgängerspiel „Train Fever“ – als sehr offen und freundlich gegenüber der Moddingszene und schaffen die besten Voraussetzungen zur Erweiterung des Spiels. Das dürfte so manchem Genrefan also besonders gut gefallen.

Fazit:
Ein komplexe und spannende Wirtschaftssimulation in klassischer „Tycoon“-Manier, die mit zwei herausfordernden Kampagnen, einer langen Spielzeit und hoher Moddingfreundlichkeit überzeugen kann.

Transport Fever Wertung


05
Jul

The Long Journey Home

Eigentlich sollte diese Reise nur ein recht kurzer Ausflug für die vierköpfige Besatzung der ISS Odyssey werden. Mit einem neuen Antrieb wollten sie möglichst schnell beim nahegelegenen Planeten Alpha Centauri landen und anschließend wieder zurückkehren. Doch dieses Mal geht alles schief, was irgendwie schief gehen könnte: Der Antrieb hat eine schwerwiegende Fehlfunktion und katapultiert die Mannschaft an das andere Ende des Universums. Mit begrenzten Ressourcen und einem Landemodul ausgestattet, müssen sie fortan den langen Weg zurück zur Erde finden und sich dabei mit zahlreichen außerirdischen Kreaturen auseinandersetzen. Aber vor allem müssen sie eines: Überleben – und das ist leichter gesagt, als getan…

Kritik:
Die meisten Science-Fiction-Fans dürfen eine ähnliche Story bereits gut kennen: Auch Captain Janeway vom Raumschiff Voyager landete einst am anderen Ende des Universums und musste unter schwierigen Bedingungen den Weg nach Hause schaffen. Nun dürfen wir selbst einmal in die Rolle eines solchen Captains schlüpfen und uns durch ein prozentual berechnetes Universum schlagen. Bei einem „roguelike“ Spiel ist das allerdings gar nicht so einfach.

The Long Journey Home

Die begrenzte Mannschaft
Der Beginn des Spiels ist dabei relativ simpel aufgebaut. Bevor wir unser Abenteuer starten, müssen wir zunächst vier von insgesamt zehn verfügbaren Crewmitgliedern wählen. Jeder davon hat unterschiedliche Fähigkeiten und kann in unterschiedlichen Quests nützlich sein. Ob Testpilot, Ingenieurin oder jemand mit medizinischen Fähigkeiten – die Wahl liegt ganz bei uns. Spannend daran: Der Spielverlauf kann mitunter von dieser Wahl abhängen, weil jeder Charakter unterschiedliche Optionen bieten kann. Stoßen wir etwa auf Kreaturen oder Phänomene auf Planeten, sind die Optionen mitunter von der Person im Landemodul abhängig. Wobei auch dieses einen Unterschied macht: Haben wir die Crew erst einmal gewählt, können wir anschließend zwischen drei Schiffen und auch drei Landemodulen wählen. Das eine hat eine stärkere Schiffshülle, das andere einen größeren Treibstofftank und wieder ein anderes womöglich eine höhere Sprungreichweite. Womit man persönlich besser klar kommt, sollte eigenhändig erprobt werden – aber allein damit hat man bereits einen Anreiz, das Spiel mehrfach zu spielen.

The Long Journey Home

Universum des Zufalls
Von da an allerdings ist so ziemlich alles dem Zufall überlassen. Als letzte Option geben wir nämlich ein Wort ein, welches unseren Seed bildet. Anhand der Buchstaben generiert das Spiel dann ein Universum, dessen Bedingungen wir zuvor nicht kennen. So bleibt Abwechslung vorhanden und erleben stets einen völlig anderen Spielverlauf. Wir haben zugleich aber auch den Vorteil, dass wir den Seed weitergeben können, damit auch unsere Freunde das exakt gleiche Universum versuchen können. Dennoch: Geben wir hier einen neuen Seed ein, wissen wir zuvor nicht, welche Planeten und Ressourcen wir vorfinden, auf welche Aliens wir treffen und welche Quests uns zur Verfügung stehen werden. Nach mittlerweile sechs erneuten Starts des Spiels mit jeweils unterschiedlichen Seeds, haben wir im Test kein einziges Mal denselben Ablauf erlebt. Der Wiederspielwert ist somit nahezu unbegrenzt. Schon das löst eine gewisse Faszination beim Spieler aus.

The Long Journey Home

Ressourcenknappheit
Sind wir erst einmal im Universum angekommen, sind mehrere Dinge wichtig: Wir müssen stets unsere Ressourcen im Auge behalten, dürfen das Schiff nicht zu sehr beschädigen und auch die Crew sollte möglichst gesund bleiben. Treibstoff ist etwa dafür nötig, die Lebenserhaltungssysteme aktiv zu halten – und der ist mehr als nur knapp. Exotische Materie benötigen wir, um in ein anderes Sonnensystem zu springen und Metalle, um die Außenhülle zu reparieren. Oder aber wir handeln mit eben diesen Rohstoffen an einer außerirdischen Raumbasis – denn Credits brauchen wir reichlich und das vor allem für die Reparatur des Schiffes und der Geräte. Spätestens an der Stelle merken wir dann auch, wieso wir für „The Long Journey Home“ eine gewaltige Portion Frusttoleranz benötigen. Denn in einem „roguelike“ Abenteuer, hat jede Entscheidung Konsequenzen und wir werden nichts wieder rückgängig machen können.

The Long Journey Home

Ein schwerer Brocken
Obwohl die Entwickler mit einem der letzten Patches bereits einen einfacheren „Story-Mode“ hinzugefügt haben, ist „The Long Journey Home“ nämlich immer noch ein verdammt schweres Spiel. Der Spieler hat dabei nicht selten das Gefühl, dass das Spiel stets gegen ihn zu sein scheint. Der Treibstoff geht häufig schneller aus, als wir neuen beschaffen können. Die Credits verlieren wir schneller, als es uns gelingt, das Schiff zu reparieren. Und ausgerechnet dann, wenn die Außenhülle sowieso schon völlig hinüber ist, werden wir auch noch von einem feindlichen Alien angegriffen, das uns innerhalb von Sekunden in Grund und Boden schießt. In den ersten 15 Stunden mag das noch motivieren: Wir lernen durch jeden Fehler, kommen beim nächsten Versuch ein bisschen weiter und sind ständig begeistert davon, wieder völlig neue Dinge zu erleben. Leider kann das nach dem sechsten oder siebten Versuch auch irgendwann frustrieren, wenn das scheinbar Unvermeidliche trotzdem wieder eintritt. Man sollte für dieses Spiel also nicht nur Frusttoleranz besitzen, sondern auch eine gewisse Hartnäckigkeit.

The Long Journey Home

Die fummelige Steuerung
Man könnte „The Long Journey Home“ somit sicherlich auch als Liebhaberspiel bezeichnen, das sich vor allem an eingefleischte Genrefans richtet, die dafür allerdings umso begeisterter sein werden. Denn vor allem die Außenmissionen haben dann doch ihr großes Potential, da sich genau hier der Zufallsfaktor bewährt macht. Mit dem Landemodul landen wir schließlich auf den Planeten und treffen dort mitunter auch auf abgestürzte Schiffe, verlassene außerirdische Städte und ähnliche spannende Phänomen. Und selbst hierbei können sich aufregende Quests ergeben. Oder neue Geräte, die unser Schiff verbessern. Dort hinzukommen ist allerdings nicht immer so einfach. Ähnlich wie in einem Jump’n’Run steuern wir den nach unten stürzenden Lander, in dem wir die unteren Düsen mit der linken Maustaste und die oberen mit der rechten Maustaste bedienen. Und damit müssen wir – mitunter sehr frickelig – die Balance finden und an der richtigen Stelle möglichst sanft landen. Wie leicht das ist, hängt aber direkt von der Beschaffenheit des Planeten ab. Denn auch die Gravitationsstärke, Windstärke, Erdbeben und andere Probleme hängen von einem Zufallsfaktor ab. Und wenn wir Pech haben, stellen wir nach der Landung fest, dass die Rohstoffe doch sehr knapp sind.

The Long Journey Home

Das schwierige Balancing
Die oben bereits erwähnte Ressourcenknappheit ist sowieso eines der Hauptprobleme, die das Spiel so enorm schwer machen. Erst einmal auf dem Planeten gelandet, können wir häufig nicht mehr als drei Einheiten eines jeden verfügbaren Rohstoffes sammeln, ohne unser Landemodul durch das tiefe Bohren zu beschädigen. Das macht es allerdings umso schwieriger, da wir nicht selten die wenigen Rohstoffe selbst verbrauchen müssen. Viele Möglichkeiten zum Handeln bleiben da nicht übrig, sodass auch die Credits stets sehr begrenzt sind. Weit begrenzter, als es uns lieb wäre. Den Entwicklern wäre daher eigentlich gut geraten, das Balancing noch etwas zu verbessern und vielleicht die Möglichkeit des Sammelns von Ressourcen zu vergrößern oder die Preise zu senken. Denn auch wenn das Spiel einerseits erstklassig ist, so wird doch früher oder später trotzdem Frust aufkommen, wenn Spieler häufiger bestraft als belohnt werden und der Erfolg sich auch nach fünfzehn bis zwanzig Stunden noch nicht einstellen möchte.

The Long Journey Home

Ein zweidimensionales Universum
Liebhaberspiel dürfte „The Long Journey Home“ allerdings auch deshalb sein, weil man auf eine dreidimensionale Ansicht vollständig verzichtet. Wenn wir nicht gerade den Lander auf einen Planeten bringen, steuern wir unser Schiff im Sonnensystem aus der Draufsicht und und navigieren durch Klicks auf der Karte. Hierbei gibt es auch nur zwei Modi: Normale Düsen und Boost. Bremsen ist nicht möglich, dafür müssen wir in die Gegenrichtung steuern. Gleichzeitig ist es notwendig. Gravitation zu berücksichtigen, die unsere Flugbahn in der Nähe einer Sonne oder Planeten beeinflusst – auch das abhängig davon, wie groß das jeweilige Objekt ist. Sci-Fi-Fans wird es also freuen, dass das Spiel einen hohen Wert auf physikalische Korrektheit legt und insgesamt realistisch gestaltet wurde. Insgesamt ist die Steuerung innerhalb eines Sonnensystems allerdings nicht ganz so fummelig, wie bei der Landung. Und generell ist es trotz allem auch wiederum lobenswert, dass unser Erfolg tatsächlich vom Können bei der Navigation abhängt und wir nicht einfach nur Knöpfe für den Autopilot drücken. Wobei man andererseits wiederum froh sein kann, immerhin automatisch im Orbit zu bleiben.

Fazit:
Ein grandioses Liebhaberspiel für Science-Fiction-Fans, das mit einem extrem hohen Wiederspielwert und einem zufällig generierten Universum begeistert, allerdings auf Grund des hohen Schwierigkeitsgrades auch eine gewisse Frusttoleranz voraussetzt.

The Long Journey Home Wertung


27
Jun

Train Simulator: Gottardo 2016

Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass der berühmte Gotthard-Tunnel eröffnet wurde. Für die Schweiz war das ein richtiger Grund zum Feiern. Aus diesem Anlass hat man sogar gleich seine Züge umlackiert und sowohl Lokomotiven, als auch Waggons in Jubiläumsoptik angestrichen. Seither verkehren regelmäßig sowohl Baureihe 4/4 II, als auch Re 460 entlang den hübschen Strecken der SBB. Leider haben die Entwickler die Gelegenheit allerdings nicht genutzt, um die bereits im Strecken-Addon nicht fahrbare Re 460 endlich mit Führerstand einzubauen. Stattdessen bietet sich einmal mehr lediglich die bekannte SBB Baureihe Re 4/4 II in einem Repaint.

Train Simulator: Gottardo 2016

Bekanntes Rollmaterial in weiß
Besonders aufwändig mag der neue Look dabei auch nicht erscheinen. Tatsächlich handelt es sich lediglich um einen Zug in komplett weißer Optik, auf der man einige Schriftzüge angebracht hat. Das mag zwar dem Original durchaus entsprechen, ist hinsichtlich des Repaintaufwandes aber vermutlich unspektakulär. Immerhin: SimTrain liefert gleichzeitig auch die Waggons in dieser Ausführung mit – und zwar sowohl für die erste, als auch die zweite Klasse. Noch dazu hat man sich auch bei der Inneneinrichtung der Waggons was gedacht und in diesem Rollmaterial neue Sitze verbaut und den Wagen generell einen etwas anderen Look verpasst. Dennoch sollten potentielle Käufer beachten: Grundsätzlich handelt es sich hier um die identische Lok, die bereits in SBB Route 1 enthalten ist – lediglich das äußere Erscheinungsbild hat sich verändert.

Train Simulator: Gottardo 2016

Kurzes Vergnügen
Schade ist, dass man diesen doch recht kleinen Umfang leider nicht durch entsprechende Szenarien kompensiert. „Gottardo 2016“ liefert nämlich lediglich ganze zwei Passagierszenarien mit, bei denen man eine recht kleine Route von knapp zwanzig bis dreißig Kilometern abfährt. Und die sind auch nicht wesentlich kreativer, als die bereits in der eigentlichen Strecke enthaltenen Aufgaben: Abgesehen von der Tatsache, dass wir in einem der beiden Szenarien anfänglich unsere Lokomotive an die Waggons ankuppeln müssen, sucht man die Besonderheiten doch vergebens. Hier gibt’s keine interessanten Ereignisse wie Verspätungen, Baustellen oder Umleitungen – wir fahren einfach nur von A nach B. Und das noch nicht einmal besonders lang, denn nach jeweils 30 Minuten sind beide Szenarien bereits erledigt. Im Vergleich zum Railjet oder dem Roten Pfeil ist das leider enttäuschend wenig.

Fazit:
Mit dem „Gottardo 2016“ liefert SimTrain auch noch den Schweizer Jubiläumszug für seine „SBB Route 1“ nach. Da allerdings nur zwei Szenarien und ein bereits vorhandener Zug in neuem Repaint vorliegen, dürfte der Umfang jedoch eher enttäuschen und richtet sich eher an eingefleischte Fans dieser Strecke.

Train Simulator: Gottardo 2016 Wertung


25
Jun

Train Simulator: SBB Route 1

Die Schweiz kann doch so schön sein: Entlang des Zürichsees erwartet die Touristen eine idyllische Landschaft im Grünen, im Hintergrund offenbart sich ein schöner Blick auf die hohen Berge und selbst alte Königshäuser sind noch heute zu bewundern. Dass es daneben aber auch eine florierende Wirtschaft gibt, wissen vermutlich nur ganz wenige Menschen. Zu dieser Wirtschaft gehört allerdings auch eine der wichtigsten schweizerischen Bahnstrecken, auf der zahlreiche Fernverkehrszüge aus Zürich kommend verkehren und wichtige Orte miteinander verbinden. Selbst der österreichische Railjet kann hier angetroffen werden, während er sich die Küste des Zürichsees entlang schlängelt. Lokführer haben dabei die Gelegenheit, einmal in die interessantesten Schweizer Lokomotiven zu treten.

Kritik:
Insgesamt mag es auch für den „Train Simulator“ wohl nicht allzu viele Routen durch die Schweiz geben. Nachdem bereits die „Dreiländereck“-Strecke zumindest einen kleinen Abstecher in unser Nachbarland machte, führt „SBB Route 1“ gemäß seines Namens genau mitten durch die Schweiz entlang des Zürichsees. Damit ist dieses Addon vielleicht sogar die bisher einzige kommerzielle Route in diesem Land. Mittlerweile aber schon seit mehreren Jahren auf dem Markt, kann man technisch womöglich nicht mehr ganz mit den neuesten DLCs mithalten. Das liegt vor allem daran, dass „SBB Route 1“ vor allem grafisch dann doch ein wenig „outdated“ zu sein scheint. Die Texturen erscheinen hin und wieder etwas matschig, auf der Distanz fehlen meistens die Bäume und auch die NPC-Figuren sind für heutige Verhältnisse alles andere als hübsch. Ganz zu schweigen davon, dass sie in den Bahnhöfen gerne einmal im Boden laufen.

Train Simulator: SBB Route 1

Details für Güterfans
Und trotzdem hat die Strecke auch heute noch ihren gewissen Reiz, weil einige Besonderheiten die große Liebe zum Detail dann doch wieder offenbaren. Das fällt bereits damit auf, dass viele Streckenabschnitte praktisch dem Original entsprechend und selbst in Ziegelbrücke die dazugehörige Brücke originalgetreu wiedererkannt werden kann. Aber auch abseits der großen Orte taucht eine interessante Ausarbeitung der Gebäude auf. Etwa dann, wenn wir in Flums den interessanten Güterbahnhof entdecken oder an manchen Bahnhöfen gar eine Dieseltankstelle zu finden ist. Güterfans kommen also ebenfalls auf ihre Kosten, denn in den Szenarien stellen wir fest, dass die Beladung von Güterwaggons sogar animiert wurde und Gabelstapler die Produkte dann tatsächlich in die Waggons laden. Da schlägt das Eisenbahnherz gleich höher – und solche Szenen sind auch keine Selbstverständlichkeit.

Train Simulator: SBB Route 1

Hohes Passagieraufkommen
Schade ist gerade in diesem Hinblick, dass SimTrain gerade einmal zwei Güterszenarien eingebaut hat – eines davon mit einer großen Re 4/4 E-Lokomotive, eine andere mit dem Stationstraktor Tm232. Der Rest besteht vollständig aus Passagierszenarien, bei denen wir wahlweise S-Bahnen, Regionalzüge oder gar Fernverkehrsangebote über die Landkarte bringen müssen. Interessant dabei: Die Macher der Szenarien haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und wirklich spannende Ideen eingebaut. So bietet fast jede Aufgabe auch eine Vor- und Nacharbeit, bei der wir etwa die Lok ins Depot bringen, Wagen ankoppeln oder hin und wieder einmal auftanken müssen. Ganz im Sinne der 50er Jahre hat man einmalig sogar Passagier- und Gütertransport kombiniert und einen gemischten Zug zusammengestellt. Mit insgesamt zehn Szenarien allein beim Haupt-Addon kommt dabei aber auch reichlich Spielzeit zustande.

Train Simulator: SBB Route 1

Fahren wie ein echter Lokführer
Besonders interessant wird „SBB Route 1“ aber deshalb, weil man der Strecke doch einige Besonderheiten verliehen hat. So werden auf der gesamten Strecke nämlich keinerlei Geschwindigkeitsbegrenzungen angezeigt – weder im einblendbaren HUD, noch als Geschwindigkeitstafeln am Gleis selbst. Um diese Aufgaben zu meistern, ist man somit quasi verpflichtet, den dazugehörigen Dienstfahrplan wahlweise auszudrucken oder auf einem zweiten Bildschirm anzeigen zu lassen. Nur dort nämlich stehen sowohl die Geschwindigkeitsbegrenzungen, als auch wichtige Hinweise zu den Aufgaben und Manövern. Und selbst da finden sich noch interessante Alleinstellungsmerkmale, wie etwa eine Trennstrecke, bei dem man kurzzeitig den Hauptschalter aus Sicherheitsgründen abschalten muss. Damit kann die Route generell auch zu einer kleinen Herausforderung werden.

Train Simulator: SBB Route 1

Fehlende Angaben
Schade ist dann allerdings, dass „SBB Route 1“ auch nicht ganz fehlerfrei bleibt, denn ein paar Patzer haben die Streckendesigner dann doch eingebaut. In vereinzelten Fällen können wir beispielsweise nicht nachvollziehen, wieso wir plötzlich auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung stoßen, wenn ausnahmsweise auch im Dienstfahrplan eine Angabe offenbar fehlt. Da sollte man schon auf Genauigkeit bei der Erstellung der Dienstfahrpläne achten, wenn man diese zwingend erforderlich macht und die HUD-Angaben entfernt. Ebenso irritiert es manchmal, dass Waggons unseres Zuges am Ende des Gleises über den Bahnsteig hinüber ragen und wir dennoch dort die Türen öffnen sollen. Damit ein Halt nämlich funktioniert, ist ein exakter Stopp an den Halteschildern notwendig – selbst dann, wenn der Zug für eben jenes Schild eigentlich zu lang wäre. Auch das sind Patzer, die den Spielspaß ein wenig trüben.

Train Simulator: SBB Route 1

Herausforderungen
Andererseits zeigt sich die Strecke wieder von ihrer besseren Seite, wenn die Standardaufgaben (Karriereszenarien gibt es leider wegen des Alters nicht) einen wirklich engen Fahrplan vorgeben. Ein kleinster Fehler kann bedeuten, dass das jeweilige Szenario nicht vollständig abgeschlossen werden kann. Denn bei einer geringen Verspätung von auch nur einer einzigen Minute beim Halt an einem Bahnhof, wird jener Halt mitunter nicht gewertet und führt dazu, dass wir auf den grünen Haken in der Szenarioliste anschließend verzichten müssen. Gerade dieses strenge Einhalten des Fahrplans sorgt aber für Spannung auf der Schiene. Und wehe, der Lokführer hat einmal Probleme beim Ankuppeln eines Waggons oder findet nicht sofort das passende Gleis.

Train Simulator: SBB Route 1

Diesel und Elektro
Der Umfang des Addons ist hinsichtlich des Rollmaterials ansonsten guter Durchschnitt. Insgesamt können wir zwei verschiedene Lokomotiven fahren: Einerseits die SBB Re 4/4 II in gewöhnlicher roter Lackierung, aber auch mit seinem bekannten Cargo-Schriftzug. Andererseits wäre da aber auch der bereits erwähnte Stationstraktor Tm232 in schickem rot-blauen Design, Dieselmotor und einer zwei-achsigen Bauweise. Gerade an der Stelle ist es dann doch schade, dass uns das Fahren der Re 460 leider verwehrt bleibt, obwohl das Fahrzeug immerhin Teil des Rollmaterials ist. Da allerdings ein Führerstand fehlt, ist diese Lokomotive leider nur als KI-Verkehr einsetzbar. Immerhin entsteht dabei aber ein etwas realistischerer Look auf der Strecke. Das ansonsten umfangreiche Material an Waggons lässt das aber verschmerzen: So finden sich gleich drei verschiedene Passagierwaggons in mehreren Klassen und Ausführungen. Außerdem abwechslungsreiche Güterwaggons, die einen einigermaßen realistischen Bahnbetrieb ermöglichen. Das gefällt dann doch recht schnell.

Train Simulator: SBB Route 1 - Railjet

Erweiterung: Railjet
Wem das noch nicht reicht, der hat auf der „SBB Route 1“ auch noch genügend Möglichkeiten, die Strecke durch (kostenpflichtige) Züge und Szenarien zu erweitern. So ist unter anderem auch der bekannte Hochgeschwindigkeitszug ÖBB Railjet verfügbar, durch den man auch eine ausländische Eisenbahngesellschaft auf dieser Route fahren lassen kann. Dass sich mit dem dazugehörigen Taurus aber nur Passagierfahrten ergeben, sollte den meisten klar sein. Interessant ist das dennoch, denn hier bieten sich vor allem ungewöhnliche Doppeltraktionen, bei denen nicht zwei Loks an einem Ende stehen und auch keine Sandwichformation verwendet wird, sondern zwei reguläre Züge aneinander gehangen werden, sodass die zweite Lok sich in der Mitte des Zuges befindet. Das sieht man so auch nicht alle Tage. Angesichts des gut gelungenen Zugdesigns lohnt sich dieses Addon aber ebenfalls.

Train Simulator: SBB Route 1 - Roter Pfeil

Erweiterung: Roter Pfeil
Hat man danach dann immer noch nicht genug, bietet sich mit den Roten Pfeilen des SBB noch ein weiteres (kostenpflichtiges) Erweiterungspaket an, bei dem wir nochmals zehn Szenarien geboten bekommen. Dieser liegt dann auch gleich in mehreren Varianten vor, denn neben der modernen Version von SBB Historic und einer Reverse-Variante mit dem Pantographen auf der entgegengesetzten Seite, finden wir auch das klassische Modell aus dem 50er Jahren vor. Abwechslung ist also auch hiermit geboten. Und Spaß macht das noch dazu, denn die roten Pfeile überzeugen mit einer schnellen Beschleunigung. Auch hier gibt es zwar ausschließlich Passagierszenarien, doch dank eines schwer anzukuppelnden Ski-Anhängers haben selbst diese noch Besonderheiten zu bieten. Ganz zu schweigen davon, dass es nicht allzu viele Züge gibt, bei denen man eine Innenraummusik einschalten kann, um die Fahrgäste zu unterhalten.

Fazit:
Die schweizerische Strecke entlang des Zürichsees sieht zwar optisch ein wenig veraltet ab, überzeugt aber mit liebevollen Details, einer hohen Spielzeit und guten Erweiterungsmöglichkeiten.

Train Simulator: SBB Route 1 Wertung


16
Mai

Sniper Ghost Warrior 3

Jon North ist erfahrener amerikanischer Scharfschütze, der in geheimer Mission ins ferne Georgien gesendet wird. Dort soll er gegen prorussische Separatisten kämpfen und die Lage im Land möglichst unter seine Kontrolle bringen. Vor allem Kriegsverbrecher und diverse weitere Anführer der Separatisten stehen dabei auf seiner Abschussliste, während er als hochqualifizierte Ein-Mann-Armee durch die Wälder streift. Doch das ist länger nicht alles: Mitten in einem seiner Aufträge stellt er erstaunt fest, dass er nicht gänzlich allein in Georgien ist. Ein weiterer, mindestens gleichermaßen fähiger Scharfschütze kommt ihm in die Quere und beweist ihm, dass er einen ebenbürtigen Gegner hat. Nach und nach stellt sich die Frage, ob nicht sein Bruder sich ebenfalls innerhalb des Zielgebietes befindet und ob die sagenumwobene Geheimorganisation „Gesellschaft 23“ wohl ihre Finger mit im Spiel hat. Dumm nur, dass Jon noch gar nicht ahnt, mit welchen Methoden seine Gegner womöglich arbeiten und dass sich die Rollenverteilung in Georgien gewaltig ändern könnte…

Kritik:
Einige Monate nach dem Release des gelungenen „Sniper Elite 4“ darf natürlich auch die zweite Spielereihe um Scharfschützen nicht fehlen. Nach den eher durchwachsenen Vorgängern der „Sniper Ghost Warrior“-Reihe setzen die Entwickler auf zahlreiche Änderungen. Endlich sollen wir in einer offenen Welt kämpfen und möglichst viele Freiheiten erhalten. Und diese Rechnung geht tatsächlich auf.

Sniper Ghost Warrior 3

Inspiriert von Far Cry
Insgesamt sind wir dabei auf drei verschiedenen Maps unterwegs, die allesamt in Georgien spielen. Einerseits das Gebiet mit der Bergbaustadt, in der vor allem große Bergbauminen das Bild prägen, dann aber auch in einer schneebedeckten Berglandschaft und in einer kleineren Karte, in der spannende Dörfer auf uns warten. Man kann sicherlich nicht leugnen, dass „Sniper Ghost Warrior“ sich dabei ein wenig von anderen erfolgreichen Spielen inspirieren lässt und diverse Spielelemente übernimmt. Die offene Welt erinnert mit ihren kleinen holprigen Feldwegen und den feindlichen Außenposten nämlich nur allzu sehr an die letzten „Far Cry“-Spiele, während vor allem der Erkundungsmodus, bei dem wir auf die Suche nach wichtigen Hinweisen und Fußspuren gehen, eher an „The Witcher 3“ erinnern mag. In Kombination mit einem Scharfschützen-Gameplay funktioniert das allerdings hervorragend.

Sniper Ghost Warrior 3

Übersicht und Planung
Die offene Welt fügt sich nämlich hervorragend ins Gameplay ein, wenn wir feststellen, dass uns „Sniper Ghost Warrior 3“ möglichst viele Freiheiten gewährt. Man möchte uns gar nicht zu sehr an die Hand nehmen, sondern gibt uns – abgesehen vom Prolog – lediglich Missionsziele, die wir nach Belieben lösen können. Für den Spieler heißt das selbstverständlich eigene Planung: Wir müssen uns selbst die Übersicht verschaffen, Gegner markieren, bei Bedarf eine geeignete Scharfschützenposition finden und dann über die Reihenfolge unserer Abschüsse selbst entscheiden. Und das macht den eigentlichen Reiz aus. Die Drohne ist dabei das wohl wichtigste Hilfsmittel und gibt uns einen Überblick über Gegnerpositionen, Hinweisen und bei Bedarf auch technische Gimmicks wie Infrarotansicht – kann jedoch auch von Gegnern entdeckt werden. Und obwohl die Drohne durchaus geeignete Positionen für uns vorschlägt, sind wir nicht an diese gebunden: Scheint ein Platz geeignet, um den Gegner ins Visier zu nehmen, liegt es ganz an uns, ob wir von dort aus agieren möchten. Spannend.

Sniper Ghost Warrior 3

Abwechslungsreiche Missionen
Die Missionen sind dabei auch keineswegs eintönig, sondern bieten stets hohe Abwechslung. Manchmal hängen mehrere Missionen sogar direkt zusammen, was vor allem für die gelungenen Nebenmissionen gilt. Dabei müssen wir gelegentlich nur ein einziges Ziel töten, ein anderes Mal einen Computer innerhalb des Zielgebiets hacken oder diverse Informationen von den Gegnern stehlen. Hier kommt auch zum Vorschein, wieso das Spiel „Sniper Ghost Warrior“ heißt. Denn nach dem snipern unserer Gegner, müssen wir manchmal auch das Zielgebiet infiltrieren und möglichst unentdeckt als „Ghost“ vorgehen. Klappt das nicht, gehen wir nahtlos in den „Warrior“-Modus über und bekämpfen den Feind im Nahkampf.

Sniper Ghost Warrior 3

Waffen und Gadgets
Immer mit dabei: Drei verschiedene Waffen, die uns in der jeweiligen Situation zur Verfügung stehen. Dazu gehört selbstverständlich ein Scharfschützengewehr, das wir auf umfangreiche Weise mit verschiedener Ausrüstung erweitern können. Zielfernrohr, Visier, Schalldämpfer oder auch Magazingröße ist dabei austauschbar und kann je nach Spielweise angepasst werden. Ähnlich gilt auch für die Maschinenpistole, die uns im Nahkampf gegen mehrere Gegner effektiv zur Seite steht und die leise schallgedämpfte Pistole, die vor allem für verdecktes Vorgehen taugt. Wem das nicht reicht, der darf natürlich auch nützliche Gadgets nach seinen Vorlieben ausstatten. Bis zu sechs Ausrüstungsslots stehen uns dabei zur Verfügung – aber weit mehr Gadgets. Ob wir also mit Granaten ins Gefecht gehen, oder lieber mit Infrarotsicht und Wurfmessern – ganz unsere Entscheidung. Dem Spieler überlässt man dabei die Wahl, ob er lieber als Sniper, Ghost oder Warrior vorgehen möchte – oder alles kombiniert.

Sniper Ghost Warrior 3

Dreigliedriges Skillsystem
Hier fügt sich auch das Skillsystem mit seinen drei verschiedenen Talentbäumen ein, das ebenso namensgebend in Sniper, Ghost und Warrior unterteilt ist. Interessant dabei: Erfahrungs- und Skillpunkte sind abhängig von unserer Spielweise. Für Erfolge mit dem Scharfschützengewehr gibt es etwa Sniper-Erfahrungspunkte, für Erfolg im Nahkampf wiederum Warrior-Erfahrungspunkte. Für jeweils 1000 Erfahrungspunkte folgt dann ein Skillpunkt, mit dem wir eine von jeweils neun Fähigkeiten freischalten können. Spätestens im fortgeschrittenen Spielverlauf wird aber auch die Schwäche des Spiels ersichtlich: Wer beispielsweise bevorzugt mit dem Scharfschützengewehr unterwegs ist – weil es sich bei dem Spiel nunmal primär um ein Scharfschützenspiel handelt – der wird irgendwann seine Sniper-Skills komplett voll haben und kann seine zahlreichen überschüssigen Skillpunkte nicht in anderen Talentbäumen einsetzen, während Ghost- und Warrior-Skills oft noch frei sind. Das ist insgesamt etwas schade, da anhand der Ausrichtung des Spiels praktisch vorherbestimmt ist, welche Erfahrungspunkte wir am ehesten sammeln.

Sniper Ghost Warrior 3

Aussetzer bei KI
Man kann insgesamt also feststellen: „Sniper Ghost Warrior 3“ macht vieles anders als seine Konkurrenz „Sniper Elite 4“. Einiges davon durchaus besser, anderes allerdings wiederum auch schlechter. So etwa die KI der Gegner, die nicht so gut reagiert. Oft ist sie schlicht nicht in der Lage uns ausfindig zu machen – wenn doch, findet sie uns allerdings umso schneller und beschießt dann gleich mit Mörsern auf die richtige Position. Eine Erklärung gibt es dafür mitunter zwar schon, denn die Berechnung der Flugbahn anhand gefundener Leichen wäre denkbar – für viele Spieler bleibt aber völlig unklar, wieso der Gegner uns so schnell ausfindig machen kann. Andererseits werden Mörser nicht mehr neu besetzt, nachdem der Bediener erschossen wurde und die KI nimmt auch keine Verfolgung außerhalb des Missionsgebietes auf. Einmal den Gegner alarmiert, reicht einfaches Abwarten meist aus. Zumal auch auf Geräusche kaum reagiert wird. Das Ausnutzen von Umgebungsgeräuschen, wie etwa bei „Sniper Elite“ fehlt also völlig.

Sniper Ghost Warrior 3

Geister auf Distanz
Und obwohl die offene Welt spielerisch zahlreiche Vorzüge bietet, stellen wir aus technischen Gründen allerdings auch einen Nachteil fest. Der hängt nämlich offenbar mit der Performanceoptimierung zusammen, die dafür sorgt, dass bestimmte Objekte auf hoher Distanz nicht mehr dargestellt werden. Dummerweise betrifft das mitunter auch Gegner, die unter Umständen erst bei kürzerer Distanz spawnen. In den Missionen fällt dies oftmals noch weniger auf, da das Missionsgebiet selbst in der Regel auf höherer Entfernung dargestellt wird – sobald wir uns allerdings auf die Jagd nach „Meistgesuchten“ machen und somit nicht mehr in einem eingegrenzten Gebiet agieren, wird das Problem deutlich: So kann man Gegner beispielsweise auf 500 Meter Distanz durch das Zielfernrohr nicht mehr sehen, erkennt bei Einsatz der Drohne allerdings, dass sie beispielsweise bei 200 bis 300 Metern Distanz plötzlich erscheinen. Bei einem Scharfschützen-Shooter ein durchaus nicht unproblematisches Phänomen – wenngleich die aktuellsten Patchnotes darauf hinweisen, dass die Entwickler zumindest an diesem Problem arbeiten und Besserung versprechen. Die Performance des Spiels wiederum ist dafür ausgesprochen gut optimiert.

Sniper Ghost Warrior 3

Spannende Nebenmissionen
Apropos Missioen: Eine Sache fällt hier sehr positiv auf, denn in „Sniper Ghost Warrior 3“ sind nicht nur die Hauptmissionen überaus gelungen. In unserem Test stellten wir fest, dass auch die Nebenmissionen diesen in Sachen Umfang in nichts nachstehen und über ebenso spannende, sowie oft auch abwechslungsreiche Aufgaben verfügen. Hier kann es sogar einmal richtig spannend werden, wenn wir etwa als Scharfschütze aus der Entfernung einige andere Soldaten unterstützen, die das Gebiet infiltrieren. Wir sind spätestens in den Nebenmissionen also nicht immer allein unterwegs, was die Figuren insgesamt interessanter erscheinen lässt, als beispielsweise bei „Sniper Elite 4“. Eines steht jedoch fest: In diesem Spiel bekommen wir keine monotonen Muster bei Nebenmissionen geboten, sondern die Entwickler stecken viel Liebe zum Detail ins Missionsdesign, was dazu führt, dass am Ende niemand die Nebenmissionen auslassen möchte.

Sniper Ghost Warrior 3

B-Film lässt grüßen
Da kann man dann auch leicht darüber hinweg sehen, dass die Story doch insgesamt ein wenig an einen klassischen B-Actionfilm erinnert. Dass ausgerechnet der eigene Bruder sich auf Feindesseite im Zielgebiet befinden soll und natürlich schlagkräftige Agentinnen uns zur Seite stehen, ist dann mitunter doch etwas sehr an der Nase herbei gezogen. Dass eine gehörige Portion amerikanischer Patriotismus natürlich ebenso wenig fehlen darf, sollte somit kaum verwundern. Wer hier also eine tiefgehende Story um das amerikanisch-russische Verhältnis sucht, der wird insgesamt schwer enttäuscht werden. „Sniper Ghost Warrior 3“ konzentriert sich dann doch mehr aufs Gameplay, als darauf, eine gute Geschichte zu erzählen. Dementsprechend sehen dann allerdings auch die Zwischensequenzen aus, deren Grafik innerhalb der Videos dann doch wesentlich schlechter ausgefallen ist, als das Spiel selbst. Da das Spiel selbst aber ohnehin am meisten Spaß macht und die Zwischensequenzen auch nicht überwiegen, kann man das durchaus verschmerzen – verwundern darf es aber dennoch, dass man nicht auch solche Kleinigkeiten dann zuletzt noch abgerundet hat.

Sniper Ghost Warrior 3

Hübsches Georgien
Zumal der Shooter ansonsten auch tatsächlich gut und zeitgemäß aussieht. Vor allem in den höchsten Grafikeinstellungen kann „Sniper Ghost Warrior 3“ schließlich mit scharfen Texturen und einer wirklich hübschen Flora überzeugen. Selbiges gilt auch für die durchweg gelungenen Beleuchtungseffekte, die das Spiel zu jeder Tageszeit realistisch aussehen lässt. Hier und da mag es zwar ein paar Schwächen geben, etwa bei der häufigen Wiederholung von gegnerischen Figuren oder etwa die nicht immer überzeugende Darstellung von Tieren, als störend wird das aber eher noch nicht empfunden. Da fällt dann schon eher das hin und wieder schwächelnde Anti-Aliasing oder gelegentliche weiße Texturränder an einigen wenigen Stellen auf. Sieht man dann hingegen wiederum die hervorragenden Regen- und Wassereffekte, oder die zum Teil hübsch gestalteten Außenposten, gleicht sich aber auch das wiederum aus. Generell ist das Spiel damit zwar noch keine Grafikreferenz, kann aber durchaus als „hübsch“ angesehen werden.

Fazit:
Die neue offene Welt und das umfangreiche Missionsdesign machen sich bezahlbar: „Sniper Ghost Warrior 3“ ist somit der bisher beste Teil dieser Spielereihe und punktet mit taktischem Gameplay, vielen Freiheiten und reichlich Abwechslung bei den Missionen. Da kann man auch über kleinere Schwächen etwa bei der KI schnell hinweg sehen und Fans des Scharfschützen-Genres werden viel Spaß haben.

Sniper Ghost Warrior 3 Wertung


06
Mai

Guardians of the Galaxy

Das Leben im Weltraum nimmt Peter „Star-Lord“ Quill meistens ziemlich locker und mit Humor – vielleicht sogar ein klein wenig zu locker. Denn das führt nicht selten dazu, dass er ernsthafte Gefahren und Bedrohungen nicht immer richtig ernst nimmt. Auch nachdem er einen Notruf von einem fremden Schiff erhält, wird das mehr als nur deutlich. Statt mit ernsthaftem Verantwortungsbewusstsein zur Hilfe zu eilen, haben er und seine Crew doch eher ihre eigenen Ziele im Sinn und stolpern geradezu tollpatschig ins Gefecht. Immerhin treten sie schon bald gegen ihren langjährigen Erzfeind Thanos an, der ein übermächtiges Relikt für sich selbst ergattern möchte. Dumm nur, dass die Crew der Milano noch gar nicht ahnt, dass sie längst nicht als einzige hinter diesem Relikt her sind…

Kritik:
Der Zeitpunkt könnte kaum passender sein: Da stürmen die Fans der Marvel Superhelden-Filme gerade noch wegen „Guardians of the Galaxy 2“ in die deutschen Kinos, da haben sie nach ihrer Rückkehr ins traute Heim auch gleich die Gelegenheit, einmal selbst in die Rolle des Peter Quill zu schlüpfen und spannende Abenteuer im Weltraum zu erleben. Denn Telltale Games hat sich auch die Lizenz dieses Streifens gesichert und liefert uns wieder eine spannende Story im üblichen Abenteuergewand.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Die alten Bekannten
Die große Freude der Fans kommt bereits auf, wenn sie merken, dass die gesamte bekannte Crew schon in der ersten Episode von „Guardians of the Galaxy“ mit von der Partie ist. Meisten steuern wir dabei zwar den Helden Star-Lord, doch auch der süße Waschbär Rocket, der sprechende Baum Groot und Gamora dürfen natürlich nicht fehlen. Allerdings setzt Telltale erstmals auf einen überraschenden Charakterwechsel, denn in diesem Spiel steuern wir nun nicht nur eine einzige Person. Die Kämpfe bekommen dabei eine ungeahnte Dynamik, wenn wir regelmäßig die einzelnen Helden wechseln dürfen und durch das ständige Switchen der Figuren gegen Thalos antreten müssen. Den Spielern sollte dabei aber einmal mehr klar sein: Wir können uns hier nicht frei bewegen, sondern absolvieren die Kämpfe in den für Telltale typischen Quicktime-Events durch das Drücken vorgegebener Tasten. Das Gameplay bleibt also gewohnt eingeschränkt.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Neue Features
Und doch machen es die Entwickler dem bereits zuvor erschienenen „Tales from the Borderlands“ gleich und bauen neue Features ein, die es so noch in keinem anderen Telltale-Spiel gab. So haben wir nun die Möglichkeit, fast jederzeit mit unseren Teamkollegen zu kommunizieren und dürfen dank der schwebenden Schuhe auch einmal in die Lüfte aufsteigen und die verschiedenen Ebenen mancher Level wechseln. Gerade hier wird aber mehr als deutlich, wieso das eingeschränkte Gameplay zu einem Problem wird: Wie viel mehr Spaß würde es wohl machen, komplett frei in der Spielwelt herumfliegen zu können oder womöglich gar auf diese Weise in den Kampf zu ziehen? Da ist einfach auf Grund der Features weit mehr Potential vorhanden, als letztendlich genutzt wird. Und trotzdem ist man angesichts der wenigen neuen Ideen in The Walking Dead: A New Frontier geradezu froh darüber, dass man überhaupt neue Features eingebaut hat.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Einflussreiche Entscheidungen
Ein bekanntes, aber auch wichtiges Spielelement der Telltale-Spiele bleibt aber bestehen: Die Handlung findet überwiegend in Dialogen statt, in denen wir selbst die Antworten anhand von Multiple Choice-Optionen geben können. Dabei hat es tatsächlich Auswirkungen auf den weiteren Spiel- und Storyverlauf, welche Antworten wir hierbei geben oder welche Entscheidungen wir treffen. So können wir auch entscheiden, mit welchen Teammitgliedern wir enger zusammenarbeiten wollen oder ob wir uns mit Nova Corps oder dem Collector verbünden möchten – jede Entscheidung hat dabei auch Auswirkungen auf späteren Episoden, die in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden. Man muss zwar zugeben, dass die Auswahlmöglichkeiten nicht immer den Antworten entsprechen, die wir am liebsten geben möchten, doch gilt auch bei „Guardians of the Galaxy“, dass gerade dieses Spielelement den Reiz der Telltale-Spiele erst ausmacht.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Spaß im Universum
Besonders interessant ist dabei, dass wir uns stets aussuchen können, ob wir die typisch lockeren und witzigen Antworten geben, die Star-Lord auch im Film von sich gegeben hat, oder ob wir lieber auf unsere eigene Art möglichst ernst bleiben möchten. Entscheiden wir uns allerdings für die erste Variante, bekommt „Guardians of the Galaxy“ einen Grad an Situationskomik, den wir in Spielen so nicht unbedingt gewohnt sind, der sich aber ebenfalls stilistisch perfekt an „Tales from the Borderlands“ anlehnt. Obwohl es zwischen diesen Spielen trotzdem noch grundlegende Unterschiede gibt, denn Telltale ist es bestens gelungen, die Atmosphäre der Filme auch sonst bestens einzufangen. Das fängt bereits bei dem herausragenden Soundtrack an, der schnell die bekannte Stimmung einfängt und das Feeling sofort zurückbringt. Marvel-Fans sollten sich das Spiel somit also nicht entgehen lassen.

Fazit:
Telltale Games hat sich eine weitere Lizenz gesichert, die im üblichen Adventure-Gewand mit Quicktime-Events umgesetzt wurde. Spielerisch darf man dabei wohl nicht allzu viele Neuheiten erwarten und das Gameplay bleibt gewohnt eingeschränkt, doch gelingt es den Entwicklern bestens, den Humor und die Atmosphäre der Filme einzufangen. Für Marvel-Fans wird das Spiel somit zu einem großen Spaß.

Guardians of the Galaxy Wertung


03
Mai

The Franz Kafka Videogame

Der Protagonist K. ist Psychotherapeut und erst vor kurzem in der Nachbarschaft eingezogen. Mittels der Hypnose möchte er dort versuchen, den verschiedensten Menschen bei ihren Problemen zu helfen. Dumm nur, dass seine Arbeit auch einmal nach hinten los gehen kann, als er sich vermeintlich selbst hypnotisiert. Prompt findet er sich in einer absurden und skurrilen Welt wieder, in der zahlreiche Dinge auf den ersten Blick vollkommen zufällig geschehen. Seine finanziellen Probleme könnten dabei allerdings ebenfalls gelöst werden, als er ein dubioses Stellenangebot in Amerika erhält – nur ablehnen kann er aus mysteriösen Gründen leider ebenfalls nicht. So schlendert K. folglich also von einem Rätsel in das nächste und muss die verrückten Absurditäten seiner eigenen Psyche erkunden…

Kritik:
Dass man ein Videospiel ausgerechnet einem Autoren widmet, ist schon außergewöhnlich genug. Wenn es sich dabei allerdings auch noch um Franz Kafka handelt, kann man gerne einmal ins Staunen kommen. Immerhin war der Autor doch einst für seine undurchsichtigen und skurrilen Geschichten bekannt, die letztendlich auch den Begriff „kafkaesk“ etabliert haben. Umso spannender also, dass das „Franz Kafka Videogame“ selbst eine solche Richtung einschlagen möchte.

The Franz Kafka Videogame

Minimalistische Kunst
Das Spiel selbst ist dabei auf den ersten Blick recht minimalistisch ausgefallen, wie man es von Daedalic durchaus gewohnt ist. Mehr als das Spiel starten und beenden, sowie den Fenstermodus einstellen ist praktisch nicht möglich. Umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten suchen wir vergeblich. Die sind allerdings auch nicht nötig, wurde das Spiel nämlich komplett in einem 2D-Zeichentricklook gehalten, bei dem sich die jeweiligen Rätsel und Szenen in abstrakten Bildern oder skurrilen Kunstszenen abspielen. Da gäbe es also grafisch ohnehin nicht viel einzustellen. Eines macht der russische Entwickler Denis Galanin (das Spiel ist ein Ein-Mann-Projekt) damit allerdings schnell klar: Computerspiele haben tatsächlich das Zeug dazu, originelle Kunst sein zu können. Und Gewalt brauchen sie dafür wahrlich auch nicht immer.

The Franz Kafka Videogame

Psyche in Bildern
Interessant sind die Bilder dabei allemal, denn sie ergeben nicht immer gleich Sinn. So entspringen sie schließlich der Psyche des Hauptprotagonisten und zeigen daher desöfteren auch mal reine Fantasiegebilde. Dazu können Monster zählen, die den Kreaturen aus dem alten „Hamlet“-Spiel ähneln, aber auch Kreuzungen aus Insekten und Menschen oder Luftschiffe, die an Ballons in die Höhe gezogen werden und so ebenfalls kaum der Realität entsprechen könnten. Jedes einzelne dieser Bilder besteht dabei allerdings aus einem kreativen Rätsel, bei dem wir etwa (englische) Wörter finden müssen, Zahlenrätsel lösen oder auf skurrile Weise unseren Weg freimachen sollen. Die Lösungen der jeweiligen Aufgaben sind dabei stets innerhalb der Bilder und Szenen versteckt – allerdings in keinem der Fälle sofort offensichtlich erkennbar. Manches Mal kann man als Spieler dabei sogar ein wenig verzweifeln, wenn das aktuelle Rätsel mal wieder überhaupt keinen Sinn zu machen scheint.

The Franz Kafka Videogame

Mit Tipps zum Erfolg
Der Schwierigkeitsgrad unterscheidet sich dabei grundlegend. Bei dem einen Rätsel mag man auf Anhieb selbst auf die Lösung kommen, bei anderen benötigt man womöglich gleich mehrere Tipps, um endlich seinen Aha-Moment zu erleben. Zum Glück sind wir allerdings nicht auf uns allein gestellt, denn in jedem Rätsel erhalten wir tatsächlich bis zu zwei Tipps, die nach dem Ablauf einer bestimmten Zeit (meist weniger Minuten) eingeblendet werden können. Und spätestens beim zweiten Tipp gelang uns dann stets die Lösung, sodass wir während unseres Tests kein einziges Mal in eine Komplettlösung schauen mussten. Das ist grundsätzlich gut, denn nicht zwangsläufig Standard bei den Abenteuerspielen von Daedalic. Insgesamt hängt die Schnelligkeit bei der Lösungsfindung aber grundsätzlich auch von der Wahrnehmung und Denkweise des Spielers ab. Die Rätsel sind dabei nämlich so abwechslungsreich, dass sicherlich jeder Spieler unterschiedliche Aufgaben als einfach oder schwer empfinden wird. Spannend bleibt es so aber auf jeden Fall, selbst wenn die Gesamtspielzeit mit unter zwei Stunden leider ein wenig kurz ausgefallen ist.

Fazit:
Skurriles Rätselspiel mit faszinierend absurden Aufgaben und einer regelrecht „kafkaesken“ Darstellungsform. Spiele können also definitiv auch Kunst sein.

The Franz Kafka Videogame Wertung


03
Apr

Colt Express

Es gab einmal eine Zeit, in der wurden äußerst wertvolle Dinge mit der Eisenbahn transportiert – von Geld, bis hin zu Diamanten. Mitten im Wilden Westen versuchen mehrere Banditen nun regelmäßig, die Waggons bei laufender Fahrt auszurauben und dem Marshall aus dem Weg zu gehen. Doch das ist alles andere als einfach, denn vorausschauendes Denken ist erforderlich, um die Vorgehensweise der Gegner vorherzusehen. Immerhin sind wir nicht alleine auf dem Zug und zahlreiche andere Banditen warten mit heißen Schießeisen nur darauf, uns ein für alle mal vom Zug zu jagen…

Kritik:
Brettspiele erfreuen sich auch heute noch einer großen Beliebtheit. Doch nicht jeder hat immer die passenden Mitspieler, um zuhause das große Spielbrett aufzuschlagen. Und auch an den vergleichsweise hohen Kosten der physischen Version kann es manchmal scheitern. Da kommen PC-Versionen von ausgezeichneten PC-Spielen gerade recht.

Colt Express

Digitale Brettspielumsetzung
Auch „Colt Express“ ist ein solches Spiel, das man auf Basis des gleichnamigen Brettspiels nun in digitaler Form umgesetzt hat. Und da hält man sich ziemlich originalgetreu an die Vorlage, die man prompt sowohl offline, als auch im Multiplayer gegen andere Mitspieler spielen kann. Und trotz des günstigeren Preises hat die digitale Version gleich noch ein wenig mehr zu bieten, denn eine ganze Singleplayer-Kampagne wartet auf den Brettspiel-Fan. In jeweils fünf Kapiteln dürfen wir die Abenteuer der einzelnen Banditen durchspielen und werden dabei vor immer größeren Herausforderungen gestellt. Ob Dynamit, ein Amulett oder die Flucht vor dem Marshall – Abwechslung gibt es hier mehr als genügend. Da kann man dann durchaus mal zehn Stunden nur mit dem Story-Modus beschäftigt sein.

Colt Express

Zahlreiche Spielvarianten
Diesen zu spielen, stellt sich allerdings auch als sehr wichtig heraus. Durch das Abschließen der fünf Kapitel eines jeden Charakters schalten wir letztendlich nämlich neue Spielvarianten frei, die wir im klassischen Spielmodus und auch online anschließend nutzen können. Dazu gehören dann spannende Varianten, bei denen etwa eine Dynamitstange in einem der Waggons auftaucht, einzelne Waggons hinten abgekoppelt werden oder ein Amulett für besondere Fähigkeiten sorgt. Spannend: Im Multiplayer lassen sich diese Spielvarianten zugleich auch noch kombinieren. Und einen Vorteil hat das Freischalten über den Story-Modus allemal: Ehe wir uns in den Multiplayer-Modus wagen, kennen wir somit bereits jede einzelne Spielvariante und können uns auch gegen die anderen echten Spieler schlagen.

Colt Express

Vorausschauendes Denken
Übrigens: „Colt Express“ wurde erst im Jahre 2015 zum „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet – wie wir finden völlig zurecht. Denn das Brettspiel macht nicht nur in seiner physischen Version verdammt viel Spaß, sondern überzeugt auch am Rechner mit seinem innovativen Spielkonzept. Dabei steht es nämlich im Mittelpunkt, möglichst vorausschauend zu denken und die Züge der Spieler im Hinterkopf zu behalten. In diesem Spiel sind wir nämlich nicht einfach nur reihum an der Reihe, sondern müssen in jeder Runde gleich mehrere Spielzüge auf einmal machen. Der Reihe nach wählen die Spieler also ihre Zugkarten aus, die sie im Laufe einer Runde ausspielen wollen, ehe die Aktionen der Karten dann auch durchgeführt werden. Und da merken wir schnell, dass das gar nicht so einfach ist, vorauszusehen, welche Aktionen die Spieler im vierten oder fünften Zug durchführen. Zumal die einzelnen Züge tatsächlich Auswirkungen auf die Aktionen der Mitspieler haben können, da bestimmte Züge mehrere Möglichkeiten offen lassen oder Tunnel dafür sorgen, dass wir die ausgespielte Karte der Mitspieler gar nicht erst sehen. „Colt Express“ wird so selbst mit seinem eigentlich einfachen Spielprinzip schnell überraschend komplex.

Colt Express

Kampf gegen echte Spieler
Im Kern des Spiels liegt aber natürlich – wie auch bei der Brettspielvariante – das Spiel gegen reale Spieler, in diesem Fall via Multiplayer. Hier kommt aber leider (noch) der kleine Schwachpunkt des Spiels zum Vorschein, denn nur in seltenen Fällen finden wir genügend Mitspieler, um tatsächlich eine Online-Partie zu starten. In den meisten Fällen sind gerade einmal vier oder fünf Spieler online und nicht alle wollen auch eine Multiplayer-Partie starten. Daher kann es wohl durchaus von Vorteil sein, ein paar Freunde zu haben, die sich das Spiel ebenfalls zulegen. Dass „Colt Express“ auch online recht gut funktioniert und absolut originalgetreu umgesetzt wurde, merken wir allerdings dann, wenn sich doch einmal eine solche Partie ergibt. Da kann man nur hoffen, dass sich die Spieleranzahl schon bald deutlich erhöht – denn ein Suchtfaktor kommt schnell auf.

Colt Express

Wilder Westen im Comic-Look
Übrigens: Auch optisch orientiert man sich am Original, verzichtet allerdings auf die üblichen Pappaufsteller. Stattdessen gibt es einen liebevoll gestalteten Comic-Look, der mit Comic-Banditen und einer animierten Eisenbahn einerseits zwar dem Original entspricht, andererseits aber optisch recht ansprechend umgesetzt wurde. Damit eignet sich „Colt Express“ nämlich trotz dem Einsatz von Schusswaffen auch für Kinder, denn wirklich blutige Szenen sehen wir hier zu keiner Zeit und es bleibt trotz allem erkennbar, dass es sich um die Umsetzung eines Brettspiels handelt. Noch dazu sorgt die multilinguale Umsetzung hoffentlich bald dafür, dass auch internationale Fans endlich dazu kommen und den Online-Modus um zahlreiche Spieler erweitern. In jedem Fall ist „Colt Express“ aber für alle Brettspiel-Fans ein Blick wert – unabhängig davon, ob man die physische Variante bereits mag, oder vor dem Kauf des Brettspiels einmal die günstige digitale Version ausprobieren möchte.

Fazit:
Originalgetreue und liebevoll gestaltete Umsetzung des „Spiel des Jahres 2015“, das mit seiner taktischen und unvorhersehbaren Spielweise begeistert und durch die Notwendigkeit des vorausschauenden Denkens zu einer echten Herausforderung werden kann. Ein Muss für jeden Brettspiel-Fan.

Colt Express Wertung


03
Apr

Mysterium

Mysteriöse Ereignisse gehen im Warwick-Herrenhaus vor sich, als einige Detektive sich des Nachts dort treffen. Sie wollen den erst kürzlich geschehenen Mordfall aufdecken – mithilfe eines Geistes. Der nämlich verfügt über seltsame und abstrakte Visionen, die er den sogenannten Spiritisten mitteilt. Denn während der Geist keinerlei andere Möglichkeit hat, auf sich aufmerksam zu machen, müssen jene Spiritisten anhand der gesehenen Eindrücke herausfinden, um welchen Täter es sich bei dem Mörder handelt, in welchem Raum dieser geschah und wobei es sich um die Tatwaffe handelt. Doch was möchte der Geist ihnen tatsächlich mitteilen? Welcher Teil der Visionen ist letztendlich der entscheidende Hinweis auf den Tathergang? Und was passiert, wenn keine Vision tatsächlich zum Ereignis passt?

Kritik:
Einmal Detektiv spielen oder wahlweise in die Rolle eines Geistes schlüpfen? Diese Möglichkeit haben wir nun in „Mysterium“, einer digitalen Umsetzung des gleichnamigen Brettspiels. Gemeinsam mit anderen Spielern versuchen wir darin, einen Mordfall aufzudecken.

Mysterium

Kooperatives Brettspiel
Anders als bei den meisten Brettspielen spielt man in „Mysterium“ dieses Mal allerdings nicht richtig gegeneinander. Die Mitspieler schließen sich als Detektive in einem kooperativen Modus zusammen und müssen gemeinsam herausfinden, was beim Mordfall geschehen ist. Visionen, bestehend aus kreativ gemalten Tarotkarten sollen die passenden Hinweise geben, die auf den Täter aufmerksam machen. Doch stets ist vollkommen unklar, was uns der Geist eigentlich sagen möchte: Ist es die Farbe, die Form oder ein bestimmtes Objekt in seiner Vision, das uns den passenden Hinweis gibt. Mittels hellseherischer Fähigkeiten, die beim Endrätsel dafür sorgen, dass wir mehr Visionen erhalten, können wir auch bei den anderen Spielern mitraten und ihre Zusammenhänge herausfinden. Doch Hellsichtpunkte gibt es nur, wenn wir richtig geraten haben. Und bis das der Fall ist, können spannende Diskussionen zwischen den Spielern via Chat entstehen. Oder auch nicht.

Mysterium

Geister und Visionen
Lediglich ein einziger der Spieler schlüpft derweil in eine andere Rolle: Der Geist nämlich wird ebenfalls von einem realen Mitspieler gespielt und dieser muss den Spiritisten die passenden Visionen zukommen lassen. Dazu wählt er möglichst geschickt eine Karte aus, dessen Bild am ehesten zum Täter, dem Ort oder der Tatwaffe passt. Und er hofft, dass die Spiritisten auf ähnliche Art und Weise denken und durch den Hinweis den korrekten Täter erraten. Dummerweise passen die Visionen allerdings nicht immer und die Zeit ist begrenzt: Erst wenn der Täter erraten ist, können die Spieler nämlich auf die nächste Stufe vorrücken und den Tatort erraten. Und erst, wenn dieser korrekt erraten wurde, folgt die Tatwaffe. Bis schlussendlich eine Gegenüberstellung für ein gemeinsames Rätsel für alle Spiritisten sorgt, bei dem gemeinsam erneut ein Tatablauf erraten werden muss. Doch auch die Tatsache, dass der Geist nur begrenzt seine Visionen austauschen kann, sorgt für Spannung und kann mitunter dazu führen, dass die Hinweise nichts taugen. So bleibt das Spiel dynamisch und spannend.

Mysterium

Spiel mit echten Mitspielern
Der Kern liegt auch bei dieser Brettspielumsetzung natürlich beim integrierten Multiplayer-Modus. Wenn wir einmal das Glück haben, ausreichend viele Mitspieler zu finden, können wir uns nach oben genanntem Muster ins Abenteuer wagen und getreu dem Vorbild ein echtes Brettspiel am heimischen Rechner nachspielen. Bei unserem Test gab es allerdings noch einige Probleme, die bisher dazu führten, dass wir keine einzige spielbare Multiplayer-Partie zustande brachten. Mal will die Verbindung einfach nicht klappen, ein weiteres Mal werden die Visionen der Spiritisten nicht angezeigt und ein ganz anderes Mal landen wir plötzlich auf einem leeren Hintergrund ohne jeglichen Inhalte. Eine tatsächlich funktionierende Partie kam so allerdings noch nicht zustande. Solange die Bugs aber nicht behoben werden, macht ein Brettspiel am PC so kaum einen Sinn.

Mysterium

Ersatz für das Brettspiel
Dabei ist die Umsetzung eigentlich interessant, denn die PC-Umsetzung von „Mysterium“ könnte normalerweise die physische Vorlage komplett ersetzen – vorausgesetzt wir spielen mit einem Tablet. So steht nämlich nicht nur der Online-Multiplayer-Modus zur Verfügung, sondern auch ein lokaler Mehrspielermodus, bei dem wir das Gerät einfach zwischen den Spielern herum reichen können. So reicht es, wenn einer der Mitspieler das Spiel gekauft hat und anschließend ein Tablet reihum von einem Spieler zum nächsten gehen lässt – die physische Version des Brettspiels wird so dann nicht mehr benötigt. Angesichts des enormen Preisunterschiedes wäre das womöglich gar ein Anreiz für jene, die das Brettspiel noch nicht besitzen. Und auch unterwegs auf Reisen mag dieser Modus sicherlich seine Vorzüge bieten, kann man schließlich nicht immer ein komplettes Brettspiel ausbreiten.

Mysterium

Story um das Anwesen
Um sich mit dem Spiel allerdings ausreichend vertraut zu machen, gibt es zusätzlich auch einen Story-Modus mit Singleplayer-Kampagne. Die ersten vier Kapitel daraus verstehen sich als Tutorial und müssen zwingend absolviert werden, ehe man sich in den (bisher nicht einwandfrei funktionierenden) Multiplayer-Modus wagen darf. Danach allerdings wird die Geschichte noch in zahlreichen weiteren Kapiteln fortgesetzt, in denen wir auch spannende Hintergründe zu den Figuren und Spiritisten erhalten. Abwechselnd dürfen wir so mal in die Rolle eines Spiritisten schlüpfen und ein anderes Mal den Geist spielen, wobei der Schwierigkeitsgrad auch hier stetig steigt. Möchte der Multiplayer also mal wieder nicht funktionieren, so hat man immerhin in diesem Modus durchaus seinen Spaß. Auch wenn dies bei weitem nicht so motivierend sein mag, wie das Spiel gegen echte Spieler es sein dürfte. Immerhin liegt auch beim physischen Brettspiel genau darin der eigentliche Reiz.

Fazit:
In einem spannenden kooperativen Spielkonzept dürfen wir wahlweise in die Rolle eines Detektives oder eines Geistes schlüpfen und müssen anhand von Visionen einen Mordfall aufklären. „Mysterium“ hält sich dabei genauestens an die originale Vorlage. Sollten nun noch die Bugs im Multiplayer-Modus behoben werden, dürfte einem Kauf nichts im Wege stehen.

Mysterium Wertung