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Train Sim World: Rapid Transit


29
Mrz

Orwell: Ignorance is Strength

Die Geheimdienste stehen schon seit geraumer Zeit in der Kritik, ihre eigenen Bürger zu überwachen und auszuspionieren. Mit den dabei erhobenen Daten sollen sie in der Lage sein, unliebsame Oppositionelle außer Gefecht zu setzen und ihre eigenen Verbrechen zu vertuschen. Nur die wenigsten allerdings können sich vorstellen, was mit dem Orwell-System längst alles möglich ist. Ob Social Media-Accounts, der private Computer, das eigene Smartphone oder gar die Ortung über das Mobilfunknetz – der Geheimdienst ist längst in der Lage, wirklich alles und jeden zu überwachen. Doch was, wenn diese Informationen nicht nur ausspioniert, sondern auch manipuliert werden können? Wenn der Geheimdienst selbst die Verbreitung von Fake News zur Diskreditierung von Oppositionellen nutzt? Das jedenfalls ist in „Orwell“ genau unsere Aufgabe.

Kritik:
Nachdem die Entwickler bereits vor weniger als zwei Jahren die faszinierenden Möglichkeiten der totalen Überwachung in einem spannenden Spiel umgesetzt haben, wurde der Wunsch nach einer Fortsetzung durch die begeisterten Spieler immer lauter. Inzwischen gibt es mit „Ignorance is strength“ sogar ein zweites Spiel der Reihe – doch um eine Fortsetzung handelt es sich dabei eigentlich nicht.

Orwell: Ignorance is strength

Markt der Massenüberwachung
Die Entwickler von den Osmotic Studios haben sich nämlich einen besonders ausgeklügelten Storykniff ausgedacht. In „Orwell: Ignorance is strength“ spielen wir nämlich keine Fortsetzung des ersten Teils, sondern zeitlich exakt parallel zu den Ereignissen des Vorgängerspiels. Dabei übernehmen wir die Rolle eines zweiten, weiteren Agenten, der zeitgleich ebenso die Möglichkeiten des Orwell-Systems nutzt und beschäftigen uns mit einem ähnlichen, vielleicht sogar zusammenhängenden Fall. Die eigentlich coole Idee dabei ist: Teilweise kennen wir die kommenden Ereignisse bereits aus dem Vorgängerspiel – und müssen uns diese Informationen zunutze machen, um unsere Zielpersonen nach Möglichkeit zu lenken. Denn genau an dieser Stelle baut das Spiel neben den ohnehin bereits fesselnden Überwachungsfeatures nämlich auch neue Funktionen ein.

Orwell: Ignorance is strength

Manipuliere die Informationen
Mit dem neuen „Influencer“-Feature schlüpfen wir nämlich erstmals in die Rolle eines Fake News-Verbreiters, der gezielt im Auftrag der Regierung, Falschinformationen über eine unliebsame Zielperson bzw. einen Oppositionellen / Staatsfeind verbreiten soll. Wir durchsuchen also gezielt selbst die intimsten Informationen auf den privaten Geräten und fischen uns die gerade passenden Informationen heraus, die dazu geeignet sind, aktiv Stimmung gegen die Zielperson zu machen. Grundsätzlich basierend auf Informationen, die die Zielperson selbst preisgegeben hat – nur, dass wir uns eventuelle Lügen gegenüber Verwandten, Freunden und Dritten mitunter zunutze machen, um vermeintliche „Wahrheiten“ über zu leaken und unseren Gegner zu diskreditieren. Damit bekommt „Orwell“ eine gänzlich neue Spieldynamik, die das spannende Storyerlebnis noch intensiver macht.

Orwell: Ignorance is strength

Ein bekanntes System
Gleichzeitig sehen die Entwickler aber davon ab, es dem Spieler durch neue Features allzu kompliziert zu machen. Grundsätzlich ist die Oberfläche des Spiels sogar völlig identisch geblieben und auch das Gameplay hat sich im Wesentlichen nicht verändert. Auch im zweiten Teil bedienen wir das „Orwell-System“ immer noch über ein 2D-Userinterface, auf dem wir Webseiten durchstöbern, Handygespräche abhören oder via Screen-Sharing-Software heimlich auf den Desktop der Rechner und Smartphones zugreifen. Da müssen wir dann die passenden und nützlichen privaten Informationen finden, mit denen wir umfangreiche Profile über die Zielpersonen erstellen, die wir zu ihrem Ungunsten nutzen können. Stets mit dem Risiko, dass unsere Diskreditierungsversuche gewaltig schief gehen oder unerwünschte Nebeneffekt mit sich bringen.

Fazit:
Das faszinierende Spiel über totale staatliche Überwachung bleibt seinem bisherigen Gameplay treu und überzeugt mit spannenden neuen Features, die den Spieler selbst zum Verbreiter von Fake News machen. Dabei kommt „Orwell: Ignorance is strength“ aber – auch auf Grund seines neuen Episodenformats – nicht mehr ganz an die Intensität des Vorgängers heran.

Orwell: Ignorance is strength Wertung


22
Mrz

Train Sim World: NEC New York

Die meisten amerikanischen Eisenbahnstrecken sind vor allem für ihre langsamen Abschnitte voller Güterverkehr bekannt, auf denen nicht selten schwere Lokomotiven in Mehrfachtraktion die sich mitunter stapelnden Güterwagen ziehen müssen. Ganz anders hingegen der berühmte Northeast Corridor, der zu jenen Strecken im Nordosten der USA gehört, die ein überdurchschnittlich hohes Fahrgastaufkommen zu bieten haben. Aus der Metropole New York geht es für die meisten Passagiere nach Washington, New Haven oder Philadelphia, während fleißige Lokführer der CSX Transportation die Fracht an den nahegelegenen Güterbahnhöfen rangieren. Damit ist der Northeast Corridor also auch ein wichtiger Wirtschaftszweig der Vereinigten Staaten – und wir dürfen hinter das Steuer der Lokomotiven schlüpfen.

Kritik:
Inzwischen ist die grafisch vermutlich hübscheste Simulation auf dem gesamten Spielemarkt bereits seit einem Jahr erhältlich. Zu Beginn noch mit wenig Material auskommend, dürfen sich die Eisenbahnfans mittlerweile über ganze vier verfügbare Strecken freuen, die über den halben Globus führen: Ob Deutschland, Groß-Britannien oder bereits zum zweiten Mal in die Vereinigten Staaten.

Train Sim World: Northeast Corridor New York

Einmal um die Ecke
Die langjährigen Fans der Vorgängerspiels „Train Simulator“ werden die ein oder andere Route entlang des Northeast Corridors dabei vermutlich schon kennen. Wahlweise ging es dort schon vor Jahren von New York nach New Haven oder nach Philadelphia. Beide Strecken sind schließlich für den inzwischen in die Jahre gekommenen Vorgänger verfügbar und begeisterten ebenfalls mit einer Mischung aus Passagier- und Frachtverkehr. Bei Kennern dürfte die Enttäuschung aber zunächst recht groß sein: In der Variante für „Train Sim World“ kann der virtuelle Lokführer nämlich lediglich von New York Penn bis nach New Rochelle fahren – und bekommt damit eine Strecke geboten, die nicht einmal halb so lang ist, wie in den alten Versionen für den Train Simulator. Im direkten Vergleich entspricht das etwa der Strecke von Mönchengladbach nach Düsseldorf – nur, dass wir im „Northeast Corridor“ nicht einmal die Metropole New York verlassen.

Train Sim World: Northeast Corridor New York

Im Schneckentempo durch New York
Schade ist darüber hinaus natürlich auch, dass die neue Route mit einem ausgesprochen langsamen Abschnitt daher kommt. Denn während die Züge von Amtrak nach der Ausfahrt aus New York normalerweise damit beginnen, endlich zu beschleunigen, kommen wir in diesem Addon auf dem viel befahrenen Abschnitt lediglich auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 60 Meilen pro Stunde. Und das ist nun wirklich nicht gerade ein rasantes Fahrerlebnis, welches zudem auch nur für den Passagierverkehr gilt. In den Güterszenarien, die noch dazu wie aus dem alten Addon zur NRE 3GS-21B kopiert wirken, geht es meistens gar nur mit 10 bis 40 Meilen pro Stunde voran. Nicht verwunderlich wäre also, wenn der ein oder andere sich bei diesem Addon letztendlich also gelangweilt fühlt. Daran ändern auch die insgesamt sechs vorhandenen Szenarien nichts, von denen eines gar nur fehlerhaft spielbar ist. Die Signalschaltung müsste hier nämlich dringend überarbeitet werden.

Train Sim World: Northeast Corridor New York

Kein Acela in Sicht
Noch enttäuschender ist dann die Tatsache, dass auch das Rollmaterial längst nicht so umfangreich ausgefallen ist, dass man hier von einem realistischen Eisenbahnerlebnis sprechen könnte. Tatsächlich finden wir mit dem Amtrak ACS-64 und der CSX GP38-2 gerade einmal zwei Lokomotiven vor, die für gewöhnlich auf dieser Route unterwegs sind. Der Acela Express – für den die Strecke einst extra gebaut wurde – ist hingegen nicht Teil des Addons, um ihn dann – so mutmaßen wir jedenfalls – vermutlich später gesondert zu verkaufen. Bedenken wir dann, dass die GP38-2 praktisch 1:1 aus dem Hauptspiel übernommen wurde und es sich dabei nicht einmal um eine wirklich neue Lokomotive handelt, ist die Enttäuschung umso größer. Dafür entschädigt lediglich die hohe Vielfalt an abwechslungsreichen Güterwaggons, die zumindest die Zusammenstellung der Güterzüge glaubwürdig und realistisch erscheinen lässt.

Train Sim World: Northeast Corridor New York

Toilette für den Lokführer
Immerhin eines ist dem „Northeast Corridor“-Addon aber zumindest gelungen: Die Darstellung der vorhandenen, neuen Amtrak ACS-64 Lokomotive kann sich durchweg sehen lassen und macht einen überaus detaillierten Eindruck. Hier lässt sich nicht nur nahezu jeder Knopf bedienen, sondern selbst die beiden Displays im Führerstand sind vollständig bedienbar und verfügen über Live-Animationen. Noch dazu ist ein Betreten des Innenraumes der Lokomotive jederzeit möglich, sodass wir nicht nur zum Motorraum vordringen können, sondern zugleich sogar erfahren, dass die amerikanischen Lokomotiven offenbar über eine Toilette eigens für den Lokführer verfügen. Der eingefleischte Eisenbahnfan bekommt hier also immerhin einige spannende Details geboten, welche das Interesse an der ACS-64 auf Grund des technischen Aspekts steigern.

Train Sim World: Northeast Corridor New York

Wann wird denn endlich grün?
Bleibt also das Problem, dass der eigentlich beeindruckend aussehende „Train Sim World“ auch ein Jahr nach dem Release unter dem Strich noch immer nicht ausgereift ist. Im ersten Szenario etwa erkennen wir sehr gut, wie schlecht doch manches Mal die Signalanlagen funktionieren: So wird nicht immer registriert, ob die Strecke frei ist, das Signal schaltet sich nicht korrekt um und der Spieler steht folglich für immer und ewig an einem roten Signal. Oder aber einige mysteriöse Grafikfehler treten auf, die wir zuletzt bereits beim Addon „Great Western Express“ im Zusammenhang mit entgegenkommenden Zügen zu sehen bekamen und die ziemlich eindeutig am jeweiligen Strecken-Addon lagen. Warum also Dovetail Games auch beim inzwischen vierten Addon erneut dieselben Fehler einbaut, die es bereits früher einmal gab, bleibt ein absolutes Rätsel.

Train Sim World: Northeast Corridor New York

Skyline von New York
Eines muss man dem Addon aber definitiv lassen: Auf Grund der beeindruckenden Grafik des „Train Sim World“ kann natürlich auch die Kulisse von New York mehr als nur beeindrucken. Spätestens hier fällt der Unterschied zur damaligen alten „Train Simulator“-Route nämlich deutlich auf, wenn dicht besiedelte Häuserreihen den Hintergrund füllen oder spektakuläre Brücken über die Dächer der Stadt hinweg ragen. Und auch das Gleissystem macht einen insgesamt sehr komplexen Eindruck, wenn es etwa auf verschiedenen Höhen voran geht, originalgetreu nicht jedes Gleis mit Oberleitungen ausgestattet ist oder sich in der Nähe der großen Stationen plötzlich mehr als zehn Gleise gleichzeitig nebeneinander auftun. Somit ist auch „Northeast Corridor“ letztendlich also zumindest ein Augenschmaus für Eisenbahnfans. Mit Blick auf die „inneren Werte“ aber womöglich doch vorwiegend ein Grafikblender.

Fazit:
Trotz der beeindruckenden Darstellung der amerikanischen Metropole New York enttäuscht das neueste Addon „Northeast Corridor“ mit einer vergleichsweise geringen Streckenlänge, diversen Fehlern bei der Signalschaltung und einem fehlenden Acela Express.

Train Sim World: Northeast Corridor New York Wertung


15
Mrz

Surviving Mars

Der große Traum der Menschheit: Endlich andere Planeten besiedeln, am liebsten sogar unseren großen roten Nachbarn, den Mars. Selbst in der Realität könnte diese Vorstellung vielleicht in einigen Jahren wahr werden, plant schließlich Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX eine eigene Marskolonie. Mehr als hundert Menschen sollen auf den fremden Planeten reisen und dort langfristig möglichst autonom überleben können. Ein Stück weiter in der Zukunft ist es deshalb nun unsere Aufgabe, genau das in die Tat umzusetzen. Mit unserem Raumschiff endlich im Orbit des Mars angekommen gilt es, einen geeigneten Landeplatz zu finden, die Strom-, Wasser- und Sauerstoffversorgung sicherzustellen, Rohstoffe abzubauen und letztendlich eine neue Heimat für einige Menschen zu errichten. Dass das nicht ganz so einfach ist und womöglich sogar in einem Kampf ums Überleben ausarten könnte, versteht sich sicherlich von selbst…

Kritik:
Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Spiels könnte dabei vermutlich kaum besser gewählt sein. Nachdem Elon Musk erst im Februar seinen Tesla erfolgreich in den Weltraum geschossen hat, ist ein wahrer Hype um die Raumfahrt und die Besiedlung des Mars entstanden. Bereits in vier Jahren soll ein erstes Raumschiff mit Ausrüstung zum Mars fliegen, zwei Jahre später dann sogar die ersten Menschen folgen, um eine richtige Kolonie auf dem fernen Planeten zu gründen. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte scheint die Kolonisierung in greifbarer Nähe und die Menschheit hält es tatsächlich für möglich, andere Planeten zu besiedeln. Ein perfekter Zeitpunkt letztendlich, um ein Aufbau-Strategiespiel mit eben dieser Thematik auf den Markt zu bringen.

Surviving Mars

Interplanetary Transport System
Und wenn man sich einmal etwas intensiver mit Elon Musk, SpaceX und seinen Plänen auseinandergesetzt hat, wird in „Surviving Mars“ auch schnell deutlich, dass sich die Entwickler ziemlich viel bei seinen Entwicklungen und Errungenschaften abgeschaut haben. Bei einigen Spielelementen orientiert man sich recht originalgetreu an den realen Bedingungen und Möglichkeiten. Das fängt schon da an, dass Marsjahre korrekt mit „Sol“ bezeichnet werden und atmosphärische Bedingungen – etwa die Kälte in den schattigen Regionen – eine durchaus interessante Rolle in diesem Spiel steht. Vor allem aber könnte man fast meinen, dass man die Technik bei SpaceX lizensiert hätte: Schon das Raumschiff, mit dem wir zu Beginn des Spiels auf dem Mars landen müssen, erinnert auffallend an das geplante „Interplanetary Transport System“, mit dem Elon Musk plant, Waren zwischen dem Mars und der Erde hin und her zu transportieren. Kein Wunder also, dass sich recht schnell sogar die Spielmechaniken daran anlehnen.

Surviving Mars

Cities Skylines auf dem Mars
Obwohl natürlich auch Paradox Interactive mittlerweile ein wenig dazu übergegangen ist, gewisse wiederholende Muster in ihre Spiele einzubauen. Damit ist zugleich trotz des interessanten Settings auch klar, dass „Surviving Mars“ das Genre nicht gänzlich neu erfindet. Was wir hier geboten bekommen ist ein futuristischer Mix aus Aufbau-Strategie und City Builder – nur, dass die Städte dieses Mal eben auf dem roten Planeten zu finden sind. Insgesamt hat man aber doch gewisse Spielmechaniken aus „Cities: Skylines“ übernommen. Auch hier müssen wir die Infrastruktur sicherstellen, Wohngebiete errichten und die Bedürfnisse unserer Kolonisten erfüllen. Ganz nebenbei gehört aber auch ein wenig Rohstoffabbau und Produktion dazu – immerhin ist es das langfristige Ziel des Spiels, möglichst autonom und ohne externe Hilfe auf dem Mars leben zu können. Mit anderen Worten: Alles was wir benötigen – vom Beton bis hin zu elektronischen Geräten – selbst abzubauen oder zu produzieren.

Surviving Mars

Nachschub von der Erde
Bis das klappt, spielt das bereits angesprochene „Interplanetary Transport System“ eine entscheidende Rolle. Damit fliegen wir nämlich nicht nur neue Kolonisten von der Erde auf den Mars, sondern stellen auch Nachschublieferungen von der Heimat sicher. Fehlen uns Rohstoffe, Fertigbauteile oder andere wichtige Dinge lässt sich einfach ein neues Raumschiff anfordern, das uns auf dem Mars mit den nötigen Materialien versorgt. Die eigentliche Schwierigkeit dabei: Unsere Geldmittel sind von den Sponsoren abhängig und dementsprechend begrenzt. Nach einigen Jahren ist jegliches Geld aufgebraucht und wenn die Kolonie bis dahin nicht autonom existieren kann, sind Todesfälle und vielleicht sogar ein Scheitern vorprogrammiert. Ein Glück lässt sich natürlich auch Geld machen – etwa mit dem Abbau und Export von Edelmetallen. Manche Dinge lassen sich schließlich auch zur Erde zurück schicken. Doch das Rohstoffaufkommen ist begrenzt und mit etwas Pech nehmen wir schnell weniger Geld ein, als wir zur Aufrechterhaltung unserer Kolonie ausgeben müssen. Obwohl „Surviving Mars“ anfänglich recht simpel erscheint, kann das Spiel im späteren Verlauf also auch zu einer Herausforderung werden.

Surviving Mars

Learning by doing
Ganz so einfach gestaltet sich der Einstieg derweil ohnehin nicht, denn Paradox Interactive hält es offenbar nicht für nötig, den Spieler allzu sehr an die Hand zu nehmen. Ein richtiges Tutorial gibt es dementsprechend also nicht. Nach dem Spielstart erscheinen lediglich einige schriftliche Tipps, die uns kurz die grundlegendsten Dinge erklären – etwa den Rohstoffabbau und die Wahl des richtigen Landeplatzes. Das allerdings war es auch schon. Wie wir anschließend unsere Kolonie verwalten und aufrecht erhalten, müssen wir letztendlich also selbst herausfinden. Und dabei kann man schonmal mehrere Anläufe benötigen, ehe wir den richtigen Dreh raus haben. Das Ziel ist schließlich wie bei den meisten Spielen dieser Art: Unsere Kolonie muss auf eine bestimmte Größe wachen und am Ende steht die Erbauung eines „Wunders“, mit dem das Spiel abgeschlossen werden kann. Und das geht nur im klassischen freien Spiel, denn wir auch bereits bei „Cities Skylines“ scheinen die Entwickler bei Paradox offenbar nicht viel von einer Einzelspieler-Kampagne zu halten.

Surviving Mars

Die zufällige Forschung
Einen gewissen Wiederspielwert kann „Surviving Mars“ zum Glück aber trotzdem vorweisen und das liegt an einem ganz entscheidenden Spielelement, das jede Partie ein wenig anders ablaufen lässt. Während nämlich einige Bereiche in unserem Forschungsbaum vorgegebene Technologien beinhalten, basiert ein Teil desselbigen gänzlich auf dem Zufall. Vergleichbar etwa mit der „Civilization“-Reihe werden zu Beginn nämlich einige scanbare Anomalien auf der Karte verteilt, durch dessen Erkundung wir unter anderem neue Technologien zum Erforschen in unserem Forschungsmenü freischalten können. Und die können den Spielverlauf grundlegend beeinflussen. Noch dazu sorgen auch diverse Zufallsereignisse – wie etwa Erstkontakte zu außerirdischen Lebensformen oder Meteoritenstürme – für ein abwechslungsreicheres und spannenderes Spielerlebnis. Denn nicht in jeder Partie wird auch jedes Ereignis auftauchen. Der Ablauf bleibt damit unvorhersehbar.

Surviving Mars

Unter the dome
Eine weitere Herausforderung dürfte außerdem sein, die passenden und geeigneten Kolonisten für unser Abenteuer zu finden. Als Spieler übernehmen wir somit also auch die Funktion des Personalmanagements und müssen unter den zahlreichen Bewerbern auf der Erde die passenden finden. Dazu können wir bestimmte Eigenschaften explizit ausschließen oder anfragen. Neben dem Alter und dem Geschlecht, was etwa für die Reproduktion auf dem Mars vorteilhaft ist, lassen sich auch berufliche Spezialisierungen, Stärken und Schwächen passend filtern. Aus den am Ende noch übrigen Bewerbern wird dann eine passende Menge automatisch ausgesucht, die auf dem Raumschiff Platz findet. Das Problem: Der Platz für Servicegebäude ist in unseren Kuppeln begrenzt und jeder Kolonist hat ganz individuelle Bedürfnisse, denen er nachgehen möchte. Hier für die jeweilige Kuppel auch die passenden Bewerber zu finden, kann sich mitunter als ganz schön schwierig entpuppen. Zumal die Anzahl der Bewerber ebenso begrenzt sein kann – etwa dann, wenn negative Nachrichten vom Mars zur Erde gelangen. Das kann etwa passieren, wenn unsere Kolonisten eines unnatürlichen Todes, beispielsweise wegen mangelnder Sauerstoffversorgung, sterben. Fehler werden also konsequent bestraft.

Surviving Mars

Keine Konkurrenz im Weltraum
Schade ist, dass wir uns unterdessen ausschließlich auf uns selbst konzentrieren müssen. Obwohl wir vor dem Start eines neuen Spiels zwar den Sponsor mit jeweils unterschiedlichen Vorteilen aussuchen können, brauchen wir nicht darauf zu hoffen, eines der nicht ausgewählten Unternehmen an Konkurrenz auf der Oberfläche des Mars wieder zu finden. Ein Wettrüsten oder einen Kampf um die Ressourcen suchen wir also völlig vergebens. Dass es dementsprechend auch keinen einzigen Multiplayer-Modus gibt, dürfte somit ebenso nicht allzu sehr verwundern. Eigentlich ist das schade, denn die Spielmechanik von „Surviving Mars“ hätte selbiges geradezu angeboten. Fans von „Cities Skylines“, die noch dazu Science-Fiction mögen, werden an diesem Spiel aber auch alleine am heimischen Rechner mehr als reichlich Spaß haben.

Fazit:
Die Mischung aus Aufbauspiel und „Cities Skylines“ auf dem Mars erfindet das Genre zwar nicht gänzlich neu, kann aber den Science-Fiction-Fan mit einer Vorliebe für Strategie viele Stunden fesseln.

Surviving Mars Wertung


08
Mrz

Into the Breach

Die Welt steht am Abgrund und die Auslöschung der gesamten Menschheit scheint unausweichlich. Ganze Horden von gefährlichen insektoiden Aliens dringen aus dem Erdreich an die Oberfläche hervor und greifen alles an, was sich ihnen in den Weg stellt. Vor allem die zahlreichen Häuser voller Zivilisten sind ihr bevorzugtes Ziel. Ein Glück, dass die letzten Überlebenden der Erde in der Lage sind, durch die Zeit zu reisen und an den Beginn der Invasion zurück zu kehren. Mit drei Kampfrobotern ausgerüstet, haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Und wenn das fehlschlägt, reisen sie so häufig in der Zeit zurück, bis ihnen die Rettung endlich gelungen ist. Dumm nur, dass sie mit lediglich drei Kampfrobotern zahlenmäßig deutlich unterlegen sind…

Kritik:
Es müssen nicht immer die großen High-Budget-Titel mit beeindruckender Grafik und möglichst großem Umfang sein, um die Spieler zu begeistern. Mit „Into the Breach“ erschien Ende Februar ein echter Überraschungshit auf Steam, der bereits zahlreiche Fans der Rundenstrategie begeistern konnte. Mit relativ hohem Schwierigkeitsgrad, simpler Spielmechanik und vor allem Pixelgrafik gehört dieses Spiel vermutlich nicht zu all jenen, die sich an die große Masse der Spieler richtet. Und dennoch: Nach ihrer roguelike Weltraumsimulation „FTL“ wissen ihre Fans durchaus zu schätzen, was sie hier geboten bekommen. Nicht zuletzt, weil das leichte, aber schwer zu beherrschende Spielprinzip schnell in seinen Bahn ziehen kann, wie es sonst vermutlich nur Brettspiele können.

Into the Breach

Schach gegen Aliens
Grundsätzlich erinnert das Strategiespiel nämlich tatsächlich an ein solches: Die primäre Spielmechanik ist insgesamt stark an den Klassiker Schach angelehnt. Acht mal acht Felder sind die jeweiligen Level groß, auf denen wir unsere drei Kampfroboter auf unterschiedliche Weise steuern können. Mit dem einen Mech stoßen wir den Gegner zur Seite, mit einem anderen fliegen wir über ihn hinweg und werfen ein paar Bomben ab und wieder andere arbeiten mit Fernwaffen, die lediglich geradeaus alles wegballern, was ihnen im Wege steht und dabei ebenfalls den Gegner beiseite schieben. Spannend wird dieses Spielprinzip allerdings dadurch, dass uns „Into the Breach“ eine Vorahnung darüber gibt, was die Aliens als nächsten Schritt tun werden. Wir wissen also vorher, in welche Richtung sie angreifen werden und müssen geschickt überlegen, wie wir sie entweder vernichten oder zumindest so zur Seite schubsen, dass sie unsere Gebäude nicht mehr angreifen können. Und das möglichst in kombinierten Spielzügen.

Into the Breach

Nur ein toter Bug…
…ist ein guter Bug. Und das darf man bei diesem Rundenstrategiespiel auch ziemlich Ernst nehmen. Die Schwierigkeit des Spiels liegt nämlich darin, dass wir mit jedem zerstörten Gebäude zugleich Energie verlieren. Die Energieanzeige stellt dabei eine Art „Gesundheitsbalken“ dar, der niemals auf null sinken darf. Dann nämlich ist das Spiel vollständig gescheitert – eine Speichermöglichkeit gibt es nämlich nicht. Lediglich die Möglichkeit, bereits entwickelte Mech-Piloten mit auf unsere nächste Zeitreise in die Vergangenheit zu nehmen, besteht. Das allerdings auch nur in begrenzter Häufigkeit. Verlieren wir zu häufig, landen wir irgendwann wieder im Hauptmenü und müssen komplett von vorne beginnen. Das Problem dabei: Aufladen lässt sich der Energiebalken erst dann wieder, wenn wir eine komplette Insel von den Aliens befreit haben – also in der Regel mitunter sechs oder sieben Level überstanden haben. Und das auch nur, wenn wir im Gegenzug auf bessere Waffen und Fähigkeiten verzichten. Denn für die braucht es dieselbe Währung, wie zum Aufladen des Energiebalkens.

Into the Breach

Inseln des Todes
Noch dazu wird „Into the breach“ zu Beginn für einige Fehlschläge sorgen, denn zugleich werden die jeweiligen Level auch immer schwieriger. Die Stärke und Widerstandsfähigkeit der Aliens verbessert sich nämlich stetig – und wo sie auf der ersten zu rettenden Insel nur einen Schadenspunkt anrichteten, sind es schon auf der zweiten Insel plötzlich drei pro Attacke. Insgesamt muss es uns gelingen, ganze vier Inseln nacheinander zu befreien – all ihre vorhandenen Level inklusive. Und das in einem Zug, ohne auch nur ein einziges Mal einen Spielstand speichern zu können. Immerhin: Unsere aktuelle Runde können wir in der Regel wiederholen und überdenken. Aber die Aktionen erst einmal ausgeführt, sind sie nicht revidierbar. Das ist es eben, was „roguelike“ ausmacht – und Fans des Genres werden letztendlich auch „Into the breach“ lieben. Man sollte allerdings nicht dazu geneigt sein, bei Fehlschlägen allzu schnell aufzugeben.

Into the Breach

Aufrüsten für den Krieg
Erstaunlich ist es, dass es dem Spiel tatsächlich gelingt, Frust größtenteils zu vermeiden. Das liegt daran, dass wir auch während unserer anfänglichen Fehlschläge immerhin eine Währung erhalten, mit der wir später die Squads austauschen können. Konkret bedeutet das, dass wir unsere drei Kampfroboter durch neue Kampfroboter ersetzen können. Die haben dann gänzlich andere Fähigkeiten und führen komplett andere Spielzüge aus. Das verpasst „Into the Breach“ trotz allem also eine gewisse Abwechslung, die dazu motiviert, ständig noch einmal mit einem neuen Squad von vorne zu beginnen. Immerhin ändert sich die Spielerfahrung dadurch immer wieder. Und es dauert kaum eine bis zwei Stunden, ehe das Strategiespiel den Spieler letztendlich auch mit kleinen Erfolgen belohnt. Da schafft man es dann vielleicht sogar mal auf die zweite Insel, statt schon auf der ersten zu scheitern – und schreitet mit jedem neuen Squad ein bisschen weiter voran. Dennoch haben wir gewisse Zweifel, dass dieses Spielprinzip jeden Spieler auch über eine zweistellige Stundenanzahl fesseln kann. Klar ist: Mit seiner eben speziellen Spielmechanik richtet sich „Into the Breach“ eben doch eher an echte Fans der Rundenstrategie und des „roguelike“ Spielerlebnisses.

Fazit:
Die Macher von „FTL“ erweitern das klassische Spielprinzip des Schachspiels um einige spannende Spielelemente und kombinieren dabei das kompromisslose nicht-speicherbare „roguelike“ Spielerlebnis mit einem faszinierenden und motivierenden Zeitreisefeature. Fans des Genres werde „Into the Breach“ deshalb lieben – andere wiederum sich frustriert nach einer Alternative umsehen.

Into the Breach Wertung


26
Feb

Kingdom Come: Deliverance

Böhmen im Jahre 1403: Nachdem König Karl IV. bereits vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet hat, ist das Land unter der Führung seines Sohnes König Wenzel IV. längst ins Chaos versunken. Statt sich seinen eigentlichen Pflichten zu widmen, zieht es Wenzel vor, lieber frivoleren Beschäftigungen nachzugehen und recht wenig um das eigene Volk zu kümmern. Dass der Adel dies nicht lange mit sich machen ließ, sollte nicht verwundern, denn so wandten sie sich an seinen Halbbruder Sigismund, König von Ungarn. Der hat unterdessen allerdings gänzlich eigene Vorstellungen davon, wie die „Ordnung“ in Böhmen wieder hergestellt werden kann. Mit einer riesigen Armee fällt er über das Land her, brandschatzt ganze Dörfer und ermordet zahllose unschuldige Menschen. Das muss auch der junge Heinrich, Sohn des örtlichen Schmieds von Skalitz am eigenen Leib erfahren. Auch sein Dorf soll wird von den Kumpanen des ungarischen Herrschers heimgesucht und seine Eltern vor seinen eigenen Augen ermordet. Nach letzter Rettung und in Hoffnung auf Rache, findet er Unterschlupf in einer nahegelegenen Burg und stellt sich in den Dienst der Burgherren, um für Recht und Ordnung in seinem Heimatland zu sorgen…

Mittelalter ohne Fantasy
Harte und raue Zeiten hatte das Mittelalter auch im heutigen Tschechien zu bieten. Und dafür braucht es gar keine Drachen, Dämonen oder angsteinflößende Magie. Denn anders als die meisten anderen Rollenspiele, die in dieser Zeit angesiedelt sind, verzichtet „Kingdom Come: Deliverance“ vollständig auf Fantasyinhalte. Dieses Spiel sollte schließlich ein reines mittelalterliches Rollenspiel werden, das mit einer besonderen Nähe zu Realität punkten kann. Grobe Umgangsformen, herablassendes Verhalten gegenüber Frauen und dumme Kommentare gegenüber Minderheiten können also schon einmal dazu gehören, wenn das Spiel ein Leben im Jahre 1403 wiedergibt. Und tatsächlich: Den Entwicklern der Warhorse Studios ist es gelungen, eines der wohl realitätsnahesten Mittelalterszenarien umzusetzen. Und doch muss man beachten: Dokumentarische historische Korrektheit darf man trotz allem nicht erwarten. Das Spiel ist und bleibt – entgegen zahlreicher Vorwürfe von Historikern und Kritikern, die ihm vorwerfen, historische Fakten zugunsten von Rassismus zu verfälschen – eben doch Fiktion. Den Anspruch, jede damals dort anzutreffende Minderheit auch originalgetreu ins Spiel einzubauen, kann ein Entwickler angesichts eines derartigen Umfangs kaum erfüllen.

Kingdom Come: Deliverance

In den Fußstapfen des Hexers
Gerade bei jenem Umfang liegt nämlich auch eine der großen Stärken von „Kingdom Come: Deliverance“ und das bezieht sich nicht nur auf die etwa 16 Quadratkilometer große Spielwelt. Qualitativ gelingt es dem Rollenspiel nämlich auch, in derselben Liga mitzuspielen, die einst „The Witcher 3“ zur Genrereferenz machte. Und das betrifft auch den Umfang der Quests, die Anzahl der Charaktere, die Lebendigkeit der Spielwelt und vieles mehr. Zumal der Aufwand sicherlich nicht geringer ist, wenn man auf rein erfundene Wesen gänzlich verzichtet und eine Story komplett auf menschlichen Charakteren basierend aufbauen möchte. Man könnte angesichts dessen sogar sagen: „Kingdom Come: Deliverance“ ist das aufwändigste und umfangreichste Spiel der vergangenen Jahre. Kein Wunder also, dass Genrefans den Titel geradezu feiern und die Verkaufszahlen geradezu in die Höhe schießen. Immerhin dauert es gar ganze drei Stunden Spielzeit, ehe wir überhaupt erst das Intro zu Gesicht bekommen. Ganze hundert Stunden soll es laut Entwickler gar dauern, das gesamte Spiel vollständig durchzuspielen – und diese Zahl dürfte durchaus realistisch sein.

Kingdom Come: Deliverance

Schwing dein Schwert
Hinsichtlich dem Selbstanspruch an Authentizität ist das Rollenspiel aber auch nicht unbedingt zimperlich damit, auch einmal Leichen, Blut und Massaker zu zeigen. Dabei wird die Gewalt zwar nie zum Selbstzweck, aber Entwickler Warhorse Studios legt dennoch großen Wert darauf, die Spielwelt so rau und bitter zu präsentieren, wie das Mittelalter eben seinerzeit gewesen ist. Besonders stolz ist das Entwicklerteam dabei auf das außergewöhnliche Kampfsystem, das sich als so komplex entpuppt, dass es gerade deshalb schon wieder seine Schwächen hat. Hier kann man nicht einfach nur seinen Gegner angreifen, sondern das Schwert auch aus mehreren Richtungen schwingen, die optimalerweise dort sein sollte, wo der Gegner nicht sein Schwert oder Schild hält. Und am besten tricksen wir ihn gleich aus und wechseln kurz vor dem Schlag noch einmal spontan die Richtung, damit der Feind schlechter parieren kann. Das könnte sicherlich eines der detailliertesten Kampfsysteme sein, die wir je in einem Rollenspiel gesehen haben – ist damit aber auch nicht immer ganz so einfach zu beherrschen.

Kingdom Come: Deliverance

Entscheidungen statt Kampf
Ein Glück, dass die Kämpfe bei weitem nicht den größten Teil des Spiels ausmachen, auch wenn wir durchaus hier und da zum Schwert greifen werden. Viel wichtiger sind hingegen die Entscheidungen, die wir in „Kingdom Come: Deliverance“ fällen und die direkten Einfluss auf den Storyverlauf und die Spielwelt haben. Dabei arbeitet das Rollenspiel mit einem Rufsystem, das abhängig von der Ortschaft und den dortigen Fraktionen ist. Und dort können wir auf verschiedene Weise unsere Gunst stärken oder die Bewohner verärgern. Werden wir etwa bei einem Diebstahl auf eine Adelsperson erwischt, kann das beim Adel im jeweiligen Ort negative Folgen haben – bis hin zu dem Problem, dass der gesamte Adel womöglich nicht einmal mehr mit uns sprechen möchte, wenn der Ruf einmal etwas zu stark gesunken ist. Und da praktisch alle unsere Handlungen – jeder Diebstahl, jeder Kampf, jeder dumme Kommentar – solche Folgen haben kann, gelingt es dem Spiel, eine abgerundete lebendige Welt zu erschaffen.

Kingdom Come: Deliverance

Sprich nicht so mit dem Adel!
Besonders entscheidend ist dabei auch das Dialogsystem, bei dem unsere Fähigkeiten und unser Erscheinungsbild eine wichtige Rolle spielen. Es ist fast ein bisschen so, als hätte man das auf Entscheidungen basierende Dialogsystem aus diversen Telltale-Spielen in ein Rollenspiel verpackt und mit zusätzlichen Eigenschaften erweitert. Ob wir unser Gegenüber etwa durch Lügen, Drohen oder Ansehen beeinflussen können, ist nicht nur von Werten wie Rufstärke und Charisma abhängig, sondern zusätzlich auch von unserem Kleidungsstil, unserer Sauberkeit oder unserem körperlichen Ausdruck von Stärke. Die Bürger der Orte reagieren also abhängig von ihrem sozialen Status und unserer Erscheinung völlig unterschiedlich auf bestimmte Dialogoptionen und Entscheidungen – und auch hier kann ein Misserfolg unserer Überredungskünste negative Auswirkungen auf die gesamte jeweilige Fraktion haben. Ebenso aber auch umgekehrt. Das macht die Dialoge – und „Kingdom Come: Deliverance“ ist an diversen Stellen durchaus dialoglastig – ziemlich spannend und interessant. Es muss eben nicht immer nur Action sein, um den Spieler zu fesseln.

Kingdom Come: Deliverance

Hereingelegt durch einen NPC
Man sieht also schon sehr gut, welchen hohen Wert die Entwickler darauf legen, in eine lebendige Spielwelt eintauchen zu können. Spannend wird allerdings die Tatsache, dass sie dabei noch einmal einen oben drauf legen, denn dynamisch eingefügte Zufallsereignisse machen die Welt obendrein noch ein wenig glaubwürdiger. So kann es sein, dass wir für eine Quest etwa ein Pferd suchen, nichts ahnend einen Waldweg entlang reiten und plötzlich eine Leiche am Wegesrand sehen. Wir gehen davon aus, dass wir auf der richtigen Fährte sein müssen und die Person womöglich vom Pferd überrannt wurde. Folglich steigen wir ab, untersuchen und plündern die Leiche und siehe da: Wir sind in einen Hinterhalt geraten und werden von zwei Feinden angegriffen. Das Interessante daran: Dieses Erlebnis war nicht etwa fester Bestandteil der Quest, die wir erledigen wollten. Nach dem Laden eines Spielstandes und erneutem Aufsuchen dieser Stelle, ist die Leiche plötzlich nicht mehr da. „Kingdom Come: Deliverance“ fügt solche Ereignisse also dynamisch und zufallsgeneriert in die Welt ein, um sie spannender zu machen. Spätestens jetzt dürfte man das Rollenspiel wohl lieben gelernt haben.

Kingdom Come: Deliverance

Abwechslungsreiche Nebenquests
Apropos Quests: Das Erfolgsrezept der meisten herausragenden Rollenspiele liegt darin, auch die Nebenquests so interessant zu gestalten, dass wir sie freiwillig erledigen und nicht nur, um etwa Geld zu sammeln oder im Level aufzusteigen. Und auch das gelingt dem Spiel mit Bravour: Im Gegensatz zu vielen anderen Entwicklern verzichtet Warhorse Studios nämlich auf die Verwendung von immer gleichen Questmustern und bietet jeder einzelnen Nebenquest eine ganz eigene, individuelle Story. Da macht es doch gleich, viel mehr Spaß diesen nachzugehen und wir verspüren in jedem aufgesuchten Ort den Drang, doch gleich die dortigen Nebenquests auch zu erledigen – wie die Belohnung dabei aussieht, interessiert gar nicht und wird meist auch vorher nicht unbedingt verraten. Besonders gelungen ist das auch, weil „Kingdom Come: Deliverance“ manchmal darauf verzichtet, den Spieler an die Hand zu nehmen. Der genaue Zielort wird also nicht immer auf der Karte angezeigt. Hin und wieder nutzt das Spiel sogar außergewöhnliche Spielelemente zum Lösen einer Quests: So müssen wir einmal etwa Nachtigallen in einem Wald einfangen und dabei ihren Lauten lauschen. Die Soundausgabe wird also zum wichtigen Bestandteil, die Quest lösen zu können. Übrigens: Auch die Erledigung von Nebenquests kann unseren Ruf beeinflussen.

Kingdom Come: Deliverance

Leb mit deinen Entscheidungen
Damit wir allerdings nicht jede unserer Entscheidungen gleich wieder revidieren können, setzt „Kingdom Come: Deliverance“ auf ein ungewöhnliches und durchaus innovatives Speichersystem. Hauptsächlich gibt es also nur gelegentliche automatische Speicherpunkte, die mitunter auch mehr als eine halbe Stunde Spielzeit auseinander liegen können. Wer dazwischen speichern möchte, muss entweder schlafen gehen oder einen besonderen, stark alkoholischen Schnaps trinken. Das verhindert in erster Linie, kurz vor schwierigen Entscheidungen und Situationen speichern zu können, sodass der Spieler – mangels Lust, gleich eine halbe Stunde Spielzeit zu wiederholen – mit den Entscheidungen leben muss. Damit wird das Genre „Rollenspiel“ seinem Namen auch endlich gerecht. Das Problem dabei: „Kingdom Come: Deliverance“ ist keineswegs frei von Bugs. So kann es passieren, dass unsere Figur Heinrich etwa nicht mehr durch eine Tür gehen möchte oder eine Leiter aus dem Keller nicht hinauf klettert. Und dieses Problem lässt sich dann nur lösen, in dem wir einen älteren Spielstand laden. Nunja: Was das bedeutet, wenn das Spiel seit 30 Minuten nicht mehr gespeichert hat, sollte jedem klar sein…

Kingdom Come: Deliverance

Keine Zeit für den Feinschliff
Generell hätte es dem Spiel sicherlich nicht geschadet, wenn die Entwickler noch ein wenig mehr Zeit für die Beseitigung von Bugs gehabt hätten. Immerhin gibt Producer Martin Klima im eigenen Forum auch zu, dafür nicht genügend Zeit gehabt zu haben. Um es kurz zu machen: Wir hätten die volle Punktzahl bei der Wertung in Betracht gezogen, würden die zahlreichen Bugs nicht den Spielspaß immer wieder trüben – denn eigentlich sind jene Fehler auch die einzigen wirklichen Kritikpunkte an diesem Spiel und das allein ist schon bemerkenswert genug. Und klar ist auch: Bei einem derartig umfangreichen und komplexen Spiel mit einer solch großen Entscheidungsfreiheit lassen sich Bugs sicherlich eher verschmerzen, als etwa bei einem sechsstündigen Schlauchlevel-Shooter, der wesentlich einfacher zu entwickeln ist. Dennoch: Spätestens, wenn „Kingdom Come: Deliverance“ zum dritten Mal in einer Endlos-Ladeschleife fest hängt, sich fälschlicherweise dieselben Dialoge mehrfach wiederholen oder mal wieder irgendein Pferd in der Luft schwebt, wird es dann doch mitunter etwas nervtötend. Ein Glück, ist das Rollenspiel aber motivierend genug, das wegzustecken und mit dem letzten Spielstand einfach weiter zu machen. Bitter ist es dennoch, wenn man lediglich deshalb kein nahezu perfektes Spiel abliefern kann.

Kingdom Come: Deliverance

Augenschmaus in den Bergen
Erstaunlich ist, dass Warhorse Studios ihr neuestes Spiel unterdessen gar nicht als großen AAA-Titel betrachtet. Und das, obwohl „Kingdom Come: Deliverance“ auch optisch in der Tat mit den ganz großen Spielen mithalten kann. In den maximalen Ultra-Einstellungen entwickelt sich das Rollenspiel schließlich zu einem Augenschmaus mit beeindruckender Weitsicht. Besonders der Blick über die Berge mit dichtem Wald im Hintergrund kann sich hervorragend sehen lassen. Zumal die Entwickler auch bei den Animationen auf jedes Detail geachtet haben: Hier bewegt sich jeder Grashalm und jeder Ast mit dem Wind. Tiere jedweder Art bereichern die Landschaft – sowohl auf Bauernhöfen, als auch in der Wildnis. Beim Reiten durch eine am Boden sitzende Vogelherde fliegt diese eindrucksvoll und physikalisch korrekt davon. Selbst, wenn hier und da mal ein Pferd wegen eines Bugs in der Luft schwebt: Solche Szenen wiederum sind einfach stark.

Kingdom Come: Deliverance

Die flüsternden Gespräche
Schade ist, dass man in Sachen Sound leider nicht dieselbe Qualität abliefern konnte. Und das liegt nicht einmal an der durchaus gelungenen deutschen Synchronisation, die stets mit authentischen und kräftigen Stimmen daher kommt. Auch hier machen sich nämlich Bugs bemerkbar, die in diesem Fall einfach als überaus störend empfunden werden. Vor allem in den Dialogszenen kommt es schließlich immer wieder dazu, dass die Lautstärke der Sprachausgabe stark schwankt. Mal in normaler Lautstärke, der nächste Satz dann wieder im Flüsterton. Da helfen dann auch die besten Synchronsprecher leider nicht. Umso mehr schade wird das, wenn man dann zwingend auf die (einblendbaren) Untertitel angewiesen ist, um die Gesprächspartner überhaupt zu verstehen. Vermutlich dürfte aber auch das zu jenen Bugs gehören, die auf der Prioritätenliste für die nächsten Patches ganz oben stehen. Dennoch: Solche Fehler sollten bereits in der Releasefassung behoben sein.

Fazit:
Mit einem nahezu authentischen Mittelalter-Setting, einer überaus spannenden Story und einer beeindruckenden Spielwelt hat „Kingdom Come: Deliverance“ als erstes Spiel seit Jahren das Potential dazu Witcher 3 vom Rollenspiel-Thron zu stoßen. Damit hat Warhorse Studios womöglich jetzt schon das Spiel des Jahres abgeliefert, das es lediglich auf Grund seiner Bugs nicht zur Bestwertung geschafft hat.

Kingdom Come: Deliverance Wertung


10
Feb

Train Simulator: Durchs Moseltal

Das Moseltal gehört zu den wohl schönsten und beeindruckendsten Landschaften Deutschlands. Auf der einen Seite ragen die romantischen Weinberge in die Höhe, auf der anderen Seite schlängelt sich die hübsche Mosel zwischen den Hügeln entlang und verschafft dem Reisenden einen fantastischen Ausblick. Zugleich ist die Strecke zwischen Koblenz und Trier allerdings auch eine der wichtigsten Industrierouten unseres Landes. Güterverkehr gehört dort ebenso an die Tagesordnung, wie auf der vergleichbaren Rheinstrecke nach Bingen. Und auch für den Regionalverkehr dürfte die Route keineswegs uninteressant sein, zumal zahlreiche Nebenstrecken die kleineren Orte an der Mosel mit den Hauptstrecken verbinden. Und spätestens dabei wird die Fahrt wohl für jeden Lokführer und Fahrgast zu einem wahren Augenschmaus.

Kritik:
Deutsche Fans des Train Simulators dürften es auf die richtig hübschen Routen sicherlich in besonderem Maße abgesehen haben. Dass dazu neben der Rheinstrecke natürlich auch das Moseltal gehören muss, versteht sich von selbst. Entsprechend einem Fahrplan, der vermutlich in den 90iger Jahren angesiedelt ist, geht es demnach von Koblenz nach Trier.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Auf zu den Weinbergen
Dabei ist nicht nur der Streckenverlauf der ganze 113 Kilometer langen Route insgesamt originalgetreu nachgebaut, sondern hat auch einige optische Merkmale zu bieten. Wahlweise links oder rechts finden wir meist die wunderhübschen Weinberge, die interessanterweise je nach Jahreszeit des jeweiligen Szenarios eine andere Farbe annehmen. Im Sommer knall grün, im Herbst dann rustikal braun-rot und im Winter sogar ohne jegliche Früchte – da macht die Strecke zwischen Koblenz und Trier durchaus einen realistischen Eindruck und hat somit sogar eine optische Besonderheit zu bieten. Da lässt es sich auch verschmerzen, dass die Wasseranimationen der Mosel mit der veralteten Engine des Train Simulators nicht mehr ganz so modern aussehen. Übrigens: Eine Streckenlänge von 113 Kilometern ist für ein Addon des Train Simulators erstaunlich lang, üblich sind häufig eher maximal die Hälfte. Dementsprechend sind Fahrten von mehreren Stunden durchaus möglich.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Ruhige Fahrt auf Nebenstrecken
Das soll allerdings längst nicht alles sein, denn neben der wichtigen Hauptstrecke zwischen Koblenz und Trier, die vollständig mit all ihren Halten umgesetzt wurde, haben sich die Entwickler zugleich auch die Mühe gemacht, eine interessante Nebenstrecke zu integrieren. Von Bullay in Rheinland-Pfalz aus geht es schließlich über eine eingleisige Strecke ins tiefe Innere des Moseltals nach Traben Trarbach. Etwa zehn Kilometer dürfen wir dort mit dem alten Dieseltriebwagen der Baureihe 628 eine vermutlich nicht ganz so profitable, aber dafür umso hübscher anzusehende Nebenstrecke von knapp zehn Kilometern abfahren, die sogar über gänzlich eigene Signalsysteme verfügt. Da darf man sich also durchaus auf ein wenig Abwechslung freuen – und bekommt auch noch den passenden Streckenabschnitt für hübsche Screenshots geboten.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Mitten im Grünen
Dass „Durchs Moseltal“ allerdings zugleich auch wirklich richtig hübsch aussieht, haben wir vor allem der dichten Vegetation zu verdanken, die die Macher in das Routen-Addon eingebaut haben. Dass die Büsche auf der Nebenstrecke fast unseren Zug streifen und auch innerhalb der Schienen schon einmal etwas Gras wächst, gehört zum festen und wichtigen Bestandteil der Route und wertet sie optisch noch deutlich auf. Insgesamt mögen die Farben der teils neongrünen Vegetation dabei zwar etwas zu hell aussehen, aber im Vergleich zu anderen Strecken bekommen wir immerhin eine realistischere Bewachsung entlang der Strecke geboten. Und das gilt letztendlich natürlich auch für die Bahnhöfe, die selbst hin und wieder mal etwas Gras abbekommen haben. Rein optisch dürfte „Durchs Moseltal“ also vermutlich zu den schönsten Strecken für den Train Simulator gehören.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Licht am Ende des Tunnels
Entlang der Strecke dürfen wir uns aber auch architektonisch auf einen gewissen Realismus freuen. Mit dem Kaiser-Wilhelm-Brücke hat man immerhin eine der längsten Eisenbahntunnel Deutschlands eingebaut und diesen realistisch mit über vier Kilometern Länge umgesetzt. Und auch der kann sich dank der glaubwürdigen Innenbeleuchtung durchaus sehen lassen und hebt sich von den Tunneln aus anderen Addons deutlich ab. Ähnliches gilt für die Doppelstockbrücke Alf-Bullay, die nicht nur einen hübschen Ausblick über die Mosel bietet, sondern auch relativ detailgetreu umgesetzt und durchaus wiedererkennbar ist. Ganz zu schweigen vom Bahnhof in Cochem mit seiner besonderen Gestaltung oder der ein oder anderen Burg, die im Hintergrund auf den Bergen auftaucht und ebenfalls auf der Moselstrecke nicht fehlen dürfen.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Zurück in die Vergangenheit
Den heute dort vorherrschenden Schienenverkehr bekommen wir allerdings nicht geboten, was vermutlich lizenzrechtliche Gründe hat: Auf die zahlreichen Privatbahnen, die heute im Regionalverkehr unterwegs sind, müssen wir also verzichten. Stattdessen dürften die Szenarien und das Rollmaterial vermutlich eher in den 90iger Jahren angesiedelt sein und einen für damalige Verhältnisse realistischen Schienenverkehr bieten. Für den Spieler bedeutet das, dass er gleich zwei verschiedene Lokomotivtypen fahren darf: Einerseits die Dieseltriebwagen der Baureihe 628 / 928, die mit ihrem kleinen niedlichen Look eher die kleineren Orte und Bahnhöfe anfahren. Andererseits aber auch die große starke E-Lok der Baureihe 189, die vor allem im Güterverkehr unterwegs ist und dabei gerne auch mal in Doppeltraktion beobachtet oder gefahren werden kann, wenn sie ihr hohes Gewicht über die Strecke zieht.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Immer eine Überraschung
Spannend werden die Szenarien allerdings auch deshalb, weil die Moselstrecke weitaus mehr KI-Verkehr mitliefert, als wir zunächst erwartet haben. Dabei beschränkt man sich nämlich nicht auf die zwei verschiedenen Baureihen, sondern liefert noch zahlreiche, nicht fahrbare Lokomotiven und Züge mit. Die Baureihe 151 gehört für den damaligen Güterverkehr schließlich obligatorisch dazu und auch Baureihe 243 kann im Regionalverkehr mit Doppelstock- oder den damaligen roten n-Wagen desöfteren beobachtet werden. Damit gestaltet sich insgesamt ein realistischer Verkehr nach damaligem Fahrplan, bei dem die Szenarien zu keiner Zeit einen zu leeren Eindruck machen. Wir fühlen uns schnell, wie bei der echten Eisenbahn. Und wenn dann auch noch der ein oder andere Sonderzug mit Dampflok entgegen kommt, ist die Überraschung erst so richtig groß – denn „Durchs Moseltal“ hält noch so manchen KI-Verkehr bereit, der in der Beschreibung zuvor gar nicht angegeben wurde.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Passagier- und Güterverkehr
Insgesamt kommt das Addon auch mit ganzen zwölf Szenarien daher und bietet dabei reichlich Spielspaß, zumal so manche Aufgabe auch einmal mehr als eine Stunde dauern darf. Dabei ist der Passagier- und Güterverkehr gleichermaßen stark vertreten. Im Personenverkehr dürfen wir vor allem mit Baureihe 628 / 928 eher langsam unterwegs sein und nehmen dabei jeden Bahnhof mit. Baureihe 189 hingegen versorgt uns mit meist sehr langen Fahrten über die gesamte Strecke, bei dem wir durchaus hohes Gewicht transportieren. Auf Rangieraufgaben verzichtet „Durchs Moseltal“ somit also fast komplett. Dafür bekommen wir aber auch mal einen damaligen Intercity-Zug zu sehen, der ersatzweise mit der 189er unterwegs ist und somit auch bei dieser Lok einmal Abwechslung zu bieten hat. Dass sich die Entwickler zudem auch einige Zufallsereignisse haben einfallen lassen, über die wir dann während der Fahrt informiert werden, macht die Fahrten noch ein klein wenig aufregender. Fans des Train Simulators können bei dieser Strecke also nicht viel falsch machen, obwohl es durchaus ein paar kleinere Probleme gibt.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Gar nicht zu schnell
Schade sind angesichts dieser hohen Qualität aber vor allem einige Bugs entlang der Strecke, die den Spielverlauf durchaus stören können. An zwei Stellen entlang der Route registriert „Durchs Moseltal“ beispielsweise eine Geschwindigkeitsüberschreitung, während der Spieler eigentlich unterhalb der vorgegebenen Geschwindigkeit fährt. Das stört zwar nicht allzu sehr, weil wir ohnehin nur Standard- statt Karriereszenarien geboten bekommen, macht aber in der Auswertung zumindest die Statistik kaputt. Zum anderen entspricht die Aufstellung der Signale nicht immer dem Original und einige der Anzeigen haben nicht die vorgesehene Wirkung. Etwa dann, wenn eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht wie auf dem Signal angegeben in Kraft tritt. Derartige Dinge sollten die Macher also in jedem Fall noch überarbeiten – ob das allerdings zwei Jahre nach der Veröffentlichung noch passiert, ist fraglich.

Fazit:
Die Strecke entlang des Moseltals gehört optisch zu den hübschesten Addons für den Train Simulator und hat dank zahlreicher Szenarien und einer ungewöhnlich langen Route auch reichlich Spielspaß zu bieten. Leider trüben vereinzelte Fehler das Spielerlebnis.

Train Simulator: Durchs Moseltal Wertung


26
Jan

Railway Empire

Im Jahre 1830 steht die Eisenbahn in Nordamerika noch vor den blutigen Anfängen. Einige amerikanische Eisenbahnunternehmen, darunter die Union Pacific Railroad, stecken ihr gesamtes Herzblut in die Aufgabe, die Menschen des Landes über die Schiene miteinander zu verbinden. Der große Traum ist eine transkontinentale Eisenbahn von der West- hinüber zur Ostküste. Doch der Weg dahin ist wahrlich kein leichter: Die finanziellen Mittel sind begrenzt, die Zeit rennt allmählich davon und die Konkurrenz schläft nicht, wenn es darum geht, ihr eigenes Streckennetz möglichst gewinnbringend auszubauen. Nun liegt es an uns, das Ziel des Projektes als erster zu erreichen…

Kritik:
Ganze fünfzehn Jahre ist es mittlerweile her, dass mit „Railroad Tycoon 3“ die letzte reine Eisenbahn-Wirtschaftssimulation auf den Markt kam. Die Begeisterung dafür hat hierzulande aber noch immer nicht nachgelassen: Vielen Spielern sind die zahlreichen Stunden mit der süchtig machenden Wirtschaftssimulation in Erinnerung geblieben. Genau deshalb möchte „Railway Empire“ nun die Gelegenheit nutzen, nach dieser langen Zeit endlich in die Fußstapfen der damaligen Spielereihe zu treten.

Railway Empire

Herausforderungen in Nordamerika
Ein ungewöhnlicher und mutiger Schritt mag es dabei sein, auf internationale Szenarien zu verzichten. „Railway Empire“ konzentriert sich nämlich ausschließlich auf die Anfangszeiten der Eisenbahn in Nordamerika. Konkret bedeutet das, dass wir auf europäische oder gar deutsche Szenarien komplett verzichten müssen – und das, obwohl die größte Zielgruppe derartiger Wirtschaftssimulationen höchstwahrscheinlich in Deutschland zu finden ist. Immerhin lieben vor allem die Deutschen diese Art von Managementsspielen mit möglichst umfangreichen Micromanagement-Optionen. Durchdacht ist dieser Schritt aber durchaus: So nämlich kann „Railway Empire“ in seiner knapp 15-stündigen Kampagne eine richtige und spannende Geschichte um die Entwicklung der Eisenbahn in den Vereinigten Staaten erzählen.

Railway Empire

Komplex und doch einfach
Das Spielprinzip ist dabei grundlegend dasselbe, wie einst in „Railroad Tycoon“: Auch dieses Mal müssen wir mit dem verfügbaren Budget ein Eisenbahnnetz aufbauen und dabei Produktionsketten möglichst profitabel miteinander verbinden. Wir bauen Bahnhöfe verschiedener Größe, verlegen Gleise, erstellen Linien und lassen anschließend Passagier- und Frachtverkehr auf den Strecken fahren. Kennern des Genres dürfte der Einstieg demnach recht leicht fallen, zumal das erste Szenario der Kampagne leicht verständlich die Funktionsweise des Spiels erklärt. Und da fällt auch prompt auf, dass „Railway Empire“ bei seiner alten Vorlage nicht nur einiges abgeschaut, sondern vor allem auch verbessert hat. Wie einfach hierbei das Verlegen von Gleisen oder der Brückenbau von der Hand geht, überrascht selbst so manchen Fan des Genres. Und selbst die Installation von Signalen oder die Konfiguration des verwendeten Bahnsteigs funktioniert erstaunlich einfach. Besser hätte man das komplexe Bauen von Bahnnetzen nicht umsetzen können.

Railway Empire

Forschung und Personal
Interessant ist derweil auch, dass „Railway Empire“ einige Funktionen mehr eingebaut hat, als dies in den meisten anderen Wirtschaftssimulationen üblich ist. Denn statt sich rein auf den wirtschaftlichen Faktor zu beschränken und neue Technologien lediglich durch das Fortschreiten der Zeit freizuschalten, hat Kalypso ihrem neuesten Spiel auch einen echten Forschungsbaum spendiert. Durch unseren Spielfortschritt oder auch durch das Einsetzen von Erfindern erhalten wir schließlich Innovationspunkte, die wir zur Freischaltung beliebiger neuer Technologien verwenden können – seien es Lokomotiven, Verbsserungen oder auch firmeninterne Vorteile. Gleichzeitig hat man außerdem die Möglichkeit eingebaut, Personal einzubauen, das etwa in den Zügen oder im Büro arbeitet. Der Einsatz von Lokführern, Heizern, Wachmännern, Landvermessern, Ingenieuren und anderen Personen verschaffen uns letztendlich ganz verschiedene Vorteile, die sich direkt auf den Spielablauf auswirken können. So wird das Eisenbahnmanagement sogar noch ein bisschen interessanter, als wir es bisher gewohnt waren.

Railway Empire

Wirtschaftsspionage
Apropos Personal: Eine besondere Eigendynamik entwickelt „Railway Empire“ vor allem auch damit, auf den Schwarzmarkt zurückgreifen zu können. Da gibt es dann nämlich ein paar weniger seriöse Mitarbeiter zu ergattern, die beispielsweise die Züge der Konkurrenz ausrauben können oder für schlechte Artikel in den Medien sorgen. Besonders interessant wird dabei allerdings die Möglichkeit der Wirtschaftsspionage, bei der wir einen Spion anheuern, um Technologien – die wir normalerweise über den Forschungsbaum freischalten müssten – bei einem Konkurrenzunternehmen unserer Wahl zu ergattern. Die sind mitunter zwar ein bisschen teurer, machen „Railway Empire“ insgesamt aber ebenfalls noch ein klein wenig spannender.

Railway Empire

Steigender Schwierigkeitsgrad
Einsteiger muss das unterdessen allerdings noch nicht abschrecken. Vor allem die Kampagne startet anfänglich immerhin recht leicht und zieht seinen Schwierigkeitsgrad zur Mitte hin dann ordentlich an. Also genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Spieler mit allen Funktionen des Spiels bestens vertraut ist. Erfahreneren Spielern mag das anfangs sicher noch etwas zu leicht erscheinen, da vor allem die zu beliefernden Produktionsketten zunächst recht einfach gehalten sind. Im späteren Verlauf, wenn etwa steigende Bedürfnisse der Städte und Industrien berücksichtigt werden müssen und gleich mehrere Fabriken hintereinander beliefert werden müssen, wird die planerische Herausforderung schon um einiges größer – vor allem, wenn es darum geht, keinen Stau auf den Schienen zu verursachen. Gleichzeitig kann eine später aufkommende zeitliche Begrenzung den Spieler ziemlich ins Schwitzen bringen, denn wenn wir für so manche Aufgabe nur ein virtuelles Jahr Zeit haben, wird so manches Ziel schon einmal nur sehr eng erreicht.

Railway Empire

Bedürfnisse der Stadt
Etwas zu simpel aufgebaut sind allerdings wohl die Muster, nach denen die jeweiligen Industrien verteilt wurden. Grundsätzlich ist es schließlich so, dass landwirtschaftliche Betriebe und Rohstoffabbau grundsätzlich auf dem Land zu finden sind, produzierende Industrie wiederum ausschließlich in den Städten – und das ausnahmslos. Das sorgt mitunter dafür, dass sich der grundlegende Aufbau der Karten gelegentlich ein wenig wiederholt und man früher oder später mit der immer gleichen Vorgehensweise erfolgreich sein kann. Hier und da auch mal einen Bauernhof in der Stadt zu platzieren, hätte den Warenverkehr sicherlich ein wenig spannender gemacht. Dass man darauf verzichtet hat, liegt aber vermutlich am grundlegenden Spielprinzip: Vergleichbar etwa mit dem Ressourcenmanagement in Aufbaustrategiespielen spielen vor allem die Bedürfnisse der Städte eine große Rolle – und die steigen schließlich mit steigender Einwohnerzahl. Da hat man ein wenig das klassische „Anno“-Prinzip auf das Eisenbahnmanagement übertragen.

Railway Empire

Langer Spielspaß
Wer allerdings nun dachte, dass er auf Grund der sich wiederholenden Muster recht schnell mit „Railway Empire“ durch ist, den können wir an dieser Stelle eines Besseren belehren: Mit dieser Wirtschaftssimulation wird man nämlich noch so manchen verregneten Abend verbringen können. Denn neben der insgesamt knapp 15-stündigen Kampagne, finden wir noch zahlreiche, davon unabhängig spielbare Einzelszenarien, die auf Grund des fordernden Schwierigkeitsgrades vermutlich noch einmal die doppelte Spielzeit in Anspruch nehmen. Man sollte bei „Railway Empire“ also nicht damit rechnen, das gesamte Spiel in weniger als 30 Stunden durchspielen zu können. Eine wesentlich längere Spielzeit ist sogar eher zu erwarten, hängt aber von den Fähigkeiten der Spieler ab. Und wem das dann noch nicht reicht, der findet zudem auch noch einen Modellbahnmodus, in dem er sich schlicht und einfach nach Belieben austoben und Bahnstrecken bauen kann. Da hat man gleich von vornherein an jene Spieler gedacht, die den meisten Spaß mit dem Bauen haben und dies sonst ohnehin per Mod hinzugefügt hätten. Überaus lobenswert.

Railway Empire

Technisch einwandfrei
Noch lobenswerter ist unterdessen allerdings der herausragende Zustand des Spiels. Nachdem sich schließlich immer mehr Spieler darüber beschweren, dass zahlreiche Spiele mittlerweile in unfertigem Zustand erscheinen, freuen wir uns doch umso mehr darüber, dass dies bei „Railway Empire“ keineswegs der Fall ist. Bereits die im Dezember verfügbare Beta-Version überzeugte mit einer technisch einwandfreien Umsetzung und lief auf unserem Test-Rechner zu jeder Zeit absolut stabil. Nennenswerte Bugs konnten wir während unseres Tests außerdem bisher auch nicht feststellen und auch grafisch dürfte dieses Spiel wohl eine der hübschesten Wirtschaftssimulationen der vergangenen Jahre sein. Insofern können wir Fans von „Railroad Tycoon“ und ähnlichen Spielen hiermit eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.

Fazit:
Die hübsche Wirtschaftssimulation aus dem Hause Kalypso tritt in die tiefen Fußstapfen eines „Railroad Tycoon“ und liefert nicht nur einen würdigen Nachfolger, sondern erweitert diesen auch noch um spannende neue Features. „Railway Empire“ ist somit eine klare Kaufempfehlung für Fans des Eisenbahnmanagements.

Railway Empire Wertung


23
Jan

Nantucket

Auf den Spuren von Moby Dick: Als einziger Überlebender von Pequod verbringt Captain Ishmael seine Lebenszeit am liebsten damit, die sieben Weltmeere zu durchqueren. Auf seinen Reisen kann er sich vor allem für eine besondere Leidenschaft begeistern: Das Jagen von Walen. Vor allem die Legende vom berühmten weißen Pottwal Moby Dick lässt ihm dabei keine Ruhe. Doch selbst mit seinem weltoffenen Charakter stellt es eine echte Herausforderung dar, genügend Ansehen bei den anderen Seefahrern zu erlangen, um dem Geheimnis von Moby Dick ein klein wenig näher zu kommen. Damit beginnt eine lange, beschwerliche Reise für den Kapitän…

Kritik:
Innovativ ist es in jedem Fall, ein Computerspiel basierend auf der Geschichte von Moby Dick zu entwickeln. Noch dazu, wenn man sich hinsichtlich der Erzählung und Charakterauswahl durchaus an der Vorlage orientiert. Denn „Nantucket“ setzt genau da an, wo das Buch von Melville einst beendet wurde: Kurz nach den Ereignissen auf der Pequod.

Nantucket

Aller Anfang ist schwer
Und mit genau so einem schicken Segelschiff sind wir dann auch in „Nantucket“ unterwegs, wenn gleich wir im späteren Verlauf durchaus die Möglichkeit haben, größere und fähigere Schiffe einzukaufen. Schade ist dann gleich zu Beginn, dass wir auf Captain Ahab aus den berühmten Moby Dick-Büchern größtenteils verzichten müssen, auch wenn dieser immerhin während des Tutorials auftaucht. Danach nämlich steuern wir die Erlebnisse von Captain Ishmael, dessen Namen wir bei Bedarf auch ändern können und erleben eine komplett eigene Geschichte. Und dabei ist der Einstieg zumindest auf den ersten Blick gar nicht so einfach: Gerade erst das Spiel gestartet, wirkt „Nantucket“ mit seinem umfangreichen Mikromanagement nämlich zunächst ein wenig überladen. Den Überblick zu behalten, gestaltet sich nicht immer einfach – zumal, das Tutorial lediglich einige grobe Basics vermittelt, nicht jedoch die wichtigsten Elemente des Spiels. Danach heißt es nämlich „Learning by doing“.

Nantucket

Bunter Genre-Mix
Dass der Anblick der zahlreichen Menüs dabei zunächst ein wenig überfordern kann, liegt allerdings auch daran, dass sich „Nantucket“ nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen will und damit zugleich auch seine Innovation ausmacht. Dieses Spiel ist nämlich eine Mischung aus Rollenspiel, Erkundung und Karten-/Würfelspiel, das Elemente aus allen drei Genres geschickt miteinander kombiniert. Noch dazu komplett in 2D gehalten, versteht sich. Wenn wir uns also nicht gerade durch umfangreiche, etwas überladen wirkende Menüs wurschteln, treiben wir vor allem auf einer Weltkarte unser Unwesen, auf der wir unser Schiff steuern und die nächsten Ziele anvisieren können. Denn auf den sieben Weltmeeren heißt es, Quests zu erfüllen, spannende Dinge mit der Crew zu erleben und nebenbei ein paar Wale und Seeungeheuer zu vernichten.

Nantucket

Prestige ist alles
Bevor es los geht, liegt es allerdings an uns, zumindest eine kleine Crew für unser Schiff anzuheuern, die dieses auf der Fahrt in Stand hält und uns vor allem im Kampf gegen Tiere und andere Gegner zur Seite steht. Das Prinzip ist dabei allerdings simpler, als es auf den ersten Blick scheint: Je höher unser Prestige, desto mehr und bessere Mannschaftskameraden können wir im nächsten Hafen anfordern. Prestige wiederum erhalten wir durch das Absolvieren von Quests oder durch unser Verhalten in den Zufallsereignissen auf hoher See. Denn wird natürlich eine Geschichte erzählt. Und so manche neue Quest eröffnet sich sogar, wenn wir erst einmal im Prestige oder im Level gestiegen sind. Ein klein wenig Suchtpotential hat das Spiel damit also schon, ständig neue Fähigkeiten und Verbesserungen ergattern zu wollen.

Nantucket

Schwäche der Wiederholung
Leider liegt zugleich auch die größte Schwäche des Spiels in der Handlung und den Quests. Denn obwohl wir durchaus eine spannende Hauptquest erhalten und nebenbei einige wenige Nebenquests mit Story vorfinden können, setzt „Nantucket“ überwiegend dann doch auf generische und sich ständig wiederholende Aufgaben, mit denen wir Geld und Prestige sammeln können. Ein verloren gegangenes Schiff suchen gehört dann ebenso dazu, wie neue Walfanggebiete auszukundschaften und auf die Jagd zu gehen. Leider stellen wir fest, dass wir doch einen Großteil unserer Zeit mit genau diesen beiden Aufgaben verbringen und dass dies ein echter Motivationskiller sein kann. Vor allem, wenn die erste Hauptquest zunächst noch heißt, 25 Prestige erlangen zu müssen, ehe die Story voranschreitet – und wir lediglich diese generischen Möglichkeiten dazu erhalten. Erst danach schreitet die Story dann mit größeren Schritten voran und entfaltet sein eigentliches Potential. Man sollte also zu Beginn am Ball bleiben, um „Nantucket“ als wirklich spaßig zu empfinden.

Nantucket

Der Mangel an Geld
Schade ist anfänglich auch, dass es uns häufig an Geld mangelt, denn „Nantucket“ setzt zugleich auch auf spannendes Ressourcenmanagement. Um genügend Tage mit Nahrung, Wasser und anderen wichtigen Dingen auszukommen und nicht vor unserer Ankunft am Ziel zu verhungern, müssen wir an den jeweiligen Häfen auch genau diese Rohstoffe einkaufen – und auf unseren Reisen stets im Auge behalten. Das bedarf dann anfangs schon ein oder zwei Anläufe, denn das Tutorial verzichtet gänzlich darauf, das Ressourcenmanagement auch nur zu erwähnen. Den richtigen Dreh rauszubekommen, wie viele Ressourcen wir wohl benötigen, ist nicht immer einfach. Und vor allem sind die Ressourcen auch nicht ganz so günstig. Das führt dann dazu, dass wir durchaus einige Stunden benötigen, um endlich unser zweites, größeres Schiff kaufen zu können, mit dem wir dann auch spannendere Quests erhalten. Ganz zu schweigen davon, dass die erforschbaren Schiffsverbesserungen natürlich auch allesamt Geld kosten. Das meiste Geld allerdings gibt es durch den Walfang – und auch hier können die Wiederholungen mitunter frustrieren.

Nantucket

Kampf mit Würfeln
Beim Kampfsystem kommen nämlich die Karten- und Würfelspielelemente hinzu. Unsere Crew und auch die Gegner liegen dabei in Form von Karten vor, die über die Lebenspunkte und auch die besonderen Fähigkeiten entscheiden. Je mehr Prestige wir haben, umso bessere Werte haben die Crewmitglieder, die wir am Hafen anheuern können. Und auch die Größte des Schiffes entscheidet: Je mehr Walfangboote und Crewmitglieder wir aufnehmen können, desto besser dann unsere Chancen im Kampf. Ob wir also mit drei, sechs oder gar neun Crewmitgliedern in den Kampf ziehen, entscheidet sich daran. Spannend wir der Kampf allerdings dadurch, dass er auf ein rundenbasiertes Würfelsystem setzt. Für jeden unserer Crewmitglieder erhalten wir einen Würfel mit 6 Seiten, die darüber entscheiden, ob und welche Fähigkeiten wir einsetzen können. Ein bisschen ist „Nantucket“ also auch Glücksspiel, das aber an der Stelle durchaus Spaß macht – denn auch die Gegner vermehren sich und werden immer stärker. Doch auch hier kommen wir erneut zum Thema der Wiederholungen: Der Ablauf der Kämpfe ist nämlich stets derselbe.

Nantucket

Kein Herz für Tiere
Dafür allerdings macht es schon einen gewissen Spaß, in die Zeit von 1830 einzutauchen – vor allem, wenn einem heutige Moralvorstellungen ein wenig auf die Nerven gehen. „Nantucket“ spielt schließlich in einer Zeit lange vor dem Tierschutz, Greenpeace oder militanten Organisationen wie Sea Shepherd. Hier dürfen wir nicht nur, sondern müssen sogar ganz gezielt junge und neugeborene Wale, Delfine, Haie und andere Tiere ermorden. Meerestiere nämlich sind für Captain Ishamel und die anderen Seefahrer lediglich Seeungeheuer, die es unbedingt zu vernichten und auszuweiden gilt – denn mit ihrem Speck lässt sich schließlich das meiste Geld erwirtschaften. Interessanterweise gilt ähnliches allerdings auch für amerikanische Ureinwohner und Piraten. Die werden schließlich auch ausnahmslos getötet. Political Correctness sucht man in diesem Spiel also „erfrischenderweise“ vergeblich – damit möchte man eben ein realistisches Leben der Seefahrer im 19. Jahrhundert abbilden. In diesem Sinne: Gute Jagd!

Fazit:
Das Spiel rund um die Abenteuer von Moby Dick entpuppt sich als innovative Mischung aus 2D-Rollenspiel, Erkundung und Würfelspiel. Das ist nicht nur einzigartig und macht durchaus Spaß, sondern hat auch einen gewissen Anspruch. Leider verspielt „Nantucket“ mit den generischen Quests und den sich ständig wiederholenden Spielelementen viel Potential, da es zeitweilig etwas an Abwechslung mangelt.

Nantucket Wertung


18
Dez

Wolfenstein 2: The New Colossus

Der knallharte Widerstandskämpfer William J. Blazkowicz hat in den vergangenen Jahren schon reichlich schlechte Erfahrungen mit dem Nazi-Regime machen dürfen. Nun steht er in Gefangenschaft vor einer folgenschweren Entscheidung: Er muss darüber entscheiden, welcher seiner Freunde von den Soldaten ermordet wird. Doch dabei wird er es natürlich nicht belassen. Mit roher Waffengewalt kämpft sich B.J. seinen Weg aus der Gefangenschaft frei, um sich erneut der Widerstandsbewegung anzuschließen. Denn der Tod seines Freundes soll nicht umsonst gewesen sein und seine Kinder sollen zukünftig nicht in einem faschistischen Staat aufwachsen müssen. Dumm nur, dass er körperlich stark angeschlagen ist und seine Leber kurz davor ist, gänzlich zu versagen. Und auch seine Erzfeindin Frau Engel ist ihm noch immer auf den Fersen. Trotzdem liegt es in seiner Hand, die Menschheit vom Nazi-Regime zu befreien, das auch im Jahre 1961 noch die Welt tyrannisiert…

Kritik:
Was wäre, wenn die Nazis einst den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten und mit moderner Technologie noch immer die Menschheit in Angst und Schrecken versetzen würden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die „Wolfenstein“-Reihe traditionell – und setzt dabei auf satirisch überzeichnete Charaktere und teils skurrile Handlungen. Mit „The New Colossus“ ist nun der neueste Teil der Reihe erschienen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

German Angst
Angesichts dieser Hintergrundgeschichte des Spiels, erscheint es geradezu absurd, dass man die hierzulande erhältliche Version entschärft hat. Nicht etwa bei den teils tatsächlich sehr drastischen Gewaltdarstellungen – die zeigt man völlig ungeschnitten – sondern bei der Symbolik, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem Dritten Reich steht. Absurd ist das deshalb, weil praktisch alles in diesem Spiel an das Nazi-Regime erinnert – die roten Armbinden der Soldaten, der zugespitzte Reinheitskult der Faschisten, bis hin zu so manch kruden Phantasien, welche die Nazis einst tatsächlich hegten. Dann aber ausgerechnet Hitler in „Herrn Heiler“ umzubenennen und ihm den Bart abzurasieren, obwohl man ihn ohne Zweifel trotzdem erkennt, grenzt schon ein wenig an Albernheit. Und zeugt letztendlich von vorauseilendem Gehorsam, um eine Indizierung von vornherein gar nicht erst zu riskieren.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Schwere Kindheit
Das wird vor allem dann albern, wenn „Wolfenstein 2“ sogar tatsächlich kontroverse Szenen zeigt, die zugleich aber zu den Stärken des Spiels gehören. Etwa dann, wenn ein Wehrmachtssoldat in einem American Diner von seiner menschlichen Seite gezeigt wird und freundlich einem Kind gegenübertritt, ehe er eine Erdbeermilch bestellt und damit so manchen netzaffinen Nerd prompt zum Lachen bringt. Kontroversen, Humor und Ernsthaftigkeit liegen bei diesem Spiel also nah beieinander. Obwohl es sich um einen Ego-Shooter handelt, der gelegentlich auch mal zu einer reinen Ballerorgie werden kann, ist Gewalt hier kein Selbstzweck. Die Aufdeckung der Absurditäten der faschistischen Ideologie steht im Mittelpunkt. Man könnte „The New Colossus“ stellenweise sogar als Antikriegsspiel mit linkem Touch bezeichnen. Denn: Widerstand macht Spaß – das vermittelt der Shooter vordergründig.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Kampf den Aluhüten
Und da passt es auch hervorragend, dass es sich „Wolfenstein 2“ nicht nehmen lässt, reichlich Anspielungen an die heutigen Verschwörungstheorien einzubauen. Die Nazis werden dann kurzerhand mit Reptiloiden in Verbindung gebracht und nachdem diese im Vorgänger bereits eine Basis auf der Rückseite des Mondes besaßen, verschlägt es uns dieses Mal gleich direkt auf die Venus, um dort den Machenschaften und Experimenten der Nazis ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Anders gesagt: Hier reiht sich eine auf Aluhutfantasien basierende Absurdität nach der anderen aneinander und „Wolfenstein 2“ wird schnell zu einem Fest für aufgeklärte Menschen. Schade ist an der Stelle dann lediglich, dass der Einblick in die moderne Welt etwas zurückhaltend geblieben ist. Nur selten betreten wir in diesem Spiel die Zivilisation, unterhalten uns mit den normalen Menschen und bekommen einen Einblick in ein Leben im Zeitalter des Faschismus. Stattdessen ballern wir uns überwiegend durch Schlauchlevel mit Beton- und Stahlwänden. Schade, denn spätestens im American Diner sehen wir, welches Erzählpotential hier möglich gewesen wäre.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Starke Momente in Maßen
Generell fällt bei genauerem Hinsehen ohnehin auf, dass die richtig starken Momente, die wir einst in „Wolfenstein: The New Order“ erlebt haben, hier ein wenig rarer gesät sind. Großartige Level wie etwa der Gefängnisausbruch oder das Klettern an einer riesigen Hauswand hinauf, müssen wir leider sehr vermissen. Stattdessen sorgen eher kurze Auftritte von Ober-Nazi Frau Engel für skurrile Momente am Rande des guten Geschmacks. Fest steht: So absurd genial manche Szene hier sein mag, empfiehlt sich trotzdem eine gewisse Ekelresistenz, wenn unsere Erzfeindin einmal mehr ihr Beil schwingt. Statt aber übermäßig auf diese grandiosen Momente zu setzen, sucht „Wolfenstein 2“ seine Stärken eher in der persönlichen Geschichte der Hauptfigur – und in seinen Kindheitserlebnissen mit einem prügelnden und rassistischen Vater. Das ist eindringlich, gestaltet sich aber zu ernsthaft, um an die satirischen Szenen des Vorgängers heran zu kommen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Widerstand kommt brutal
Dazwischen allerdings – und das betrifft einen Großteil der Spielzeit – schlagen wir uns mit brachialer Waffengewalt durch die Nazihorden und bekommen einen schnellen Oldschool-Shooter geboten. Grundsätzlich bietet es sich zwar auch an, schleichend vorzugehen und die Gegner von hinten zu erledigen, um zunächst die Anführer auszuschalten, damit diese keine Verstärkung mehr rufen können – doch eingefleischte Stealth-Action-Fans werden mit „Wolfenstein 2“ sicherlich nicht wirklich glücklich werden. Ein einziges Mal erwischt werden reicht aus, um die Masse der Gegner gegen uns zu richten – und diesen Beschuss werden wir dann auch nicht mehr los. Da helfen nur noch schnelle Stellungswechsel und Frontalangriff. Und mitunter bekommen wir dabei auch auf mittleren Einstellungen bereits einen ordentlichen Schwierigkeitsgrad geboten. Ein Glück, dass wir diesen jederzeit ändern können, ohne den Spielstand neu laden zu müssen. So lässt sich Frust an der ein oder anderen Stelle vermeiden.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Nazis sind dumm
Angesichts dieses durchaus fordernden Schwierigkeitsgrades wundern wir uns dann aber doch über gelegentliche Aussetzer der KI, die sich gelegentlich leicht überlisten lässt. So ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass wir direkt vor einem Gegner standen und dieser trotzdem nur regungslos an derselben Stelle stehen blieb. In anderen Momenten wiederum war es möglich, einfach eine erhöhte Position einzunehmen und fortan vor dem Beschuss des Gegners sicher zu sein. Erstaunlich ist das übrigens deshalb, weil die Gegner – sofern sie keine Aussetzer haben – recht fordernd und intelligent reagieren. Sie nutzen Deckungen, flankieren uns nach Möglichkeit und schrecken auch vor dem Einsatz von Granaten nicht zurück. Kurz gesagt: Meistens setzen sie uns massiv unter Druck und lassen keine Verschnaufpausen. Da entsteht dann auch recht schnell viel Tempo innerhalb der Kämpfe.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Hoch die Beine
Im späteren Spielverlauf bekommen wir dann nicht nur interessantere und größere Waffen, sondern auch neue Modifikationen und Fähigkeiten. So können wir beispielsweise über drei verschiedene „Körperverbesserungen“ wählen, die uns wahlweise mehr Kraft verleihen oder etwa auf Stelzen laufen lassen, um erhöhte Positionen leichter erreichen zu können. Wenn wir dadurch alternative Wege nutzen können oder ganz andere Taktiken gegen unsere Gegner anwenden dürfen, bekommen die Auseinandersetzungen eine gänzlich neue Dynamik, die schnell Spaß macht. Da ist es fast schade, dass diese Möglichkeiten erst etwa zur Mitte des Spiels erscheinen und wir nicht weitaus früher über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Apropos Fähigkeiten: Natürlich kommt „Wolfenstein 2“ auch mit einem echten Fähigkeitenbaum. Erfahrungspunkte gibt es dafür allerdings nicht, denn auf Rollenspielelemente möchte man zugunsten des Oldschool-Feelings verzichten. Stattdessen sind die Fähigkeiten von unseren Handlungen abhängig: Töten wir unsere Gegner also häufig von hinten, erhalten wir verbesserte Fähigkeiten in eben diesem Kampfstil. So formen wir nach und nach einen individuellen Charakter, der durch unseren eigenen Spielstil geprägt wird. Wie im realen Leben eben.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Chroniken der Freiheit
Hat man dann anschließend noch nicht genug vom Kampf gegen die Nazis, setzt sich „Wolfenstein 2“ auch nach der Hauptstory noch fort. Dann allerdings nicht mehr mit unserer Hauptfigur B.J., sondern mit drei anderen interessanten Charakteren. Im Episodenformat erhalten Käufer des Season Passes nämlich die dreiteilige Erweiterung „The Freedom Chronicles“, bei der wir in die Rolle eines Widerstandskämpfers schlüpfen, der seine ganz eigene Geschichte erzählt und über ganz eigene Fähigkeiten verfügt. Beginnend mit einem ehemaligen Football-Spieler können wir dann beispielsweise durch brüchige Wände rammen oder unsere Gegner über den Haufen rennen. In einer der späteren Episoden schlüpfen wir dann wiederum in die Rolle einer Agentin, die durch winzige Luftschächte kriechen kann und eher verdeckt vorgeht. Da kommen dann auch die Stealth-Fans ein bisschen mehr auf ihre Kosten.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Attentate ohne Reiz
Apropos Stealth: Ein bisschen könnte man seine verdeckten Fähigkeiten auch bei den diversen Attentatsmissionen austesten, die wir durch bei Kommandanten eingesammelte Lochkarten freischalten können und die in erster Linie als Nebenmissionen dienen, um zusätzliche Ausrüstung zu erhalten. Dann nämlich begeben wir uns in bereits bekannte Level und müssen dort ein vorgegebenes Ziel eliminieren. Optimalerweise könnten wir dabei versuchen, unentdeckt an den normalen „Fußtruppen“ vorbei zu kommen und auf direktem Wege den Kommandanten zu erledigen, ohne auch nur einmal den Alarm auszulösen. Schade ist dann nur, dass sich der Reiz an diesen Nebenmissionen stark in Grenzen hält, weil sie schlicht nichts zur Story beitragen und keine neuen Locations hinzukommen. So hat man nach drei bis vier dieser Missionen allmählich genug gesehen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Fehler im Regime
Abschließend muss man sagen, dass „Wolfenstein 2“ insgesamt eigentlich ein herausragendes Spiel wäre, würde der Spielspaß nicht bei einigen Käufern durch zahlreiche Bugs und Fehler getrübt. Auch im Test mussten wir immer wieder feststellen, dass es stellenweise zu schwerwiegenden Grafikfehlern kam, wenn wir die „Bild-Streaming“-Option auf ultra gestellt haben. Plötzlich waren ganze Level kaum mehr zu erkennen oder Haare von Charakteren bildeten riesige Balken. Viele andere Spieler wiederum berichten von Abstürzen und Fehlermeldungen, die das Spiel mitunter unspielbar machen. Wir wiederum stießen auf diese Fehlermeldungen lediglich beim Schließen des Spiels – warum auch immer. Aus diesem Grund empfehlen wir vor dem Kauf einen Test der Demo-Version, um sicherzugehen, dass es auf dem eigenen Rechner zu keinerlei Problemen kommt. Mit etwas Glück werden die Bugs aber auch mit zukünftigen Patches schon bald behoben.

Fazit:
Obwohl „Wolfenstein 2“ stellenweise nicht an die Stärken des Vorgängers heran kommt, liefern die Entwickler wieder einen überaus spaßigen Oldschool-Shooter, der mit seinen satirisch überzeichneten Charakteren auf jeden Fall einige starke Momente zu bieten hat.

Wolfenstein 2: The New Colossus Wertung


15
Dez

Train Sim World: Rapid Transit

Eine der wohl geschäftigsten und wichtigsten S-Bahn-Strecken Deutschlands dürfte die Route zwischen Leipzig und Dessau sein. In der Rolle eines Lokführers der S-Bahn Mitteldeutschland müssen auch wir dabei feststellen, dass die interessante Strecke keineswegs immer nur einfach zu fahren ist. Auf der unterirdischen Stammstrecke unterhalb der Leipziger Innenstadt sind die Entfernungen derartig kurz, dass exaktes Bremsen durchaus zu einer Herausforderung sein kann – ehe es anschließend bergauf in Richtung Norden in die Tiefen der ehemaligen DDR geht. Doch dank des modernen Talent 2-Triebwagens, der von seinen Liebhabern gerne auch „Hamsterbacke“ genannt wird, sollte selbst die schwierigste Herausforderung zu meistern sein.

Kritik:
Die modernste und aktuellste Eisenbahnsimulation unter dem Titel „Train Sim World“ dürfte wohl eine der grafisch aufwändigsten Simulationsspiele auf dem gesamten Spielemarkt sein. Erst im Frühjahr dieses Jahres mit einer amerikanischen Route erschienen, dürfen wir uns mit „Rapid Transit“ nun erstmals auf eine deutsche Strecke wagen und unser Können im reinen Passagierverkehr unter Beweis stellen. Einmal mehr bietet sich mit der neuesten Route allerdings nur die übliche Streckenlänge. Mehr als die üblichen sechzig Kilometer Strecke sollte man bei diesem Addon also ebenfalls nicht erwarten. Eine komplette Linienführung ist damit nicht unbedingt möglich – aber dennoch der wohl realistischste Einblick in die Fahrzeuge der Deutschen Bahn, den wir je gesehen haben.

Train Sim World: Rapid Transit

Eine echte Simulation
Im Mittelpunkt des neuen „Rapid Transit“ dürfte neben der deutschen Strecke, vor allem auch der Triebwagen der Baureihe 1442 stehen, der unter Kennern auch schlicht „Talent 2“ genannt wird. Und wer nach dem klassischen Train Simulator nun erstmals auf Train Sim World umsteigt, wird aus dem Staunen wohl so schnell nicht mehr herauskommen: Die Grafik gestaltet sich nämlich derartig realistisch, dass nicht mehr viel fehlen würde, um den Zug kaum noch von einem realen Foto unterscheiden zu können. Das fängt bei kleinen Details wie den Spiegelungen auf dem Außenblech an und setzt sich sogar bis hin zur animierten Einstiegsrampe fort. Jede Kleinigkeit in und am Talent 2 passt perfekt und entspricht nahezu exakt der Realität. Umso erfreulicher dann, dass auch die Technik des Zuges – bis auf einzelne Kleinigkeiten wie die Haltestellenansage – funktionsfähig simuliert wurde. Da vermisst man am Ende wohl nur noch den Zielanzeiger, wenn wir ansonsten fast den Eindruck haben, in einem echten Zug der Deutschen Bahn zu sitzen.

Train Sim World: Rapid Transit

Hübsches Leipzig
Ebenso gut kann sich natürlich die Strecke ansich sehen lassen, die ziemlich exakt dem realen Vorbild gleicht. Selbst die Säulen und Steine des Leipziger Tiefbahnhofs lassen sich von Fotoaufnahmen mitunter kaum unterscheiden. Gleichzeitig macht die Besiedelung entlang der Strecke einen absolut realistischen Eindruck, sodass wir nicht nur einzelne Häuser wieder erkennen, sondern wirklich der Eindruck erweckt wird, wir befänden uns auf der echten Strecke. Ein Kartenende ist hier jedenfalls bis zum Horizont nicht in Sicht. Kleine zusätzliche Details, wie etwa glaubwürdig aussehende Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn oder niedliche kleine Bahnübergänge machen dabei deutlich, dass die Entwickler sehr viel Detailverliebtheit in ihr neuestes Addon gesteckt haben. Schade, wenn dann wichtige Details im Fahrbetrieb, wie etwa Haltepositionsschilder, leider doch vergessen werden – gerade hier sollte doch das Hauptaugenmerk liegen.

Train Sim World: Rapid Transit

Die einsame Strecke
Problematisch wird bei genauerem Hinsehen aber spätestens die Tatsache, dass ein realistischer Betriebsablauf kaum simuliert werden kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit „Rapid Transit“ lediglich ein einziger Zug – nämlich der Talent 2 – mitgeliefert wird. Auf Regionalbahnen oder gar Güterzüge müssen wir selbst als KI-Verkehr vollständig verzichten. Spätestens an einem der größeren Bahnhöfe außerhalb Leipzigs angelangt, wirkt es doch ganz schön unrealistisch, wenn wir nicht einmal einem klassischen Doppelstockwagen begegnen. Wenn uns ausschließlich Züge entgegen kommen, die exakt so aussehen, wie unser eigener, erscheint das auf lange Sicht nicht sonderlich glaubwürdig. Da hätte man sich zumindest die Mühe machen sollen, noch das ein oder andere zusätzliche Rollmaterial hinzuzufügen – wie immerhin beim alten Train Simulator noch üblich gewesen.

Train Sim World: Rapid Transit

Arbeit ohne Hindernisse
Schade ist dann erst recht, wenn man auch die Szenarien nicht sonderlich interessant gestaltet. Die fünf enthaltenen Aufgaben beschränken sich schließlich komplett darauf, uns einmal von A nach B zu schicken – ohne etwa roten Signalen zu begegnen, unvorhersehbaren Ereignissen oder irgendwelchen anderen Hindernissen. Hier baut man kein spannendes Erlebnis auf, bei dem wir auf Situationen reagieren müssen, sondern wir fahren schlicht bei dauerhaft grünen Signalen über die offene Strecke. Eine Herausforderung für den erfahrenen Eisenbahnfan ist das nun wirklich nicht. Fans des alten Train Simulators könnten hier den Eindruck erhalten, „Train Sim World“ sei lediglich ein Grafikblender, der zwar hübsch aussieht, aber unter der Haube wenig zu bieten hat. Und dabei hat uns das vorherige Addon „Great Western Express“ noch bewiesen, welche Möglichkeiten in diesem Spiel stecken und wie man Szenarien etwas interessanter gestalten kann.

Train Sim World: Rapid Transit

Die kaputte Türe
Dafür orientiert man sich aber ansonsten durchaus an einem gewissen Realismus – allerdings mit dem kleinen Problem, dass das offenbar keineswegs gewollt ist. Wie bei der Deutschen Bahn auch in der Realität desöfteren vorkommend, funktionieren die Türen des Zuges schließlich nicht richtig. Das passiert allerdings nicht, weil hier ein Defekt glaubwürdig simuliert werden soll, sondern weil es sich schlicht um einen Bug des neuesten Addons handelt, bei dem die Türanimation der hinteren Tür gelegentlich nicht funktioniert. Einmal die Kameraperspektive gewechselt und schon ist selbige Tür dann plötzlich geöffnet. Ein solcher Fehler dürfte wohl auf ähnlichen Problemen basieren, wie wir sie in „Great Western Express“ schon mit den Verzerrungen der entgegenkommenden Züge hatten. Auch an dieser Stelle wird deutlich, dass „Rapid Transit“ leider noch nicht ganz ausgereift ist – obwohl es dennoch einen echten Augenschmaus und ein realitätsnahes Fahrvergnügen bietet.

Fazit:
Schaut man über kleinere Schwächen hinweg, bekommt man mit „Rapid Transit“ nicht nur die erste deutsche Strecke für Train Sim World geboten, sondern zugleich auch ein detailliert simuliertes Fahrerlebnis mit einer beeindruckenden Grafik.

Train Sim World: Rapid Transit Wertung