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Mysterium
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27
Jun

Train Simulator: Gottardo 2016

Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass der berühmte Gotthard-Tunnel eröffnet wurde. Für die Schweiz war das ein richtiger Grund zum Feiern. Aus diesem Anlass hat man sogar gleich seine Züge umlackiert und sowohl Lokomotiven, als auch Waggons in Jubiläumsoptik angestrichen. Seither verkehren regelmäßig sowohl Baureihe 4/4 II, als auch Re 460 entlang den hübschen Strecken der SBB. Leider haben die Entwickler die Gelegenheit allerdings nicht genutzt, um die bereits im Strecken-Addon nicht fahrbare Re 460 endlich mit Führerstand einzubauen. Stattdessen bietet sich einmal mehr lediglich die bekannte SBB Baureihe Re 4/4 II in einem Repaint.

Train Simulator: Gottardo 2016

Bekanntes Rollmaterial in weiß
Besonders aufwändig mag der neue Look dabei auch nicht erscheinen. Tatsächlich handelt es sich lediglich um einen Zug in komplett weißer Optik, auf der man einige Schriftzüge angebracht hat. Das mag zwar dem Original durchaus entsprechen, ist hinsichtlich des Repaintaufwandes aber vermutlich unspektakulär. Immerhin: SimTrain liefert gleichzeitig auch die Waggons in dieser Ausführung mit – und zwar sowohl für die erste, als auch die zweite Klasse. Noch dazu hat man sich auch bei der Inneneinrichtung der Waggons was gedacht und in diesem Rollmaterial neue Sitze verbaut und den Wagen generell einen etwas anderen Look verpasst. Dennoch sollten potentielle Käufer beachten: Grundsätzlich handelt es sich hier um die identische Lok, die bereits in SBB Route 1 enthalten ist – lediglich das äußere Erscheinungsbild hat sich verändert.

Train Simulator: Gottardo 2016

Kurzes Vergnügen
Schade ist, dass man diesen doch recht kleinen Umfang leider nicht durch entsprechende Szenarien kompensiert. „Gottardo 2016“ liefert nämlich lediglich ganze zwei Passagierszenarien mit, bei denen man eine recht kleine Route von knapp zwanzig bis dreißig Kilometern abfährt. Und die sind auch nicht wesentlich kreativer, als die bereits in der eigentlichen Strecke enthaltenen Aufgaben: Abgesehen von der Tatsache, dass wir in einem der beiden Szenarien anfänglich unsere Lokomotive an die Waggons ankuppeln müssen, sucht man die Besonderheiten doch vergebens. Hier gibt’s keine interessanten Ereignisse wie Verspätungen, Baustellen oder Umleitungen – wir fahren einfach nur von A nach B. Und das noch nicht einmal besonders lang, denn nach jeweils 30 Minuten sind beide Szenarien bereits erledigt. Im Vergleich zum Railjet oder dem Roten Pfeil ist das leider enttäuschend wenig.

Fazit:
Mit dem „Gottardo 2016“ liefert SimTrain auch noch den Schweizer Jubiläumszug für seine „SBB Route 1“ nach. Da allerdings nur zwei Szenarien und ein bereits vorhandener Zug in neuem Repaint vorliegen, dürfte der Umfang jedoch eher enttäuschen und richtet sich eher an eingefleischte Fans dieser Strecke.

Train Simulator: Gottardo 2016 Wertung


25
Jun

Train Simulator: SBB Route 1

Die Schweiz kann doch so schön sein: Entlang des Zürichsees erwartet die Touristen eine idyllische Landschaft im Grünen, im Hintergrund offenbart sich ein schöner Blick auf die hohen Berge und selbst alte Königshäuser sind noch heute zu bewundern. Dass es daneben aber auch eine florierende Wirtschaft gibt, wissen vermutlich nur ganz wenige Menschen. Zu dieser Wirtschaft gehört allerdings auch eine der wichtigsten schweizerischen Bahnstrecken, auf der zahlreiche Fernverkehrszüge aus Zürich kommend verkehren und wichtige Orte miteinander verbinden. Selbst der österreichische Railjet kann hier angetroffen werden, während er sich die Küste des Zürichsees entlang schlängelt. Lokführer haben dabei die Gelegenheit, einmal in die interessantesten Schweizer Lokomotiven zu treten.

Kritik:
Insgesamt mag es auch für den „Train Simulator“ wohl nicht allzu viele Routen durch die Schweiz geben. Nachdem bereits die „Dreiländereck“-Strecke zumindest einen kleinen Abstecher in unser Nachbarland machte, führt „SBB Route 1“ gemäß seines Namens genau mitten durch die Schweiz entlang des Zürichsees. Damit ist dieses Addon vielleicht sogar die bisher einzige kommerzielle Route in diesem Land. Mittlerweile aber schon seit mehreren Jahren auf dem Markt, kann man technisch womöglich nicht mehr ganz mit den neuesten DLCs mithalten. Das liegt vor allem daran, dass „SBB Route 1“ vor allem grafisch dann doch ein wenig „outdated“ zu sein scheint. Die Texturen erscheinen hin und wieder etwas matschig, auf der Distanz fehlen meistens die Bäume und auch die NPC-Figuren sind für heutige Verhältnisse alles andere als hübsch. Ganz zu schweigen davon, dass sie in den Bahnhöfen gerne einmal im Boden laufen.

Train Simulator: SBB Route 1

Details für Güterfans
Und trotzdem hat die Strecke auch heute noch ihren gewissen Reiz, weil einige Besonderheiten die große Liebe zum Detail dann doch wieder offenbaren. Das fällt bereits damit auf, dass viele Streckenabschnitte praktisch dem Original entsprechend und selbst in Ziegelbrücke die dazugehörige Brücke originalgetreu wiedererkannt werden kann. Aber auch abseits der großen Orte taucht eine interessante Ausarbeitung der Gebäude auf. Etwa dann, wenn wir in Flums den interessanten Güterbahnhof entdecken oder an manchen Bahnhöfen gar eine Dieseltankstelle zu finden ist. Güterfans kommen also ebenfalls auf ihre Kosten, denn in den Szenarien stellen wir fest, dass die Beladung von Güterwaggons sogar animiert wurde und Gabelstapler die Produkte dann tatsächlich in die Waggons laden. Da schlägt das Eisenbahnherz gleich höher – und solche Szenen sind auch keine Selbstverständlichkeit.

Train Simulator: SBB Route 1

Hohes Passagieraufkommen
Schade ist gerade in diesem Hinblick, dass SimTrain gerade einmal zwei Güterszenarien eingebaut hat – eines davon mit einer großen Re 4/4 E-Lokomotive, eine andere mit dem Stationstraktor Tm232. Der Rest besteht vollständig aus Passagierszenarien, bei denen wir wahlweise S-Bahnen, Regionalzüge oder gar Fernverkehrsangebote über die Landkarte bringen müssen. Interessant dabei: Die Macher der Szenarien haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und wirklich spannende Ideen eingebaut. So bietet fast jede Aufgabe auch eine Vor- und Nacharbeit, bei der wir etwa die Lok ins Depot bringen, Wagen ankoppeln oder hin und wieder einmal auftanken müssen. Ganz im Sinne der 50er Jahre hat man einmalig sogar Passagier- und Gütertransport kombiniert und einen gemischten Zug zusammengestellt. Mit insgesamt zehn Szenarien allein beim Haupt-Addon kommt dabei aber auch reichlich Spielzeit zustande.

Train Simulator: SBB Route 1

Fahren wie ein echter Lokführer
Besonders interessant wird „SBB Route 1“ aber deshalb, weil man der Strecke doch einige Besonderheiten verliehen hat. So werden auf der gesamten Strecke nämlich keinerlei Geschwindigkeitsbegrenzungen angezeigt – weder im einblendbaren HUD, noch als Geschwindigkeitstafeln am Gleis selbst. Um diese Aufgaben zu meistern, ist man somit quasi verpflichtet, den dazugehörigen Dienstfahrplan wahlweise auszudrucken oder auf einem zweiten Bildschirm anzeigen zu lassen. Nur dort nämlich stehen sowohl die Geschwindigkeitsbegrenzungen, als auch wichtige Hinweise zu den Aufgaben und Manövern. Und selbst da finden sich noch interessante Alleinstellungsmerkmale, wie etwa eine Trennstrecke, bei dem man kurzzeitig den Hauptschalter aus Sicherheitsgründen abschalten muss. Damit kann die Route generell auch zu einer kleinen Herausforderung werden.

Train Simulator: SBB Route 1

Fehlende Angaben
Schade ist dann allerdings, dass „SBB Route 1“ auch nicht ganz fehlerfrei bleibt, denn ein paar Patzer haben die Streckendesigner dann doch eingebaut. In vereinzelten Fällen können wir beispielsweise nicht nachvollziehen, wieso wir plötzlich auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung stoßen, wenn ausnahmsweise auch im Dienstfahrplan eine Angabe offenbar fehlt. Da sollte man schon auf Genauigkeit bei der Erstellung der Dienstfahrpläne achten, wenn man diese zwingend erforderlich macht und die HUD-Angaben entfernt. Ebenso irritiert es manchmal, dass Waggons unseres Zuges am Ende des Gleises über den Bahnsteig hinüber ragen und wir dennoch dort die Türen öffnen sollen. Damit ein Halt nämlich funktioniert, ist ein exakter Stopp an den Halteschildern notwendig – selbst dann, wenn der Zug für eben jenes Schild eigentlich zu lang wäre. Auch das sind Patzer, die den Spielspaß ein wenig trüben.

Train Simulator: SBB Route 1

Herausforderungen
Andererseits zeigt sich die Strecke wieder von ihrer besseren Seite, wenn die Standardaufgaben (Karriereszenarien gibt es leider wegen des Alters nicht) einen wirklich engen Fahrplan vorgeben. Ein kleinster Fehler kann bedeuten, dass das jeweilige Szenario nicht vollständig abgeschlossen werden kann. Denn bei einer geringen Verspätung von auch nur einer einzigen Minute beim Halt an einem Bahnhof, wird jener Halt mitunter nicht gewertet und führt dazu, dass wir auf den grünen Haken in der Szenarioliste anschließend verzichten müssen. Gerade dieses strenge Einhalten des Fahrplans sorgt aber für Spannung auf der Schiene. Und wehe, der Lokführer hat einmal Probleme beim Ankuppeln eines Waggons oder findet nicht sofort das passende Gleis.

Train Simulator: SBB Route 1

Diesel und Elektro
Der Umfang des Addons ist hinsichtlich des Rollmaterials ansonsten guter Durchschnitt. Insgesamt können wir zwei verschiedene Lokomotiven fahren: Einerseits die SBB Re 4/4 II in gewöhnlicher roter Lackierung, aber auch mit seinem bekannten Cargo-Schriftzug. Andererseits wäre da aber auch der bereits erwähnte Stationstraktor Tm232 in schickem rot-blauen Design, Dieselmotor und einer zwei-achsigen Bauweise. Gerade an der Stelle ist es dann doch schade, dass uns das Fahren der Re 460 leider verwehrt bleibt, obwohl das Fahrzeug immerhin Teil des Rollmaterials ist. Da allerdings ein Führerstand fehlt, ist diese Lokomotive leider nur als KI-Verkehr einsetzbar. Immerhin entsteht dabei aber ein etwas realistischerer Look auf der Strecke. Das ansonsten umfangreiche Material an Waggons lässt das aber verschmerzen: So finden sich gleich drei verschiedene Passagierwaggons in mehreren Klassen und Ausführungen. Außerdem abwechslungsreiche Güterwaggons, die einen einigermaßen realistischen Bahnbetrieb ermöglichen. Das gefällt dann doch recht schnell.

Train Simulator: SBB Route 1 - Railjet

Erweiterung: Railjet
Wem das noch nicht reicht, der hat auf der „SBB Route 1“ auch noch genügend Möglichkeiten, die Strecke durch (kostenpflichtige) Züge und Szenarien zu erweitern. So ist unter anderem auch der bekannte Hochgeschwindigkeitszug ÖBB Railjet verfügbar, durch den man auch eine ausländische Eisenbahngesellschaft auf dieser Route fahren lassen kann. Dass sich mit dem dazugehörigen Taurus aber nur Passagierfahrten ergeben, sollte den meisten klar sein. Interessant ist das dennoch, denn hier bieten sich vor allem ungewöhnliche Doppeltraktionen, bei denen nicht zwei Loks an einem Ende stehen und auch keine Sandwichformation verwendet wird, sondern zwei reguläre Züge aneinander gehangen werden, sodass die zweite Lok sich in der Mitte des Zuges befindet. Das sieht man so auch nicht alle Tage. Angesichts des gut gelungenen Zugdesigns lohnt sich dieses Addon aber ebenfalls.

Train Simulator: SBB Route 1 - Roter Pfeil

Erweiterung: Roter Pfeil
Hat man danach dann immer noch nicht genug, bietet sich mit den Roten Pfeilen des SBB noch ein weiteres (kostenpflichtiges) Erweiterungspaket an, bei dem wir nochmals zehn Szenarien geboten bekommen. Dieser liegt dann auch gleich in mehreren Varianten vor, denn neben der modernen Version von SBB Historic und einer Reverse-Variante mit dem Pantographen auf der entgegengesetzten Seite, finden wir auch das klassische Modell aus dem 50er Jahren vor. Abwechslung ist also auch hiermit geboten. Und Spaß macht das noch dazu, denn die roten Pfeile überzeugen mit einer schnellen Beschleunigung. Auch hier gibt es zwar ausschließlich Passagierszenarien, doch dank eines schwer anzukuppelnden Ski-Anhängers haben selbst diese noch Besonderheiten zu bieten. Ganz zu schweigen davon, dass es nicht allzu viele Züge gibt, bei denen man eine Innenraummusik einschalten kann, um die Fahrgäste zu unterhalten.

Fazit:
Die schweizerische Strecke entlang des Zürichsees sieht zwar optisch ein wenig veraltet ab, überzeugt aber mit liebevollen Details, einer hohen Spielzeit und guten Erweiterungsmöglichkeiten.

Train Simulator: SBB Route 1 Wertung


16
Mai

Sniper Ghost Warrior 3

Jon North ist erfahrener amerikanischer Scharfschütze, der in geheimer Mission ins ferne Georgien gesendet wird. Dort soll er gegen prorussische Separatisten kämpfen und die Lage im Land möglichst unter seine Kontrolle bringen. Vor allem Kriegsverbrecher und diverse weitere Anführer der Separatisten stehen dabei auf seiner Abschussliste, während er als hochqualifizierte Ein-Mann-Armee durch die Wälder streift. Doch das ist länger nicht alles: Mitten in einem seiner Aufträge stellt er erstaunt fest, dass er nicht gänzlich allein in Georgien ist. Ein weiterer, mindestens gleichermaßen fähiger Scharfschütze kommt ihm in die Quere und beweist ihm, dass er einen ebenbürtigen Gegner hat. Nach und nach stellt sich die Frage, ob nicht sein Bruder sich ebenfalls innerhalb des Zielgebietes befindet und ob die sagenumwobene Geheimorganisation „Gesellschaft 23“ wohl ihre Finger mit im Spiel hat. Dumm nur, dass Jon noch gar nicht ahnt, mit welchen Methoden seine Gegner womöglich arbeiten und dass sich die Rollenverteilung in Georgien gewaltig ändern könnte…

Kritik:
Einige Monate nach dem Release des gelungenen „Sniper Elite 4“ darf natürlich auch die zweite Spielereihe um Scharfschützen nicht fehlen. Nach den eher durchwachsenen Vorgängern der „Sniper Ghost Warrior“-Reihe setzen die Entwickler auf zahlreiche Änderungen. Endlich sollen wir in einer offenen Welt kämpfen und möglichst viele Freiheiten erhalten. Und diese Rechnung geht tatsächlich auf.

Sniper Ghost Warrior 3

Inspiriert von Far Cry
Insgesamt sind wir dabei auf drei verschiedenen Maps unterwegs, die allesamt in Georgien spielen. Einerseits das Gebiet mit der Bergbaustadt, in der vor allem große Bergbauminen das Bild prägen, dann aber auch in einer schneebedeckten Berglandschaft und in einer kleineren Karte, in der spannende Dörfer auf uns warten. Man kann sicherlich nicht leugnen, dass „Sniper Ghost Warrior“ sich dabei ein wenig von anderen erfolgreichen Spielen inspirieren lässt und diverse Spielelemente übernimmt. Die offene Welt erinnert mit ihren kleinen holprigen Feldwegen und den feindlichen Außenposten nämlich nur allzu sehr an die letzten „Far Cry“-Spiele, während vor allem der Erkundungsmodus, bei dem wir auf die Suche nach wichtigen Hinweisen und Fußspuren gehen, eher an „The Witcher 3“ erinnern mag. In Kombination mit einem Scharfschützen-Gameplay funktioniert das allerdings hervorragend.

Sniper Ghost Warrior 3

Übersicht und Planung
Die offene Welt fügt sich nämlich hervorragend ins Gameplay ein, wenn wir feststellen, dass uns „Sniper Ghost Warrior 3“ möglichst viele Freiheiten gewährt. Man möchte uns gar nicht zu sehr an die Hand nehmen, sondern gibt uns – abgesehen vom Prolog – lediglich Missionsziele, die wir nach Belieben lösen können. Für den Spieler heißt das selbstverständlich eigene Planung: Wir müssen uns selbst die Übersicht verschaffen, Gegner markieren, bei Bedarf eine geeignete Scharfschützenposition finden und dann über die Reihenfolge unserer Abschüsse selbst entscheiden. Und das macht den eigentlichen Reiz aus. Die Drohne ist dabei das wohl wichtigste Hilfsmittel und gibt uns einen Überblick über Gegnerpositionen, Hinweisen und bei Bedarf auch technische Gimmicks wie Infrarotansicht – kann jedoch auch von Gegnern entdeckt werden. Und obwohl die Drohne durchaus geeignete Positionen für uns vorschlägt, sind wir nicht an diese gebunden: Scheint ein Platz geeignet, um den Gegner ins Visier zu nehmen, liegt es ganz an uns, ob wir von dort aus agieren möchten. Spannend.

Sniper Ghost Warrior 3

Abwechslungsreiche Missionen
Die Missionen sind dabei auch keineswegs eintönig, sondern bieten stets hohe Abwechslung. Manchmal hängen mehrere Missionen sogar direkt zusammen, was vor allem für die gelungenen Nebenmissionen gilt. Dabei müssen wir gelegentlich nur ein einziges Ziel töten, ein anderes Mal einen Computer innerhalb des Zielgebiets hacken oder diverse Informationen von den Gegnern stehlen. Hier kommt auch zum Vorschein, wieso das Spiel „Sniper Ghost Warrior“ heißt. Denn nach dem snipern unserer Gegner, müssen wir manchmal auch das Zielgebiet infiltrieren und möglichst unentdeckt als „Ghost“ vorgehen. Klappt das nicht, gehen wir nahtlos in den „Warrior“-Modus über und bekämpfen den Feind im Nahkampf.

Sniper Ghost Warrior 3

Waffen und Gadgets
Immer mit dabei: Drei verschiedene Waffen, die uns in der jeweiligen Situation zur Verfügung stehen. Dazu gehört selbstverständlich ein Scharfschützengewehr, das wir auf umfangreiche Weise mit verschiedener Ausrüstung erweitern können. Zielfernrohr, Visier, Schalldämpfer oder auch Magazingröße ist dabei austauschbar und kann je nach Spielweise angepasst werden. Ähnlich gilt auch für die Maschinenpistole, die uns im Nahkampf gegen mehrere Gegner effektiv zur Seite steht und die leise schallgedämpfte Pistole, die vor allem für verdecktes Vorgehen taugt. Wem das nicht reicht, der darf natürlich auch nützliche Gadgets nach seinen Vorlieben ausstatten. Bis zu sechs Ausrüstungsslots stehen uns dabei zur Verfügung – aber weit mehr Gadgets. Ob wir also mit Granaten ins Gefecht gehen, oder lieber mit Infrarotsicht und Wurfmessern – ganz unsere Entscheidung. Dem Spieler überlässt man dabei die Wahl, ob er lieber als Sniper, Ghost oder Warrior vorgehen möchte – oder alles kombiniert.

Sniper Ghost Warrior 3

Dreigliedriges Skillsystem
Hier fügt sich auch das Skillsystem mit seinen drei verschiedenen Talentbäumen ein, das ebenso namensgebend in Sniper, Ghost und Warrior unterteilt ist. Interessant dabei: Erfahrungs- und Skillpunkte sind abhängig von unserer Spielweise. Für Erfolge mit dem Scharfschützengewehr gibt es etwa Sniper-Erfahrungspunkte, für Erfolg im Nahkampf wiederum Warrior-Erfahrungspunkte. Für jeweils 1000 Erfahrungspunkte folgt dann ein Skillpunkt, mit dem wir eine von jeweils neun Fähigkeiten freischalten können. Spätestens im fortgeschrittenen Spielverlauf wird aber auch die Schwäche des Spiels ersichtlich: Wer beispielsweise bevorzugt mit dem Scharfschützengewehr unterwegs ist – weil es sich bei dem Spiel nunmal primär um ein Scharfschützenspiel handelt – der wird irgendwann seine Sniper-Skills komplett voll haben und kann seine zahlreichen überschüssigen Skillpunkte nicht in anderen Talentbäumen einsetzen, während Ghost- und Warrior-Skills oft noch frei sind. Das ist insgesamt etwas schade, da anhand der Ausrichtung des Spiels praktisch vorherbestimmt ist, welche Erfahrungspunkte wir am ehesten sammeln.

Sniper Ghost Warrior 3

Aussetzer bei KI
Man kann insgesamt also feststellen: „Sniper Ghost Warrior 3“ macht vieles anders als seine Konkurrenz „Sniper Elite 4“. Einiges davon durchaus besser, anderes allerdings wiederum auch schlechter. So etwa die KI der Gegner, die nicht so gut reagiert. Oft ist sie schlicht nicht in der Lage uns ausfindig zu machen – wenn doch, findet sie uns allerdings umso schneller und beschießt dann gleich mit Mörsern auf die richtige Position. Eine Erklärung gibt es dafür mitunter zwar schon, denn die Berechnung der Flugbahn anhand gefundener Leichen wäre denkbar – für viele Spieler bleibt aber völlig unklar, wieso der Gegner uns so schnell ausfindig machen kann. Andererseits werden Mörser nicht mehr neu besetzt, nachdem der Bediener erschossen wurde und die KI nimmt auch keine Verfolgung außerhalb des Missionsgebietes auf. Einmal den Gegner alarmiert, reicht einfaches Abwarten meist aus. Zumal auch auf Geräusche kaum reagiert wird. Das Ausnutzen von Umgebungsgeräuschen, wie etwa bei „Sniper Elite“ fehlt also völlig.

Sniper Ghost Warrior 3

Geister auf Distanz
Und obwohl die offene Welt spielerisch zahlreiche Vorzüge bietet, stellen wir aus technischen Gründen allerdings auch einen Nachteil fest. Der hängt nämlich offenbar mit der Performanceoptimierung zusammen, die dafür sorgt, dass bestimmte Objekte auf hoher Distanz nicht mehr dargestellt werden. Dummerweise betrifft das mitunter auch Gegner, die unter Umständen erst bei kürzerer Distanz spawnen. In den Missionen fällt dies oftmals noch weniger auf, da das Missionsgebiet selbst in der Regel auf höherer Entfernung dargestellt wird – sobald wir uns allerdings auf die Jagd nach „Meistgesuchten“ machen und somit nicht mehr in einem eingegrenzten Gebiet agieren, wird das Problem deutlich: So kann man Gegner beispielsweise auf 500 Meter Distanz durch das Zielfernrohr nicht mehr sehen, erkennt bei Einsatz der Drohne allerdings, dass sie beispielsweise bei 200 bis 300 Metern Distanz plötzlich erscheinen. Bei einem Scharfschützen-Shooter ein durchaus nicht unproblematisches Phänomen – wenngleich die aktuellsten Patchnotes darauf hinweisen, dass die Entwickler zumindest an diesem Problem arbeiten und Besserung versprechen. Die Performance des Spiels wiederum ist dafür ausgesprochen gut optimiert.

Sniper Ghost Warrior 3

Spannende Nebenmissionen
Apropos Missioen: Eine Sache fällt hier sehr positiv auf, denn in „Sniper Ghost Warrior 3“ sind nicht nur die Hauptmissionen überaus gelungen. In unserem Test stellten wir fest, dass auch die Nebenmissionen diesen in Sachen Umfang in nichts nachstehen und über ebenso spannende, sowie oft auch abwechslungsreiche Aufgaben verfügen. Hier kann es sogar einmal richtig spannend werden, wenn wir etwa als Scharfschütze aus der Entfernung einige andere Soldaten unterstützen, die das Gebiet infiltrieren. Wir sind spätestens in den Nebenmissionen also nicht immer allein unterwegs, was die Figuren insgesamt interessanter erscheinen lässt, als beispielsweise bei „Sniper Elite 4“. Eines steht jedoch fest: In diesem Spiel bekommen wir keine monotonen Muster bei Nebenmissionen geboten, sondern die Entwickler stecken viel Liebe zum Detail ins Missionsdesign, was dazu führt, dass am Ende niemand die Nebenmissionen auslassen möchte.

Sniper Ghost Warrior 3

B-Film lässt grüßen
Da kann man dann auch leicht darüber hinweg sehen, dass die Story doch insgesamt ein wenig an einen klassischen B-Actionfilm erinnert. Dass ausgerechnet der eigene Bruder sich auf Feindesseite im Zielgebiet befinden soll und natürlich schlagkräftige Agentinnen uns zur Seite stehen, ist dann mitunter doch etwas sehr an der Nase herbei gezogen. Dass eine gehörige Portion amerikanischer Patriotismus natürlich ebenso wenig fehlen darf, sollte somit kaum verwundern. Wer hier also eine tiefgehende Story um das amerikanisch-russische Verhältnis sucht, der wird insgesamt schwer enttäuscht werden. „Sniper Ghost Warrior 3“ konzentriert sich dann doch mehr aufs Gameplay, als darauf, eine gute Geschichte zu erzählen. Dementsprechend sehen dann allerdings auch die Zwischensequenzen aus, deren Grafik innerhalb der Videos dann doch wesentlich schlechter ausgefallen ist, als das Spiel selbst. Da das Spiel selbst aber ohnehin am meisten Spaß macht und die Zwischensequenzen auch nicht überwiegen, kann man das durchaus verschmerzen – verwundern darf es aber dennoch, dass man nicht auch solche Kleinigkeiten dann zuletzt noch abgerundet hat.

Sniper Ghost Warrior 3

Hübsches Georgien
Zumal der Shooter ansonsten auch tatsächlich gut und zeitgemäß aussieht. Vor allem in den höchsten Grafikeinstellungen kann „Sniper Ghost Warrior 3“ schließlich mit scharfen Texturen und einer wirklich hübschen Flora überzeugen. Selbiges gilt auch für die durchweg gelungenen Beleuchtungseffekte, die das Spiel zu jeder Tageszeit realistisch aussehen lässt. Hier und da mag es zwar ein paar Schwächen geben, etwa bei der häufigen Wiederholung von gegnerischen Figuren oder etwa die nicht immer überzeugende Darstellung von Tieren, als störend wird das aber eher noch nicht empfunden. Da fällt dann schon eher das hin und wieder schwächelnde Anti-Aliasing oder gelegentliche weiße Texturränder an einigen wenigen Stellen auf. Sieht man dann hingegen wiederum die hervorragenden Regen- und Wassereffekte, oder die zum Teil hübsch gestalteten Außenposten, gleicht sich aber auch das wiederum aus. Generell ist das Spiel damit zwar noch keine Grafikreferenz, kann aber durchaus als „hübsch“ angesehen werden.

Fazit:
Die neue offene Welt und das umfangreiche Missionsdesign machen sich bezahlbar: „Sniper Ghost Warrior 3“ ist somit der bisher beste Teil dieser Spielereihe und punktet mit taktischem Gameplay, vielen Freiheiten und reichlich Abwechslung bei den Missionen. Da kann man auch über kleinere Schwächen etwa bei der KI schnell hinweg sehen und Fans des Scharfschützen-Genres werden viel Spaß haben.

Sniper Ghost Warrior 3 Wertung


06
Mai

Guardians of the Galaxy

Das Leben im Weltraum nimmt Peter „Star-Lord“ Quill meistens ziemlich locker und mit Humor – vielleicht sogar ein klein wenig zu locker. Denn das führt nicht selten dazu, dass er ernsthafte Gefahren und Bedrohungen nicht immer richtig ernst nimmt. Auch nachdem er einen Notruf von einem fremden Schiff erhält, wird das mehr als nur deutlich. Statt mit ernsthaftem Verantwortungsbewusstsein zur Hilfe zu eilen, haben er und seine Crew doch eher ihre eigenen Ziele im Sinn und stolpern geradezu tollpatschig ins Gefecht. Immerhin treten sie schon bald gegen ihren langjährigen Erzfeind Thanos an, der ein übermächtiges Relikt für sich selbst ergattern möchte. Dumm nur, dass die Crew der Milano noch gar nicht ahnt, dass sie längst nicht als einzige hinter diesem Relikt her sind…

Kritik:
Der Zeitpunkt könnte kaum passender sein: Da stürmen die Fans der Marvel Superhelden-Filme gerade noch wegen „Guardians of the Galaxy 2“ in die deutschen Kinos, da haben sie nach ihrer Rückkehr ins traute Heim auch gleich die Gelegenheit, einmal selbst in die Rolle des Peter Quill zu schlüpfen und spannende Abenteuer im Weltraum zu erleben. Denn Telltale Games hat sich auch die Lizenz dieses Streifens gesichert und liefert uns wieder eine spannende Story im üblichen Abenteuergewand.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Die alten Bekannten
Die große Freude der Fans kommt bereits auf, wenn sie merken, dass die gesamte bekannte Crew schon in der ersten Episode von „Guardians of the Galaxy“ mit von der Partie ist. Meisten steuern wir dabei zwar den Helden Star-Lord, doch auch der süße Waschbär Rocket, der sprechende Baum Groot und Gamora dürfen natürlich nicht fehlen. Allerdings setzt Telltale erstmals auf einen überraschenden Charakterwechsel, denn in diesem Spiel steuern wir nun nicht nur eine einzige Person. Die Kämpfe bekommen dabei eine ungeahnte Dynamik, wenn wir regelmäßig die einzelnen Helden wechseln dürfen und durch das ständige Switchen der Figuren gegen Thalos antreten müssen. Den Spielern sollte dabei aber einmal mehr klar sein: Wir können uns hier nicht frei bewegen, sondern absolvieren die Kämpfe in den für Telltale typischen Quicktime-Events durch das Drücken vorgegebener Tasten. Das Gameplay bleibt also gewohnt eingeschränkt.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Neue Features
Und doch machen es die Entwickler dem bereits zuvor erschienenen „Tales from the Borderlands“ gleich und bauen neue Features ein, die es so noch in keinem anderen Telltale-Spiel gab. So haben wir nun die Möglichkeit, fast jederzeit mit unseren Teamkollegen zu kommunizieren und dürfen dank der schwebenden Schuhe auch einmal in die Lüfte aufsteigen und die verschiedenen Ebenen mancher Level wechseln. Gerade hier wird aber mehr als deutlich, wieso das eingeschränkte Gameplay zu einem Problem wird: Wie viel mehr Spaß würde es wohl machen, komplett frei in der Spielwelt herumfliegen zu können oder womöglich gar auf diese Weise in den Kampf zu ziehen? Da ist einfach auf Grund der Features weit mehr Potential vorhanden, als letztendlich genutzt wird. Und trotzdem ist man angesichts der wenigen neuen Ideen in The Walking Dead: A New Frontier geradezu froh darüber, dass man überhaupt neue Features eingebaut hat.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Einflussreiche Entscheidungen
Ein bekanntes, aber auch wichtiges Spielelement der Telltale-Spiele bleibt aber bestehen: Die Handlung findet überwiegend in Dialogen statt, in denen wir selbst die Antworten anhand von Multiple Choice-Optionen geben können. Dabei hat es tatsächlich Auswirkungen auf den weiteren Spiel- und Storyverlauf, welche Antworten wir hierbei geben oder welche Entscheidungen wir treffen. So können wir auch entscheiden, mit welchen Teammitgliedern wir enger zusammenarbeiten wollen oder ob wir uns mit Nova Corps oder dem Collector verbünden möchten – jede Entscheidung hat dabei auch Auswirkungen auf späteren Episoden, die in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden. Man muss zwar zugeben, dass die Auswahlmöglichkeiten nicht immer den Antworten entsprechen, die wir am liebsten geben möchten, doch gilt auch bei „Guardians of the Galaxy“, dass gerade dieses Spielelement den Reiz der Telltale-Spiele erst ausmacht.

Guardians of the Galaxy - Telltale Series

Spaß im Universum
Besonders interessant ist dabei, dass wir uns stets aussuchen können, ob wir die typisch lockeren und witzigen Antworten geben, die Star-Lord auch im Film von sich gegeben hat, oder ob wir lieber auf unsere eigene Art möglichst ernst bleiben möchten. Entscheiden wir uns allerdings für die erste Variante, bekommt „Guardians of the Galaxy“ einen Grad an Situationskomik, den wir in Spielen so nicht unbedingt gewohnt sind, der sich aber ebenfalls stilistisch perfekt an „Tales from the Borderlands“ anlehnt. Obwohl es zwischen diesen Spielen trotzdem noch grundlegende Unterschiede gibt, denn Telltale ist es bestens gelungen, die Atmosphäre der Filme auch sonst bestens einzufangen. Das fängt bereits bei dem herausragenden Soundtrack an, der schnell die bekannte Stimmung einfängt und das Feeling sofort zurückbringt. Marvel-Fans sollten sich das Spiel somit also nicht entgehen lassen.

Fazit:
Telltale Games hat sich eine weitere Lizenz gesichert, die im üblichen Adventure-Gewand mit Quicktime-Events umgesetzt wurde. Spielerisch darf man dabei wohl nicht allzu viele Neuheiten erwarten und das Gameplay bleibt gewohnt eingeschränkt, doch gelingt es den Entwicklern bestens, den Humor und die Atmosphäre der Filme einzufangen. Für Marvel-Fans wird das Spiel somit zu einem großen Spaß.

Guardians of the Galaxy Wertung


03
Mai

The Franz Kafka Videogame

Der Protagonist K. ist Psychotherapeut und erst vor kurzem in der Nachbarschaft eingezogen. Mittels der Hypnose möchte er dort versuchen, den verschiedensten Menschen bei ihren Problemen zu helfen. Dumm nur, dass seine Arbeit auch einmal nach hinten los gehen kann, als er sich vermeintlich selbst hypnotisiert. Prompt findet er sich in einer absurden und skurrilen Welt wieder, in der zahlreiche Dinge auf den ersten Blick vollkommen zufällig geschehen. Seine finanziellen Probleme könnten dabei allerdings ebenfalls gelöst werden, als er ein dubioses Stellenangebot in Amerika erhält – nur ablehnen kann er aus mysteriösen Gründen leider ebenfalls nicht. So schlendert K. folglich also von einem Rätsel in das nächste und muss die verrückten Absurditäten seiner eigenen Psyche erkunden…

Kritik:
Dass man ein Videospiel ausgerechnet einem Autoren widmet, ist schon außergewöhnlich genug. Wenn es sich dabei allerdings auch noch um Franz Kafka handelt, kann man gerne einmal ins Staunen kommen. Immerhin war der Autor doch einst für seine undurchsichtigen und skurrilen Geschichten bekannt, die letztendlich auch den Begriff „kafkaesk“ etabliert haben. Umso spannender also, dass das „Franz Kafka Videogame“ selbst eine solche Richtung einschlagen möchte.

The Franz Kafka Videogame

Minimalistische Kunst
Das Spiel selbst ist dabei auf den ersten Blick recht minimalistisch ausgefallen, wie man es von Daedalic durchaus gewohnt ist. Mehr als das Spiel starten und beenden, sowie den Fenstermodus einstellen ist praktisch nicht möglich. Umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten suchen wir vergeblich. Die sind allerdings auch nicht nötig, wurde das Spiel nämlich komplett in einem 2D-Zeichentricklook gehalten, bei dem sich die jeweiligen Rätsel und Szenen in abstrakten Bildern oder skurrilen Kunstszenen abspielen. Da gäbe es also grafisch ohnehin nicht viel einzustellen. Eines macht der russische Entwickler Denis Galanin (das Spiel ist ein Ein-Mann-Projekt) damit allerdings schnell klar: Computerspiele haben tatsächlich das Zeug dazu, originelle Kunst sein zu können. Und Gewalt brauchen sie dafür wahrlich auch nicht immer.

The Franz Kafka Videogame

Psyche in Bildern
Interessant sind die Bilder dabei allemal, denn sie ergeben nicht immer gleich Sinn. So entspringen sie schließlich der Psyche des Hauptprotagonisten und zeigen daher desöfteren auch mal reine Fantasiegebilde. Dazu können Monster zählen, die den Kreaturen aus dem alten „Hamlet“-Spiel ähneln, aber auch Kreuzungen aus Insekten und Menschen oder Luftschiffe, die an Ballons in die Höhe gezogen werden und so ebenfalls kaum der Realität entsprechen könnten. Jedes einzelne dieser Bilder besteht dabei allerdings aus einem kreativen Rätsel, bei dem wir etwa (englische) Wörter finden müssen, Zahlenrätsel lösen oder auf skurrile Weise unseren Weg freimachen sollen. Die Lösungen der jeweiligen Aufgaben sind dabei stets innerhalb der Bilder und Szenen versteckt – allerdings in keinem der Fälle sofort offensichtlich erkennbar. Manches Mal kann man als Spieler dabei sogar ein wenig verzweifeln, wenn das aktuelle Rätsel mal wieder überhaupt keinen Sinn zu machen scheint.

The Franz Kafka Videogame

Mit Tipps zum Erfolg
Der Schwierigkeitsgrad unterscheidet sich dabei grundlegend. Bei dem einen Rätsel mag man auf Anhieb selbst auf die Lösung kommen, bei anderen benötigt man womöglich gleich mehrere Tipps, um endlich seinen Aha-Moment zu erleben. Zum Glück sind wir allerdings nicht auf uns allein gestellt, denn in jedem Rätsel erhalten wir tatsächlich bis zu zwei Tipps, die nach dem Ablauf einer bestimmten Zeit (meist weniger Minuten) eingeblendet werden können. Und spätestens beim zweiten Tipp gelang uns dann stets die Lösung, sodass wir während unseres Tests kein einziges Mal in eine Komplettlösung schauen mussten. Das ist grundsätzlich gut, denn nicht zwangsläufig Standard bei den Abenteuerspielen von Daedalic. Insgesamt hängt die Schnelligkeit bei der Lösungsfindung aber grundsätzlich auch von der Wahrnehmung und Denkweise des Spielers ab. Die Rätsel sind dabei nämlich so abwechslungsreich, dass sicherlich jeder Spieler unterschiedliche Aufgaben als einfach oder schwer empfinden wird. Spannend bleibt es so aber auf jeden Fall, selbst wenn die Gesamtspielzeit mit unter zwei Stunden leider ein wenig kurz ausgefallen ist.

Fazit:
Skurriles Rätselspiel mit faszinierend absurden Aufgaben und einer regelrecht „kafkaesken“ Darstellungsform. Spiele können also definitiv auch Kunst sein.

The Franz Kafka Videogame Wertung


03
Apr

Colt Express

Es gab einmal eine Zeit, in der wurden äußerst wertvolle Dinge mit der Eisenbahn transportiert – von Geld, bis hin zu Diamanten. Mitten im Wilden Westen versuchen mehrere Banditen nun regelmäßig, die Waggons bei laufender Fahrt auszurauben und dem Marshall aus dem Weg zu gehen. Doch das ist alles andere als einfach, denn vorausschauendes Denken ist erforderlich, um die Vorgehensweise der Gegner vorherzusehen. Immerhin sind wir nicht alleine auf dem Zug und zahlreiche andere Banditen warten mit heißen Schießeisen nur darauf, uns ein für alle mal vom Zug zu jagen…

Kritik:
Brettspiele erfreuen sich auch heute noch einer großen Beliebtheit. Doch nicht jeder hat immer die passenden Mitspieler, um zuhause das große Spielbrett aufzuschlagen. Und auch an den vergleichsweise hohen Kosten der physischen Version kann es manchmal scheitern. Da kommen PC-Versionen von ausgezeichneten PC-Spielen gerade recht.

Colt Express

Digitale Brettspielumsetzung
Auch „Colt Express“ ist ein solches Spiel, das man auf Basis des gleichnamigen Brettspiels nun in digitaler Form umgesetzt hat. Und da hält man sich ziemlich originalgetreu an die Vorlage, die man prompt sowohl offline, als auch im Multiplayer gegen andere Mitspieler spielen kann. Und trotz des günstigeren Preises hat die digitale Version gleich noch ein wenig mehr zu bieten, denn eine ganze Singleplayer-Kampagne wartet auf den Brettspiel-Fan. In jeweils fünf Kapiteln dürfen wir die Abenteuer der einzelnen Banditen durchspielen und werden dabei vor immer größeren Herausforderungen gestellt. Ob Dynamit, ein Amulett oder die Flucht vor dem Marshall – Abwechslung gibt es hier mehr als genügend. Da kann man dann durchaus mal zehn Stunden nur mit dem Story-Modus beschäftigt sein.

Colt Express

Zahlreiche Spielvarianten
Diesen zu spielen, stellt sich allerdings auch als sehr wichtig heraus. Durch das Abschließen der fünf Kapitel eines jeden Charakters schalten wir letztendlich nämlich neue Spielvarianten frei, die wir im klassischen Spielmodus und auch online anschließend nutzen können. Dazu gehören dann spannende Varianten, bei denen etwa eine Dynamitstange in einem der Waggons auftaucht, einzelne Waggons hinten abgekoppelt werden oder ein Amulett für besondere Fähigkeiten sorgt. Spannend: Im Multiplayer lassen sich diese Spielvarianten zugleich auch noch kombinieren. Und einen Vorteil hat das Freischalten über den Story-Modus allemal: Ehe wir uns in den Multiplayer-Modus wagen, kennen wir somit bereits jede einzelne Spielvariante und können uns auch gegen die anderen echten Spieler schlagen.

Colt Express

Vorausschauendes Denken
Übrigens: „Colt Express“ wurde erst im Jahre 2015 zum „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet – wie wir finden völlig zurecht. Denn das Brettspiel macht nicht nur in seiner physischen Version verdammt viel Spaß, sondern überzeugt auch am Rechner mit seinem innovativen Spielkonzept. Dabei steht es nämlich im Mittelpunkt, möglichst vorausschauend zu denken und die Züge der Spieler im Hinterkopf zu behalten. In diesem Spiel sind wir nämlich nicht einfach nur reihum an der Reihe, sondern müssen in jeder Runde gleich mehrere Spielzüge auf einmal machen. Der Reihe nach wählen die Spieler also ihre Zugkarten aus, die sie im Laufe einer Runde ausspielen wollen, ehe die Aktionen der Karten dann auch durchgeführt werden. Und da merken wir schnell, dass das gar nicht so einfach ist, vorauszusehen, welche Aktionen die Spieler im vierten oder fünften Zug durchführen. Zumal die einzelnen Züge tatsächlich Auswirkungen auf die Aktionen der Mitspieler haben können, da bestimmte Züge mehrere Möglichkeiten offen lassen oder Tunnel dafür sorgen, dass wir die ausgespielte Karte der Mitspieler gar nicht erst sehen. „Colt Express“ wird so selbst mit seinem eigentlich einfachen Spielprinzip schnell überraschend komplex.

Colt Express

Kampf gegen echte Spieler
Im Kern des Spiels liegt aber natürlich – wie auch bei der Brettspielvariante – das Spiel gegen reale Spieler, in diesem Fall via Multiplayer. Hier kommt aber leider (noch) der kleine Schwachpunkt des Spiels zum Vorschein, denn nur in seltenen Fällen finden wir genügend Mitspieler, um tatsächlich eine Online-Partie zu starten. In den meisten Fällen sind gerade einmal vier oder fünf Spieler online und nicht alle wollen auch eine Multiplayer-Partie starten. Daher kann es wohl durchaus von Vorteil sein, ein paar Freunde zu haben, die sich das Spiel ebenfalls zulegen. Dass „Colt Express“ auch online recht gut funktioniert und absolut originalgetreu umgesetzt wurde, merken wir allerdings dann, wenn sich doch einmal eine solche Partie ergibt. Da kann man nur hoffen, dass sich die Spieleranzahl schon bald deutlich erhöht – denn ein Suchtfaktor kommt schnell auf.

Colt Express

Wilder Westen im Comic-Look
Übrigens: Auch optisch orientiert man sich am Original, verzichtet allerdings auf die üblichen Pappaufsteller. Stattdessen gibt es einen liebevoll gestalteten Comic-Look, der mit Comic-Banditen und einer animierten Eisenbahn einerseits zwar dem Original entspricht, andererseits aber optisch recht ansprechend umgesetzt wurde. Damit eignet sich „Colt Express“ nämlich trotz dem Einsatz von Schusswaffen auch für Kinder, denn wirklich blutige Szenen sehen wir hier zu keiner Zeit und es bleibt trotz allem erkennbar, dass es sich um die Umsetzung eines Brettspiels handelt. Noch dazu sorgt die multilinguale Umsetzung hoffentlich bald dafür, dass auch internationale Fans endlich dazu kommen und den Online-Modus um zahlreiche Spieler erweitern. In jedem Fall ist „Colt Express“ aber für alle Brettspiel-Fans ein Blick wert – unabhängig davon, ob man die physische Variante bereits mag, oder vor dem Kauf des Brettspiels einmal die günstige digitale Version ausprobieren möchte.

Fazit:
Originalgetreue und liebevoll gestaltete Umsetzung des „Spiel des Jahres 2015“, das mit seiner taktischen und unvorhersehbaren Spielweise begeistert und durch die Notwendigkeit des vorausschauenden Denkens zu einer echten Herausforderung werden kann. Ein Muss für jeden Brettspiel-Fan.

Colt Express Wertung


03
Apr

Mysterium

Mysteriöse Ereignisse gehen im Warwick-Herrenhaus vor sich, als einige Detektive sich des Nachts dort treffen. Sie wollen den erst kürzlich geschehenen Mordfall aufdecken – mithilfe eines Geistes. Der nämlich verfügt über seltsame und abstrakte Visionen, die er den sogenannten Spiritisten mitteilt. Denn während der Geist keinerlei andere Möglichkeit hat, auf sich aufmerksam zu machen, müssen jene Spiritisten anhand der gesehenen Eindrücke herausfinden, um welchen Täter es sich bei dem Mörder handelt, in welchem Raum dieser geschah und wobei es sich um die Tatwaffe handelt. Doch was möchte der Geist ihnen tatsächlich mitteilen? Welcher Teil der Visionen ist letztendlich der entscheidende Hinweis auf den Tathergang? Und was passiert, wenn keine Vision tatsächlich zum Ereignis passt?

Kritik:
Einmal Detektiv spielen oder wahlweise in die Rolle eines Geistes schlüpfen? Diese Möglichkeit haben wir nun in „Mysterium“, einer digitalen Umsetzung des gleichnamigen Brettspiels. Gemeinsam mit anderen Spielern versuchen wir darin, einen Mordfall aufzudecken.

Mysterium

Kooperatives Brettspiel
Anders als bei den meisten Brettspielen spielt man in „Mysterium“ dieses Mal allerdings nicht richtig gegeneinander. Die Mitspieler schließen sich als Detektive in einem kooperativen Modus zusammen und müssen gemeinsam herausfinden, was beim Mordfall geschehen ist. Visionen, bestehend aus kreativ gemalten Tarotkarten sollen die passenden Hinweise geben, die auf den Täter aufmerksam machen. Doch stets ist vollkommen unklar, was uns der Geist eigentlich sagen möchte: Ist es die Farbe, die Form oder ein bestimmtes Objekt in seiner Vision, das uns den passenden Hinweis gibt. Mittels hellseherischer Fähigkeiten, die beim Endrätsel dafür sorgen, dass wir mehr Visionen erhalten, können wir auch bei den anderen Spielern mitraten und ihre Zusammenhänge herausfinden. Doch Hellsichtpunkte gibt es nur, wenn wir richtig geraten haben. Und bis das der Fall ist, können spannende Diskussionen zwischen den Spielern via Chat entstehen. Oder auch nicht.

Mysterium

Geister und Visionen
Lediglich ein einziger der Spieler schlüpft derweil in eine andere Rolle: Der Geist nämlich wird ebenfalls von einem realen Mitspieler gespielt und dieser muss den Spiritisten die passenden Visionen zukommen lassen. Dazu wählt er möglichst geschickt eine Karte aus, dessen Bild am ehesten zum Täter, dem Ort oder der Tatwaffe passt. Und er hofft, dass die Spiritisten auf ähnliche Art und Weise denken und durch den Hinweis den korrekten Täter erraten. Dummerweise passen die Visionen allerdings nicht immer und die Zeit ist begrenzt: Erst wenn der Täter erraten ist, können die Spieler nämlich auf die nächste Stufe vorrücken und den Tatort erraten. Und erst, wenn dieser korrekt erraten wurde, folgt die Tatwaffe. Bis schlussendlich eine Gegenüberstellung für ein gemeinsames Rätsel für alle Spiritisten sorgt, bei dem gemeinsam erneut ein Tatablauf erraten werden muss. Doch auch die Tatsache, dass der Geist nur begrenzt seine Visionen austauschen kann, sorgt für Spannung und kann mitunter dazu führen, dass die Hinweise nichts taugen. So bleibt das Spiel dynamisch und spannend.

Mysterium

Spiel mit echten Mitspielern
Der Kern liegt auch bei dieser Brettspielumsetzung natürlich beim integrierten Multiplayer-Modus. Wenn wir einmal das Glück haben, ausreichend viele Mitspieler zu finden, können wir uns nach oben genanntem Muster ins Abenteuer wagen und getreu dem Vorbild ein echtes Brettspiel am heimischen Rechner nachspielen. Bei unserem Test gab es allerdings noch einige Probleme, die bisher dazu führten, dass wir keine einzige spielbare Multiplayer-Partie zustande brachten. Mal will die Verbindung einfach nicht klappen, ein weiteres Mal werden die Visionen der Spiritisten nicht angezeigt und ein ganz anderes Mal landen wir plötzlich auf einem leeren Hintergrund ohne jeglichen Inhalte. Eine tatsächlich funktionierende Partie kam so allerdings noch nicht zustande. Solange die Bugs aber nicht behoben werden, macht ein Brettspiel am PC so kaum einen Sinn.

Mysterium

Ersatz für das Brettspiel
Dabei ist die Umsetzung eigentlich interessant, denn die PC-Umsetzung von „Mysterium“ könnte normalerweise die physische Vorlage komplett ersetzen – vorausgesetzt wir spielen mit einem Tablet. So steht nämlich nicht nur der Online-Multiplayer-Modus zur Verfügung, sondern auch ein lokaler Mehrspielermodus, bei dem wir das Gerät einfach zwischen den Spielern herum reichen können. So reicht es, wenn einer der Mitspieler das Spiel gekauft hat und anschließend ein Tablet reihum von einem Spieler zum nächsten gehen lässt – die physische Version des Brettspiels wird so dann nicht mehr benötigt. Angesichts des enormen Preisunterschiedes wäre das womöglich gar ein Anreiz für jene, die das Brettspiel noch nicht besitzen. Und auch unterwegs auf Reisen mag dieser Modus sicherlich seine Vorzüge bieten, kann man schließlich nicht immer ein komplettes Brettspiel ausbreiten.

Mysterium

Story um das Anwesen
Um sich mit dem Spiel allerdings ausreichend vertraut zu machen, gibt es zusätzlich auch einen Story-Modus mit Singleplayer-Kampagne. Die ersten vier Kapitel daraus verstehen sich als Tutorial und müssen zwingend absolviert werden, ehe man sich in den (bisher nicht einwandfrei funktionierenden) Multiplayer-Modus wagen darf. Danach allerdings wird die Geschichte noch in zahlreichen weiteren Kapiteln fortgesetzt, in denen wir auch spannende Hintergründe zu den Figuren und Spiritisten erhalten. Abwechselnd dürfen wir so mal in die Rolle eines Spiritisten schlüpfen und ein anderes Mal den Geist spielen, wobei der Schwierigkeitsgrad auch hier stetig steigt. Möchte der Multiplayer also mal wieder nicht funktionieren, so hat man immerhin in diesem Modus durchaus seinen Spaß. Auch wenn dies bei weitem nicht so motivierend sein mag, wie das Spiel gegen echte Spieler es sein dürfte. Immerhin liegt auch beim physischen Brettspiel genau darin der eigentliche Reiz.

Fazit:
In einem spannenden kooperativen Spielkonzept dürfen wir wahlweise in die Rolle eines Detektives oder eines Geistes schlüpfen und müssen anhand von Visionen einen Mordfall aufklären. „Mysterium“ hält sich dabei genauestens an die originale Vorlage. Sollten nun noch die Bugs im Multiplayer-Modus behoben werden, dürfte einem Kauf nichts im Wege stehen.

Mysterium Wertung


03
Apr

Early Access-Check: On The Road

Einmal als Fahrer in einer Spedition anheuern und wertvolle Frachten in einem Lastwagen durch ganz Deutschland transportieren – das dürfte wohl der Traum so mancher Simulationsspieler sein. In „On The Road“ haben wir nun die Möglichkeit, eine solche eigene Spedition zu gründen und anders als in vergleichbaren Spielen, auch eigene Anhänger zu kaufen, statt nur Aufträge von verschiedenen Firmen anzunehmen – theoretisch. Das ist es jedenfalls, was der Entwickler verspricht und womit man sich von der Konkurrenz abgrenzen möchte. Der bisherige Eindruck ist allerdings ein gänzlich anderer.

Kritik:
Der LKW-Simulator „On The Road“ ist vor kurzem nämlich in die Early Access-Phase getreten und möchte sich auf langfristige Sicht als ernstzunehmende Konkurrenz für „Euro Truck Simulator 2“ etablieren. Und eines sollte den Spielern dabei wohl klar sein: „Early Access“ heißt so viel wie, dass man es hier mit einer sehr unfertigen Beta-Version zu tun hat, in der noch zahlreiche Features fehlen. Sicher: Damit könnte man grundsätzlich leben. Allerdings ist dieser Simulator in einem derartig unfertigen Zustand, dass nicht einmal das Grundgerüst tatsächlich steht. Oder anders gesagt: Abgesehen davon, mit einem(!) Lastwagen von A nach B zu fahren, funktioniert hier bisher nahezu gar nichts.

On The Road

Aufträge ohne Waren
Dabei sollte man eigentlich meinen, dass der Wirtschaftspart so grundsätzlich bereits verfügbar ist. Zumindest behauptet ein Menü, dass wir bestimmte Frachtaufträge annehmen können, um Waren abzuholen und an einen Zielort zu bringen. In der Theorie mag das klappen – in der Praxis merken wir allerdings bereits hier, dass nicht einmal die Abholung von Waren einwandfrei umgesetzt wurde und wir die Aufträge somit häufig gar nicht absolvieren können. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ein Wirtschaftspart ohnehin nur wenig Sinn ergibt, wenn wir das erwirtschaftete Geld nicht auch irgendwo ausgeben können. Bisher allerdings gibt es nur einen einzigen Lastwagen, für den wir absolut nichts einkaufen können. Tuning oder neue Ausstattung ist hier Fehlanzeige.

On The Road

Fehlendes Grundgerüst
Das Ganze setzt sich dann damit fort, dass wir bei einem Unfall unseren Lastwagen auch nicht mehr aufrichten können. Von einem Abschleppdienst und einer Reparaturwerkstatt mal ganz zu schweigen. Wobei es ohnehin keinerlei Schadensmodell gibt und somit auch nichts zu reparieren wäre. Geld ausgeben ist also auch an dieser Stelle nicht möglich. Übrigens: Das mit dem Umkippen des Lastwagens kann erstaunlicherweise ziemlich häufig passieren, da nämlich auch die KI der anderen Fahrzeuge in keinster Weise brauchbar funktioniert. Diese ist derartig aggressiv eingestellt, dass sie uns praktisch bei jeder Gelegenheit rammt. Mal von physikalisch korrektem Verhalten ganz abgesehen, denn diese hier teils spektakulären Unfälle haben mit der Realität nun wirklich nichts zu tun. Warum jene Unfälle dann auch noch ohne unsere Mitwirkung geschehen, bleibt ein gänzliches Rätsel – über so manche Kreuzung können wir dadurch aber trotzdem nicht fahren. Und das häufige Bremsen der Autos auf einer Autobahn ist gleichzeitig nicht weniger absurd.

On The Road

Stockender Verkehr
Nun dürfte man sich als geneigter Spieler womöglich die Frage stellen, ob denn wenigstens das Fahren selbst einwandfrei funktioniert. Allerdings ist auch hier die Frage wohl recht klar mit „Nein“ zu beantworten, obwohl wir es immerhin schaffen, den Lastwagen zu bewegen. Auf unserem Borddisplay wird somit dauerhaft „Störung des Bordcomputers“ angezeigt, ohne dass sich dies ändern ließe. Die Bremse ist teilweise so hart, dass sich der Lastwagen kaum vernünftig anhalten lässt und auch die Lenkung bei höheren Geschwindigkeiten lässt nun wirklich zu wünschen übrig. Das lässt sich unterdessen übrigens auch nicht verbessern, denn eine Unterstützung für Lenkräder fehlt komplett – wohlgemerkt bei einer Lastwagensimulation! Womit wir spätestens hier erkennen, wie sehr das Grundgerüst des Spiels letztendlich doch fehlt. Nicht, dass wir so etwas nicht gar erwartet hätten, nachdem bereits das Menü extrem simpel und ohne Vertonung gehalten wurde.

On The Road

Eigene Firma? Pustekuchen!
Dabei war doch das Interesse anfangs so richtig groß, nachdem die Entwickler versprachen, man könne eine eigene Firma mit eigenen Anhängern gründen. Nun: Prinzipiell ist das sogar möglich. Bei der Profilerstellung können wir nämlich nicht nur unseren Namen eingeben, sondern auch unserer Firma einen Namen geben und ein Logo verpassen. Nun allerdings der größte Lacher: Bei der Auswahl unseres Logos stehen ganze vier hingekritzelte Buchstaben zur Verfügung. Kein Witz. Und dieser Buchstabe taucht dann ebenso wenig auf unserem Lastwagen auf, wie der zuvor ausgewählte Name unseres Unternehmens. Wenn wir dann trotz verschiedenster Eingaben nur „Spedition Walter“ als einzige Option auf dem Lastwagen finden, wird selbst diese Funktion vollkommen sinnlos. Da fragt man sich doch, in welch anfänglichem Zustand dieses Spiel sein soll, wenn nicht einmal die Übertragung von Buchstaben auf einen Lastwagen funktioniert. Da gelingen selbst Train Simulator-Hobbyentwicklern bessere Modelle. Man kann bei „On The Road“ so gesehen also kaum von einer Beta-Version sprechen, sondern bekommt bestenfalls ein Spiel in der Pre-Alpha-Phase. Und wenn sich an diesem Zustand nicht baldig etwas ändert, wird auch dieses Spiel schnell in der Kategorie „Simulator-Schrott“ landen.

On The Road

Wald mit lauter Bäumen
Immerhin: Beim Mapdesign haben sich die Entwickler einigermaßen Mühe gegeben. Insbesondere die Autobahnauffahrten sind sehr realistisch gehalten, die Städte können sich durchaus sehen lassen und auch die Vegetation entlang der Strecken macht einen relativ hübschen Eindruck. Natürlich kann man dabei nicht die Grafik eines Triple-A-Titels erwarten und selbst der mittlerweile in die Jahre gekommene „Euro Truck Simulator 2“ sieht hübscher aus, aber wir befinden uns hier dennoch in einem akzeptablen Rahmen, der für dieses Genre durchaus in Ordnung geht. Lediglich das Anti-Aliasing sollte dringend hinzugefügt werden, damit die Optik noch ein wenig ansprechender aussieht. Davon abgesehen kann man aber wohl ganz klar sagen: „Außen hui, innen pfui“ – denn aus technischer Sicht läuft hier nahezu nichts.

Fazit:
Dass es sich bei einem Early Access-Titel um ein sehr unfertiges Spiel handelt, versteht sich von selbst. Bei „On The Road“ fehlt allerdings derartig viel, dass man die Simulation im aktuellen Zustand kaum als spielbar bezeichnen kann. Und wenn sich daran nicht grundlegend etwas ändert, könnten wir es hierbei mit dem nächsten Anwärter für die Kategorie „Simulator-Schrott“ zu tun haben. Schade.


31
Mrz

The Walking Dead: A New Frontier

Vier Jahre ist es inzwischen her, seitdem die Menschheit von den Untoten überrannt wurde und seitdem ist keinerlei Besserung in Sicht. Die junge Clementine hat derweil schon zahlreiche schreckliche Dinge in ihrem Leben erlebt, ist schließlich ihr einstiger Beschützer auf qualvolle Weise ums Leben gekommen. Mit einem Kleinkind auf dem Arm hat sich das minderjährige Mädchen allein auf den Weg gemacht, um in dieser schrecklichen Welt zu überleben – und musste schon bald auch für diesen Jungen ihre Hoffnung aufgeben. Abgebrüht und jegliches Vertrauen in die Mitmenschen verloren, trifft sie auf Javier und seine Familie, die ebenfalls gemeinsam auf der Suche nach neuer Hoffnung ist. Doch noch haben sie kaum eine Vorstellung davon, wozu sie in der Lage sind, um ihre eigene Familie zu beschützen…

Kritik:
Nach den ersten beiden Staffeln der „The Walking Dead“-Reihe von Telltale Games hat sich so einiges geändert. Die junge Hauptfigur Clementine ist ein wenig gealtert und definitiv nicht mehr die Alte. Nicht nur ihr Aussehen hat sich mittlerweile geändert, sondern vor allem ihr Charakter wurde von den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit geformt. Erstmals kommt allerdings eine weitere Figur ins Spiel: In der dritten Staffel unter dem Titel „A New Frontier“ wechseln wir regelmäßig die Rolle und dürfen sowohl Clementine, als auch ihren neuen Begleiter Javier steuern, die wie üblich schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen, die den Verlauf des Spiels grundlegend beeinflussen sollen. Den Fans der Reihe dürfte damit wohl klar sein, was sie in diesem Spiel zu erwarten haben.

The Walking Dead: A New Frontier

Bekanntes Spielprinzip
Dabei hat sich das eigentliche Gameplay noch immer nicht verändert und bleibt auch in der neuesten Staffel ziemlich überschaubar. In kleinen Quicktime-Events drücken wir vorgegebene Tasten, um beispielsweise gegen Zombies zu kämpfen und in diversen Multiple Choice-Fragen geben wir Antworten, um den Spielverlauf zu beeinflussen. Schade ist dabei, dass man offenbar wieder zu alten Stilmitteln zurückkehrt und es nicht den anderen Franchises gleich macht. Obwohl bereits „Batman“ gezeigt hat, dass Telltale seine Quicktime-Events mit Tastenkombinationen auch ein wenig komplexer gestalten kann und auch „Tales from the Borderlands“ einige spielerische Besonderheiten bot, beschränkt sich auch dieses „The Walking Dead“-Spiel einmal mehr darauf, einzelne Tasten zu drücken oder mit der Maus ein wenig herumzuklicken. Anspruchsvoll ist das nicht – und mitunter auch deutlich zu einfach. Vor allem Fans der (immer gleichen) Telltale-Spiele dürften sich davon kaum gefordert fühlen.

The Walking Dead: A New Frontier

Eine harte Geschichte
Eines war allerdings schon immer eine Stärke der Spielereihe: Das hervorragende Storytelling. Obwohl viele Kenner mitunter auch der Meinung sind, Telltale Games könnte genauso gut einfach eine Zeichentrickserie aus den Spielen machen, so bietet auch „A New Frontier“ einmal mehr eine recht intensive und bedrückende Geschichte. Die Schicksale der Überlebenden und ihre belastenden Entscheidungen spielen mittlerweile in den Spielen sogar eine weit größere Rolle, als in der gleichnamigen Fernsehserie. Das Spiel ist immerhin noch nicht in den immer gleichen Mustern aus gegenseitigem Abschlachten stecken geblieben und hat damit auch jetzt noch charakterlichen Tiefgang zu bieten – selbst wenn wir die einstige Hauptrolle Lee, der auch Beschützer von Clementine war, noch immer schmerzlich vermissen.

The Walking Dead: A New Frontier

Mutige Charakterzeichnungen
Und es dürfte auch feststehen, dass nicht alle Fans der Reihe mit den Veränderungen und Entwicklungen glücklich sein dürften. Immerhin wagt Telltale nämlich einen mutigen Schritt und führt tatsächlich diverse Veränderungen bei der jungen Clementine ein. Sichtlich gezeichnet von ihrem schrecklichen Lebensablauf, zeigt sie sich überaus abgebrüht und mittlerweile emotional erkaltet. So mancher Spieler wird vielleicht den Eindruck erlangen, dass es sich nicht mehr um die geliebte Clementine handelt, wie man sie noch aus den früheren Staffeln kennt. Doch die Entwickler beweisen Mut und sorgen dafür, dass die Spielereihe auch jetzt noch interessant bleibt. Allein dafür ist auch „A New Frontier“ sicherlich ein Blick wert.

The Walking Dead: A New Frontier

Die falschen Entscheidungen
Und doch sind die Charakterzeichnungen manchmal auch ein Problem. Das liegt daran, dass uns immer nur eine eingeschränkte Auswahlmöglichkeit bei den Antworten zur Verfügung steht – und wir uns somit vielleicht nicht ganz mit den Charakteren anfreunden können. Ob uns Javier als einer der Hauptfiguren nämlich zusagt, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht selten kam doch das Problem auf, dass die gewünschten Antwortmöglichkeiten gar nicht zur Verfügung standen. Etwa dann, wenn wir feststellen, dass Javiers Freundin Kate plötzlich Drogen konsumiert – dass unsere Hauptfigur allerdings trotzdem Gefühle für sie entwickelt, darauf haben wir keinen Einfluss. Selbst dann nicht, wenn wir uns eigentlich gern anders entscheiden würden. Insgesamt bleiben viele Entscheidungen damit zu oberflächlich und haben keine so großen Auswirkungen auf den Spielverlauf, wie wir uns das wünschen. Etwa die Entscheidung, uns gänzlich von bestimmten Charakteren abzuwenden, wird uns genommen. Schade, zumal die neuen Figuren nicht immer so sympathisch sein mögen, wie einst Clementine in den ersten Staffeln.

The Walking Dead: A New Frontier

Wegfall von Entscheidungen
Apropos Entscheidungen: Ganz ohne Fehler scheint auch dieses Spiel nicht auszukommen, was sich in letzter Zeit offenbar als generelles Problem bei Telltale-Spielen herausstellt. Denn während wir uns wundern, wie es bei einem Spiel mit derart wenig spielerischer Freiheit überhaupt zu Bugs kommen kann, entdecken wir gelegentlich doch einige schwerwiegende. Nach dem Update zur dritten Episode etwa tauchte beim Test ein Bug auf, der die Spielstände betraf und plötzlich den bisherigen Verlauf der ersten beiden Episoden verschwinden ließ. Doch welchen Sinn macht ein Spiel, dessen Ablauf auf unseren Entscheidungen beruht, wenn „The Walking Dead: A New Frontier“ einfach mal eben jene Entscheidungen „vergisst“? Nach jedem Update alle Episoden erneut zu spielen, möchte man hingegen nun auch nicht. Und nachdem bereits „Batman“ zum Release mit zahlreichen Bugs zu kämpfen hatte, ist das erneute Aufkommen eben solcher im Zusammenhang mit der Cloud-Speicherung doch etwas ernüchternd.

The Walking Dead: A New Frontier

Der lebendige Comic
Allerdings gibt es nicht nur Verschlechterungen, sondern hier und da durchaus auch einige Verbesserungen. Etwa bei der grafischen Umsetzung des Spiels, welche nun dafür sorgt, dass die Figuren allesamt deutlich plastischer erscheinen, als noch bei den Vorgängern. Damit wird der liebenswerte Comic-Look einmal richtig zum Leben erweckt und wirkt nun nicht mehr, als würden wir ein zweidimensionales Zeichentrickvideo betrachten. Darüber hinaus sorgt die hübsche Beleuchtung in der nett anzusehenden Flora auch noch für ein insgesamt stimmigeres Bild. Und auch deutsche Nutzer haben es mittlerweile ein wenig einfacher, denn auch wenn die Sprachausgabe noch immer auf englisch stattfindet, so finden wir nun immerhin deutsche Untertitel vor, die es manchen hiesigen Spielern ein wenig einfacher machen, die richtigen Entscheidungen in der vorgegebenen Zeit zu treffen. Englischkenntnisse sind also nicht mehr zwingend erforderlich.

Fazit:
Mit mutigen Veränderungen beim Charakter von Clementine sorgt Telltale Games erneut für eine spannende Staffel, die ihre Stärken insbesondere beim Storytelling findet. Spielerisch bleibt man allerdings dem alten Schema treu und verzichtet auf neuartige Spielelemente, wie man sie in den anderen Telltale-Reihen teilweise findet.

The Walking Dead: A New Frontier Wertung


27
Mrz

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Auf der Suche nach einem neuen Job, ist die junge Izumi Chisa erstaunlich schnell fündig geworden. Denn Lokführer zu werden, was schon immer ihr großer Traum und die Matsuhara Railway Company wirbt immerhin mit einem riesigen und seriösen Büro in einem Wolkenkratzer. Dass alles allerdings ein bisschen anders kommen sollte, muss sie nach ihrer Ankunft im ländlich gelegenen Ort Matsuhara aber sehr schnell feststellen. Anstelle eines Wolkenkratzers erwartet sie eine heruntergekommene Rumpelkammer und auch die Fahrzeuge des Unternehmens scheinen in keinem besseren Zustand zu sein. Hier warten keine modernen und schweren Lokomotiven auf das junge Mädchen aus der großen Stadt, sondern umgebaute verbeulte Schienenbusse, deren technische Mängel kaum mehr aufzuzählen sind. Immerhin scheinen die Bremsen noch einwandfrei zu funktionieren – oder etwa doch nicht?

Kritik:
Japanische Routen für den Train Simulator sind schon eine echte Seltenheit. Immerhin dominieren doch überwiegend britische, deutsche und amerikanische Erweiterungen den Markt. Dass dann ausgerechnet auch noch eine fiktive Route mit ausgefallenen Fahrzeugen auftaucht, überrascht umso mehr. Bei „The Story of Forest Rail“ begeben wir uns auf eine solche fiktive Fahrt.

Grün – überall grün
Ganz so fiktiv, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht, ist die Strecke allerdings nicht. Tatsächlich basiert die Route nämlich auf der heute stillgelegten Furusato Ginga Strecke, die einst vor allem für Holztransporte und später überwiegend für den Passagierverkehr eingesetzt wurde. An dieser Stelle allerdings endet bereits der reale Bezug, denn jegliche Orte und auch Ortsnamen sind vollständig fiktiv. Das merkt man dann auch bei der Streckengestaltung selbst, die insgesamt sehr grün gehalten wurde. Gräser und Wälder dominieren die Route und nur kleine Ortschaften mit meist eingleisigen Bahnhöfen laden zu einer verträumten Fahrt ein. Die besondere Herausforderung der Strecke besteht derweil in den häufigen starken Steigungen und Gefällen von teilweise mehr als fünf Prozent. Das macht es nicht gerade einfach, die Geschwindigkeit zu halten und erhöht den Schwierigkeitsgrad deutlich.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Die letzten Glühwürmchen
Und obwohl man hier auf der fast gänzlich eingleisigen Strecke kaum Gegenverkehr vorfindet und nicht einmal auf die nahezu immer grünen Signale achten muss, hat die Strecke ihren ganz eigenen Charme. Das kommt daher, dass die Streckendesigner besonders viel Wert darauf gelegt haben, die japanische Kultur möglichst gut wiederzugeben. Das sehen wir einerseits an den Gebäuden und buddhistischen Tempeln, andererseits aber auch an den liebevoll eingebauten animierten Glühwürmchen, die wir entlang der Strecke vorfinden. Und auch das umherfliegende animierte Laub erhöht den Detailgrad ein wenig. Ganz überzeugen kann die Strecke damit aber leider trotzdem nicht, denn schnell stellt sich auch ein hoher Wiederverwertungseffekt ein. Vor allem die Flora und die Gebäude wurden sichtlich häufiger wiederverwendet. So haben wir schnell den Eindruck, doch immer wieder dasselbe Gras und dieselben Blumen zu sehen, was wohl auch den Tatsachen entspricht. Viel Abwechslung gibt es auf der Route selbst also nicht.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Die Geschichte von Izumi
Dafür gibt es eine weitere Besonderheit, denn den Namen der Route darf man gerne wörtlich nehmen: In „The Stoy of Forest Rail“ gibt es nämlich tatsächlich eine Geschichte. In drei Standardszenarien, die nicht im Karrieremodus spielbar sind, erleben wir nämlich die Story von Izumi Chisa, die einen neuen Job bei einem Eisenbahnunternehmen annimmt. In kleinen Texteinblendungen sehen wir dabei die Dialoge zwischen ihr und ihrem neuen Arbeitgeber und treffen auf liebevoll gestaltete Anime-Figuren, die Fans des Genres sicherlich begeistern können. Und ganz ohne sind diese drei Standardszenarien nämlich auch nicht: Izumi muss nämlich einen defekten und demolierten kleinen Schienenbus fahren, der seine besonderen Eigenheiten hat. Dazu zählen unter anderem ausfallende Bremsen und spannende andere Schäden, die die Szenarien ziemlich witzig werden lassen. Derartiges haben wir jedenfalls in noch keiner Erweiterung für den Train Simulator erlebt.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Eintönigkeit in der Karriere
Das Hauptproblem der Strecke liegt allerdings darin, dass die Aufgaben doch relativ schnell eintönig und damit langweilig werden. Die Standardszenarien bieten nämlich gerade einmal eine Spielzeit von nur 90 Minuten. Danach bleiben lediglich die Karriereszenarien, die auf Grund der ansonsten wenig abwechslungsreichen Strecke ausschließlich aus einfachen Fahrten von A nach B bestehen. Entgegenkommender KI-Verkehr, Umleitungen oder wenigstens rote Signale suchen wir dabei vergebens. Und auch Güterverkehr ist nicht mit von der Partie, obwohl die Strecke bestens für den historischen Holztransport geeignet wäre. Das mindert den Spielspaß somit recht schnell, auch wenn wir in den Karriereszenarien immerhin einen weiteren (besser funktionierenden) und moderneren Schienenbus fahren dürfen, der doch recht ausgefallen gestaltet wurde und ebenfalls einem realen Vorbild entspricht.

Train Simulator: The Story of Forest Rail

Finsternis im Führerstand
Da ein Schienenbus allerdings auch nicht so viele Funktionen erfüllt, wie größere Lokomotiven, ist allerdings auch der Simulationsgrad des Innenlebens recht klein ausgefallen. So können wir also überwiegend nur Beschleunigen, Bremsen und die Richtung ändern. Ansonsten finden wir gerade einmal eine Handbremse und – immerhin – zwei Schalter für das manuelle Öffnen der linken und rechten Tür vor. Dafür fehlen aber selbst Knöpfe zum Einschalten des Lichts innerhalb des Fahrzeuges komplett und auch andere Funktionen vermissen wir schnell. Dass man übrigens aus der Fahrersicht diverse Fahrgäste im Zug sieht, diese von außen allerdings nicht mehr erkennbar sind, trübt den Spielspaß zusätzlich ein wenig. Damit dürfte „The Story of Forest Rail“ also vermutlich nicht zu den Favoriten unter den Streckenerweiterungen gehören, bietet aber zumindest mal eine kleine Abwechslung vom üblichen „Train Simulator“-Alltag.

Fazit:
Mit einer ungewöhnlichen fiktiven Route, zwei ausgefallenen Fahrzeugen und kreativen Standardszenarien samt Story hebt sich „The Story of Forest Rail“ durchaus positiv von der Konkurrenz ab. Leider sorgt der hohe Wiederverwertungseffekt und mangelnder KI-Verkehr schnell für eine aufkommende Eintönigkeit, welche die Spielspaßkurve auch ebenso schnell wieder sinken lässt.

Train Simulator: The Story of Forest Rail Wertung