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10
Feb

Train Simulator: Durchs Moseltal

Das Moseltal gehört zu den wohl schönsten und beeindruckendsten Landschaften Deutschlands. Auf der einen Seite ragen die romantischen Weinberge in die Höhe, auf der anderen Seite schlängelt sich die hübsche Mosel zwischen den Hügeln entlang und verschafft dem Reisenden einen fantastischen Ausblick. Zugleich ist die Strecke zwischen Koblenz und Trier allerdings auch eine der wichtigsten Industrierouten unseres Landes. Güterverkehr gehört dort ebenso an die Tagesordnung, wie auf der vergleichbaren Rheinstrecke nach Bingen. Und auch für den Regionalverkehr dürfte die Route keineswegs uninteressant sein, zumal zahlreiche Nebenstrecken die kleineren Orte an der Mosel mit den Hauptstrecken verbinden. Und spätestens dabei wird die Fahrt wohl für jeden Lokführer und Fahrgast zu einem wahren Augenschmaus.

Kritik:
Deutsche Fans des Train Simulators dürften es auf die richtig hübschen Routen sicherlich in besonderem Maße abgesehen haben. Dass dazu neben der Rheinstrecke natürlich auch das Moseltal gehören muss, versteht sich von selbst. Entsprechend einem Fahrplan, der vermutlich in den 90iger Jahren angesiedelt ist, geht es demnach von Koblenz nach Trier.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Auf zu den Weinbergen
Dabei ist nicht nur der Streckenverlauf der ganze 113 Kilometer langen Route insgesamt originalgetreu nachgebaut, sondern hat auch einige optische Merkmale zu bieten. Wahlweise links oder rechts finden wir meist die wunderhübschen Weinberge, die interessanterweise je nach Jahreszeit des jeweiligen Szenarios eine andere Farbe annehmen. Im Sommer knall grün, im Herbst dann rustikal braun-rot und im Winter sogar ohne jegliche Früchte – da macht die Strecke zwischen Koblenz und Trier durchaus einen realistischen Eindruck und hat somit sogar eine optische Besonderheit zu bieten. Da lässt es sich auch verschmerzen, dass die Wasseranimationen der Mosel mit der veralteten Engine des Train Simulators nicht mehr ganz so modern aussehen. Übrigens: Eine Streckenlänge von 113 Kilometern ist für ein Addon des Train Simulators erstaunlich lang, üblich sind häufig eher maximal die Hälfte. Dementsprechend sind Fahrten von mehreren Stunden durchaus möglich.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Ruhige Fahrt auf Nebenstrecken
Das soll allerdings längst nicht alles sein, denn neben der wichtigen Hauptstrecke zwischen Koblenz und Trier, die vollständig mit all ihren Halten umgesetzt wurde, haben sich die Entwickler zugleich auch die Mühe gemacht, eine interessante Nebenstrecke zu integrieren. Von Bullay in Rheinland-Pfalz aus geht es schließlich über eine eingleisige Strecke ins tiefe Innere des Moseltals nach Traben Trarbach. Etwa zehn Kilometer dürfen wir dort mit dem alten Dieseltriebwagen der Baureihe 628 eine vermutlich nicht ganz so profitable, aber dafür umso hübscher anzusehende Nebenstrecke von knapp zehn Kilometern abfahren, die sogar über gänzlich eigene Signalsysteme verfügt. Da darf man sich also durchaus auf ein wenig Abwechslung freuen – und bekommt auch noch den passenden Streckenabschnitt für hübsche Screenshots geboten.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Mitten im Grünen
Dass „Durchs Moseltal“ allerdings zugleich auch wirklich richtig hübsch aussieht, haben wir vor allem der dichten Vegetation zu verdanken, die die Macher in das Routen-Addon eingebaut haben. Dass die Büsche auf der Nebenstrecke fast unseren Zug streifen und auch innerhalb der Schienen schon einmal etwas Gras wächst, gehört zum festen und wichtigen Bestandteil der Route und wertet sie optisch noch deutlich auf. Insgesamt mögen die Farben der teils neongrünen Vegetation dabei zwar etwas zu hell aussehen, aber im Vergleich zu anderen Strecken bekommen wir immerhin eine realistischere Bewachsung entlang der Strecke geboten. Und das gilt letztendlich natürlich auch für die Bahnhöfe, die selbst hin und wieder mal etwas Gras abbekommen haben. Rein optisch dürfte „Durchs Moseltal“ also vermutlich zu den schönsten Strecken für den Train Simulator gehören.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Licht am Ende des Tunnels
Entlang der Strecke dürfen wir uns aber auch architektonisch auf einen gewissen Realismus freuen. Mit dem Kaiser-Wilhelm-Brücke hat man immerhin eine der längsten Eisenbahntunnel Deutschlands eingebaut und diesen realistisch mit über vier Kilometern Länge umgesetzt. Und auch der kann sich dank der glaubwürdigen Innenbeleuchtung durchaus sehen lassen und hebt sich von den Tunneln aus anderen Addons deutlich ab. Ähnliches gilt für die Doppelstockbrücke Alf-Bullay, die nicht nur einen hübschen Ausblick über die Mosel bietet, sondern auch relativ detailgetreu umgesetzt und durchaus wiedererkennbar ist. Ganz zu schweigen vom Bahnhof in Cochem mit seiner besonderen Gestaltung oder der ein oder anderen Burg, die im Hintergrund auf den Bergen auftaucht und ebenfalls auf der Moselstrecke nicht fehlen dürfen.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Zurück in die Vergangenheit
Den heute dort vorherrschenden Schienenverkehr bekommen wir allerdings nicht geboten, was vermutlich lizenzrechtliche Gründe hat: Auf die zahlreichen Privatbahnen, die heute im Regionalverkehr unterwegs sind, müssen wir also verzichten. Stattdessen dürften die Szenarien und das Rollmaterial vermutlich eher in den 90iger Jahren angesiedelt sein und einen für damalige Verhältnisse realistischen Schienenverkehr bieten. Für den Spieler bedeutet das, dass er gleich zwei verschiedene Lokomotivtypen fahren darf: Einerseits die Dieseltriebwagen der Baureihe 628 / 928, die mit ihrem kleinen niedlichen Look eher die kleineren Orte und Bahnhöfe anfahren. Andererseits aber auch die große starke E-Lok der Baureihe 189, die vor allem im Güterverkehr unterwegs ist und dabei gerne auch mal in Doppeltraktion beobachtet oder gefahren werden kann, wenn sie ihr hohes Gewicht über die Strecke zieht.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Immer eine Überraschung
Spannend werden die Szenarien allerdings auch deshalb, weil die Moselstrecke weitaus mehr KI-Verkehr mitliefert, als wir zunächst erwartet haben. Dabei beschränkt man sich nämlich nicht auf die zwei verschiedenen Baureihen, sondern liefert noch zahlreiche, nicht fahrbare Lokomotiven und Züge mit. Die Baureihe 151 gehört für den damaligen Güterverkehr schließlich obligatorisch dazu und auch Baureihe 243 kann im Regionalverkehr mit Doppelstock- oder den damaligen roten n-Wagen desöfteren beobachtet werden. Damit gestaltet sich insgesamt ein realistischer Verkehr nach damaligem Fahrplan, bei dem die Szenarien zu keiner Zeit einen zu leeren Eindruck machen. Wir fühlen uns schnell, wie bei der echten Eisenbahn. Und wenn dann auch noch der ein oder andere Sonderzug mit Dampflok entgegen kommt, ist die Überraschung erst so richtig groß – denn „Durchs Moseltal“ hält noch so manchen KI-Verkehr bereit, der in der Beschreibung zuvor gar nicht angegeben wurde.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Passagier- und Güterverkehr
Insgesamt kommt das Addon auch mit ganzen zwölf Szenarien daher und bietet dabei reichlich Spielspaß, zumal so manche Aufgabe auch einmal mehr als eine Stunde dauern darf. Dabei ist der Passagier- und Güterverkehr gleichermaßen stark vertreten. Im Personenverkehr dürfen wir vor allem mit Baureihe 628 / 928 eher langsam unterwegs sein und nehmen dabei jeden Bahnhof mit. Baureihe 189 hingegen versorgt uns mit meist sehr langen Fahrten über die gesamte Strecke, bei dem wir durchaus hohes Gewicht transportieren. Auf Rangieraufgaben verzichtet „Durchs Moseltal“ somit also fast komplett. Dafür bekommen wir aber auch mal einen damaligen Intercity-Zug zu sehen, der ersatzweise mit der 189er unterwegs ist und somit auch bei dieser Lok einmal Abwechslung zu bieten hat. Dass sich die Entwickler zudem auch einige Zufallsereignisse haben einfallen lassen, über die wir dann während der Fahrt informiert werden, macht die Fahrten noch ein klein wenig aufregender. Fans des Train Simulators können bei dieser Strecke also nicht viel falsch machen, obwohl es durchaus ein paar kleinere Probleme gibt.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Gar nicht zu schnell
Schade sind angesichts dieser hohen Qualität aber vor allem einige Bugs entlang der Strecke, die den Spielverlauf durchaus stören können. An zwei Stellen entlang der Route registriert „Durchs Moseltal“ beispielsweise eine Geschwindigkeitsüberschreitung, während der Spieler eigentlich unterhalb der vorgegebenen Geschwindigkeit fährt. Das stört zwar nicht allzu sehr, weil wir ohnehin nur Standard- statt Karriereszenarien geboten bekommen, macht aber in der Auswertung zumindest die Statistik kaputt. Zum anderen entspricht die Aufstellung der Signale nicht immer dem Original und einige der Anzeigen haben nicht die vorgesehene Wirkung. Etwa dann, wenn eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht wie auf dem Signal angegeben in Kraft tritt. Derartige Dinge sollten die Macher also in jedem Fall noch überarbeiten – ob das allerdings zwei Jahre nach der Veröffentlichung noch passiert, ist fraglich.

Fazit:
Die Strecke entlang des Moseltals gehört optisch zu den hübschesten Addons für den Train Simulator und hat dank zahlreicher Szenarien und einer ungewöhnlich langen Route auch reichlich Spielspaß zu bieten. Leider trüben vereinzelte Fehler das Spielerlebnis.

Train Simulator: Durchs Moseltal Wertung


26
Jan

Railway Empire

Im Jahre 1830 steht die Eisenbahn in Nordamerika noch vor den blutigen Anfängen. Einige amerikanische Eisenbahnunternehmen, darunter die Union Pacific Railroad, stecken ihr gesamtes Herzblut in die Aufgabe, die Menschen des Landes über die Schiene miteinander zu verbinden. Der große Traum ist eine transkontinentale Eisenbahn von der West- hinüber zur Ostküste. Doch der Weg dahin ist wahrlich kein leichter: Die finanziellen Mittel sind begrenzt, die Zeit rennt allmählich davon und die Konkurrenz schläft nicht, wenn es darum geht, ihr eigenes Streckennetz möglichst gewinnbringend auszubauen. Nun liegt es an uns, das Ziel des Projektes als erster zu erreichen…

Kritik:
Ganze fünfzehn Jahre ist es mittlerweile her, dass mit „Railroad Tycoon 3“ die letzte reine Eisenbahn-Wirtschaftssimulation auf den Markt kam. Die Begeisterung dafür hat hierzulande aber noch immer nicht nachgelassen: Vielen Spielern sind die zahlreichen Stunden mit der süchtig machenden Wirtschaftssimulation in Erinnerung geblieben. Genau deshalb möchte „Railway Empire“ nun die Gelegenheit nutzen, nach dieser langen Zeit endlich in die Fußstapfen der damaligen Spielereihe zu treten.

Railway Empire

Herausforderungen in Nordamerika
Ein ungewöhnlicher und mutiger Schritt mag es dabei sein, auf internationale Szenarien zu verzichten. „Railway Empire“ konzentriert sich nämlich ausschließlich auf die Anfangszeiten der Eisenbahn in Nordamerika. Konkret bedeutet das, dass wir auf europäische oder gar deutsche Szenarien komplett verzichten müssen – und das, obwohl die größte Zielgruppe derartiger Wirtschaftssimulationen höchstwahrscheinlich in Deutschland zu finden ist. Immerhin lieben vor allem die Deutschen diese Art von Managementsspielen mit möglichst umfangreichen Micromanagement-Optionen. Durchdacht ist dieser Schritt aber durchaus: So nämlich kann „Railway Empire“ in seiner knapp 15-stündigen Kampagne eine richtige und spannende Geschichte um die Entwicklung der Eisenbahn in den Vereinigten Staaten erzählen.

Railway Empire

Komplex und doch einfach
Das Spielprinzip ist dabei grundlegend dasselbe, wie einst in „Railroad Tycoon“: Auch dieses Mal müssen wir mit dem verfügbaren Budget ein Eisenbahnnetz aufbauen und dabei Produktionsketten möglichst profitabel miteinander verbinden. Wir bauen Bahnhöfe verschiedener Größe, verlegen Gleise, erstellen Linien und lassen anschließend Passagier- und Frachtverkehr auf den Strecken fahren. Kennern des Genres dürfte der Einstieg demnach recht leicht fallen, zumal das erste Szenario der Kampagne leicht verständlich die Funktionsweise des Spiels erklärt. Und da fällt auch prompt auf, dass „Railway Empire“ bei seiner alten Vorlage nicht nur einiges abgeschaut, sondern vor allem auch verbessert hat. Wie einfach hierbei das Verlegen von Gleisen oder der Brückenbau von der Hand geht, überrascht selbst so manchen Fan des Genres. Und selbst die Installation von Signalen oder die Konfiguration des verwendeten Bahnsteigs funktioniert erstaunlich einfach. Besser hätte man das komplexe Bauen von Bahnnetzen nicht umsetzen können.

Railway Empire

Forschung und Personal
Interessant ist derweil auch, dass „Railway Empire“ einige Funktionen mehr eingebaut hat, als dies in den meisten anderen Wirtschaftssimulationen üblich ist. Denn statt sich rein auf den wirtschaftlichen Faktor zu beschränken und neue Technologien lediglich durch das Fortschreiten der Zeit freizuschalten, hat Kalypso ihrem neuesten Spiel auch einen echten Forschungsbaum spendiert. Durch unseren Spielfortschritt oder auch durch das Einsetzen von Erfindern erhalten wir schließlich Innovationspunkte, die wir zur Freischaltung beliebiger neuer Technologien verwenden können – seien es Lokomotiven, Verbsserungen oder auch firmeninterne Vorteile. Gleichzeitig hat man außerdem die Möglichkeit eingebaut, Personal einzubauen, das etwa in den Zügen oder im Büro arbeitet. Der Einsatz von Lokführern, Heizern, Wachmännern, Landvermessern, Ingenieuren und anderen Personen verschaffen uns letztendlich ganz verschiedene Vorteile, die sich direkt auf den Spielablauf auswirken können. So wird das Eisenbahnmanagement sogar noch ein bisschen interessanter, als wir es bisher gewohnt waren.

Railway Empire

Wirtschaftsspionage
Apropos Personal: Eine besondere Eigendynamik entwickelt „Railway Empire“ vor allem auch damit, auf den Schwarzmarkt zurückgreifen zu können. Da gibt es dann nämlich ein paar weniger seriöse Mitarbeiter zu ergattern, die beispielsweise die Züge der Konkurrenz ausrauben können oder für schlechte Artikel in den Medien sorgen. Besonders interessant wird dabei allerdings die Möglichkeit der Wirtschaftsspionage, bei der wir einen Spion anheuern, um Technologien – die wir normalerweise über den Forschungsbaum freischalten müssten – bei einem Konkurrenzunternehmen unserer Wahl zu ergattern. Die sind mitunter zwar ein bisschen teurer, machen „Railway Empire“ insgesamt aber ebenfalls noch ein klein wenig spannender.

Railway Empire

Steigender Schwierigkeitsgrad
Einsteiger muss das unterdessen allerdings noch nicht abschrecken. Vor allem die Kampagne startet anfänglich immerhin recht leicht und zieht seinen Schwierigkeitsgrad zur Mitte hin dann ordentlich an. Also genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Spieler mit allen Funktionen des Spiels bestens vertraut ist. Erfahreneren Spielern mag das anfangs sicher noch etwas zu leicht erscheinen, da vor allem die zu beliefernden Produktionsketten zunächst recht einfach gehalten sind. Im späteren Verlauf, wenn etwa steigende Bedürfnisse der Städte und Industrien berücksichtigt werden müssen und gleich mehrere Fabriken hintereinander beliefert werden müssen, wird die planerische Herausforderung schon um einiges größer – vor allem, wenn es darum geht, keinen Stau auf den Schienen zu verursachen. Gleichzeitig kann eine später aufkommende zeitliche Begrenzung den Spieler ziemlich ins Schwitzen bringen, denn wenn wir für so manche Aufgabe nur ein virtuelles Jahr Zeit haben, wird so manches Ziel schon einmal nur sehr eng erreicht.

Railway Empire

Bedürfnisse der Stadt
Etwas zu simpel aufgebaut sind allerdings wohl die Muster, nach denen die jeweiligen Industrien verteilt wurden. Grundsätzlich ist es schließlich so, dass landwirtschaftliche Betriebe und Rohstoffabbau grundsätzlich auf dem Land zu finden sind, produzierende Industrie wiederum ausschließlich in den Städten – und das ausnahmslos. Das sorgt mitunter dafür, dass sich der grundlegende Aufbau der Karten gelegentlich ein wenig wiederholt und man früher oder später mit der immer gleichen Vorgehensweise erfolgreich sein kann. Hier und da auch mal einen Bauernhof in der Stadt zu platzieren, hätte den Warenverkehr sicherlich ein wenig spannender gemacht. Dass man darauf verzichtet hat, liegt aber vermutlich am grundlegenden Spielprinzip: Vergleichbar etwa mit dem Ressourcenmanagement in Aufbaustrategiespielen spielen vor allem die Bedürfnisse der Städte eine große Rolle – und die steigen schließlich mit steigender Einwohnerzahl. Da hat man ein wenig das klassische „Anno“-Prinzip auf das Eisenbahnmanagement übertragen.

Railway Empire

Langer Spielspaß
Wer allerdings nun dachte, dass er auf Grund der sich wiederholenden Muster recht schnell mit „Railway Empire“ durch ist, den können wir an dieser Stelle eines Besseren belehren: Mit dieser Wirtschaftssimulation wird man nämlich noch so manchen verregneten Abend verbringen können. Denn neben der insgesamt knapp 15-stündigen Kampagne, finden wir noch zahlreiche, davon unabhängig spielbare Einzelszenarien, die auf Grund des fordernden Schwierigkeitsgrades vermutlich noch einmal die doppelte Spielzeit in Anspruch nehmen. Man sollte bei „Railway Empire“ also nicht damit rechnen, das gesamte Spiel in weniger als 30 Stunden durchspielen zu können. Eine wesentlich längere Spielzeit ist sogar eher zu erwarten, hängt aber von den Fähigkeiten der Spieler ab. Und wem das dann noch nicht reicht, der findet zudem auch noch einen Modellbahnmodus, in dem er sich schlicht und einfach nach Belieben austoben und Bahnstrecken bauen kann. Da hat man gleich von vornherein an jene Spieler gedacht, die den meisten Spaß mit dem Bauen haben und dies sonst ohnehin per Mod hinzugefügt hätten. Überaus lobenswert.

Railway Empire

Technisch einwandfrei
Noch lobenswerter ist unterdessen allerdings der herausragende Zustand des Spiels. Nachdem sich schließlich immer mehr Spieler darüber beschweren, dass zahlreiche Spiele mittlerweile in unfertigem Zustand erscheinen, freuen wir uns doch umso mehr darüber, dass dies bei „Railway Empire“ keineswegs der Fall ist. Bereits die im Dezember verfügbare Beta-Version überzeugte mit einer technisch einwandfreien Umsetzung und lief auf unserem Test-Rechner zu jeder Zeit absolut stabil. Nennenswerte Bugs konnten wir während unseres Tests außerdem bisher auch nicht feststellen und auch grafisch dürfte dieses Spiel wohl eine der hübschesten Wirtschaftssimulationen der vergangenen Jahre sein. Insofern können wir Fans von „Railroad Tycoon“ und ähnlichen Spielen hiermit eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.

Fazit:
Die hübsche Wirtschaftssimulation aus dem Hause Kalypso tritt in die tiefen Fußstapfen eines „Railroad Tycoon“ und liefert nicht nur einen würdigen Nachfolger, sondern erweitert diesen auch noch um spannende neue Features. „Railway Empire“ ist somit eine klare Kaufempfehlung für Fans des Eisenbahnmanagements.

Railway Empire Wertung


23
Jan

Nantucket

Auf den Spuren von Moby Dick: Als einziger Überlebender von Pequod verbringt Captain Ishmael seine Lebenszeit am liebsten damit, die sieben Weltmeere zu durchqueren. Auf seinen Reisen kann er sich vor allem für eine besondere Leidenschaft begeistern: Das Jagen von Walen. Vor allem die Legende vom berühmten weißen Pottwal Moby Dick lässt ihm dabei keine Ruhe. Doch selbst mit seinem weltoffenen Charakter stellt es eine echte Herausforderung dar, genügend Ansehen bei den anderen Seefahrern zu erlangen, um dem Geheimnis von Moby Dick ein klein wenig näher zu kommen. Damit beginnt eine lange, beschwerliche Reise für den Kapitän…

Kritik:
Innovativ ist es in jedem Fall, ein Computerspiel basierend auf der Geschichte von Moby Dick zu entwickeln. Noch dazu, wenn man sich hinsichtlich der Erzählung und Charakterauswahl durchaus an der Vorlage orientiert. Denn „Nantucket“ setzt genau da an, wo das Buch von Melville einst beendet wurde: Kurz nach den Ereignissen auf der Pequod.

Nantucket

Aller Anfang ist schwer
Und mit genau so einem schicken Segelschiff sind wir dann auch in „Nantucket“ unterwegs, wenn gleich wir im späteren Verlauf durchaus die Möglichkeit haben, größere und fähigere Schiffe einzukaufen. Schade ist dann gleich zu Beginn, dass wir auf Captain Ahab aus den berühmten Moby Dick-Büchern größtenteils verzichten müssen, auch wenn dieser immerhin während des Tutorials auftaucht. Danach nämlich steuern wir die Erlebnisse von Captain Ishmael, dessen Namen wir bei Bedarf auch ändern können und erleben eine komplett eigene Geschichte. Und dabei ist der Einstieg zumindest auf den ersten Blick gar nicht so einfach: Gerade erst das Spiel gestartet, wirkt „Nantucket“ mit seinem umfangreichen Mikromanagement nämlich zunächst ein wenig überladen. Den Überblick zu behalten, gestaltet sich nicht immer einfach – zumal, das Tutorial lediglich einige grobe Basics vermittelt, nicht jedoch die wichtigsten Elemente des Spiels. Danach heißt es nämlich „Learning by doing“.

Nantucket

Bunter Genre-Mix
Dass der Anblick der zahlreichen Menüs dabei zunächst ein wenig überfordern kann, liegt allerdings auch daran, dass sich „Nantucket“ nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen will und damit zugleich auch seine Innovation ausmacht. Dieses Spiel ist nämlich eine Mischung aus Rollenspiel, Erkundung und Karten-/Würfelspiel, das Elemente aus allen drei Genres geschickt miteinander kombiniert. Noch dazu komplett in 2D gehalten, versteht sich. Wenn wir uns also nicht gerade durch umfangreiche, etwas überladen wirkende Menüs wurschteln, treiben wir vor allem auf einer Weltkarte unser Unwesen, auf der wir unser Schiff steuern und die nächsten Ziele anvisieren können. Denn auf den sieben Weltmeeren heißt es, Quests zu erfüllen, spannende Dinge mit der Crew zu erleben und nebenbei ein paar Wale und Seeungeheuer zu vernichten.

Nantucket

Prestige ist alles
Bevor es los geht, liegt es allerdings an uns, zumindest eine kleine Crew für unser Schiff anzuheuern, die dieses auf der Fahrt in Stand hält und uns vor allem im Kampf gegen Tiere und andere Gegner zur Seite steht. Das Prinzip ist dabei allerdings simpler, als es auf den ersten Blick scheint: Je höher unser Prestige, desto mehr und bessere Mannschaftskameraden können wir im nächsten Hafen anfordern. Prestige wiederum erhalten wir durch das Absolvieren von Quests oder durch unser Verhalten in den Zufallsereignissen auf hoher See. Denn wird natürlich eine Geschichte erzählt. Und so manche neue Quest eröffnet sich sogar, wenn wir erst einmal im Prestige oder im Level gestiegen sind. Ein klein wenig Suchtpotential hat das Spiel damit also schon, ständig neue Fähigkeiten und Verbesserungen ergattern zu wollen.

Nantucket

Schwäche der Wiederholung
Leider liegt zugleich auch die größte Schwäche des Spiels in der Handlung und den Quests. Denn obwohl wir durchaus eine spannende Hauptquest erhalten und nebenbei einige wenige Nebenquests mit Story vorfinden können, setzt „Nantucket“ überwiegend dann doch auf generische und sich ständig wiederholende Aufgaben, mit denen wir Geld und Prestige sammeln können. Ein verloren gegangenes Schiff suchen gehört dann ebenso dazu, wie neue Walfanggebiete auszukundschaften und auf die Jagd zu gehen. Leider stellen wir fest, dass wir doch einen Großteil unserer Zeit mit genau diesen beiden Aufgaben verbringen und dass dies ein echter Motivationskiller sein kann. Vor allem, wenn die erste Hauptquest zunächst noch heißt, 25 Prestige erlangen zu müssen, ehe die Story voranschreitet – und wir lediglich diese generischen Möglichkeiten dazu erhalten. Erst danach schreitet die Story dann mit größeren Schritten voran und entfaltet sein eigentliches Potential. Man sollte also zu Beginn am Ball bleiben, um „Nantucket“ als wirklich spaßig zu empfinden.

Nantucket

Der Mangel an Geld
Schade ist anfänglich auch, dass es uns häufig an Geld mangelt, denn „Nantucket“ setzt zugleich auch auf spannendes Ressourcenmanagement. Um genügend Tage mit Nahrung, Wasser und anderen wichtigen Dingen auszukommen und nicht vor unserer Ankunft am Ziel zu verhungern, müssen wir an den jeweiligen Häfen auch genau diese Rohstoffe einkaufen – und auf unseren Reisen stets im Auge behalten. Das bedarf dann anfangs schon ein oder zwei Anläufe, denn das Tutorial verzichtet gänzlich darauf, das Ressourcenmanagement auch nur zu erwähnen. Den richtigen Dreh rauszubekommen, wie viele Ressourcen wir wohl benötigen, ist nicht immer einfach. Und vor allem sind die Ressourcen auch nicht ganz so günstig. Das führt dann dazu, dass wir durchaus einige Stunden benötigen, um endlich unser zweites, größeres Schiff kaufen zu können, mit dem wir dann auch spannendere Quests erhalten. Ganz zu schweigen davon, dass die erforschbaren Schiffsverbesserungen natürlich auch allesamt Geld kosten. Das meiste Geld allerdings gibt es durch den Walfang – und auch hier können die Wiederholungen mitunter frustrieren.

Nantucket

Kampf mit Würfeln
Beim Kampfsystem kommen nämlich die Karten- und Würfelspielelemente hinzu. Unsere Crew und auch die Gegner liegen dabei in Form von Karten vor, die über die Lebenspunkte und auch die besonderen Fähigkeiten entscheiden. Je mehr Prestige wir haben, umso bessere Werte haben die Crewmitglieder, die wir am Hafen anheuern können. Und auch die Größte des Schiffes entscheidet: Je mehr Walfangboote und Crewmitglieder wir aufnehmen können, desto besser dann unsere Chancen im Kampf. Ob wir also mit drei, sechs oder gar neun Crewmitgliedern in den Kampf ziehen, entscheidet sich daran. Spannend wir der Kampf allerdings dadurch, dass er auf ein rundenbasiertes Würfelsystem setzt. Für jeden unserer Crewmitglieder erhalten wir einen Würfel mit 6 Seiten, die darüber entscheiden, ob und welche Fähigkeiten wir einsetzen können. Ein bisschen ist „Nantucket“ also auch Glücksspiel, das aber an der Stelle durchaus Spaß macht – denn auch die Gegner vermehren sich und werden immer stärker. Doch auch hier kommen wir erneut zum Thema der Wiederholungen: Der Ablauf der Kämpfe ist nämlich stets derselbe.

Nantucket

Kein Herz für Tiere
Dafür allerdings macht es schon einen gewissen Spaß, in die Zeit von 1830 einzutauchen – vor allem, wenn einem heutige Moralvorstellungen ein wenig auf die Nerven gehen. „Nantucket“ spielt schließlich in einer Zeit lange vor dem Tierschutz, Greenpeace oder militanten Organisationen wie Sea Shepherd. Hier dürfen wir nicht nur, sondern müssen sogar ganz gezielt junge und neugeborene Wale, Delfine, Haie und andere Tiere ermorden. Meerestiere nämlich sind für Captain Ishamel und die anderen Seefahrer lediglich Seeungeheuer, die es unbedingt zu vernichten und auszuweiden gilt – denn mit ihrem Speck lässt sich schließlich das meiste Geld erwirtschaften. Interessanterweise gilt ähnliches allerdings auch für amerikanische Ureinwohner und Piraten. Die werden schließlich auch ausnahmslos getötet. Political Correctness sucht man in diesem Spiel also „erfrischenderweise“ vergeblich – damit möchte man eben ein realistisches Leben der Seefahrer im 19. Jahrhundert abbilden. In diesem Sinne: Gute Jagd!

Fazit:
Das Spiel rund um die Abenteuer von Moby Dick entpuppt sich als innovative Mischung aus 2D-Rollenspiel, Erkundung und Würfelspiel. Das ist nicht nur einzigartig und macht durchaus Spaß, sondern hat auch einen gewissen Anspruch. Leider verspielt „Nantucket“ mit den generischen Quests und den sich ständig wiederholenden Spielelementen viel Potential, da es zeitweilig etwas an Abwechslung mangelt.

Nantucket Wertung


18
Dez

Wolfenstein 2: The New Colossus

Der knallharte Widerstandskämpfer William J. Blazkowicz hat in den vergangenen Jahren schon reichlich schlechte Erfahrungen mit dem Nazi-Regime machen dürfen. Nun steht er in Gefangenschaft vor einer folgenschweren Entscheidung: Er muss darüber entscheiden, welcher seiner Freunde von den Soldaten ermordet wird. Doch dabei wird er es natürlich nicht belassen. Mit roher Waffengewalt kämpft sich B.J. seinen Weg aus der Gefangenschaft frei, um sich erneut der Widerstandsbewegung anzuschließen. Denn der Tod seines Freundes soll nicht umsonst gewesen sein und seine Kinder sollen zukünftig nicht in einem faschistischen Staat aufwachsen müssen. Dumm nur, dass er körperlich stark angeschlagen ist und seine Leber kurz davor ist, gänzlich zu versagen. Und auch seine Erzfeindin Frau Engel ist ihm noch immer auf den Fersen. Trotzdem liegt es in seiner Hand, die Menschheit vom Nazi-Regime zu befreien, das auch im Jahre 1961 noch die Welt tyrannisiert…

Kritik:
Was wäre, wenn die Nazis einst den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten und mit moderner Technologie noch immer die Menschheit in Angst und Schrecken versetzen würden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die „Wolfenstein“-Reihe traditionell – und setzt dabei auf satirisch überzeichnete Charaktere und teils skurrile Handlungen. Mit „The New Colossus“ ist nun der neueste Teil der Reihe erschienen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

German Angst
Angesichts dieser Hintergrundgeschichte des Spiels, erscheint es geradezu absurd, dass man die hierzulande erhältliche Version entschärft hat. Nicht etwa bei den teils tatsächlich sehr drastischen Gewaltdarstellungen – die zeigt man völlig ungeschnitten – sondern bei der Symbolik, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem Dritten Reich steht. Absurd ist das deshalb, weil praktisch alles in diesem Spiel an das Nazi-Regime erinnert – die roten Armbinden der Soldaten, der zugespitzte Reinheitskult der Faschisten, bis hin zu so manch kruden Phantasien, welche die Nazis einst tatsächlich hegten. Dann aber ausgerechnet Hitler in „Herrn Heiler“ umzubenennen und ihm den Bart abzurasieren, obwohl man ihn ohne Zweifel trotzdem erkennt, grenzt schon ein wenig an Albernheit. Und zeugt letztendlich von vorauseilendem Gehorsam, um eine Indizierung von vornherein gar nicht erst zu riskieren.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Schwere Kindheit
Das wird vor allem dann albern, wenn „Wolfenstein 2“ sogar tatsächlich kontroverse Szenen zeigt, die zugleich aber zu den Stärken des Spiels gehören. Etwa dann, wenn ein Wehrmachtssoldat in einem American Diner von seiner menschlichen Seite gezeigt wird und freundlich einem Kind gegenübertritt, ehe er eine Erdbeermilch bestellt und damit so manchen netzaffinen Nerd prompt zum Lachen bringt. Kontroversen, Humor und Ernsthaftigkeit liegen bei diesem Spiel also nah beieinander. Obwohl es sich um einen Ego-Shooter handelt, der gelegentlich auch mal zu einer reinen Ballerorgie werden kann, ist Gewalt hier kein Selbstzweck. Die Aufdeckung der Absurditäten der faschistischen Ideologie steht im Mittelpunkt. Man könnte „The New Colossus“ stellenweise sogar als Antikriegsspiel mit linkem Touch bezeichnen. Denn: Widerstand macht Spaß – das vermittelt der Shooter vordergründig.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Kampf den Aluhüten
Und da passt es auch hervorragend, dass es sich „Wolfenstein 2“ nicht nehmen lässt, reichlich Anspielungen an die heutigen Verschwörungstheorien einzubauen. Die Nazis werden dann kurzerhand mit Reptiloiden in Verbindung gebracht und nachdem diese im Vorgänger bereits eine Basis auf der Rückseite des Mondes besaßen, verschlägt es uns dieses Mal gleich direkt auf die Venus, um dort den Machenschaften und Experimenten der Nazis ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Anders gesagt: Hier reiht sich eine auf Aluhutfantasien basierende Absurdität nach der anderen aneinander und „Wolfenstein 2“ wird schnell zu einem Fest für aufgeklärte Menschen. Schade ist an der Stelle dann lediglich, dass der Einblick in die moderne Welt etwas zurückhaltend geblieben ist. Nur selten betreten wir in diesem Spiel die Zivilisation, unterhalten uns mit den normalen Menschen und bekommen einen Einblick in ein Leben im Zeitalter des Faschismus. Stattdessen ballern wir uns überwiegend durch Schlauchlevel mit Beton- und Stahlwänden. Schade, denn spätestens im American Diner sehen wir, welches Erzählpotential hier möglich gewesen wäre.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Starke Momente in Maßen
Generell fällt bei genauerem Hinsehen ohnehin auf, dass die richtig starken Momente, die wir einst in „Wolfenstein: The New Order“ erlebt haben, hier ein wenig rarer gesät sind. Großartige Level wie etwa der Gefängnisausbruch oder das Klettern an einer riesigen Hauswand hinauf, müssen wir leider sehr vermissen. Stattdessen sorgen eher kurze Auftritte von Ober-Nazi Frau Engel für skurrile Momente am Rande des guten Geschmacks. Fest steht: So absurd genial manche Szene hier sein mag, empfiehlt sich trotzdem eine gewisse Ekelresistenz, wenn unsere Erzfeindin einmal mehr ihr Beil schwingt. Statt aber übermäßig auf diese grandiosen Momente zu setzen, sucht „Wolfenstein 2“ seine Stärken eher in der persönlichen Geschichte der Hauptfigur – und in seinen Kindheitserlebnissen mit einem prügelnden und rassistischen Vater. Das ist eindringlich, gestaltet sich aber zu ernsthaft, um an die satirischen Szenen des Vorgängers heran zu kommen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Widerstand kommt brutal
Dazwischen allerdings – und das betrifft einen Großteil der Spielzeit – schlagen wir uns mit brachialer Waffengewalt durch die Nazihorden und bekommen einen schnellen Oldschool-Shooter geboten. Grundsätzlich bietet es sich zwar auch an, schleichend vorzugehen und die Gegner von hinten zu erledigen, um zunächst die Anführer auszuschalten, damit diese keine Verstärkung mehr rufen können – doch eingefleischte Stealth-Action-Fans werden mit „Wolfenstein 2“ sicherlich nicht wirklich glücklich werden. Ein einziges Mal erwischt werden reicht aus, um die Masse der Gegner gegen uns zu richten – und diesen Beschuss werden wir dann auch nicht mehr los. Da helfen nur noch schnelle Stellungswechsel und Frontalangriff. Und mitunter bekommen wir dabei auch auf mittleren Einstellungen bereits einen ordentlichen Schwierigkeitsgrad geboten. Ein Glück, dass wir diesen jederzeit ändern können, ohne den Spielstand neu laden zu müssen. So lässt sich Frust an der ein oder anderen Stelle vermeiden.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Nazis sind dumm
Angesichts dieses durchaus fordernden Schwierigkeitsgrades wundern wir uns dann aber doch über gelegentliche Aussetzer der KI, die sich gelegentlich leicht überlisten lässt. So ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass wir direkt vor einem Gegner standen und dieser trotzdem nur regungslos an derselben Stelle stehen blieb. In anderen Momenten wiederum war es möglich, einfach eine erhöhte Position einzunehmen und fortan vor dem Beschuss des Gegners sicher zu sein. Erstaunlich ist das übrigens deshalb, weil die Gegner – sofern sie keine Aussetzer haben – recht fordernd und intelligent reagieren. Sie nutzen Deckungen, flankieren uns nach Möglichkeit und schrecken auch vor dem Einsatz von Granaten nicht zurück. Kurz gesagt: Meistens setzen sie uns massiv unter Druck und lassen keine Verschnaufpausen. Da entsteht dann auch recht schnell viel Tempo innerhalb der Kämpfe.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Hoch die Beine
Im späteren Spielverlauf bekommen wir dann nicht nur interessantere und größere Waffen, sondern auch neue Modifikationen und Fähigkeiten. So können wir beispielsweise über drei verschiedene „Körperverbesserungen“ wählen, die uns wahlweise mehr Kraft verleihen oder etwa auf Stelzen laufen lassen, um erhöhte Positionen leichter erreichen zu können. Wenn wir dadurch alternative Wege nutzen können oder ganz andere Taktiken gegen unsere Gegner anwenden dürfen, bekommen die Auseinandersetzungen eine gänzlich neue Dynamik, die schnell Spaß macht. Da ist es fast schade, dass diese Möglichkeiten erst etwa zur Mitte des Spiels erscheinen und wir nicht weitaus früher über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Apropos Fähigkeiten: Natürlich kommt „Wolfenstein 2“ auch mit einem echten Fähigkeitenbaum. Erfahrungspunkte gibt es dafür allerdings nicht, denn auf Rollenspielelemente möchte man zugunsten des Oldschool-Feelings verzichten. Stattdessen sind die Fähigkeiten von unseren Handlungen abhängig: Töten wir unsere Gegner also häufig von hinten, erhalten wir verbesserte Fähigkeiten in eben diesem Kampfstil. So formen wir nach und nach einen individuellen Charakter, der durch unseren eigenen Spielstil geprägt wird. Wie im realen Leben eben.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Chroniken der Freiheit
Hat man dann anschließend noch nicht genug vom Kampf gegen die Nazis, setzt sich „Wolfenstein 2“ auch nach der Hauptstory noch fort. Dann allerdings nicht mehr mit unserer Hauptfigur B.J., sondern mit drei anderen interessanten Charakteren. Im Episodenformat erhalten Käufer des Season Passes nämlich die dreiteilige Erweiterung „The Freedom Chronicles“, bei der wir in die Rolle eines Widerstandskämpfers schlüpfen, der seine ganz eigene Geschichte erzählt und über ganz eigene Fähigkeiten verfügt. Beginnend mit einem ehemaligen Football-Spieler können wir dann beispielsweise durch brüchige Wände rammen oder unsere Gegner über den Haufen rennen. In einer der späteren Episoden schlüpfen wir dann wiederum in die Rolle einer Agentin, die durch winzige Luftschächte kriechen kann und eher verdeckt vorgeht. Da kommen dann auch die Stealth-Fans ein bisschen mehr auf ihre Kosten.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Attentate ohne Reiz
Apropos Stealth: Ein bisschen könnte man seine verdeckten Fähigkeiten auch bei den diversen Attentatsmissionen austesten, die wir durch bei Kommandanten eingesammelte Lochkarten freischalten können und die in erster Linie als Nebenmissionen dienen, um zusätzliche Ausrüstung zu erhalten. Dann nämlich begeben wir uns in bereits bekannte Level und müssen dort ein vorgegebenes Ziel eliminieren. Optimalerweise könnten wir dabei versuchen, unentdeckt an den normalen „Fußtruppen“ vorbei zu kommen und auf direktem Wege den Kommandanten zu erledigen, ohne auch nur einmal den Alarm auszulösen. Schade ist dann nur, dass sich der Reiz an diesen Nebenmissionen stark in Grenzen hält, weil sie schlicht nichts zur Story beitragen und keine neuen Locations hinzukommen. So hat man nach drei bis vier dieser Missionen allmählich genug gesehen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Fehler im Regime
Abschließend muss man sagen, dass „Wolfenstein 2“ insgesamt eigentlich ein herausragendes Spiel wäre, würde der Spielspaß nicht bei einigen Käufern durch zahlreiche Bugs und Fehler getrübt. Auch im Test mussten wir immer wieder feststellen, dass es stellenweise zu schwerwiegenden Grafikfehlern kam, wenn wir die „Bild-Streaming“-Option auf ultra gestellt haben. Plötzlich waren ganze Level kaum mehr zu erkennen oder Haare von Charakteren bildeten riesige Balken. Viele andere Spieler wiederum berichten von Abstürzen und Fehlermeldungen, die das Spiel mitunter unspielbar machen. Wir wiederum stießen auf diese Fehlermeldungen lediglich beim Schließen des Spiels – warum auch immer. Aus diesem Grund empfehlen wir vor dem Kauf einen Test der Demo-Version, um sicherzugehen, dass es auf dem eigenen Rechner zu keinerlei Problemen kommt. Mit etwas Glück werden die Bugs aber auch mit zukünftigen Patches schon bald behoben.

Fazit:
Obwohl „Wolfenstein 2“ stellenweise nicht an die Stärken des Vorgängers heran kommt, liefern die Entwickler wieder einen überaus spaßigen Oldschool-Shooter, der mit seinen satirisch überzeichneten Charakteren auf jeden Fall einige starke Momente zu bieten hat.

Wolfenstein 2: The New Colossus Wertung


15
Dez

Train Sim World: Rapid Transit

Eine der wohl geschäftigsten und wichtigsten S-Bahn-Strecken Deutschlands dürfte die Route zwischen Leipzig und Dessau sein. In der Rolle eines Lokführers der S-Bahn Mitteldeutschland müssen auch wir dabei feststellen, dass die interessante Strecke keineswegs immer nur einfach zu fahren ist. Auf der unterirdischen Stammstrecke unterhalb der Leipziger Innenstadt sind die Entfernungen derartig kurz, dass exaktes Bremsen durchaus zu einer Herausforderung sein kann – ehe es anschließend bergauf in Richtung Norden in die Tiefen der ehemaligen DDR geht. Doch dank des modernen Talent 2-Triebwagens, der von seinen Liebhabern gerne auch „Hamsterbacke“ genannt wird, sollte selbst die schwierigste Herausforderung zu meistern sein.

Kritik:
Die modernste und aktuellste Eisenbahnsimulation unter dem Titel „Train Sim World“ dürfte wohl eine der grafisch aufwändigsten Simulationsspiele auf dem gesamten Spielemarkt sein. Erst im Frühjahr dieses Jahres mit einer amerikanischen Route erschienen, dürfen wir uns mit „Rapid Transit“ nun erstmals auf eine deutsche Strecke wagen und unser Können im reinen Passagierverkehr unter Beweis stellen. Einmal mehr bietet sich mit der neuesten Route allerdings nur die übliche Streckenlänge. Mehr als die üblichen sechzig Kilometer Strecke sollte man bei diesem Addon also ebenfalls nicht erwarten. Eine komplette Linienführung ist damit nicht unbedingt möglich – aber dennoch der wohl realistischste Einblick in die Fahrzeuge der Deutschen Bahn, den wir je gesehen haben.

Train Sim World: Rapid Transit

Eine echte Simulation
Im Mittelpunkt des neuen „Rapid Transit“ dürfte neben der deutschen Strecke, vor allem auch der Triebwagen der Baureihe 1442 stehen, der unter Kennern auch schlicht „Talent 2“ genannt wird. Und wer nach dem klassischen Train Simulator nun erstmals auf Train Sim World umsteigt, wird aus dem Staunen wohl so schnell nicht mehr herauskommen: Die Grafik gestaltet sich nämlich derartig realistisch, dass nicht mehr viel fehlen würde, um den Zug kaum noch von einem realen Foto unterscheiden zu können. Das fängt bei kleinen Details wie den Spiegelungen auf dem Außenblech an und setzt sich sogar bis hin zur animierten Einstiegsrampe fort. Jede Kleinigkeit in und am Talent 2 passt perfekt und entspricht nahezu exakt der Realität. Umso erfreulicher dann, dass auch die Technik des Zuges – bis auf einzelne Kleinigkeiten wie die Haltestellenansage – funktionsfähig simuliert wurde. Da vermisst man am Ende wohl nur noch den Zielanzeiger, wenn wir ansonsten fast den Eindruck haben, in einem echten Zug der Deutschen Bahn zu sitzen.

Train Sim World: Rapid Transit

Hübsches Leipzig
Ebenso gut kann sich natürlich die Strecke ansich sehen lassen, die ziemlich exakt dem realen Vorbild gleicht. Selbst die Säulen und Steine des Leipziger Tiefbahnhofs lassen sich von Fotoaufnahmen mitunter kaum unterscheiden. Gleichzeitig macht die Besiedelung entlang der Strecke einen absolut realistischen Eindruck, sodass wir nicht nur einzelne Häuser wieder erkennen, sondern wirklich der Eindruck erweckt wird, wir befänden uns auf der echten Strecke. Ein Kartenende ist hier jedenfalls bis zum Horizont nicht in Sicht. Kleine zusätzliche Details, wie etwa glaubwürdig aussehende Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn oder niedliche kleine Bahnübergänge machen dabei deutlich, dass die Entwickler sehr viel Detailverliebtheit in ihr neuestes Addon gesteckt haben. Schade, wenn dann wichtige Details im Fahrbetrieb, wie etwa Haltepositionsschilder, leider doch vergessen werden – gerade hier sollte doch das Hauptaugenmerk liegen.

Train Sim World: Rapid Transit

Die einsame Strecke
Problematisch wird bei genauerem Hinsehen aber spätestens die Tatsache, dass ein realistischer Betriebsablauf kaum simuliert werden kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit „Rapid Transit“ lediglich ein einziger Zug – nämlich der Talent 2 – mitgeliefert wird. Auf Regionalbahnen oder gar Güterzüge müssen wir selbst als KI-Verkehr vollständig verzichten. Spätestens an einem der größeren Bahnhöfe außerhalb Leipzigs angelangt, wirkt es doch ganz schön unrealistisch, wenn wir nicht einmal einem klassischen Doppelstockwagen begegnen. Wenn uns ausschließlich Züge entgegen kommen, die exakt so aussehen, wie unser eigener, erscheint das auf lange Sicht nicht sonderlich glaubwürdig. Da hätte man sich zumindest die Mühe machen sollen, noch das ein oder andere zusätzliche Rollmaterial hinzuzufügen – wie immerhin beim alten Train Simulator noch üblich gewesen.

Train Sim World: Rapid Transit

Arbeit ohne Hindernisse
Schade ist dann erst recht, wenn man auch die Szenarien nicht sonderlich interessant gestaltet. Die fünf enthaltenen Aufgaben beschränken sich schließlich komplett darauf, uns einmal von A nach B zu schicken – ohne etwa roten Signalen zu begegnen, unvorhersehbaren Ereignissen oder irgendwelchen anderen Hindernissen. Hier baut man kein spannendes Erlebnis auf, bei dem wir auf Situationen reagieren müssen, sondern wir fahren schlicht bei dauerhaft grünen Signalen über die offene Strecke. Eine Herausforderung für den erfahrenen Eisenbahnfan ist das nun wirklich nicht. Fans des alten Train Simulators könnten hier den Eindruck erhalten, „Train Sim World“ sei lediglich ein Grafikblender, der zwar hübsch aussieht, aber unter der Haube wenig zu bieten hat. Und dabei hat uns das vorherige Addon „Great Western Express“ noch bewiesen, welche Möglichkeiten in diesem Spiel stecken und wie man Szenarien etwas interessanter gestalten kann.

Train Sim World: Rapid Transit

Die kaputte Türe
Dafür orientiert man sich aber ansonsten durchaus an einem gewissen Realismus – allerdings mit dem kleinen Problem, dass das offenbar keineswegs gewollt ist. Wie bei der Deutschen Bahn auch in der Realität desöfteren vorkommend, funktionieren die Türen des Zuges schließlich nicht richtig. Das passiert allerdings nicht, weil hier ein Defekt glaubwürdig simuliert werden soll, sondern weil es sich schlicht um einen Bug des neuesten Addons handelt, bei dem die Türanimation der hinteren Tür gelegentlich nicht funktioniert. Einmal die Kameraperspektive gewechselt und schon ist selbige Tür dann plötzlich geöffnet. Ein solcher Fehler dürfte wohl auf ähnlichen Problemen basieren, wie wir sie in „Great Western Express“ schon mit den Verzerrungen der entgegenkommenden Züge hatten. Auch an dieser Stelle wird deutlich, dass „Rapid Transit“ leider noch nicht ganz ausgereift ist – obwohl es dennoch einen echten Augenschmaus und ein realitätsnahes Fahrvergnügen bietet.

Fazit:
Schaut man über kleinere Schwächen hinweg, bekommt man mit „Rapid Transit“ nicht nur die erste deutsche Strecke für Train Sim World geboten, sondern zugleich auch ein detailliert simuliertes Fahrerlebnis mit einer beeindruckenden Grafik.

Train Sim World: Rapid Transit Wertung


28
Nov

The Evil Within 2

Nachdem seine Tochter bei einem Hausbrand qualvoll ums Leben kam, hat sich für Detective Sebastian Castellanos alles geändert. Den schweren Verlust verkraftet er auch nach einiger Zeit nur sehr schwer. Das bessert sich unterdessen nicht gerade dadurch, dass er eines Tages von mysteriösen Personen in schwarzen Anzügen aufgesucht wird, die behaupten, seine Tochter sei immer noch am Leben. Sie betreiben nämlich ein geheimes Forschungslabor, in dem es ihnen gelungen ist, eine Maschine zu erschaffen, in der die Psyche eines Menschen in einer virtuellen Umgebung weiter existieren kann. Dummerweise kam es offenbar zu einigen schwerwiegenden technischen Problemen – und es würde seiner Tochter Lily das Leben kosten, würde man sie einfach aus der Maschine entfernen. Für Castellanos bedeutet das: Er muss selbst in die Maschine und die Synapsen seiner Tochter aus der grauenvollen Umgebung befreien. Doch nicht einmal er hätte sich die psychologischen Abgründe vorstellen können, die ihm dort schon bald begegnen würden…

Kunst der Grausamkeiten
Man mag sich schon seit vielen Jahren darüber streiten, ob Videospiele eigentlich wirklich Kunst sein können. Sind allerdings die Erfinder des ersten „Resident Evil“ am Werk, dann beherrschen sie ihr Handwerk zumindest in einer Hinsicht bestens: Wenn es darum geht, möglichst grausame und abstrakte Kreaturen zu erschaffen, die den Spieler in Angst und Schrecken versetzen, sind sie wahre Meister ihres Faches. Dieses Mal setzen sie allerdings nochmal einen drauf und bauen ihre ganz spezielle Auffassung von Kunst geschickt in die Story ein. Geradezu fasziniert und verstört zugleich sind wir von den Kunstwerken der Antagonisten, mit denen wir es in „The Evil Within 2“ zu tun bekommen.

Get Even

Ein mysteriöser exzentrischer Typ, der uns grob an eine gestörte Figur aus irgendeinem Marvel-Comic erinnert, stolziert elegant durch die fiktive Traumwelt, um endlich unfreiwilliges Publikum für seine Werke zu finden. Der Fußboden mit schickem Parkettboden ausgelegt, an den Wänden hängen elegante rote Vorhänge herab und in der Mitte des Raumes entfaltet sich der wahre Schrecken. Ein Mann schwebt in der Luft, sein Kopf wird von einer Pistolenkugel durchbohrt und er scheint eingefroren in der Zeit, um die Schönheit des Todes festzuhalten – wie unser erster Antagonist selbst ausdrückt. So in etwa darf man sich die Inszenierung von „The Evil Within 2“ vorstellen. Doch dabei soll es definitiv noch nicht einmal bleiben.

Get Even

Resident Evil lässt grüßen
Im späteren Verlauf des Spiels erkennt man schließlich recht gut, dass hier tatsächlich die Erfinder des „Resident Evil“-Franchises am Werk sind. Spätestens wenn uns riesige mutierte Monster mit fünf Köpfen und gruselig langen Haaren begegnen, die uns mit einer überdimensionalen Kreissäge als Handersatz verfolgen, ist nämlich schnell klar, dass „The Evil Within 2“ sicherlich kein Spiel für schwache Nerven ist. Das Creature Design dürfte kaum zu übertreffen sein und stellt sogar alles, was wir bisher in den Resident Evil-Filmen gesehen haben, locker in den Schatten. Eine gehörige Portion Brutalität natürlich inklusive. Angesichts der doch recht häufig beeindruckenden Bilder möchten wir doch am liebsten stehenbleiben und einen Screenshot vom Monster machen, als uns auf den eigentlichen Kampf zu konzentrieren. Die Darstellung des Grauens kann schon eine verstörende Faszination auslösen. Und das gelingt „The Evil Within 2“ mit Bravour – über seine gesamte Spielzeit hinweg.

Get Even

Stereotyp mit menschlichen Zügen
Dabei ist das Horror-Adventure längst nicht nur ein einziges Gemetzel, wenngleich es davon auf jeden Fall mehr als genug zu sehen gibt. Der zweite Teil der beliebten Horrorspiel-Reihe versucht nämlich mit psychologischem Tiefgang auf die Dämonen der Hauptfigur einzugehen und dabei zu ergründen, welch schreckliche Vorstellungskraft ein menschliches Wesen im Extremfall entfalten kann. Interessant dabei: Die Hauptfigur ist klassischer Stereotyp und tiefgründiger Charakter in einem. Einerseits abgebrühter Cop, der genauso gut in jedem 80iger Jahre Actionstreifen mitspielen könnte. Andererseits aber auch ein zutiefst menschlicher Charakter, der versucht mit seiner eigenen Verzweiflung umzugehen und seine Emotionen dabei nicht immer unter Kontrolle hat. Damit gelingt „The Evil Within 2“ ein Spagat, der aber auch verdeutlicht, warum das Spiel nur in erwachsene Hände gehört: Es erzeugt Verständnis für Gewalt und Grausamkeiten.

Get Even

Angst vor der Zukunft
Und dabei gelingt es dem Spiel außerdem, mit den Ängsten des Spielers und der Hauptfigur zu spielen. Es ist nicht etwa so, dass wir uns während der eigentlichen Kämpfe unwohl fühlen, oder von den Kreaturen eingeschüchtert werden. Stattdessen steht die Angst vor dem Unbekannten im eigentlichen Mittelpunkt. Die ständige Befürchtung, welche Gefahr wohl hinter der nächsten Tür lauern wird oder welche Spielchen die psychopathischen Antagonisten wohl nach der nächsten Ecke mit uns spielen werden, fesselt und beklemmt zugleich. Es sind Figuren, wie der geistesgestörte „Künstler“, die uns ein Gefühl des Unwohlseins verleihen können und nicht etwa die zombieartigen Gestalten auf den Straßen. Und eines kann man wohl sagen: In Sachen Horror macht ein Spiel wohl alles richtig, wenn wir den Kampf gegen die eigentlichen Monster als Verschnaufpause betrachten.

Get Even

Linear oder doch nicht?
Generell haben die Entwickler aber offenbar ziemlich viel Spaß dabei gehabt, den Spieler in die Irre zu führen und ihn an der Nase herum zu führen. Spielerisch versucht „The Evil Within 2“ nämlich den Spagat zwischen linearer Erzählung und offener Spielwelt. Mit dem kleinen Trick, dass man innerhalb einer Maschine mit virtueller Umgebung die Grenzen der Physik durchaus mal ignorieren kann. Denn so mancher Antagonist ist in der Lage, die Welt nach seinen Vorstellungen zu manipulieren – und den Spieler damit als Spielball in einem Psychospielchen zu missbrauchen. Der Ablauf des Spiels entspricht dabei nicht immer den Grenzen der Logik und hinter der einen Ecke kann plötzlich ein gänzlich anderer Raum stecken, der gar nicht dort sein dürfte. Trotzdem haben wir relativ häufig die Möglichkeit, uns in einer offenen Welt zu bewegen, alternative Wege zu finden oder interessante Gegenstände einzusammeln.

Get Even

Selbst ist der Mann
Apropos Gegenstände: Um den Spieler langfristig am Ball zu halten, stellt das Crafting einen zentrales Spielelement dar. Nicht etwa, weil „The Evil Within 2“ das wirklich gebraucht hätte, denn bereits die Story selbst ist fesselnd genug, dass wir uns genauso gut auch komplett darauf konzentrieren könnten. Aber die Spielmechanik wird durch diese Hilfsmittel durchaus bereichert. Überall in der Welt finden wir Objekte und Rohstoffe, mit denen wir Munition oder Heilmittel herstellen können. Waffenteile sorgen dafür, dass wir unsere Knarren nach Belieben verbessern können und auf ganz interessante Weise sorgt ein eklig ausschauendes grünes Sekret aus den Kadavern der zerlegten Gegnern für die nötigen Erfahrungspunkte, um unsere Fähigkeiten ein bisschen aufzuwerten.

Get Even

Ausbilden der Fähigkeiten
Richtig gelesen: Neben all dem Horror und der Gewalt, hat das Spiel zugleich auch noch ein paar Rollenspielelemente zu bieten. In einem komplexen Fähigkeitenbaum können wir so nämlich unsere Werte für Gesundheit, Heilung, Kampfstärke, Ausdauer und List verbessern und uns dadurch früher oder später gewisse Vorteile verschaffen. Da wir allerdings bis zum Ende des Spiels niemals alle Fähigkeiten voll ausbauen können, gestalten wir so nach und nach einen völlig individuellen Charakter mit eigenen Stärken und Schwächen. Schade ist an der Stelle dann lediglich, dass die Rollenspielelemente – etwa in Form von Quests – nicht allzu intensiv ausgebaut wurden. Hier und da gibt es zwar durchaus Nebenmissionen, die bleiben aber stets sehr überschaubar. Ein echtes Rollenspiel möchte „The Evil Within 2“ also nicht sein und das ist – wie wir finden – auch gut so. So nämlich kann sich das Spiel komplett auf seine Kernelemente konzentrieren.

Get Even

Konfrontation und Versteckspiel
Und die bestehen überwiegend auch aus einer Mischung aus klassischer Stealth-Action und typischen First-Person-Shooter. Auch hier macht das Horror-Adventure vor allem deshalb einiges richtig, weil es dem Spieler oft genug die freie Wahl lässt, wie er vorgehen möchte. Ob versteckt hinter den Deckungen her schleichend und darauf wartend, dass er die Kreaturen still und leise von hinten angreifen kann oder im offenen Kampf mit möglichst voller Waffenkraft. Spannend wird das allerdings dadurch, dass so mancher Spieler geradezu instinktiv zu einer Kombination aus beiden Vorgehensweisen greifen wird und sich damit eine gelungene Spieldynamik ergibt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil eine der wichtigsten Waffen nicht unbedingt eine klassische Schusswaffe ist.

Get Even

Kreatives Bolzenschießen
Denn wenn wir nicht gerade zur Pistole oder zum Schrotgewehr greifen, hat vor allem die Armbrust eine recht zentrale Funktion in diesem Spiel. Mit unterschiedlichen Bolzen können wir so nämlich auch unterschiedliche Gegner bekämpfen und bekommen ein ganz neues Spielgefühl. Hat man diese Waffe möglichst frühzeitig aufgesammelt, liefern Energie-, Explosions-, Rauch- und Kältebolzen eine spannende Abwechslung, die dazu einlädt, möglichst detailliert ausgetestet zu werden. Und tatsächlich: Für unterschiedliche Gegner eignen sich manchmal völlig unterschiedliche Mittel. Kurz gesagt: „The Evil Within 2“ animiert uns gar dazu, die Waffen desöfteren einmal zu wechseln und nicht stur mit derselben Vorgehensweise durch die Kapitel zu schlendern. Auch in dieser Hinsicht macht das Spiel also alles richtig.

Get Even

Gar keine so höllische Technik
Dann freut man sich übrigens umso mehr, wenn ein ohnehin schon so hervorragendes Spiel sein Spielerlebnis zusätzlich auch nochmal mit einer technisch ausgezeichneten Portierung und Programmierung abrundet. Ein derartig performantes und stabiles Spiel haben wir in den vergangenen Jahren tatsächlich nur selten gesehen. Und auch Bugs müsste man über die gesamte Spielzeit hinweg schon sehr intensiv suchen, um überhaupt fündig zu werden. Hier kann man also wahrlich nicht meckern. Zumal auch die Grafik dabei nicht gerade von schlechten Eltern ist und sich durchaus vor aktuellen Referenztiteln nicht verstecken muss. Derartig schöne Monster sieht man also auch nicht alle Tage. Kleiner Tipp am Rande: Ein möglichst hochwertiges Audioequipment kann sich zusätzlich lohnen, damit der geniale und stimmungsvolle Soundtrack ebenso gut zur Geltung kommt, wie die Optik des Spiels.

Fazit:
Mit zahlreichen Überraschungen, einem grandiosen Creature Design und einer künstlerisch fesselnden, geradezu filmreifen Inszenierung liefert „The Evil Within 2“ das vermutlich beste Horror-Adventure des Jahres. Selten hat uns ein Spiel derartig verstört und fasziniert zugleich.

The Evil Within 2 Wertung


03
Okt

Get Even

Ein junges Mädchen sitzt in der Mitte eines Raumes, gefesselt an einen Stuhl. Auf dem Oberkörper trägt sie eine Bombe, dessen Countdown gnadenlos nach unten zählt. Sie ist sicher: „3001 ist der Code, das haben sie vorhin gesagt“. Nur noch 5 Sekunden übrig, du zögerst nicht. Vier Ziffern später die große Explosion. Doch das ist längst nicht das Ende. Kurz darauf finden wir uns in einer mysteriösen Nervenheilanstalt wieder. Auf dem Kopf ein neuartiges Gerät namens „Pandora“. Eine Virtual Reality-Brille, die es ermöglicht, die Erinnerungen möglichst realitätsnah nachzuempfinden. Bisher allerdings noch im experimentellen Stadium, sodass Überlagerungen der Realität nicht ausgeschlossen sind. Jede Gefahr und jede Verletzung in der vermeintlichen Traumwelt, wird vom Gehirn wie eine echte Verletzung verarbeitet. Doch bisher weiß Söldner Black noch gar nicht, wieso er eigentlich an diesem Ort ist. Und erst recht nicht, ob er dem Leiter seiner außergewöhnlichen „Therapie“ vertrauen kann…

Nichts ist real
Man stelle sich vor, eine Virtual Reality-Simulation könnte so real sein, dass wir den Unterschied zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden können. Und neuartige Augmented Reality-Technologen würden uns glauben lassen, die dargestellten Bilder würden in der echten Welt tatsächlich existieren. „Get Even“ geht diese experimentellen Wege und lässt völlig offen, welche der dargestellten Bereiche nun eigentlich der „realen“ Wahrnehmung des Protagonisten entspringt. Oder ist womöglich überhaupt nichts real? Auf faszinierende Weise springt das Spiel dabei zwischen verschiedenen Abschnitten der Erinnerung, die wir hier – ein wenig angelehnt an „Assassins Creed“ – nacherleben können. In Echtzeit können wir beobachten, wie sich das Level verändert und Objekte sich direkt vor uns bilden und so manche Ereignisse stellen sich als Trugbilder heraus. Ein echter Psychothriller, der eine bedrohliche Atmosphäre aufbaut.

Get Even

Blick in eine andere Welt
Dabei ist es in „Get Even“ keineswegs unsere Aufgabe zu meucheln, sondern eher innerhalb der verschiedenen Erinnerungsfetzen wichtige Hinweise und Beweise zu finden, um den genauen Hergang zu entschlüsseln – schließlich wurde unser Erinnerungsvermögen angeblich beschädigt. Dazu spricht ein gewisser Therapeut namens „Red“ aus dem Off oder über Bildschirme zu uns und gibt Anweisungen, wie wir uns in der Traumwelt verhalten sollen, um möglichst viele Indizien ausfindig zu machen. Immer dabei: Unser Smartphone als wichtigstes Werkzeug in der unteren Ecke. Damit können wir nicht nur Nachrichten empfangen und eine Landkarte der Umgebung anzeigen, sondern auch das UV-Licht nutzen, unsere Gegner mittels Wärmebild ausfindig machen und Objekte nach Hinweisen scannen – etwa Fingerabdrücke oder ähnliches. Doch eines sei gesagt: „Get Even“ ist auch kein reiner Krimi, wenn auch die Geschichte an einen solchen erinnert.

Get Even

Experimenteller Genre-Mix
Schnell stellt der Spieler nämlich fest, dass dieses Spiel zahlreiche Genres miteinander vermischt. In manchen Szenen möchte „Get Even“ einfach nur ein klassisches Horror-Adventure sein, bei dem wir uns durch eine düstere gruselige Atmosphäre bewegen und gelegentlich auf mysteriöse Gestalten treffen. Ein anderes Mal entwickelt sich das Spiel zu einem richtigen Krimi, bei dem wir die Umgebung nach Hinweisen und Indizien absuchen müssen, um einen Tathergang zu rekonstruieren. Und in ganz anderen Momenten entwickelt sich „Get Even“ sogar plötzlich zu einem Stealth-Shooter, bei dem wir wahlweise mit unserer Waffe in die Konfrontation gehen können oder versuchen dürfen, uns an den Gegnern vorbei zu schleichen. Dumm ist allerdings: Einmal erwischt, haben wir gar keine andere Wahl mehr, als das Feuer zu erwidern – einfach abwarten, bis der Gegner uns „vergisst“, geht in diesem Spiel ausnahmsweise nicht.

Get Even

Kampf mit Wärmebild
Der Ego-Shooter-Part macht dabei sogar durch seine außergewöhnliche Kampfmechanik ziemlich viel Spaß, denn „Get Even“ setzt auf einige neuartige Ideen. So können wir schließlich auch das Smartphone mit unserer Waffe verbinden und etwa die Wärmebildfunktion oder das UV-Licht als Visier unserer Waffe verwenden, um so auch im Kampf einen Vorteil zu haben. Noch dazu haben sich die Entwickler auch bei den Waffen selbst ein bisschen was ausgedacht: Neben der klassischen Pistole, verfügen wir nämlich auch über eine sogenannte „CornerGun“, mit der wir tatsächlich um die Ecke schießen können – während das Smartphone mit Wärmebildfunktion dabei als Visier dient, um unsere Gegner um die Ecke ausfindig machen zu können. Durchaus eine spannende Spielmechanik.

Get Even

Nichts für schwache Nerven
Dabei muss man allerdings sagen: Diese Actionmomente des Spiels sind – so paradox das auch klingen mag – fast schon eine Verschnaufpause. Dann nämlich erleben wir schnell die gewohnten Actionszenarien, die wir auch aus vielen anderen Shootern gewohnt sind. Die wirklich beklemmende Atmosphäre kommt hingegen eher in den gruseligeren Momenten auf, etwa wenn wir durch die Nervenheilanstalt spazieren und offenbar Verrückte auf freiem Fuß sind. Oder etwa, wenn die mysteriösen Marionetten sich selbstständig machen und plötzlich wie die Wheeping Angels in „Doctor Who“ ihre Position ändern, wenn wir gerade einmal nicht hinsehen. Damit kann „Get Even“ so manchem Spieler, für den das Genre eher Neuland ist, schnell einen Schreck einjagen und wird zu einem Erlebnis, das sicherlich nichts für schwache Nerven ist.

Get Even

Verstörender Soundtrack
Dazu trägt allerdings auch die Musik ziemlich viel bei, denn die gesamte Soundkulisse von „Get Even“ verstärkt die gruselige Atmosphäre des spielbaren Psychothrillers noch weiter. In der Nervenheilanstalt hören wir nicht selten verstörende Geräusche der Patienten, dessen Aufenthaltsort wir nicht kennen. In der Nähe von schrecklichen Ereignissen sorgt ein bedrohliches Hämmern für ein beklemmendes Gefühl beim Spieler. Und wenn womöglich der nächste Gegner hinter der Tür lautert, kündigt „Get Even“ das geradezu mit sich steigernden Soundeffekten an, die schon akustisch eine Zerreißprobe für unsere Nerven darstellen könnten. Damit ist auch klar: Für jüngere Spieler eignet sich dieses Horror-Abenteuer sicherlich eher nicht.

Get Even

Linear – oder doch nicht?
Beklemmend ist „Get Even“ übrigens auch deswegen, weil wir uns auf den ersten Blick scheinbar nur durch vorgegebene Schlauchlevel bewegen, die uns ein wenig das Gefühl des Einengens geben können. Da ergeht es dem Spieler auch schnell wie dem Protagonisten: Wir sind ebenso hilflos, wie Söldner Black, der als Entführungsopfer in einer fragwürdigen Therapie ebenfalls keinen Ausweg zu erkennen scheint. Trotzdem haben unsere Handlungen in dieser scheinbar so stark vorgegebenen Welt direkte Auswirkungen auf den Spielverlauf, die zunächst kaum zu erahnen sind. Das Töten von Gegnern etwa scheint überraschenderweise nicht unbedingt im Sinne des Spiels zu sein. Erledigen wir zu viele Feinde, ermahnt uns der Therapeut Red aus dem Off, dass die Erinnerungsstücke dadurch verschwinden oder negativ beeinflusst werden könnten. Und das scheint auch die weitere Spielwelt zunehmend zu verändern. Faszinierend.

Get Even

Bedroht durch den eigenen Geist
Faszinierend auch deshalb, weil „Get Even“ sich doch offensichtlich nur im Kopf des Protagonisten abspielt. Er kann sich meistens das Spielgeschehen nicht erklären. Nicht nur, wie er in die Nervenheilanstalt gelangt ist, sondern auch wieso er mitunter Erinnerungen sieht, mit denen er eigentlich gar nichts anfangen kann. Nach und nach „konstruiert“ die „Therapiesimulation“ zusätzliche Erlebnisse in das Spiel hinzu, die man im Fachjargon mitunter als „Mindfuck“ bezeichnen würde. Sei es eine ewige Endlosschleife aus sich immer wiederholenden Räumen, oder das Eindringen in die eigene Psyche, in der die eigentlichen Hintergründe der Geschichte womöglich gefunden werden können. Jedenfalls so lange, bis Protagonist Black von seiner eigenen Psyche in akute Gefahr gerät – denn wir wissen: Das Gerät „Pandora“ macht die Traumsequenzen so real, dass sie uns ernsthaft verletzen können. Was das also bedeutet, wenn wir uns mithilfe von „Pandora“ im Kopf des Protagonisten aufhalten, darf man sich nun selbst ausmalen…

Fazit:
Ein faszinierender Genre-Mix aus Horror-Adventure, Stealth-Shooter und Krimi, der schon bald in einem beklemmenden Psychothriller mündet und dabei so manches „Mindfuck“-Erlebnis zu bieten hat.

Get Even Wertung


29
Sep

Project Nimbus

Die junge Mirai lebt in einer Zukunft, in der die Erde durch den letzten großen Weltkrieg völlig unbewohnbar geworden ist. Die Menschheit verbringt ihr Leben seither in fliegenden Städten, auf denen sie noch immer erbitterte Kämpfe gegeneinander führen. Um das Gleichgewicht der Fraktionen aufrecht zu erhalten, bilden sie dort bereits Kinder und Jugendliche zu Piloten von Kampfrobotern aus. Einer davon ist auch Mirai, die davon überzeugt ist, für das Steuern eines Mech geboren zu sein. Dumm nur, dass sie es dabei häufig mit weit mehr als nur einem Gegner zu tun bekommt und die Bedienung von gleich fünf oder sechs Waffen gleichzeitig ziemlich viel Koordinationsvermögen erfordern. Der Tod ist dabei stets in greifbarer Nähe.

Kritik:
Nach mehreren Jahren im Early Access ist es nun endlich so weit: Das ostasiatische Indiegame „Project Nimbus“ feierte vor kurzem seinen finalen Release und sorgt damit für Freude bei Fans von Mech-Action.

Project Nimbus

Inspiriert durch Animes
Und obwohl die meisten Mitglieder des Entwicklerteams offenbar in Thailand ansässig sind, bekommt man doch eher den Eindruck, es handele sich um ein japanisches Spiel. Nicht nur, weil neben der englischen Sprache ausschließlich japanisch verfügbar ist, sondern auch deshalb, weil uns die Handlung recht schnell an entsprechende Filme und Serien erinnert hat. Vor allem die Erinnerung an die 13-teilige Animeserie „FLAG“ taucht da schnell auf, handelt die Geschichte schließlich von fast den identischen Ereignissen: Jugendlich, die einen Kampfroboter steuern sollen. Ganz so spektakulär wird es allerdings nicht, denn die Inszenierung dieser Story wurde doch recht minimalistisch gestaltet. Lediglich vor dem Start einer Mission sehen wir einen Avatar unserer Pilotin und erfahren die Story anhand von kleinen Audio Logs. Mehr Storyinszenierung gibt es dann leider doch nicht.

Project Nimbus

Schnelle Mech-Action
Das liegt allerdings auch daran, dass sich die Entwickler voll und ganz auf das Kernelement des Spiels konzentrieren möchten, wie man auch schnell feststellt. Und die liegt nunmal in den fliegenden Kämpfen mit den Mech-Robotern rund um Stationen, Flugzeuge und gar orbitale Raumschiffe. Und das macht durchaus eine ganze Menge Laune, denn „Project Nimbus“ entwickelt schnell ein hohes Spieltempo und ein recht dynamisches Kampfsystem. In der dreidimensionalen Welt steuern wir unseren Mech dabei in alle Richtungen, müssen herannahenden Raketen ausweichen und gleich fünf oder sechs Waffen gleichzeitig bedienen, die nach einer gewissen Zeit nachladen müssen. Verschnaufpausen gibt es also keine, wenn man stets die gesamte Umgebung im Auge behalten muss und ständig die Waffe wechselt. Generell geht es dabei auch recht hektisch zu, denn häufig bekommen wir es mit gegnerischen Schwärmen in zweistelliger Anzahl zu tun.

Project Nimbus

Kein individueller Mech
Schade ist dabei allerdings, dass doch wichtige Features fehlen, mit denen man Mech-Fans so richtig begeistern können. Tatsächlich gibt es also eine Singleplayer-Kampagne, die in vier Akten daher kommt und jeweils gut neunzig Minuten Spielzeit zu bieten haben. Allerdings bekommen wir dabei lediglich unseren Mech mitsamt seiner Ausrüstung bereits vorgegeben. Zu keiner Zeit haben wir hier die Möglichkeit, unseren individuellen Mech für die Kampagne auszuwählen oder ihn gar mit eigenen Technologien oder Waffen auszurüsten. Das ist schade, fehlt so schließlich ein wichtiger Anreiz für den Spieler, langfristig am Ball zu bleiben, denn das Freischalten von Ausrüstung etwa fehlt völlig. Und eine Anpassung an den eigenen Spielstil ebenso. Damit kommen wir aber auch schnell zu einem der ersten Punkte zurück: „Project Nimbus“ präsentiert sich minimalistisch – nicht nur bei der Story.

Project Nimbus

Fortschritt? Wen juckts?
Insgesamt muss man bei genauerem Hinsehen dann auch zu dem Entschluss kommen, dass „Project Nimbus“ auch in der finalen Version immer noch ein wenig unfertig wirkt. Das merkt man auch daran, dass es etwa eine Fortschrittsanzeige innerhalb der Kampagne gar nicht gibt. Wir können zu jeder Zeit einfach jede Mission starten, unabhängig von unserem früheren Erfolg. Dumm ist dabei allerdings, dass wir uns selbst merken müssen, welche Mission wir zuletzt gespielt haben, falls wir die Missionen der Reihe nach absolvieren müssen. Einmal nicht darauf geachtet und schon darf der Spieler rätseln, an welcher Stelle er das Spiel fortsetzen sollte. Kurz gesagt: Noch minimalistischer kann man ein Spiel wohl kaum entwickeln. Insgesamt scheint man es aber ohnehin eher auf den Survival-Modus abgesehen zu haben, der eher einem freien Spiel entspricht und bei dem der Spieler einfach so lange überleben muss, wie er kann. Ob das dauerhaft motiviert, sei mal dahin gestellt.

Project Nimbus

Matsch in der Luft
Einen ähnlich unfertigen Eindruck macht „Project Nimbus“ dann bei der Grafikqualität. Eines steht nämlich wohl fest: Die tatsächlichen Möglichkeiten der Unreal-Engine werden hier nicht einmal annähernd voll ausgereizt. Insgesamt wirken die Objekte allesamt wie aus dem vergangenen Jahrhundert und gelegentlich haben wir sogar mit einem seltsamen Unschärfeeffekt zu kämpfen, durch den wir unsere Ziele nicht einmal mehr richtig erkennen können. Einzig die Mechs selbst machen optisch einen einigermaßen ansprechenden Eindruck. Dummerweise lässt sich in diesem Spiel allerdings auch nicht viel einstellen. Bis auf die fünf Stufen bei der Grafikeinstellung, hat man auf detailliertere Einstellungen völlig verzichtet. Selbst eine Einstellung für Vsync haben wir vermisst. Obwohl „Project Nimbus“ also spielerisch durchaus Spaß macht, ist in der Gesamtumsetzung noch sehr viel Luft nach oben.

Fazit:
Das durch japanische Animes inspirierte Mech-Action-Game präsentiert sich minimalistisch und konzentriert sich voll und ganz auf sein Kernelement, dem Kampf der Roboter. Gerade deshalb wirkt „Project Nimbus“ aber häufig noch unfertig und hat reichlich Luft nach oben.

Project Nimbus Wertung


29
Sep

Dishonored: Death of the Outsider

Billie Lurk, vielen auch besser bekannt unter dem Namen Meagan Foster, ist eine der berüchtigsten Meuchelmörderinnen von Dunwall. Nun allerdings verschlägt es sie mit der Dreadful Wale in den Oberen Cyriabezirk, wo sie ihren alten Meister, den Assassinen Daud befreien möchte. Doch kaum ist dieses erste Abenteuer hinter sie gebracht, hat der auch prompt einen neuen, wichtigen Auftrag für sie: Sie soll den berühmten Outsider ermorden, der für einen Großteil des Leids auf der Welt verantwortlich zu sein scheint. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn beim Outsider handelt es sich um einen scheinbar unsterblichen Gott aus dem Nichts. Nur mit einer mysteriösen zweischneidigen Klinge scheint sie ihn aufhalten zu können – und die befindet sich ausgerechnet in den Händen ihrer Feinde…

Kritik:
Noch kein Jahr ist seit der Veröffentlichung des beliebten „Dishonored 2“ vergangen, da beglücken die Entwickler ihre Fans auch schon mit einem Stand-Alone-Addon. Dieses Mal verschlägt es uns erneut in bekannte Gebiete, wo wir nun den Outsider töten sollen, der im Hauptspiel einst für die fragwürdigen „Geschenke“ aus magischen Fähigkeiten verantwortlich war.

Dishonored: Death of the Outsider

Magische Frauenpower
Und bereits kurz nach dem Start des Spiels stellen wir auch schon fest, dass „Death of the Outsider“ ein paar kleinere Dinge anders macht, als das große „Dishonored 2“. Etwa bei der Charakterauswahl – denn die wurde kurzerhand entfernt. Dieses Mal dürfen wir ausschließlich in die Rolle eines weiblichen Hauptcharakters schlüpfen und übernehmen dabei die Rolle der Billie Lurk. Kenner werden hier bereits wissen: Das ist die Kapitänin der Dreadful Wale, die wir zuvor unter dem Namen Meagan Foster kennengelernt haben und deren Leben durch unsere Handlungen eine entscheidende Wendung nehmen konnte. Abhängig von unserer Spielweise in einer der Missionen von „Dishonored 2“ musste sie weiterhin mit nur einem Arm leben oder erhielt diesen zurück, in dem wir ihren einstigen Peiniger ermordeten. Und da kommt bereits ein kleines Storyproblem auf: In „Death of the Outsider“ hat sie von Beginn an ihren zweiten Arm, als würde das Spiel voraussetzen, dass wir den Verursacher der Verletzung getötet haben.

Dishonored: Death of the Outsider

Direkter Link zum Nichts
Interessant haben die Entwickler dieses Tatsache dann aber doch gestaltet, denn in „Death of the Outsider“ hat sie auch keinen völlig natürlichen Arm. Da sie nicht über „Geschenke“ des Outsiders verfügt, hat sie mittlerweile einen künstlichen Arm, der direkt mit dem „Nichts“ in Verbindung steht. Daher ist sie trotzdem in der Lage, die magischen Fähigkeiten zu nutzen und hat dabei sogar diverse Vorteile: Im Gegensatz zu ihren Vorgängern muss sie ihr Mana nämlich nicht mit entsprechenden Fläschchen auffüllen, sondern kann ihre Fähigkeiten automatisch regenerieren. Das Gameplay fühlt sich dadurch aber auch ein bisschen flotter an. Schade ist an der Stelle allerdings, dass die Vergabe der Fähigkeiten bereits vorgegeben ist und wir nicht anhand unseres persönlichen Spielstils auswählen können, welche Fähigkeiten wir gerne erlernen wollen. Mit Fortschreiten des Spiels, erhält Billie somit stets neue Fähigkeiten hinzu, die von „Death of the Outsider“ allerdings bereits festgelegt sind.

Dishonored: Death of the Outsider

Neue magische Fähigkeiten
Zu den dabei erhaltenen Fähigkeiten gehören sowohl bereits bekannte, als auch völlig neue, innovative Skills. Einer davon ist etwa das Verstehen von Ratten, die uns interessante Hinweise zu unserer Mission geben können und daher neue Möglichkeiten und Wege eröffnen. Aber auch das Übernehmen eines fremden Gesichts, um die Wachen zu täuschen oder das Herausfahren aus unserem Körper, um die nähere Umgebung unentdeckt zu erkunden gehört dazu. Eine der aber wohl am häufigsten angewandten Fähigkeiten dürfte die klassische „Teleportationsfunktion“ sein, mit der wir uns beispielsweise auf Dächer oder Balkone teleportieren können, um ungesehen an den Wachen vorbei zu gelangen. Und das ist manchmal auch durchaus sinnvoll.

Dishonored: Death of the Outsider

Level ohne Labyrinthe
Insgesamt müssen wir allerdings auch feststellen, dass das Leveldesign ein wenig simpler gestaltet wurde, als noch zuvor bei „Dishonored 2“. Auf spektakuläre verwinkelte Gebäude, in denen wir die Räumlichkeiten mittels Knopfdruck verändern können, wird dieses Mal verzichtet. Dasselbe gilt für faszinierende Missionen, in denen wir etwa in Echtzeit in die Vergangenheit blicken konnten. Das liegt mitunter aber auch daran, dass Billie es dieses Mal überwiegend mit menschlichen Gegnern zu tun bekommt – abgesehen von wenigen Ausnahmen. Atmosphärisch ist „Death of the Outsider“ daher oftmals auch nicht so düster. Dafür kann sich manche Mission trotzdem sehen lassen: Wenn wir etwa eine Bank überfallen und in den Tresor eindringen müssen, gibt es nicht nur zahlreiche mögliche Vorgehensweisen, sondern auch einen gewissen Anspruch. Und bei einer der Missionen sehen wir mit dem kaiserlichen Konservatorium sogar eine Location wieder, die wir in „Dishonored 2“ bereits ein Mal aufgesucht haben.

Dishonored: Death of the Outsider

Gefälligkeiten für Zwischendurch
Wer möchte, hat dabei sogar die Möglichkeit, sich die Missionen ein wenig schwieriger zu gestalten. Im Schwarzmarkt-Laden, in dem wir nicht nur unsere Ausrüstung verbessern und neue Gegenstände kaufen, können wir am schwarzen Brett nun nämlich erstmals auch externe Aufträge übernehmen. Sind wir also sowieso einmal auf dem Weg, in ein Gebäude einzudringen – warum dann nicht noch ein paar Gefälligkeiten für die Bewohner der Stadt übernehmen? Etwa wichtige Unterlagen stehlen, bestimmte Personen beseitigen oder ähnliche nicht immer ganz einfache Aufgaben. Zur Belohnung gibt es dann hinterher gutes Geld, das wir auf dem Schwarzmarkt ausgeben können, oder Knochenartefakte, die unsere magischen Fähigkeiten verbessern können. Letztere können wir zwar auch innerhalb des Spiels finden, müssen dabei aber auf den Einsatz der bereits bekannten Gegenstände verzichten. Hier hilft nur eines: Ohne Hilfsmittel selbst suchen.

Dishonored: Death of the Outsider

Die flüssige Meuchelmörderin
Und obwohl man diese diversen Kleinigkeiten weggelassen hat, fühlt sich „Death of the Outsider“ vom Gameplay her immer noch wie ein echtes „Dishonored“ an und auch der Spielspaß kommt ebenso schnell auf. Das liegt mitunter auch daran, dass die technische Umsetzung zunächst einen besseren Eindruck macht, als noch bei „Dishonored 2“ und die Macher hier offenbar aus ihren Fehlern gelernt haben. Bereits zum Release läuft das Spiel deutlich schneller und verfügt auch nicht mehr über die diversen grafischen Bugs, wie etwa das Flackern von Texturen. Wer im vergangenen Jahr noch so manches Problem mit dem vorherigen Spiel hatte, darf dieses Mal also bereits aufatmen. Lediglich die Tatsache, dass wir nach bereits acht Stunden Spielzeit am Ende angelangt sind, trübt im Vergleich ein wenig den Gesamteindruck.

Fazit:
Obwohl „Death of the Outsider“ insgesamt etwas kleiner und kürzer ausgefallen ist, als bei den beiden Vorgängern, fesselt das Stealth-Gameplay mit seinen zahlreichen Optionen noch immer jeden Genrefan und sorgt schnell für hohen Spielspaß.

Dishonored: Death of the Outsider Wertung


20
Sep

Train Sim World: Great Western Express

Der große Fernverkehrsbahnhof London Paddington ist neben St. Pancras eine der wohl größten und wichtigsten Stationen der britischen Hauptstadt. Bis zu dreißig Millionen Menschen fahren jährlich mit der Tube aus der Innenstadt an, um anschließend dank der zuverlässigen Verbindungen des Great Western Express in zahlreiche andere Ortschaften zu fahren. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Reading ist dabei besonders beliebt und macht gerade einmal einen Teil der Great Western Main Line aus, die normalerweise bis nach Bristol reicht und im Verlauf der Strecke auch von einer Linie nach Südwales gekreuzt wird. Doch neben den flotten Passagierzügen der Class 43 und Class 166 darf auch ein echter Exot entlang der Strecke nicht fehlen: Immerhin ist auch DB Schenker in England aktiv und betreibt dort die modernen Diesel-Güterzuglokomotiven der Baureihe 266.

Kritik:
Bereits nach der Veröffentlichung des Hauptspiels zum Beginn des aktuellen Jahres war den meisten Eisenbahnfans klar: Bei „Train Sim World“ handelt es sich um die wohl fotorealistischste Simulation auf dem gesamten Spielemarkt. Denn nachdem der etablierte Train Simulator inzwischen mit einer zehn Jahre alten Grafikengine unterwegs ist, macht die neue Simulation einen wirklich großen Sprung nach vorne.

Train Sim World: Great Western Express

Passagiere nach London
Mit dem „Great Western Express“ liefert der Entwickler dann nun auch die erste richtige Strecke für den Passagierverkehr mit. Mit dem Hauptspiel „CSX Heavy Haul“ konnten die Eisenbahnfans schließlich im März diesen Jahres erst die langen und überaus langsamen Fahrten auf amerikanischem Boden ausprobieren und dabei ziemlich schwere Güter transportieren. Einmal einen kleinen Abstecher nach Groß-Britannien gemacht, wo Dovetails Games schließlich auch ansässig ist, bekommt es der Spieler dann doch eher mit modernen Triebwagen zu tun – und das gleich zwei an der Zahl. Sei es der berühmte „High Speed Train“, den Urlauber an der Paddington Station mit großer Regelmäßigkeit zu sehen bekommen oder die klassische Class 166, die in der Realität auch als Heathrow Express den örtlichen großen Flughafen mit der Londoner City verbindet.

Train Sim World: Great Western Express

Suche nach dem Paddington Bär
Apropos Paddington Station: Bei „Great Western Express“ haben sich die Entwickler größte Mühe gegeben, möglichst nah an der Realität zu bleiben. Konkret bedeutet das: Die einzelnen Stationen und Gebäude entlang der Strecke wiederzuerkennen, dürfte den meisten Ortskundigen recht leicht fallen. Nachdem wir selbst erst vor kurzem in London waren und dort natürlich auch die Paddington Station bewundert haben, fällt bei einem Vergleich sofort auf: Selbst die Grundstruktur dieses Gebäudes stimmt absolut. Ob das Dachgewölbe, die Ausgangsrampen in Richtung Little Venice oder das tatsächlich vorhandene Cafe Nero – hier gibt es reichlich Möglichkeiten, den Ort wiederzuerkennen. Und doch fehlt es natürlich, wie bei einer Eisenbahnsimulation zu erwarten, an einigen kleinen Details. Den Paddington Bär auf Gleis 1 suchten wir nämlich ebenso vergebens wie die Durchgänge zu den U-Bahnen. Und überhaupt sind wir doch schnell traurig, den Bahnhof nicht wirklich verlassen zu können, um einmal durch London zu spazieren.

Train Sim World: Great Western Express

Fotorealismus auf der Schiene
Trotzdem ist das, was die Entwickler mit „Great Western Express“ abliefern, grafisch absolut beeindruckend. In den maximalen Einstellungen muss man mitunter schon ein wenig genauer hinschauen, um die Spielegrafik noch von einem Foto unterscheiden zu können. Zur Demonstration haben wir in diesem Test sogar ausschließlich echte Screenshots verwendet, die wir während des Spielens angefertigt haben. Schnell beeindruckt dabei vor allem der Motion Blur-Effekt, der bei hohen Geschwindigkeiten zustande kommt und die Fahrt realistisch simuliert. Aber auch hübsche Sonnen- und Wasserreflexionen, sowie ein enormer Detailgrad an den Zügen selbst, können voll und ganz überzeugen. Das reicht bis hin zum Tankdeckel an den Lokomotiven oder den Kupplungsklappen, die an den Class 43 Triebzügen geöffnet werden können. Dass dann auch noch nahezu jeder einzelne Knopf im Führerhaus bedienbar ist, trägt sein Übriges zur Qualität bei.

Train Sim World: Great Western Express

Keine Strafe für zu schnelles Fahren
Insgesamt wurde das Spiel nun seit „CSX Heavy Haul“ auch ein wenig überarbeitet. Das merkt man vor allem an den HUD-Angaben, die nun auch über ein während des Spiels eingeblendetes Punktesystem verfügen. Schade ist dabei, dass man allerdings auf dasselbe System setzt, das bereits beim Hauptspiel verwendet wurde und nur nicht während der Fahrt zu sehen war. Wofür es also genau Punkte gibt, ist auch an der Auswertung zum Schluss nicht wirklich ersichtlich. Eines haben wir aber leider feststellen müssen: Minuspunkte für das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und anderer Bedienfehler suchen wir hier vergebens. Wer einfach mal ordentlich aufs Gas drücken möchte, hat bis auf eine rote Zahl im Tacho keinerlei negative Auswirkungen zu befürchten. Damit bleibt allerdings auch die Herausforderung aus, möglichst korrekt zu fahren, pünktlich zu sein und die maximal mögliche Punktzahl zu erreichen. Der klassische „Train Simulator“ setzt in diesem Punkt jedenfalls auf ein besseres System.

Train Sim World: Great Western Express

Passagiere und Fracht
Spaß macht die neue Strecke aber dennoch, denn der „Great Western Express“ liefert neben vier Tutorials, die uns mit der Bedienung der Lokomotiven vertraut machen, gleich fünf passende Szenarien mit. Und dabei ist reichlich Abwechslung geboten, da alle drei Fahrzeugtypen bedient werden müssen und wir auch hinsichtlich der Aufgaben stets neue Herausforderungen erhalten. In der ersten Aufgabe dürfen wir uns dann einen von drei Zügen der Class 166 aussuchen und uns von Paddington auf den Weg nach Reading machen, wo wir möglicherweise an allen Stationen halten sollen. In einem anderen Szenario wiederum kümmern wir uns um Frachtwaggons der DB Schenker oder müssen gar einen Hochgeschwindigkeitszug mit der Baureihe 266 abschleppen. Spätestens an dieser Stelle wird dann auch klar, welche großen Vorteile die Ego-Perspektive von „Train Sim World“ letztendlich hat.

Train Sim World: Great Western Express

Ein realistischer Arbeitsalltag
Die Szenariodesigner haben sich nämlich ziemlich viel einfallen lassen, um einen realistischen Arbeitstag eines Lokführers glaubwürdig zu simulieren. Denn wenn wir in der Ego-Perspektive aus dem Zug aussteigen und herumlaufen können, lässt sich der korrekte Ablauf schließlich ein wenig genauer absolvieren. In einem Szenario müssen wir dabei sogar als Passagier eines anderen Zuges zunächst nach Paddington rein fahren, um dort unseren Zug an einem anderen Gleis abzuholen, den wir auf Grund einer Verspätung eines anderen Lokführers außerplanmäßig übernehmen müssen. In einem anderen Szenario wiederum müssen wir einen gerade einfahrenden Zug von einem anderen Lokführer übernehmen und diesen an einem Rangiergleis wenden, um ihn erneut bereit zu stellen. Wieder andere Szenarien erfordern das Öffnen der Kupplungsklappe und das manuelle Bedienen der Kupplungselemente. Spannend.

Train Sim World: Great Western Express

Keine defekte Toilette
Schnell wird damit auch einmal mehr klar, welche enormen Möglichkeiten uns „Train Sim World“ letztendlich bieten könnte. Grundsätzlich können wir uns an den Stationen nämlich frei bewegen. Das bedeutet zugleich auch, dass wir den Fahrgastbereich des Zuges ebenfalls betreten können und theoretisch – so denn eine Programmierung umgesetzt würde – mit den Fahrgästen zu kommunizieren. In der Class 166 können wir sogar durch eine Tür in unserem Führerhaus direkt in den Fahrgastraum übergehen und auf dieselbe Weise ins Führerhaus einsteigen, wie wir das in deutschen S-Bahnen schon desöfteren gesehen haben. Sollten also die Entwickler oder auch Drittanbieter irgendwann die Elemente im Fahrgastbereich einprogrammieren und animieren, wären hier weit mehr Möglichkeiten offen. In „Great Western Express“ können wir zwar noch keine Toiletten öffnen oder gar verriegeln, doch zukünftig wären Szenarien, in denen etwa defekte Toiletten, defekte Türen oder andere Probleme auftauchen, durchaus denkbar. Das haben wir nun gesehen. Man mag sich kaum vorstellen, was Drittanbieter wie Virtual Railroad aus solchen Möglichkeiten machen würden, wenn der Editor denn erst einmal ins Spiel integriert wurde.

Train Sim World: Great Western Express

Der schwarze Horrorzug
Bis dahin sollten sich die Entwickler von Dovetail Games aber zunächst noch einmal dran setzen, um auch die gröbsten noch vorhandenen Bugs von „Great Western Express“ zu beseitigen. Denn so spektakulär die Grafik auch aussehen mag, bleibt es am Ende doch nicht gänzlich ohne Grafikfehler. Vor allem, wenn uns ein Class 43 Hochgeschwindigkeitszug entgegen kommt, fallen uns immer wieder mysteriöse Verzerrungen auf, die möglicherweise durch den Blur-Effekte zustande kommen. Und auch die verschwimmenden Räder der Baureihe 266 oder gelegentliche fehlerhafte Schatten der Oberleitungen sehen mitunter etwas merkwürdig aus. Ganz zu schweigen von gelegentlichen falschen Anweisungen oder Bugs, die unsere Baureihe 266 plötzlich außer Gefecht setzen. Gänzlich ausgereift ist „Great Western Express“ also trotz allem noch nicht, auch wenn die Entwickler versprechen, an den Problemen zu arbeiten.

Fazit:
Mit dem „Great Western Express“ bekommt die wohl einzige fotorealistische Simulation auf dem Spielemarkt endlich eine wichtige britische Strecke nachgereicht und bietet nun erstmals auch Passagierverkehr. Grafisch absolut beeindruckend.

Train Sim World: Great Western Express Wertung