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Colt Express
Mysterium
Early Access-Check: On The Road
The Walking Dead: A New Frontier
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Dishonored 2
Leaving Lyndow


03
Apr

Colt Express

Es gab einmal eine Zeit, in der wurden äußerst wertvolle Dinge mit der Eisenbahn transportiert – von Geld, bis hin zu Diamanten. Mitten im Wilden Westen versuchen mehrere Banditen nun regelmäßig, die Waggons bei laufender Fahrt auszurauben und dem Marshall aus dem Weg zu gehen. Doch das ist alles andere als einfach, denn vorausschauendes Denken ist erforderlich, um die Vorgehensweise der Gegner vorherzusehen. Immerhin sind wir nicht alleine auf dem Zug und zahlreiche andere Banditen warten mit heißen Schießeisen nur darauf, uns ein für alle mal vom Zug zu jagen…

Kritik:
Brettspiele erfreuen sich auch heute noch einer großen Beliebtheit. Doch nicht jeder hat immer die passenden Mitspieler, um zuhause das große Spielbrett aufzuschlagen. Und auch an den vergleichsweise hohen Kosten der physischen Version kann es manchmal scheitern. Da kommen PC-Versionen von ausgezeichneten PC-Spielen gerade recht.

Colt Express

Digitale Brettspielumsetzung
Auch „Colt Express“ ist ein solches Spiel, das man auf Basis des gleichnamigen Brettspiels nun in digitaler Form umgesetzt hat. Und da hält man sich ziemlich originalgetreu an die Vorlage, die man prompt sowohl offline, als auch im Multiplayer gegen andere Mitspieler spielen kann. Und trotz des günstigeren Preises hat die digitale Version gleich noch ein wenig mehr zu bieten, denn eine ganze Singleplayer-Kampagne wartet auf den Brettspiel-Fan. In jeweils fünf Kapiteln dürfen wir die Abenteuer der einzelnen Banditen durchspielen und werden dabei vor immer größeren Herausforderungen gestellt. Ob Dynamit, ein Amulett oder die Flucht vor dem Marshall – Abwechslung gibt es hier mehr als genügend. Da kann man dann durchaus mal zehn Stunden nur mit dem Story-Modus beschäftigt sein.

Colt Express

Zahlreiche Spielvarianten
Diesen zu spielen, stellt sich allerdings auch als sehr wichtig heraus. Durch das Abschließen der fünf Kapitel eines jeden Charakters schalten wir letztendlich nämlich neue Spielvarianten frei, die wir im klassischen Spielmodus und auch online anschließend nutzen können. Dazu gehören dann spannende Varianten, bei denen etwa eine Dynamitstange in einem der Waggons auftaucht, einzelne Waggons hinten abgekoppelt werden oder ein Amulett für besondere Fähigkeiten sorgt. Spannend: Im Multiplayer lassen sich diese Spielvarianten zugleich auch noch kombinieren. Und einen Vorteil hat das Freischalten über den Story-Modus allemal: Ehe wir uns in den Multiplayer-Modus wagen, kennen wir somit bereits jede einzelne Spielvariante und können uns auch gegen die anderen echten Spieler schlagen.

Colt Express

Vorausschauendes Denken
Übrigens: „Colt Express“ wurde erst im Jahre 2015 zum „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet – wie wir finden völlig zurecht. Denn das Brettspiel macht nicht nur in seiner physischen Version verdammt viel Spaß, sondern überzeugt auch am Rechner mit seinem innovativen Spielkonzept. Dabei steht es nämlich im Mittelpunkt, möglichst vorausschauend zu denken und die Züge der Spieler im Hinterkopf zu behalten. In diesem Spiel sind wir nämlich nicht einfach nur reihum an der Reihe, sondern müssen in jeder Runde gleich mehrere Spielzüge auf einmal machen. Der Reihe nach wählen die Spieler also ihre Zugkarten aus, die sie im Laufe einer Runde ausspielen wollen, ehe die Aktionen der Karten dann auch durchgeführt werden. Und da merken wir schnell, dass das gar nicht so einfach ist, vorauszusehen, welche Aktionen die Spieler im vierten oder fünften Zug durchführen. Zumal die einzelnen Züge tatsächlich Auswirkungen auf die Aktionen der Mitspieler haben können, da bestimmte Züge mehrere Möglichkeiten offen lassen oder Tunnel dafür sorgen, dass wir die ausgespielte Karte der Mitspieler gar nicht erst sehen. „Colt Express“ wird so selbst mit seinem eigentlich einfachen Spielprinzip schnell überraschend komplex.

Colt Express

Kampf gegen echte Spieler
Im Kern des Spiels liegt aber natürlich – wie auch bei der Brettspielvariante – das Spiel gegen reale Spieler, in diesem Fall via Multiplayer. Hier kommt aber leider (noch) der kleine Schwachpunkt des Spiels zum Vorschein, denn nur in seltenen Fällen finden wir genügend Mitspieler, um tatsächlich eine Online-Partie zu starten. In den meisten Fällen sind gerade einmal vier oder fünf Spieler online und nicht alle wollen auch eine Multiplayer-Partie starten. Daher kann es wohl durchaus von Vorteil sein, ein paar Freunde zu haben, die sich das Spiel ebenfalls zulegen. Dass „Colt Express“ auch online recht gut funktioniert und absolut originalgetreu umgesetzt wurde, merken wir allerdings dann, wenn sich doch einmal eine solche Partie ergibt. Da kann man nur hoffen, dass sich die Spieleranzahl schon bald deutlich erhöht – denn ein Suchtfaktor kommt schnell auf.

Colt Express

Wilder Westen im Comic-Look
Übrigens: Auch optisch orientiert man sich am Original, verzichtet allerdings auf die üblichen Pappaufsteller. Stattdessen gibt es einen liebevoll gestalteten Comic-Look, der mit Comic-Banditen und einer animierten Eisenbahn einerseits zwar dem Original entspricht, andererseits aber optisch recht ansprechend umgesetzt wurde. Damit eignet sich „Colt Express“ nämlich trotz dem Einsatz von Schusswaffen auch für Kinder, denn wirklich blutige Szenen sehen wir hier zu keiner Zeit und es bleibt trotz allem erkennbar, dass es sich um die Umsetzung eines Brettspiels handelt. Noch dazu sorgt die multilinguale Umsetzung hoffentlich bald dafür, dass auch internationale Fans endlich dazu kommen und den Online-Modus um zahlreiche Spieler erweitern. In jedem Fall ist „Colt Express“ aber für alle Brettspiel-Fans ein Blick wert – unabhängig davon, ob man die physische Variante bereits mag, oder vor dem Kauf des Brettspiels einmal die günstige digitale Version ausprobieren möchte.

Fazit:
Originalgetreue und liebevoll gestaltete Umsetzung des „Spiel des Jahres 2015“, das mit seiner taktischen und unvorhersehbaren Spielweise begeistert und durch die Notwendigkeit des vorausschauenden Denkens zu einer echten Herausforderung werden kann. Ein Muss für jeden Brettspiel-Fan.

Colt Express Wertung


03
Apr

Mysterium

Mysteriöse Ereignisse gehen im Warwick-Herrenhaus vor sich, als einige Detektive sich des Nachts dort treffen. Sie wollen den erst kürzlich geschehenen Mordfall aufdecken – mithilfe eines Geistes. Der nämlich verfügt über seltsame und abstrakte Visionen, die er den sogenannten Spiritisten mitteilt. Denn während der Geist keinerlei andere Möglichkeit hat, auf sich aufmerksam zu machen, müssen jene Spiritisten anhand der gesehenen Eindrücke herausfinden, um welchen Täter es sich bei dem Mörder handelt, in welchem Raum dieser geschah und wobei es sich um die Tatwaffe handelt. Doch was möchte der Geist ihnen tatsächlich mitteilen? Welcher Teil der Visionen ist letztendlich der entscheidende Hinweis auf den Tathergang? Und was passiert, wenn keine Vision tatsächlich zum Ereignis passt?

Kritik:
Einmal Detektiv spielen oder wahlweise in die Rolle eines Geistes schlüpfen? Diese Möglichkeit haben wir nun in „Mysterium“, einer digitalen Umsetzung des gleichnamigen Brettspiels. Gemeinsam mit anderen Spielern versuchen wir darin, einen Mordfall aufzudecken.

Mysterium

Kooperatives Brettspiel
Anders als bei den meisten Brettspielen spielt man in „Mysterium“ dieses Mal allerdings nicht richtig gegeneinander. Die Mitspieler schließen sich als Detektive in einem kooperativen Modus zusammen und müssen gemeinsam herausfinden, was beim Mordfall geschehen ist. Visionen, bestehend aus kreativ gemalten Tarotkarten sollen die passenden Hinweise geben, die auf den Täter aufmerksam machen. Doch stets ist vollkommen unklar, was uns der Geist eigentlich sagen möchte: Ist es die Farbe, die Form oder ein bestimmtes Objekt in seiner Vision, das uns den passenden Hinweis gibt. Mittels hellseherischer Fähigkeiten, die beim Endrätsel dafür sorgen, dass wir mehr Visionen erhalten, können wir auch bei den anderen Spielern mitraten und ihre Zusammenhänge herausfinden. Doch Hellsichtpunkte gibt es nur, wenn wir richtig geraten haben. Und bis das der Fall ist, können spannende Diskussionen zwischen den Spielern via Chat entstehen. Oder auch nicht.

Mysterium

Geister und Visionen
Lediglich ein einziger der Spieler schlüpft derweil in eine andere Rolle: Der Geist nämlich wird ebenfalls von einem realen Mitspieler gespielt und dieser muss den Spiritisten die passenden Visionen zukommen lassen. Dazu wählt er möglichst geschickt eine Karte aus, dessen Bild am ehesten zum Täter, dem Ort oder der Tatwaffe passt. Und er hofft, dass die Spiritisten auf ähnliche Art und Weise denken und durch den Hinweis den korrekten Täter erraten. Dummerweise passen die Visionen allerdings nicht immer und die Zeit ist begrenzt: Erst wenn der Täter erraten ist, können die Spieler nämlich auf die nächste Stufe vorrücken und den Tatort erraten. Und erst, wenn dieser korrekt erraten wurde, folgt die Tatwaffe. Bis schlussendlich eine Gegenüberstellung für ein gemeinsames Rätsel für alle Spiritisten sorgt, bei dem gemeinsam erneut ein Tatablauf erraten werden muss. Doch auch die Tatsache, dass der Geist nur begrenzt seine Visionen austauschen kann, sorgt für Spannung und kann mitunter dazu führen, dass die Hinweise nichts taugen. So bleibt das Spiel dynamisch und spannend.

Mysterium

Spiel mit echten Mitspielern
Der Kern liegt auch bei dieser Brettspielumsetzung natürlich beim integrierten Multiplayer-Modus. Wenn wir einmal das Glück haben, ausreichend viele Mitspieler zu finden, können wir uns nach oben genanntem Muster ins Abenteuer wagen und getreu dem Vorbild ein echtes Brettspiel am heimischen Rechner nachspielen. Bei unserem Test gab es allerdings noch einige Probleme, die bisher dazu führten, dass wir keine einzige spielbare Multiplayer-Partie zustande brachten. Mal will die Verbindung einfach nicht klappen, ein weiteres Mal werden die Visionen der Spiritisten nicht angezeigt und ein ganz anderes Mal landen wir plötzlich auf einem leeren Hintergrund ohne jeglichen Inhalte. Eine tatsächlich funktionierende Partie kam so allerdings noch nicht zustande. Solange die Bugs aber nicht behoben werden, macht ein Brettspiel am PC so kaum einen Sinn.

Mysterium

Ersatz für das Brettspiel
Dabei ist die Umsetzung eigentlich interessant, denn die PC-Umsetzung von „Mysterium“ könnte normalerweise die physische Vorlage komplett ersetzen – vorausgesetzt wir spielen mit einem Tablet. So steht nämlich nicht nur der Online-Multiplayer-Modus zur Verfügung, sondern auch ein lokaler Mehrspielermodus, bei dem wir das Gerät einfach zwischen den Spielern herum reichen können. So reicht es, wenn einer der Mitspieler das Spiel gekauft hat und anschließend ein Tablet reihum von einem Spieler zum nächsten gehen lässt – die physische Version des Brettspiels wird so dann nicht mehr benötigt. Angesichts des enormen Preisunterschiedes wäre das womöglich gar ein Anreiz für jene, die das Brettspiel noch nicht besitzen. Und auch unterwegs auf Reisen mag dieser Modus sicherlich seine Vorzüge bieten, kann man schließlich nicht immer ein komplettes Brettspiel ausbreiten.

Mysterium

Story um das Anwesen
Um sich mit dem Spiel allerdings ausreichend vertraut zu machen, gibt es zusätzlich auch einen Story-Modus mit Singleplayer-Kampagne. Die ersten vier Kapitel daraus verstehen sich als Tutorial und müssen zwingend absolviert werden, ehe man sich in den (bisher nicht einwandfrei funktionierenden) Multiplayer-Modus wagen darf. Danach allerdings wird die Geschichte noch in zahlreichen weiteren Kapiteln fortgesetzt, in denen wir auch spannende Hintergründe zu den Figuren und Spiritisten erhalten. Abwechselnd dürfen wir so mal in die Rolle eines Spiritisten schlüpfen und ein anderes Mal den Geist spielen, wobei der Schwierigkeitsgrad auch hier stetig steigt. Möchte der Multiplayer also mal wieder nicht funktionieren, so hat man immerhin in diesem Modus durchaus seinen Spaß. Auch wenn dies bei weitem nicht so motivierend sein mag, wie das Spiel gegen echte Spieler es sein dürfte. Immerhin liegt auch beim physischen Brettspiel genau darin der eigentliche Reiz.

Fazit:
In einem spannenden kooperativen Spielkonzept dürfen wir wahlweise in die Rolle eines Detektives oder eines Geistes schlüpfen und müssen anhand von Visionen einen Mordfall aufklären. „Mysterium“ hält sich dabei genauestens an die originale Vorlage. Sollten nun noch die Bugs im Multiplayer-Modus behoben werden, dürfte einem Kauf nichts im Wege stehen.

Mysterium Wertung


03
Apr

Early Access-Check: On The Road

Einmal als Fahrer in einer Spedition anheuern und wertvolle Frachten in einem Lastwagen durch ganz Deutschland transportieren – das dürfte wohl der Traum so mancher Simulationsspieler sein. In „On The Road“ haben wir nun die Möglichkeit, eine solche eigene Spedition zu gründen und anders als in vergleichbaren Spielen, auch eigene Anhänger zu kaufen, statt nur Aufträge von verschiedenen Firmen anzunehmen – theoretisch. Das ist es jedenfalls, was der Entwickler verspricht und womit man sich von der Konkurrenz abgrenzen möchte. Der bisherige Eindruck ist allerdings ein gänzlich anderer.

Kritik:
Der LKW-Simulator „On The Road“ ist vor kurzem nämlich in die Early Access-Phase getreten und möchte sich auf langfristige Sicht als ernstzunehmende Konkurrenz für „Euro Truck Simulator 2“ etablieren. Und eines sollte den Spielern dabei wohl klar sein: „Early Access“ heißt so viel wie, dass man es hier mit einer sehr unfertigen Beta-Version zu tun hat, in der noch zahlreiche Features fehlen. Sicher: Damit könnte man grundsätzlich leben. Allerdings ist dieser Simulator in einem derartig unfertigen Zustand, dass nicht einmal das Grundgerüst tatsächlich steht. Oder anders gesagt: Abgesehen davon, mit einem(!) Lastwagen von A nach B zu fahren, funktioniert hier bisher nahezu gar nichts.

On The Road

Aufträge ohne Waren
Dabei sollte man eigentlich meinen, dass der Wirtschaftspart so grundsätzlich bereits verfügbar ist. Zumindest behauptet ein Menü, dass wir bestimmte Frachtaufträge annehmen können, um Waren abzuholen und an einen Zielort zu bringen. In der Theorie mag das klappen – in der Praxis merken wir allerdings bereits hier, dass nicht einmal die Abholung von Waren einwandfrei umgesetzt wurde und wir die Aufträge somit häufig gar nicht absolvieren können. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ein Wirtschaftspart ohnehin nur wenig Sinn ergibt, wenn wir das erwirtschaftete Geld nicht auch irgendwo ausgeben können. Bisher allerdings gibt es nur einen einzigen Lastwagen, für den wir absolut nichts einkaufen können. Tuning oder neue Ausstattung ist hier Fehlanzeige.

On The Road

Fehlendes Grundgerüst
Das Ganze setzt sich dann damit fort, dass wir bei einem Unfall unseren Lastwagen auch nicht mehr aufrichten können. Von einem Abschleppdienst und einer Reparaturwerkstatt mal ganz zu schweigen. Wobei es ohnehin keinerlei Schadensmodell gibt und somit auch nichts zu reparieren wäre. Geld ausgeben ist also auch an dieser Stelle nicht möglich. Übrigens: Das mit dem Umkippen des Lastwagens kann erstaunlicherweise ziemlich häufig passieren, da nämlich auch die KI der anderen Fahrzeuge in keinster Weise brauchbar funktioniert. Diese ist derartig aggressiv eingestellt, dass sie uns praktisch bei jeder Gelegenheit rammt. Mal von physikalisch korrektem Verhalten ganz abgesehen, denn diese hier teils spektakulären Unfälle haben mit der Realität nun wirklich nichts zu tun. Warum jene Unfälle dann auch noch ohne unsere Mitwirkung geschehen, bleibt ein gänzliches Rätsel – über so manche Kreuzung können wir dadurch aber trotzdem nicht fahren. Und das häufige Bremsen der Autos auf einer Autobahn ist gleichzeitig nicht weniger absurd.

On The Road

Stockender Verkehr
Nun dürfte man sich als geneigter Spieler womöglich die Frage stellen, ob denn wenigstens das Fahren selbst einwandfrei funktioniert. Allerdings ist auch hier die Frage wohl recht klar mit „Nein“ zu beantworten, obwohl wir es immerhin schaffen, den Lastwagen zu bewegen. Auf unserem Borddisplay wird somit dauerhaft „Störung des Bordcomputers“ angezeigt, ohne dass sich dies ändern ließe. Die Bremse ist teilweise so hart, dass sich der Lastwagen kaum vernünftig anhalten lässt und auch die Lenkung bei höheren Geschwindigkeiten lässt nun wirklich zu wünschen übrig. Das lässt sich unterdessen übrigens auch nicht verbessern, denn eine Unterstützung für Lenkräder fehlt komplett – wohlgemerkt bei einer Lastwagensimulation! Womit wir spätestens hier erkennen, wie sehr das Grundgerüst des Spiels letztendlich doch fehlt. Nicht, dass wir so etwas nicht gar erwartet hätten, nachdem bereits das Menü extrem simpel und ohne Vertonung gehalten wurde.

On The Road

Eigene Firma? Pustekuchen!
Dabei war doch das Interesse anfangs so richtig groß, nachdem die Entwickler versprachen, man könne eine eigene Firma mit eigenen Anhängern gründen. Nun: Prinzipiell ist das sogar möglich. Bei der Profilerstellung können wir nämlich nicht nur unseren Namen eingeben, sondern auch unserer Firma einen Namen geben und ein Logo verpassen. Nun allerdings der größte Lacher: Bei der Auswahl unseres Logos stehen ganze vier hingekritzelte Buchstaben zur Verfügung. Kein Witz. Und dieser Buchstabe taucht dann ebenso wenig auf unserem Lastwagen auf, wie der zuvor ausgewählte Name unseres Unternehmens. Wenn wir dann trotz verschiedenster Eingaben nur „Spedition Walter“ als einzige Option auf dem Lastwagen finden, wird selbst diese Funktion vollkommen sinnlos. Da fragt man sich doch, in welch anfänglichem Zustand dieses Spiel sein soll, wenn nicht einmal die Übertragung von Buchstaben auf einen Lastwagen funktioniert. Da gelingen selbst Train Simulator-Hobbyentwicklern bessere Modelle. Man kann bei „On The Road“ so gesehen also kaum von einer Beta-Version sprechen, sondern bekommt bestenfalls ein Spiel in der Pre-Alpha-Phase. Und wenn sich an diesem Zustand nicht baldig etwas ändert, wird auch dieses Spiel schnell in der Kategorie „Simulator-Schrott“ landen.

On The Road

Wald mit lauter Bäumen
Immerhin: Beim Mapdesign haben sich die Entwickler einigermaßen Mühe gegeben. Insbesondere die Autobahnauffahrten sind sehr realistisch gehalten, die Städte können sich durchaus sehen lassen und auch die Vegetation entlang der Strecken macht einen relativ hübschen Eindruck. Natürlich kann man dabei nicht die Grafik eines Triple-A-Titels erwarten und selbst der mittlerweile in die Jahre gekommene „Euro Truck Simulator 2“ sieht hübscher aus, aber wir befinden uns hier dennoch in einem akzeptablen Rahmen, der für dieses Genre durchaus in Ordnung geht. Lediglich das Anti-Aliasing sollte dringend hinzugefügt werden, damit die Optik noch ein wenig ansprechender aussieht. Davon abgesehen kann man aber wohl ganz klar sagen: „Außen hui, innen pfui“ – denn aus technischer Sicht läuft hier nahezu nichts.

Fazit:
Dass es sich bei einem Early Access-Titel um ein sehr unfertiges Spiel handelt, versteht sich von selbst. Bei „On The Road“ fehlt allerdings derartig viel, dass man die Simulation im aktuellen Zustand kaum als spielbar bezeichnen kann. Und wenn sich daran nicht grundlegend etwas ändert, könnten wir es hierbei mit dem nächsten Anwärter für die Kategorie „Simulator-Schrott“ zu tun haben. Schade.


31
Mrz

The Walking Dead: A New Frontier

Vier Jahre ist es inzwischen her, seitdem die Menschheit von den Untoten überrannt wurde und seitdem ist keinerlei Besserung in Sicht. Die junge Clementine hat derweil schon zahlreiche schreckliche Dinge in ihrem Leben erlebt, ist schließlich ihr einstiger Beschützer auf qualvolle Weise ums Leben gekommen. Mit einem Kleinkind auf dem Arm hat sich das minderjährige Mädchen allein auf den Weg gemacht, um in dieser schrecklichen Welt zu überleben – und musste schon bald auch für diesen Jungen ihre Hoffnung aufgeben. Abgebrüht und jegliches Vertrauen in die Mitmenschen verloren, trifft sie auf Javier und seine Familie, die ebenfalls gemeinsam auf der Suche nach neuer Hoffnung ist. Doch noch haben sie kaum eine Vorstellung davon, wozu sie in der Lage sind, um ihre eigene Familie zu beschützen…

Kritik:
Nach den ersten beiden Staffeln der „The Walking Dead“-Reihe von Telltale Games hat sich so einiges geändert. Die junge Hauptfigur Clementine ist ein wenig gealtert und definitiv nicht mehr die Alte. Nicht nur ihr Aussehen hat sich mittlerweile geändert, sondern vor allem ihr Charakter wurde von den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit geformt. Erstmals kommt allerdings eine weitere Figur ins Spiel: In der dritten Staffel unter dem Titel „A New Frontier“ wechseln wir regelmäßig die Rolle und dürfen sowohl Clementine, als auch ihren neuen Begleiter Javier steuern, die wie üblich schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen, die den Verlauf des Spiels grundlegend beeinflussen sollen. Den Fans der Reihe dürfte damit wohl klar sein, was sie in diesem Spiel zu erwarten haben.

The Walking Dead: A New Frontier

Bekanntes Spielprinzip
Dabei hat sich das eigentliche Gameplay noch immer nicht verändert und bleibt auch in der neuesten Staffel ziemlich überschaubar. In kleinen Quicktime-Events drücken wir vorgegebene Tasten, um beispielsweise gegen Zombies zu kämpfen und in diversen Multiple Choice-Fragen geben wir Antworten, um den Spielverlauf zu beeinflussen. Schade ist dabei, dass man offenbar wieder zu alten Stilmitteln zurückkehrt und es nicht den anderen Franchises gleich macht. Obwohl bereits „Batman“ gezeigt hat, dass Telltale seine Quicktime-Events mit Tastenkombinationen auch ein wenig komplexer gestalten kann und auch „Tales from the Borderlands“ einige spielerische Besonderheiten bot, beschränkt sich auch dieses „The Walking Dead“-Spiel einmal mehr darauf, einzelne Tasten zu drücken oder mit der Maus ein wenig herumzuklicken. Anspruchsvoll ist das nicht – und mitunter auch deutlich zu einfach. Vor allem Fans der (immer gleichen) Telltale-Spiele dürften sich davon kaum gefordert fühlen.

The Walking Dead: A New Frontier

Eine harte Geschichte
Eines war allerdings schon immer eine Stärke der Spielereihe: Das hervorragende Storytelling. Obwohl viele Kenner mitunter auch der Meinung sind, Telltale Games könnte genauso gut einfach eine Zeichentrickserie aus den Spielen machen, so bietet auch „A New Frontier“ einmal mehr eine recht intensive und bedrückende Geschichte. Die Schicksale der Überlebenden und ihre belastenden Entscheidungen spielen mittlerweile in den Spielen sogar eine weit größere Rolle, als in der gleichnamigen Fernsehserie. Das Spiel ist immerhin noch nicht in den immer gleichen Mustern aus gegenseitigem Abschlachten stecken geblieben und hat damit auch jetzt noch charakterlichen Tiefgang zu bieten – selbst wenn wir die einstige Hauptrolle Lee, der auch Beschützer von Clementine war, noch immer schmerzlich vermissen.

The Walking Dead: A New Frontier

Mutige Charakterzeichnungen
Und es dürfte auch feststehen, dass nicht alle Fans der Reihe mit den Veränderungen und Entwicklungen glücklich sein dürften. Immerhin wagt Telltale nämlich einen mutigen Schritt und führt tatsächlich diverse Veränderungen bei der jungen Clementine ein. Sichtlich gezeichnet von ihrem schrecklichen Lebensablauf, zeigt sie sich überaus abgebrüht und mittlerweile emotional erkaltet. So mancher Spieler wird vielleicht den Eindruck erlangen, dass es sich nicht mehr um die geliebte Clementine handelt, wie man sie noch aus den früheren Staffeln kennt. Doch die Entwickler beweisen Mut und sorgen dafür, dass die Spielereihe auch jetzt noch interessant bleibt. Allein dafür ist auch „A New Frontier“ sicherlich ein Blick wert.

The Walking Dead: A New Frontier

Die falschen Entscheidungen
Und doch sind die Charakterzeichnungen manchmal auch ein Problem. Das liegt daran, dass uns immer nur eine eingeschränkte Auswahlmöglichkeit bei den Antworten zur Verfügung steht – und wir uns somit vielleicht nicht ganz mit den Charakteren anfreunden können. Ob uns Javier als einer der Hauptfiguren nämlich zusagt, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht selten kam doch das Problem auf, dass die gewünschten Antwortmöglichkeiten gar nicht zur Verfügung standen. Etwa dann, wenn wir feststellen, dass Javiers Freundin Kate plötzlich Drogen konsumiert – dass unsere Hauptfigur allerdings trotzdem Gefühle für sie entwickelt, darauf haben wir keinen Einfluss. Selbst dann nicht, wenn wir uns eigentlich gern anders entscheiden würden. Insgesamt bleiben viele Entscheidungen damit zu oberflächlich und haben keine so großen Auswirkungen auf den Spielverlauf, wie wir uns das wünschen. Etwa die Entscheidung, uns gänzlich von bestimmten Charakteren abzuwenden, wird uns genommen. Schade, zumal die neuen Figuren nicht immer so sympathisch sein mögen, wie einst Clementine in den ersten Staffeln.

The Walking Dead: A New Frontier

Wegfall von Entscheidungen
Apropos Entscheidungen: Ganz ohne Fehler scheint auch dieses Spiel nicht auszukommen, was sich in letzter Zeit offenbar als generelles Problem bei Telltale-Spielen herausstellt. Denn während wir uns wundern, wie es bei einem Spiel mit derart wenig spielerischer Freiheit überhaupt zu Bugs kommen kann, entdecken wir gelegentlich doch einige schwerwiegende. Nach dem Update zur dritten Episode etwa tauchte beim Test ein Bug auf, der die Spielstände betraf und plötzlich den bisherigen Verlauf der ersten beiden Episoden verschwinden ließ. Doch welchen Sinn macht ein Spiel, dessen Ablauf auf unseren Entscheidungen beruht, wenn „The Walking Dead: A New Frontier“ einfach mal eben jene Entscheidungen „vergisst“? Nach jedem Update alle Episoden erneut zu spielen, möchte man hingegen nun auch nicht. Und nachdem bereits „Batman“ zum Release mit zahlreichen Bugs zu kämpfen hatte, ist das erneute Aufkommen eben solcher im Zusammenhang mit der Cloud-Speicherung doch etwas ernüchternd.

The Walking Dead: A New Frontier

Der lebendige Comic
Allerdings gibt es nicht nur Verschlechterungen, sondern hier und da durchaus auch einige Verbesserungen. Etwa bei der grafischen Umsetzung des Spiels, welche nun dafür sorgt, dass die Figuren allesamt deutlich plastischer erscheinen, als noch bei den Vorgängern. Damit wird der liebenswerte Comic-Look einmal richtig zum Leben erweckt und wirkt nun nicht mehr, als würden wir ein zweidimensionales Zeichentrickvideo betrachten. Darüber hinaus sorgt die hübsche Beleuchtung in der nett anzusehenden Flora auch noch für ein insgesamt stimmigeres Bild. Und auch deutsche Nutzer haben es mittlerweile ein wenig einfacher, denn auch wenn die Sprachausgabe noch immer auf englisch stattfindet, so finden wir nun immerhin deutsche Untertitel vor, die es manchen hiesigen Spielern ein wenig einfacher machen, die richtigen Entscheidungen in der vorgegebenen Zeit zu treffen. Englischkenntnisse sind also nicht mehr zwingend erforderlich.

Fazit:
Mit mutigen Veränderungen beim Charakter von Clementine sorgt Telltale Games erneut für eine spannende Staffel, die ihre Stärken insbesondere beim Storytelling findet. Spielerisch bleibt man allerdings dem alten Schema treu und verzichtet auf neuartige Spielelemente, wie man sie in den anderen Telltale-Reihen teilweise findet.

The Walking Dead: A New Frontier Wertung


27
Mrz

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Auf der Suche nach einem neuen Job, ist die junge Izumi Chisa erstaunlich schnell fündig geworden. Denn Lokführer zu werden, was schon immer ihr großer Traum und die Matsuhara Railway Company wirbt immerhin mit einem riesigen und seriösen Büro in einem Wolkenkratzer. Dass alles allerdings ein bisschen anders kommen sollte, muss sie nach ihrer Ankunft im ländlich gelegenen Ort Matsuhara aber sehr schnell feststellen. Anstelle eines Wolkenkratzers erwartet sie eine heruntergekommene Rumpelkammer und auch die Fahrzeuge des Unternehmens scheinen in keinem besseren Zustand zu sein. Hier warten keine modernen und schweren Lokomotiven auf das junge Mädchen aus der großen Stadt, sondern umgebaute verbeulte Schienenbusse, deren technische Mängel kaum mehr aufzuzählen sind. Immerhin scheinen die Bremsen noch einwandfrei zu funktionieren – oder etwa doch nicht?

Kritik:
Japanische Routen für den Train Simulator sind schon eine echte Seltenheit. Immerhin dominieren doch überwiegend britische, deutsche und amerikanische Erweiterungen den Markt. Dass dann ausgerechnet auch noch eine fiktive Route mit ausgefallenen Fahrzeugen auftaucht, überrascht umso mehr. Bei „The Story of Forest Rail“ begeben wir uns auf eine solche fiktive Fahrt.

Grün – überall grün
Ganz so fiktiv, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht, ist die Strecke allerdings nicht. Tatsächlich basiert die Route nämlich auf der heute stillgelegten Furusato Ginga Strecke, die einst vor allem für Holztransporte und später überwiegend für den Passagierverkehr eingesetzt wurde. An dieser Stelle allerdings endet bereits der reale Bezug, denn jegliche Orte und auch Ortsnamen sind vollständig fiktiv. Das merkt man dann auch bei der Streckengestaltung selbst, die insgesamt sehr grün gehalten wurde. Gräser und Wälder dominieren die Route und nur kleine Ortschaften mit meist eingleisigen Bahnhöfen laden zu einer verträumten Fahrt ein. Die besondere Herausforderung der Strecke besteht derweil in den häufigen starken Steigungen und Gefällen von teilweise mehr als fünf Prozent. Das macht es nicht gerade einfach, die Geschwindigkeit zu halten und erhöht den Schwierigkeitsgrad deutlich.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Die letzten Glühwürmchen
Und obwohl man hier auf der fast gänzlich eingleisigen Strecke kaum Gegenverkehr vorfindet und nicht einmal auf die nahezu immer grünen Signale achten muss, hat die Strecke ihren ganz eigenen Charme. Das kommt daher, dass die Streckendesigner besonders viel Wert darauf gelegt haben, die japanische Kultur möglichst gut wiederzugeben. Das sehen wir einerseits an den Gebäuden und buddhistischen Tempeln, andererseits aber auch an den liebevoll eingebauten animierten Glühwürmchen, die wir entlang der Strecke vorfinden. Und auch das umherfliegende animierte Laub erhöht den Detailgrad ein wenig. Ganz überzeugen kann die Strecke damit aber leider trotzdem nicht, denn schnell stellt sich auch ein hoher Wiederverwertungseffekt ein. Vor allem die Flora und die Gebäude wurden sichtlich häufiger wiederverwendet. So haben wir schnell den Eindruck, doch immer wieder dasselbe Gras und dieselben Blumen zu sehen, was wohl auch den Tatsachen entspricht. Viel Abwechslung gibt es auf der Route selbst also nicht.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Die Geschichte von Izumi
Dafür gibt es eine weitere Besonderheit, denn den Namen der Route darf man gerne wörtlich nehmen: In „The Stoy of Forest Rail“ gibt es nämlich tatsächlich eine Geschichte. In drei Standardszenarien, die nicht im Karrieremodus spielbar sind, erleben wir nämlich die Story von Izumi Chisa, die einen neuen Job bei einem Eisenbahnunternehmen annimmt. In kleinen Texteinblendungen sehen wir dabei die Dialoge zwischen ihr und ihrem neuen Arbeitgeber und treffen auf liebevoll gestaltete Anime-Figuren, die Fans des Genres sicherlich begeistern können. Und ganz ohne sind diese drei Standardszenarien nämlich auch nicht: Izumi muss nämlich einen defekten und demolierten kleinen Schienenbus fahren, der seine besonderen Eigenheiten hat. Dazu zählen unter anderem ausfallende Bremsen und spannende andere Schäden, die die Szenarien ziemlich witzig werden lassen. Derartiges haben wir jedenfalls in noch keiner Erweiterung für den Train Simulator erlebt.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Eintönigkeit in der Karriere
Das Hauptproblem der Strecke liegt allerdings darin, dass die Aufgaben doch relativ schnell eintönig und damit langweilig werden. Die Standardszenarien bieten nämlich gerade einmal eine Spielzeit von nur 90 Minuten. Danach bleiben lediglich die Karriereszenarien, die auf Grund der ansonsten wenig abwechslungsreichen Strecke ausschließlich aus einfachen Fahrten von A nach B bestehen. Entgegenkommender KI-Verkehr, Umleitungen oder wenigstens rote Signale suchen wir dabei vergebens. Und auch Güterverkehr ist nicht mit von der Partie, obwohl die Strecke bestens für den historischen Holztransport geeignet wäre. Das mindert den Spielspaß somit recht schnell, auch wenn wir in den Karriereszenarien immerhin einen weiteren (besser funktionierenden) und moderneren Schienenbus fahren dürfen, der doch recht ausgefallen gestaltet wurde und ebenfalls einem realen Vorbild entspricht.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Finsternis im Führerstand
Da ein Schienenbus allerdings auch nicht so viele Funktionen erfüllt, wie größere Lokomotiven, ist allerdings auch der Simulationsgrad des Innenlebens recht klein ausgefallen. So können wir also überwiegend nur Beschleunigen, Bremsen und die Richtung ändern. Ansonsten finden wir gerade einmal eine Handbremse und – immerhin – zwei Schalter für das manuelle Öffnen der linken und rechten Tür vor. Dafür fehlen aber selbst Knöpfe zum Einschalten des Lichts innerhalb des Fahrzeuges komplett und auch andere Funktionen vermissen wir schnell. Dass man übrigens aus der Fahrersicht diverse Fahrgäste im Zug sieht, diese von außen allerdings nicht mehr erkennbar sind, trübt den Spielspaß zusätzlich ein wenig. Damit dürfte „The Story of Forest Rail“ also vermutlich nicht zu den Favoriten unter den Streckenerweiterungen gehören, bietet aber zumindest mal eine kleine Abwechslung vom üblichen „Train Simulator“-Alltag.

Fazit:
Mit einer ungewöhnlichen fiktiven Route, zwei ausgefallenen Fahrzeugen und kreativen Standardszenarien samt Story hebt sich „The Story of Forest Rail“ durchaus positiv von der Konkurrenz ab. Leider sorgt der hohe Wiederverwertungseffekt und mangelnder KI-Verkehr schnell für eine aufkommende Eintönigkeit, welche die Spielspaßkurve auch ebenso schnell wieder sinken lässt.

Train Simulator: The Story of Forest Rail Wertung


21
Mrz

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Neuer Job, neue Herausforderung: Gerade erst die neue Stelle beim amerikanischen Eisenbahnunternehmen CSX Transportation angetreten, müssen wir uns auch schon mit der Bedienung von schweren Güterzuglokomotiven vertraut machen. Dort nämlich kann die Arbeit des Lokführers schnell richtig anstrengend werden und übersteigt das einfache Bedienen von Schaltern und Hebeln bei weitem. Weichen wollen per Hand gelegt, Güterwaggons manuell abgekoppelt werden und auch die Funktionsweise der Lokomotive selbst muss bis hin zum Motorraum und der Handbremse bestens einstudiert werden. Kein leichter Job also, wenn es heißt, kilometerlange gleich doppelstöckige Containerzüge den Berg der Sand Patch Grade hinauf zu bringen, oder beim nächsten Braunkohlebergwerk die Rohstoffe zu beladen. Kommen dann auch noch Mehrfachtraktionen in Sandwichformation hinzu, die bis zu fünf Lokomotiven betreffen können, entwickelt sich aus der einfachen Bahnfahrt schnell ein richtiger Schwertransport…

Kritik:
Viele Jahre haben die Entwickler es angekündigt, doch nun ist es endlich so weit: Der berühmte Train Simulator sollte eine neue Engine bekommen. Dabei verpasst man dem alten Spiel allerdings nicht einfach ein Update, sondern liefert gleich ein eigenes Standalone-Spiel mit: „Train Sim World: CSX Heavy Haul“ soll somit der Nachfolger der beliebten Eisenbahnsimulation werden und das Genre nicht nur auf den aktuellen Stand bringen, sondern auch noch einiges besser machen.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Wenig Änderung seit der Beta
Die Erwartungen waren schließlich ziemlich groß, seitdem einige Spieler und Vorbesteller bereits im Dezember in den Genuss des Spiels kommen und einen ersten Blick erhaschen konnten. Das Feedback fiel zugleich nicht ausschließlich positiv aus, fehlten doch so manche interessante Features. So konnten sich Spieler vor allem mit dem Punktesystem nicht so recht anfreunden, die Signalschaltungen funktionierten nicht immer korrekt und massive Performanceprobleme machten selbst High-End-Rechnern zu schaffen. Nachdem die Entwickler bis zum Release einiges an Verbesserungen versprachen, ist die Ernüchterung nun umso größer: An den Performanceproblemen hat sich derweil nur sehr wenig geändert, denn selbst auf der aktuellsten Grafikkartengeneration klagen so manche Spieler von Framerates unterhalb der 30 fps-Marke. Das ist ein echtes Problem, das den Spielspaß enorm trübt. Immerhin: Die Signalschaltungen funktionieren nun tadellos.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Hoher Detailgrad der Simulation
Dabei ist „Train Sim World“ keineswegs ein schlechtes Spiel, ganz im Gegenteil. Schaut man sich den enormen Grad der Simulationsdetails einmal genau an, kann man von dem Spiel durchaus schnell begeistert sind. Im Führerhaus ist nahezu jeder Knopf bedienbar und das betrifft nicht nur allein die eigentliche Fahrsteuerung. So müssen wir in einigen Szenarien sogar die Lokomotive manuell aufrüsten, können den Sicherungskasten bedienen oder gar den Motorraum öffnen. Die Heizung funktioniert, der Ventilator lässt sich einschalten, jede einzelne Sonnenblende verstellen und sogar ein interaktives Display zur Geschwindigkeitskontrolle beim Rangieren lässt sich bedienen. All das sind Neuerungen, die es so beim Vorgänger nicht gab und auch nur in wenigen hochwertigen Erweiterungen eher rudimentär umgesetzt wurden. Das Potential ist also durchaus vorhanden, zu einer erstklassigen Simulation zu werden.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Theorie und Praxis
Damit die Bedienung der Lokomotive dabei nicht zu schwer wird, gibt es einige umfangreiche Tutorials, die uns die Bedienung der Fahrzeuge grundlegend erklären. Dabei bietet sich sowohl Theorie, als auch Praxis, etwa wenn es um die korrekte Bedienung der drei verschiedenen Bremssysteme geht, die allesamt innerhalb der Lokomotiven simuliert wurden. Das Rangiersystem wird uns in einem weiteren Tutorial ebenso beigebracht, wie das Beladen von Kohle oder das Auftanken der Lok an einer entsprechenden Tankstelle. Gleichzeitig spielt wiederum aber auch die Verwendung einer Drehscheibe eine wichtige Rolle, ist sie immerhin Teil des riesigen Güterbahnhofs. Es empfiehlt sich gerade für Einsteiger also, das Tutorial unbedingt zu spielen. Wenig durchdacht ist unterdessen allerdings, dass das manuelle Aufrüsten einer Lokomotive erst in einem der Hauptszenarien erklärt wird und sonst nur in der englischen Anleitung nachzulesen ist. Wer gleich nach dem Tutorial in die freie Fahrt wechseln möchte, wird daher auf Probleme stoßen. Ganz zu schweigen von einem mangelnden Tutorial zum amerikanischen Signalsystem, das grundlegend von den deutschen Signalen abweicht und daher für deutsche Spieler des Train Simulators eine ungewohnte Neuheit darstellen könnte. Da hat man also nicht an alles gedacht, auch wenn das Fahren einer Lok nach den Tutorials grundsätzlich klappen mag.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Einmal selbst Hand anlegen
Ebenso neu und ungewohnt für einen Eisenbahnsimulator ist derweil, dass wir in der Ego-Perspektive tatsächlich aus unserer Lokomotive aussteigen und den realen Arbeitsablauf eines Bahnmitarbeiters erleben dürfen. So müssen wir also tatsächlich aus unserem Führerhaus aussteigen, um Weichen umzulegen, Waggons abzukoppeln, die Lok zu betanken oder die Drehscheibe zu bedienen. In „Train Sim World“ klappt das alles nicht mehr einfach per Klick auf die Karte, sondern muss nach realistischen Abläufen manuell erfolgen. Bei einem mehr als eine Meile langen Güterzug kann das Laufen zur hinten in Sandwich-Formation angekoppelten Lok allerdings auch mal etwas nervig und frustrierend sein, hatten wir schließlich nicht damit gerechnet, in einer Eisenbahnsimulation mal eben zehn Minuten herumlaufen zu müssen. In Amerika wirken Güterzüge nämlich doch schier endlos.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Unpassendes Erfahrungssystem
Eine weitere Neuerung ist übrigens das Erfahrungssystem, das nun Einzug in den Simulator gehalten hat. Der Sinn dessen konnte sich uns allerdings bisher noch nicht ganz erschließen, scheint dieses System mitsamt seinem Feedback doch einfach nicht so recht auf das Genre der Eisenbahnsimulation zugeschnitten zu sein. So erhalten wir beispielsweise Erfahrungspunkte für das Betätigen von Schaltern, obwohl dies früher oder später zum normalen, selbstverständlichen Arbeitsablauf gehören sollte. Für die eigentliche Fahrweise hingegen gibt es keinerlei Feedback. Anders als noch in „Train Simulator 2017“ erhalten wir hier nämlich keine(n) Punkte(abzug) für Pünktlichkeit, Geschwindigkeitsüberschreitungen und andere Handlungen. Auch nach Ende eines Szenarios bleibt das Feedback zu unserer Fahrweise komplett aus. Spätestens, wenn mit einem zukünftigen Szenario auch Passagierverkehr hinzu kommt, dürfte dies wohl eines der wichtigsten Features sein, welches Spieler vermissen könnten.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Fracht durch Amerika
Apropos Passagierverkehr: Eisenbahnfans, die lieber Fahrgäste durch die Gegend kutschieren und am liebsten an jedem Bahnhof anhalten möchten, werden bei „Train Sim World“ bisher noch nicht auf ihre Kosten kommen. Bisher ist nämlich lediglich eine einzige amerikanische Route enthalten, die sich auch ausschließlich auf Güter- und Rangieraufgaben beschränkt. Ganz klassisch amerikanisch fahren wir also meistens extrem lange und schwere Güterzüge umher, oder rangieren auf einem riesigen Güterbahnhof. Das kann zwar durch die Schwere und Länge des Zuges und mitunter schwierigen Witterungsverhältnissen ebenfalls spannend werden, könnte aber vor allem jenen Spielern keinen Spaß machen, die ungern mit weniger als 50 Meilen pro Stunde unterwegs sind. Hat man bereits die amerikanischen Strecken des „Train Simulator 2017“ als eher langweilig empfunden, könnte dies auch hier schnell der Fall sein.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Realistische Fahrzeiten
Dafür allerdings kommen Fans des amerikanischen Güterverkehrs umso mehr auf ihre Kosten, denn die Szenarien können sich durchaus sehen lassen. Mit einer jeweiligen Länge zwischen 30 und 180 Minuten wird dabei immerhin eine realistische Fahrzeit simuliert, die auch in der Realität vermutlich vorkommen dürfte. Das bietet dann sowohl Aufgaben für Zwischendurch, als auch umfangreichere Szenarien für längere Spielesessions. Noch dazu gibt es ein paar mehr Szenarien, als dies bisher in einigen TS2017-Addons üblich war. Man kann also durchaus von einem akzeptablen Spielumfang sprechen, der sein Geld wert ist. Und wer nach den Szenarien immer noch nicht genug hat, findet mit dem neuen Fahrplan-Modus auf dem Lokauswahlbildschirm mehr als dreißig weitere Aufgaben, bei denen wir fahrplanmäßige Züge an ihren Zielort bringen. Die Gesamtpielzeit für die Szenarien beträgt dabei etwa 14 bis 15 Stunden und mindestens noch einmal dieselbe Spielzeit kann für das Spielen des Fahrplan-Modus aufgerechnet werden.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Zukünftiges Potential
Bis „Train Sim World“ allerdings sein volles Potential gänzlich entfalten kann, sind weitere wichtige Optimierungen nötig. Insbesondere sollten die Entwickler die Performanceprobleme dringend beseitigen, trüben diese den Spielspaß doch am meisten. Interessant wird aber vor allem das Herumlaufen in Ego-Perspektive, das weitaus komplexere Szenarien ermöglicht, als wir sie bisher erlebt haben. Problemlos ist es also möglich, während eines einzelnen Szenarios die Fahrzeuge zu wechseln und mehrere Lokomotiven nacheinander zu steuern. In einigen der enthaltenen Szenarien müssen wir dies sogar tun und dürfen uns die Reihenfolge der Arbeitsabläufe mitunter aussuchen. Spannend kann das aber auch bei der Inszenierung realistischer Fahrten werden, wenn wir etwa auf Grund von defekten Türen oder randalierender Fahrgäste einmal unser Führerhaus verlassen müssen. Selbst Szenarien als interaktiver Schaffner wären problemlos denkbar, jetzt da wir uns frei bewegen können. Die Möglichkeiten scheinen aktuell also schier endlos – wäre da nur nicht das Fehlen des Streckeneditors, der es aktuell praktisch unmöglich macht, dass Entwickler und andere Spieler eigene Strecken entwickeln. Ehe dieser nicht implementiert wurde, können wir auf neuen Content vermutlich lange warten.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Wunderschöner Hardwarehunger
Verfügt man aber tatsächlich über einen aktuellen leistungsstarken High-End-Rechner und ist noch dazu Eisenbahnfan, lohnt sich der Kauf bereits jetzt. Denn im Gegensatz zum Vorgänger handelt es sich bei „Train Sim World“ tatsächlich um eine Simulation mit wunderschöner Grafik. Stellt man die Einstellungen auf „Ultra“ und die Screen Percentage auf 200% – was sozusagen einem 2-fachen Supersampling entspricht – braucht sich das Spiel keineswegs vor anderen aktuellen AAA-Titeln zu verstecken. Optisch könnte man das Spiel momentan als die bestaussehende Simulation auf dem gesamten Spielemarkt bezeichnen. Das allein dürfte angesichts zahlreicher eher minderqualitativer Simulationen bereits ein Alleinstellungsmerkmal sein. Ganz besonders, seitdem man auch die Post Processing-Effekte verbessert hat, die in der Beta stellenweise noch für etwas seltsame Beleuchtung sorgten.

Fazit:
Der neue Eisenbahnsimulator aus dem Hause Dovetail Games überzeugt mit seinem hohen Detailgrad bei der Simulation, der Ego-Perspektive, der wunderschönen Grafik und den komplexeren Szenarien. Dass sich allerdings seit der Beta entgegen den Versprechungen der Entwickler nur wenig verändert hat und massive Performanceprobleme immer noch vorhanden sind, sorgt derweil für Ernüchterung. Doch auch das wenig sinnvolle Punktesystem dürfte nicht unbedingt dem Geschmack eingefleischter Train Simulator-Fans entsprechen.

Train Sim World: CSX Heavy Haul Wertung


18
Mrz

Sniper Elite 4

Geheimagent und Eliteschütze Karl Fairburne muss nach seinen aufregenden Kämpfen gegen das Deutsche Afrikakorps feststellen, dass der Krieg längst kein Ende gefunden hat. Im Jahre 1943 ist dieser längst noch in vollem Gange und den Scharfschützen verschlägt es dieses Mal in das vermeintlich idyllische Italien. Truppen der Deutschen Wehrmacht machen dort die Städte unsicher und Fairburnes Aufgabe ist es fortan, ihre Pläne zu durchkreuzen und wichtige hochrangige SS-Offiziere unschädlich zu machen. Dieses Mal steht er allerdings nicht gänzlich allein in der Schlacht: Gemeinsam mit Alliierten und italienischen Partisanen kämpft er auf den Straßen von Italien und trägt seinen Teil dazu bei, dass die Nazis den Zweiten Weltkrieg nicht gewinnen werden…

Kritik:
Fans der beliebten Stealth-Shooter-Reihe dürfen sich freuen: Der neueste „Sniper Elite“-Ableger hält an den Stärken seines Vorgängers fest und erweitert das Spielerlebnis mit einigen Neuerungen. Dieses Mal schlüpfen wir erneut in die Rolle des Scharfschützen Karl Fairburne und sollten uns nicht zu sehr von der optischen Idylle Italiens ablenken lassen. Denn der Ausgang des Krieges gegen die Deutschen liegt in unseren Händen.

Sniper Elite 4

Stealth vs. Konfrontation
Dabei hat sich am eigentlichen Spielprinzip zunächst nichts grundlegendes geändert. Erneut setzt „Sniper Elite 4“ vor allem auf das versteckte Vorgehen mit seinen Stealth-Elementen, lässt dem Spieler aber jederzeit die Möglichkeit, auch in die offene Konfrontation zu gehen. Dabei lädt der Shooter aber geradezu dazu ein, verdeckt vorzugehen, sich vor den Gegnern zu verstecken und diese aus einem Hinterhalt heraus niederzustechen. Für den Kern des Spielerlebnisses, das Schießen mit dem Scharfschützengewehr, setzt man dabei auch dieses Mal auf bewährte Gameplay-Stilmittel, wie etwa das Ausnutzen von Geräuschen. Macht ein Objekt in der Umgebung kurzfristig Lärm oder fliegen Flugzeuge über unseren Kopf hinweg, sind diese wenigen Sekunden genau unser Moment: Die Luft wird angehalten, das Ziel anvisiert und genau an dem Moment gefeuert, wenn das Geräusch ertönt. Damit sorgen wir mit dem richtigen Timing dafür, dass die Gegner uns nicht hören und folglich unsere Position nicht ausmachen können. Geduld spielt dabei allerdings eine wichtige Rolle, denn der offene Kampf – auch wenn er durchaus möglich ist – gestaltet sich wesentlich schwieriger. Die Wahl des Vorgehens bleibt aber beim Spieler.

Sniper Elite 4

Lautlose Munition
Damit unsere leise und unentdeckte Spielweise nun ein wenig unterstützt wird, haben sich die Entwickler einige spannende Neuerungen ausgedacht. So verfügen wir nun auch über Ultraschall-Munition, die mit einigen ausgewählten Waffen – darunter auch Scharfschützengewehre – abgefeuert werden kann. Mit dieser Munition besteht für uns die Möglichkeit, auch dann lautlos zu feuern, wenn gerade kein Krach in der Nähe ist und auch kein solcher zu erwarten sein wird. Spannend bleibt es aber dennoch, denn die Anzahl dieser Munition ist stets begrenzt und muss deswegen zurückhaltend verwendet werden. Es liegt dabei stets am Spieler einzuschätzen, wann er diese Munition benötigt und wann ein anderes Vorgehen sinnvoller erscheint. Nichts desto trotz gibt uns „Sniper Elite 4“ damit ein interessantes taktisches Element, das vor allem Stealth-Gamer umso mehr erfreuen wird. Schade ist unterdessen allerdings, dass gänzlich lautlose Waffen mit Schalldämpfer lediglich über einen kostenpflichtigen DLC erworben werden können. Ob die Anschaffung angesichts des Schwierigkeitsgrades und der Dramatik sinnvoll ist, sei allerdings mal dahin gestellt – denn gerade hierdurch würde die Spannung, welche durch begrenzte Ultraschall-Munition entsteht, verflogen gehen und das Spiel womöglich etwas zu einfach werden.

Sniper Elite 4

Flankierende Gegner
Immerhin ist die Geräuschkulisse eines der wichtigsten Spielelemente, welches auch dafür sorgt, dass die Gegner auf uns reagieren. Verpassen wir nämlich den richtigen Moment, kann Triangulation dazu führen, dass die Gegner unsere Position ausfindig machen können. Spätestens bei mehrfachem Abschuss ohne Übertönung kennen die Feinde unseren exakten Aufenthaltsort und machen sich prompt auf den Weg. Ebenfalls neu ist dabei allerdings, dass sich die KI längst nicht mehr so dumm anstellt, wie noch im dritten Teil. Dieses Mal nutzt sie aktiv Flanken aus und umkreist uns nach Möglichkeit sogar. Ein Entkommen ist somit gar nicht mehr so einfach wie zuvor, wenn der Gegner uns erst einmal entdeckt hat. Spannend ist dabei auch, dass die Feinde dabei regelmäßig einen anderen Weg verwenden. Sterben wir also und laden den Spielstand neu, kann es durchaus passieren, dass die KI beim nächsten Mal einen anderen Weg wählt. So bleibt das Spielerlebnis einigermaßen unvorhersehbar. Da bleibt es nur schade, dass die KI immer noch gelegentliche Aussetzer hat, sodass diese mitunter an Gegenständen hängen bleibt oder uns einmal in einer Deckung nicht sieht, obwohl sie direkt zu uns schaut. Ein paar kleinere Optimierungen, über die wir allerdings getrost hinweg sehen können, wären also immer noch empfehlenswert.

Sniper Elite 4

Gegnerische Scharfschützen
Ob und wie die Feinde allerdings vorgehen, hängt mitunter auch von ihrem Dienstrang ab. So agieren Jäger deutlich intelligenter und flinker, als ihre niedrigeren Kameraden. Ganz besonders harte Ziele können unterdessen gegnerische Scharfschützen sein, die sich gelegentlich an einem höher gelegenen Aussichtspunkt aufhalten. Diese sind für uns nicht nur kleidungstechnisch schwerer zu erkennen, sondern können uns durch die große Entfernung oft bereits ins Visier nehmen, ehe wir sie entdeckt haben. Dass dies allerdings auch andersrum funktioniert, macht „Sniper Elite 4“ besonders spannend, denn ein genaues Auskundschaften der Umgebung mit einem Fernglas kann häufig von Vorteil sein. Taktisch ist das ohnehin sinnvoll, da wir so unsere Gegner markieren und anschließend ihren Aufenthaltsort genauestens verfolgen können. Praktisch derweil aber, dass Scharfschützen gerne einmal das Licht reflektieren und wir sie gerade dadurch womöglich leichter erkennen.

Sniper Elite 4

In den Tiefen des Waldes
Dass es allerdings nicht allzu einfach wird, dafür sorgt derweil das Leveldesign, das sich mehr als nur sehen kann und sich überaus positiv vom Vorgänger abgrenzt. Dieses Mal bekommen wir es mit recht großen, frei begehbaren Maps zu tun, auf denen wir unsere Ziele in beliebiger Reihenfolge durchführen können. So befinden wir uns mal auf einer Insel, ein anderes Mal auf den italienischen Straßen und an anderer Stelle müssen wir gar ein Viadukt in die Luft jagen, welches sich im Innern eines tief bewachsenen Waldes befindet. Gerade bei letzterem können Scharfschützen wiederum zu einer interessanten Herausforderung werden, denn zwischen all den Bäumen sind Gegner nicht immer ganz so leicht erkennbar, wie wir das gewohnt sind. Ganz davon abgesehen, dass so ein Viadukt ohnehin bereits einen echten Augenschmaus darstellt. Nebenbei haben wir nun auch schon ein weiteres Kernelement des Spiels erläutert: Denn neben mehreren Primärzielen, bekommen wir nun auch in jedem Level zahlreiche optionale Ziele geboten. Das Erledigen aller Ziele dauert dabei häufig im Schnitt um die zwei Stunden, sodass die Kampagne um einiges länger ist, als noch in allen Vorgängern.

Sniper Elite 4

Italienische Verbündete
Die optionalen Ziele erhalten wir allerdings nicht nur rein zufällig. Vor Beginn einer jeden Mission, haben wir schließlich die Möglichkeit, uns mit unseren Verbündeten – darüber meist auch die Partisanen – zu unterhalten. Diese beliefern uns nicht nur mit wichtigen Informationen zur Situation und den Gegnern, sondern auch mit optionalen Zielen, die wir – wenn es nach ihnen geht – möglichst ausschalten, um ihrer eigenen Operation ein wenig unter die Arme zu greifen. Schade ist dabei, dass all diese Figuren zwar interessant gestaltet sind, aber spielerisch kaum eine Rolle spielen. Ein echtes Koop im Singleplayer-Modus mit anderen NPCs bekommen wir also nicht geboten, sodass wir stets alleine unterwegs sind. Im Glücksfall kann es allerdings passieren, dass wir inmitten der Stadt auf kämpfende Partisanen stoßen, die wir im Kampf unterstützen dürfen oder die für uns den ein oder anderen Gegner erledigen. So sind wir zumindest nicht immer ganz alleine unterwegs.

Sniper Elite 4

Kämpfen mit Freunden
Apropos Koop: Wer sich einmal an den Multiplayer-Modus wagt, wird feststellen, dass er die Kampagnen-Missione nicht zwingend tatsächlich alleine durchführen muss. Im Koop-Modus dürfen wir uns einmal mehr gemeinsam mit einem Freund in die Schlacht begeben und die gesamten Story-Kampagne auch zu zweit durchführen. War das im Vorgänger auf Grund der zahlreichen Zwischensequenzen und der linearen Missionsziele noch eher schlecht umgesetzt, macht dieser in „Sniper Elite 4“ nun um einiges mehr Spaß. Die Häufigkeit verschiedener primärer und optionaler Ziele lässt uns dabei freie Wahl, ob beide Spieler ein jeweils eigenes Ziel verfolgen, um die Mission so schneller zu erledigen, oder gemeinsam vorgehen und sich an Ort und Stelle unterstützen. So kann ein Spieler beispielsweise die Situation auskundschaften und der andere übernimmt den aktiven Scharfschützen. In einem weiteren neuen Multiplayer-Modus geht es sogar spezifisch um diese Art von Zusammenarbeit. Damit steht fest, dass die Entwickler den Multiplayer-Part der Spielereihe im vierten Teil erheblich verbessert haben.

Sniper Elite 4

Rudimentärer Fähigkeitenbaum
Gerade im Hinblick auf den Koop-Modus ist es allerdings besonders schade, dass das Skillsystem ein wenig zu einfach gestaltet wurde. Nach jedem fünften Level unserer Figur haben wir somit die Möglichkeit, eine neue Fähigkeit freizuschalten. Dummerweise können wir dabei allerdings lediglich zwischen einer von zwei möglichen Fähigkeiten wählen und unsere Figur nicht auf komplexe Weise spezialisieren. Für den Koop-Modus bedeutet das letztendlich, dass es keinerlei Auswirkungen hat, wie die jeweiligen Spieler ihre Figur geskillt haben, da keine echten spielerischen Auswirkungen vorhanden sind. Man hat somit also nicht die Möglichkeit, zwei verschiedene Spieler mit unterschiedlichen Spezialisierungen zusammenarbeiten zu lassen, um ein abwechslungsreiches Spielerlebnis sicherzustellen. Gerade an dieser Stelle wäre also nochmal Luft nach oben gewesen. Am Spielspaß generell ändert das allerdings noch nicht allzu viel. Man stellt sich jedoch die Frage, ob man auf das Skillsystem in dieser Form nicht sogar gänzlich hätte verzichten können.

Sniper Elite 4

Mehr Story für mehr Geld
An der DLC-Politik scheiden sich derweil übrigens die Geister. Dass es diverse Erweiterungen mit nur ein paar wenigen Waffen gibt, für die man tatsächlich zusätzliches Geld ausgeben muss, kommt bekanntlich bei den meisten Spielern nicht allzu positiv an. Allerdings bekommen „Sniper Elite 4“-Spieler auch einige interessante Storyerweiterungen geboten. Dazu zählt nicht nur eine bald erscheinende dreiteilige neue Storykampagne, sondern natürlich auch die obligatorische Mission, in der wir einmal mehr Adolf Hitler ermorden müssen. Letztere dürfte wohl in jedem bisherigen „Sniper Elite“-Spiel mit von der Partie gewesen sein und erfüllt damit exakt die Erwartungen der meisten Spieler. Dass sie allerdings einmal mehr nicht unbedingt das Highlights des Spiels darstellt, kommt zugleich ebenso wenig überraschen. Inhaltlich hat die eigentliche Hauptkampagne dann doch wesentlich mehr zu bieten, auch hinsichtlich des Levelsdesigns.

Sniper Elite 4

Wunderhübsches Italien
An der technischen Umsetzung kann man unterdessen übrigens überhaupt nichts aussetzen, denn hier zeigt sich „Sniper Elite 4“ absolut vorbildlich. Die Grafik ist dabei nicht nur insgesamt hübsch anzusehen, sondern kommt zudem auch noch mit überraschend niedrigen Systemanforderungen aus. Selbst Mittelklasse-PCs werden also kein Problem haben, dieses Spiel auf hohen Einstellungen flüssig spielen. Generell mag man damit zwar noch nicht die aktuelle Grafikreferenz präsentieren, doch allein die Integrierung von DirectX 12 mitsamt funktionierendem Async Compute ist dann doch geradezu einzigartig und zeigt, dass das Spiel durchaus technisch auf dem aktuellen Stand ist. Das dürfen wir dann vor allem bei der Flora bewundern, denn speziell die Mission mit dem Viadukt im Wald kann sich mehr als nur sehen lassen. Ganz zu schweigen davon, dass der klassische brutale Röntgen-Kill erneut mit von der Partie ist und der Reihe wohl den besonderen Widererkennungswert verleiht. Das sorgt grafisch nicht nur für Faszinationen, sondern gibt zudem besonderes Feedback zum Schuss. Spannend.

Fazit:
Während der neueste Teil der „Sniper Elite“-Reihe mit altbewährtem Gameplay vor allem Kenner erneut begeistert, sorgen diverse Verbesserungen bei der KI, wesentlich umfangreichere Missionen und einige anderen Neuerungen dafür, dass „Sniper Elite 4“ seinen Vorgänger noch einmal übertreffen kann. Vorbildlich!

Sniper Elite 4 Wertung


19
Feb

Orwell

Privatsphäre war gestern. In der heutigen Welt ist die totale Überwachung allgegenwärtig und jegliche Kommunikation wird von der Regierung ausspioniert. Doch nicht alle Menschen sind mit diesem Vorgehen einverstanden. In der amerikanischen Stadt Bonton kommt es daher zu einem schwerwiegenden Terroranschlag, bei dem mehrere Menschen sterben. Die bisherigen Hinweise deuten darauf hin, dass der Anschlag aus Protest gegen die Überwachung stattfand und ein polizeibekanntes Mädchen taucht kurz zuvor am Tatort auf. Wie es die Ironie des Schicksals will, soll ausgerechnet das Überwachungssystem Orwell nun Hinweise über die Verdächtigen finden, ein Persönlichkeitsprofil erstellen und die Täter letztendlich überführen. Dumm nur, dass es längst einen Feind im eigenen System gibt…

Kritik:
Seit Edward Snowden und die Aufdeckung des NSA-Skandals ist die totale Überwachung ein allgegenwärtiges Thema. Nicht wenige Menschen befürchten seitdem, George Orwells Werk „1984“ würde endgültig zur Realität werden. Denn schon damals wurde deutlich, dass der Geheimdienst offenkundig in der Lage ist, jegliche Kommunikation zu überwachen. Doch was, wenn man einmal selbst in die Rolle des Überwachers schlüpfen kann?

Orwell

Totale Überwachung
Genau das machen wir in dem Indie-Game mit dem passenden Titel „Orwell“. Wir übernehmen hier die Kontrolle über ein mächtiges Überwachungswerkzeug des Geheimdienstes und sind mit diesem Programm in der Lage, das gesamte Leben von Zielpersonen auszuspionieren. Nach einem Terroranschlag sollen wir schließlich als investigativer Geheimagent, im (In-Game) Internet nach Hinweisen und Informationen suchen, die die Verdächtigen mit dem Anschlag in Verbindung bringen. Auf irgendeiner Webseite eine Angabe zu Social Media-Accounts gefunden – und schon gibt uns „Orwell“ mit einer Backdoor sofortigen Zugriff auf den Account. Finden sich dort anschließend Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Chataccounts, dauert es auch hier nur wenige Sekunden und wir sind live in der Lage, die Kommunikation der Zielpersonen abzufangen. Und wenn dann auch noch das große Los gezogen und eine Hardware-ID eines Computers oder Smartphones gefunden wird, ist gar der Vollzugriff möglich. Doch in all diesen Überwachungsmöglichkeiten ist es unsere Aufgabe, die richtigen Informationen zu finden, diese ins Orwell-System hochzuladen und ein Persönlichkeitsprofil über unser Ziel zu erstellen.

Orwell

Auswertung von Daten
Da mag man sich mitunter natürlich fragen, wozu ein solch mächtiges und fast schon automatisiert funktionierendes System überhaupt einen realen Anwender benötigt. Das erklärt sich aber schnell ganz einfach: Unsere Aufgabe ist es nämlich auch, die Informationen nach Wahrheitsgehalt auszuwerten. Denn wir wissen: Nicht jeder sagt im Internet immer die Wahrheit. Manches Mal ist es auch einfach nur Angeberei gegenüber den eigenen Freunden. Und nicht selten finden sich gar völlig widersprüchliche Informationen im Netz, bei denen wir letztendlich entscheiden müssen, welche Hinweise tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Die Oberfläche von „Orwell“ ist dabei ziemlich simpel und einfach gehalten. Statt aufwändiger und beeindruckender 3D-Grafik, gibt es lediglich eine 2D-Oberfläche eines Computerprogramms. Über die Reiter „Reader“, „Listener“ und „Insider“ können wir wahlweise auf den Browser, das Kommunikationsabhör-Tool oder die Backdoor eines Computers oder Handys zugreifen. Man fühlt sich also tatsächlich ein bisschen mächtig. Die Bedienung ist einfach und doch hat man das Gefühl, in die tiefste Privatsphäre eines Menschen eindringen zu können. Dieses mitunter beklemmende Gefühl bringt „Orwell“ fantastisch rüber.

Orwell

Fehler kosten Leben
Faszinierend wird das Spiel allerdings erst dadurch, dass unsere hochgeladenen Informationen und unsere Entscheidungen tatsächlichen Einfluss auf den Spielablauf haben und das manchmal ein bisschen rasanter, als es uns lieb wäre. Eine kleine Falschinformation ins System geladen und ein Verdächtiger wird zu Unrecht festgenommen oder Menschen könnten ums Leben kommen. Denn das „Orwell“-System zögert nicht lange, die aus dessen Sicht notwendigen Maßnahmen anhand der Informationen einzuleiten. Stufen wir einen Verdächtigen als gefährlich ein, obwohl dies gar nicht der Fall ist, kann das unangenehm enden. Mitunter ist es schon faszinierend und auch erschreckend zugleich, wenn wir einen durch uns ausgelösten Vorfall live beim Abhören eines Telefonats miterleben können. Doch an dieser Stelle wollen wir einmal nicht weiter spoilern, um den Spielverlauf nicht schon vorab zu verraten.

Orwell

Gegner im System
Der andere spannende Aspekt des Spiels ist die Tatsache, dass wir ausgerechnet gegen Verdächtige ermitteln, die ironischerweise gegen das eigene Überwachungssystem protestiert haben. Ohne tatsächliche Figuren steuern zu können, bieten die jeweiligen Protagonisten schon eine sehr intensive und aufregende Geschichte, die uns selbst dann in den Bann zieht, wenn wir ausschließlich ein Überwachungssystem steuern. Doch nicht jeder Verdächtige ist automatisch ein offenes Buch für „Orwell“. Manche sind mit ihren Angaben im Netz tatsächlich vorsichtig und werden selbst für uns zu einer harten Nuss. Kommt dann auch noch ein Hacker ins Spiel, der sich als Gegner unseres Systems entpuppt, wird es erst richtig spannend und „Orwell“ entfaltet sein volles Potential. Denn was passiert, wenn ein Hacker und Terrorist es tatsächlich schaffen würde, sich Zugang zum System zu verschaffen und Unschuldige als Terroristen einzustufen? In jedem Fall ist „Orwell“ eines dieser Spiele, wenn nicht gar das einzige Spiel, das uns tatsächlich darüber nachdenken lässt, ob wir nicht doch lieber ein paar Informationen weniger im Netz und in unseren Social-Media-Accounts preisgeben sollten.

Fazit:
Ein kurzes, aber sehr eindringliches und faszinierendes Spiel über die totale Überwachung, bei der wir selbst in die Rolle des Überwachers schlüpfen müssen und über die Fähigkeiten der NSA verfügen. Nach diesem Spiel wird so mancher nicht mehr bereitwillig all seine privaten Details in die Social-Media-Netzwerke laden.

Orwell Wertung


19
Feb

Dishonored 2

Fünfzehn Jahre nach dem Tod des Lordregenten hat sich eigentlich vieles in den Straßen von Dunwall verändert. Kaiserin Emily Kaldwin hat unlängst dafür gesorgt, dass die Menschen wieder in Freiheit leben können und die Rattenseuche seit einiger Zeit Geschichte ist. Doch das könnte sich schon bald ändern, als ein mysteriöser Thronräuber der mächtigen Kaiserin ihren Thron entzieht und die Macht über das Land übernimmt. In der Rolle von Kaiserin Emily oder ihres Vaters Corvo Attano liegt es nun an uns, die Macht zurückzuerlangen und sich gegen zahlreiche Widersacher mit übernatürlichen Kräften durchzusetzen. Doch noch ahnen wir gar nicht, welch große Bedrohungen fortan auf uns warten. Denn von mechanischen Soldaten, bis hin zu gespenstigen Hexen scheint keiner der vielen Feinde so richtig von unserer Welt zu sein…

Kritik:
Bereits der Vorgänger galt bei vielen Spielern und Kritikern als ein Meisterwerk. Nun geht die spannende Geschichte von „Dishonored“ in die zweite Runde und entführt uns einmal mehr in eine Welt aus Steampunk und Mystik, in der nichts unseren gewohnten Verhältnissen entspricht.

Dishonored 2

Mann oder Frau?
Und dabei macht „Dishonored 2“ bereits in einer der ersten Szenen deutlich, dass sich doch so manches seit dem Vorgänger geändert hat. So müssen wir bereits jetzt eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die den gesamten Spielverlauf und auch das Gameplay grundlegend verändern kann. Denn hier entscheiden wir uns erstmals dafür, ob wir mit dem Helden aus dem Vorgänger, Corvo Attano das aufregende Abenteuer antreten wollen, oder es einmal auf neuartige Weise mit seiner Tochter Emily Kaldwin versuchen möchten. Und während vor allem Corvo mit seinen üblichen und bekannten Fähigkeiten aufwartet, hat Emily teilweise eine gänzlich andere Spielweise zu bieten. Denn ist Corvo noch relativ kampferprobt, entpuppt sich die schlanke Emily eher als ein schnelles und flinkes Wesen, das problemlos längere Strecken schnell überwinden kann. Aber vor allem speziellere Fähigkeiten, wie etwa das Verknüpfen des Schicksals zweier gegnerischer Figuren sorgt für interessante Kombinationsmöglichkeiten und ein ungewöhnliches Gameplay – vorausgesetzt der Spieler skillt die entsprechenden Fähigkeiten.

Dishonored 2

Kämpfer oder Assassine
Ansonsten hat sich allerdings das Basis-Spielprinzip nicht verändert. Noch immer ist „Dishonored 2“ eine gelungene Mischung aus schleichendem Stealth-Game und konfrontierender Action, bei der wir uns in jeder Situation selbst entscheiden können, wie wir das Spiel oder den nächsten Gegner meistern möchten. Ob wir uns von hinten anschließen und das Ziel erwürgen, es mit einem Pfeil betäuben oder frontal mit dem Schwert niederstechen – die Wahl liegt stets bei uns. Selbst eine Kombination aus verschiedenen Vorgehensweisen steht uns immer frei, etwa dann, wenn der eigentliche heimliche Schleichversuch einmal mehr schief gegangen ist. Denn schnell steht fest: Das versteckte Vorgehen ist doch manches Mal schwieriger, als einfach in den offenen Kampf zu ziehen.

Dishonored 2

Viele Wege führen zum Ziel
Zum Glück kann man an der Stelle glatt sagen, dass uns „Dishonored 2“ generell sehr viele Freiheiten lässt. So ist jeder Kartenabschnitt, auf dem wir unsere jeweilige Mission durchführen müssen, eine offene Welt. Wir können uns also frei bewegen und müssen nicht zwangsläufig mitten durch die Gegnermengen. Alternative und auch versteckte Wege gibt es derweil nämlich reichlich, sodass wir uns gut und gerne durch die anliegenden Häuser schleichen können, auf Dächer teleportieren oder mitunter auch durch tiefer liegende versteckte Zugänge in ein Gebäude kommen können. Diese zahlreichen unterschiedlichen Möglichkeiten machen die verdeckte Spielweise immerhin deutlich einfacher. Ganz zu schweigen davon, dass das Erkunden der Karte ohnehin oft sinnvoll ist, denn die zahlreichen Schwarzhändler in Dunwall und an anderen Orten sorgen erst dafür, dass wir uns unterwegs mit wichtigem Equipment und Waffen eindecken können. Das nämlich sollten wir dringend tun, ehe wir uns an das nächste größere Ziel wagen.

Dishonored 2

Detaillierte Steampunk-Welt
Außerdem gibt es in der Welt von „Dishonored 2“ ja ohnehin reichlich zu entdecken. Dazu gehören schließlich nicht nur die futuristisch wirkenden Eisenbahnen über unseren Köpfen und die mit Walöl betriebenen elektrischen Barrieren, sondern auch so manches Geheimnis in den kleinen Gassen abseits der Straße. Insgesamt muss man nämlich klar sagen, dass das Leveldesign des Spiels mehr als nur herausragend ausgefallen ist. Ob Ratten in der einen Ecke, Graffiti an der anderen oder einfach nur der Müll hinter den Gebäuden: Hier haben die Entwickler wirklich auf jedes noch so kleine Detail geachtet, um eine stimmungsvolle und glaubwürdige Spielwelt zu erschaffen, in der tatsächlich nichts fehlt. Manchmal erzeugt das Actionspiel dabei sogar eine höchst beklemmende, fast aussichtslose Atmosphäre. Und die technischen Errungenschaften wie mechanische Soldaten und andere futuristische Dinge sorgen für das perfekte Steampunk-Feeling.

Dishonored 2

Kein Versteck in der Menge
Hinsichtlich der Missionen muss man allerdings einige Abstriche im Vergleich zum Vorgänger machen, auch wenn selbst die Fortsetzung noch immer ihre großen Stärken hat. Doch interessante Aufgaben inmitten einer zivilen Menge suchen wir mittlerweile vergebens, sodass die klassische Maskerade in keiner der Missionen mehr zu unseren Hauptaufgaben gehört. Stattdessen sind wir meist maskiert auf den Straßen unterwegs und sollen wahlweise eine Zielperson ermorden oder sie auf andere Art und Weise von unseren Zielen überzeugen. Auch hier haben wir meist die Freiheit selbst zu entscheiden, ob wir tödlich oder nicht-tödlich vorgehen möchten. Bis die Missionen aber wirklich interessant werden, sind mitunter zu Beginn drei weniger spannende Aufgaben vergangen, die auch nicht unbedingt den zugänglichsten Einstieg ermöglichen. Davon sollten sich Spieler aber mitnichten abschrecken lassen, denn sind diese erst einmal hinter uns gebracht, kann „Dishonored 2“ seine ganzen Stärken voll entfalten.

Dishonored 2

Haus der Labyrinthe
In der vierten Mission zeigt sich nämlich zugleich auch eines der besten Kapitel des gesamten Spiels. In einer Art Haus der Labyrinthe müssen wir mittels Schalter die verschiedensten faszinierenden Räume aufdecken, neue Wege transformieren und schlussendlich den Weg zu unserer Zielperson finden – und das alles zwischen zahlreichen mechanischen Soldaten, denen wir nach Möglichkeit aus dem Weg gehen sollten. Diese zugleich auch vermutlich längste Mission des Spiels zeigt hier erstmals, was „Dishonored 2“ eigentlich tatsächlich drauf hat. Aber dabei soll es nicht bleiben, denn wenn wir einige Kapitel später plötzlich mittels Chronometer in die Vergangenheit blicken können, während wir zugleich die Gegenwart vor uns haben, bekommen selbst Sci-Fi-Fans einige faszinierende Spielmomente geboten. Denn das Hin- und Herwechseln zwischen den Zeiten entpuppt sich als einzigartiges Gameplay, das wir so noch in keinem anderen Spiel gesehen haben. Allein dafür lohnt sich „Dishonored 2“ allemal.

Dishonored 2

Entscheidungen
Allerdings soll es dabei nicht bleiben, denn die Entscheidungen, die wir in diesem Spiel treffen, haben echte Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. So entscheidet das tödliche oder nicht-tödliche Vorgehen, also die Tatsache, ob wir am Ende einen hohen oder niedrigen Chaosfaktor erzeugt haben, über das tatsächliche Ende des Spiels. Das ist unterdessen aber längst nicht die faszinierendste Entscheidung, denn so manch andere eher subtile Entscheidung wird mitunter erst im Nachhinein wirklich ersichtlich. So hat schließlich auch unsere Spielweise in der Vergangenheit sichtbare Auswirkungen auf die Gegenwart. Abhängig davon, welche Gegner wir ermorden und wie wir mit der Hauptfigur interagieren, hat unsere Verbündete Meagan, die uns über das gesamte Spiel hinweg begleitet, plötzlich nur einen oder noch beide Arme. Und wir wissen womöglich gar nicht, durch welche konkrete Entscheidung dies zustande gekommen ist. Faszinierend – und zugleich wünschen wir uns mehr davon auch in anderen Spielen.

Dishonored 2

Gameplay durch Skills
Eine weitere wichtige Entscheidung, die wir im Laufe des Spiels treffen, ist allerdings die Art und Weise, mit der wir unsere Spielfigur mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Fest steht: Wir werden in den insgesamt neun Kapiteln niemals genügend Runen sammeln können, um tatsächlich alle verfügbaren Fähigkeiten auch auszustatten. Das macht allerdings „Dishonored 2“ auch so spannend und sorgt für einen sehr hohen Widerspielwert. Denn während sich die möglichen Fähigkeiten von Emily und Corvo jeweils unterscheiden, so können wir das Spiel zugleich auch mehrmals mit unterschiedlichen Skills durchspielen und so immer wieder eine komplett andere Spielerfahrung erleben. Das macht „Dishonored 2“ vor allem für jene interessant, die Spiele gerne mehr als nur ein einziges Mal durchspielen (die Angabe der Spieldauer im Kasten unten bezieht sich hierbei auf das einmalige Durchspielen der Story, bei mehrmaligem Durchspielen vervielfacht sich diese Angabe).

Dishonored 2

Keine einwandfreie Technik
Schade ist derweil nur, dass das Spielerlebnis dieses eigentlich erstklassigen Spiels vor allem durch die Technik der PC-Version etwas getrübt wird, denn diese funktioniert derweil nicht immer ganz fehlerfrei. So hatten wir zu Beginn des Tests selbst mit seltsamen Grafikfehlern zu kämpfen, bei denen beispielsweise eine mysteriöse grüne Acht in der Mitte unseres Bildschirms erschien. Wodurch dieser Fehler ausgelöst wird, ist bisher nicht klar. Zum Glück ließ sich dieser aber durch die Installation des neuesten Grafikkartentreibers beheben. Damit ist ohnehin klar: Wer „Dishonored 2“ spielen möchte, sollte unbedingt vorher die neuesten Treiber installieren, da es sonst zu erheblichen Problemen kommt. Aber das längst nicht alles: So funktioniert auch die „adaptive Auflösung“ nicht richtig und sorgt ebenfalls für Grafikfehlern an den Bildschirmrändern. Ein Abschalten dieser Option hat den Fehler behoben und das Spiel ließ sich im Test auf aktueller Hardware trotzdem flüssig spielen.

Dishonored 2

Flackern der Schatten
Weitere durchaus sichtbare Fehler sind etwa das Flackern der Schatten, wenn wir vom Schiff aus auf die Landschaft schauen. Diesen Fehler konnten wir bisher immer noch nicht beheben, er stört aber zugleich auch das Spielerlebnis nicht allzu sehr. Über kleinere Texturfehler kann man unterdessen auch hinwegsehen. Und doch muss man schnell zu dem Entschluss kommen, dass „Dishonored 2“ damit insgesamt nicht mehr so recht zeitgemäß aussieht. Bot uns der Vorgänger einst noch überwältigende Grafik für seine damalige Zeit, entspricht die Grafik aus diesem Spiel hingegen nur noch dem Stand von vor einigen Jahren – und das, obwohl die Systemanforderungen ganz und gar nicht besonders niedrig sind. Denn Hardwareleistung frisst „Dishonored 2“ mitunter schon enorm. Insgesamt sind wir darüber wiederum verwundert, wenn wir beispielsweise die wirklich hübschen Wassereffekte sehen, die auf dem Meer eindeutig mit Einsatz von Tesselation dargestellt werden und damit besonders organisch erscheinen. Und auch Charakteranimationen können sich tatsächlich sehen lassen. Warum man diese Qualität dann nicht im gesamten Spiel fortgesetzt hat, sorgt für Verwunderung. Dennoch sollte man sich auf Grund dessen nicht vom Kauf abhalten, denn spielerisch macht „Dishonored 2“ sehr viel Spaß und gehört mit zu den besten Spielen des vergangenen Jahres.

Fazit:
Mit seinem dynamischen auf Fähigkeiten basierenden Gameplay, den enorm vielen Freiheiten und einer faszinierenden Steampunk-Welt kann „Dishonored 2“ seinem Vorgänger spielerisch mehr als nur gerecht werden. Schade nur, dass die Technik hier und da das Spielerlebenis trübt.

Dishonored 2 Wertung


16
Feb

Leaving Lyndow

Nach den vielen Jahren in der Gilde der Wissenschaftlichen Erkundungen ist es für Clara endlich so weit: Sie darf auf eine mehrjährige aufregende Expedition gehen und wird vielleicht sogar fremde Zivilisationen auf ihren Schiffsreisen kennenlernen. Doch das große Abenteuer ist auch mit einigen Herausforderungen verbunden, zu denen vor allem der große Abschied aus ihrer Heimatstadt gehört. Immerhin fällt es der Familie nicht leicht, das noch junge Mädchen endgültig gehen zu lassen und einige sind gar besorgt, dass sie auf dem gefährlichen Meer sterben könnte. Ganz zu schweigen von Clara selbst, der es ebenfalls nicht allzu leicht fällt, ihre Freunde zu verlassen und damit auch die vielen spaßigen Abende mit ihrem besten Freund zu verzichten. Aber für sie steht der Entschluss längst fest, denn mit der Expedition erfüllt sie sich ihren großen Traum…

Kritik:
Die Spiele-Landschaft ist für gewöhnlich voll mit brutaler Action und umfangreichen Rollenspielen. In eine ganz andere Richtung möchte allerdings „Leaving Lyndow“ – ein Indie-Abenteuer, das eher für einen kurzweiligen entspannten Abend sorgen möchte. Vergleichbar mit der Story eines Kurzfilms konzentriert sich das Spiel nämlich lediglich auf ein einziges Ereignis, nämlich den großen Abschied von der Familie und möchte damit eine intensive Atmosphäre aufbauen. Denn hier versucht man dem Spieler das Gefühl zu geben, selbst etwas zurückzulassen und sich in die emotionale Welt des jungen Mädchens hineinversetzen zu können. Dazu dienen nicht nur Briefe und ein paar Hintergrundinformationen vom Ableben ihres Vaters, sondern auch diverse Dialoge mit den Freunden und Familienmitgliedern. Insgesamt ist „Leaving Lyndow“ damit schon eine kleine Besonderheit unter den Unmengen an Spielen, die wir regelmäßig zu Gesicht bekommen.

Leaving Lyndow

Das melancholische Packen
Schon im ersten Abschnitt des Abenteuers kommt da sogar eine melancholische Stimmung auf, die nicht zuletzt am gelungenen und einfühlsamen Soundtrack liegt, der die irgendwie traurige, aber auch freudige Geschichte perfekt untermalen kann. Im Haus der Eltern müssen wir schließlich zunächst einige Dinge zusammensuchen und unseren Koffer packen, damit wir uns für die große Reise bereit machen können. Ein kleines Abschiedsgespräch mit der Mutter gehört selbstverständlich auch dazu. Und danach sind auch die anderen noch an der Reihe. Der Onkel etwa kann sich mit dem Abschied gar nicht anfreunden und hat doch große Sorge, dass die junge Clara sterben könnte. Und auch die vielen Freunde sind doch eher zwiegespalten, wenn es darum geht, ihre langjährige Freundin gehen zu lassen. Dieses Gefühl, unter allen Umständen den großen Traum erfüllen und doch insgeheim bei den Freunden und der Familie bleiben zu wollen, kann „Leaving Lyndow“ jedenfalls perfekt einfangen.

Leaving Lyndow

Wenig Gameplay
Doch reicht das allein tatsächlich bereits, ein gutes Spiel zu bieten? Hinsichtlich des Gameplays hat „Leaving Lyndow“ jedenfalls nicht allzu viel zu bieten. Das Abenteuer präsentiert sich insgesamt doch eher als eine Art Walking Simulator, bei dem wir durch mehrere Abschnitte der Welt spazieren und verschiedene Gegenstände einsammeln, oder Briefe und Dokumente lesen, um interessante Informationen zur Hintergrundgeschichte zu erfahren. Dazwischen warten lediglich einige durchaus gelungene Minispiele und Rätsel auf den Spieler, etwa wenn wir mit unserem kleinen Neffen einige Figuren einsammeln müssen oder in einer kleinen Erinnerung an vergangene Zeiten ein Musikstück auf einem speziellen Instrument nachspielen sollen. Hier hat man die relativ einfachen Rätsel hin und wieder auf durchdachte Weise eingebaut und zu einem wichtigen Teil der Story gemacht. Und dennoch: Das reicht noch nicht so recht, um tatsächlich zu begeistern, denn spielerisch ist das einfach zu wenig. Von der ohnehin sehr kurzen Spieldauer von gerade einmal knapp 30 Minuten einmal ganz zu schweigen.

Leaving Lyndow

Wunderschöne Fantasy-Welt
Dabei ist „Leaving Lyndow“ ja eigentlich sogar wegen seiner überaus hübschen Grafik und Gestaltung der Welt sehr atmosphärisch. Geradezu verträumt bunt sind da die hübschen Wälder und Wiesen mit ihren tollen Panoramaaussichten und dem beeindruckenden Blick auf den Mond. Der Detailgrad der Grafik kann sich dabei in jedweder Hinsicht sehen lassen und braucht sich vor den großen Titeln sicherlich nicht zu verstecken. Schon allein die ausgesprochen umfangreiche Vegetation mit ihren vielen Pflanzen, Blumen und Bäumen kann sich mehr als nur sehen lassen. Dazwischen süße Vögel, die zwischen den Baumkronen umherfliegen und die Verträumtheit der Szenerie noch einmal unterstreicht. Lediglich die Animationen der menschlichen Charaktere könnten sicherlich einen Tick hübscher ausfallen. Aber dennoch freuen wir uns angesichts der Tatsache, dass „Leaving Lyndow“ nur ein kleiner Einblick in die Welt des noch kommenden Open-World-Spiels „Eastshade“ bietet darüber, wie hübsch doch bereits jetzt die Welt gestaltet ist. Insgesamt würden wir aber dennoch den potentiellen Käufern dazu raten, auf das „große“ Spiel noch zu warten.

Fazit:
Der wunderhübsche und atmosphärische Walking Simulator bietet bereits jetzt einen kleinen Einblick in die zukünftige Welt von „Eastshade“. Spielerisch reichen die winzigen Rätsel und die extrem kurze Spieldauer von gerade einmal 30 Minuten allerdings noch nicht aus, um vollends zu begeistern.

Leaving Lyndow Wertung