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21
Mrz

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Neuer Job, neue Herausforderung: Gerade erst die neue Stelle beim amerikanischen Eisenbahnunternehmen CSX Transportation angetreten, müssen wir uns auch schon mit der Bedienung von schweren Güterzuglokomotiven vertraut machen. Dort nämlich kann die Arbeit des Lokführers schnell richtig anstrengend werden und übersteigt das einfache Bedienen von Schaltern und Hebeln bei weitem. Weichen wollen per Hand gelegt, Güterwaggons manuell abgekoppelt werden und auch die Funktionsweise der Lokomotive selbst muss bis hin zum Motorraum und der Handbremse bestens einstudiert werden. Kein leichter Job also, wenn es heißt, kilometerlange gleich doppelstöckige Containerzüge den Berg der Sand Patch Grade hinauf zu bringen, oder beim nächsten Braunkohlebergwerk die Rohstoffe zu beladen. Kommen dann auch noch Mehrfachtraktionen in Sandwichformation hinzu, die bis zu fünf Lokomotiven betreffen können, entwickelt sich aus der einfachen Bahnfahrt schnell ein richtiger Schwertransport…

Kritik:
Viele Jahre haben die Entwickler es angekündigt, doch nun ist es endlich so weit: Der berühmte Train Simulator sollte eine neue Engine bekommen. Dabei verpasst man dem alten Spiel allerdings nicht einfach ein Update, sondern liefert gleich ein eigenes Standalone-Spiel mit: „Train Sim World: CSX Heavy Haul“ soll somit der Nachfolger der beliebten Eisenbahnsimulation werden und das Genre nicht nur auf den aktuellen Stand bringen, sondern auch noch einiges besser machen.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Wenig Änderung seit der Beta
Die Erwartungen waren schließlich ziemlich groß, seitdem einige Spieler und Vorbesteller bereits im Dezember in den Genuss des Spiels kommen und einen ersten Blick erhaschen konnten. Das Feedback fiel zugleich nicht ausschließlich positiv aus, fehlten doch so manche interessante Features. So konnten sich Spieler vor allem mit dem Punktesystem nicht so recht anfreunden, die Signalschaltungen funktionierten nicht immer korrekt und massive Performanceprobleme machten selbst High-End-Rechnern zu schaffen. Nachdem die Entwickler bis zum Release einiges an Verbesserungen versprachen, ist die Ernüchterung nun umso größer: An den Performanceproblemen hat sich derweil nur sehr wenig geändert, denn selbst auf der aktuellsten Grafikkartengeneration klagen so manche Spieler von Framerates unterhalb der 30 fps-Marke. Das ist ein echtes Problem, das den Spielspaß enorm trübt. Immerhin: Die Signalschaltungen funktionieren nun tadellos.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Hoher Detailgrad der Simulation
Dabei ist „Train Sim World“ keineswegs ein schlechtes Spiel, ganz im Gegenteil. Schaut man sich den enormen Grad der Simulationsdetails einmal genau an, kann man von dem Spiel durchaus schnell begeistert sind. Im Führerhaus ist nahezu jeder Knopf bedienbar und das betrifft nicht nur allein die eigentliche Fahrsteuerung. So müssen wir in einigen Szenarien sogar die Lokomotive manuell aufrüsten, können den Sicherungskasten bedienen oder gar den Motorraum öffnen. Die Heizung funktioniert, der Ventilator lässt sich einschalten, jede einzelne Sonnenblende verstellen und sogar ein interaktives Display zur Geschwindigkeitskontrolle beim Rangieren lässt sich bedienen. All das sind Neuerungen, die es so beim Vorgänger nicht gab und auch nur in wenigen hochwertigen Erweiterungen eher rudimentär umgesetzt wurden. Das Potential ist also durchaus vorhanden, zu einer erstklassigen Simulation zu werden.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Theorie und Praxis
Damit die Bedienung der Lokomotive dabei nicht zu schwer wird, gibt es einige umfangreiche Tutorials, die uns die Bedienung der Fahrzeuge grundlegend erklären. Dabei bietet sich sowohl Theorie, als auch Praxis, etwa wenn es um die korrekte Bedienung der drei verschiedenen Bremssysteme geht, die allesamt innerhalb der Lokomotiven simuliert wurden. Das Rangiersystem wird uns in einem weiteren Tutorial ebenso beigebracht, wie das Beladen von Kohle oder das Auftanken der Lok an einer entsprechenden Tankstelle. Gleichzeitig spielt wiederum aber auch die Verwendung einer Drehscheibe eine wichtige Rolle, ist sie immerhin Teil des riesigen Güterbahnhofs. Es empfiehlt sich gerade für Einsteiger also, das Tutorial unbedingt zu spielen. Wenig durchdacht ist unterdessen allerdings, dass das manuelle Aufrüsten einer Lokomotive erst in einem der Hauptszenarien erklärt wird und sonst nur in der englischen Anleitung nachzulesen ist. Wer gleich nach dem Tutorial in die freie Fahrt wechseln möchte, wird daher auf Probleme stoßen. Ganz zu schweigen von einem mangelnden Tutorial zum amerikanischen Signalsystem, das grundlegend von den deutschen Signalen abweicht und daher für deutsche Spieler des Train Simulators eine ungewohnte Neuheit darstellen könnte. Da hat man also nicht an alles gedacht, auch wenn das Fahren einer Lok nach den Tutorials grundsätzlich klappen mag.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Einmal selbst Hand anlegen
Ebenso neu und ungewohnt für einen Eisenbahnsimulator ist derweil, dass wir in der Ego-Perspektive tatsächlich aus unserer Lokomotive aussteigen und den realen Arbeitsablauf eines Bahnmitarbeiters erleben dürfen. So müssen wir also tatsächlich aus unserem Führerhaus aussteigen, um Weichen umzulegen, Waggons abzukoppeln, die Lok zu betanken oder die Drehscheibe zu bedienen. In „Train Sim World“ klappt das alles nicht mehr einfach per Klick auf die Karte, sondern muss nach realistischen Abläufen manuell erfolgen. Bei einem mehr als eine Meile langen Güterzug kann das Laufen zur hinten in Sandwich-Formation angekoppelten Lok allerdings auch mal etwas nervig und frustrierend sein, hatten wir schließlich nicht damit gerechnet, in einer Eisenbahnsimulation mal eben zehn Minuten herumlaufen zu müssen. In Amerika wirken Güterzüge nämlich doch schier endlos.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Unpassendes Erfahrungssystem
Eine weitere Neuerung ist übrigens das Erfahrungssystem, das nun Einzug in den Simulator gehalten hat. Der Sinn dessen konnte sich uns allerdings bisher noch nicht ganz erschließen, scheint dieses System mitsamt seinem Feedback doch einfach nicht so recht auf das Genre der Eisenbahnsimulation zugeschnitten zu sein. So erhalten wir beispielsweise Erfahrungspunkte für das Betätigen von Schaltern, obwohl dies früher oder später zum normalen, selbstverständlichen Arbeitsablauf gehören sollte. Für die eigentliche Fahrweise hingegen gibt es keinerlei Feedback. Anders als noch in „Train Simulator 2017“ erhalten wir hier nämlich keine(n) Punkte(abzug) für Pünktlichkeit, Geschwindigkeitsüberschreitungen und andere Handlungen. Auch nach Ende eines Szenarios bleibt das Feedback zu unserer Fahrweise komplett aus. Spätestens, wenn mit einem zukünftigen Szenario auch Passagierverkehr hinzu kommt, dürfte dies wohl eines der wichtigsten Features sein, welches Spieler vermissen könnten.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Fracht durch Amerika
Apropos Passagierverkehr: Eisenbahnfans, die lieber Fahrgäste durch die Gegend kutschieren und am liebsten an jedem Bahnhof anhalten möchten, werden bei „Train Sim World“ bisher noch nicht auf ihre Kosten kommen. Bisher ist nämlich lediglich eine einzige amerikanische Route enthalten, die sich auch ausschließlich auf Güter- und Rangieraufgaben beschränkt. Ganz klassisch amerikanisch fahren wir also meistens extrem lange und schwere Güterzüge umher, oder rangieren auf einem riesigen Güterbahnhof. Das kann zwar durch die Schwere und Länge des Zuges und mitunter schwierigen Witterungsverhältnissen ebenfalls spannend werden, könnte aber vor allem jenen Spielern keinen Spaß machen, die ungern mit weniger als 50 Meilen pro Stunde unterwegs sind. Hat man bereits die amerikanischen Strecken des „Train Simulator 2017“ als eher langweilig empfunden, könnte dies auch hier schnell der Fall sein.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Realistische Fahrzeiten
Dafür allerdings kommen Fans des amerikanischen Güterverkehrs umso mehr auf ihre Kosten, denn die Szenarien können sich durchaus sehen lassen. Mit einer jeweiligen Länge zwischen 30 und 180 Minuten wird dabei immerhin eine realistische Fahrzeit simuliert, die auch in der Realität vermutlich vorkommen dürfte. Das bietet dann sowohl Aufgaben für Zwischendurch, als auch umfangreichere Szenarien für längere Spielesessions. Noch dazu gibt es ein paar mehr Szenarien, als dies bisher in einigen TS2017-Addons üblich war. Man kann also durchaus von einem akzeptablen Spielumfang sprechen, der sein Geld wert ist. Und wer nach den Szenarien immer noch nicht genug hat, findet mit dem neuen Fahrplan-Modus auf dem Lokauswahlbildschirm mehr als dreißig weitere Aufgaben, bei denen wir fahrplanmäßige Züge an ihren Zielort bringen. Die Gesamtpielzeit für die Szenarien beträgt dabei etwa 14 bis 15 Stunden und mindestens noch einmal dieselbe Spielzeit kann für das Spielen des Fahrplan-Modus aufgerechnet werden.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Zukünftiges Potential
Bis „Train Sim World“ allerdings sein volles Potential gänzlich entfalten kann, sind weitere wichtige Optimierungen nötig. Insbesondere sollten die Entwickler die Performanceprobleme dringend beseitigen, trüben diese den Spielspaß doch am meisten. Interessant wird aber vor allem das Herumlaufen in Ego-Perspektive, das weitaus komplexere Szenarien ermöglicht, als wir sie bisher erlebt haben. Problemlos ist es also möglich, während eines einzelnen Szenarios die Fahrzeuge zu wechseln und mehrere Lokomotiven nacheinander zu steuern. In einigen der enthaltenen Szenarien müssen wir dies sogar tun und dürfen uns die Reihenfolge der Arbeitsabläufe mitunter aussuchen. Spannend kann das aber auch bei der Inszenierung realistischer Fahrten werden, wenn wir etwa auf Grund von defekten Türen oder randalierender Fahrgäste einmal unser Führerhaus verlassen müssen. Selbst Szenarien als interaktiver Schaffner wären problemlos denkbar, jetzt da wir uns frei bewegen können. Die Möglichkeiten scheinen aktuell also schier endlos – wäre da nur nicht das Fehlen des Streckeneditors, der es aktuell praktisch unmöglich macht, dass Entwickler und andere Spieler eigene Strecken entwickeln. Ehe dieser nicht implementiert wurde, können wir auf neuen Content vermutlich lange warten.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Wunderschöner Hardwarehunger
Verfügt man aber tatsächlich über einen aktuellen leistungsstarken High-End-Rechner und ist noch dazu Eisenbahnfan, lohnt sich der Kauf bereits jetzt. Denn im Gegensatz zum Vorgänger handelt es sich bei „Train Sim World“ tatsächlich um eine Simulation mit wunderschöner Grafik. Stellt man die Einstellungen auf „Ultra“ und die Screen Percentage auf 200% – was sozusagen einem 2-fachen Supersampling entspricht – braucht sich das Spiel keineswegs vor anderen aktuellen AAA-Titeln zu verstecken. Optisch könnte man das Spiel momentan als die bestaussehende Simulation auf dem gesamten Spielemarkt bezeichnen. Das allein dürfte angesichts zahlreicher eher minderqualitativer Simulationen bereits ein Alleinstellungsmerkmal sein. Ganz besonders, seitdem man auch die Post Processing-Effekte verbessert hat, die in der Beta stellenweise noch für etwas seltsame Beleuchtung sorgten.

Fazit:
Der neue Eisenbahnsimulator aus dem Hause Dovetail Games überzeugt mit seinem hohen Detailgrad bei der Simulation, der Ego-Perspektive, der wunderschönen Grafik und den komplexeren Szenarien. Dass sich allerdings seit der Beta entgegen den Versprechungen der Entwickler nur wenig verändert hat und massive Performanceprobleme immer noch vorhanden sind, sorgt derweil für Ernüchterung. Doch auch das wenig sinnvolle Punktesystem dürfte nicht unbedingt dem Geschmack eingefleischter Train Simulator-Fans entsprechen.

Train Sim World: CSX Heavy Haul Wertung


18
Mrz

Sniper Elite 4

Geheimagent und Eliteschütze Karl Fairburne muss nach seinen aufregenden Kämpfen gegen das Deutsche Afrikakorps feststellen, dass der Krieg längst kein Ende gefunden hat. Im Jahre 1943 ist dieser längst noch in vollem Gange und den Scharfschützen verschlägt es dieses Mal in das vermeintlich idyllische Italien. Truppen der Deutschen Wehrmacht machen dort die Städte unsicher und Fairburnes Aufgabe ist es fortan, ihre Pläne zu durchkreuzen und wichtige hochrangige SS-Offiziere unschädlich zu machen. Dieses Mal steht er allerdings nicht gänzlich allein in der Schlacht: Gemeinsam mit Alliierten und italienischen Partisanen kämpft er auf den Straßen von Italien und trägt seinen Teil dazu bei, dass die Nazis den Zweiten Weltkrieg nicht gewinnen werden…

Kritik:
Fans der beliebten Stealth-Shooter-Reihe dürfen sich freuen: Der neueste „Sniper Elite“-Ableger hält an den Stärken seines Vorgängers fest und erweitert das Spielerlebnis mit einigen Neuerungen. Dieses Mal schlüpfen wir erneut in die Rolle des Scharfschützen Karl Fairburne und sollten uns nicht zu sehr von der optischen Idylle Italiens ablenken lassen. Denn der Ausgang des Krieges gegen die Deutschen liegt in unseren Händen.

Sniper Elite 4

Stealth vs. Konfrontation
Dabei hat sich am eigentlichen Spielprinzip zunächst nichts grundlegendes geändert. Erneut setzt „Sniper Elite 4“ vor allem auf das versteckte Vorgehen mit seinen Stealth-Elementen, lässt dem Spieler aber jederzeit die Möglichkeit, auch in die offene Konfrontation zu gehen. Dabei lädt der Shooter aber geradezu dazu ein, verdeckt vorzugehen, sich vor den Gegnern zu verstecken und diese aus einem Hinterhalt heraus niederzustechen. Für den Kern des Spielerlebnisses, das Schießen mit dem Scharfschützengewehr, setzt man dabei auch dieses Mal auf bewährte Gameplay-Stilmittel, wie etwa das Ausnutzen von Geräuschen. Macht ein Objekt in der Umgebung kurzfristig Lärm oder fliegen Flugzeuge über unseren Kopf hinweg, sind diese wenigen Sekunden genau unser Moment: Die Luft wird angehalten, das Ziel anvisiert und genau an dem Moment gefeuert, wenn das Geräusch ertönt. Damit sorgen wir mit dem richtigen Timing dafür, dass die Gegner uns nicht hören und folglich unsere Position nicht ausmachen können. Geduld spielt dabei allerdings eine wichtige Rolle, denn der offene Kampf – auch wenn er durchaus möglich ist – gestaltet sich wesentlich schwieriger. Die Wahl des Vorgehens bleibt aber beim Spieler.

Sniper Elite 4

Lautlose Munition
Damit unsere leise und unentdeckte Spielweise nun ein wenig unterstützt wird, haben sich die Entwickler einige spannende Neuerungen ausgedacht. So verfügen wir nun auch über Ultraschall-Munition, die mit einigen ausgewählten Waffen – darunter auch Scharfschützengewehre – abgefeuert werden kann. Mit dieser Munition besteht für uns die Möglichkeit, auch dann lautlos zu feuern, wenn gerade kein Krach in der Nähe ist und auch kein solcher zu erwarten sein wird. Spannend bleibt es aber dennoch, denn die Anzahl dieser Munition ist stets begrenzt und muss deswegen zurückhaltend verwendet werden. Es liegt dabei stets am Spieler einzuschätzen, wann er diese Munition benötigt und wann ein anderes Vorgehen sinnvoller erscheint. Nichts desto trotz gibt uns „Sniper Elite 4“ damit ein interessantes taktisches Element, das vor allem Stealth-Gamer umso mehr erfreuen wird. Schade ist unterdessen allerdings, dass gänzlich lautlose Waffen mit Schalldämpfer lediglich über einen kostenpflichtigen DLC erworben werden können. Ob die Anschaffung angesichts des Schwierigkeitsgrades und der Dramatik sinnvoll ist, sei allerdings mal dahin gestellt – denn gerade hierdurch würde die Spannung, welche durch begrenzte Ultraschall-Munition entsteht, verflogen gehen und das Spiel womöglich etwas zu einfach werden.

Sniper Elite 4

Flankierende Gegner
Immerhin ist die Geräuschkulisse eines der wichtigsten Spielelemente, welches auch dafür sorgt, dass die Gegner auf uns reagieren. Verpassen wir nämlich den richtigen Moment, kann Triangulation dazu führen, dass die Gegner unsere Position ausfindig machen können. Spätestens bei mehrfachem Abschuss ohne Übertönung kennen die Feinde unseren exakten Aufenthaltsort und machen sich prompt auf den Weg. Ebenfalls neu ist dabei allerdings, dass sich die KI längst nicht mehr so dumm anstellt, wie noch im dritten Teil. Dieses Mal nutzt sie aktiv Flanken aus und umkreist uns nach Möglichkeit sogar. Ein Entkommen ist somit gar nicht mehr so einfach wie zuvor, wenn der Gegner uns erst einmal entdeckt hat. Spannend ist dabei auch, dass die Feinde dabei regelmäßig einen anderen Weg verwenden. Sterben wir also und laden den Spielstand neu, kann es durchaus passieren, dass die KI beim nächsten Mal einen anderen Weg wählt. So bleibt das Spielerlebnis einigermaßen unvorhersehbar. Da bleibt es nur schade, dass die KI immer noch gelegentliche Aussetzer hat, sodass diese mitunter an Gegenständen hängen bleibt oder uns einmal in einer Deckung nicht sieht, obwohl sie direkt zu uns schaut. Ein paar kleinere Optimierungen, über die wir allerdings getrost hinweg sehen können, wären also immer noch empfehlenswert.

Sniper Elite 4

Gegnerische Scharfschützen
Ob und wie die Feinde allerdings vorgehen, hängt mitunter auch von ihrem Dienstrang ab. So agieren Jäger deutlich intelligenter und flinker, als ihre niedrigeren Kameraden. Ganz besonders harte Ziele können unterdessen gegnerische Scharfschützen sein, die sich gelegentlich an einem höher gelegenen Aussichtspunkt aufhalten. Diese sind für uns nicht nur kleidungstechnisch schwerer zu erkennen, sondern können uns durch die große Entfernung oft bereits ins Visier nehmen, ehe wir sie entdeckt haben. Dass dies allerdings auch andersrum funktioniert, macht „Sniper Elite 4“ besonders spannend, denn ein genaues Auskundschaften der Umgebung mit einem Fernglas kann häufig von Vorteil sein. Taktisch ist das ohnehin sinnvoll, da wir so unsere Gegner markieren und anschließend ihren Aufenthaltsort genauestens verfolgen können. Praktisch derweil aber, dass Scharfschützen gerne einmal das Licht reflektieren und wir sie gerade dadurch womöglich leichter erkennen.

Sniper Elite 4

In den Tiefen des Waldes
Dass es allerdings nicht allzu einfach wird, dafür sorgt derweil das Leveldesign, das sich mehr als nur sehen kann und sich überaus positiv vom Vorgänger abgrenzt. Dieses Mal bekommen wir es mit recht großen, frei begehbaren Maps zu tun, auf denen wir unsere Ziele in beliebiger Reihenfolge durchführen können. So befinden wir uns mal auf einer Insel, ein anderes Mal auf den italienischen Straßen und an anderer Stelle müssen wir gar ein Viadukt in die Luft jagen, welches sich im Innern eines tief bewachsenen Waldes befindet. Gerade bei letzterem können Scharfschützen wiederum zu einer interessanten Herausforderung werden, denn zwischen all den Bäumen sind Gegner nicht immer ganz so leicht erkennbar, wie wir das gewohnt sind. Ganz davon abgesehen, dass so ein Viadukt ohnehin bereits einen echten Augenschmaus darstellt. Nebenbei haben wir nun auch schon ein weiteres Kernelement des Spiels erläutert: Denn neben mehreren Primärzielen, bekommen wir nun auch in jedem Level zahlreiche optionale Ziele geboten. Das Erledigen aller Ziele dauert dabei häufig im Schnitt um die zwei Stunden, sodass die Kampagne um einiges länger ist, als noch in allen Vorgängern.

Sniper Elite 4

Italienische Verbündete
Die optionalen Ziele erhalten wir allerdings nicht nur rein zufällig. Vor Beginn einer jeden Mission, haben wir schließlich die Möglichkeit, uns mit unseren Verbündeten – darüber meist auch die Partisanen – zu unterhalten. Diese beliefern uns nicht nur mit wichtigen Informationen zur Situation und den Gegnern, sondern auch mit optionalen Zielen, die wir – wenn es nach ihnen geht – möglichst ausschalten, um ihrer eigenen Operation ein wenig unter die Arme zu greifen. Schade ist dabei, dass all diese Figuren zwar interessant gestaltet sind, aber spielerisch kaum eine Rolle spielen. Ein echtes Koop im Singleplayer-Modus mit anderen NPCs bekommen wir also nicht geboten, sodass wir stets alleine unterwegs sind. Im Glücksfall kann es allerdings passieren, dass wir inmitten der Stadt auf kämpfende Partisanen stoßen, die wir im Kampf unterstützen dürfen oder die für uns den ein oder anderen Gegner erledigen. So sind wir zumindest nicht immer ganz alleine unterwegs.

Sniper Elite 4

Kämpfen mit Freunden
Apropos Koop: Wer sich einmal an den Multiplayer-Modus wagt, wird feststellen, dass er die Kampagnen-Missione nicht zwingend tatsächlich alleine durchführen muss. Im Koop-Modus dürfen wir uns einmal mehr gemeinsam mit einem Freund in die Schlacht begeben und die gesamten Story-Kampagne auch zu zweit durchführen. War das im Vorgänger auf Grund der zahlreichen Zwischensequenzen und der linearen Missionsziele noch eher schlecht umgesetzt, macht dieser in „Sniper Elite 4“ nun um einiges mehr Spaß. Die Häufigkeit verschiedener primärer und optionaler Ziele lässt uns dabei freie Wahl, ob beide Spieler ein jeweils eigenes Ziel verfolgen, um die Mission so schneller zu erledigen, oder gemeinsam vorgehen und sich an Ort und Stelle unterstützen. So kann ein Spieler beispielsweise die Situation auskundschaften und der andere übernimmt den aktiven Scharfschützen. In einem weiteren neuen Multiplayer-Modus geht es sogar spezifisch um diese Art von Zusammenarbeit. Damit steht fest, dass die Entwickler den Multiplayer-Part der Spielereihe im vierten Teil erheblich verbessert haben.

Sniper Elite 4

Rudimentärer Fähigkeitenbaum
Gerade im Hinblick auf den Koop-Modus ist es allerdings besonders schade, dass das Skillsystem ein wenig zu einfach gestaltet wurde. Nach jedem fünften Level unserer Figur haben wir somit die Möglichkeit, eine neue Fähigkeit freizuschalten. Dummerweise können wir dabei allerdings lediglich zwischen einer von zwei möglichen Fähigkeiten wählen und unsere Figur nicht auf komplexe Weise spezialisieren. Für den Koop-Modus bedeutet das letztendlich, dass es keinerlei Auswirkungen hat, wie die jeweiligen Spieler ihre Figur geskillt haben, da keine echten spielerischen Auswirkungen vorhanden sind. Man hat somit also nicht die Möglichkeit, zwei verschiedene Spieler mit unterschiedlichen Spezialisierungen zusammenarbeiten zu lassen, um ein abwechslungsreiches Spielerlebnis sicherzustellen. Gerade an dieser Stelle wäre also nochmal Luft nach oben gewesen. Am Spielspaß generell ändert das allerdings noch nicht allzu viel. Man stellt sich jedoch die Frage, ob man auf das Skillsystem in dieser Form nicht sogar gänzlich hätte verzichten können.

Sniper Elite 4

Mehr Story für mehr Geld
An der DLC-Politik scheiden sich derweil übrigens die Geister. Dass es diverse Erweiterungen mit nur ein paar wenigen Waffen gibt, für die man tatsächlich zusätzliches Geld ausgeben muss, kommt bekanntlich bei den meisten Spielern nicht allzu positiv an. Allerdings bekommen „Sniper Elite 4“-Spieler auch einige interessante Storyerweiterungen geboten. Dazu zählt nicht nur eine bald erscheinende dreiteilige neue Storykampagne, sondern natürlich auch die obligatorische Mission, in der wir einmal mehr Adolf Hitler ermorden müssen. Letztere dürfte wohl in jedem bisherigen „Sniper Elite“-Spiel mit von der Partie gewesen sein und erfüllt damit exakt die Erwartungen der meisten Spieler. Dass sie allerdings einmal mehr nicht unbedingt das Highlights des Spiels darstellt, kommt zugleich ebenso wenig überraschen. Inhaltlich hat die eigentliche Hauptkampagne dann doch wesentlich mehr zu bieten, auch hinsichtlich des Levelsdesigns.

Sniper Elite 4

Wunderhübsches Italien
An der technischen Umsetzung kann man unterdessen übrigens überhaupt nichts aussetzen, denn hier zeigt sich „Sniper Elite 4“ absolut vorbildlich. Die Grafik ist dabei nicht nur insgesamt hübsch anzusehen, sondern kommt zudem auch noch mit überraschend niedrigen Systemanforderungen aus. Selbst Mittelklasse-PCs werden also kein Problem haben, dieses Spiel auf hohen Einstellungen flüssig spielen. Generell mag man damit zwar noch nicht die aktuelle Grafikreferenz präsentieren, doch allein die Integrierung von DirectX 12 mitsamt funktionierendem Async Compute ist dann doch geradezu einzigartig und zeigt, dass das Spiel durchaus technisch auf dem aktuellen Stand ist. Das dürfen wir dann vor allem bei der Flora bewundern, denn speziell die Mission mit dem Viadukt im Wald kann sich mehr als nur sehen lassen. Ganz zu schweigen davon, dass der klassische brutale Röntgen-Kill erneut mit von der Partie ist und der Reihe wohl den besonderen Widererkennungswert verleiht. Das sorgt grafisch nicht nur für Faszinationen, sondern gibt zudem besonderes Feedback zum Schuss. Spannend.

Fazit:
Während der neueste Teil der „Sniper Elite“-Reihe mit altbewährtem Gameplay vor allem Kenner erneut begeistert, sorgen diverse Verbesserungen bei der KI, wesentlich umfangreichere Missionen und einige anderen Neuerungen dafür, dass „Sniper Elite 4“ seinen Vorgänger noch einmal übertreffen kann. Vorbildlich!

Sniper Elite 4 Wertung


19
Feb

Orwell

Privatsphäre war gestern. In der heutigen Welt ist die totale Überwachung allgegenwärtig und jegliche Kommunikation wird von der Regierung ausspioniert. Doch nicht alle Menschen sind mit diesem Vorgehen einverstanden. In der amerikanischen Stadt Bonton kommt es daher zu einem schwerwiegenden Terroranschlag, bei dem mehrere Menschen sterben. Die bisherigen Hinweise deuten darauf hin, dass der Anschlag aus Protest gegen die Überwachung stattfand und ein polizeibekanntes Mädchen taucht kurz zuvor am Tatort auf. Wie es die Ironie des Schicksals will, soll ausgerechnet das Überwachungssystem Orwell nun Hinweise über die Verdächtigen finden, ein Persönlichkeitsprofil erstellen und die Täter letztendlich überführen. Dumm nur, dass es längst einen Feind im eigenen System gibt…

Kritik:
Seit Edward Snowden und die Aufdeckung des NSA-Skandals ist die totale Überwachung ein allgegenwärtiges Thema. Nicht wenige Menschen befürchten seitdem, George Orwells Werk „1984“ würde endgültig zur Realität werden. Denn schon damals wurde deutlich, dass der Geheimdienst offenkundig in der Lage ist, jegliche Kommunikation zu überwachen. Doch was, wenn man einmal selbst in die Rolle des Überwachers schlüpfen kann?

Orwell

Totale Überwachung
Genau das machen wir in dem Indie-Game mit dem passenden Titel „Orwell“. Wir übernehmen hier die Kontrolle über ein mächtiges Überwachungswerkzeug des Geheimdienstes und sind mit diesem Programm in der Lage, das gesamte Leben von Zielpersonen auszuspionieren. Nach einem Terroranschlag sollen wir schließlich als investigativer Geheimagent, im (In-Game) Internet nach Hinweisen und Informationen suchen, die die Verdächtigen mit dem Anschlag in Verbindung bringen. Auf irgendeiner Webseite eine Angabe zu Social Media-Accounts gefunden – und schon gibt uns „Orwell“ mit einer Backdoor sofortigen Zugriff auf den Account. Finden sich dort anschließend Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Chataccounts, dauert es auch hier nur wenige Sekunden und wir sind live in der Lage, die Kommunikation der Zielpersonen abzufangen. Und wenn dann auch noch das große Los gezogen und eine Hardware-ID eines Computers oder Smartphones gefunden wird, ist gar der Vollzugriff möglich. Doch in all diesen Überwachungsmöglichkeiten ist es unsere Aufgabe, die richtigen Informationen zu finden, diese ins Orwell-System hochzuladen und ein Persönlichkeitsprofil über unser Ziel zu erstellen.

Orwell

Auswertung von Daten
Da mag man sich mitunter natürlich fragen, wozu ein solch mächtiges und fast schon automatisiert funktionierendes System überhaupt einen realen Anwender benötigt. Das erklärt sich aber schnell ganz einfach: Unsere Aufgabe ist es nämlich auch, die Informationen nach Wahrheitsgehalt auszuwerten. Denn wir wissen: Nicht jeder sagt im Internet immer die Wahrheit. Manches Mal ist es auch einfach nur Angeberei gegenüber den eigenen Freunden. Und nicht selten finden sich gar völlig widersprüchliche Informationen im Netz, bei denen wir letztendlich entscheiden müssen, welche Hinweise tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Die Oberfläche von „Orwell“ ist dabei ziemlich simpel und einfach gehalten. Statt aufwändiger und beeindruckender 3D-Grafik, gibt es lediglich eine 2D-Oberfläche eines Computerprogramms. Über die Reiter „Reader“, „Listener“ und „Insider“ können wir wahlweise auf den Browser, das Kommunikationsabhör-Tool oder die Backdoor eines Computers oder Handys zugreifen. Man fühlt sich also tatsächlich ein bisschen mächtig. Die Bedienung ist einfach und doch hat man das Gefühl, in die tiefste Privatsphäre eines Menschen eindringen zu können. Dieses mitunter beklemmende Gefühl bringt „Orwell“ fantastisch rüber.

Orwell

Fehler kosten Leben
Faszinierend wird das Spiel allerdings erst dadurch, dass unsere hochgeladenen Informationen und unsere Entscheidungen tatsächlichen Einfluss auf den Spielablauf haben und das manchmal ein bisschen rasanter, als es uns lieb wäre. Eine kleine Falschinformation ins System geladen und ein Verdächtiger wird zu Unrecht festgenommen oder Menschen könnten ums Leben kommen. Denn das „Orwell“-System zögert nicht lange, die aus dessen Sicht notwendigen Maßnahmen anhand der Informationen einzuleiten. Stufen wir einen Verdächtigen als gefährlich ein, obwohl dies gar nicht der Fall ist, kann das unangenehm enden. Mitunter ist es schon faszinierend und auch erschreckend zugleich, wenn wir einen durch uns ausgelösten Vorfall live beim Abhören eines Telefonats miterleben können. Doch an dieser Stelle wollen wir einmal nicht weiter spoilern, um den Spielverlauf nicht schon vorab zu verraten.

Orwell

Gegner im System
Der andere spannende Aspekt des Spiels ist die Tatsache, dass wir ausgerechnet gegen Verdächtige ermitteln, die ironischerweise gegen das eigene Überwachungssystem protestiert haben. Ohne tatsächliche Figuren steuern zu können, bieten die jeweiligen Protagonisten schon eine sehr intensive und aufregende Geschichte, die uns selbst dann in den Bann zieht, wenn wir ausschließlich ein Überwachungssystem steuern. Doch nicht jeder Verdächtige ist automatisch ein offenes Buch für „Orwell“. Manche sind mit ihren Angaben im Netz tatsächlich vorsichtig und werden selbst für uns zu einer harten Nuss. Kommt dann auch noch ein Hacker ins Spiel, der sich als Gegner unseres Systems entpuppt, wird es erst richtig spannend und „Orwell“ entfaltet sein volles Potential. Denn was passiert, wenn ein Hacker und Terrorist es tatsächlich schaffen würde, sich Zugang zum System zu verschaffen und Unschuldige als Terroristen einzustufen? In jedem Fall ist „Orwell“ eines dieser Spiele, wenn nicht gar das einzige Spiel, das uns tatsächlich darüber nachdenken lässt, ob wir nicht doch lieber ein paar Informationen weniger im Netz und in unseren Social-Media-Accounts preisgeben sollten.

Fazit:
Ein kurzes, aber sehr eindringliches und faszinierendes Spiel über die totale Überwachung, bei der wir selbst in die Rolle des Überwachers schlüpfen müssen und über die Fähigkeiten der NSA verfügen. Nach diesem Spiel wird so mancher nicht mehr bereitwillig all seine privaten Details in die Social-Media-Netzwerke laden.

Orwell Wertung


19
Feb

Dishonored 2

Fünfzehn Jahre nach dem Tod des Lordregenten hat sich eigentlich vieles in den Straßen von Dunwall verändert. Kaiserin Emily Kaldwin hat unlängst dafür gesorgt, dass die Menschen wieder in Freiheit leben können und die Rattenseuche seit einiger Zeit Geschichte ist. Doch das könnte sich schon bald ändern, als ein mysteriöser Thronräuber der mächtigen Kaiserin ihren Thron entzieht und die Macht über das Land übernimmt. In der Rolle von Kaiserin Emily oder ihres Vaters Corvo Attano liegt es nun an uns, die Macht zurückzuerlangen und sich gegen zahlreiche Widersacher mit übernatürlichen Kräften durchzusetzen. Doch noch ahnen wir gar nicht, welch große Bedrohungen fortan auf uns warten. Denn von mechanischen Soldaten, bis hin zu gespenstigen Hexen scheint keiner der vielen Feinde so richtig von unserer Welt zu sein…

Kritik:
Bereits der Vorgänger galt bei vielen Spielern und Kritikern als ein Meisterwerk. Nun geht die spannende Geschichte von „Dishonored“ in die zweite Runde und entführt uns einmal mehr in eine Welt aus Steampunk und Mystik, in der nichts unseren gewohnten Verhältnissen entspricht.

Dishonored 2

Mann oder Frau?
Und dabei macht „Dishonored 2“ bereits in einer der ersten Szenen deutlich, dass sich doch so manches seit dem Vorgänger geändert hat. So müssen wir bereits jetzt eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die den gesamten Spielverlauf und auch das Gameplay grundlegend verändern kann. Denn hier entscheiden wir uns erstmals dafür, ob wir mit dem Helden aus dem Vorgänger, Corvo Attano das aufregende Abenteuer antreten wollen, oder es einmal auf neuartige Weise mit seiner Tochter Emily Kaldwin versuchen möchten. Und während vor allem Corvo mit seinen üblichen und bekannten Fähigkeiten aufwartet, hat Emily teilweise eine gänzlich andere Spielweise zu bieten. Denn ist Corvo noch relativ kampferprobt, entpuppt sich die schlanke Emily eher als ein schnelles und flinkes Wesen, das problemlos längere Strecken schnell überwinden kann. Aber vor allem speziellere Fähigkeiten, wie etwa das Verknüpfen des Schicksals zweier gegnerischer Figuren sorgt für interessante Kombinationsmöglichkeiten und ein ungewöhnliches Gameplay – vorausgesetzt der Spieler skillt die entsprechenden Fähigkeiten.

Dishonored 2

Kämpfer oder Assassine
Ansonsten hat sich allerdings das Basis-Spielprinzip nicht verändert. Noch immer ist „Dishonored 2“ eine gelungene Mischung aus schleichendem Stealth-Game und konfrontierender Action, bei der wir uns in jeder Situation selbst entscheiden können, wie wir das Spiel oder den nächsten Gegner meistern möchten. Ob wir uns von hinten anschließen und das Ziel erwürgen, es mit einem Pfeil betäuben oder frontal mit dem Schwert niederstechen – die Wahl liegt stets bei uns. Selbst eine Kombination aus verschiedenen Vorgehensweisen steht uns immer frei, etwa dann, wenn der eigentliche heimliche Schleichversuch einmal mehr schief gegangen ist. Denn schnell steht fest: Das versteckte Vorgehen ist doch manches Mal schwieriger, als einfach in den offenen Kampf zu ziehen.

Dishonored 2

Viele Wege führen zum Ziel
Zum Glück kann man an der Stelle glatt sagen, dass uns „Dishonored 2“ generell sehr viele Freiheiten lässt. So ist jeder Kartenabschnitt, auf dem wir unsere jeweilige Mission durchführen müssen, eine offene Welt. Wir können uns also frei bewegen und müssen nicht zwangsläufig mitten durch die Gegnermengen. Alternative und auch versteckte Wege gibt es derweil nämlich reichlich, sodass wir uns gut und gerne durch die anliegenden Häuser schleichen können, auf Dächer teleportieren oder mitunter auch durch tiefer liegende versteckte Zugänge in ein Gebäude kommen können. Diese zahlreichen unterschiedlichen Möglichkeiten machen die verdeckte Spielweise immerhin deutlich einfacher. Ganz zu schweigen davon, dass das Erkunden der Karte ohnehin oft sinnvoll ist, denn die zahlreichen Schwarzhändler in Dunwall und an anderen Orten sorgen erst dafür, dass wir uns unterwegs mit wichtigem Equipment und Waffen eindecken können. Das nämlich sollten wir dringend tun, ehe wir uns an das nächste größere Ziel wagen.

Dishonored 2

Detaillierte Steampunk-Welt
Außerdem gibt es in der Welt von „Dishonored 2“ ja ohnehin reichlich zu entdecken. Dazu gehören schließlich nicht nur die futuristisch wirkenden Eisenbahnen über unseren Köpfen und die mit Walöl betriebenen elektrischen Barrieren, sondern auch so manches Geheimnis in den kleinen Gassen abseits der Straße. Insgesamt muss man nämlich klar sagen, dass das Leveldesign des Spiels mehr als nur herausragend ausgefallen ist. Ob Ratten in der einen Ecke, Graffiti an der anderen oder einfach nur der Müll hinter den Gebäuden: Hier haben die Entwickler wirklich auf jedes noch so kleine Detail geachtet, um eine stimmungsvolle und glaubwürdige Spielwelt zu erschaffen, in der tatsächlich nichts fehlt. Manchmal erzeugt das Actionspiel dabei sogar eine höchst beklemmende, fast aussichtslose Atmosphäre. Und die technischen Errungenschaften wie mechanische Soldaten und andere futuristische Dinge sorgen für das perfekte Steampunk-Feeling.

Dishonored 2

Kein Versteck in der Menge
Hinsichtlich der Missionen muss man allerdings einige Abstriche im Vergleich zum Vorgänger machen, auch wenn selbst die Fortsetzung noch immer ihre großen Stärken hat. Doch interessante Aufgaben inmitten einer zivilen Menge suchen wir mittlerweile vergebens, sodass die klassische Maskerade in keiner der Missionen mehr zu unseren Hauptaufgaben gehört. Stattdessen sind wir meist maskiert auf den Straßen unterwegs und sollen wahlweise eine Zielperson ermorden oder sie auf andere Art und Weise von unseren Zielen überzeugen. Auch hier haben wir meist die Freiheit selbst zu entscheiden, ob wir tödlich oder nicht-tödlich vorgehen möchten. Bis die Missionen aber wirklich interessant werden, sind mitunter zu Beginn drei weniger spannende Aufgaben vergangen, die auch nicht unbedingt den zugänglichsten Einstieg ermöglichen. Davon sollten sich Spieler aber mitnichten abschrecken lassen, denn sind diese erst einmal hinter uns gebracht, kann „Dishonored 2“ seine ganzen Stärken voll entfalten.

Dishonored 2

Haus der Labyrinthe
In der vierten Mission zeigt sich nämlich zugleich auch eines der besten Kapitel des gesamten Spiels. In einer Art Haus der Labyrinthe müssen wir mittels Schalter die verschiedensten faszinierenden Räume aufdecken, neue Wege transformieren und schlussendlich den Weg zu unserer Zielperson finden – und das alles zwischen zahlreichen mechanischen Soldaten, denen wir nach Möglichkeit aus dem Weg gehen sollten. Diese zugleich auch vermutlich längste Mission des Spiels zeigt hier erstmals, was „Dishonored 2“ eigentlich tatsächlich drauf hat. Aber dabei soll es nicht bleiben, denn wenn wir einige Kapitel später plötzlich mittels Chronometer in die Vergangenheit blicken können, während wir zugleich die Gegenwart vor uns haben, bekommen selbst Sci-Fi-Fans einige faszinierende Spielmomente geboten. Denn das Hin- und Herwechseln zwischen den Zeiten entpuppt sich als einzigartiges Gameplay, das wir so noch in keinem anderen Spiel gesehen haben. Allein dafür lohnt sich „Dishonored 2“ allemal.

Dishonored 2

Entscheidungen
Allerdings soll es dabei nicht bleiben, denn die Entscheidungen, die wir in diesem Spiel treffen, haben echte Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. So entscheidet das tödliche oder nicht-tödliche Vorgehen, also die Tatsache, ob wir am Ende einen hohen oder niedrigen Chaosfaktor erzeugt haben, über das tatsächliche Ende des Spiels. Das ist unterdessen aber längst nicht die faszinierendste Entscheidung, denn so manch andere eher subtile Entscheidung wird mitunter erst im Nachhinein wirklich ersichtlich. So hat schließlich auch unsere Spielweise in der Vergangenheit sichtbare Auswirkungen auf die Gegenwart. Abhängig davon, welche Gegner wir ermorden und wie wir mit der Hauptfigur interagieren, hat unsere Verbündete Meagan, die uns über das gesamte Spiel hinweg begleitet, plötzlich nur einen oder noch beide Arme. Und wir wissen womöglich gar nicht, durch welche konkrete Entscheidung dies zustande gekommen ist. Faszinierend – und zugleich wünschen wir uns mehr davon auch in anderen Spielen.

Dishonored 2

Gameplay durch Skills
Eine weitere wichtige Entscheidung, die wir im Laufe des Spiels treffen, ist allerdings die Art und Weise, mit der wir unsere Spielfigur mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Fest steht: Wir werden in den insgesamt neun Kapiteln niemals genügend Runen sammeln können, um tatsächlich alle verfügbaren Fähigkeiten auch auszustatten. Das macht allerdings „Dishonored 2“ auch so spannend und sorgt für einen sehr hohen Widerspielwert. Denn während sich die möglichen Fähigkeiten von Emily und Corvo jeweils unterscheiden, so können wir das Spiel zugleich auch mehrmals mit unterschiedlichen Skills durchspielen und so immer wieder eine komplett andere Spielerfahrung erleben. Das macht „Dishonored 2“ vor allem für jene interessant, die Spiele gerne mehr als nur ein einziges Mal durchspielen (die Angabe der Spieldauer im Kasten unten bezieht sich hierbei auf das einmalige Durchspielen der Story, bei mehrmaligem Durchspielen vervielfacht sich diese Angabe).

Dishonored 2

Keine einwandfreie Technik
Schade ist derweil nur, dass das Spielerlebnis dieses eigentlich erstklassigen Spiels vor allem durch die Technik der PC-Version etwas getrübt wird, denn diese funktioniert derweil nicht immer ganz fehlerfrei. So hatten wir zu Beginn des Tests selbst mit seltsamen Grafikfehlern zu kämpfen, bei denen beispielsweise eine mysteriöse grüne Acht in der Mitte unseres Bildschirms erschien. Wodurch dieser Fehler ausgelöst wird, ist bisher nicht klar. Zum Glück ließ sich dieser aber durch die Installation des neuesten Grafikkartentreibers beheben. Damit ist ohnehin klar: Wer „Dishonored 2“ spielen möchte, sollte unbedingt vorher die neuesten Treiber installieren, da es sonst zu erheblichen Problemen kommt. Aber das längst nicht alles: So funktioniert auch die „adaptive Auflösung“ nicht richtig und sorgt ebenfalls für Grafikfehlern an den Bildschirmrändern. Ein Abschalten dieser Option hat den Fehler behoben und das Spiel ließ sich im Test auf aktueller Hardware trotzdem flüssig spielen.

Dishonored 2

Flackern der Schatten
Weitere durchaus sichtbare Fehler sind etwa das Flackern der Schatten, wenn wir vom Schiff aus auf die Landschaft schauen. Diesen Fehler konnten wir bisher immer noch nicht beheben, er stört aber zugleich auch das Spielerlebnis nicht allzu sehr. Über kleinere Texturfehler kann man unterdessen auch hinwegsehen. Und doch muss man schnell zu dem Entschluss kommen, dass „Dishonored 2“ damit insgesamt nicht mehr so recht zeitgemäß aussieht. Bot uns der Vorgänger einst noch überwältigende Grafik für seine damalige Zeit, entspricht die Grafik aus diesem Spiel hingegen nur noch dem Stand von vor einigen Jahren – und das, obwohl die Systemanforderungen ganz und gar nicht besonders niedrig sind. Denn Hardwareleistung frisst „Dishonored 2“ mitunter schon enorm. Insgesamt sind wir darüber wiederum verwundert, wenn wir beispielsweise die wirklich hübschen Wassereffekte sehen, die auf dem Meer eindeutig mit Einsatz von Tesselation dargestellt werden und damit besonders organisch erscheinen. Und auch Charakteranimationen können sich tatsächlich sehen lassen. Warum man diese Qualität dann nicht im gesamten Spiel fortgesetzt hat, sorgt für Verwunderung. Dennoch sollte man sich auf Grund dessen nicht vom Kauf abhalten, denn spielerisch macht „Dishonored 2“ sehr viel Spaß und gehört mit zu den besten Spielen des vergangenen Jahres.

Fazit:
Mit seinem dynamischen auf Fähigkeiten basierenden Gameplay, den enorm vielen Freiheiten und einer faszinierenden Steampunk-Welt kann „Dishonored 2“ seinem Vorgänger spielerisch mehr als nur gerecht werden. Schade nur, dass die Technik hier und da das Spielerlebenis trübt.

Dishonored 2 Wertung


16
Feb

Leaving Lyndow

Nach den vielen Jahren in der Gilde der Wissenschaftlichen Erkundungen ist es für Clara endlich so weit: Sie darf auf eine mehrjährige aufregende Expedition gehen und wird vielleicht sogar fremde Zivilisationen auf ihren Schiffsreisen kennenlernen. Doch das große Abenteuer ist auch mit einigen Herausforderungen verbunden, zu denen vor allem der große Abschied aus ihrer Heimatstadt gehört. Immerhin fällt es der Familie nicht leicht, das noch junge Mädchen endgültig gehen zu lassen und einige sind gar besorgt, dass sie auf dem gefährlichen Meer sterben könnte. Ganz zu schweigen von Clara selbst, der es ebenfalls nicht allzu leicht fällt, ihre Freunde zu verlassen und damit auch die vielen spaßigen Abende mit ihrem besten Freund zu verzichten. Aber für sie steht der Entschluss längst fest, denn mit der Expedition erfüllt sie sich ihren großen Traum…

Kritik:
Die Spiele-Landschaft ist für gewöhnlich voll mit brutaler Action und umfangreichen Rollenspielen. In eine ganz andere Richtung möchte allerdings „Leaving Lyndow“ – ein Indie-Abenteuer, das eher für einen kurzweiligen entspannten Abend sorgen möchte. Vergleichbar mit der Story eines Kurzfilms konzentriert sich das Spiel nämlich lediglich auf ein einziges Ereignis, nämlich den großen Abschied von der Familie und möchte damit eine intensive Atmosphäre aufbauen. Denn hier versucht man dem Spieler das Gefühl zu geben, selbst etwas zurückzulassen und sich in die emotionale Welt des jungen Mädchens hineinversetzen zu können. Dazu dienen nicht nur Briefe und ein paar Hintergrundinformationen vom Ableben ihres Vaters, sondern auch diverse Dialoge mit den Freunden und Familienmitgliedern. Insgesamt ist „Leaving Lyndow“ damit schon eine kleine Besonderheit unter den Unmengen an Spielen, die wir regelmäßig zu Gesicht bekommen.

Leaving Lyndow

Das melancholische Packen
Schon im ersten Abschnitt des Abenteuers kommt da sogar eine melancholische Stimmung auf, die nicht zuletzt am gelungenen und einfühlsamen Soundtrack liegt, der die irgendwie traurige, aber auch freudige Geschichte perfekt untermalen kann. Im Haus der Eltern müssen wir schließlich zunächst einige Dinge zusammensuchen und unseren Koffer packen, damit wir uns für die große Reise bereit machen können. Ein kleines Abschiedsgespräch mit der Mutter gehört selbstverständlich auch dazu. Und danach sind auch die anderen noch an der Reihe. Der Onkel etwa kann sich mit dem Abschied gar nicht anfreunden und hat doch große Sorge, dass die junge Clara sterben könnte. Und auch die vielen Freunde sind doch eher zwiegespalten, wenn es darum geht, ihre langjährige Freundin gehen zu lassen. Dieses Gefühl, unter allen Umständen den großen Traum erfüllen und doch insgeheim bei den Freunden und der Familie bleiben zu wollen, kann „Leaving Lyndow“ jedenfalls perfekt einfangen.

Leaving Lyndow

Wenig Gameplay
Doch reicht das allein tatsächlich bereits, ein gutes Spiel zu bieten? Hinsichtlich des Gameplays hat „Leaving Lyndow“ jedenfalls nicht allzu viel zu bieten. Das Abenteuer präsentiert sich insgesamt doch eher als eine Art Walking Simulator, bei dem wir durch mehrere Abschnitte der Welt spazieren und verschiedene Gegenstände einsammeln, oder Briefe und Dokumente lesen, um interessante Informationen zur Hintergrundgeschichte zu erfahren. Dazwischen warten lediglich einige durchaus gelungene Minispiele und Rätsel auf den Spieler, etwa wenn wir mit unserem kleinen Neffen einige Figuren einsammeln müssen oder in einer kleinen Erinnerung an vergangene Zeiten ein Musikstück auf einem speziellen Instrument nachspielen sollen. Hier hat man die relativ einfachen Rätsel hin und wieder auf durchdachte Weise eingebaut und zu einem wichtigen Teil der Story gemacht. Und dennoch: Das reicht noch nicht so recht, um tatsächlich zu begeistern, denn spielerisch ist das einfach zu wenig. Von der ohnehin sehr kurzen Spieldauer von gerade einmal knapp 30 Minuten einmal ganz zu schweigen.

Leaving Lyndow

Wunderschöne Fantasy-Welt
Dabei ist „Leaving Lyndow“ ja eigentlich sogar wegen seiner überaus hübschen Grafik und Gestaltung der Welt sehr atmosphärisch. Geradezu verträumt bunt sind da die hübschen Wälder und Wiesen mit ihren tollen Panoramaaussichten und dem beeindruckenden Blick auf den Mond. Der Detailgrad der Grafik kann sich dabei in jedweder Hinsicht sehen lassen und braucht sich vor den großen Titeln sicherlich nicht zu verstecken. Schon allein die ausgesprochen umfangreiche Vegetation mit ihren vielen Pflanzen, Blumen und Bäumen kann sich mehr als nur sehen lassen. Dazwischen süße Vögel, die zwischen den Baumkronen umherfliegen und die Verträumtheit der Szenerie noch einmal unterstreicht. Lediglich die Animationen der menschlichen Charaktere könnten sicherlich einen Tick hübscher ausfallen. Aber dennoch freuen wir uns angesichts der Tatsache, dass „Leaving Lyndow“ nur ein kleiner Einblick in die Welt des noch kommenden Open-World-Spiels „Eastshade“ bietet darüber, wie hübsch doch bereits jetzt die Welt gestaltet ist. Insgesamt würden wir aber dennoch den potentiellen Käufern dazu raten, auf das „große“ Spiel noch zu warten.

Fazit:
Der wunderhübsche und atmosphärische Walking Simulator bietet bereits jetzt einen kleinen Einblick in die zukünftige Welt von „Eastshade“. Spielerisch reichen die winzigen Rätsel und die extrem kurze Spieldauer von gerade einmal 30 Minuten allerdings noch nicht aus, um vollends zu begeistern.

Leaving Lyndow Wertung


23
Dez

Train Simulator: Midland Main Line – London-Bedford

Die Midland Main Line nördlich von London gehört zu den Strecken von Groß-Britannien mit dem höchsten Fahrgastaufkommen. Insbesondere der Nah- und Fernverkehr ist hier stark vertreten und kann speziell im Berufsverkehr für einen strammen Fahrplan sorgen. Mit der Class 319 von First Capital Connect werden die Vorstädte und Counties bis nach Bedford verbunden, wo der Weg zunächst an St. Albans und Luton vorbei führt. Auf der überwiegend viergleisigen Strecke liefern sich die langsameren Nahverkehrszüge stets ein Wettrennen mit den schnelleren Fernverkehrszügen und dem Güterverkehr aus den anliegenden Fabriken. Denn auch Kies, Zement und Container sind auf dieser wichtigen Hauptstrecke desöfteren unterwegs und verstopfen zu den Stoßzeiten die Schienen. Da kann sich tatsächlich mal eine Herausforderung ergeben.

Kritik:
Mit dem Streckenabschnitt von London nach Bedford liefert Dovetail Games mittlerweile die vierte Train Simulator-Route mit direkter Anbindung nach London. Hier wartet schließlich der spektakuläre Bahnhof St. Pancras auf uns, den wir vor allem über die Thameslink-Strecke auf den unterirdischen Gleisen betreten. Obwohl nur 88 km kurz und damit sicherlich nicht die gesamte Midland Main Line umfassend, richtet man sich damit speziell an Freunde des Personenverkehrs, denn fünf der insgesamt sieben mitgelieferten Karriereszenarien widmen sich speziell diesem Aufgabengebiet.

Train Simulator: Midland Main Line

Kein neues Rollmaterial
Mitgeliefert werden dabei lediglich zwei verschiedene Lokomotiven. Zunächst die Class 319 der First Capital Connect als Triebfahrzeug, welches wir wahlweise in einer Einzel-, Doppel- oder Dreiertraktion fahren dürfen. Diesen steuern wir in allen fünf Passagierszenarios, können damit flotte Sprints hinlegen und erfreuen uns an der doch eher ruhigen und angenehmen Fahrweise. Vor allem in der Dreiertraktion kann sich das korrekte Anhalten am Bahnhof allerdings tatsächlich als etwas knifflig herausstellen, denn nicht zu weit vorne raus zu fahren und andererseits auch das Hinterteil korrekt zu platzieren, ist nicht immer einfach. Die realistisch eingefügten Stoppschilder für die verschiedenen Zuglängen sorgen hier aber für Abhilfe. Andererseits finden wir allerdings auch eine EWS Class 66 vor, die wir in den beiden Güterszenarien fahren dürfen und die über ein ungewöhnliches Bremsverfahren verfügt. Beide mitgelieferten Fahrzeuge sorgen aber nicht zwangsläufig für Begeisterung, da beide bereits in einem anderen Routen-DLC vorhanden waren. Somit handelt es sich also nicht um gänzlich neues Rollmaterial.

Train Simulator: Midland Main Line

Blick aufs Armaturenbrett
Während die Class 319 dabei nicht unbedingt eine echte Herausforderung darstellt, zumindest was das Fahren dieses Triebfahrzeugs betrifft, gestaltet sich die Steuerung der EWS Class 66 dann schon ein wenig anders. Hier können wir nämlich nicht in mehreren Stufen die Bremse betätigen, sondern müssen die Bremskraft zwingend auf der Anzeige am Armaturenbrett ablesen. Zunächst stellen wir die gewünschte Bremskraft ein und anschließend dürfen wir dann beobachten, wie sich die Nadel auf der Anzeige auf den jeweiligen Wert bewegt. Dadurch haben wir tatsächlich die Möglichkeit, die Bremse recht stufenlos einzustellen und müssen auch etwas vorausschauend denken. Zumal das Bremsverhalten einigermaßen realistisch ist, denn mit schweren Güterwaggons wird der Bremsweg tatsächlich auch mal etwas länger. Kommen dann noch Schnee und gelbe Signale hinzu, muss man mitunter tatsächlich etwas Ausschau nach dem nächsten Signal halten, um noch rechtzeitig bremsen zu können. Soweit recht spannend.

Train Simulator: Midland Main Line

Immer geradeaus
Die eigentliche Gleisanlage bleibt dann allerdings überwiegend viergleisig, wie bereits zuvor erwähnt. So fahren wir hauptsächlich einer Hauptstrecke entlang, die uns nahezu ausschließlich gerade aus führt und bei der jeweils zwei Gleise für eine Richtung vorgesehen sind. Interessant anzusehen sind dann diverse „Überholmanöver“, wenn wir etwa mit einem Expresszug einen langsameren Zug neben uns überholen oder umgekehrt. Dennoch bleibt die Herausforderung oftmals aus, sodass hohe Punktzahlen leicht erzielt werden können. Ein Wechseln auf Nebengleise ist fast nur bei den Güterszenarien erforderlich, oder wenn wir vor oder nach unserer Fahrt auf ein Abstellgleis müssen. Das sorgt allerdings noch nicht für allzu viel Abwechslung auf der Strecke.

Train Simulator: Midland Main Line

Gebäude wie im Original
Dass es sich dennoch um eine hübsch anzusehende und gelungene Strecke handelt, liegt speziell daran, dass man sich äußerst viel Mühe gegeben hat, die Route möglichst originalgetreu nachzubauen. Das fällt vor allem an den jeweiligen Stationen sehr positiv auf. Beispielsweise bei den realistischen Fußgängerüberwegen in Luton oder in St. Albans City. Und auch sonst stimmen insgesamt sehr viele Details, die Vegetation ist dicht und glaubwürdig und selbst in den Fabriken können wir die Container vor dem Gebäude bewundern. Man hat es außerdem geschafft, eine gänzlich fehlerfreie Strecke zu veröffentlichen, denn Bugs oder fehlerhafte Szenarien brauchen wir hier nicht zu befürchten. Hier funktioniert alles tatsächlich perfekt. Insofern steht einem angenehmen Spielvergnügen nichts mehr im Wege, solange das wiederverwertete Rollmaterial und die überwiegend gleich bleibende Strecke nicht weiter stört. Fans des Passagierverkehrs dürfen hier gerne zugreifen. Güterfreunde sollten allerdings bedenken, dass wir auf Rangieraufgaben leider gänzlich verzichten müssen.

Fazit:
Mit einem hohen Detailgrad und absolut fehlerfreien Szenarien liefert die „Midland Main Line“ eine insgesamt hochwertige und sehr hübsche Strecke ab. Das wiederverwertete Rollmaterial bestehend aus nur zwei Fahrzeugen und die über lange Abschnitte durchgehend viergleisige Strecke sorgen aber dafür, dass auch diese Route nicht ganz ohne Nachteile bleibt. Fans des Passagierverkehrs sollten die Route aber in ihrer Sammlung haben.

Train Simulator: Midland Main Line Wertung


21
Dez

Train Simulator 2017: Mannheim – Karlsruhe

Im Norden von Baden-Württemberg liegt einer der vielleicht wichtigsten Eisenbahnknoten des gesamten Südwestens. Immerhin dient dessen Hauptbahnhof als direkter Anschlusspunkt für die Fernverkehrslinien von Nordrhein-Westfalen über Frankfurt nach Basel und München. Ein Großteil des gesamten Landes wird über diesen mächtigen Umstiegsbahnhof angeschlossen und ein enormes Fahrgastaufkommen steigt regelmäßig zwischen den Fernverkehrszügen um. Und während die Rheintalbahn die kleineren Orte über Hockenheim und Schwetzigen anbindet, findet sich im südlichen Teil unterhalb des Hauptbahnhofes von Mannheim ebenso ein riesiger Umschlagplatz. Tausende von Containern, die über den Mannheimer Hafen eintreffen, werden hier verteilt, um anschließend in der Nacht ihren Weg nach Karlsruhe anzutreten. Damit wird die gesamte Route schnell zu einem hoch ausgelasteten Verkehrsknoten, der erst vor kurzem mit neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken erweitert wurde. Nun dürfen sich auch virtuelle Fahrer an dieser spannenden Strecke versuchen.

Kritik:
Bereits beim Betreten des Zuges im Mannheimer Hbf zeigt sich, dass die Spieler kein großes Problem haben dürften, den überwältigenden Bahnhof wiederzuerkennen. Die komplexen Gleisanlagen sind nahezu originalgetreu angelegt und sogar die Oberleitungen entsprechen einigermaßen dem Original. Aber vor allem die legendäre gelbe Brücke mit ihren Straßenbahnen sorgt für den ersten markanten Wiedererkennungspunkt auf dieser Route. Die Macher haben sich alle Mühe gegeben, diese möglichst realistisch einzubauen. Schade ist an der Stelle, dass wir lediglich nach Karlsruhe fahren, denn vor allem die Einfahrt von Zügen aus Frankfurt ist entlang des Hafens mit Blick auf den Fluss doch sehr spannend. Dennoch sorgt auch die Strecke nach Karlsruhe für interessante Momente.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Doppelte Strecke
Eigentlich hat man bei „Mannheim – Karlsruhe“ ja gleich zwei Strecken eingebaut. Da wäre einerseits die Regionalbahnstrecke der Rheinbahn, die exakt dem originalen Streckenverlauf folgt. Der Weg führt dabei neben Hockenheim und Schwetzingen auch über den erstaunlich großen Bahnhof in Graben-Neudorf. Gleich daneben findet sich dann die Hochgeschwindigkeitsroute für den Fernverkehr, auf der neben dem Intercity Express auch die etwas langsameren IC-Züge verkehren. In der Nacht dann wird die Strecke – zumindest laut dieses Routen-Addons – für den Güterverkehr freigegeben, an den wir uns in den Szenarien ebenfalls wagen können. Besonders gelungen sind entlang der Strecke dann vor allem das Industriegebiet am Mannheimer Hafen mitsamt seiner zahlreichen Rohre, die interessante Einfahrt nach Karlsruhe, als auch ein paar der größeren Zwischenstationen. Ebenso ein langer Tunnel, durch den wir uns mit dem Fernverkehr begeben dürfen.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Umfangreiches Rollmaterial
Interessant ist wohl die Tatsache, dass dem Routen-Addon gleich vier verschiedene Lokomotiven beiliegen, was für einen solchen DLC wirklich ungewöhnlich ist. Primär begeben wir uns dabei dann in die Baureihe 189, die wir speziell im Güterverkehr entlang des Rangierbahnhofes und Umschlagplatzes steuern dürfen. Zusätzlich geht es dann mit der klassischen Baureihe 425, die wir mit ihren Triebwagen wohl im gesamten Land desöfteren bewundern dürfen, auf die Regionalbahnstrecke, ehe wir uns dann an ein paar kurze Sprints mit dem ICE 3M wagen dürfen, der ebenfalls zwischen Mannheim und Karlsruhe auf der Fernverkehrsstrecke verkehrt. Ebenfalls vorhanden ist eine Rangierlok der Baureihe 294, die wir innerhalb der Szenarien vor allem im KI-Verkehr entgegen kommen sehen und die damit den optischen Reiz der Strecke erweitert. Im Modus der „freien Fahrt“ dürfen wir aber auch an das Steuer dieser Lokomotive. Und wem das noch nicht reicht, darf auch gleich zum Twin Pack mit der Baureihe 145 greifen, die dann ebenfalls nochmal drei verschiedene Routen für die Mannheim – Karlsruhe-Strecke mitliefert.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Triebwagen ohne Details
Schade ist derweil allerdings, dass es sich bei all dem Rollmaterial leicht nicht um die besten Lokomotiven handelt, die es mittlerweile für den Train Simulator gibt. Das liegt dann vor allem an den mangelnden Details in der Führerstandansicht, wo eben doch viele Funktionen fehlen. Das Armaturenbrett wirkt oft etwas detaillos, die Bildschirme sind nicht animiert und auch sonst lässt sich bis auf die Standardfunktionen nicht viel bedienen. In der Außenansicht sieht das dann ähnlich aus: Bei der Baureihe 425 fehlt etwa die typischen Logos des Verkehrsverbundes an den Seiten und auch bei der Fahrgastansicht stellen wir doch schnell fest, dass typische Aufkleber an den Decken und Wänden nicht durch Texturen umgesetzt werden. Dabei wissen wir doch alle, dass sich über den Türen ein Plakat mit den Linien und Strecken des jeweiligen Verbundes befindet.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Fahren nach realem Fahrplan
Etwas realistischer wird es dann allerdings bei der Umsetzung der jeweiligen Karriereszenarien. So hält man sich doch ziemlich genau an den exakten Streckenverlauf und setzt auch die Linien korrekt um. In den Szenarien der Baureihe 425 dürfen wir etwa die Linie RB2 zwischen Mannheim und Karlsruhe fahren, die hier auch mitsamt der Liniennummer der realen Fahrt entspricht. Selbstverständlich finden wir selbige Beschriftung dann auch auf der Matrixanzeige des Zuges selbst vor. Schade ist dann, dass man jenes nicht unbedingt von den IC-Fahrten der Baureihe 145 sagen kann, wenn etwa auf den IC-Waggons solch unsinnige Angaben wie „IC RE3“ zu finden sind, die in der Realität so kaum vorkommen. Allerdings muss man an dieser Stelle eben noch einmal betonen, dass die Szenarien dieser Baureihe nicht zum Standardumfang des Routen-Addons gehören.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Grüne Welle
Apropos Szenarien: Leider muss man ebenso feststellen, dass sich die Karriereszenarien nicht unbedingt an erfahrene Spieler richten, sondern doch eher für Einsteiger von Interesse sein könnten. Eine echte Herausforderung suchen wir schließlich vergebens. In den meisten Fällen fahren wir nämlich lediglich eine vorgegebene Strecke von A nach B ab und halten dabei an den jeweils angegebenen Stationen. Dummerweise kommt es dabei auch selten zu unvorhergesehenen Ereignissen, sodass wir doch meist nur der grünen Welle nach Fahrplan entlang fahren – eine hohe Punktzahl sollte dabei sehr einfach erreicht werden können. Beim ICE 3M wird es dann gar noch einfacher: In jeweils zwei etwa 25-minütigen Szenarien fahren wir lediglich ohne Zwischenhalt von Mannheim nach Karlsruhe oder umgekehrt und müssen nicht einmal an einem Signal halten. Richtig spannend ist das nun nicht. Da sind wir schon froh, dass wir in einem der Güterszenarien einmal überlegen müssen, welche Weichen wir zu stellen haben und hin und wieder gar Waggons ankuppeln dürfen. Eine echte Herausforderung ist aber selbst das nicht.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Erweiterungsmöglichkeiten
Man muss abschließend wohl feststellen, dass die Strecke „Mannheim – Karlsruhe“ hauptsächlich wegen der verschiedenen Erweiterungsmöglichkeiten vor allem für Spieler mit Interesse am Güterverkehr interessant wird. So besteht bereits jetzt die Möglichkeit, mit der Baureihe 261 eine Lok namens „Voith Gravita“ zusätzlich zu erwerben, die zu den neuesten Rangierlokomotiven der Deutschen Bahn gehört. Und mit zwei weiteren Lokomotiven des privaten Leasingunternehmens MRCE gibt es noch weiteres Rollmaterial mit passenden Güterszenarien für diese Strecke. Die bereits vorhandenen und durchaus abwechslungsreichen Güterwaggons dürften dann auch die Möglichkeit bieten, interessante Zugkombinationen zusammenzustellen, die dem realen Bahnverkehr auf der Strecke einigermaßen entsprechen.

Fazit:
Mit umfangreichem, aber nicht ganz so detailliertem Rollmaterial und eher einfachen Karriereszenarien richtet sich die „Mannheim – Karlsruhe“-Strecke vor allem an Einsteiger, die sich zunächst gutes Basismaterial zusammenkaufen möchten. Erfahrenere Spieler kommen für die nötige Herausforderung allerdings nicht drumherum, weitere Lokomotiven käuflich zu erwerben. Insgesamt richtet sich die Strecke zudem primär an Güterzugfans, da die interessantesten Szenarien dieses Aufgabengebiet umfassen.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe Wertung


09
Dez

Im Beta-Test: Train Sim World – CSX Heavy Haul

Die amerikanische und kanadische Eisenbahn ist vor allem für ihre aufwändigen und schweren Gütertransporte bekannt, statt für klassische Passagierfahrten im Regionalverkehr. Als Rangier-Lokführer des amerikanischen Unternehmens CSX Transportation kümmern wir uns entlang diverser Güterbahnhöfe um die im typischen blau-gelb gehaltenen schweren Güterlokomotiven und müssen unter anderem Kohlewaggons an ihren jeweiligen Zustellungsort bringen. Denn während wir einerseits in komplexen Rangieraufgaben die passenden Züge für ihre Fahrt bereitstellen, wollen einige Züge auch entlang des Sand Patch Grades an ihr Ziel gebracht werden. Nicht immer eine leichte Aufgabe, wenn man plötzlich doch alles selbst machen muss…

Kritik:
Bereits vor Jahren hat Dovetail Games für ihren Train Simulator eine gänzlich neue Version mit neuer Grafikengine angekündigt, die nicht mehr unter den Limitierungen der alten 32-Bit-Engine zu leiden hat. Mittlerweile ist es soweit und die erste spielbare Version des Nachfolgers unter dem Titel „Train Sim World“ befindet sich in der offenen Beta. Käufer der „Train Simulator 2017 – Pioneers Edition“ erhalten seit gestern automatisch Zugang zu der neuen Beta. Und da hat sich einiges geändert, nicht nur grafisch.

Train Sim World

Demonstration der Zukunft
Generell kommt die Beta natürlich zunächst mit einem recht kleinen Umfang daher, möchte man hier schließlich die Zukunft des Train Simulators demonstrieren und den Spielern zeigen, in welche Richtung es demnächst gehen wird. Der offizielle Release der „CSX Heavy Hault“ ist bereits für den Februar geplant und bietet nach aktuellem Stand lediglich eine Lokomotive, eine Route und zwei Szenarien. Darin enthalten sowohl eine einfache Güterfahrt, als auch eine etwas komplexere Rangieraufgabe an einem Umschlagbahnhof. Zusätzlich finden wir natürlich drei Tutorials und auch die Funktion der freien Fahrt mit jeweils zwei Abschnitten – nordwärts und südwärts – ist enthalten. Dazu aber später mehr.

Train Sim World

Lokführer muss selbst Hand anlegen
Zu den neuen Features gehört aber vor allem auch, dass der Spieler nun erstmals selbst Hand anlegen muss und der Arbeitsalltag eines Lokführers realistisch simuliert wird. Das ist zugleich auch der eigentlich spannende Teil der Beta, denn wir sitzen hier nicht zu Beginn einfach in einem Zug und müssen nur noch los fahren. Wie in der Realität können wir uns jetzt frei in der Ego-Perspektive bewegen und warten zunächst beispielsweise auf einen einfahrenden Zug, den wir übernehmen. Wir müssen diesen anschließend selbst betreten und die Vorbereitungen treffen. Das bedeutet allerdings auch, dass nun erstmals Szenarien möglich sind, in denen wir die Lokomotive gänzlich wechseln und beispielsweise mehrere Loks rangieren müssen. Gerade Güter- und Rangieraufgaben können damit um einiges spannender werden und den Szenarienbauern werden sich neue Möglichkeiten eröffnen.

Train Sim World

Spannend ist dabei allerdings, dass wir tatsächlich – wie ein echter Lokführer – auch einmal aussteigen müssen. So besteht erstmals die Möglichkeit, die Lokomotive und Waggons auch komplett manuell an- und abzukoppeln. Dazu gehören auch physische Verbindungen der elektrischen Leitungen, wie wir sie von echten Zügen kennen. Dafür muss sich der Lokführer allerdings auch mal bewegen. Selbiges gilt für Weichen, die wir manuell umstellen müssen. Hier wird nicht mehr einfach nur kurz geklickt, sondern wir müssen tatsächlich aussteigen und zur Weiche hinlaufen. Interessant: Bereits in der Beta-Version waren auch Drehscheiben manuell bedienbar. Nun bleibt natürlich die Frage, wie man dies in Passagierszenarien einbaut. Zufallsereignisse wie blockierte Türen oder randalierende Fahrgäste wären grundsätzlich umsetzbar, ebenso Fahrerwechsel an einem Bahnhof. Insofern sieht „Train Sim World“ schon sehr vielversprechend aus.

Train Sim World

Schnee und schlechte Sicht
Zeitlich wohl mehr als passend führt man übrigens auch neue Wettereffekte ein, die sich tatsächlich sehen lassen können. Wenn wir einmal richtig in weihnachtliche Stimmung kommen möchten, bietet es sich nämlich an, in der freien Fahrt doch auch mal den Schneesturm auszuprobieren. Und dieses Mal wird kein Repaint des Zuges mehr benötigt, um den Schnee auch auf der Lokomotive und den Waggons darzustellen. Nun fällt der Schnee endlich physisch auf das Rollmaterial und bildet einen ansehnliche Schneeschicht. Die ansonsten in der Luft herabfallenden Schneeflocken sorgen dann auch für realistische Sichtverhältnisse, die ein Fahren tatsächlich erschweren. Und auch Nebel wird nun endlich zu einer richtigen Brühe, bei der Sichtfahrten nur schwer möglich sind. Auch hier darf sich der Spieler auf gelungene Neuigkeiten freuen.

Train Sim World

Fehlende Features
Apropos Sichtfahrten: Einige altbekannte Features fehlen in „Train Sim World“ aber bisher leider noch. So müssen wir noch auf eine Distanzanzeige verzichten, die uns die Entfernungen von Signalen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Steigungen anzeigt. In der aktuellen Beta-Version ist die Fahrt auf Sicht noch die einzige Option, die sich uns bietet. Auch einen Fahrplan mit zeitlicher Begrenzung suchen wir bisher vergeblich. Wir sind aber zuversichtlich, dass dieser bis zum offziellen Release noch den Weg in das Spiel finden wird. Man könnte insofern die Beta eher als eine Technik-Demonstration für die Zukunft des Train Simulators betrachten, denn als ein bereits fertiggestelltes Spiel. In jedem Fall bietet sich allerdings bereits ein interessanter und positiver Einblick. Daher haben wir uns auch dazu entschlossen, in dieser Preview ausschließlich echte Ingame-Screenshots zu verwenden, die bei maximalen Einstellungen und Full HD entstanden sind.

Train Sim World

Performance braucht Verbesserungen
Besonderes Augenmerk liegt bei den Spielern aber vermutlich auf der Grafik. Die neue Unreal Engine sorgt zunächst einmal dafür, dass ständige Nachladeruckler auf Grund von Engine-Limitierungen nun endlich ein Ende haben. Die typischen Framedrops trotz starker Hardware, die wir aus Train Simulator 2017 noch gewohnt sind, tauchen nicht mehr auf. Und dennoch ist die bisherige Performance noch enttäuschend, da die Framerate auch auf schnellen Rechnern nicht gerade hoch ist. In unserem Test erreichten wir gerade einmal 20 – 30 Frames pro Sekunde – auf einer GTX 970. Und auch andere Spieler mit noch schnelleren Grafikkarten berichten von enttäuschender Performance. Hier hoffen wir auf deutliche Verbesserung bis zum Release. In einer Beta darf das noch passieren, beim Release im Februar nicht mehr.

Train Sim World

Davon abgesehen schauen aber vor allem die Zugmodelle deutlich besser und auch plastischer aus. Insgesamt finden wir deutlich mehr Details und können bereits an der CSX-Lokomotive alles bedienen, was sie anbietet. Sogar Türen und Sonnenschutzblende lassen sich bewegen. Das ist schon weit mehr, als wir es von den meisten TS2017-Lokomotiven bisher gewohnt waren. Etwas enttäuscht sind wir aber auch hier bei der Umgebungsgrafik. Vor allem Gebäude und Landschaften haben sicherlich noch etwas Luft nach oben, auch wenn sie schon besser als beim Train Simulator 2017 aussehen. Dennoch ist die hier zu sehende Grafik selbst auf maximalen Einstellungen noch nicht zeitgemäß und frisst gerade angesichts dieser Optik deutlich zu viel Leistung.

Train Sim World

Fazit:
Die neue Beta der „Train Sim World“ bietet einen spannenden Einblick in die Zukunft des Train Simulators und zeigt einige gelungene neue Features, die das Potential haben, dieses Spiel zu einem der besten Simulatoren der vergangenen Jahre zu machen. Dennoch benötigt die Simulation noch dringende Performance-Verbesserungen, da sie aktuell wohl für viele Spieler kaum flüssig spielbar sein dürfte.


22
Okt

Mafia 3

Erst vor kurzem ist der Afroamerikaner Lincoln Clay aus dem Vietnamkrieg zurückgekehrt, da muss er auch schon feststellen, dass sein Land es nicht sonderlich für nötig hält, ihm etwas Dank zu zeigen. Tagtäglich ist er mit überall präsentem Rassismus gegen Schwarze konfrontiert und wird mitunter sogar aus diversen Restaurants wegen seiner Hautfarbe geschmissen. Als dann auch noch seine Kumpels von der italienischen Mafia ermordet werden, hat er endgültig die Schnauze voll. Lincoln setzt fortan alles daran, seine Freunde zu rächen und den Mafiaboss Marcano ausfindig zu machen. Doch damit ihm das gelingt, muss er sich zunächst seine Unterbosse schnappen und eines seiner illegalen Geschäfte nach dem anderen übernehmen. Doch während seines blutigen Rachefeldzuges durch die Straßen von New Bordeaux entsteht mit ihm längst eine gänzlich neue Mafia, angetrieben von der Ideologie der Black Power-Bewegung.

Kritik:
Mit neuem Entwicklerteam, einem ebenso neuem Antihelden und einer gänzlich anderen Umgebung geht die beliebte „Mafia“-Reihe nun in die dritte Runde und versucht den Anschluss an die ersten beiden Kultspiele zu gewinnen. Bei einigen Spielern gingen schon bei der ersten Vorstellung des Spiels die Alarmglocken an, verbanden sie die Reihe doch eher mit kantigen italienischen Gangstern und einem gewissen Stil. Dass ausgerechnet ein Afroamerikaner in der US Army-Jacke die Hauptrolle übernommen hat und vor lauter Hass gegen die Mafia und andere Rassisten den Rambo spielt, mag auf den ersten Blick irritierend erscheinen. Dabei hat gerade eine solche Story hervorragendes Potential für ein Open World-Game.

Mafia 3

Die Welt des Rassismus
Und tatsächlich gelingt es „Mafia 3“ eine solch beklemmende Welt einzufangen, in der die Apartheid noch eine wichtige Rolle spielt und die Vorurteile gegenüber Schwarzen stets allgegenwärtig sind. Das merkt man nicht nur daran, dass Lincoln Clay auf Grund der Lebensumstände einen gewissen Hass auf die rassistischen Weißen entwickelt, sondern auch an den vielen Situationen in der offenen Welt. Die Entwickler von Hangar 13 haben es nämlich geschafft, eine detaillierte und authentische Open World-Umgebung zu schaffen, in der der reguläre Alltag stets seinen Lauf nimmt. Da braucht Lincoln nur in gewissen Gegenden über die Straße zu laufen und bekommt mitunter von seinen weißen Passanten bereits dumme Kommentare zugeworfen. In manchen Restaurants sind Farbige unterdessen nicht erwünscht und der Wirt reagiert dementsprechend aggressiv und herablassend auf sein Erscheinen, verweigert verbal sogar die Bedienung. Und wenn sich ein Polizist über Schwarze herzieht, was wahrlich keine Seltenheit ist, stimmt der Radiomoderator diesem voller Gelächter wie selbstverständlich zu.

Mafia 3

Inhalte ohne Funktion
Und gerade an diesen Stellen kommt bei uns besonders viel Verwunderung auf, wenn wir doch sehen, welch lebendige Welt die Entwickler hier geschaffen haben und sie doch nicht bis zum Ende ausführen. So gibt es tatsächlich fast an jeder Ecke betretbare Geschäfte, Restaurants, Bars, Tankstellen und sogar Casinos. An den Tischen sitzen Kunden und genießen ihr Essen, Servicekräfte laufen durch die Lokale und servieren die Bestellungen auch Kellner oder Wirte sind überall zu finden. Und doch haben wir im gesamten Spiel nicht ein einziges Lokal gefunden, in dem wir tatsächlich mit den Mitarbeitern hätten interagieren können. Da baut man etliche Restaurants ein und Lincoln kann trotzdem nirgendwo etwas zu Essen bestellen. Dass manche Restaurantbetreiber lautstark äußern, Schwarze seien nicht erwünscht, ist dann schon beinahe völlig egal, wenn wir ohnehin nirgends etwas bestellen können. Dabei wäre doch der Aufwand sicherlich nicht so groß gewesen, echte Bestellungen und damit einhergehende potentielle Auseinandersetzungen einzubauen. Dasselbe übrigens bei Straßenhändlern: Ob Hähnchenbude oder Kiosk – eine Funktion zum Interagieren besteht nirgendwo.

Mafia 3

Abwechslung in der Stadt
Einen wirklichen Anreiz, einfach mal durch die Stadt zu schlendern und irgendwelche spaßigen Dinge zu tun, gibt es somit also nicht. Minispiele suchen wir letztendlich sogar ebenso vergeblich, obwohl Casinos mitsamt Roulettetischen vorhanden wären. Ohne große Umschweife stürzen wir uns also auf die jeweiligen Missionen, obwohl die Stadt ansonsten sehr abwechslungsreich gestaltet wurde und viel zu entdecken bietet. Nirgendwo in der durchaus großen Stadt entsteht dabei ein Wiederverwertungseffekt und jeder einzelne Stadtbezirk sieht vollkommen unterschiedlich aus. Von der Innenstadt mit seinen vielen Geschäfte, über die heruntergekommenen Gegenden des Hollow, bis hin zu den eher grünen Plantagen im Bayou hätte man eigentlich allen Grund, sich die Gegend einmal anzuschauen. Wenn es denn irgendetwas zu sehen gäbe.

Mafia 3

Nichts Neues in New Bordeaux
Um genau diese Bezirke geht es derweil übrigens, denn um den großen Gangsterboss herauszulocken, müssen wir zunächst einen Bezirk nach dem anderen unter unsere Kontrolle bringen. Und das läuft stets nach demselben Muster ab. In jedem einzelnen Bezirk finden wir einen Unterboss, nach dessen Erledigung wir den Bezirk übernehmen und an einen unserer drei aktiven Verbündeten delegieren können. Damit das klappt, sind aber zunächst einige Nebenmissionen nötig. Zuerst müssen wir Informanten befragen, Zielpersonen ermorden oder Gegenstände stehlen, bis wir eine bestimmte vorgegebene Schadenssumme erreicht haben. Danach konfrontieren wir den Capo des jeweiligen Geschäfts im Kampf und wiederholen dieselbe Prozedur beim nächsten illegalen Geschäft. Solange, bis wir alle Geschäfte des jeweiligen Bezirkes übernommen haben und den Unterboss bekämpfen. Und wer denkt, danach käme Abwechslung hat sich getäuscht: Ist der eine Unterboss erledigt, kommt dasselbe Prozedere im nächsten Bezirk an die Reihe. Solange, bis wir Marcanos Verwandte und anschließend ihn selbst ermorden können. Auf Dauer nicht sonderlich abwechslungsreich.

Mafia 3

Tiefgründige Rassismusstory
Dabei ist das geradezu schade, denn die eigentliche Rahmenhandlung hätte genügend Potential geboten, auch interessante Missionen zu bieten. Nach jedem erledigten Unterboss und Capo erwarten uns schließlich einige Storyschnipsel, die uns im dokumentarischen Stil innerhalb von Zwischensequenzen präsentiert werden. Da sprechen wir hier mal mit unserem besten Freund, einem Pfarrer, an anderer Stelle mit einem korrupten CIA-Agenten und bekommen gelegentlich sogar einen Einblick in die Klu-Klux-Klan oder den illegalen Machenschaften der italienischen Mafia. Und zwischendurch sammeln wir wertvolle Verbündete, die für uns die jeweiligen Bezirke kontrollieren und uns mit wichtigen Dingen versorgen. Darunter Waffen, Geldlagerungen, Polizeibestechungen, Autolieferungen und ähnlichen mehr oder weniger sinnvollen Sachen. Schade ist gerade deshalb, dass wir fast nie gemeinsame Missionen mit unseren Verbündeten absolvieren und auf dieser spannenden Story bei den Missionen überhaupt nicht aufgebaut wird. Mit Ausnahme einer einzigen, etwas an „Hitman“ erinnernden Mission, bei der wir als Servicekraft im Anzug eine Trauerfeier unterwandern.

Mafia 3

GTA trifft Hitman
Das Gameplay gestaltet sich demnach also auch nicht besonders abwechslungsreich, da wir stets die Wahl haben, ob wir im offenen Kampf oder im schleichenden Stealth-Modus unsere Ziele erfüllen. Prinzipiell bietet sich dabei eher letzteres an, was vor allem die entsprechenden Genre-Fans begeistern dürfte. Hauptsächlich schleichen wir uns dabei durch die jeweiligen feindlichen Zonen, huschen von einer Deckung zur nächsten und schalten die Gegner mit einem Messer von hinten aus. Das klappt auch ganz gut, da wir diese mit einem Pfiff mitunter sogar anlocken können. Abgesehen von einigen gelegentlichen Bugs, bei denen Gegner auch schonmal durch Wände schauen können, ist das aber nicht wirklich schwierig und kann mit anderen Genrevertretern kaum mithalten. Da das Feature des Kleidungswechsels ebenfalls nicht zur Verfügung steht, können wir eine unentdeckte Infiltration durch Verkleidung also auch – anders als bei „Hitman – nicht taktisch einsetzen. Und fehlende technische Gadgets, wie wir sie etwa aus „Splinter Cell“ kennen, verhindern einen allzu hohen Anspruch beim Stealth-Gaming.

Mafia 3

Dumm wie Stroh
Schade ist dann unterdessen, dass nicht wenigstens die KI der Gegner für Herausforderungen sorgt. So verhalten sich vor allem gegnerische Personen insgesamt sehr idiotisch und können mit einfachen Mitteln ausgetrickst werden. Haben diese uns einmal gesehen, passen sie sich beispielsweise nicht an unseren Weg an, sondern laufen ganz vorgegebene Routen ab. Für uns ein Leichtes, sich entsprechend zu verstecken und den Gegner auszuschalten, obwohl er eigentlich wissen müsste, wo wir uns befinden. Anders hingegen im Kampf: Hier gelingt es den Gegnern offenbar auch durch Wände hindurch sofort zu wissen, wo wir uns aufhalten und aus allen Richtungen direkt auf uns zuzulaufen. Nicht immer ganz fair. Schaffen wir es dann jedoch, solange auszuharren, bis die Gegner ihren Kampfmodus beenden, gehen diese wieder ihre vorgegebenen Routen. Mit einer intelligenten oder gar zeitgemäßen KI hat dieses Verhalten jedenfalls recht wenig zu tun.

Mafia 3

Schießwütige Polizisten
Nicht viel anders sieht das dann übrigens bei den Polizisten aus. Obwohl wir uns in ihrer Sichtweite befinden, können wir nahezu jedes Verbrechen begehen, das uns beliebt, ohne dass dies negative Konsequenzen hätte oder die Cops tatsächlich aktiv werden lässt. Raserei in der Innenstadt, Autounfälle, Fahren über Rot und andere Delikte werden zu keiner Zeit geahndet, obwohl die Polizei direkt daneben steht. Erst wenn ein Passant eine Straftat beobachtet und die Cops ruft, werden diese aktiv und beginnen, nach uns zu suchen. Einzige Ausnahme: Wird die Polizei direkter Zeuge eines Mordes, beginnen die Aktivitäten sofort. Dann allerdings zeigen diese sich ebenso radikal rassistisch, denn als schwarzen Afroamerikaner eröffnen sie bei einer Fahndung direkt das Feuer und versuchen erst gar nicht, die Zielperson festzunehmen. Ob das einfach nur einer schlechten künstlichen Intelligenz geschuldet ist oder tatsächlich bewusst die ausufernde Polizeigewalt gegenüber Schwarzen hervorheben soll, darüber lässt sich allerdings leider nur spekulieren.

Mafia 3

Menschen von nebenan
Da sind wir fast schon froh, dass sich die normalen Bürger der Stadt ein wenig glaubwürdiger verhalten und auch auf unsere Verbrechen etwas realistischer reagieren. Raserei mit dem Auto ignorieren sie zwar trotzdem, aber ein Diebstahl oder Gewaltakt wird hier ausnahmsweise nicht einfach so ignoriert. Dank dem hohen Vorkommen von Telefonzellen zögern die Passanten bei der Beobachtung eines Verbrechens jedenfalls nicht lange, die Cops zu rufen. Kurios war dabei allerdings mitunter, dass sowohl Passanten, als auch Polizisten die Straftaten der weißen Mafia gerne einmal großzügig übersehen. Aber auch das trägt womöglich dazu bei, dass der US-amerikanische allgegenwärtige Alltagsrassismus der 60er Jahre noch ein bisschen intensiver deutlich wird.

Mafia 3

Echtes 60er Jahre Feeling
Apropos 60er Jahre: Nicht nur optisch und durch das Verhalten der Menschen fühlen wir uns schnell in die damalige Zeit zurückversetzt, sondern auch durch den hervorragenden Soundtrack. Die Entwickler von Hangar13 haben es sich schließlich nicht nehmen lassen, hundert der besten Tracks des damaligen Jahrzehnts zu lizenzieren und praktisch in der Dauerschleife laufen zu lassen. Dank Autoradio haben wir auch stets die Möglichkeit, in den Genuss der alten Songs zu kommen. Kult-Hits von Creedance Clearwater Revival, Johnny Cash oder den Rolling Stones warten nur darauf, von uns geradezu „gesuchtet“ zu werden. Denn man muss schon ehrlich sein: Trotz unterschwellig rassistischer Radiosendungen wie „Native Son“ erwischen wir uns doch immer wieder dabei, wie wir vor der nächsten Mission einfach ein paar Minuten länger im Auto sitzen bleiben, um den aktuellen Song noch zu Ende hören zu können. Übrigens: Das ist nicht der einzige Punkt, den die Entwickler soundtechnisch richtig machen, denn sowohl die englische, als auch die deutsche Vertonung sind durchweg gelungen. Im englischen dürfen wir uns dabei sogar über die Stimme von „Star Trek: Voyager“-Star Tim Russ freuen.

Mafia 3

Technische Mängel
Am Ende sind es dann vor allem die technischen Mängel der PC-Version, die das Spielerlebnis noch ein wenig trüben – und das, obwohl kurz nach dem Release bereits ein 1,3 GB großer Patch erschienen ist, der immerhin die Framerate-Begrenzung entfernt und das Wetterverhalten optimiert hat. Doch auch danach müssen wir uns gelegentlich noch mit einigen fehlerhaften und flackernden Texturen herumschlagen, wundern uns über teils mysteriöse Clippingfehler (z.b. wenn das Auto in der Straße versinkt) oder ärgern uns über diverse Abstürze, bei denen das Spiel ohne jegliche Fehlermeldung einfach beendet wird. Das kommt zwar nicht in einer Häufigkeit vor, dass es allzu sehr stört, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack angesichts der herausragenden und größtenteils fehlerfreien Vorgänger. Ganz zu schweigen von diversen anderen kleinen Bugs, wie etwa gelegentlich keine Granaten kaufen oder die nächste Tür öffnen zu können, oder einer manchmal etwas unscharf erscheinenden, zu lichtdurchfluteten Grafik.

Fazit:
Mitten in den rassistischen 60er Jahren von Amerika helfen wir einem aufsteigenden Afroamerikaner bei einem Rachefeldzug gegen die italienische Mafia und bauen langsam mit interessanten Charakteren ein eigenes Imperium auf. Durch das generische Missionsdesign, zahlreiche technische Bugs und vieler nicht zu Ende geführter Features bleibt „Mafia 3“ allerdings qualitativ deutlich hinter den Vorgängern zurück.

Mafia 3 Wertung


29
Sep

Fernbus Simulator

Das Fernbusgeschäft war einst hart umkämpft. Verschiedene große Unternehmen, darunter MeinFernbus und Postbus standen in Konkurrenz zu Flixbus, die sich schnell als Marktführer etablieren konnten. Nach der Liberalisierung des Fernverkehrs hat auch der Hype nicht lange auf sich gewartet. Die Branche hat geboomt und zahlreiche Fahrgäste sind wegen der günstigen Preise auf die modernen Reisebusse umgestiegen. Nun allerdings sind die meisten Konkurrenzunternehmen aus dem Weg geräumt und beinahe ein Monopol im Fernbusmarkt entstanden. Flixbus wird in Kürze fast als einziger Anbieter noch übrig sein. Und nun haben wir tatsächlich die Möglichkeit, selbst in den Beruf des Busfahrers zu schlüpfen und einen dieser hübschen grünen Busse über die Autobahnen des Landes zu fahren. Denn der „Fernbus Simulator“ ist letztendlich nichts anderes als ein „Flixbus Simulator“.

Kritik:
Man könnte den „Simulator“ daher wohl durchaus auch fast als Werbespiel bezeichnen, würden nicht knapp dreißig Euro für das Spiel berappt werden müssen. Unter diesen Umständen nämlich würden Simulationsfans dann doch etwas mehr erwarten, als lediglich Marketing für den größten Fernbusanbieter. Fraglich ist allerdings, ob sie das auch bekommen, denn beim „Euro Truck Simulator“, der das Genre fast als einziges qualitativ beherrscht, wollte man sich wohl nicht allzu viel abschauen.

Fernbus Simulator

Flixbus ist müde
Unterm Strich ist der „Fernbus Simulator“ nämlich nichts als ein großes Desaster, um nicht gar zu sagen, ein „Bug-Fest“. Nicht einmal die wesentlichen Basics einer Fahrsimulation wurden tatsächlich ordentlich umgesetzt, was mitunter auch dazu führt, dass sich selbst die Fahrphysik des Busses mitunter überaus merkwürdig verhält. Ein gekonntes Fahren um die Kurve etwa ist kaum möglich, wenn sich das Fahrzeug bei jeder Bewegung des Lenkrads fast wie ein Motorrad in die Kurven legt und die meist nervigen Fahrgäste sich sofort über das „Lenkfehlverhalten“ beschweren. In den Optionen lässt sich die Neigungssensibilität zwar senken, doch selbst die niedrigste Stufe stellt dabei noch eine seltsame Definition von „niedrig“ dar. Dass der Bus nicht umkippt, wie die Passagiere wohl zurecht befürchten, grenzt an ein Wunder. Die Steuerung ist somit eine echte Katastrophe. Selbst wenn es offiziell einen Gamepad- und Lenkradsupport gibt, bei dem wir leider nicht herausfinden konnten, wie dieser funktioniert. Unser Logitech Dual Action verweigerte jedenfalls partout seinen Dienst in diesem Spiel.

Fernbus Simulator

Haare des Grauens
Dabei ist das noch längst nicht die Spitze des Eisbergs an Kuriositäten, die uns der „Fernbus Simulator“ hier vorsetzt. Zu Beginn des Spiels starten wir nämlich als Fußgänger direkt vor unserem Bus und müssen diesen zunächst einmal betreten, starten und die Türen schließen. Doch den Bus nicht einmal betreten, werden wir bereits auf einen merkwürdigen Grafikfehler aufmerksam. Zumindest dachten wir das, konnten wir uns die seltsamen Grafikartefakte am Himmel zunächst nicht anders erklären. Das was hier allerdings aussieht wie ein falsch positionierter Schatten des fünf Meter hinter uns stehenden Baumes, stellt sich schon bald als – und jetzt kommt’s – die Haare unseres Busfahrers heraus, die wir von unten begutachten können. Besonders ekelhaft wird es allerdings, wenn wir während dem Fortbewegen nicht nach oben, sondern nach unten schauen. Dort starren wir nämlich – igitt – direkt auf den Unterkiefer unserer Spielfigur und dürfen statt Busfahrer einmal Zahnarzt spielen. Warum wir beim Blick nach oben allerdings ausschließlich Haare sehen, nicht jedoch das Gehirn des Busfahrers, wollten wir an dieser Stelle lieber nicht herausfinden – können es uns angesichts der restlichen Qualität des Spiels allerdings denken.

Fernbus Simulator

Faszination Trash
Dass solche Spiele dann aber dennoch einen durchaus respektablen Absatz finden, kann wohl kaum an der Qualität des Produktes liegen. Es lässt sich wohl nur durch dieselbe Faszination begründen, wegen der manche Zuschauer sich auch Filme wie „Sharknado“ anschauen. Den größten Unterhaltungswert hat hier jedenfalls nicht das Busfahren, sondern eher das Entdecken von Bugs und Kuriositäten – und davon finden wir hier reichlich. So verhält sich vor allem die KI der anderen Fahrzeuge mitunter sehr merkwürdig und ein wenig lebensmüde. So manches Mal haben wir auf der entgegenkommenden Fahrbahn einen Lastwagen mitten auf der Strecke grundlos nach rechts abbiegen sehen, bis er direkt in parkende Autos fuhr. Gänzlich ohne Vorankündigung und ohne erkennbaren Grund. An anderer Stelle schweben Lastwagen einfach in der Luft herum, oder die Türen des Busses lassen sich nicht mehr öffnen. Wir können also unseren eigenen Bus selbst als Fahrer nicht mehr verlassen. Und damit haben wir wohl noch nicht einmal alle offensichtlichen Bugs angesprochen.

Fernbus Simulator

Geisterland Deutschland
Da erscheint die gänzliche Abwesenheit von Fußgängern im gesamten Land geradezu vernachlässigbar. Obwohl eine entsprechende Bewertung im Endergebnis nach unserer Fahrt auftaucht (so gibt es Abzüge für gefährdete Passanten), haben wir keinen einzigen Passant auf der Strecke sehen können. Nicht einmal vor großen Bahnhöfen wie Köln, Frankfurt, Berlin und vielen anderen lassen sich irgendwelche Fußgänger ausmachen. Lediglich unsere eigenen Fahrgäste an den Flixbus-Haltestellen tauchen immerhin auf, um sich dann einzuchecken und sich in den Bus teleportieren zu lassen. Und selbst da haben es die Entwickler offenbar nicht geschafft, für genügend Abwechslung zu sorgen. Gefühlt gibt es ein und dieselbe Person in zigfacher Ausführung, die als Doppelgänger vor der Tür unseres Busses steht. Spätestens an dieser Stelle fragt man sich, ob der „Fernbus Simulator“ einfach nur unfertig oder lieblos hingeklatscht ist. Dass es sich hierbei wohl um das schlechteste Spiel des Jahres handeln mag, lässt sich kaum verleugnen. Dagegen ist selbst der Landwirtschaftssimulator ein Qualitätsprodukt.

Fernbus Simulator

Der unkaputtbare Bus
Eigentlich wollte ich ja an dieser Stelle nun endlich mal etwas Positives erwähnen, stelle aber fest, mit den negativen Punkten dieses Spiels längst nicht am Ende zu sein. So gibt es uns etwa Rätsel auf, wieso der gesamte Bus über keinerlei Schadensmodell verfügt und selbst nach einem Überschlag noch in einwandfreiem Zustand ist, die Türen aber trotzdem gelegentlich nicht funktionieren wollen. Dieses Schadensmodell fehlt unterdessen aber natürlich auch bei allen anderen Fahrzeugen, die nach einem Unfall einfach weiterfahren, als wäre nie etwas gewesen. Lediglich eine kleine, nicht wirklich nennenswerte Abwertung im Endergebnis haben wir zu befürchten. Aber angesichts dessen, dass die Missachtung von roten Ampeln und etlicher anderer Verkehrsregeln keinerlei Folgen hat, spielt das kaum mehr eine Rolle. Und selbst der Fahrplan ist derartig großzügig gestaltet, dass wir nicht einmal unter Zeitdruck stehen oder irgendeine Spannung entstehen könnte. Bei einer Route mit mehreren Haltestellen, sind wir zwangsläufig früher oder später mehr als zwei Stunden zu früh. Hach, würden doch bloß die echten Flixbusse so schnell fahren. Andererseits: In diesen Bus hier möchte wohl auch niemand steigen.

Fernbus Simulator

Keine Konkurrenz
Apropos Busse: Besonders große Vielfalt gibt es derweil auch nicht, denn im „Fernbus Simulator“ können wir lediglich zwei Busse von Flixbus fahren. Darunter einen mit zwei und einen mit drei Achsen. Faszinierend. Selbst auf den in der Realität auftauchenden Doppeldecker-Bus von Flixbus (mit dem ich übrigens selbst bereits gefahren bin), müssen wir hier verzichten. Aber immerhin können wir zwischen der neuen „Flixbus“-Lackierung und der alten „MeinFernbus / Flixbus“-Lackierung wählen. Noch nie sind wir mit derartig umfangreichen Features so überfordert worden. Dabei macht es der „Euro Truck Simulator 2“ eigentlich seit Jahren vor, wie es richtig geht: Ein umfangreicher Fuhrpark, Tuningmöglichkeiten und gar ein eigenes Unternehmen, welches wir von Beginn an aufbauen können. In diesem „Simulator“ ist davon allerdings gänzlich Fehlanzeige. So wie Flixbus auch in der Realität fast ein Monopol besitzt, ist jenes Monopol in diesem Spiel wohl längst vollendet. Wobei: Es gibt ja nicht einmal andere Flixbusse, die uns auf der Autobahn entgegen kommen.

Fernbus Simulator

Jegliches Potential verschenkt
Dabei ist es geradezu schade, das Spiel so derartig zu verhunzen, wenn man sich dann den Bus selbst einmal im Detail anschaut. Und damit kommen wir zu einem der wenigen positiven Punkten: Die Simulation des Busses selbst ist nämlich ansonsten recht detailreich gelungen. Jede Tür und jede Gepäckluke lässt sich – im Normalfall – öffnen, die WLAN- und Toilettenfreigabe funktioniert, die Klimaanlage lässt sich manuell bedienen und selbst die typische Flixbusansage, die wir aus den realen Bussen kennen, lässt sich starten und wurde fehlerfrei implementiert. Und auch an der Haltestelle setzt sich diese gute Umsetzung fort: Das Ticketsystem wurde dem Original nachempfunden und wir können die einzelnen Fahrgäste mit unserem Smartphone einchecken, in dem wir ihre Tickets auf Papier oder dem Handydisplay einscannen. Schade, dass man sich beim gesamten Rest dann wiederum keinerlei Mühe gegeben hat. Gute Werbung für Flixbus ist dieses Spiel jedenfalls nicht. Nach diesem „Abenteuer“ möchte man das Fahren mit dem Fernbus nämlich eher meiden.

Fazit:
Abgesehen von einem detailliert umgesetzten Bus und einem sauber implementierten Ticketsystem, grenzt der „Fernbus Simulator“ mit seiner ansonsten extrem schlampigen Arbeit an eine Beleidigung gegenüber den zahlenden Kunden. Nach diesem Spiel möchte wohl kaum jemand mehr mit dem Fernbus fahren.

Fernbus Simulator Wertung