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18
Dez

Wolfenstein 2: The New Colossus

Der knallharte Widerstandskämpfer William J. Blazkowicz hat in den vergangenen Jahren schon reichlich schlechte Erfahrungen mit dem Nazi-Regime machen dürfen. Nun steht er in Gefangenschaft vor einer folgenschweren Entscheidung: Er muss darüber entscheiden, welcher seiner Freunde von den Soldaten ermordet wird. Doch dabei wird er es natürlich nicht belassen. Mit roher Waffengewalt kämpft sich B.J. seinen Weg aus der Gefangenschaft frei, um sich erneut der Widerstandsbewegung anzuschließen. Denn der Tod seines Freundes soll nicht umsonst gewesen sein und seine Kinder sollen zukünftig nicht in einem faschistischen Staat aufwachsen müssen. Dumm nur, dass er körperlich stark angeschlagen ist und seine Leber kurz davor ist, gänzlich zu versagen. Und auch seine Erzfeindin Frau Engel ist ihm noch immer auf den Fersen. Trotzdem liegt es in seiner Hand, die Menschheit vom Nazi-Regime zu befreien, das auch im Jahre 1961 noch die Welt tyrannisiert…

Kritik:
Was wäre, wenn die Nazis einst den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten und mit moderner Technologie noch immer die Menschheit in Angst und Schrecken versetzen würden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die „Wolfenstein“-Reihe traditionell – und setzt dabei auf satirisch überzeichnete Charaktere und teils skurrile Handlungen. Mit „The New Colossus“ ist nun der neueste Teil der Reihe erschienen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

German Angst
Angesichts dieser Hintergrundgeschichte des Spiels, erscheint es geradezu absurd, dass man die hierzulande erhältliche Version entschärft hat. Nicht etwa bei den teils tatsächlich sehr drastischen Gewaltdarstellungen – die zeigt man völlig ungeschnitten – sondern bei der Symbolik, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem Dritten Reich steht. Absurd ist das deshalb, weil praktisch alles in diesem Spiel an das Nazi-Regime erinnert – die roten Armbinden der Soldaten, der zugespitzte Reinheitskult der Faschisten, bis hin zu so manch kruden Phantasien, welche die Nazis einst tatsächlich hegten. Dann aber ausgerechnet Hitler in „Herrn Heiler“ umzubenennen und ihm den Bart abzurasieren, obwohl man ihn ohne Zweifel trotzdem erkennt, grenzt schon ein wenig an Albernheit. Und zeugt letztendlich von vorauseilendem Gehorsam, um eine Indizierung von vornherein gar nicht erst zu riskieren.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Schwere Kindheit
Das wird vor allem dann albern, wenn „Wolfenstein 2“ sogar tatsächlich kontroverse Szenen zeigt, die zugleich aber zu den Stärken des Spiels gehören. Etwa dann, wenn ein Wehrmachtssoldat in einem American Diner von seiner menschlichen Seite gezeigt wird und freundlich einem Kind gegenübertritt, ehe er eine Erdbeermilch bestellt und damit so manchen netzaffinen Nerd prompt zum Lachen bringt. Kontroversen, Humor und Ernsthaftigkeit liegen bei diesem Spiel also nah beieinander. Obwohl es sich um einen Ego-Shooter handelt, der gelegentlich auch mal zu einer reinen Ballerorgie werden kann, ist Gewalt hier kein Selbstzweck. Die Aufdeckung der Absurditäten der faschistischen Ideologie steht im Mittelpunkt. Man könnte „The New Colossus“ stellenweise sogar als Antikriegsspiel mit linkem Touch bezeichnen. Denn: Widerstand macht Spaß – das vermittelt der Shooter vordergründig.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Kampf den Aluhüten
Und da passt es auch hervorragend, dass es sich „Wolfenstein 2“ nicht nehmen lässt, reichlich Anspielungen an die heutigen Verschwörungstheorien einzubauen. Die Nazis werden dann kurzerhand mit Reptiloiden in Verbindung gebracht und nachdem diese im Vorgänger bereits eine Basis auf der Rückseite des Mondes besaßen, verschlägt es uns dieses Mal gleich direkt auf die Venus, um dort den Machenschaften und Experimenten der Nazis ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Anders gesagt: Hier reiht sich eine auf Aluhutfantasien basierende Absurdität nach der anderen aneinander und „Wolfenstein 2“ wird schnell zu einem Fest für aufgeklärte Menschen. Schade ist an der Stelle dann lediglich, dass der Einblick in die moderne Welt etwas zurückhaltend geblieben ist. Nur selten betreten wir in diesem Spiel die Zivilisation, unterhalten uns mit den normalen Menschen und bekommen einen Einblick in ein Leben im Zeitalter des Faschismus. Stattdessen ballern wir uns überwiegend durch Schlauchlevel mit Beton- und Stahlwänden. Schade, denn spätestens im American Diner sehen wir, welches Erzählpotential hier möglich gewesen wäre.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Starke Momente in Maßen
Generell fällt bei genauerem Hinsehen ohnehin auf, dass die richtig starken Momente, die wir einst in „Wolfenstein: The New Order“ erlebt haben, hier ein wenig rarer gesät sind. Großartige Level wie etwa der Gefängnisausbruch oder das Klettern an einer riesigen Hauswand hinauf, müssen wir leider sehr vermissen. Stattdessen sorgen eher kurze Auftritte von Ober-Nazi Frau Engel für skurrile Momente am Rande des guten Geschmacks. Fest steht: So absurd genial manche Szene hier sein mag, empfiehlt sich trotzdem eine gewisse Ekelresistenz, wenn unsere Erzfeindin einmal mehr ihr Beil schwingt. Statt aber übermäßig auf diese grandiosen Momente zu setzen, sucht „Wolfenstein 2“ seine Stärken eher in der persönlichen Geschichte der Hauptfigur – und in seinen Kindheitserlebnissen mit einem prügelnden und rassistischen Vater. Das ist eindringlich, gestaltet sich aber zu ernsthaft, um an die satirischen Szenen des Vorgängers heran zu kommen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Widerstand kommt brutal
Dazwischen allerdings – und das betrifft einen Großteil der Spielzeit – schlagen wir uns mit brachialer Waffengewalt durch die Nazihorden und bekommen einen schnellen Oldschool-Shooter geboten. Grundsätzlich bietet es sich zwar auch an, schleichend vorzugehen und die Gegner von hinten zu erledigen, um zunächst die Anführer auszuschalten, damit diese keine Verstärkung mehr rufen können – doch eingefleischte Stealth-Action-Fans werden mit „Wolfenstein 2“ sicherlich nicht wirklich glücklich werden. Ein einziges Mal erwischt werden reicht aus, um die Masse der Gegner gegen uns zu richten – und diesen Beschuss werden wir dann auch nicht mehr los. Da helfen nur noch schnelle Stellungswechsel und Frontalangriff. Und mitunter bekommen wir dabei auch auf mittleren Einstellungen bereits einen ordentlichen Schwierigkeitsgrad geboten. Ein Glück, dass wir diesen jederzeit ändern können, ohne den Spielstand neu laden zu müssen. So lässt sich Frust an der ein oder anderen Stelle vermeiden.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Nazis sind dumm
Angesichts dieses durchaus fordernden Schwierigkeitsgrades wundern wir uns dann aber doch über gelegentliche Aussetzer der KI, die sich gelegentlich leicht überlisten lässt. So ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass wir direkt vor einem Gegner standen und dieser trotzdem nur regungslos an derselben Stelle stehen blieb. In anderen Momenten wiederum war es möglich, einfach eine erhöhte Position einzunehmen und fortan vor dem Beschuss des Gegners sicher zu sein. Erstaunlich ist das übrigens deshalb, weil die Gegner – sofern sie keine Aussetzer haben – recht fordernd und intelligent reagieren. Sie nutzen Deckungen, flankieren uns nach Möglichkeit und schrecken auch vor dem Einsatz von Granaten nicht zurück. Kurz gesagt: Meistens setzen sie uns massiv unter Druck und lassen keine Verschnaufpausen. Da entsteht dann auch recht schnell viel Tempo innerhalb der Kämpfe.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Hoch die Beine
Im späteren Spielverlauf bekommen wir dann nicht nur interessantere und größere Waffen, sondern auch neue Modifikationen und Fähigkeiten. So können wir beispielsweise über drei verschiedene „Körperverbesserungen“ wählen, die uns wahlweise mehr Kraft verleihen oder etwa auf Stelzen laufen lassen, um erhöhte Positionen leichter erreichen zu können. Wenn wir dadurch alternative Wege nutzen können oder ganz andere Taktiken gegen unsere Gegner anwenden dürfen, bekommen die Auseinandersetzungen eine gänzlich neue Dynamik, die schnell Spaß macht. Da ist es fast schade, dass diese Möglichkeiten erst etwa zur Mitte des Spiels erscheinen und wir nicht weitaus früher über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Apropos Fähigkeiten: Natürlich kommt „Wolfenstein 2“ auch mit einem echten Fähigkeitenbaum. Erfahrungspunkte gibt es dafür allerdings nicht, denn auf Rollenspielelemente möchte man zugunsten des Oldschool-Feelings verzichten. Stattdessen sind die Fähigkeiten von unseren Handlungen abhängig: Töten wir unsere Gegner also häufig von hinten, erhalten wir verbesserte Fähigkeiten in eben diesem Kampfstil. So formen wir nach und nach einen individuellen Charakter, der durch unseren eigenen Spielstil geprägt wird. Wie im realen Leben eben.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Chroniken der Freiheit
Hat man dann anschließend noch nicht genug vom Kampf gegen die Nazis, setzt sich „Wolfenstein 2“ auch nach der Hauptstory noch fort. Dann allerdings nicht mehr mit unserer Hauptfigur B.J., sondern mit drei anderen interessanten Charakteren. Im Episodenformat erhalten Käufer des Season Passes nämlich die dreiteilige Erweiterung „The Freedom Chronicles“, bei der wir in die Rolle eines Widerstandskämpfers schlüpfen, der seine ganz eigene Geschichte erzählt und über ganz eigene Fähigkeiten verfügt. Beginnend mit einem ehemaligen Football-Spieler können wir dann beispielsweise durch brüchige Wände rammen oder unsere Gegner über den Haufen rennen. In einer der späteren Episoden schlüpfen wir dann wiederum in die Rolle einer Agentin, die durch winzige Luftschächte kriechen kann und eher verdeckt vorgeht. Da kommen dann auch die Stealth-Fans ein bisschen mehr auf ihre Kosten.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Attentate ohne Reiz
Apropos Stealth: Ein bisschen könnte man seine verdeckten Fähigkeiten auch bei den diversen Attentatsmissionen austesten, die wir durch bei Kommandanten eingesammelte Lochkarten freischalten können und die in erster Linie als Nebenmissionen dienen, um zusätzliche Ausrüstung zu erhalten. Dann nämlich begeben wir uns in bereits bekannte Level und müssen dort ein vorgegebenes Ziel eliminieren. Optimalerweise könnten wir dabei versuchen, unentdeckt an den normalen „Fußtruppen“ vorbei zu kommen und auf direktem Wege den Kommandanten zu erledigen, ohne auch nur einmal den Alarm auszulösen. Schade ist dann nur, dass sich der Reiz an diesen Nebenmissionen stark in Grenzen hält, weil sie schlicht nichts zur Story beitragen und keine neuen Locations hinzukommen. So hat man nach drei bis vier dieser Missionen allmählich genug gesehen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Fehler im Regime
Abschließend muss man sagen, dass „Wolfenstein 2“ insgesamt eigentlich ein herausragendes Spiel wäre, würde der Spielspaß nicht bei einigen Käufern durch zahlreiche Bugs und Fehler getrübt. Auch im Test mussten wir immer wieder feststellen, dass es stellenweise zu schwerwiegenden Grafikfehlern kam, wenn wir die „Bild-Streaming“-Option auf ultra gestellt haben. Plötzlich waren ganze Level kaum mehr zu erkennen oder Haare von Charakteren bildeten riesige Balken. Viele andere Spieler wiederum berichten von Abstürzen und Fehlermeldungen, die das Spiel mitunter unspielbar machen. Wir wiederum stießen auf diese Fehlermeldungen lediglich beim Schließen des Spiels – warum auch immer. Aus diesem Grund empfehlen wir vor dem Kauf einen Test der Demo-Version, um sicherzugehen, dass es auf dem eigenen Rechner zu keinerlei Problemen kommt. Mit etwas Glück werden die Bugs aber auch mit zukünftigen Patches schon bald behoben.

Fazit:
Obwohl „Wolfenstein 2“ stellenweise nicht an die Stärken des Vorgängers heran kommt, liefern die Entwickler wieder einen überaus spaßigen Oldschool-Shooter, der mit seinen satirisch überzeichneten Charakteren auf jeden Fall einige starke Momente zu bieten hat.

Wolfenstein 2: The New Colossus Wertung


15
Dez

Train Sim World: Rapid Transit

Eine der wohl geschäftigsten und wichtigsten S-Bahn-Strecken Deutschlands dürfte die Route zwischen Leipzig und Dessau sein. In der Rolle eines Lokführers der S-Bahn Mitteldeutschland müssen auch wir dabei feststellen, dass die interessante Strecke keineswegs immer nur einfach zu fahren ist. Auf der unterirdischen Stammstrecke unterhalb der Leipziger Innenstadt sind die Entfernungen derartig kurz, dass exaktes Bremsen durchaus zu einer Herausforderung sein kann – ehe es anschließend bergauf in Richtung Norden in die Tiefen der ehemaligen DDR geht. Doch dank des modernen Talent 2-Triebwagens, der von seinen Liebhabern gerne auch „Hamsterbacke“ genannt wird, sollte selbst die schwierigste Herausforderung zu meistern sein.

Kritik:
Die modernste und aktuellste Eisenbahnsimulation unter dem Titel „Train Sim World“ dürfte wohl eine der grafisch aufwändigsten Simulationsspiele auf dem gesamten Spielemarkt sein. Erst im Frühjahr dieses Jahres mit einer amerikanischen Route erschienen, dürfen wir uns mit „Rapid Transit“ nun erstmals auf eine deutsche Strecke wagen und unser Können im reinen Passagierverkehr unter Beweis stellen. Einmal mehr bietet sich mit der neuesten Route allerdings nur die übliche Streckenlänge. Mehr als die üblichen sechzig Kilometer Strecke sollte man bei diesem Addon also ebenfalls nicht erwarten. Eine komplette Linienführung ist damit nicht unbedingt möglich – aber dennoch der wohl realistischste Einblick in die Fahrzeuge der Deutschen Bahn, den wir je gesehen haben.

Train Sim World: Rapid Transit

Eine echte Simulation
Im Mittelpunkt des neuen „Rapid Transit“ dürfte neben der deutschen Strecke, vor allem auch der Triebwagen der Baureihe 1442 stehen, der unter Kennern auch schlicht „Talent 2“ genannt wird. Und wer nach dem klassischen Train Simulator nun erstmals auf Train Sim World umsteigt, wird aus dem Staunen wohl so schnell nicht mehr herauskommen: Die Grafik gestaltet sich nämlich derartig realistisch, dass nicht mehr viel fehlen würde, um den Zug kaum noch von einem realen Foto unterscheiden zu können. Das fängt bei kleinen Details wie den Spiegelungen auf dem Außenblech an und setzt sich sogar bis hin zur animierten Einstiegsrampe fort. Jede Kleinigkeit in und am Talent 2 passt perfekt und entspricht nahezu exakt der Realität. Umso erfreulicher dann, dass auch die Technik des Zuges – bis auf einzelne Kleinigkeiten wie die Haltestellenansage – funktionsfähig simuliert wurde. Da vermisst man am Ende wohl nur noch den Zielanzeiger, wenn wir ansonsten fast den Eindruck haben, in einem echten Zug der Deutschen Bahn zu sitzen.

Train Sim World: Rapid Transit

Hübsches Leipzig
Ebenso gut kann sich natürlich die Strecke ansich sehen lassen, die ziemlich exakt dem realen Vorbild gleicht. Selbst die Säulen und Steine des Leipziger Tiefbahnhofs lassen sich von Fotoaufnahmen mitunter kaum unterscheiden. Gleichzeitig macht die Besiedelung entlang der Strecke einen absolut realistischen Eindruck, sodass wir nicht nur einzelne Häuser wieder erkennen, sondern wirklich der Eindruck erweckt wird, wir befänden uns auf der echten Strecke. Ein Kartenende ist hier jedenfalls bis zum Horizont nicht in Sicht. Kleine zusätzliche Details, wie etwa glaubwürdig aussehende Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn oder niedliche kleine Bahnübergänge machen dabei deutlich, dass die Entwickler sehr viel Detailverliebtheit in ihr neuestes Addon gesteckt haben. Schade, wenn dann wichtige Details im Fahrbetrieb, wie etwa Haltepositionsschilder, leider doch vergessen werden – gerade hier sollte doch das Hauptaugenmerk liegen.

Train Sim World: Rapid Transit

Die einsame Strecke
Problematisch wird bei genauerem Hinsehen aber spätestens die Tatsache, dass ein realistischer Betriebsablauf kaum simuliert werden kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit „Rapid Transit“ lediglich ein einziger Zug – nämlich der Talent 2 – mitgeliefert wird. Auf Regionalbahnen oder gar Güterzüge müssen wir selbst als KI-Verkehr vollständig verzichten. Spätestens an einem der größeren Bahnhöfe außerhalb Leipzigs angelangt, wirkt es doch ganz schön unrealistisch, wenn wir nicht einmal einem klassischen Doppelstockwagen begegnen. Wenn uns ausschließlich Züge entgegen kommen, die exakt so aussehen, wie unser eigener, erscheint das auf lange Sicht nicht sonderlich glaubwürdig. Da hätte man sich zumindest die Mühe machen sollen, noch das ein oder andere zusätzliche Rollmaterial hinzuzufügen – wie immerhin beim alten Train Simulator noch üblich gewesen.

Train Sim World: Rapid Transit

Arbeit ohne Hindernisse
Schade ist dann erst recht, wenn man auch die Szenarien nicht sonderlich interessant gestaltet. Die fünf enthaltenen Aufgaben beschränken sich schließlich komplett darauf, uns einmal von A nach B zu schicken – ohne etwa roten Signalen zu begegnen, unvorhersehbaren Ereignissen oder irgendwelchen anderen Hindernissen. Hier baut man kein spannendes Erlebnis auf, bei dem wir auf Situationen reagieren müssen, sondern wir fahren schlicht bei dauerhaft grünen Signalen über die offene Strecke. Eine Herausforderung für den erfahrenen Eisenbahnfan ist das nun wirklich nicht. Fans des alten Train Simulators könnten hier den Eindruck erhalten, „Train Sim World“ sei lediglich ein Grafikblender, der zwar hübsch aussieht, aber unter der Haube wenig zu bieten hat. Und dabei hat uns das vorherige Addon „Great Western Express“ noch bewiesen, welche Möglichkeiten in diesem Spiel stecken und wie man Szenarien etwas interessanter gestalten kann.

Train Sim World: Rapid Transit

Die kaputte Türe
Dafür orientiert man sich aber ansonsten durchaus an einem gewissen Realismus – allerdings mit dem kleinen Problem, dass das offenbar keineswegs gewollt ist. Wie bei der Deutschen Bahn auch in der Realität desöfteren vorkommend, funktionieren die Türen des Zuges schließlich nicht richtig. Das passiert allerdings nicht, weil hier ein Defekt glaubwürdig simuliert werden soll, sondern weil es sich schlicht um einen Bug des neuesten Addons handelt, bei dem die Türanimation der hinteren Tür gelegentlich nicht funktioniert. Einmal die Kameraperspektive gewechselt und schon ist selbige Tür dann plötzlich geöffnet. Ein solcher Fehler dürfte wohl auf ähnlichen Problemen basieren, wie wir sie in „Great Western Express“ schon mit den Verzerrungen der entgegenkommenden Züge hatten. Auch an dieser Stelle wird deutlich, dass „Rapid Transit“ leider noch nicht ganz ausgereift ist – obwohl es dennoch einen echten Augenschmaus und ein realitätsnahes Fahrvergnügen bietet.

Fazit:
Schaut man über kleinere Schwächen hinweg, bekommt man mit „Rapid Transit“ nicht nur die erste deutsche Strecke für Train Sim World geboten, sondern zugleich auch ein detailliert simuliertes Fahrerlebnis mit einer beeindruckenden Grafik.

Train Sim World: Rapid Transit Wertung


28
Nov

The Evil Within 2

Nachdem seine Tochter bei einem Hausbrand qualvoll ums Leben kam, hat sich für Detective Sebastian Castellanos alles geändert. Den schweren Verlust verkraftet er auch nach einiger Zeit nur sehr schwer. Das bessert sich unterdessen nicht gerade dadurch, dass er eines Tages von mysteriösen Personen in schwarzen Anzügen aufgesucht wird, die behaupten, seine Tochter sei immer noch am Leben. Sie betreiben nämlich ein geheimes Forschungslabor, in dem es ihnen gelungen ist, eine Maschine zu erschaffen, in der die Psyche eines Menschen in einer virtuellen Umgebung weiter existieren kann. Dummerweise kam es offenbar zu einigen schwerwiegenden technischen Problemen – und es würde seiner Tochter Lily das Leben kosten, würde man sie einfach aus der Maschine entfernen. Für Castellanos bedeutet das: Er muss selbst in die Maschine und die Synapsen seiner Tochter aus der grauenvollen Umgebung befreien. Doch nicht einmal er hätte sich die psychologischen Abgründe vorstellen können, die ihm dort schon bald begegnen würden…

Kunst der Grausamkeiten
Man mag sich schon seit vielen Jahren darüber streiten, ob Videospiele eigentlich wirklich Kunst sein können. Sind allerdings die Erfinder des ersten „Resident Evil“ am Werk, dann beherrschen sie ihr Handwerk zumindest in einer Hinsicht bestens: Wenn es darum geht, möglichst grausame und abstrakte Kreaturen zu erschaffen, die den Spieler in Angst und Schrecken versetzen, sind sie wahre Meister ihres Faches. Dieses Mal setzen sie allerdings nochmal einen drauf und bauen ihre ganz spezielle Auffassung von Kunst geschickt in die Story ein. Geradezu fasziniert und verstört zugleich sind wir von den Kunstwerken der Antagonisten, mit denen wir es in „The Evil Within 2“ zu tun bekommen.

Get Even

Ein mysteriöser exzentrischer Typ, der uns grob an eine gestörte Figur aus irgendeinem Marvel-Comic erinnert, stolziert elegant durch die fiktive Traumwelt, um endlich unfreiwilliges Publikum für seine Werke zu finden. Der Fußboden mit schickem Parkettboden ausgelegt, an den Wänden hängen elegante rote Vorhänge herab und in der Mitte des Raumes entfaltet sich der wahre Schrecken. Ein Mann schwebt in der Luft, sein Kopf wird von einer Pistolenkugel durchbohrt und er scheint eingefroren in der Zeit, um die Schönheit des Todes festzuhalten – wie unser erster Antagonist selbst ausdrückt. So in etwa darf man sich die Inszenierung von „The Evil Within 2“ vorstellen. Doch dabei soll es definitiv noch nicht einmal bleiben.

Get Even

Resident Evil lässt grüßen
Im späteren Verlauf des Spiels erkennt man schließlich recht gut, dass hier tatsächlich die Erfinder des „Resident Evil“-Franchises am Werk sind. Spätestens wenn uns riesige mutierte Monster mit fünf Köpfen und gruselig langen Haaren begegnen, die uns mit einer überdimensionalen Kreissäge als Handersatz verfolgen, ist nämlich schnell klar, dass „The Evil Within 2“ sicherlich kein Spiel für schwache Nerven ist. Das Creature Design dürfte kaum zu übertreffen sein und stellt sogar alles, was wir bisher in den Resident Evil-Filmen gesehen haben, locker in den Schatten. Eine gehörige Portion Brutalität natürlich inklusive. Angesichts der doch recht häufig beeindruckenden Bilder möchten wir doch am liebsten stehenbleiben und einen Screenshot vom Monster machen, als uns auf den eigentlichen Kampf zu konzentrieren. Die Darstellung des Grauens kann schon eine verstörende Faszination auslösen. Und das gelingt „The Evil Within 2“ mit Bravour – über seine gesamte Spielzeit hinweg.

Get Even

Stereotyp mit menschlichen Zügen
Dabei ist das Horror-Adventure längst nicht nur ein einziges Gemetzel, wenngleich es davon auf jeden Fall mehr als genug zu sehen gibt. Der zweite Teil der beliebten Horrorspiel-Reihe versucht nämlich mit psychologischem Tiefgang auf die Dämonen der Hauptfigur einzugehen und dabei zu ergründen, welch schreckliche Vorstellungskraft ein menschliches Wesen im Extremfall entfalten kann. Interessant dabei: Die Hauptfigur ist klassischer Stereotyp und tiefgründiger Charakter in einem. Einerseits abgebrühter Cop, der genauso gut in jedem 80iger Jahre Actionstreifen mitspielen könnte. Andererseits aber auch ein zutiefst menschlicher Charakter, der versucht mit seiner eigenen Verzweiflung umzugehen und seine Emotionen dabei nicht immer unter Kontrolle hat. Damit gelingt „The Evil Within 2“ ein Spagat, der aber auch verdeutlicht, warum das Spiel nur in erwachsene Hände gehört: Es erzeugt Verständnis für Gewalt und Grausamkeiten.

Get Even

Angst vor der Zukunft
Und dabei gelingt es dem Spiel außerdem, mit den Ängsten des Spielers und der Hauptfigur zu spielen. Es ist nicht etwa so, dass wir uns während der eigentlichen Kämpfe unwohl fühlen, oder von den Kreaturen eingeschüchtert werden. Stattdessen steht die Angst vor dem Unbekannten im eigentlichen Mittelpunkt. Die ständige Befürchtung, welche Gefahr wohl hinter der nächsten Tür lauern wird oder welche Spielchen die psychopathischen Antagonisten wohl nach der nächsten Ecke mit uns spielen werden, fesselt und beklemmt zugleich. Es sind Figuren, wie der geistesgestörte „Künstler“, die uns ein Gefühl des Unwohlseins verleihen können und nicht etwa die zombieartigen Gestalten auf den Straßen. Und eines kann man wohl sagen: In Sachen Horror macht ein Spiel wohl alles richtig, wenn wir den Kampf gegen die eigentlichen Monster als Verschnaufpause betrachten.

Get Even

Linear oder doch nicht?
Generell haben die Entwickler aber offenbar ziemlich viel Spaß dabei gehabt, den Spieler in die Irre zu führen und ihn an der Nase herum zu führen. Spielerisch versucht „The Evil Within 2“ nämlich den Spagat zwischen linearer Erzählung und offener Spielwelt. Mit dem kleinen Trick, dass man innerhalb einer Maschine mit virtueller Umgebung die Grenzen der Physik durchaus mal ignorieren kann. Denn so mancher Antagonist ist in der Lage, die Welt nach seinen Vorstellungen zu manipulieren – und den Spieler damit als Spielball in einem Psychospielchen zu missbrauchen. Der Ablauf des Spiels entspricht dabei nicht immer den Grenzen der Logik und hinter der einen Ecke kann plötzlich ein gänzlich anderer Raum stecken, der gar nicht dort sein dürfte. Trotzdem haben wir relativ häufig die Möglichkeit, uns in einer offenen Welt zu bewegen, alternative Wege zu finden oder interessante Gegenstände einzusammeln.

Get Even

Selbst ist der Mann
Apropos Gegenstände: Um den Spieler langfristig am Ball zu halten, stellt das Crafting einen zentrales Spielelement dar. Nicht etwa, weil „The Evil Within 2“ das wirklich gebraucht hätte, denn bereits die Story selbst ist fesselnd genug, dass wir uns genauso gut auch komplett darauf konzentrieren könnten. Aber die Spielmechanik wird durch diese Hilfsmittel durchaus bereichert. Überall in der Welt finden wir Objekte und Rohstoffe, mit denen wir Munition oder Heilmittel herstellen können. Waffenteile sorgen dafür, dass wir unsere Knarren nach Belieben verbessern können und auf ganz interessante Weise sorgt ein eklig ausschauendes grünes Sekret aus den Kadavern der zerlegten Gegnern für die nötigen Erfahrungspunkte, um unsere Fähigkeiten ein bisschen aufzuwerten.

Get Even

Ausbilden der Fähigkeiten
Richtig gelesen: Neben all dem Horror und der Gewalt, hat das Spiel zugleich auch noch ein paar Rollenspielelemente zu bieten. In einem komplexen Fähigkeitenbaum können wir so nämlich unsere Werte für Gesundheit, Heilung, Kampfstärke, Ausdauer und List verbessern und uns dadurch früher oder später gewisse Vorteile verschaffen. Da wir allerdings bis zum Ende des Spiels niemals alle Fähigkeiten voll ausbauen können, gestalten wir so nach und nach einen völlig individuellen Charakter mit eigenen Stärken und Schwächen. Schade ist an der Stelle dann lediglich, dass die Rollenspielelemente – etwa in Form von Quests – nicht allzu intensiv ausgebaut wurden. Hier und da gibt es zwar durchaus Nebenmissionen, die bleiben aber stets sehr überschaubar. Ein echtes Rollenspiel möchte „The Evil Within 2“ also nicht sein und das ist – wie wir finden – auch gut so. So nämlich kann sich das Spiel komplett auf seine Kernelemente konzentrieren.

Get Even

Konfrontation und Versteckspiel
Und die bestehen überwiegend auch aus einer Mischung aus klassischer Stealth-Action und typischen First-Person-Shooter. Auch hier macht das Horror-Adventure vor allem deshalb einiges richtig, weil es dem Spieler oft genug die freie Wahl lässt, wie er vorgehen möchte. Ob versteckt hinter den Deckungen her schleichend und darauf wartend, dass er die Kreaturen still und leise von hinten angreifen kann oder im offenen Kampf mit möglichst voller Waffenkraft. Spannend wird das allerdings dadurch, dass so mancher Spieler geradezu instinktiv zu einer Kombination aus beiden Vorgehensweisen greifen wird und sich damit eine gelungene Spieldynamik ergibt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil eine der wichtigsten Waffen nicht unbedingt eine klassische Schusswaffe ist.

Get Even

Kreatives Bolzenschießen
Denn wenn wir nicht gerade zur Pistole oder zum Schrotgewehr greifen, hat vor allem die Armbrust eine recht zentrale Funktion in diesem Spiel. Mit unterschiedlichen Bolzen können wir so nämlich auch unterschiedliche Gegner bekämpfen und bekommen ein ganz neues Spielgefühl. Hat man diese Waffe möglichst frühzeitig aufgesammelt, liefern Energie-, Explosions-, Rauch- und Kältebolzen eine spannende Abwechslung, die dazu einlädt, möglichst detailliert ausgetestet zu werden. Und tatsächlich: Für unterschiedliche Gegner eignen sich manchmal völlig unterschiedliche Mittel. Kurz gesagt: „The Evil Within 2“ animiert uns gar dazu, die Waffen desöfteren einmal zu wechseln und nicht stur mit derselben Vorgehensweise durch die Kapitel zu schlendern. Auch in dieser Hinsicht macht das Spiel also alles richtig.

Get Even

Gar keine so höllische Technik
Dann freut man sich übrigens umso mehr, wenn ein ohnehin schon so hervorragendes Spiel sein Spielerlebnis zusätzlich auch nochmal mit einer technisch ausgezeichneten Portierung und Programmierung abrundet. Ein derartig performantes und stabiles Spiel haben wir in den vergangenen Jahren tatsächlich nur selten gesehen. Und auch Bugs müsste man über die gesamte Spielzeit hinweg schon sehr intensiv suchen, um überhaupt fündig zu werden. Hier kann man also wahrlich nicht meckern. Zumal auch die Grafik dabei nicht gerade von schlechten Eltern ist und sich durchaus vor aktuellen Referenztiteln nicht verstecken muss. Derartig schöne Monster sieht man also auch nicht alle Tage. Kleiner Tipp am Rande: Ein möglichst hochwertiges Audioequipment kann sich zusätzlich lohnen, damit der geniale und stimmungsvolle Soundtrack ebenso gut zur Geltung kommt, wie die Optik des Spiels.

Fazit:
Mit zahlreichen Überraschungen, einem grandiosen Creature Design und einer künstlerisch fesselnden, geradezu filmreifen Inszenierung liefert „The Evil Within 2“ das vermutlich beste Horror-Adventure des Jahres. Selten hat uns ein Spiel derartig verstört und fasziniert zugleich.

The Evil Within 2 Wertung


03
Okt

Get Even

Ein junges Mädchen sitzt in der Mitte eines Raumes, gefesselt an einen Stuhl. Auf dem Oberkörper trägt sie eine Bombe, dessen Countdown gnadenlos nach unten zählt. Sie ist sicher: „3001 ist der Code, das haben sie vorhin gesagt“. Nur noch 5 Sekunden übrig, du zögerst nicht. Vier Ziffern später die große Explosion. Doch das ist längst nicht das Ende. Kurz darauf finden wir uns in einer mysteriösen Nervenheilanstalt wieder. Auf dem Kopf ein neuartiges Gerät namens „Pandora“. Eine Virtual Reality-Brille, die es ermöglicht, die Erinnerungen möglichst realitätsnah nachzuempfinden. Bisher allerdings noch im experimentellen Stadium, sodass Überlagerungen der Realität nicht ausgeschlossen sind. Jede Gefahr und jede Verletzung in der vermeintlichen Traumwelt, wird vom Gehirn wie eine echte Verletzung verarbeitet. Doch bisher weiß Söldner Black noch gar nicht, wieso er eigentlich an diesem Ort ist. Und erst recht nicht, ob er dem Leiter seiner außergewöhnlichen „Therapie“ vertrauen kann…

Nichts ist real
Man stelle sich vor, eine Virtual Reality-Simulation könnte so real sein, dass wir den Unterschied zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden können. Und neuartige Augmented Reality-Technologen würden uns glauben lassen, die dargestellten Bilder würden in der echten Welt tatsächlich existieren. „Get Even“ geht diese experimentellen Wege und lässt völlig offen, welche der dargestellten Bereiche nun eigentlich der „realen“ Wahrnehmung des Protagonisten entspringt. Oder ist womöglich überhaupt nichts real? Auf faszinierende Weise springt das Spiel dabei zwischen verschiedenen Abschnitten der Erinnerung, die wir hier – ein wenig angelehnt an „Assassins Creed“ – nacherleben können. In Echtzeit können wir beobachten, wie sich das Level verändert und Objekte sich direkt vor uns bilden und so manche Ereignisse stellen sich als Trugbilder heraus. Ein echter Psychothriller, der eine bedrohliche Atmosphäre aufbaut.

Get Even

Blick in eine andere Welt
Dabei ist es in „Get Even“ keineswegs unsere Aufgabe zu meucheln, sondern eher innerhalb der verschiedenen Erinnerungsfetzen wichtige Hinweise und Beweise zu finden, um den genauen Hergang zu entschlüsseln – schließlich wurde unser Erinnerungsvermögen angeblich beschädigt. Dazu spricht ein gewisser Therapeut namens „Red“ aus dem Off oder über Bildschirme zu uns und gibt Anweisungen, wie wir uns in der Traumwelt verhalten sollen, um möglichst viele Indizien ausfindig zu machen. Immer dabei: Unser Smartphone als wichtigstes Werkzeug in der unteren Ecke. Damit können wir nicht nur Nachrichten empfangen und eine Landkarte der Umgebung anzeigen, sondern auch das UV-Licht nutzen, unsere Gegner mittels Wärmebild ausfindig machen und Objekte nach Hinweisen scannen – etwa Fingerabdrücke oder ähnliches. Doch eines sei gesagt: „Get Even“ ist auch kein reiner Krimi, wenn auch die Geschichte an einen solchen erinnert.

Get Even

Experimenteller Genre-Mix
Schnell stellt der Spieler nämlich fest, dass dieses Spiel zahlreiche Genres miteinander vermischt. In manchen Szenen möchte „Get Even“ einfach nur ein klassisches Horror-Adventure sein, bei dem wir uns durch eine düstere gruselige Atmosphäre bewegen und gelegentlich auf mysteriöse Gestalten treffen. Ein anderes Mal entwickelt sich das Spiel zu einem richtigen Krimi, bei dem wir die Umgebung nach Hinweisen und Indizien absuchen müssen, um einen Tathergang zu rekonstruieren. Und in ganz anderen Momenten entwickelt sich „Get Even“ sogar plötzlich zu einem Stealth-Shooter, bei dem wir wahlweise mit unserer Waffe in die Konfrontation gehen können oder versuchen dürfen, uns an den Gegnern vorbei zu schleichen. Dumm ist allerdings: Einmal erwischt, haben wir gar keine andere Wahl mehr, als das Feuer zu erwidern – einfach abwarten, bis der Gegner uns „vergisst“, geht in diesem Spiel ausnahmsweise nicht.

Get Even

Kampf mit Wärmebild
Der Ego-Shooter-Part macht dabei sogar durch seine außergewöhnliche Kampfmechanik ziemlich viel Spaß, denn „Get Even“ setzt auf einige neuartige Ideen. So können wir schließlich auch das Smartphone mit unserer Waffe verbinden und etwa die Wärmebildfunktion oder das UV-Licht als Visier unserer Waffe verwenden, um so auch im Kampf einen Vorteil zu haben. Noch dazu haben sich die Entwickler auch bei den Waffen selbst ein bisschen was ausgedacht: Neben der klassischen Pistole, verfügen wir nämlich auch über eine sogenannte „CornerGun“, mit der wir tatsächlich um die Ecke schießen können – während das Smartphone mit Wärmebildfunktion dabei als Visier dient, um unsere Gegner um die Ecke ausfindig machen zu können. Durchaus eine spannende Spielmechanik.

Get Even

Nichts für schwache Nerven
Dabei muss man allerdings sagen: Diese Actionmomente des Spiels sind – so paradox das auch klingen mag – fast schon eine Verschnaufpause. Dann nämlich erleben wir schnell die gewohnten Actionszenarien, die wir auch aus vielen anderen Shootern gewohnt sind. Die wirklich beklemmende Atmosphäre kommt hingegen eher in den gruseligeren Momenten auf, etwa wenn wir durch die Nervenheilanstalt spazieren und offenbar Verrückte auf freiem Fuß sind. Oder etwa, wenn die mysteriösen Marionetten sich selbstständig machen und plötzlich wie die Wheeping Angels in „Doctor Who“ ihre Position ändern, wenn wir gerade einmal nicht hinsehen. Damit kann „Get Even“ so manchem Spieler, für den das Genre eher Neuland ist, schnell einen Schreck einjagen und wird zu einem Erlebnis, das sicherlich nichts für schwache Nerven ist.

Get Even

Verstörender Soundtrack
Dazu trägt allerdings auch die Musik ziemlich viel bei, denn die gesamte Soundkulisse von „Get Even“ verstärkt die gruselige Atmosphäre des spielbaren Psychothrillers noch weiter. In der Nervenheilanstalt hören wir nicht selten verstörende Geräusche der Patienten, dessen Aufenthaltsort wir nicht kennen. In der Nähe von schrecklichen Ereignissen sorgt ein bedrohliches Hämmern für ein beklemmendes Gefühl beim Spieler. Und wenn womöglich der nächste Gegner hinter der Tür lautert, kündigt „Get Even“ das geradezu mit sich steigernden Soundeffekten an, die schon akustisch eine Zerreißprobe für unsere Nerven darstellen könnten. Damit ist auch klar: Für jüngere Spieler eignet sich dieses Horror-Abenteuer sicherlich eher nicht.

Get Even

Linear – oder doch nicht?
Beklemmend ist „Get Even“ übrigens auch deswegen, weil wir uns auf den ersten Blick scheinbar nur durch vorgegebene Schlauchlevel bewegen, die uns ein wenig das Gefühl des Einengens geben können. Da ergeht es dem Spieler auch schnell wie dem Protagonisten: Wir sind ebenso hilflos, wie Söldner Black, der als Entführungsopfer in einer fragwürdigen Therapie ebenfalls keinen Ausweg zu erkennen scheint. Trotzdem haben unsere Handlungen in dieser scheinbar so stark vorgegebenen Welt direkte Auswirkungen auf den Spielverlauf, die zunächst kaum zu erahnen sind. Das Töten von Gegnern etwa scheint überraschenderweise nicht unbedingt im Sinne des Spiels zu sein. Erledigen wir zu viele Feinde, ermahnt uns der Therapeut Red aus dem Off, dass die Erinnerungsstücke dadurch verschwinden oder negativ beeinflusst werden könnten. Und das scheint auch die weitere Spielwelt zunehmend zu verändern. Faszinierend.

Get Even

Bedroht durch den eigenen Geist
Faszinierend auch deshalb, weil „Get Even“ sich doch offensichtlich nur im Kopf des Protagonisten abspielt. Er kann sich meistens das Spielgeschehen nicht erklären. Nicht nur, wie er in die Nervenheilanstalt gelangt ist, sondern auch wieso er mitunter Erinnerungen sieht, mit denen er eigentlich gar nichts anfangen kann. Nach und nach „konstruiert“ die „Therapiesimulation“ zusätzliche Erlebnisse in das Spiel hinzu, die man im Fachjargon mitunter als „Mindfuck“ bezeichnen würde. Sei es eine ewige Endlosschleife aus sich immer wiederholenden Räumen, oder das Eindringen in die eigene Psyche, in der die eigentlichen Hintergründe der Geschichte womöglich gefunden werden können. Jedenfalls so lange, bis Protagonist Black von seiner eigenen Psyche in akute Gefahr gerät – denn wir wissen: Das Gerät „Pandora“ macht die Traumsequenzen so real, dass sie uns ernsthaft verletzen können. Was das also bedeutet, wenn wir uns mithilfe von „Pandora“ im Kopf des Protagonisten aufhalten, darf man sich nun selbst ausmalen…

Fazit:
Ein faszinierender Genre-Mix aus Horror-Adventure, Stealth-Shooter und Krimi, der schon bald in einem beklemmenden Psychothriller mündet und dabei so manches „Mindfuck“-Erlebnis zu bieten hat.

Get Even Wertung


29
Sep

Project Nimbus

Die junge Mirai lebt in einer Zukunft, in der die Erde durch den letzten großen Weltkrieg völlig unbewohnbar geworden ist. Die Menschheit verbringt ihr Leben seither in fliegenden Städten, auf denen sie noch immer erbitterte Kämpfe gegeneinander führen. Um das Gleichgewicht der Fraktionen aufrecht zu erhalten, bilden sie dort bereits Kinder und Jugendliche zu Piloten von Kampfrobotern aus. Einer davon ist auch Mirai, die davon überzeugt ist, für das Steuern eines Mech geboren zu sein. Dumm nur, dass sie es dabei häufig mit weit mehr als nur einem Gegner zu tun bekommt und die Bedienung von gleich fünf oder sechs Waffen gleichzeitig ziemlich viel Koordinationsvermögen erfordern. Der Tod ist dabei stets in greifbarer Nähe.

Kritik:
Nach mehreren Jahren im Early Access ist es nun endlich so weit: Das ostasiatische Indiegame „Project Nimbus“ feierte vor kurzem seinen finalen Release und sorgt damit für Freude bei Fans von Mech-Action.

Project Nimbus

Inspiriert durch Animes
Und obwohl die meisten Mitglieder des Entwicklerteams offenbar in Thailand ansässig sind, bekommt man doch eher den Eindruck, es handele sich um ein japanisches Spiel. Nicht nur, weil neben der englischen Sprache ausschließlich japanisch verfügbar ist, sondern auch deshalb, weil uns die Handlung recht schnell an entsprechende Filme und Serien erinnert hat. Vor allem die Erinnerung an die 13-teilige Animeserie „FLAG“ taucht da schnell auf, handelt die Geschichte schließlich von fast den identischen Ereignissen: Jugendlich, die einen Kampfroboter steuern sollen. Ganz so spektakulär wird es allerdings nicht, denn die Inszenierung dieser Story wurde doch recht minimalistisch gestaltet. Lediglich vor dem Start einer Mission sehen wir einen Avatar unserer Pilotin und erfahren die Story anhand von kleinen Audio Logs. Mehr Storyinszenierung gibt es dann leider doch nicht.

Project Nimbus

Schnelle Mech-Action
Das liegt allerdings auch daran, dass sich die Entwickler voll und ganz auf das Kernelement des Spiels konzentrieren möchten, wie man auch schnell feststellt. Und die liegt nunmal in den fliegenden Kämpfen mit den Mech-Robotern rund um Stationen, Flugzeuge und gar orbitale Raumschiffe. Und das macht durchaus eine ganze Menge Laune, denn „Project Nimbus“ entwickelt schnell ein hohes Spieltempo und ein recht dynamisches Kampfsystem. In der dreidimensionalen Welt steuern wir unseren Mech dabei in alle Richtungen, müssen herannahenden Raketen ausweichen und gleich fünf oder sechs Waffen gleichzeitig bedienen, die nach einer gewissen Zeit nachladen müssen. Verschnaufpausen gibt es also keine, wenn man stets die gesamte Umgebung im Auge behalten muss und ständig die Waffe wechselt. Generell geht es dabei auch recht hektisch zu, denn häufig bekommen wir es mit gegnerischen Schwärmen in zweistelliger Anzahl zu tun.

Project Nimbus

Kein individueller Mech
Schade ist dabei allerdings, dass doch wichtige Features fehlen, mit denen man Mech-Fans so richtig begeistern können. Tatsächlich gibt es also eine Singleplayer-Kampagne, die in vier Akten daher kommt und jeweils gut neunzig Minuten Spielzeit zu bieten haben. Allerdings bekommen wir dabei lediglich unseren Mech mitsamt seiner Ausrüstung bereits vorgegeben. Zu keiner Zeit haben wir hier die Möglichkeit, unseren individuellen Mech für die Kampagne auszuwählen oder ihn gar mit eigenen Technologien oder Waffen auszurüsten. Das ist schade, fehlt so schließlich ein wichtiger Anreiz für den Spieler, langfristig am Ball zu bleiben, denn das Freischalten von Ausrüstung etwa fehlt völlig. Und eine Anpassung an den eigenen Spielstil ebenso. Damit kommen wir aber auch schnell zu einem der ersten Punkte zurück: „Project Nimbus“ präsentiert sich minimalistisch – nicht nur bei der Story.

Project Nimbus

Fortschritt? Wen juckts?
Insgesamt muss man bei genauerem Hinsehen dann auch zu dem Entschluss kommen, dass „Project Nimbus“ auch in der finalen Version immer noch ein wenig unfertig wirkt. Das merkt man auch daran, dass es etwa eine Fortschrittsanzeige innerhalb der Kampagne gar nicht gibt. Wir können zu jeder Zeit einfach jede Mission starten, unabhängig von unserem früheren Erfolg. Dumm ist dabei allerdings, dass wir uns selbst merken müssen, welche Mission wir zuletzt gespielt haben, falls wir die Missionen der Reihe nach absolvieren müssen. Einmal nicht darauf geachtet und schon darf der Spieler rätseln, an welcher Stelle er das Spiel fortsetzen sollte. Kurz gesagt: Noch minimalistischer kann man ein Spiel wohl kaum entwickeln. Insgesamt scheint man es aber ohnehin eher auf den Survival-Modus abgesehen zu haben, der eher einem freien Spiel entspricht und bei dem der Spieler einfach so lange überleben muss, wie er kann. Ob das dauerhaft motiviert, sei mal dahin gestellt.

Project Nimbus

Matsch in der Luft
Einen ähnlich unfertigen Eindruck macht „Project Nimbus“ dann bei der Grafikqualität. Eines steht nämlich wohl fest: Die tatsächlichen Möglichkeiten der Unreal-Engine werden hier nicht einmal annähernd voll ausgereizt. Insgesamt wirken die Objekte allesamt wie aus dem vergangenen Jahrhundert und gelegentlich haben wir sogar mit einem seltsamen Unschärfeeffekt zu kämpfen, durch den wir unsere Ziele nicht einmal mehr richtig erkennen können. Einzig die Mechs selbst machen optisch einen einigermaßen ansprechenden Eindruck. Dummerweise lässt sich in diesem Spiel allerdings auch nicht viel einstellen. Bis auf die fünf Stufen bei der Grafikeinstellung, hat man auf detailliertere Einstellungen völlig verzichtet. Selbst eine Einstellung für Vsync haben wir vermisst. Obwohl „Project Nimbus“ also spielerisch durchaus Spaß macht, ist in der Gesamtumsetzung noch sehr viel Luft nach oben.

Fazit:
Das durch japanische Animes inspirierte Mech-Action-Game präsentiert sich minimalistisch und konzentriert sich voll und ganz auf sein Kernelement, dem Kampf der Roboter. Gerade deshalb wirkt „Project Nimbus“ aber häufig noch unfertig und hat reichlich Luft nach oben.

Project Nimbus Wertung


29
Sep

Dishonored: Death of the Outsider

Billie Lurk, vielen auch besser bekannt unter dem Namen Meagan Foster, ist eine der berüchtigsten Meuchelmörderinnen von Dunwall. Nun allerdings verschlägt es sie mit der Dreadful Wale in den Oberen Cyriabezirk, wo sie ihren alten Meister, den Assassinen Daud befreien möchte. Doch kaum ist dieses erste Abenteuer hinter sie gebracht, hat der auch prompt einen neuen, wichtigen Auftrag für sie: Sie soll den berühmten Outsider ermorden, der für einen Großteil des Leids auf der Welt verantwortlich zu sein scheint. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn beim Outsider handelt es sich um einen scheinbar unsterblichen Gott aus dem Nichts. Nur mit einer mysteriösen zweischneidigen Klinge scheint sie ihn aufhalten zu können – und die befindet sich ausgerechnet in den Händen ihrer Feinde…

Kritik:
Noch kein Jahr ist seit der Veröffentlichung des beliebten „Dishonored 2“ vergangen, da beglücken die Entwickler ihre Fans auch schon mit einem Stand-Alone-Addon. Dieses Mal verschlägt es uns erneut in bekannte Gebiete, wo wir nun den Outsider töten sollen, der im Hauptspiel einst für die fragwürdigen „Geschenke“ aus magischen Fähigkeiten verantwortlich war.

Dishonored: Death of the Outsider

Magische Frauenpower
Und bereits kurz nach dem Start des Spiels stellen wir auch schon fest, dass „Death of the Outsider“ ein paar kleinere Dinge anders macht, als das große „Dishonored 2“. Etwa bei der Charakterauswahl – denn die wurde kurzerhand entfernt. Dieses Mal dürfen wir ausschließlich in die Rolle eines weiblichen Hauptcharakters schlüpfen und übernehmen dabei die Rolle der Billie Lurk. Kenner werden hier bereits wissen: Das ist die Kapitänin der Dreadful Wale, die wir zuvor unter dem Namen Meagan Foster kennengelernt haben und deren Leben durch unsere Handlungen eine entscheidende Wendung nehmen konnte. Abhängig von unserer Spielweise in einer der Missionen von „Dishonored 2“ musste sie weiterhin mit nur einem Arm leben oder erhielt diesen zurück, in dem wir ihren einstigen Peiniger ermordeten. Und da kommt bereits ein kleines Storyproblem auf: In „Death of the Outsider“ hat sie von Beginn an ihren zweiten Arm, als würde das Spiel voraussetzen, dass wir den Verursacher der Verletzung getötet haben.

Dishonored: Death of the Outsider

Direkter Link zum Nichts
Interessant haben die Entwickler dieses Tatsache dann aber doch gestaltet, denn in „Death of the Outsider“ hat sie auch keinen völlig natürlichen Arm. Da sie nicht über „Geschenke“ des Outsiders verfügt, hat sie mittlerweile einen künstlichen Arm, der direkt mit dem „Nichts“ in Verbindung steht. Daher ist sie trotzdem in der Lage, die magischen Fähigkeiten zu nutzen und hat dabei sogar diverse Vorteile: Im Gegensatz zu ihren Vorgängern muss sie ihr Mana nämlich nicht mit entsprechenden Fläschchen auffüllen, sondern kann ihre Fähigkeiten automatisch regenerieren. Das Gameplay fühlt sich dadurch aber auch ein bisschen flotter an. Schade ist an der Stelle allerdings, dass die Vergabe der Fähigkeiten bereits vorgegeben ist und wir nicht anhand unseres persönlichen Spielstils auswählen können, welche Fähigkeiten wir gerne erlernen wollen. Mit Fortschreiten des Spiels, erhält Billie somit stets neue Fähigkeiten hinzu, die von „Death of the Outsider“ allerdings bereits festgelegt sind.

Dishonored: Death of the Outsider

Neue magische Fähigkeiten
Zu den dabei erhaltenen Fähigkeiten gehören sowohl bereits bekannte, als auch völlig neue, innovative Skills. Einer davon ist etwa das Verstehen von Ratten, die uns interessante Hinweise zu unserer Mission geben können und daher neue Möglichkeiten und Wege eröffnen. Aber auch das Übernehmen eines fremden Gesichts, um die Wachen zu täuschen oder das Herausfahren aus unserem Körper, um die nähere Umgebung unentdeckt zu erkunden gehört dazu. Eine der aber wohl am häufigsten angewandten Fähigkeiten dürfte die klassische „Teleportationsfunktion“ sein, mit der wir uns beispielsweise auf Dächer oder Balkone teleportieren können, um ungesehen an den Wachen vorbei zu gelangen. Und das ist manchmal auch durchaus sinnvoll.

Dishonored: Death of the Outsider

Level ohne Labyrinthe
Insgesamt müssen wir allerdings auch feststellen, dass das Leveldesign ein wenig simpler gestaltet wurde, als noch zuvor bei „Dishonored 2“. Auf spektakuläre verwinkelte Gebäude, in denen wir die Räumlichkeiten mittels Knopfdruck verändern können, wird dieses Mal verzichtet. Dasselbe gilt für faszinierende Missionen, in denen wir etwa in Echtzeit in die Vergangenheit blicken konnten. Das liegt mitunter aber auch daran, dass Billie es dieses Mal überwiegend mit menschlichen Gegnern zu tun bekommt – abgesehen von wenigen Ausnahmen. Atmosphärisch ist „Death of the Outsider“ daher oftmals auch nicht so düster. Dafür kann sich manche Mission trotzdem sehen lassen: Wenn wir etwa eine Bank überfallen und in den Tresor eindringen müssen, gibt es nicht nur zahlreiche mögliche Vorgehensweisen, sondern auch einen gewissen Anspruch. Und bei einer der Missionen sehen wir mit dem kaiserlichen Konservatorium sogar eine Location wieder, die wir in „Dishonored 2“ bereits ein Mal aufgesucht haben.

Dishonored: Death of the Outsider

Gefälligkeiten für Zwischendurch
Wer möchte, hat dabei sogar die Möglichkeit, sich die Missionen ein wenig schwieriger zu gestalten. Im Schwarzmarkt-Laden, in dem wir nicht nur unsere Ausrüstung verbessern und neue Gegenstände kaufen, können wir am schwarzen Brett nun nämlich erstmals auch externe Aufträge übernehmen. Sind wir also sowieso einmal auf dem Weg, in ein Gebäude einzudringen – warum dann nicht noch ein paar Gefälligkeiten für die Bewohner der Stadt übernehmen? Etwa wichtige Unterlagen stehlen, bestimmte Personen beseitigen oder ähnliche nicht immer ganz einfache Aufgaben. Zur Belohnung gibt es dann hinterher gutes Geld, das wir auf dem Schwarzmarkt ausgeben können, oder Knochenartefakte, die unsere magischen Fähigkeiten verbessern können. Letztere können wir zwar auch innerhalb des Spiels finden, müssen dabei aber auf den Einsatz der bereits bekannten Gegenstände verzichten. Hier hilft nur eines: Ohne Hilfsmittel selbst suchen.

Dishonored: Death of the Outsider

Die flüssige Meuchelmörderin
Und obwohl man diese diversen Kleinigkeiten weggelassen hat, fühlt sich „Death of the Outsider“ vom Gameplay her immer noch wie ein echtes „Dishonored“ an und auch der Spielspaß kommt ebenso schnell auf. Das liegt mitunter auch daran, dass die technische Umsetzung zunächst einen besseren Eindruck macht, als noch bei „Dishonored 2“ und die Macher hier offenbar aus ihren Fehlern gelernt haben. Bereits zum Release läuft das Spiel deutlich schneller und verfügt auch nicht mehr über die diversen grafischen Bugs, wie etwa das Flackern von Texturen. Wer im vergangenen Jahr noch so manches Problem mit dem vorherigen Spiel hatte, darf dieses Mal also bereits aufatmen. Lediglich die Tatsache, dass wir nach bereits acht Stunden Spielzeit am Ende angelangt sind, trübt im Vergleich ein wenig den Gesamteindruck.

Fazit:
Obwohl „Death of the Outsider“ insgesamt etwas kleiner und kürzer ausgefallen ist, als bei den beiden Vorgängern, fesselt das Stealth-Gameplay mit seinen zahlreichen Optionen noch immer jeden Genrefan und sorgt schnell für hohen Spielspaß.

Dishonored: Death of the Outsider Wertung


20
Sep

Train Sim World: Great Western Express

Der große Fernverkehrsbahnhof London Paddington ist neben St. Pancras eine der wohl größten und wichtigsten Stationen der britischen Hauptstadt. Bis zu dreißig Millionen Menschen fahren jährlich mit der Tube aus der Innenstadt an, um anschließend dank der zuverlässigen Verbindungen des Great Western Express in zahlreiche andere Ortschaften zu fahren. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Reading ist dabei besonders beliebt und macht gerade einmal einen Teil der Great Western Main Line aus, die normalerweise bis nach Bristol reicht und im Verlauf der Strecke auch von einer Linie nach Südwales gekreuzt wird. Doch neben den flotten Passagierzügen der Class 43 und Class 166 darf auch ein echter Exot entlang der Strecke nicht fehlen: Immerhin ist auch DB Schenker in England aktiv und betreibt dort die modernen Diesel-Güterzuglokomotiven der Baureihe 266.

Kritik:
Bereits nach der Veröffentlichung des Hauptspiels zum Beginn des aktuellen Jahres war den meisten Eisenbahnfans klar: Bei „Train Sim World“ handelt es sich um die wohl fotorealistischste Simulation auf dem gesamten Spielemarkt. Denn nachdem der etablierte Train Simulator inzwischen mit einer zehn Jahre alten Grafikengine unterwegs ist, macht die neue Simulation einen wirklich großen Sprung nach vorne.

Train Sim World: Great Western Express

Passagiere nach London
Mit dem „Great Western Express“ liefert der Entwickler dann nun auch die erste richtige Strecke für den Passagierverkehr mit. Mit dem Hauptspiel „CSX Heavy Haul“ konnten die Eisenbahnfans schließlich im März diesen Jahres erst die langen und überaus langsamen Fahrten auf amerikanischem Boden ausprobieren und dabei ziemlich schwere Güter transportieren. Einmal einen kleinen Abstecher nach Groß-Britannien gemacht, wo Dovetails Games schließlich auch ansässig ist, bekommt es der Spieler dann doch eher mit modernen Triebwagen zu tun – und das gleich zwei an der Zahl. Sei es der berühmte „High Speed Train“, den Urlauber an der Paddington Station mit großer Regelmäßigkeit zu sehen bekommen oder die klassische Class 166, die in der Realität auch als Heathrow Express den örtlichen großen Flughafen mit der Londoner City verbindet.

Train Sim World: Great Western Express

Suche nach dem Paddington Bär
Apropos Paddington Station: Bei „Great Western Express“ haben sich die Entwickler größte Mühe gegeben, möglichst nah an der Realität zu bleiben. Konkret bedeutet das: Die einzelnen Stationen und Gebäude entlang der Strecke wiederzuerkennen, dürfte den meisten Ortskundigen recht leicht fallen. Nachdem wir selbst erst vor kurzem in London waren und dort natürlich auch die Paddington Station bewundert haben, fällt bei einem Vergleich sofort auf: Selbst die Grundstruktur dieses Gebäudes stimmt absolut. Ob das Dachgewölbe, die Ausgangsrampen in Richtung Little Venice oder das tatsächlich vorhandene Cafe Nero – hier gibt es reichlich Möglichkeiten, den Ort wiederzuerkennen. Und doch fehlt es natürlich, wie bei einer Eisenbahnsimulation zu erwarten, an einigen kleinen Details. Den Paddington Bär auf Gleis 1 suchten wir nämlich ebenso vergebens wie die Durchgänge zu den U-Bahnen. Und überhaupt sind wir doch schnell traurig, den Bahnhof nicht wirklich verlassen zu können, um einmal durch London zu spazieren.

Train Sim World: Great Western Express

Fotorealismus auf der Schiene
Trotzdem ist das, was die Entwickler mit „Great Western Express“ abliefern, grafisch absolut beeindruckend. In den maximalen Einstellungen muss man mitunter schon ein wenig genauer hinschauen, um die Spielegrafik noch von einem Foto unterscheiden zu können. Zur Demonstration haben wir in diesem Test sogar ausschließlich echte Screenshots verwendet, die wir während des Spielens angefertigt haben. Schnell beeindruckt dabei vor allem der Motion Blur-Effekt, der bei hohen Geschwindigkeiten zustande kommt und die Fahrt realistisch simuliert. Aber auch hübsche Sonnen- und Wasserreflexionen, sowie ein enormer Detailgrad an den Zügen selbst, können voll und ganz überzeugen. Das reicht bis hin zum Tankdeckel an den Lokomotiven oder den Kupplungsklappen, die an den Class 43 Triebzügen geöffnet werden können. Dass dann auch noch nahezu jeder einzelne Knopf im Führerhaus bedienbar ist, trägt sein Übriges zur Qualität bei.

Train Sim World: Great Western Express

Keine Strafe für zu schnelles Fahren
Insgesamt wurde das Spiel nun seit „CSX Heavy Haul“ auch ein wenig überarbeitet. Das merkt man vor allem an den HUD-Angaben, die nun auch über ein während des Spiels eingeblendetes Punktesystem verfügen. Schade ist dabei, dass man allerdings auf dasselbe System setzt, das bereits beim Hauptspiel verwendet wurde und nur nicht während der Fahrt zu sehen war. Wofür es also genau Punkte gibt, ist auch an der Auswertung zum Schluss nicht wirklich ersichtlich. Eines haben wir aber leider feststellen müssen: Minuspunkte für das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und anderer Bedienfehler suchen wir hier vergebens. Wer einfach mal ordentlich aufs Gas drücken möchte, hat bis auf eine rote Zahl im Tacho keinerlei negative Auswirkungen zu befürchten. Damit bleibt allerdings auch die Herausforderung aus, möglichst korrekt zu fahren, pünktlich zu sein und die maximal mögliche Punktzahl zu erreichen. Der klassische „Train Simulator“ setzt in diesem Punkt jedenfalls auf ein besseres System.

Train Sim World: Great Western Express

Passagiere und Fracht
Spaß macht die neue Strecke aber dennoch, denn der „Great Western Express“ liefert neben vier Tutorials, die uns mit der Bedienung der Lokomotiven vertraut machen, gleich fünf passende Szenarien mit. Und dabei ist reichlich Abwechslung geboten, da alle drei Fahrzeugtypen bedient werden müssen und wir auch hinsichtlich der Aufgaben stets neue Herausforderungen erhalten. In der ersten Aufgabe dürfen wir uns dann einen von drei Zügen der Class 166 aussuchen und uns von Paddington auf den Weg nach Reading machen, wo wir möglicherweise an allen Stationen halten sollen. In einem anderen Szenario wiederum kümmern wir uns um Frachtwaggons der DB Schenker oder müssen gar einen Hochgeschwindigkeitszug mit der Baureihe 266 abschleppen. Spätestens an dieser Stelle wird dann auch klar, welche großen Vorteile die Ego-Perspektive von „Train Sim World“ letztendlich hat.

Train Sim World: Great Western Express

Ein realistischer Arbeitsalltag
Die Szenariodesigner haben sich nämlich ziemlich viel einfallen lassen, um einen realistischen Arbeitstag eines Lokführers glaubwürdig zu simulieren. Denn wenn wir in der Ego-Perspektive aus dem Zug aussteigen und herumlaufen können, lässt sich der korrekte Ablauf schließlich ein wenig genauer absolvieren. In einem Szenario müssen wir dabei sogar als Passagier eines anderen Zuges zunächst nach Paddington rein fahren, um dort unseren Zug an einem anderen Gleis abzuholen, den wir auf Grund einer Verspätung eines anderen Lokführers außerplanmäßig übernehmen müssen. In einem anderen Szenario wiederum müssen wir einen gerade einfahrenden Zug von einem anderen Lokführer übernehmen und diesen an einem Rangiergleis wenden, um ihn erneut bereit zu stellen. Wieder andere Szenarien erfordern das Öffnen der Kupplungsklappe und das manuelle Bedienen der Kupplungselemente. Spannend.

Train Sim World: Great Western Express

Keine defekte Toilette
Schnell wird damit auch einmal mehr klar, welche enormen Möglichkeiten uns „Train Sim World“ letztendlich bieten könnte. Grundsätzlich können wir uns an den Stationen nämlich frei bewegen. Das bedeutet zugleich auch, dass wir den Fahrgastbereich des Zuges ebenfalls betreten können und theoretisch – so denn eine Programmierung umgesetzt würde – mit den Fahrgästen zu kommunizieren. In der Class 166 können wir sogar durch eine Tür in unserem Führerhaus direkt in den Fahrgastraum übergehen und auf dieselbe Weise ins Führerhaus einsteigen, wie wir das in deutschen S-Bahnen schon desöfteren gesehen haben. Sollten also die Entwickler oder auch Drittanbieter irgendwann die Elemente im Fahrgastbereich einprogrammieren und animieren, wären hier weit mehr Möglichkeiten offen. In „Great Western Express“ können wir zwar noch keine Toiletten öffnen oder gar verriegeln, doch zukünftig wären Szenarien, in denen etwa defekte Toiletten, defekte Türen oder andere Probleme auftauchen, durchaus denkbar. Das haben wir nun gesehen. Man mag sich kaum vorstellen, was Drittanbieter wie Virtual Railroad aus solchen Möglichkeiten machen würden, wenn der Editor denn erst einmal ins Spiel integriert wurde.

Train Sim World: Great Western Express

Der schwarze Horrorzug
Bis dahin sollten sich die Entwickler von Dovetail Games aber zunächst noch einmal dran setzen, um auch die gröbsten noch vorhandenen Bugs von „Great Western Express“ zu beseitigen. Denn so spektakulär die Grafik auch aussehen mag, bleibt es am Ende doch nicht gänzlich ohne Grafikfehler. Vor allem, wenn uns ein Class 43 Hochgeschwindigkeitszug entgegen kommt, fallen uns immer wieder mysteriöse Verzerrungen auf, die möglicherweise durch den Blur-Effekte zustande kommen. Und auch die verschwimmenden Räder der Baureihe 266 oder gelegentliche fehlerhafte Schatten der Oberleitungen sehen mitunter etwas merkwürdig aus. Ganz zu schweigen von gelegentlichen falschen Anweisungen oder Bugs, die unsere Baureihe 266 plötzlich außer Gefecht setzen. Gänzlich ausgereift ist „Great Western Express“ also trotz allem noch nicht, auch wenn die Entwickler versprechen, an den Problemen zu arbeiten.

Fazit:
Mit dem „Great Western Express“ bekommt die wohl einzige fotorealistische Simulation auf dem Spielemarkt endlich eine wichtige britische Strecke nachgereicht und bietet nun erstmals auch Passagierverkehr. Grafisch absolut beeindruckend.

Train Sim World: Great Western Express Wertung


18
Sep

911 Operator

Durchschnittlich gehen pro Tag um die 3500 Notrufe bundesweit in den Leitzentralen ein. So mancher davon handelt von einem ernstzunehmenden Vorfall, drei Viertel hingegen sind eher Scherzanrufe oder solche, die keinen tatsächlichen Notfall bedürfen. Für die Disponenten der Leitzentrale, die die Einsatzkräfte koordinieren müssen, ist das mit echtem Stress verbunden. Sie müssen beurteilen können, bei welchen Notrufen es sich um einen Scherzanruf handelt und bei welchem der Scherz nur vorgegeben wird, um einen tatsächlichen Notruf zu vertuschen. Und dann müssen auch noch der Überblick über die gesamten Einsatzkräfte behalten werden und die Priorität für die einzelnen Fälle berücksichtigt werden. Keine leichte Aufgabe…

Kritik:
Dass die Aufgaben von Polizei und Feuerwehr auch bei Spielern ihren gewissen Reiz haben, das haben vor allem Entwickler von Simulationsspielen mittlerweile herausbekommen. Tatsächlich aber einmal in die Rolle eines Disponenten zu schlüpfen, der sich um die Koordination der Einsatzkräfte kümmern muss, ist eher neu. Trotzdem funktioniert das aber schon hervorragend, denn „911 Operator“ hat aus eigentlich wenigen Möglichkeiten ein innovatives Spielkonzept geschaffen. Man könnte auch sagen, es handele sich einmal mehr um eines dieser typischen „weniger ist mehr“-Spiele, die nicht mit beeindruckenden Grafiken blenden, sondern sich beim Gameplay wirklich etwas gedacht haben. Denn auf dreidimensionale Grafiken verzichtet das Spiel sogar völlig.

911 Operator

Den Überblick behalten
Hauptsächlich spielen wir nämlich auf einer recht modern und schick aussehenden 2D-Landkarte, auf der wir von oben herab die Straßen, Krankenhäuser, Polizeistationen und Feuerwehrgebäude erkennen können. Kurz bevor es los geht, dürfen wir noch einmal kurz unsere jeweiligen Einheiten an andere Startpositionen setzen und danach beginnen wir unsere Schicht als Disponent der Notrufleitzentrale. Die dauern in Echtzeit ungefähr zehn Minuten und bestehen darauf, auf Meldungen über Vorfälle zu reagieren und die Anrufe der Notrufnummer entgegen zu nehmen. Darin müssen wir vor allem auf die Dialoge mit den Hilfesuchenden reagieren, wichtige Informationen über den Vorfall und den Aufenthaltsort herausfinden und anschließend die Einsatzkräfte losschicken. Oder aber dem Betroffenen nach Möglichkeit bereits am Telefon weiterhelfen, bevor die Kräfte eingetroffen sind.

911 Operator

Koordination und Urteilsvermögen
Das ist allerdings nicht immer einfach, denn manchmal möchten die Hilfesuchenden schlicht nicht alle Informationen preis geben oder es handelt sich gar nicht um einen Notfall. Ob und wie viele Einheiten wir also losschicken müssen, liegt in unserem eigenen Ermessen. Wir müssen als Spieler beurteilen können, ob Gefahr im Verzug vorliegt, ob ein Rettungswagen benötigt wird oder vielleicht sogar überhaupt kein Notfall stattgefunden hat. Der echte Stress eines realen Disponenten wird dabei natürlich simuliert: Manchmal kann es passieren, dass wir weit mehr Notrufe erhalten, als Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Jetzt liegt es an uns, die Priorität der einzelnen Vorfälle zu beurteilen, ggf. Einsatzkräfte von anderen Fällen abzuziehen oder gar einen Polizeiwagen mit bereits festgenommenem Insassen zum nächsten Fall zu schicken, weil keine Kollegen mehr frei sind. Ob das sinnvoll ist, oder ob wir damit das Leben der Beamten riskieren, muss von uns beurteilt werden. Ein Glück, dass man das Spiel auch beliebig pausieren kann, um sich einmal in Ruhe einen Überblick zu verschaffen.

911 Operator

Feuerwehr – auch bei dir zuhause
Insgesamt kommt „911 Operator“ dabei mit einer Kampagne aus sechs vorgefertigten Städten daher. Spannend wird es allerdings auch, wenn wir den freien Spielmodus einmal erkunden. Hier greift das Spiel nämlich auf Daten von OpenStreetMap zurück und lässt uns reale Städte verwenden. Einfach den Stadtnamen eingeben und schon wird die Karte heruntergeladen und ins passende Spielformat kopiert. Faszinierend vor allem dann, wenn wir sogar den eigenen Wohnort wiedererkennen können und – wie in unserem Fall – sogar die reale Feuerwehr von gegenüber an der realen Position eingefügt wurde. Und nicht nur das: Selbst die Verfügbarkeit von Freiwilliger und Berufsfeuerwehr, sowie Sondereinsatzkräfte wird berücksichtigt und zusätzlich eingetragen. Noch dazu verwendet „911 Operator“ in diesem Modus reale Straßennamen, sodass ein Einsatz an unserer eigenen Adresse tatsächlich vorkommen kann, wie wir anhand einer Karte aus Mönchengladbach getestet haben. Da bekommt das Spiel mit einer ausgeklügelten Idee noch einmal einen ganz eigenen Spielanreiz.

911 Operator

Eintönigkeit der Routine
Schade ist dabei allerdings, dass die Motivationskurve sicherlich nach spätestens zehn Stunden Spielzeit ein wenig nachlassen dürfte. Obwohl der freie Modus praktisch unendlich spielbar ist, bleibt die große Abwechslung anhand der Notrufe und Vorfälle auf lange Sicht aus. Irgendwann kommt man selbst bei diesem Spiel eben an den Punkt, an dem man jede Art von Notruf schon einmal gehört hat und man praktisch schon vorher weiß, worauf der Anruf wohl hinaus laufen wird. In jedem Fall sei es gerade deshalb auch angeraten, zur Collector’s Edition zu greifen, denn diese fügt „911 Operator“ noch mal zahlreiche Einsätze, Einheitentypen und Equipmentarten hinzu und erhöht die Abwechslung immerhin ein wenig. Ansonsten darf man sich aber auch auf eine Kampagne mit den sechs Städten freuen, in der sich die Entwickler von der Bombendrohung durch Linksradikale bis hin zu Erpressung einiges haben einfallen lassen.

911 Operator

Management ist alles
Letztendlich werden wir auch nicht drumherum kommen, eine Stadt in der Kampagne mehrmals zu spielen, ehe wir sie meistern. Als Währung in diesem Spiel dienen nämlich vor allem Geld und Ruf. Je zufriedener die Bürger mit unserer Arbeit, desto eher können wir in die nächste Stadt vordringen. Zufriedenheit klappt aber nur, wenn wir jeden Notruf schnell und professionell durchführen können – und dafür braucht es ausreichend Einsatzkräfte und Equipment. Und an dieser Stelle soll schließlich das Geld ins Spiel kommen, denn bevor wir eine „Schicht“ starten können, gelangen wir zunächst in den Managementbildschirm. Von hier aus weisen wir Fahrzeuge, Personal und Equipment einem Team zu oder kaufen selbiges ein. Vom Pferd für den Polizisten bis zum gepanzerten Polizeifahrzeug steht hier reichlich zur verfügen – entsprechendes Geld vorausgesetzt. Und auch die Fähigkeiten unserer Mitarbeiter und das passende Equipment wie schusssichere Westen, Pistolen, erste Hilfe Sets oder gar Feuerschutzwesten beeinflussen unseren Erfolg bei einem Einsatz.

911 Operator

Innovation ohne Hardwarehunger
Fans der etwas außergewöhnlichen Strategie- und Managementspiele dürfen sich mit „911 Operator“ also auf ein innovatives Spielkonzept freuen, das mit einfacher Zwei-Klick-Bedienung ein wenig an klassische Brettspiele wie „Scotland Yard“ erinnert und tatsächlich glaubhaft den stressigen Alltag eines Disponenten der Notrufleitzentrale simuliert. Und dabei darf man auch ganz beruhigt sagen: Auf Grund des Verzichts auf aufwändige Grafiken, kommt das Spiel mit erstaunlich niedrigen Hardwareanforderungen aus und sollte selbst auf so manchem zehn Jahre alten Rechner sicherlich noch flüssig laufen können. Selbst für den Gelegenheitsspieler auf dem heimischen Bürorechner ist „911 Operator“ somit noch eine gelungene Option, die Spaß für Zwischendurch verspricht.

Fazit:
Realistisches Strategie- und Managementspiel mit einem innovativen Spielkonzept, geringen Hardwareanforderungen und einer glaubwürdigen Darstellung des Alltags eines Disponenten der Notrufleitzentrale.

911 Operator Wertung


16
Sep

Life is strange: Before the storm

Die junge rebellische Chloe hatte es in ihrem bisherigen Leben wirklich nicht leicht. Erst wird sie von ihrer einst besten Freundin Max im Stich gelassen und dann kommt auch noch ihr Vater bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Seitdem muss sie sich mit ihrem Stiefvater David herumschlagen, den sie überhaupt nicht leiden kann und den sie für den absolut falschen Partner für ihre Mutter hält. Ohne jeglichen gesellschaftlichen Halt und ohne echte freundschaftliche Beziehungen, gerät Chloe schnell auf die schiefe Bahn. Tagsüber schwänzt sie nur allzu gerne die Schule und in der Nacht treibt sie sich regelmäßig auf den wildesten Partys herum – Drogenkonsum inklusive. Ein Glück, dass sie ausgerechnet in dieser schwierigen Zeit doch noch eine neue Freundin auf der Blackwell Academy findet. Doch ob das Glück allzu lange anhalten wird?

Kritik:
Nachdem das mittlerweile stark verbreitete Episodenformat mit eingeschränktem Gameplay einen eher ausgelutschten Eindruck machte, konnte „Life is Strange“ mit seiner Geschichte rund um den Photografie-Nerd Max einst zeigen, dass es auch anders geht: Statt Quicktime-Events, wie etwa bei der Konkurrenz Telltale seit je her üblich, setzte das erste Spiel auf innovative Zeitreisefeatures, anhand derer der Spieler ausprobieren und Fehler revidieren konnte. Das machte nicht nur Spaß, sondern begeisterte vor allem auch Science-Fiction-Fans, die sich häufig als Nerd besonders gut mit der Hauptfigur identifizieren konnten. Der zweite Teil „Before the storm“ spielt nun allerdings vor der Handlung der Vorgängers, erzählt die Geschichte der rebellischen Freundin Chloe und verzichtet vollständig auf das Zeitreisefeature. Dieses Mal sollen wir unsere Entscheidungen also nicht noch einmal ändern können.

Life is strange: Before the storm

Rückkehr nach Arcardia Bay
Trotzdem gelingt es „Before the storm“ problemlos, recht schnell ein Vertrautheitsgefühl zu erzeugen. Immerhin kennen wir einen Großteil des Settings bereits aus dem Vorgänger und haben auch die Charaktere bereits kennengelernt. Die erste Einführung in Chloes Charakter gab es, als Max nach Arcadia Bay zurückkehrte und endlich wieder Kontakt zu ihr aufnahm und wir wissen dann schon recht schnell, wie sie tickt. Doch auch durch die Tatsache, dass Chloe ebenfalls auf die Blackwell Academy geht, sind selbst gleichaltrige Charaktere letztendlich nur alte Bekannte: Hier sehen wir schon in der ersten der drei Episoden die Klassenkameraden wieder, die sich auch charakterlich überhaupt nicht verändert haben. Eine interessante Kleinigkeit bleibt dann aber dennoch: Mit Rachel Amber dreht sich die Story von „Before the storm“ überwiegend vor allem um jene Figur, die im Vorgänger bereits verschollen war. Nur dieses Mal in ihrer lebendigen Form. So bietet sich reichlich erweiterndes Hintergrundwissen und kann durchaus von Vorteil sein, den ersten Teil bereits gespielt zu haben.

Life is strange: Before the storm

Chloe kann auch freundlich
Insgesamt zeigt sich „Before the storm“ auch schnell von einer düstereren und etwas ruppigeren Seite, als noch der Vorgänger in der Rolle von Max. Chloe ist schließlich ein echter Rebell. Eine Außenseiterin und zugleich Draufgängerin. Dass sie bereits in der ersten Szene mit Zigarette auf einem Gleis steht und seelenruhig wartet, bis der Zug angerast kommt und sie womöglich über den Haufen fährt, macht die bedrückende Stimmung sofort unmissverständlich deutlich. Doch genau so muss eine Handlung um Chloe letztendlich auch sein. Und doch hat das auf den ersten Blick ein kleines Problem: Nachdem Spieler doch überwiegend eher Nerd-Tendenzen haben, kann die Identifikation mit Chloe womöglich schwerer fallen, als mit Max. Möchte man schließlich wirklich Drogen nehmen und sich besinnungslos besaufen oder nicht doch lieber den freundlichen Nerd von nebenan spielen? Beruhigung kann aber gegeben werden: In gewissen Grenzen können wir durchaus auch einmal freundlich reagieren und haben oft die freie Wahl, ob wir pampig oder nett auf einen Dialog antworten. Das allerdings nur soweit, dass der eigentliche Charakter von Chloe noch ersichtlich bleibt.

Life is strange: Before the storm

Chloe, der Nerd
Interessant bleibt dabei außerdem, dass Deck Nine nicht vollständig auf die Elemente des ersten Teils verzichtet hat. Denn wer vor allem den nerdigeren Teil des Spiels mag, soll auch in „Before the storm“ gelegentlich auf seine Kosten kommen – etwa, wenn sich herausstellt, dass Chloe liebendgerne Tabletop-Spiele spielt oder gar die Wissenschaft mag, obwohl sie im Unterricht dazu neigt, dramatisch durchzufallen. Nach außen hin überaus tough, im Innern aber eben doch ein wenig der typische Nerd und damit womöglich auch eine interessante Erklärung dafür, wie die Freundschaft zwischen Max und Chloe einst zustande kam. Insgesamt setzt Deck Nine also gekonnt fort, was Dontnod einst angefangen hat: Den Charakteren wurde allesamt reichlich Tiefgründigkeit verliehen und wecken sofort ohne jede Ausnahme das Interesse des Spielers. Geschichten erzählen können die Entwickler also.

Life is strange: Before the storm

Kein vollwertiger Ersatz
Das alles täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass das gelungene Zeitreise-Feature dann eben doch fehlt. In „Before the storm“ dürfen wir uns – ganz typisch für Chloe – stattdessen auf Widerspruchs-Gefechte einlassen und müssen mit Dialogen eine Reaktion unseres Gegenübers provozieren. Das können Widerworte gegen den Stiefvater sein, Beleidigungen gegen irgendwelche Bösewichte oder schlicht draufgängerisches Geschwätz gegenüber Gleichaltrigen. Nur, wenn wir uns schnell genug für die richtigen passenden Antworten entscheiden, fällt die Reaktion am Ende so aus, wie wir uns das wünschen – und dieses Mal können wir nicht die Zeit zurück drehen, um es noch einmal zu versuchen. Hinsichtlich des Gameplays ist das allerdings nicht ganz so aufregend und innovativ, wie die spannenden Science-Fiction-Elemente des Vorgängers, die es uns einst angetan haben. Das macht „Before the storm“ sicherlich noch nicht zu einem schlechten Spiel, vollkommen mithalten kann das Prequel aber auch nicht.

Fazit:
Das Prequel zu „Life is strange“ punktet erneut mit tiefgründigen Charakteren und einer überaus spannenden Handlung, verzichtet aber leider auf das innovative Zeitreisefeature und bleibt damit auf dem Niveau üblicher Episodenspiele.

Life is Strange: Before the Storm Wertung


15
Sep

Train Simulator: Sherman Hill

Die amerikanische Eisenbahn war schon seit je her für ihre kilometerlangen Güterzüge bekannt, statt Passagiere zwischen den großen Städten hin und her zu transportieren. So wurde letztendlich auch die Strecke zwischen Laramie und Cheyenne genutzt, die auf sechzig Meilen über enorme Höhen von bis zu 2500 Metern führt. Viele Menschen leben hier nicht, denn selbst der namensgebende Ort Sherman ist heute nur noch ein Geisterdorf. Auf Bahnhöfe müssen wir in der recht kargen Landschaft also komplett verzichten. Stattdessen beliefern wir die örtlichen Unternehmen und transportieren Fracht zu den Umschlagbahnhöfen. Und die ist mitunter so schwer, dass gleich vier Lokomotiven der Union Pacific Railroad gleichzeitig notwendig sind, um sie über die starken Steigungen zu ziehen. Bei langsamen Geschwindigkeiten stellt „Sherman Hill“ dabei auch eine Herausforderung für die Geduld des Lokführers dar.

Kritik:
Nicht ganz an den üblichen deutschen Vorlieben mag sich die mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommene „Sherman Hill“-Route orientieren. Komplexe Gleisanlagen, Passagierverkehr und hohes Verkehrsaufkommen gibt es eigentlich nicht. Dafür aber derartig lange Güterzüge, dass wir das Ende des Zuges in manchen Fällen nicht einmal mehr sehen können. Das kann zugleich auch eine Herausforderung sein, etwa wenn wir den extrem schweren Zug mit teils riesigen Containerwaggons über eine Steigung bringen müssen und dabei richtig zu kämpfen haben, oder etwa wenn wir geschickt die Bremse kontrollieren müssen, um bei Gefälle nicht unkontrolliert davon zu rasen. Und das ist gar nicht so einfach, denn die empfindlich reagierenden Bremsen können bei Gefälle und falscher Bedienung durchaus auch einmal unter einem Totalversagen leiden. Selbst erfahrene Train Simulator-Spieler kommen dabei schnell an ihre Grenzen.

Train Simulator: Sherman Hill

Leere bis zum Horizont
Für Spieler, die vor allem deutsche und britische Strecken gewöhnt sind, mag nicht nur der schwere Frachtverkehr eher ungewöhnlich sein. Auch die Landschaft wirkt im Vergleich zu hiesigen Strecken doch eher eintönig. Viel Abwechslung gibt es entlang der Strecke, auf der wir stets dieselben Wiesen und dasselbe Ödland sehen, tatsächlich nicht. Man muss mitunter schon fünfzehn bis zwanzig Meilen fahren, um die nächste Ortschaft und die nächsten Gebäude zu entdecken. Dazwischen verläuft die Strecke überwiegend gerade, langsam und optisch wenig anspruchsvoll. Tatsächlich muss man an dieser Stelle hinzufügen: Das entspricht wirklich auch der Realität dieser Strecke. Den ein oder anderen Spieler könnte das aber womöglich langweilen, mit häufig gerade einmal 40 mph durch die Landschaft zu tuckern. Andere wiederum sehen in der recht einschläfernden Strecke auch eine Herausforderung, das Durchhaltevermögen unter Beweis zu stellen. In jedem Fall muss man diese Art von Strecke aber unbedingt mögen und sollte vielleicht schon die ein oder andere amerikanische Route gefahren sein, um einen Kauf in Betracht zu ziehen.

Train Simulator: Sherman Hill

Ein Lokführer kommt selten allein
Interessanterweise versuchen die Entwickler allerdings möglichst alles aus dieser Route rauszuholen, was dazu beiträgt, die Eintönigkeit zu kompensieren. Denn während die Strecke selbst wenig Abwechslung bietet, sind vor allem die Szenarien durchaus unterhaltsam gestaltet. Selbst Kommunikation darf dabei nicht fehlen. In vielen der Karriereszenarien sind wir nämlich mit einem zweiten Lokführer unterwegs, der sich während der Fahrt gerne auch einmal mit uns unterhält. Und auch unvorhersehbare Ereignisse sollen nicht lange auf sich warten. In einem der Szenarien bekommen wir es unter anderem mit der Polizei zu tun und verlieren womöglich Fracht bei voller Fahrt. In einem anderen wiederum wartet ein schwerer Gewittersturm darauf, von uns gemeistert zu werden. Zumindest an dieser Stelle wird also genügend Abwechslung geboten – jedenfalls in den Hauptszenarien.

Train Simulator: Sherman Hill

Durch den Sturm
Eine Sache gestaltet sich bei „Sherman Hill“ darüber hinaus besonders positiv: Die Entwickler legen nämlich hohen Wert auf maximalen Realismus. Das fällt nicht nur bei der kargen Landschaft auf, sondern auch bei den überaus launischen und wechselhaften Wetterverhältnissen in den hohen Lagen. So kann das Wetter innerhalb von Minuten von strahlend blauem Himmel zu einem Gewittersturm mit Starkregen umschlagen. Und auch das entspricht durchaus auch den realen Bedingungen dieser Strecke. Die Wettereffekte des Addons sind dabei so gut gelungen, dass wir bei Starkregen mitunter kaum mehr aus dem Fenster schauen können und der düster-graue Himmel eine gelungene Atmosphäre entfaltet – während leichter Regen wiederum weniger Probleme verursacht. Hier prasselt also nicht nur der „Standardregen“ des Train Simulators auf die Frontscheibe.

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Matsch aus der Vergangenheit
Schade ist angesichts dieser gelungenen Wettereffekte allerdings, dass die Route allgemein dann doch ein wenig veraltet in Erscheinung tritt. An vielen Stellen entlang der Strecke fallen uns vor allem recht matschige Bodentexturen auf, die wahrlich nicht mehr dem entsprechen, was wir von aktuelleren Routen gewohnt sind. Und auch das Rollmaterial selbst macht hier und da einen etwas undetaillierten Eindruck. Das macht sich natürlich auch daran bemerkbar, dass wir einige Gegenstände und Knöpfe in den Führerhäusern weniger bedienen können, als inzwischen üblich. Trost kommt aber sicherlich dadurch, dass „Sherman Hill“ mehr als genügend Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten hat und der Spieler reichlich weitere Lokomotiven und Szenarien dazu kaufen kann. Darunter auch diverse wirklich interessante Fahrzeuge.

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Gasturbinenlok
Käufer der 2016er Vollversion des Train Simulators erhalten etwa die berühmte riesige Gasturbinenlok der Union Pacific dazu, die mit gleich zwei Motoren daher kommt und einige Besonderheiten zu bieten hat. Einerseits den klassischen Dieselmotor für das Rangieren auf Güterbahnhöfen und andererseits die leistungsstarke Gasturbine, die der Spieler zunächst manuell hochfahren muss, ehe er diese bedienen kann. Die Steuerung eben dieser Lok gestaltet sich im Vergleich zu anderem Rollmaterial somit sichtlich außergewöhnlich und kann richtig Spaß machen. Zumal auch die Animationen schnell punkten können, denn selbst die Vibrationen der Lok sind auf dem Bildschirm leicht erkennbar. Schade ist dann lediglich, dass die Szenarien selbst hierbei nicht ganz so abwechslungsreich gestaltet wurden, wie etwa beim mitgelieferten Rollmaterial.

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Umfangreiches Rollmaterial
Aber auch ohne solche Zusatzmaterial enthält die Strecke selbst schon mehr als genügend Lokomotiven. Mit der SD70M, der SD40-2, der ES44C und der SW10 sind dementsprechend bereits standardmäßig vier verschiedene Lokomotivtypen enthalten, die sich auch grundsätzlich anders steuern und ein anderes Brems- und Beschleunigungsverhalten an den Tag legen. Die Schwierigkeit des Transports von schwerer Fracht ist dabei direkt abhängig von Kraft und Bremsverhalten der Lok und realistisch spürbar. So macht zumindest das Fahren selbst bereits recht viel Spaß. Und auch innerhalb eines Szenarios kann der Spieler durchaus auf abwechslungsreichen KI-Verkehr treffen, der keineswegs stets dieselben Lokomotiven an seiner Front hat. Insgesamt überschneidet sich das Rollmaterial dabei sogar mit „Train Sim World: CSX Heavy Haul“ – mit dem Unterschied, dass die Lokomotiven hier alle mit der berühmten Union Pacific-Lackierung aufwarten können.

Train Simulator: Sherman Hill

Weniger Funktionen
Jetzt bleibt natürlich für den Spieler die entscheidende Frage, ob er sich tatsächlich die „Sherman Hill“-Route zulegen soll, oder stattdessen gleich zu „Train Sim World“ greifen sollte. Eines muss man an dieser Stelle natürlich klar sagen: Auf Grund des Alters des Train Simulators sind die Funktionen der Lokomotiven im Vergleich zu TSW natürlich wesentlich eingeschränkt. So lässt sich etwa der Bordcomputer der ES44C nicht wie in Train Sim World bedienen, sondern wird lediglich als abgeschalteter Bildschirm dargestellt. In TSW hingegen lässt sich darüber auch der Rangier-Tempomat steuern, um leichter den Zug beladen zu können. Und auch aussteigen und etwa den Motorraum öffnen, können wir bei „Sherman Hill“ natürlich nicht. Dafür eignet sich die Strecke aber trotzdem vor allem für echte Union Pacific-Fans und all jene, deren Rechner nicht leistungsstark genug für das neuere Spiel sind.

Train Simulator: Sherman Hill

Die größte Dampflok
Übrigens: Interessant kann „Sherman Hill“ auch für echte Dampflok-Fans werden, denn diese Route lässt sich auch durch die enorm große und legendäre „Big Boy“ von Union Pacific erweitern. Und damit erhält man die wohl größte Dampflokomotive, die jemals gebaut wurde. Natürlich muss allerdings auch diese Lokomotive zusätzlich erworben werden, doch wie wir eingangs schon erwähnten: Erweiterungsmöglichkeiten gibt es – gegen entsprechendes Geld – bei diesem Addon mehr als genügend. Ganz zu schweigen von einem zusätzlichen Szenariopaket, das für zehn Euro ebenfalls die Strecke noch einmal um diverse spannende Aufgaben erweitert. Auch ohne dieses Paket darf man sich aber bereits auf eine hohe Spielzeit von deutlich über zehn Stunden freuen.

Train Simulator: Sherman Hill

Lange Fahrten
Das liegt vor allem daran, dass die einzelnen Szenarien mitunter recht lang sind. Für die ein oder andere Aufgabe ist man dann durchaus einmal 90 bis 120 Minuten unterwegs – natürlich auch der relativ langsamen Geschwindigkeit geschuldet. Bei sechs Szenarien an der Zahl (die Gasturbinenlok noch nicht mitgerechnet), kommt da durchaus eine gute Zeit zusammen. Und wenn man Pech hat, darf man so manche Aufgabe sogar erneut erledigen, weil man an einem Punkt gescheitert ist. Ganz einfach gestalten sich die Karriereszenarien nämlich nicht und ein erreichen einer hohen Punktzahl kann ebenfalls schnell eine echte Herausforderung werden. Wer also den Extrem-Güterverkehr liebt und genau in diesem Bereich einige spannende Aufgaben sucht, liegt mit „Sherman Hill“ absolut richtig.

Fazit:
Die mittlerweile etwas in die Jahre gekommene „Sherman Hill“-Route punktet mit schwierigen Frachaufgaben, großer Erweiterbarkeit und durchaus abwechslungsreichen Szenarien. Dafür muss man sich allerdings mit nicht mehr zeitgemäßen Texturen zufrieden geben und auf Passagieraufgaben vollständig verzichten.

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