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Dortmund: German Comic Con platzt aus allen Nähten
Clan of Xymox: 80iger Jahre Goths rocken Bochum
The Evil Within 2
Dutch Comic Con: Das Nerd-Fest in Utrecht
Timelash: Torchwood-Stars haben Spaß in Kassel
Fearcon: Horrorstars ohne Berührungsängste
Bochum: Schwarze Szene feiert Leaether Strip
Get Even
Project Nimbus
Dishonored: Death of the Outsider

11
Dez

Dortmund: German Comic Con platzt aus allen Nähten

Nachdem die Comic Cons in Deutschland mittlerweile wie Pilze aus dem Boden gesprießt sind und sich auf dem Convention-Markt als Großevents fest etabliert haben, ging am vergangenen Wochenende nun auch die German Comic Con in Dortmund bereits in ihre dritte Runde. Neben drei weiteren Events in Berlin, Frankfurt und München zählt die Veranstaltung in Dortmund dabei eigentlich als deutsches Flaggschiff des Veranstalters, konnte man die Eventreihe schließlich genau damit im Dezember 2015 starten. Das sieht man unterdessen allerdings auch an den Besucherzahlen, denn wie auch in den Vorjahren kamen zehntausende Besucher in die Westfalenhallen Dortmund, um dort ihre Stars zu treffen und sich auf die Jagd nach den heißbegehrten Autogrammen zu machen.

German Comic Con Dortmund

Spätestens zur Mittagszeit am Samstag zeigte sich allerdings auch ein enormes Problem: Obwohl die Besucherzahlen keineswegs geringer wurden, hat der Veranstalter das Event offenbar von vier auf nur noch zwei Hallen reduziert. Der komplette große Bereich der Halle 3B, welcher im vergangenen Jahr noch unter anderem für Photoshoots mit den Stars und Händler diente, fehlte dieses Mal leider komplett. Die Folge war eine starke Überfüllung der Veranstaltung und extremes Gedränge in den Fluren und zwischen den Händlerständen. Zeitweise gestaltete sich die Problematik scheinbar so schlimm, dass ein Einlassstopp in Kraft gesetzt wurde und zahlreiche Besucher mit Tickets aus dem Vorverkauf sogar Probleme hatten, die Veranstaltung überhaupt zu betreten.

Unterhaltungen mit einigen Besuchern ergaben außerdem, dass eine hohe Unzufriedenheit und ein vermindertes Sicherheitsgefühl auf Grund des starken Andrangs vor allem in den Durchgängen zwischen Halle 4 und 7 vorherrschte – in denen dann dummerweise auch noch die Toiletten lokalisiert waren, was zu zusätzlicher Verstopfung führte. Denn wenn hier plötzlich in beide Richtungen kein Weiterkommen mehr war, konnte man von Glück sprechen, dass die Besucher der Convention generell ruhig und gelassen blieben. Dummerweise trugen regelmäßige Warnungen vor Taschendieben allerdings auch nicht gerade zur Stärkung des Sicherheitsgefühls bei. Dass so mancher Besucher bereits nach wenigen Stunden das Weite suchte, weil es ihm schlicht zu überfüllt war, verwundert dann wenig. Bereits am späten Nachmittag war dies dann auch allmählich an den etwas leereren Gängen erkennbar.

German Comic Con Dortmund

Dabei hat die German Comic Con in diesem Jahr sogar keineswegs alles falsch gemacht und erweckte zunächst den Eindruck, aus Fehlern des Vorjahres gelernt zu haben. Die Warteschlange am Eingang befand sich so etwa nicht mehr außerhalb des Veranstaltungsgeländes, sondern von nun an in einer der Hallen der Westfalenhallen. Hat der Einlass einmal etwas länger gedauert, musste nun jedenfalls niemand mehr in der eisigen Kälte des verschneiten Dortmund frieren. Dummerweise stellten wir allerdings auch hier fest: Plötzlich verwendet man für die Warteschlange eine Halle, die im Vorjahr noch mit Zeichnern und Händler gefüllt war – und somit einst dazu beitrug, dass sich die Menschenmenge stärker verteilt. Da hat die Besserung doch gleich wieder einen faden Beigeschmack.

German Comic Con Dortmund

Die besten Chancen, das Event zu genießen, hatten dann doch vor allem die Zuschauer der Panels, die doch lieber das Bühnenprogramm bewunderten, statt sich durch Gänge mit den Händlern zu quetschen oder sich an die etwas chaotischen Autogrammschlangen anzustellen. Das nämlich hat sich in diesem Jahr sichtlich verbessert, sodass vor allem Technik und Akustik während der Bühnenauftritte der Stars nun vorbildlich waren. Und wenn zahlreiche Stars wie Alyson Hannigan aus “American Pie” mit ihren vier Buffy-Kollegen auf der Bühne standen, oder Ricky Whittle aus “American Gods” seine Fans begrüßte, war das definitiv mit ziemlich viel Spaß verbunden. Trotz der starken Überfüllung waren die Stars schließlich sichtbar gut gelaunt und haben sich ihre Fannähe keineswegs nehmen lassen.

Das wurde dann auch bei den etwas seltener anzutreffenen Stargästen sichtbar, denn mit Jaleel White aus “Alle unter einem Dach”, Wentworth Miller aus “The Flash” oder Christopher Lambert aus “Highlander” kamen die Besucher auch in den Genuss einiger Schauspieler, die nun wahrlich nicht auf jeder Convention anzutreffen sind – und konnten erstaunt feststellen, dass die meisten Stars doch tatsächlich genauso aussehen, wie in den Filmen und Serien. Denn manches Mal verändert sich das Aussehen durch die Maske doch gar nicht so intensiv und Stars wie Jaleel White, der einst “Steve Urkel” gespielt hat, scheinen sich auch nach zwanzig Jahren optisch kaum verändert zu haben.

German Comic Con Dortmund

Insofern kann man doch zumindest feststellen: Wer eine gewisse Frusttoleranz mitgebracht hat und wem es nichts ausmachte, in den zahlreichen Schlangen auch mal etwas länger zu stehen, hatte in Dortmund zumindest die Gelegenheit, zahlreiche bestens gelaunte Stars anzutreffen und sogar das ein oder andere Gespräch mit seinem Liebling zu führen. Schade ist dann lediglich, wenn man es auf Grund der starken Überfüllung dann doch nicht rechtzeitig zum Panel seines Lieblingsschauspielers geschafft hat. Da darf man sich allerdings zurecht die Frage stellen, warum es im mittlerweile dritten Jahr in Folge immmer noch zu organisatorischen Problemen kommt. Schade – doch diese Kritik muss sich ein Veranstalter mit zehntausenden Besuchern und mehr als sieben Großveranstaltungen im Jahr gefallen lassen. Das darf nach so viel Erfahrung eigentlich nicht mehr passieren.



11
Dez

Clan of Xymox: 80iger Jahre Goths rocken Bochum

Dass eine Band mehr als 30 Jahre im Geschäft bleibt, ist im Musikbusiness sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Das weiß man spätestens, seitdem ein Großteil der 90iger Jahre Bands mittlerweile wie vom Erdboden verschluckt wurden. Manchmal allerdings schaffen es selbst Musiker, die nicht unbedingt im Mainstream aktiv sind, seit 1984 auf der Bühne zu stehen – und noch heute durch das ganze Land zu touren. Eine dieser Bands ist auch Clan of Xymox, die mit ihrem Darkwave-Sound zur Bestzeit von Depeche Mode oder Die Krupps gegründet wurde – und noch heute in der Lage ist, zumindest kleinere Locations gut zu füllen. In dieses Vergnügen konnte man am vergangenen Freitag im Rockpalast Bochum kommen. Gerade dann, wenn es aber nicht unbedingt volle Stadien sind, sieht man einer Band nach über dreißig Jahren aber vor allem eines an: Sie sind aus Leidenschaft dabei, statt nur für das große Geld.

Etwas anderes fällt auf den ersten Blick dann aber auch auf: Clan of Xymox um Frontmann Ronny Moorings, der nicht nur als Sänger auf der Bühne steht, sondern auch selbst die E-Gitarre in die Hand nimmt, wirken ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Mit Frisuren, die sich irgendwo zwischen Deine Lakaien und Project Pitchfork ansiedeln, sowie einem eleganten Alt-Goth-Style machen sie dabei einen optischen Eindruck, der zugleich bestens zur Musik passt. Die nämlich kommt mit bestem Dark Wave und elektronischen Beats daher und ist letztendlich nicht weniger aus der Zeit gefallen. Wer sich schon mit den Großmeistern Depeche Mode anfreunden konnte, war von Clan of Xymox ebenso schnell begeistert.

Dynastie

Interessant bleibt an der Stelle, dass die Band live auf der Bühne doch einen etwas härteren Eindruck hinterlässt, als die eher sanften und melodischen Töne ihrer alten Studioalben oder etwa die zahlreichen Youtube-Videos, die man im Internet leicht findet, vermuten lassen. Denn wenn der Bass in der Magengegend zu spüren ist, macht eine Band wohl einiges richtig und verdeutlicht, dass sie sich vor der härteren Gangart der heutigen EBM- und Aggrotech-Szene keineswegs verstecken muss. Die Bühne rocken kann auch die ältere Gothic-Generation definitiv noch. Zumal auch Moorings sehr einprägsame und individuelle Stimme hervorragend dazu passt. Da geben sie schnell ein gelungenes Gesamtbild ab und überzeugen selbst Besucher, die eher für eine der Vorbands erschienen sind.

Vorab nämlich begeisterte die Band Dynastie aus dem Raum Dortmund mit etwas moderneren Tönen. Kein Wunder, denn die 4-köpfige Band stammt schließlich noch aus den 90iger Jahren und siedelt sich eher im moderneren Dark Wave / EBM-Spektrum an. Dass man dabei vor allem auf düster-atmosphärische elektronische Klänge setzt, dürfte wenig verwundern. Zumal Bandmember Thomas Lesczenski schließlich dank seinem Projekt [:SITD:] reichlich Erfahrungen mit dem deutlich härteren Aggrotech sammeln durfte. Davon abgesehen sollte man sich allerdings von elektronischer Musik keineswegs täuschen lassen: Handgemacht ist auch hier immer noch mehr als genug, denn Gitarre und Bass dürfen selbst in diesem Genre nicht fehlen. Wer da denkt, elektronische Musik käme nur aus dem Computer, hat sich bei Clan of Xymox und Dynastie schwer getäuscht.

Clan of Xymox

Trotz allem kann das Publikum eines solchen Konzertes für Außenstehende allerdings sicher etwas “gruselig” erscheinen. Dass die Besucher des Rockpalastes in Bochum nahezu ausnahmslos in schwarz gekleidet sind, gehört in der Szene wie selbstverständlich dazu. Allerdings gibt es da durchaus auch mal den ein oder anderen Hingucker, wenn so manches junge Mädel plötzlich im engen Lack- und Leder-Outfit vor der Bühne steht, oder gar an die BSDM-Szene angelehnte Kleidungsstücke präsentiert werden. Ein bisschen gehört “sehen und gesehen werden” in der Gothic-Szene eben auch dazu. Allerdings ist das doch meist recht hübsch anzusehen und Angst musste auch der Neuling vor den zwar böse ausschauenden, aber stets freundlichen Goths zu keinem Zeitpunkt haben.



28
Nov

The Evil Within 2

Nachdem seine Tochter bei einem Hausbrand qualvoll ums Leben kam, hat sich für Detective Sebastian Castellanos alles geändert. Den schweren Verlust verkraftet er auch nach einiger Zeit nur sehr schwer. Das bessert sich unterdessen nicht gerade dadurch, dass er eines Tages von mysteriösen Personen in schwarzen Anzügen aufgesucht wird, die behaupten, seine Tochter sei immer noch am Leben. Sie betreiben nämlich ein geheimes Forschungslabor, in dem es ihnen gelungen ist, eine Maschine zu erschaffen, in der die Psyche eines Menschen in einer virtuellen Umgebung weiter existieren kann. Dummerweise kam es offenbar zu einigen schwerwiegenden technischen Problemen – und es würde seiner Tochter Lily das Leben kosten, würde man sie einfach aus der Maschine entfernen. Für Castellanos bedeutet das: Er muss selbst in die Maschine und die Synapsen seiner Tochter aus der grauenvollen Umgebung befreien. Doch nicht einmal er hätte sich die psychologischen Abgründe vorstellen können, die ihm dort schon bald begegnen würden…

Kunst der Grausamkeiten
Man mag sich schon seit vielen Jahren darüber streiten, ob Videospiele eigentlich wirklich Kunst sein können. Sind allerdings die Erfinder des ersten „Resident Evil“ am Werk, dann beherrschen sie ihr Handwerk zumindest in einer Hinsicht bestens: Wenn es darum geht, möglichst grausame und abstrakte Kreaturen zu erschaffen, die den Spieler in Angst und Schrecken versetzen, sind sie wahre Meister ihres Faches. Dieses Mal setzen sie allerdings nochmal einen drauf und bauen ihre ganz spezielle Auffassung von Kunst geschickt in die Story ein. Geradezu fasziniert und verstört zugleich sind wir von den Kunstwerken der Antagonisten, mit denen wir es in „The Evil Within 2“ zu tun bekommen.

Get Even

Ein mysteriöser exzentrischer Typ, der uns grob an eine gestörte Figur aus irgendeinem Marvel-Comic erinnert, stolziert elegant durch die fiktive Traumwelt, um endlich unfreiwilliges Publikum für seine Werke zu finden. Der Fußboden mit schickem Parkettboden ausgelegt, an den Wänden hängen elegante rote Vorhänge herab und in der Mitte des Raumes entfaltet sich der wahre Schrecken. Ein Mann schwebt in der Luft, sein Kopf wird von einer Pistolenkugel durchbohrt und er scheint eingefroren in der Zeit, um die Schönheit des Todes festzuhalten – wie unser erster Antagonist selbst ausdrückt. So in etwa darf man sich die Inszenierung von „The Evil Within 2“ vorstellen. Doch dabei soll es definitiv noch nicht einmal bleiben.

Get Even

Resident Evil lässt grüßen
Im späteren Verlauf des Spiels erkennt man schließlich recht gut, dass hier tatsächlich die Erfinder des „Resident Evil“-Franchises am Werk sind. Spätestens wenn uns riesige mutierte Monster mit fünf Köpfen und gruselig langen Haaren begegnen, die uns mit einer überdimensionalen Kreissäge als Handersatz verfolgen, ist nämlich schnell klar, dass „The Evil Within 2“ sicherlich kein Spiel für schwache Nerven ist. Das Creature Design dürfte kaum zu übertreffen sein und stellt sogar alles, was wir bisher in den Resident Evil-Filmen gesehen haben, locker in den Schatten. Eine gehörige Portion Brutalität natürlich inklusive. Angesichts der doch recht häufig beeindruckenden Bilder möchten wir doch am liebsten stehenbleiben und einen Screenshot vom Monster machen, als uns auf den eigentlichen Kampf zu konzentrieren. Die Darstellung des Grauens kann schon eine verstörende Faszination auslösen. Und das gelingt „The Evil Within 2“ mit Bravour – über seine gesamte Spielzeit hinweg.

Get Even

Stereotyp mit menschlichen Zügen
Dabei ist das Horror-Adventure längst nicht nur ein einziges Gemetzel, wenngleich es davon auf jeden Fall mehr als genug zu sehen gibt. Der zweite Teil der beliebten Horrorspiel-Reihe versucht nämlich mit psychologischem Tiefgang auf die Dämonen der Hauptfigur einzugehen und dabei zu ergründen, welch schreckliche Vorstellungskraft ein menschliches Wesen im Extremfall entfalten kann. Interessant dabei: Die Hauptfigur ist klassischer Stereotyp und tiefgründiger Charakter in einem. Einerseits abgebrühter Cop, der genauso gut in jedem 80iger Jahre Actionstreifen mitspielen könnte. Andererseits aber auch ein zutiefst menschlicher Charakter, der versucht mit seiner eigenen Verzweiflung umzugehen und seine Emotionen dabei nicht immer unter Kontrolle hat. Damit gelingt „The Evil Within 2“ ein Spagat, der aber auch verdeutlicht, warum das Spiel nur in erwachsene Hände gehört: Es erzeugt Verständnis für Gewalt und Grausamkeiten.

Get Even

Angst vor der Zukunft
Und dabei gelingt es dem Spiel außerdem, mit den Ängsten des Spielers und der Hauptfigur zu spielen. Es ist nicht etwa so, dass wir uns während der eigentlichen Kämpfe unwohl fühlen, oder von den Kreaturen eingeschüchtert werden. Stattdessen steht die Angst vor dem Unbekannten im eigentlichen Mittelpunkt. Die ständige Befürchtung, welche Gefahr wohl hinter der nächsten Tür lauern wird oder welche Spielchen die psychopathischen Antagonisten wohl nach der nächsten Ecke mit uns spielen werden, fesselt und beklemmt zugleich. Es sind Figuren, wie der geistesgestörte „Künstler“, die uns ein Gefühl des Unwohlseins verleihen können und nicht etwa die zombieartigen Gestalten auf den Straßen. Und eines kann man wohl sagen: In Sachen Horror macht ein Spiel wohl alles richtig, wenn wir den Kampf gegen die eigentlichen Monster als Verschnaufpause betrachten.

Get Even

Linear oder doch nicht?
Generell haben die Entwickler aber offenbar ziemlich viel Spaß dabei gehabt, den Spieler in die Irre zu führen und ihn an der Nase herum zu führen. Spielerisch versucht „The Evil Within 2“ nämlich den Spagat zwischen linearer Erzählung und offener Spielwelt. Mit dem kleinen Trick, dass man innerhalb einer Maschine mit virtueller Umgebung die Grenzen der Physik durchaus mal ignorieren kann. Denn so mancher Antagonist ist in der Lage, die Welt nach seinen Vorstellungen zu manipulieren – und den Spieler damit als Spielball in einem Psychospielchen zu missbrauchen. Der Ablauf des Spiels entspricht dabei nicht immer den Grenzen der Logik und hinter der einen Ecke kann plötzlich ein gänzlich anderer Raum stecken, der gar nicht dort sein dürfte. Trotzdem haben wir relativ häufig die Möglichkeit, uns in einer offenen Welt zu bewegen, alternative Wege zu finden oder interessante Gegenstände einzusammeln.

Get Even

Selbst ist der Mann
Apropos Gegenstände: Um den Spieler langfristig am Ball zu halten, stellt das Crafting einen zentrales Spielelement dar. Nicht etwa, weil „The Evil Within 2“ das wirklich gebraucht hätte, denn bereits die Story selbst ist fesselnd genug, dass wir uns genauso gut auch komplett darauf konzentrieren könnten. Aber die Spielmechanik wird durch diese Hilfsmittel durchaus bereichert. Überall in der Welt finden wir Objekte und Rohstoffe, mit denen wir Munition oder Heilmittel herstellen können. Waffenteile sorgen dafür, dass wir unsere Knarren nach Belieben verbessern können und auf ganz interessante Weise sorgt ein eklig ausschauendes grünes Sekret aus den Kadavern der zerlegten Gegnern für die nötigen Erfahrungspunkte, um unsere Fähigkeiten ein bisschen aufzuwerten.

Get Even

Ausbilden der Fähigkeiten
Richtig gelesen: Neben all dem Horror und der Gewalt, hat das Spiel zugleich auch noch ein paar Rollenspielelemente zu bieten. In einem komplexen Fähigkeitenbaum können wir so nämlich unsere Werte für Gesundheit, Heilung, Kampfstärke, Ausdauer und List verbessern und uns dadurch früher oder später gewisse Vorteile verschaffen. Da wir allerdings bis zum Ende des Spiels niemals alle Fähigkeiten voll ausbauen können, gestalten wir so nach und nach einen völlig individuellen Charakter mit eigenen Stärken und Schwächen. Schade ist an der Stelle dann lediglich, dass die Rollenspielelemente – etwa in Form von Quests – nicht allzu intensiv ausgebaut wurden. Hier und da gibt es zwar durchaus Nebenmissionen, die bleiben aber stets sehr überschaubar. Ein echtes Rollenspiel möchte „The Evil Within 2“ also nicht sein und das ist – wie wir finden – auch gut so. So nämlich kann sich das Spiel komplett auf seine Kernelemente konzentrieren.

Get Even

Konfrontation und Versteckspiel
Und die bestehen überwiegend auch aus einer Mischung aus klassischer Stealth-Action und typischen First-Person-Shooter. Auch hier macht das Horror-Adventure vor allem deshalb einiges richtig, weil es dem Spieler oft genug die freie Wahl lässt, wie er vorgehen möchte. Ob versteckt hinter den Deckungen her schleichend und darauf wartend, dass er die Kreaturen still und leise von hinten angreifen kann oder im offenen Kampf mit möglichst voller Waffenkraft. Spannend wird das allerdings dadurch, dass so mancher Spieler geradezu instinktiv zu einer Kombination aus beiden Vorgehensweisen greifen wird und sich damit eine gelungene Spieldynamik ergibt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil eine der wichtigsten Waffen nicht unbedingt eine klassische Schusswaffe ist.

Get Even

Kreatives Bolzenschießen
Denn wenn wir nicht gerade zur Pistole oder zum Schrotgewehr greifen, hat vor allem die Armbrust eine recht zentrale Funktion in diesem Spiel. Mit unterschiedlichen Bolzen können wir so nämlich auch unterschiedliche Gegner bekämpfen und bekommen ein ganz neues Spielgefühl. Hat man diese Waffe möglichst frühzeitig aufgesammelt, liefern Energie-, Explosions-, Rauch- und Kältebolzen eine spannende Abwechslung, die dazu einlädt, möglichst detailliert ausgetestet zu werden. Und tatsächlich: Für unterschiedliche Gegner eignen sich manchmal völlig unterschiedliche Mittel. Kurz gesagt: „The Evil Within 2“ animiert uns gar dazu, die Waffen desöfteren einmal zu wechseln und nicht stur mit derselben Vorgehensweise durch die Kapitel zu schlendern. Auch in dieser Hinsicht macht das Spiel also alles richtig.

Get Even

Gar keine so höllische Technik
Dann freut man sich übrigens umso mehr, wenn ein ohnehin schon so hervorragendes Spiel sein Spielerlebnis zusätzlich auch nochmal mit einer technisch ausgezeichneten Portierung und Programmierung abrundet. Ein derartig performantes und stabiles Spiel haben wir in den vergangenen Jahren tatsächlich nur selten gesehen. Und auch Bugs müsste man über die gesamte Spielzeit hinweg schon sehr intensiv suchen, um überhaupt fündig zu werden. Hier kann man also wahrlich nicht meckern. Zumal auch die Grafik dabei nicht gerade von schlechten Eltern ist und sich durchaus vor aktuellen Referenztiteln nicht verstecken muss. Derartig schöne Monster sieht man also auch nicht alle Tage. Kleiner Tipp am Rande: Ein möglichst hochwertiges Audioequipment kann sich zusätzlich lohnen, damit der geniale und stimmungsvolle Soundtrack ebenso gut zur Geltung kommt, wie die Optik des Spiels.

Fazit:
Mit zahlreichen Überraschungen, einem grandiosen Creature Design und einer künstlerisch fesselnden, geradezu filmreifen Inszenierung liefert „The Evil Within 2“ das vermutlich beste Horror-Adventure des Jahres. Selten hat uns ein Spiel derartig verstört und fasziniert zugleich.

The Evil Within 2 Wertung



21
Nov

Dutch Comic Con: Das Nerd-Fest in Utrecht

In den vergangenen Jahren sind die Comic Cons sprichwörtlich wie Pilze aus dem Boden geschossen. Hierzulande gab es zwichenzeitlich sogar ganze sieben Veranstaltungen dieser Art. Trotzdem lohnt sich allerdings immer wieder auch mal ein Blick über den Tellerrand, denn auch unsere Nachbarländer haben einige spannende Events zu bieten. So auch die Dutch Comic Con, die seit mehreren Jahren in Utrecht stattfindet und mittlerweile sogar gleich zwei Mal im Jahr seine Besucher in die riesigen Messehallen der Jaarbeurs Utrecht lockt. Und das hat auch seine Gründe, denn selbst am Sonntag waren die drei Hallen derartig voll, dass zu den Stoßzeiten am frühen Nachmittag durchaus ein wenig Gedränge entstehen konnte. Der Dutch Comic Con ist es also gelungen, zehntausende Besucher aus der ganzen Niederlande anzulocken.

Dutch Comic Con - Winter Edition 2017

Angesichts der hervorragend organisierten Veranstaltung, die fast gänzlich ohne lange Wartezeiten auskommt und die zahlreiche namhafte Stars aus Film und Serien zu bieten hat, ist das auch nicht sonderlich verwunderlich. Bei letzterem deckte das Event immerhin so ziemlich alle Genres ab: Ob spannende Panels mit Tom Hopper (Bild oben), der bereits in “Northmen” und “Doctor Who” mitgespielt hat, aufregende Fotoshoots mit Spencer Wilding, der in “Rogue One” noch die Rolle des Darth Vader übernommen hat oder strahlende weibliche Besucher, die sich schon lange auf den Besuch von Sean Gunn (Bild unten) gefreut haben, der den Fans vor allem als schrulliger Kirk in “Gilmore Girls” bekannt sein dürfte – hier ist von Fantasy über Science-Fiction, bis hin zur Dramaserie alles dabei. Umso besser, dass es durchweg gelungen ist, die Q&A-Panels pünktlich und ohne große Probleme durchzuführen.

Dutch Comic Con - Winter Edition 2017

Für deutsche Besucher konnte die Dutch Comic Con allerdings etwas gewöhnungsbedürftig gewesen sein. Denn anders als auf so manch anderer Convention, war englisch dieses Mal nicht die primäre Sprache. Während die Panels zwar häufig mangels niederländischer Sprachkenntnisse der Stars noch auf englisch durchgeführt wurden, mangelte es doch an vielen Stellen an Übersetzungen. Konnte das vollständig in holländisch verfasste Programmheft schon so manchen Besucher vor Schwierigkeiten stellen, hatte vor allem die häufig auf holländisch geführte Moderation auf der Main Stage besonders ihre Nachteile. Spätestens, wenn die Niederländerin Lotte Verbeek (Bild unten) aus “Outlander” dann auf die Bühne kam, mussten die Fans sogar schnell feststellen, dass sogar ihr Panel komplett auf holländisch durchgeführt wurde. An ein internationales Publikum richtet sich die Dutch Comic Con also nur beschränkt. Das allerdings hat das Event offenbar auch gar nicht nötig, kann sie schließlich auch so bereits ihre Hallen komplett füllen.

Dutch Comic Con - Winter Edition 2017

Convention-Gänger, die aber womöglich von der Elfia in Arcen bei Venlo noch gewohnt sind, sich problemlos auf deutsch verständigen zu können, wurden mitunter auch enttäuscht: In Utrecht nämlich ist es längst nicht mehr üblich, dass die deutsche Sprache verbreitet ist. Kenntnisse der niederländischen Sprache sind auf dieser Convention also definitiv von Vorteil – zumindest aber sollte man sich auf englisch unterhalten können, um hier überhaupt mit seinen Mitmenschen sprechen zu können. Kann man das, findet man sich allerdings auch auf der Dutch Comic Con äußerst schnell zurecht und darf sich an einem vielfältigen Angebot erfreuen. Und dabei ist die Veranstaltung sogar dann einen Besuch wert, wenn man deutsche Comic Cons bereits zugenüge kennt.

Dutch Comic Con - Winter Edition 2017

Außergewöhnlich war in Utrecht schließlich der überraschend starke Fokus auf Videospiele und Gaming. Gleich eine ganze Halle verwendet die Dutch Comic Con für ihre “Gaming Area”, in der E-Sport-Wettbewerbe auf der großen Bühne stattfanden, die neue Nintendo Switch ausprobiert werden konnte oder die Besucher gar in die aufregenden Welten der Virtual Reality eintauchen konnten. Das erinnerte zwar auf den ersten Blick ein wenig an die Role Play Convention in Köln, doch muss man in Utrecht zugleich feststellen, dass die Dutch Comic Con mit der Gaming Area eine wichtige Lücke schließt. Denn mangels Gamescom oder ähnlichen Events kommen die Niederländer lediglich auf der Comic Con auf ihre Kosten, wenn es darum geht, die neuesten Spiele ausprobieren zu können.

Dutch Comic Con - Winter Edition 2017

Schaut man dann auch noch in die strahlenden Gesichter der holländischen Besucher, bekommt man schnell den Eindruck, dass der Spaßfaktor für die meisten der Con-Gänger hier ein wenig mehr im Mittelpunkt steht, als die Jagd nach Autogrammen oder das Messen in Wettbewerben. Ob Cosplay oder Retro-Gaming – die Holländer scheinen hier für jeden Spaß zu haben zu sein und sind sich wahrlich auch nicht zu schade, auch einmal mit einem etwas alberneren Kostüm auf die Bühne zu steigen. Wobei man auch hier feststellen muss, dass die überraschend hohe Anzahl an Cosplayern auch reichlich gelungene und hochwertige selbstgemachte Kostüme zu bieten hatte. Doch auch in diesem Fall verwundert es nicht, dass der Anreiz für Cosplayer besonders hoch ist: Die Dutch Comic Con lässt sich für den Cosplay Contest schließlich ein außergewöhnlich kreatives Programm einfallen und setzt mit einer zusätzlichen Moderations-Show-Einlage auf pures Entertainment. Auch hier wird ersichtlich: Der Spaß steht im Vordergrund.

Dutch Comic Con - Winter Edition 2017

Hat man also von den deutschen Comic Cons noch nicht genug, kann sich ein Besuch auf der Dutch Comic Con in Utrecht auf jeden Fall sehr lohnen. Das nächste Event findet dort vom 31. März bis 1. April 2018 wieder in der Jaarbeurs Utrecht statt. Weitere Infos dazu findet ihr unter dutchcomiccon.com.



30
Okt

Timelash: Torchwood-Stars haben Spaß in Kassel

Einst vor zwei Jahren hätten die Veranstalter das wohl nicht für möglich gehalten: Eine erfolgreiche reine Doctor Who-Convention, die sich stark auf die Classics der britischen Kultserie konzentriert und trotzdem alle Tickets restlos ausverkaufen kann. Damals nämlich ist die “Timelash” in Kassel zunächst mit einer Crowdfunding-Kampagne gestartet, der Erfolg lag in den Sternen. Doch mittlerweile hat sich das Event fest am Kulturbahnhof am Kasseler Hbf etabliert und könnte sich problemlos vergrößern. Denn ein Blick in den Saal mit den zahlreichen Panels, macht deutlich: Die Timelash ist inzwischen so voll, dass die 500 Sitzplätze nicht einmal mehr für alle Besucher ausreichen. Was sicherlich auch daran liegt, dass die Panels allesamt hervorragend besucht waren – selbst jene, die sich eher mit Nebenrollen befasst haben.

Timelash 3

Dass die Stars angesichts komplett gefüllter Sitzreihen besonders gut gelaunt waren, dürfte wenig verwunderlich gewesen sein. Vor allem Kai Owen und Naoko Mori, die schon auf anderen Conventions bewiesen, dass sie für jeden Spaß zu haben sind und im Kontakt mit den Fans recht locker erscheinen, haben das auch liebendgerne gezeigt. Selbst acht Jahre nach ihrem gemeinsamen Auftritt in “Torchwood” verstehen sich die beiden nämlich noch bestens und lassen es sich nicht nehmen, die Bühne für einige richtig witze Momente zu verwenden. Etwa dann, wenn Kai Owen mit seinem Mund versucht, Süßigkeiten einzufangen, oder Naoko Mori mit einer Affenmaske auf der Bühne erscheint und von ihrem Kollegen scherzhafterweise mit John Barrowman angesprochen wird. Fest steht damit: Das Torchwood-Panel dürfte damit zu den absoluten Highlights des Wochenendes gehören.

Timelash 3

Richtig gefragt war aber natürlich auch die berühmte Hauptrolle aus “Doctor Who”. Mit Peter Davison konnte man immerhin den fünften Doktor höchstpersönlich auf die Convention holen, der Anfang der 80iger Jahre die Rolle in der klassischen Serie übernahm. Zwar im Vergleich zu den Torchwood-Stars ein wenig zurückhaltender und ruhiger, aber spätestens die extrem lange Schlange bei den Photoshoots machte ebenfalls deutlich, dass er keineswegs weniger beliebt war. Dasselbe dürfte derweil auch für Ian McNeice, Daphne Ashbrook und Annette Badland gegelten haben, die zwar eher in kleineren Nebenrollen zu sehen waren, aber unter eingefleischten “Whovians”, wie sich Doctor Who-Fans gerne nennen, recht gut in Erinnerung geblieben sind.

Timelash 3

Abschließend war die Timelash damit auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg, sodass einer Fortsetzung nichts im Wege steht. Die vierte Timelash wird daher am 27. und 28. Oktober 2018 erneut im Kulturbahnhof Kassel stattfinden, der sich direkt im Kassel Hbf befindet und auch von außerhalb perfekt erreichbar sein wird. Tickets dafür werden in Kürze unter timelash-event.de zur Verfügung stehen.



23
Okt

Fearcon: Horrorstars ohne Berührungsängste

Vampire, Zombies und indizierte Filme: Wer schon einmal auf einer der vielen Horrorfilm-Conventions war, weiß schon ungefähr, was ihn auf einer solchen Veranstaltung erwartet. Neu auf dem Markt ist nun auch die Fearcon, die vom 20. – 22. Oktober 2017 im Maritim Hotel Bonn stattfand und vom erfahrenen Veranstalter der Fedcon organisiert wurde. Nach Science-Fiction- und Fantasy-Conventions hat man sich dort nach vielen Jahren einmal in ein neues Gebiet gewagt und versucht im Horrorgenre mitzumischen. Und obwohl die Besucherzahlen insgesamt unter den Erwartungen liegen dürften, entpuppte sich auch die Fearcon als gelungene Con, die mit diversen Highlights in der Erinnerung der Fans bleiben dürfte.

Eines dieser Highlights dürfte sicherlich auch Joseph Morgan gewesen sein, den seine Fans vor allem aus der Vampirserie “The Originals” kennen und der vor allem beim weiblichen Publikum auf großen Anklang stieß, wie man schon dem Kreischen während der Opening Ceremony am Freitag Abend entnehmen konnte. Und obwohl die meisten Besucher vermutlich wegen diesem Star nach Bonn gekommen sind, könnte er womöglich auch der Grund dafür sein, dass es der Fearcon irgendwie nicht ganz gelang, die Horror-Fans richtig anzusprechen. Dass schließlich die Besucherzahlen unterhalb der Erwartungen liegen dürften, liegt einerseits daran, dass “The Originals”-Fans kaum an härteren Horrorfilmen interessiert sind und die abgehärteten Horrorfans wiederum kein Interesse an einer Teenie-Vampirserie haben. Ein Dilemma, das es bei einer eventuellen zukünftigen Fearcon zu lösen gilt.

Fearcon

Für jene Horror-Fans, die trotzdem gekommen sind, war das qualitativ aber längst kein Abbruch, denn im Maritim Hotel Bonn gab es noch mehr als genügend andere namhafte Stars aus bekannten Horrorfilmen, die eine Schlange vor ihrem Autogrammstand bilden konnten. Mit Alex Vincent etwa, hatten die Besucher einmal die Gelegenheit, dem jungen Andy aus dem Klassiker “Chucky – Die Mörderpuppe” zu begegnen und sich selbst ein Bild davon zu machen, wie der einstige Kinderstar wohl heute aussehen mag. Und mit Oded Fehr und Tony Todd fanden sich dann sogar Stars, die in aktuelleren Horrorstreifen mitspielten und sich einen Namen mit “Die Mumie” oder “Candyman” machen konnten. Dabei konnte man sie nicht nur während der Panels mit zahlreichen Fragen löchern, sondern auch für meist günstige rund 20 Euro ein Autogramm in den Autogrammstunden ergattern.

Eine Besonderheit bieten die Stars aber darüber hinaus wohl nur auf Conventions dieses Veranstalters: Die meisten Schauspieler haben es hier nämlich keineswegs nötig, in Begleitung eines Bodyguards über das Veranstaltungsgelände zu laufen. Dass man Alex Vincent oder Ari Lehmann alias Jason Voorhees desöfteren in den Gängen des Hotels antraf, um das ein oder andere nette Gespräch mit den Besuchern zu führen, war hier keine Seltenheit. Ganz zu schweigen von den abendlichen Partys an der Bar, auf denen sich ebenfalls immer wieder zahlreiche Stars blicken lassen. Hat man einmal Camden Toy aus “Buffy” den Makkarena tanzen sehen oder mit Michael Mundy aus “The Walking Dead” zum Weißbier angestoßen, vergisst man das garantiert nicht so schnell.

Fearcon

Gerade durch solche Highlights wird allerdings auch klar, wieso man auf die Conventions der Fedcon GmbH unbedingt mit Wochenendticket gehen sollte und sich am besten gleich ein Hotelzimmer besorgt. Um wirklich in die Atmosphäre einzutauchen und jede Besonderheit der Veranstaltung zu erleben, ist es absolut notwendig, die vollen drei Tage vor Ort zu sein. Immerhin hatte jeder Tag so einige Programmpunkte, die man auf Konkurrenzveranstaltungen eher nicht erlebt. Dass etwa Ari Lehmann mit seiner Band “First Jason” am Freitag Abend auf der Bühne steht und erstklassigen Metal spielt, könnte man glatt als Exklusivprogramm der Fearcon bezeichnen. Da haben es sich gar die FrightGuys, die als Kostümgruppe vor Ort waren, nicht nehmen lassen, verkleidet das Bühnenprogramm aufzuwerten. Und Ari Lehmann fand das offenbar so gut, dass er drei Stunden später immer noch auf der Party mit den Fans tanzte.

Das nächste exklusive Highlight folgte dann gleich am nächsten Tag, als Veranstalter Dirk Bartholomä echte Musicalartisten einer professionellen Künstleragentur auf die Bühne des großen Saals holte – und plötzlich so richtig unter Beweis stellen konnte, wie viel Wert die Fearcon auf erstklassige Technik legt. Hier standen mit ARTgerecht immerhin Darsteller auf der Bühne, die selbst im originalen “Tanz der Vampire”-Musical bereits mitgespielt haben und eine dementsprechend gelungene Show abliefern konnten. Die Soundqualität dabei derartig überwältigend, dass man sich doch glatt eine BluRay-Aufzeichnung mit DTS-Sound für Zuhause gewünscht hätte. Von den beeindruckenden, gruseligen Bodennebel-Effekten einmal ganz zu schweigen. Die von der Fearcon aufgefahrene Technik gehört – wie auch bei Fedcon und Magiccon – zur Referenz unter den Conventions.

Fearcon

Schade ist es dann lediglich, wenn der Fearcon gelegentliche Flüchtigkeitsfehler und Pannen passieren, die wahrlich nicht hätten sein müssen. So etwa falsche Zeitangaben bei einem Panel von DJ Qualls am Freitag Nachmittag, die für einige Verwirrung sorgen konnten und mitunter verursachten, dass wir seinen Auftritt verpassten. Ebenso sorgten diverse Ausladungen von Stargästen und gelegentliche Programmänderungen für ein wenig Enttäuschung bei so manchem Fan. Schaut man sich allerdings wiederum den ansonsten reibungslosen Ablauf des Programms und die fantastische Moderation von Clare Kramer aus “Buffy” an, die an allen drei Tagen als Mistress of Ceremony auf der Bühne stand, sind die kleineren Pannen allerdings auch schnell wieder verziehen.

Ausbaufähig bleibt am Ende dann aber wohl vor allem der Händlerbereich und eine konzeptionelle Anpassung an Tagesbesucher. Hat man einerseits am Samstag eine deutlich höhere Besucheranzahl feststellen können, als an den anderen beiden Tagen, so war die Fearcon zugleich auch nur bedingt auf Tagesbesucher ausgerichtet. Insbesondere Autogrammjäger, die lediglich Autogramme und Filme einkaufen wollten, waren angesichts der spärlichen Auswahl an indizierter Importware womöglich etwas zu schnell durch und reagieren mit Enttäuschung. Hier müsste sich die Fearcon noch deutlich stärker an den Interessen der Horrorfans orientieren, die mitunter von Fedcon- und Magiccon-Besuchern stark abweichen. Dennoch punktet die Fearcon selbst an dieser Stelle noch mit einer Besonderheit: Wer früh genug kam, der bekam sogar eine BluRay von Tiberius Film am Eingang gratis geschenkt – während man auf so mancher Filmbörse bereits Eintritt zahlen müsste, um überhaupt einkaufen zu dürfen.

Fearcon

Leider ist zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht bekannt, ob die Fearcon im nächsten Jahr in die zweite Runde geht und aus den kleineren Fehlern lernen wird. In der Closing Ceremony am Sonntag Nachmittag wurde nämlich – untypisch für die Conventions des Veranstalters – noch kein neuer Termin bekanntgegeben. Wer trotzdem einmal die besondere Atmosphäre dieser Cons erleben möchte, hat vom 23. – 25. März 2018 auf der Magiccon ebenfalls im Bonner Maritim Hotel die Gelegenheit dazu.

Weitere Fotos von der Fearcon findet ihr unter facebook.com/dvdmagazine.



14
Okt

Bochum: Schwarze Szene feiert Leaether Strip

Wer sich in NRW der schwarzen Szene zugehörig fühlt und Gothic mit all seinen elektronischen Spielarten liebt, der kommt um den Ruhrpott in der Regel nicht herum. Locations wie das Matrix in Bochum und auch der gleich daneben liegende Rockpalast sind häufig erster Anlaufpunkt für Fans des Industrial, EBM und Synthpop. So auch am gestrigen Freitag, dem 13. Oktober 2017, als die legendäre EBM-Band Leaether Strip extra aus Dänemark angereist ist, um ihre Fans einmal so richtig einzuheizen. Im Mainstream und bei Charts-Hörern sicherlich nicht gerade der populärste Musikact, schafft es die Band jedoch schon seit den späten 80iger Jahren die Genrefans zu begeistern und stets die kleineren Szenelocations gut zu füllen.

Leaether Strip: Rockpalast Bochum

So war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass sich auch der Rockpalast Bochum, der kaum mehr als ein paar hundert Besucher fassen dürfte, im Verlauf des Abends gut füllte. Und obwohl doch ein Großteil des Publikums aus der Warteschlange vor dem Rockpalast zunächst eigentlich zum Metal-Konzert im Matrix wollte und die erste Vorband Root4 noch vor eher spärlichen Besucherzahlen spielen musste, entwickelte sich im Rockpalast schon bald ein gemütlicher Abend, bei dem es vor der Tanzfläche mitunter recht kuschelig werden konnte, wenn Leaether Strip gegen 21:30 erst einmal los gelegt hat – und die nächsten 90 Minuten so schnell nicht mehr aufhören sollte.

Eine Besonderheit gab es schließlich, die sich langjährige Fans nicht entgehen lassen wollten: An diesem Abend wurde Sänger Claus Larsen nämlich endlich wieder von seinem Bandkollegen und Ehemann Kurt begleitet, der es sich an den Keyboards gemütlich machte. Das ist allerdings mittlerweile eine echte Seltenheit geworden und längst keine Selbstverständlichkeit mehr, denn Kurt leidet unter einer Krankheit, die einen gemeinsamen Auftritt häufig verhindert. Dass er dementsprechend auch kaum mehr so heftig auf der Bühne herum hüpfen kann, wie Bandleader Claus Larsen versteht sich dementsprechend von selbst.

Leaether Strip: Rockpalast Bochum

Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch, denn Larsen ist durchaus auch in der Lage, allein für reichlich Stimmung zu sorgen. Spätestens, wenn er seinen Hit “Japanese Bodies” anstimmt, steht auf der Tanzfläche kein Bein mehr still und auch Larsen ist leicht in der Lage, das mit einer eigenen wilden Performance zu unterstützen. Von da an gab es auch kein zurück mehr, denn Leaether Strip steigerte ab jetzt nur noch fortschreitend das Tempo und sorgte mit immer flotteren und härteren Tracks für zunehmende Partystimmung. Da war es dann beinahe schon schade, dass die Band offenbar um 23 Uhr dann doch ihren Auftritt beenden musste. Das Publikum jedenfalls war längst nicht am Ende seiner Kräfte und hätte offenbar gern noch weiter getanzt, nachdem so mancher bereits seit 20 Uhr in der ersten Reihe vor der Bühne stand.

Das musste aber nicht zwangsläufig das Ende sein, denn während sich so mancher anschließend ebenfalls ins Matrix begab, um weiterhin die Nacht durch zu feiern, stand die Band auch nach dem Konzert noch für den ein oder anderen Plausch am Merchandising-Stand zur Verfügung. Da konnte man sich nicht nur Autogramme abholen, sondern stellte auch recht schnell fest, dass es sich bei Claus und Kurt von Leaether Strip um zwei eigentlich ruhige und umgängliche Gesellen handelt, die keinerlei Berührungsgängste gegenüber den Fans haben. Sicherheitspersonal braucht es da schließlich auch nicht, wenn sich die beiden einmal unter die Menge gemischt haben oder gar das ein oder andere Getränk zusammen mit den Fans genossen.

Leaether Strip: Rockpalast Bochum

Spätestens da wurde dann auch deutlich, wieso gerade solch kleine Locations wie der Rockpalast ihren Charme und auch Reiz haben. Statt einer Massenveranstaltung, bei der man kaum mit der Band in Kontakt treten kann, waren die Fans der schwarzen Szene hier mit den Bands unter sich und gingen keineswegs in der Menge unter. Dass der Rockpalast zudem auch noch so gestaltet wurde, dass sich eine Empore für all jene anbietet, die das Konzert lieber mit bestem Blick von oben bewundern möchten, bot sogar architektonisch – trotz der geringen Größe – gewisse Vorteile. Ganz zu schweigen von dem ansonsten hervorragenden Sound, der wohl so manches Großevent übertraf. Lediglich bei den Scheinwerfern bleibt dann wohl noch Luft nach oben.

Die nächsten Termine in Deutschland:
– 14.10.2017 Erfurt
– 15.10.2017 Hamburg
– 23.12.2017 Hannover
– 25.12.2017 Chemnitz



03
Okt

Get Even

Ein junges Mädchen sitzt in der Mitte eines Raumes, gefesselt an einen Stuhl. Auf dem Oberkörper trägt sie eine Bombe, dessen Countdown gnadenlos nach unten zählt. Sie ist sicher: „3001 ist der Code, das haben sie vorhin gesagt“. Nur noch 5 Sekunden übrig, du zögerst nicht. Vier Ziffern später die große Explosion. Doch das ist längst nicht das Ende. Kurz darauf finden wir uns in einer mysteriösen Nervenheilanstalt wieder. Auf dem Kopf ein neuartiges Gerät namens „Pandora“. Eine Virtual Reality-Brille, die es ermöglicht, die Erinnerungen möglichst realitätsnah nachzuempfinden. Bisher allerdings noch im experimentellen Stadium, sodass Überlagerungen der Realität nicht ausgeschlossen sind. Jede Gefahr und jede Verletzung in der vermeintlichen Traumwelt, wird vom Gehirn wie eine echte Verletzung verarbeitet. Doch bisher weiß Söldner Black noch gar nicht, wieso er eigentlich an diesem Ort ist. Und erst recht nicht, ob er dem Leiter seiner außergewöhnlichen „Therapie“ vertrauen kann…

Nichts ist real
Man stelle sich vor, eine Virtual Reality-Simulation könnte so real sein, dass wir den Unterschied zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden können. Und neuartige Augmented Reality-Technologen würden uns glauben lassen, die dargestellten Bilder würden in der echten Welt tatsächlich existieren. „Get Even“ geht diese experimentellen Wege und lässt völlig offen, welche der dargestellten Bereiche nun eigentlich der „realen“ Wahrnehmung des Protagonisten entspringt. Oder ist womöglich überhaupt nichts real? Auf faszinierende Weise springt das Spiel dabei zwischen verschiedenen Abschnitten der Erinnerung, die wir hier – ein wenig angelehnt an „Assassins Creed“ – nacherleben können. In Echtzeit können wir beobachten, wie sich das Level verändert und Objekte sich direkt vor uns bilden und so manche Ereignisse stellen sich als Trugbilder heraus. Ein echter Psychothriller, der eine bedrohliche Atmosphäre aufbaut.

Get Even

Blick in eine andere Welt
Dabei ist es in „Get Even“ keineswegs unsere Aufgabe zu meucheln, sondern eher innerhalb der verschiedenen Erinnerungsfetzen wichtige Hinweise und Beweise zu finden, um den genauen Hergang zu entschlüsseln – schließlich wurde unser Erinnerungsvermögen angeblich beschädigt. Dazu spricht ein gewisser Therapeut namens „Red“ aus dem Off oder über Bildschirme zu uns und gibt Anweisungen, wie wir uns in der Traumwelt verhalten sollen, um möglichst viele Indizien ausfindig zu machen. Immer dabei: Unser Smartphone als wichtigstes Werkzeug in der unteren Ecke. Damit können wir nicht nur Nachrichten empfangen und eine Landkarte der Umgebung anzeigen, sondern auch das UV-Licht nutzen, unsere Gegner mittels Wärmebild ausfindig machen und Objekte nach Hinweisen scannen – etwa Fingerabdrücke oder ähnliches. Doch eines sei gesagt: „Get Even“ ist auch kein reiner Krimi, wenn auch die Geschichte an einen solchen erinnert.

Get Even

Experimenteller Genre-Mix
Schnell stellt der Spieler nämlich fest, dass dieses Spiel zahlreiche Genres miteinander vermischt. In manchen Szenen möchte „Get Even“ einfach nur ein klassisches Horror-Adventure sein, bei dem wir uns durch eine düstere gruselige Atmosphäre bewegen und gelegentlich auf mysteriöse Gestalten treffen. Ein anderes Mal entwickelt sich das Spiel zu einem richtigen Krimi, bei dem wir die Umgebung nach Hinweisen und Indizien absuchen müssen, um einen Tathergang zu rekonstruieren. Und in ganz anderen Momenten entwickelt sich „Get Even“ sogar plötzlich zu einem Stealth-Shooter, bei dem wir wahlweise mit unserer Waffe in die Konfrontation gehen können oder versuchen dürfen, uns an den Gegnern vorbei zu schleichen. Dumm ist allerdings: Einmal erwischt, haben wir gar keine andere Wahl mehr, als das Feuer zu erwidern – einfach abwarten, bis der Gegner uns „vergisst“, geht in diesem Spiel ausnahmsweise nicht.

Get Even

Kampf mit Wärmebild
Der Ego-Shooter-Part macht dabei sogar durch seine außergewöhnliche Kampfmechanik ziemlich viel Spaß, denn „Get Even“ setzt auf einige neuartige Ideen. So können wir schließlich auch das Smartphone mit unserer Waffe verbinden und etwa die Wärmebildfunktion oder das UV-Licht als Visier unserer Waffe verwenden, um so auch im Kampf einen Vorteil zu haben. Noch dazu haben sich die Entwickler auch bei den Waffen selbst ein bisschen was ausgedacht: Neben der klassischen Pistole, verfügen wir nämlich auch über eine sogenannte „CornerGun“, mit der wir tatsächlich um die Ecke schießen können – während das Smartphone mit Wärmebildfunktion dabei als Visier dient, um unsere Gegner um die Ecke ausfindig machen zu können. Durchaus eine spannende Spielmechanik.

Get Even

Nichts für schwache Nerven
Dabei muss man allerdings sagen: Diese Actionmomente des Spiels sind – so paradox das auch klingen mag – fast schon eine Verschnaufpause. Dann nämlich erleben wir schnell die gewohnten Actionszenarien, die wir auch aus vielen anderen Shootern gewohnt sind. Die wirklich beklemmende Atmosphäre kommt hingegen eher in den gruseligeren Momenten auf, etwa wenn wir durch die Nervenheilanstalt spazieren und offenbar Verrückte auf freiem Fuß sind. Oder etwa, wenn die mysteriösen Marionetten sich selbstständig machen und plötzlich wie die Wheeping Angels in „Doctor Who“ ihre Position ändern, wenn wir gerade einmal nicht hinsehen. Damit kann „Get Even“ so manchem Spieler, für den das Genre eher Neuland ist, schnell einen Schreck einjagen und wird zu einem Erlebnis, das sicherlich nichts für schwache Nerven ist.

Get Even

Verstörender Soundtrack
Dazu trägt allerdings auch die Musik ziemlich viel bei, denn die gesamte Soundkulisse von „Get Even“ verstärkt die gruselige Atmosphäre des spielbaren Psychothrillers noch weiter. In der Nervenheilanstalt hören wir nicht selten verstörende Geräusche der Patienten, dessen Aufenthaltsort wir nicht kennen. In der Nähe von schrecklichen Ereignissen sorgt ein bedrohliches Hämmern für ein beklemmendes Gefühl beim Spieler. Und wenn womöglich der nächste Gegner hinter der Tür lautert, kündigt „Get Even“ das geradezu mit sich steigernden Soundeffekten an, die schon akustisch eine Zerreißprobe für unsere Nerven darstellen könnten. Damit ist auch klar: Für jüngere Spieler eignet sich dieses Horror-Abenteuer sicherlich eher nicht.

Get Even

Linear – oder doch nicht?
Beklemmend ist „Get Even“ übrigens auch deswegen, weil wir uns auf den ersten Blick scheinbar nur durch vorgegebene Schlauchlevel bewegen, die uns ein wenig das Gefühl des Einengens geben können. Da ergeht es dem Spieler auch schnell wie dem Protagonisten: Wir sind ebenso hilflos, wie Söldner Black, der als Entführungsopfer in einer fragwürdigen Therapie ebenfalls keinen Ausweg zu erkennen scheint. Trotzdem haben unsere Handlungen in dieser scheinbar so stark vorgegebenen Welt direkte Auswirkungen auf den Spielverlauf, die zunächst kaum zu erahnen sind. Das Töten von Gegnern etwa scheint überraschenderweise nicht unbedingt im Sinne des Spiels zu sein. Erledigen wir zu viele Feinde, ermahnt uns der Therapeut Red aus dem Off, dass die Erinnerungsstücke dadurch verschwinden oder negativ beeinflusst werden könnten. Und das scheint auch die weitere Spielwelt zunehmend zu verändern. Faszinierend.

Get Even

Bedroht durch den eigenen Geist
Faszinierend auch deshalb, weil „Get Even“ sich doch offensichtlich nur im Kopf des Protagonisten abspielt. Er kann sich meistens das Spielgeschehen nicht erklären. Nicht nur, wie er in die Nervenheilanstalt gelangt ist, sondern auch wieso er mitunter Erinnerungen sieht, mit denen er eigentlich gar nichts anfangen kann. Nach und nach „konstruiert“ die „Therapiesimulation“ zusätzliche Erlebnisse in das Spiel hinzu, die man im Fachjargon mitunter als „Mindfuck“ bezeichnen würde. Sei es eine ewige Endlosschleife aus sich immer wiederholenden Räumen, oder das Eindringen in die eigene Psyche, in der die eigentlichen Hintergründe der Geschichte womöglich gefunden werden können. Jedenfalls so lange, bis Protagonist Black von seiner eigenen Psyche in akute Gefahr gerät – denn wir wissen: Das Gerät „Pandora“ macht die Traumsequenzen so real, dass sie uns ernsthaft verletzen können. Was das also bedeutet, wenn wir uns mithilfe von „Pandora“ im Kopf des Protagonisten aufhalten, darf man sich nun selbst ausmalen…

Fazit:
Ein faszinierender Genre-Mix aus Horror-Adventure, Stealth-Shooter und Krimi, der schon bald in einem beklemmenden Psychothriller mündet und dabei so manches „Mindfuck“-Erlebnis zu bieten hat.

Get Even Wertung



29
Sep

Project Nimbus

Die junge Mirai lebt in einer Zukunft, in der die Erde durch den letzten großen Weltkrieg völlig unbewohnbar geworden ist. Die Menschheit verbringt ihr Leben seither in fliegenden Städten, auf denen sie noch immer erbitterte Kämpfe gegeneinander führen. Um das Gleichgewicht der Fraktionen aufrecht zu erhalten, bilden sie dort bereits Kinder und Jugendliche zu Piloten von Kampfrobotern aus. Einer davon ist auch Mirai, die davon überzeugt ist, für das Steuern eines Mech geboren zu sein. Dumm nur, dass sie es dabei häufig mit weit mehr als nur einem Gegner zu tun bekommt und die Bedienung von gleich fünf oder sechs Waffen gleichzeitig ziemlich viel Koordinationsvermögen erfordern. Der Tod ist dabei stets in greifbarer Nähe.

Kritik:
Nach mehreren Jahren im Early Access ist es nun endlich so weit: Das ostasiatische Indiegame „Project Nimbus“ feierte vor kurzem seinen finalen Release und sorgt damit für Freude bei Fans von Mech-Action.

Project Nimbus

Inspiriert durch Animes
Und obwohl die meisten Mitglieder des Entwicklerteams offenbar in Thailand ansässig sind, bekommt man doch eher den Eindruck, es handele sich um ein japanisches Spiel. Nicht nur, weil neben der englischen Sprache ausschließlich japanisch verfügbar ist, sondern auch deshalb, weil uns die Handlung recht schnell an entsprechende Filme und Serien erinnert hat. Vor allem die Erinnerung an die 13-teilige Animeserie „FLAG“ taucht da schnell auf, handelt die Geschichte schließlich von fast den identischen Ereignissen: Jugendlich, die einen Kampfroboter steuern sollen. Ganz so spektakulär wird es allerdings nicht, denn die Inszenierung dieser Story wurde doch recht minimalistisch gestaltet. Lediglich vor dem Start einer Mission sehen wir einen Avatar unserer Pilotin und erfahren die Story anhand von kleinen Audio Logs. Mehr Storyinszenierung gibt es dann leider doch nicht.

Project Nimbus

Schnelle Mech-Action
Das liegt allerdings auch daran, dass sich die Entwickler voll und ganz auf das Kernelement des Spiels konzentrieren möchten, wie man auch schnell feststellt. Und die liegt nunmal in den fliegenden Kämpfen mit den Mech-Robotern rund um Stationen, Flugzeuge und gar orbitale Raumschiffe. Und das macht durchaus eine ganze Menge Laune, denn „Project Nimbus“ entwickelt schnell ein hohes Spieltempo und ein recht dynamisches Kampfsystem. In der dreidimensionalen Welt steuern wir unseren Mech dabei in alle Richtungen, müssen herannahenden Raketen ausweichen und gleich fünf oder sechs Waffen gleichzeitig bedienen, die nach einer gewissen Zeit nachladen müssen. Verschnaufpausen gibt es also keine, wenn man stets die gesamte Umgebung im Auge behalten muss und ständig die Waffe wechselt. Generell geht es dabei auch recht hektisch zu, denn häufig bekommen wir es mit gegnerischen Schwärmen in zweistelliger Anzahl zu tun.

Project Nimbus

Kein individueller Mech
Schade ist dabei allerdings, dass doch wichtige Features fehlen, mit denen man Mech-Fans so richtig begeistern können. Tatsächlich gibt es also eine Singleplayer-Kampagne, die in vier Akten daher kommt und jeweils gut neunzig Minuten Spielzeit zu bieten haben. Allerdings bekommen wir dabei lediglich unseren Mech mitsamt seiner Ausrüstung bereits vorgegeben. Zu keiner Zeit haben wir hier die Möglichkeit, unseren individuellen Mech für die Kampagne auszuwählen oder ihn gar mit eigenen Technologien oder Waffen auszurüsten. Das ist schade, fehlt so schließlich ein wichtiger Anreiz für den Spieler, langfristig am Ball zu bleiben, denn das Freischalten von Ausrüstung etwa fehlt völlig. Und eine Anpassung an den eigenen Spielstil ebenso. Damit kommen wir aber auch schnell zu einem der ersten Punkte zurück: „Project Nimbus“ präsentiert sich minimalistisch – nicht nur bei der Story.

Project Nimbus

Fortschritt? Wen juckts?
Insgesamt muss man bei genauerem Hinsehen dann auch zu dem Entschluss kommen, dass „Project Nimbus“ auch in der finalen Version immer noch ein wenig unfertig wirkt. Das merkt man auch daran, dass es etwa eine Fortschrittsanzeige innerhalb der Kampagne gar nicht gibt. Wir können zu jeder Zeit einfach jede Mission starten, unabhängig von unserem früheren Erfolg. Dumm ist dabei allerdings, dass wir uns selbst merken müssen, welche Mission wir zuletzt gespielt haben, falls wir die Missionen der Reihe nach absolvieren müssen. Einmal nicht darauf geachtet und schon darf der Spieler rätseln, an welcher Stelle er das Spiel fortsetzen sollte. Kurz gesagt: Noch minimalistischer kann man ein Spiel wohl kaum entwickeln. Insgesamt scheint man es aber ohnehin eher auf den Survival-Modus abgesehen zu haben, der eher einem freien Spiel entspricht und bei dem der Spieler einfach so lange überleben muss, wie er kann. Ob das dauerhaft motiviert, sei mal dahin gestellt.

Project Nimbus

Matsch in der Luft
Einen ähnlich unfertigen Eindruck macht „Project Nimbus“ dann bei der Grafikqualität. Eines steht nämlich wohl fest: Die tatsächlichen Möglichkeiten der Unreal-Engine werden hier nicht einmal annähernd voll ausgereizt. Insgesamt wirken die Objekte allesamt wie aus dem vergangenen Jahrhundert und gelegentlich haben wir sogar mit einem seltsamen Unschärfeeffekt zu kämpfen, durch den wir unsere Ziele nicht einmal mehr richtig erkennen können. Einzig die Mechs selbst machen optisch einen einigermaßen ansprechenden Eindruck. Dummerweise lässt sich in diesem Spiel allerdings auch nicht viel einstellen. Bis auf die fünf Stufen bei der Grafikeinstellung, hat man auf detailliertere Einstellungen völlig verzichtet. Selbst eine Einstellung für Vsync haben wir vermisst. Obwohl „Project Nimbus“ also spielerisch durchaus Spaß macht, ist in der Gesamtumsetzung noch sehr viel Luft nach oben.

Fazit:
Das durch japanische Animes inspirierte Mech-Action-Game präsentiert sich minimalistisch und konzentriert sich voll und ganz auf sein Kernelement, dem Kampf der Roboter. Gerade deshalb wirkt „Project Nimbus“ aber häufig noch unfertig und hat reichlich Luft nach oben.

Project Nimbus Wertung



29
Sep

Dishonored: Death of the Outsider

Billie Lurk, vielen auch besser bekannt unter dem Namen Meagan Foster, ist eine der berüchtigsten Meuchelmörderinnen von Dunwall. Nun allerdings verschlägt es sie mit der Dreadful Wale in den Oberen Cyriabezirk, wo sie ihren alten Meister, den Assassinen Daud befreien möchte. Doch kaum ist dieses erste Abenteuer hinter sie gebracht, hat der auch prompt einen neuen, wichtigen Auftrag für sie: Sie soll den berühmten Outsider ermorden, der für einen Großteil des Leids auf der Welt verantwortlich zu sein scheint. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn beim Outsider handelt es sich um einen scheinbar unsterblichen Gott aus dem Nichts. Nur mit einer mysteriösen zweischneidigen Klinge scheint sie ihn aufhalten zu können – und die befindet sich ausgerechnet in den Händen ihrer Feinde…

Kritik:
Noch kein Jahr ist seit der Veröffentlichung des beliebten „Dishonored 2“ vergangen, da beglücken die Entwickler ihre Fans auch schon mit einem Stand-Alone-Addon. Dieses Mal verschlägt es uns erneut in bekannte Gebiete, wo wir nun den Outsider töten sollen, der im Hauptspiel einst für die fragwürdigen „Geschenke“ aus magischen Fähigkeiten verantwortlich war.

Dishonored: Death of the Outsider

Magische Frauenpower
Und bereits kurz nach dem Start des Spiels stellen wir auch schon fest, dass „Death of the Outsider“ ein paar kleinere Dinge anders macht, als das große „Dishonored 2“. Etwa bei der Charakterauswahl – denn die wurde kurzerhand entfernt. Dieses Mal dürfen wir ausschließlich in die Rolle eines weiblichen Hauptcharakters schlüpfen und übernehmen dabei die Rolle der Billie Lurk. Kenner werden hier bereits wissen: Das ist die Kapitänin der Dreadful Wale, die wir zuvor unter dem Namen Meagan Foster kennengelernt haben und deren Leben durch unsere Handlungen eine entscheidende Wendung nehmen konnte. Abhängig von unserer Spielweise in einer der Missionen von „Dishonored 2“ musste sie weiterhin mit nur einem Arm leben oder erhielt diesen zurück, in dem wir ihren einstigen Peiniger ermordeten. Und da kommt bereits ein kleines Storyproblem auf: In „Death of the Outsider“ hat sie von Beginn an ihren zweiten Arm, als würde das Spiel voraussetzen, dass wir den Verursacher der Verletzung getötet haben.

Dishonored: Death of the Outsider

Direkter Link zum Nichts
Interessant haben die Entwickler dieses Tatsache dann aber doch gestaltet, denn in „Death of the Outsider“ hat sie auch keinen völlig natürlichen Arm. Da sie nicht über „Geschenke“ des Outsiders verfügt, hat sie mittlerweile einen künstlichen Arm, der direkt mit dem „Nichts“ in Verbindung steht. Daher ist sie trotzdem in der Lage, die magischen Fähigkeiten zu nutzen und hat dabei sogar diverse Vorteile: Im Gegensatz zu ihren Vorgängern muss sie ihr Mana nämlich nicht mit entsprechenden Fläschchen auffüllen, sondern kann ihre Fähigkeiten automatisch regenerieren. Das Gameplay fühlt sich dadurch aber auch ein bisschen flotter an. Schade ist an der Stelle allerdings, dass die Vergabe der Fähigkeiten bereits vorgegeben ist und wir nicht anhand unseres persönlichen Spielstils auswählen können, welche Fähigkeiten wir gerne erlernen wollen. Mit Fortschreiten des Spiels, erhält Billie somit stets neue Fähigkeiten hinzu, die von „Death of the Outsider“ allerdings bereits festgelegt sind.

Dishonored: Death of the Outsider

Neue magische Fähigkeiten
Zu den dabei erhaltenen Fähigkeiten gehören sowohl bereits bekannte, als auch völlig neue, innovative Skills. Einer davon ist etwa das Verstehen von Ratten, die uns interessante Hinweise zu unserer Mission geben können und daher neue Möglichkeiten und Wege eröffnen. Aber auch das Übernehmen eines fremden Gesichts, um die Wachen zu täuschen oder das Herausfahren aus unserem Körper, um die nähere Umgebung unentdeckt zu erkunden gehört dazu. Eine der aber wohl am häufigsten angewandten Fähigkeiten dürfte die klassische „Teleportationsfunktion“ sein, mit der wir uns beispielsweise auf Dächer oder Balkone teleportieren können, um ungesehen an den Wachen vorbei zu gelangen. Und das ist manchmal auch durchaus sinnvoll.

Dishonored: Death of the Outsider

Level ohne Labyrinthe
Insgesamt müssen wir allerdings auch feststellen, dass das Leveldesign ein wenig simpler gestaltet wurde, als noch zuvor bei „Dishonored 2“. Auf spektakuläre verwinkelte Gebäude, in denen wir die Räumlichkeiten mittels Knopfdruck verändern können, wird dieses Mal verzichtet. Dasselbe gilt für faszinierende Missionen, in denen wir etwa in Echtzeit in die Vergangenheit blicken konnten. Das liegt mitunter aber auch daran, dass Billie es dieses Mal überwiegend mit menschlichen Gegnern zu tun bekommt – abgesehen von wenigen Ausnahmen. Atmosphärisch ist „Death of the Outsider“ daher oftmals auch nicht so düster. Dafür kann sich manche Mission trotzdem sehen lassen: Wenn wir etwa eine Bank überfallen und in den Tresor eindringen müssen, gibt es nicht nur zahlreiche mögliche Vorgehensweisen, sondern auch einen gewissen Anspruch. Und bei einer der Missionen sehen wir mit dem kaiserlichen Konservatorium sogar eine Location wieder, die wir in „Dishonored 2“ bereits ein Mal aufgesucht haben.

Dishonored: Death of the Outsider

Gefälligkeiten für Zwischendurch
Wer möchte, hat dabei sogar die Möglichkeit, sich die Missionen ein wenig schwieriger zu gestalten. Im Schwarzmarkt-Laden, in dem wir nicht nur unsere Ausrüstung verbessern und neue Gegenstände kaufen, können wir am schwarzen Brett nun nämlich erstmals auch externe Aufträge übernehmen. Sind wir also sowieso einmal auf dem Weg, in ein Gebäude einzudringen – warum dann nicht noch ein paar Gefälligkeiten für die Bewohner der Stadt übernehmen? Etwa wichtige Unterlagen stehlen, bestimmte Personen beseitigen oder ähnliche nicht immer ganz einfache Aufgaben. Zur Belohnung gibt es dann hinterher gutes Geld, das wir auf dem Schwarzmarkt ausgeben können, oder Knochenartefakte, die unsere magischen Fähigkeiten verbessern können. Letztere können wir zwar auch innerhalb des Spiels finden, müssen dabei aber auf den Einsatz der bereits bekannten Gegenstände verzichten. Hier hilft nur eines: Ohne Hilfsmittel selbst suchen.

Dishonored: Death of the Outsider

Die flüssige Meuchelmörderin
Und obwohl man diese diversen Kleinigkeiten weggelassen hat, fühlt sich „Death of the Outsider“ vom Gameplay her immer noch wie ein echtes „Dishonored“ an und auch der Spielspaß kommt ebenso schnell auf. Das liegt mitunter auch daran, dass die technische Umsetzung zunächst einen besseren Eindruck macht, als noch bei „Dishonored 2“ und die Macher hier offenbar aus ihren Fehlern gelernt haben. Bereits zum Release läuft das Spiel deutlich schneller und verfügt auch nicht mehr über die diversen grafischen Bugs, wie etwa das Flackern von Texturen. Wer im vergangenen Jahr noch so manches Problem mit dem vorherigen Spiel hatte, darf dieses Mal also bereits aufatmen. Lediglich die Tatsache, dass wir nach bereits acht Stunden Spielzeit am Ende angelangt sind, trübt im Vergleich ein wenig den Gesamteindruck.

Fazit:
Obwohl „Death of the Outsider“ insgesamt etwas kleiner und kürzer ausgefallen ist, als bei den beiden Vorgängern, fesselt das Stealth-Gameplay mit seinen zahlreichen Optionen noch immer jeden Genrefan und sorgt schnell für hohen Spielspaß.

Dishonored: Death of the Outsider Wertung