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20
Sep

Train Sim World: Great Western Express

Der große Fernverkehrsbahnhof London Paddington ist neben St. Pancras eine der wohl größten und wichtigsten Stationen der britischen Hauptstadt. Bis zu dreißig Millionen Menschen fahren jährlich mit der Tube aus der Innenstadt an, um anschließend dank der zuverlässigen Verbindungen des Great Western Express in zahlreiche andere Ortschaften zu fahren. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Reading ist dabei besonders beliebt und macht gerade einmal einen Teil der Great Western Main Line aus, die normalerweise bis nach Bristol reicht und im Verlauf der Strecke auch von einer Linie nach Südwales gekreuzt wird. Doch neben den flotten Passagierzügen der Class 43 und Class 166 darf auch ein echter Exot entlang der Strecke nicht fehlen: Immerhin ist auch DB Schenker in England aktiv und betreibt dort die modernen Diesel-Güterzuglokomotiven der Baureihe 266.

Kritik:
Bereits nach der Veröffentlichung des Hauptspiels zum Beginn des aktuellen Jahres war den meisten Eisenbahnfans klar: Bei „Train Sim World“ handelt es sich um die wohl fotorealistischste Simulation auf dem gesamten Spielemarkt. Denn nachdem der etablierte Train Simulator inzwischen mit einer zehn Jahre alten Grafikengine unterwegs ist, macht die neue Simulation einen wirklich großen Sprung nach vorne.

Train Sim World: Great Western Express

Passagiere nach London
Mit dem „Great Western Express“ liefert der Entwickler dann nun auch die erste richtige Strecke für den Passagierverkehr mit. Mit dem Hauptspiel „CSX Heavy Haul“ konnten die Eisenbahnfans schließlich im März diesen Jahres erst die langen und überaus langsamen Fahrten auf amerikanischem Boden ausprobieren und dabei ziemlich schwere Güter transportieren. Einmal einen kleinen Abstecher nach Groß-Britannien gemacht, wo Dovetails Games schließlich auch ansässig ist, bekommt es der Spieler dann doch eher mit modernen Triebwagen zu tun – und das gleich zwei an der Zahl. Sei es der berühmte „High Speed Train“, den Urlauber an der Paddington Station mit großer Regelmäßigkeit zu sehen bekommen oder die klassische Class 166, die in der Realität auch als Heathrow Express den örtlichen großen Flughafen mit der Londoner City verbindet.

Train Sim World: Great Western Express

Suche nach dem Paddington Bär
Apropos Paddington Station: Bei „Great Western Express“ haben sich die Entwickler größte Mühe gegeben, möglichst nah an der Realität zu bleiben. Konkret bedeutet das: Die einzelnen Stationen und Gebäude entlang der Strecke wiederzuerkennen, dürfte den meisten Ortskundigen recht leicht fallen. Nachdem wir selbst erst vor kurzem in London waren und dort natürlich auch die Paddington Station bewundert haben, fällt bei einem Vergleich sofort auf: Selbst die Grundstruktur dieses Gebäudes stimmt absolut. Ob das Dachgewölbe, die Ausgangsrampen in Richtung Little Venice oder das tatsächlich vorhandene Cafe Nero – hier gibt es reichlich Möglichkeiten, den Ort wiederzuerkennen. Und doch fehlt es natürlich, wie bei einer Eisenbahnsimulation zu erwarten, an einigen kleinen Details. Den Paddington Bär auf Gleis 1 suchten wir nämlich ebenso vergebens wie die Durchgänge zu den U-Bahnen. Und überhaupt sind wir doch schnell traurig, den Bahnhof nicht wirklich verlassen zu können, um einmal durch London zu spazieren.

Train Sim World: Great Western Express

Fotorealismus auf der Schiene
Trotzdem ist das, was die Entwickler mit „Great Western Express“ abliefern, grafisch absolut beeindruckend. In den maximalen Einstellungen muss man mitunter schon ein wenig genauer hinschauen, um die Spielegrafik noch von einem Foto unterscheiden zu können. Zur Demonstration haben wir in diesem Test sogar ausschließlich echte Screenshots verwendet, die wir während des Spielens angefertigt haben. Schnell beeindruckt dabei vor allem der Motion Blur-Effekt, der bei hohen Geschwindigkeiten zustande kommt und die Fahrt realistisch simuliert. Aber auch hübsche Sonnen- und Wasserreflexionen, sowie ein enormer Detailgrad an den Zügen selbst, können voll und ganz überzeugen. Das reicht bis hin zum Tankdeckel an den Lokomotiven oder den Kupplungsklappen, die an den Class 43 Triebzügen geöffnet werden können. Dass dann auch noch nahezu jeder einzelne Knopf im Führerhaus bedienbar ist, trägt sein Übriges zur Qualität bei.

Train Sim World: Great Western Express

Keine Strafe für zu schnelles Fahren
Insgesamt wurde das Spiel nun seit „CSX Heavy Haul“ auch ein wenig überarbeitet. Das merkt man vor allem an den HUD-Angaben, die nun auch über ein während des Spiels eingeblendetes Punktesystem verfügen. Schade ist dabei, dass man allerdings auf dasselbe System setzt, das bereits beim Hauptspiel verwendet wurde und nur nicht während der Fahrt zu sehen war. Wofür es also genau Punkte gibt, ist auch an der Auswertung zum Schluss nicht wirklich ersichtlich. Eines haben wir aber leider feststellen müssen: Minuspunkte für das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und anderer Bedienfehler suchen wir hier vergebens. Wer einfach mal ordentlich aufs Gas drücken möchte, hat bis auf eine rote Zahl im Tacho keinerlei negative Auswirkungen zu befürchten. Damit bleibt allerdings auch die Herausforderung aus, möglichst korrekt zu fahren, pünktlich zu sein und die maximal mögliche Punktzahl zu erreichen. Der klassische „Train Simulator“ setzt in diesem Punkt jedenfalls auf ein besseres System.

Train Sim World: Great Western Express

Passagiere und Fracht
Spaß macht die neue Strecke aber dennoch, denn der „Great Western Express“ liefert neben vier Tutorials, die uns mit der Bedienung der Lokomotiven vertraut machen, gleich fünf passende Szenarien mit. Und dabei ist reichlich Abwechslung geboten, da alle drei Fahrzeugtypen bedient werden müssen und wir auch hinsichtlich der Aufgaben stets neue Herausforderungen erhalten. In der ersten Aufgabe dürfen wir uns dann einen von drei Zügen der Class 166 aussuchen und uns von Paddington auf den Weg nach Reading machen, wo wir möglicherweise an allen Stationen halten sollen. In einem anderen Szenario wiederum kümmern wir uns um Frachtwaggons der DB Schenker oder müssen gar einen Hochgeschwindigkeitszug mit der Baureihe 266 abschleppen. Spätestens an dieser Stelle wird dann auch klar, welche großen Vorteile die Ego-Perspektive von „Train Sim World“ letztendlich hat.

Train Sim World: Great Western Express

Ein realistischer Arbeitsalltag
Die Szenariodesigner haben sich nämlich ziemlich viel einfallen lassen, um einen realistischen Arbeitstag eines Lokführers glaubwürdig zu simulieren. Denn wenn wir in der Ego-Perspektive aus dem Zug aussteigen und herumlaufen können, lässt sich der korrekte Ablauf schließlich ein wenig genauer absolvieren. In einem Szenario müssen wir dabei sogar als Passagier eines anderen Zuges zunächst nach Paddington rein fahren, um dort unseren Zug an einem anderen Gleis abzuholen, den wir auf Grund einer Verspätung eines anderen Lokführers außerplanmäßig übernehmen müssen. In einem anderen Szenario wiederum müssen wir einen gerade einfahrenden Zug von einem anderen Lokführer übernehmen und diesen an einem Rangiergleis wenden, um ihn erneut bereit zu stellen. Wieder andere Szenarien erfordern das Öffnen der Kupplungsklappe und das manuelle Bedienen der Kupplungselemente. Spannend.

Train Sim World: Great Western Express

Keine defekte Toilette
Schnell wird damit auch einmal mehr klar, welche enormen Möglichkeiten uns „Train Sim World“ letztendlich bieten könnte. Grundsätzlich können wir uns an den Stationen nämlich frei bewegen. Das bedeutet zugleich auch, dass wir den Fahrgastbereich des Zuges ebenfalls betreten können und theoretisch – so denn eine Programmierung umgesetzt würde – mit den Fahrgästen zu kommunizieren. In der Class 166 können wir sogar durch eine Tür in unserem Führerhaus direkt in den Fahrgastraum übergehen und auf dieselbe Weise ins Führerhaus einsteigen, wie wir das in deutschen S-Bahnen schon desöfteren gesehen haben. Sollten also die Entwickler oder auch Drittanbieter irgendwann die Elemente im Fahrgastbereich einprogrammieren und animieren, wären hier weit mehr Möglichkeiten offen. In „Great Western Express“ können wir zwar noch keine Toiletten öffnen oder gar verriegeln, doch zukünftig wären Szenarien, in denen etwa defekte Toiletten, defekte Türen oder andere Probleme auftauchen, durchaus denkbar. Das haben wir nun gesehen. Man mag sich kaum vorstellen, was Drittanbieter wie Virtual Railroad aus solchen Möglichkeiten machen würden, wenn der Editor denn erst einmal ins Spiel integriert wurde.

Train Sim World: Great Western Express

Der schwarze Horrorzug
Bis dahin sollten sich die Entwickler von Dovetail Games aber zunächst noch einmal dran setzen, um auch die gröbsten noch vorhandenen Bugs von „Great Western Express“ zu beseitigen. Denn so spektakulär die Grafik auch aussehen mag, bleibt es am Ende doch nicht gänzlich ohne Grafikfehler. Vor allem, wenn uns ein Class 43 Hochgeschwindigkeitszug entgegen kommt, fallen uns immer wieder mysteriöse Verzerrungen auf, die möglicherweise durch den Blur-Effekte zustande kommen. Und auch die verschwimmenden Räder der Baureihe 266 oder gelegentliche fehlerhafte Schatten der Oberleitungen sehen mitunter etwas merkwürdig aus. Ganz zu schweigen von gelegentlichen falschen Anweisungen oder Bugs, die unsere Baureihe 266 plötzlich außer Gefecht setzen. Gänzlich ausgereift ist „Great Western Express“ also trotz allem noch nicht, auch wenn die Entwickler versprechen, an den Problemen zu arbeiten.

Fazit:
Mit dem „Great Western Express“ bekommt die wohl einzige fotorealistische Simulation auf dem Spielemarkt endlich eine wichtige britische Strecke nachgereicht und bietet nun erstmals auch Passagierverkehr. Grafisch absolut beeindruckend.

Train Sim World: Great Western Express Wertung



18
Sep

Scooter Forever: Zwischen Kirmestechno und fetzigen Gitarrenriffs.

Die 90er Jahre dürften die Bestzeiten der elektronischen Musik gewesen sein. In keinem Jahrzehnt gab es mehr Bands und Projekte der Dance, Trance und Technoszene. Die meisten der damaligen Szenestars sind heute verschwunden, manche sogar schon seit über zehn Jahren. Nur ganz wenige schaffen es da, gleich fünfundzwanzig Jahre lang nicht nur aktiv zu sein, sondern auch noch großen Erfolg dabei zu haben. Die Band „Scooter“ rund um H.P. Baxxter und seine mittlerweile mehrfach ausgetauschten Kollegen ist eine davon, die aktuell ihr 25-jähriges Bandjubiläum feiert und dabei durch das ganze Land tourt. Erst im Juli haben wir selbst von ihrem Auftritt im Sparkassenpark Mönchengladbach berichtet und nun steht auch schon das neueste Album in den Läden. Passend zum Jubiläum nennt sich das „Forever“ – als würde Scooter niemals aufhören wollen.

Scooter - Forever

So mancher Fan mag das wohl auch tatsächlich hoffen, selbst wenn viele doch die guten alten Zeiten, in denen noch Axel Coon und Jay Frog an Mr. Baxxters Seiten standen, musikalisch als die herausragendsten feiern. Seitdem hat Scooter – nun neben Baxxter mit Rick J. Jordon und Feris Bueller besetzt – ziemlich viel ausprobiert. Den ein oder anderen Song gecovert, sich ein wenig dem kommerziellen EDM angeglichen und sogar einmal das Genre des Jumpstyles ausprobiert. An Kreativität mangelte es also nicht, obwohl man Scooter ja allzu gerne unterstellt, keine besonders intellektuellen Texte zu schreiben. Ähnlich geht es deshalb auch in „Forever“ zu, wenn sich doch bei so manchem Song eine überraschende Abwechslung bietet – und sich vor allem H.P. Baxxter dann doch selbst treu bleibt und mit seiner gewohnten Stimme in die Songs rappt.

Spätestens beim vierten Song des Albums mag man sich dann aber wohl fragen, was es wohl für Scooter bedeuten dürfte, dass ausgerechnet einer der besten Songs auf dem neuen Album, gar nicht von Scooter selbst stammt. In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Künstler Jebroer versucht sich die Band da schließlich an einer englischen Version von „My Gabber“ (im Original: Me Gabber). Und dabei stellen wir schnell fest, dass sich musikalisch bis auf eine Übersetzung aus dem holländischen ins englische nicht viel verändert hat – und das, obwohl im holländischen Original noch kein Scooter mit von der Partie war. Trotzdem: Der ein wenig an Jumpstyle und Gabber orientierte Track entpuppt sich schon bald als Ohrwurm – und vielleicht als einziger Song, dessen Text uns noch nach ein paar Tagen im Gedächtnis bleibt.

Erstaunlich anspruchsvoll wird es auch danach, wenn Scooter zusammen mit weiblicher Unterstützung den Song „Wall of China“ anstimmt. Dann gibt es nämlich richtig wohlklingenden weiblichen Gesang, der uns ein wenig an Daisy Dee erinnert, die damals die „Club Rotation“ auf Viva moderiert hat. Und auch musikalisch erinnert uns der Song schnell an die guten alten 90er Jahre-Zeiten, wenn klassische Hands-up-Beats mit flottem Jumpstyle kombiniert werden. Schnell wünscht man sich dabei auch die guten alten Zeiten des Vocal-Trance zurück, als Bands wie Starsplash und Co. noch die Clubs rockten. Manchmal zeigt Scooter eben doch, dass sie es auch heute noch drauf haben, wie vor zwanzig Jahren. Das Problem nur: Die Stimme von H.P. Baxxter bräuchte es zwischen diesem Gesang wahrlich nicht.

Scooter - Forever

Foto: Robert Grischek

Weniger einprägsam wird es hingegen in vielen der anderen Songs, auch wenn der ein oder andere davon bereits kommerziell erfolgreich ist. So kann man „Bora! Bora! Bora!“ wohl längst zu all jenen Songs zählen, die auf keinem Konzert fehlen dürfen und auf einschlägigen Kanälen hoch und runtergespielt werden, doch über den Anspruch und die Qualität des Songs dürften sich selbst eingefleischte Fans noch immer streiten. Ganz zu schweigen von vielen anderen Songs, die wir uns beim Schreiben der Review gleich noch einmal anhören mussten, weil sie sich schlicht nicht einprägen wollten. So klingt der namensgebende Titel „Scooter Forever“ schließlich doch genauso, wie etwa zwanzig andere Songs, die Scooter in den vergangenen Jahren veröffentlicht haben. Wäre da nicht die hochgepitchte Mädchenstimme, könnten wir den Song vermutlich überhaupt nicht von früheren Tracks wie „Bigroom Blitz“ oder „Jump all over the world“ unterscheiden. Blöd dann, wenn sich das auch bei so manch anderem Song einfach nicht ändern wird.

Mit einer Ausnahme: „The Roof“ entpuppt sich dann als so schräg, dass der Song schon wieder gut ist. Man kann sich beim etwas gewöhnungsbedürftigen Refrain zunächst nicht recht entscheiden, ob es sich dabei um eine Kirmesmelodie handeln soll oder ob Scooter womöglich gar bei irgendeinem volksmusikalischen Lied gecovert hat. Und doch handelt es sich irgendwie um typischen Scooter-Sound, den man von der Band auch erwartet. Weniger überzeugen kann dann allerdings „When I’m ravin“, wo man schnell auf eine ähnliche, nur anders gepitchte Stimme trifft. Ob das den Fan der ersten Stunde letztendlich aus den Socken haut, darüber darf man sich sicher streiten.

Und dabei gibt es doch tatsächlich sogar einen echten Top-Hit auf dem Album, der gut und gerne das Zeug hat, auch in zehn Jahren noch in Erinnerung zu bleiben. Mit „Wild & Wicked“ möchte Scooter nämlich nach vielen Jahren endlich einmal wieder unter Beweis stellen, dass sie auch richtig fetzige Gitarrenriffs drauf haben. Dieser Track nämlich rockt wie zuletzt „Fire“ aus dem Jahre 1997. Da bekommt das Jubiläumsalbum dann doch tatsächlich nochmal einen würdigen Song spendiert, der ihren damaligen Leistungen gerecht wird. Und auf einmal wird einem sogar klar, wieso H.P. Baxxter auch mit seiner Stimme, die ja nicht unbedingt für große Gesangskünste bekannt ist, überraschend harmonisch klingende Songs machen kann. Man fragt sich: Warum eigentlich nicht mehr davon?

Kurz danach kommt nämlich auch schon eine weitere Enttäuschung und ein Stich ins Herz für so manchen Trance-Fan der 90iger Jahre. Denn ausgerechnet das herausragende „The Darkside“ von Hypetraxx aus dem Jahre 1999 neu aufzulegen, dürfte für eingefleischte Fans der ersten Stunde ein echter Fauxpas sein. Kenner dürfen sich an dieser Stelle gerne einmal vorstellen, wie die düstere und kräftige Stimme von Hypetraxx durch den rappenden H.P. Baxxter ersetzt wurde und dabei geradezu peinlich dünn klingt. Düstere Atmosphäre kommt bei dieser Version von „The Darkside“ jedenfalls so schnell keine auf, denn man merkt schnell: Dieser Track ist für Baxxter eine Nummer zu groß.

Scooter - Forever

Dass das aber nicht unbedingt der Tiefpunkt des Albums gewesen sein muss, darf man dann mit dem letzten Song rausfinden. Was H.P. Baxxter geritten haben muss, ausgerechnet „Always look on the bright side of life“ nachsingen zu wollen, wird vermutlich wohl nur er selbst wissen. Ich fürchte, man muss wohl auch nicht genauer erläutern, wie geradezu peinlich dieser Song dann aus seinem Mund klingt. Ein Glück, kann man das auch schnell wieder abschalten und sich im Anschluss die zehn neu aufgelegten Rave Classics anhören, bei denen Baxxter generell ein wenig öfter die Klappe hält. Manche davon klingen dann sogar recht gut.

Fazit:
Obwohl das neueste Album von Scooter überwiegend ein wenig generisch klingt und so mancher Coversong ein echter Fauxpas darstellt, hat „Forever“ immerhin einzelne wenige Highlights zu bieten, die enorm positiv herausstechen. Sei es das fetzig-rockige „Wild and Wicked“, der Ohrwurm „My Gabber“ mit Jebroer oder die süße Frauenstimme in „Wall of China“. An die Qualität früherer Zeiten kommt Scooter in der Gesamtbewertung des Albums aber nicht heran.



18
Sep

911 Operator

Durchschnittlich gehen pro Tag um die 3500 Notrufe bundesweit in den Leitzentralen ein. So mancher davon handelt von einem ernstzunehmenden Vorfall, drei Viertel hingegen sind eher Scherzanrufe oder solche, die keinen tatsächlichen Notfall bedürfen. Für die Disponenten der Leitzentrale, die die Einsatzkräfte koordinieren müssen, ist das mit echtem Stress verbunden. Sie müssen beurteilen können, bei welchen Notrufen es sich um einen Scherzanruf handelt und bei welchem der Scherz nur vorgegeben wird, um einen tatsächlichen Notruf zu vertuschen. Und dann müssen auch noch der Überblick über die gesamten Einsatzkräfte behalten werden und die Priorität für die einzelnen Fälle berücksichtigt werden. Keine leichte Aufgabe…

Kritik:
Dass die Aufgaben von Polizei und Feuerwehr auch bei Spielern ihren gewissen Reiz haben, das haben vor allem Entwickler von Simulationsspielen mittlerweile herausbekommen. Tatsächlich aber einmal in die Rolle eines Disponenten zu schlüpfen, der sich um die Koordination der Einsatzkräfte kümmern muss, ist eher neu. Trotzdem funktioniert das aber schon hervorragend, denn „911 Operator“ hat aus eigentlich wenigen Möglichkeiten ein innovatives Spielkonzept geschaffen. Man könnte auch sagen, es handele sich einmal mehr um eines dieser typischen „weniger ist mehr“-Spiele, die nicht mit beeindruckenden Grafiken blenden, sondern sich beim Gameplay wirklich etwas gedacht haben. Denn auf dreidimensionale Grafiken verzichtet das Spiel sogar völlig.

911 Operator

Den Überblick behalten
Hauptsächlich spielen wir nämlich auf einer recht modern und schick aussehenden 2D-Landkarte, auf der wir von oben herab die Straßen, Krankenhäuser, Polizeistationen und Feuerwehrgebäude erkennen können. Kurz bevor es los geht, dürfen wir noch einmal kurz unsere jeweiligen Einheiten an andere Startpositionen setzen und danach beginnen wir unsere Schicht als Disponent der Notrufleitzentrale. Die dauern in Echtzeit ungefähr zehn Minuten und bestehen darauf, auf Meldungen über Vorfälle zu reagieren und die Anrufe der Notrufnummer entgegen zu nehmen. Darin müssen wir vor allem auf die Dialoge mit den Hilfesuchenden reagieren, wichtige Informationen über den Vorfall und den Aufenthaltsort herausfinden und anschließend die Einsatzkräfte losschicken. Oder aber dem Betroffenen nach Möglichkeit bereits am Telefon weiterhelfen, bevor die Kräfte eingetroffen sind.

911 Operator

Koordination und Urteilsvermögen
Das ist allerdings nicht immer einfach, denn manchmal möchten die Hilfesuchenden schlicht nicht alle Informationen preis geben oder es handelt sich gar nicht um einen Notfall. Ob und wie viele Einheiten wir also losschicken müssen, liegt in unserem eigenen Ermessen. Wir müssen als Spieler beurteilen können, ob Gefahr im Verzug vorliegt, ob ein Rettungswagen benötigt wird oder vielleicht sogar überhaupt kein Notfall stattgefunden hat. Der echte Stress eines realen Disponenten wird dabei natürlich simuliert: Manchmal kann es passieren, dass wir weit mehr Notrufe erhalten, als Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Jetzt liegt es an uns, die Priorität der einzelnen Vorfälle zu beurteilen, ggf. Einsatzkräfte von anderen Fällen abzuziehen oder gar einen Polizeiwagen mit bereits festgenommenem Insassen zum nächsten Fall zu schicken, weil keine Kollegen mehr frei sind. Ob das sinnvoll ist, oder ob wir damit das Leben der Beamten riskieren, muss von uns beurteilt werden. Ein Glück, dass man das Spiel auch beliebig pausieren kann, um sich einmal in Ruhe einen Überblick zu verschaffen.

911 Operator

Feuerwehr – auch bei dir zuhause
Insgesamt kommt „911 Operator“ dabei mit einer Kampagne aus sechs vorgefertigten Städten daher. Spannend wird es allerdings auch, wenn wir den freien Spielmodus einmal erkunden. Hier greift das Spiel nämlich auf Daten von OpenStreetMap zurück und lässt uns reale Städte verwenden. Einfach den Stadtnamen eingeben und schon wird die Karte heruntergeladen und ins passende Spielformat kopiert. Faszinierend vor allem dann, wenn wir sogar den eigenen Wohnort wiedererkennen können und – wie in unserem Fall – sogar die reale Feuerwehr von gegenüber an der realen Position eingefügt wurde. Und nicht nur das: Selbst die Verfügbarkeit von Freiwilliger und Berufsfeuerwehr, sowie Sondereinsatzkräfte wird berücksichtigt und zusätzlich eingetragen. Noch dazu verwendet „911 Operator“ in diesem Modus reale Straßennamen, sodass ein Einsatz an unserer eigenen Adresse tatsächlich vorkommen kann, wie wir anhand einer Karte aus Mönchengladbach getestet haben. Da bekommt das Spiel mit einer ausgeklügelten Idee noch einmal einen ganz eigenen Spielanreiz.

911 Operator

Eintönigkeit der Routine
Schade ist dabei allerdings, dass die Motivationskurve sicherlich nach spätestens zehn Stunden Spielzeit ein wenig nachlassen dürfte. Obwohl der freie Modus praktisch unendlich spielbar ist, bleibt die große Abwechslung anhand der Notrufe und Vorfälle auf lange Sicht aus. Irgendwann kommt man selbst bei diesem Spiel eben an den Punkt, an dem man jede Art von Notruf schon einmal gehört hat und man praktisch schon vorher weiß, worauf der Anruf wohl hinaus laufen wird. In jedem Fall sei es gerade deshalb auch angeraten, zur Collector’s Edition zu greifen, denn diese fügt „911 Operator“ noch mal zahlreiche Einsätze, Einheitentypen und Equipmentarten hinzu und erhöht die Abwechslung immerhin ein wenig. Ansonsten darf man sich aber auch auf eine Kampagne mit den sechs Städten freuen, in der sich die Entwickler von der Bombendrohung durch Linksradikale bis hin zu Erpressung einiges haben einfallen lassen.

911 Operator

Management ist alles
Letztendlich werden wir auch nicht drumherum kommen, eine Stadt in der Kampagne mehrmals zu spielen, ehe wir sie meistern. Als Währung in diesem Spiel dienen nämlich vor allem Geld und Ruf. Je zufriedener die Bürger mit unserer Arbeit, desto eher können wir in die nächste Stadt vordringen. Zufriedenheit klappt aber nur, wenn wir jeden Notruf schnell und professionell durchführen können – und dafür braucht es ausreichend Einsatzkräfte und Equipment. Und an dieser Stelle soll schließlich das Geld ins Spiel kommen, denn bevor wir eine „Schicht“ starten können, gelangen wir zunächst in den Managementbildschirm. Von hier aus weisen wir Fahrzeuge, Personal und Equipment einem Team zu oder kaufen selbiges ein. Vom Pferd für den Polizisten bis zum gepanzerten Polizeifahrzeug steht hier reichlich zur verfügen – entsprechendes Geld vorausgesetzt. Und auch die Fähigkeiten unserer Mitarbeiter und das passende Equipment wie schusssichere Westen, Pistolen, erste Hilfe Sets oder gar Feuerschutzwesten beeinflussen unseren Erfolg bei einem Einsatz.

911 Operator

Innovation ohne Hardwarehunger
Fans der etwas außergewöhnlichen Strategie- und Managementspiele dürfen sich mit „911 Operator“ also auf ein innovatives Spielkonzept freuen, das mit einfacher Zwei-Klick-Bedienung ein wenig an klassische Brettspiele wie „Scotland Yard“ erinnert und tatsächlich glaubhaft den stressigen Alltag eines Disponenten der Notrufleitzentrale simuliert. Und dabei darf man auch ganz beruhigt sagen: Auf Grund des Verzichts auf aufwändige Grafiken, kommt das Spiel mit erstaunlich niedrigen Hardwareanforderungen aus und sollte selbst auf so manchem zehn Jahre alten Rechner sicherlich noch flüssig laufen können. Selbst für den Gelegenheitsspieler auf dem heimischen Bürorechner ist „911 Operator“ somit noch eine gelungene Option, die Spaß für Zwischendurch verspricht.

Fazit:
Realistisches Strategie- und Managementspiel mit einem innovativen Spielkonzept, geringen Hardwareanforderungen und einer glaubwürdigen Darstellung des Alltags eines Disponenten der Notrufleitzentrale.

911 Operator Wertung



16
Sep

Die große Schlacht der Multiplayer-Taktikspiele

Auch nach vielen Jahren liegt der Fokus bei der Videospielmesse Gamescom in Köln immer noch vor allem auf den spannenden Multiplayer-Titeln. Nicht nur im eSport, sondern auch bei den zahlreichen Neuvorstellungen der Publisher hatte man in der Kölnmesse die Gelegenheit, gegen viele andere Spieler anzutreten und die eigene Teamfähigkeit möglichst unter Beweis zu stellen. Besonders beliebt sind dabei vor allem taktisches Multiplayerspiele, bei denen man mit mehreren Verbündeten in den Krieg zieht und ganze Armeen kommandieren muss. In diesem Jahr gab es aus diesem Genre gleich zwei interessante Spiele, die schon bald in einen harten Konkurrenzkampf ziehen dürften. Einerseits natürlich “Mount & Blade II: Bannerlord” von Taleworlds, die mit einem Prequel zu “Mount & Blade: Warband” in die Schlacht ziehen. Andererseits aber auch starke Konkurrenz von Wargaming.net, die sich zuvor mit World of Warships in der Free 2 Play-Gemeinde einen Namen machen konnten und mit “Total War: Arena” einen vergleichbaren Multiplayer-Taktiktitel anzubieten haben, der sich an der Strategiereihe “Total War” orientiert. Beide bieten ein ähnliches Spielkonzept, unterscheiden sich aber in einigen grundlegenden Spielelementen.

Total War Arena

Total War: Arena
In “Total War: Arena” geht es insgesamt nämlich bereits ein wenig strategischer zu, um der Vorlage des Franchises ein wenig besser gerecht zu werden. Das erkennen Spieler bereits daran, dass sie hier nicht ganz nah am Geschehen sind, sondern aus einer zoombaren Vogelperspektive heraus die eigenen Einheiten kommandieren müssen. Stets den Überblick behaltend, dürfen es dann auch gleich mehrere Einheiten sein, denn pro Spieler erhalten wir drei unterschiedliche Einheiten, die wir beliebig herumkommandieren können. Taktische Manöver, wie etwa das Flankieren des Gegners sind also kein Problem. Interessant: Hier ziehen wir nicht nur im klassischen 1vs1-Modus in die Schlacht, sondern können in Teams von bis zu 10 Spielern mit je 3 Einheiten in den Kampf ziehen und dabei wirklich große Schlachten erleben. Ein ausgeklügeltes taktisches Gameplay ist also von Vorteil und das Spiel könnte eine große Herausforderung darstellen, wenn es darum geht, bei maximaler Spieleranzahl den Überblick zu behalten.

Ein wenig mitdenken mussten wir bei unserem ersten Anspielversuch auch deshalb, weil die Positionierung der Einheiten von höchster Wichtigkeit ist. Einfach drauf los kämpfen und hoffen, schon irgendwie den Gegner zu treffen, ging hier nicht: Taucht plötzlich ein Verbündeter im Kampfgetümmel auf, kann es schließlich auch einmal sein, dass unsere Pfeile eben diesen treffen. Auch das macht das Zusammenspiel wichtig und erfordert eine taktisch kluge Aufstellung. Ausweiten möchte Wargaming.net diese Spielweise damit, dass wir auch die Funktion des Kommandanten übernehmen können. Die Ingame-Kommunikation mit anderen Spielern ist also auf verschiedenen Wegen möglich. Nicht nur klassisch via Chat, sondern auch, in dem wir in die Minimap hineinzeichnen können, um etwa Bewegungs- und Formationsbefehle an die Mitspieler zu übergeben. Das dürfte also ein besonderes Extra sein, um ein möglichst hohes Realismusgefühl zu bekommen.

Abwechslung sei dabei auch garantiert, denn “Total War: Arena” kommt mit gleich drei verschiedenen Fraktionen daher. Darin enthalten sind insgesamt zehn verschiedene Commander (darunter auch ein weiblicher) und unzählige verschiedene Einheitentypen. Bereits die Vorbereitung kann also recht interessant sein und eine Absprache zwischen den Spielern erforderlich machen. Schon auf der Gamescom erkannte man: Wargaming setzt bei diesem Spiel vor allem auf den Koop-Gedanken und möchte das tatsächliche Zusammenspiel fördern. Das machte derweil auch schon viel Spaß und schon bald dürfen auch die Daheimgebliebenen das Spiel testen, denn “Total War: Arena” wird als Free 2 Play-Titel erscheinen. Das genaue Finanzierungsmodell ist zwar noch unklar, dürfte sich aber vermutlich an der World of Warships bzw. World of Tanks-Reihe orientieren.

Mount & Blade II: Bannerlord

Mount & Blade II: Bannerlord
Ebenfalls ins Rennen möchte allerdings auch die Konkurrenz: Taleworlds stellte auf der Gamescom nämlich mit “Mount & Blade II: Bannerlord” auch ihren Titel vor und zeigt sieben Jahre nach der Veröffentlichung des Vorgängers eine spielbares Version ihres neuesten Multiplayer-Taktikspiels. Bei einem Anspieltermin hatten wir die Gelegenheit, den neuen Captain Mode in einem spannenden 5 gegen 5-Match mit anderen Pressevertretern anzuspielen. Die Schlachten dürften damit zwar insgesamt ein wenig kleiner werden, als etwa bei “Total War: Arena”, da die Anzahl der Einheiten und Spieler wesentlich geringer ist, aber schon beim Anspielen wurde schnell ersichtlich, warum man sich genau dazu entschieden hat: Hier wird man nämlich nicht in der übersichtlichen Vogelperspektive in die Schlacht geschickt, sondern befindet sich viel näher im Geschehen.

Aus der Verfolgerperspektive steuern wir dabei unseren Kommandanten und können mit komplexen Tastaturbefehlen unserer Einheit entsprechende Anweisungen geben. Dazu gehören auch Bewegungskommandos, Formationsbefehle oder Angriffsaufforderungen. Ganz einfach gestaltet sich das allerdings nicht, denn nicht nur die Befehle sollten genau einstudiert werden, sondern es ist auch wesentlich schwieriger hier überhaupt den Überblick zu behalten. Das Radar am obigen Bildschirmrand zeigt uns zwar die Position der Gegner an, doch speziell nach einem Respawn kann es durchaus passieren, dass wir den Überblick so schnell nicht wieder finden. Eine gewisse Einarbeitungszeit ist in das Spiel also erforderlich – danach kann es aber gerade wegen seines fordernden Charakters sicherlich viel Spaß machen. Insgesamt fühlt sich “Mound & Blade II: Bannerlord” also etwas stärker wie ein Taktik-Shooter an, bei dem die Befehle ein ähnliches Feeling geben, wie etwa in der “Rainbow Six”-Reihe – mit dem Unterschied, dass wir hier natürlich epische Schlachten im Mittelalter geboten bekommen. Wie bei Taleworlds üblich, dürfte es sich bei diesem Titel allerdings nicht um Free 2 Play handeln.

Fazit:
Bereits bei unseren kurzen Anspielterminen auf der Gamescom stellte sich heraus, dass sich beide Spiele zwar grundsätzlich ähneln, sich aber an unterschiedlichen Spielervorlieben orientieren. Bei “Total War: Arena” kommen die Strategen wesentlich mehr auf ihre Kosten, die gerne den Überblick behalten und von oben herab Befehle erteilen, sich dabei aber auch auf größere und komplexere Schlachten freuen dürfen. “Mount & Blade II: Bannerlord” orientiert sich hingegen an waschechten Taktik-Fans, die gerne mitten im Geschehen sind und als Anführer ihre eigene Einheit befehligen. Beide Spiele bieten dabei ein grundsätzlich anderes Gameplay-Feeling.



16
Sep

DAZN: Das Netflix des Nischensports (Test)

Video-on-Demand ist mittlerweile ein immer wichtigeres Thema vor allem im Film- und Serienbereich. Zahlreiche Serienfans greifen heute nicht mehr zum klassischen Datenträger, sondern streamen ihre Lieblingsserien einfach bequem über das Internet auf den heimischen Fernseher. Der große Durchbruch für Betreiber wie Netflix oder Amazon Video kam vor allem durch überzeugende Eigenproduktionen zustande, wie etwa den erfolgreichen Marvel-Serien. Inzwischen spielt Streaming allerdings nicht mehr nur für Serien eine wichtige Rolle, denn auch im Sport versuchen erste Anbieter damit ihren Durchbruch. Einer davon wäre auch DAZN, der sich bisher vor allem mit Nischensportarten einen Namen gemacht hat und mit Live-Übertragungen verschiedenster Veranstaltungen punkten kann.

Das kann dann für so ziemlich jeden interessant werden, der all jene Sportarten und Spiele sehen möchte, die vom üblichen öffentlich-rechtlichen oder privaten Fernsehen kaum bis gar nicht berücksichtigt werden. Denn während etwa die deutsche Bundesliga auf DAZN eher nicht zu finden ist, kommen hier unter anderem die Fans ausländischer Ligen voll und ganz auf ihre Kosten. Italiener dürfen sich somit beispielsweise über die italienische Seria A freuen, die vollständig live übertragen wird und auch die spanischen und französischen Fußballligen spielen durchaus eine wichtige Rolle beim Programm von DAZN. Deutsche Fans dürfen sich dann ab 2018 sogar immerhin auf die Übertragung der Champions League freuen, für die DAZN ebenfalls die Rechte ergattert hat. Man kann also sagen: Dieser Anbieter ist definitiv auf dem aufsteigenden Ast und wird schon bald sicherlich eine größere Rolle auf dem Video-on-Demand-Markt spielen.

DAZN im Test

Der eigentliche Reiz von DAZN liegt aber nicht unbedingt in der Übertragung von Fußball, sondern vor allem in kleineren Nischensportarten, für die es normalerweise eher ein kleineres Publikum gibt. Etwa die Darts-Turniere der Professional Darts Corporation, die in weit größerem Umfang übertragen werden als etwa auf Sport 1 – darunter selbst die Premier League und die Champions League in Groß-Britannien. Oder aber das Darts World Matchplay, bei dem auch kein einziges Spiel auf DAZN fehlen durfte. Den eingefleischten Fans wird nun allerdings bei so mancher Sportart auffallen, dass die Übertragungen doch deutlich vom deutschen Fernsehen abweichen. Etwa dadurch, dass hin und wieder auch einfach Original-Bild und -Ton der britischen Sender BBC oder Sky Sports UK übertragen wird. Nicht bei allen Übertragungen darf man sich also auf deutsche Kommentatoren verlassen und speziell bei Nischensportarten wie dem Dart fällt das natürlich auf, selbst wenn man hin und wieder eine bekannte Größe wie Elmar Paulke hat engagieren können.

Kann man sich damit anfreunden, hin und wieder mit dem englischen Originalton leben zu müssen oder mag diesen sogar lieber, wird DAZN aber auch für andere Sportarten interessant. Mit der NBA, NFL, NHL und Golf kommen schließlich auch die Fans des amerikanischen Sports auf ihre Kosten. Und selbst Motorsport darf nicht fehlen, wenn etwa die ADAC GT Masters oder die Formel 4 vollständig übertragen wird. Ist dann aber glücklicherweise doch mal eine deutsche Kommentation vorhanden, muss man aber auch hier mit Abstrichen leben: Zwischen den englischen Originalkommentaren und den deutschen Kommentatoren wechseln kann man nämlich nicht. Anders als etwa Netflix bei ihren Serien und Filmen überträgt DAZN also nicht zweisprachig, sondern entweder deutsch oder englisch. Da darf man an dieser Stelle wohl nur hoffen, dass die italienische oder spanische Fußball-Liga nie im entsprechenden Original übertragen wird, da dies andernfalls wohl zahlreiche Zuschauer mangels Sprachkenntnisse ausschließen dürfte. Generell würde sich DAZN sicherlich einen Gefallen damit tun, für den deutschen Markt grundsätzlich für alle Übertragungen auch deutsche Kommentare anzubieten. Das schließlich wird der durchschnittliche deutsche Kunde vermutlich auch erwarten.

DAZN im Test

Wirft man nun einen etwas tieferen Blick in das Angebot und betrachtet auch die technischen Aspekte, sieht es für DAZN mitunter durchaus ein wenig schlechter aus als etwa bei der Serienkonkurrenz Netflix und Amazon Video. Bei unserem Test stellten wir fest, dass DAZN für gleiche HD-Bildqualität um einiges mehr Bandbreite benötigt, um tatsächlich flüssig zu laufen. Reichen für Netflix in HD häufig schon 5 bis 6 Mbit/s im Download aus, sollte man bei DAZN den ein oder anderen Megabit an Bandbreite drauf rechnen, um hier eine störungsfreie Übertragung zu gewährleisten. Problematisch auch, dass der Anbieter mit seinem Codec bisher nicht so gut in der Lage ist, die Qualität eigenständig zu regulieren. Reicht die Bandbreite also einmal nicht aus, kommt es zu Bildhängern oder der Stream muss nachgeladen werden, anstatt sich einfach die Auflösung oder Bitrate verringert. Das allerdings ist vor allem für Liveübertragungen von Sportveranstaltungen ziemlich ungünstig, kommt es hier doch eher auf die Aktualität und eine flüssige Wiedergabe als auf optimale Bildqualität an.

Weitere technische Schwächen stellen wir dann auch noch fest, wenn wir uns die Funktionalität der App einmal anschauen. Obwohl der Stream auf dem Smartphone oder dem Tablet zunächst problemlos läuft, könnte vor allem bei Chromecast-Nutzern und anderen Miracast-Anwendern auch schnell Frust aufkommen. Aus irgendeinem Grund verfügt die Android-App nämlich noch über einige schwerwiegende Bugs, die eine Verbindung zu Chromecast gelegentlich unmöglich macht. Erst nach einem Neustart des Geräts lässt sich der Fehler manches Mal beheben. Auch das deutet aktuell noch nicht auf einen optimalen technischen Zustand hin, obwohl zumindest regelmäßige Updates und Patches den Eindruck machen, der Anbieter arbeite weiterhin an der Fehlerbehebung. Grundsätzlich gilt aber: Zum jetzigen Zeitpunkt funktioniert der Stream doch vor allem im Browser auf dem heimischen Computer am besten – wenngleich man sicherlich über die Autowiedergabe im Hauptmenü streiten kann, wenn man über eine eingeschränkte Bandbreite verfügt.

DAZN im Test

Fazit:
Obwohl technisch noch nicht vollkommen ausgereift und im direkten Vergleich zu Netflix & Co mit einem schlechteren Codec arbeitend, kann sich DAZN vor allem für Fans des Nischensports lohnen. Für die Zukunft sehen wir hier großes Potential und rechnen mit einer starken Bedeutung des Anbieters auf dem deutschen Markt.

Was und wo:
DAZN ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Kanada und Japan verfügbar. Die Kosten liegen aktuell bei 9,99 Euro im Monat und das Abo gewährt einen Vollzugang zu allen Live-Übertragungen und Aufzeichnungen früherer Übertragungen. Wie bei den meisten VOD-Anbietern ist der erste Monat kostenlos und kann jederzeit gekündigt werden. Die maximale Auflösung liegt aktuell bei Full HD (1080p) und ist ohne Aufpreis enthalten. Angesehen werden kann DAZN via Browser auf dem heimischen PC, über Mobile App, Smart TV-Apps, Spielekonsolen und Chromecast / FireTV Sticks.



16
Sep

Life is strange: Before the storm

Die junge rebellische Chloe hatte es in ihrem bisherigen Leben wirklich nicht leicht. Erst wird sie von ihrer einst besten Freundin Max im Stich gelassen und dann kommt auch noch ihr Vater bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Seitdem muss sie sich mit ihrem Stiefvater David herumschlagen, den sie überhaupt nicht leiden kann und den sie für den absolut falschen Partner für ihre Mutter hält. Ohne jeglichen gesellschaftlichen Halt und ohne echte freundschaftliche Beziehungen, gerät Chloe schnell auf die schiefe Bahn. Tagsüber schwänzt sie nur allzu gerne die Schule und in der Nacht treibt sie sich regelmäßig auf den wildesten Partys herum – Drogenkonsum inklusive. Ein Glück, dass sie ausgerechnet in dieser schwierigen Zeit doch noch eine neue Freundin auf der Blackwell Academy findet. Doch ob das Glück allzu lange anhalten wird?

Kritik:
Nachdem das mittlerweile stark verbreitete Episodenformat mit eingeschränktem Gameplay einen eher ausgelutschten Eindruck machte, konnte „Life is Strange“ mit seiner Geschichte rund um den Photografie-Nerd Max einst zeigen, dass es auch anders geht: Statt Quicktime-Events, wie etwa bei der Konkurrenz Telltale seit je her üblich, setzte das erste Spiel auf innovative Zeitreisefeatures, anhand derer der Spieler ausprobieren und Fehler revidieren konnte. Das machte nicht nur Spaß, sondern begeisterte vor allem auch Science-Fiction-Fans, die sich häufig als Nerd besonders gut mit der Hauptfigur identifizieren konnten. Der zweite Teil „Before the storm“ spielt nun allerdings vor der Handlung der Vorgängers, erzählt die Geschichte der rebellischen Freundin Chloe und verzichtet vollständig auf das Zeitreisefeature. Dieses Mal sollen wir unsere Entscheidungen also nicht noch einmal ändern können.

Life is strange: Before the storm

Rückkehr nach Arcardia Bay
Trotzdem gelingt es „Before the storm“ problemlos, recht schnell ein Vertrautheitsgefühl zu erzeugen. Immerhin kennen wir einen Großteil des Settings bereits aus dem Vorgänger und haben auch die Charaktere bereits kennengelernt. Die erste Einführung in Chloes Charakter gab es, als Max nach Arcadia Bay zurückkehrte und endlich wieder Kontakt zu ihr aufnahm und wir wissen dann schon recht schnell, wie sie tickt. Doch auch durch die Tatsache, dass Chloe ebenfalls auf die Blackwell Academy geht, sind selbst gleichaltrige Charaktere letztendlich nur alte Bekannte: Hier sehen wir schon in der ersten der drei Episoden die Klassenkameraden wieder, die sich auch charakterlich überhaupt nicht verändert haben. Eine interessante Kleinigkeit bleibt dann aber dennoch: Mit Rachel Amber dreht sich die Story von „Before the storm“ überwiegend vor allem um jene Figur, die im Vorgänger bereits verschollen war. Nur dieses Mal in ihrer lebendigen Form. So bietet sich reichlich erweiterndes Hintergrundwissen und kann durchaus von Vorteil sein, den ersten Teil bereits gespielt zu haben.

Life is strange: Before the storm

Chloe kann auch freundlich
Insgesamt zeigt sich „Before the storm“ auch schnell von einer düstereren und etwas ruppigeren Seite, als noch der Vorgänger in der Rolle von Max. Chloe ist schließlich ein echter Rebell. Eine Außenseiterin und zugleich Draufgängerin. Dass sie bereits in der ersten Szene mit Zigarette auf einem Gleis steht und seelenruhig wartet, bis der Zug angerast kommt und sie womöglich über den Haufen fährt, macht die bedrückende Stimmung sofort unmissverständlich deutlich. Doch genau so muss eine Handlung um Chloe letztendlich auch sein. Und doch hat das auf den ersten Blick ein kleines Problem: Nachdem Spieler doch überwiegend eher Nerd-Tendenzen haben, kann die Identifikation mit Chloe womöglich schwerer fallen, als mit Max. Möchte man schließlich wirklich Drogen nehmen und sich besinnungslos besaufen oder nicht doch lieber den freundlichen Nerd von nebenan spielen? Beruhigung kann aber gegeben werden: In gewissen Grenzen können wir durchaus auch einmal freundlich reagieren und haben oft die freie Wahl, ob wir pampig oder nett auf einen Dialog antworten. Das allerdings nur soweit, dass der eigentliche Charakter von Chloe noch ersichtlich bleibt.

Life is strange: Before the storm

Chloe, der Nerd
Interessant bleibt dabei außerdem, dass Deck Nine nicht vollständig auf die Elemente des ersten Teils verzichtet hat. Denn wer vor allem den nerdigeren Teil des Spiels mag, soll auch in „Before the storm“ gelegentlich auf seine Kosten kommen – etwa, wenn sich herausstellt, dass Chloe liebendgerne Tabletop-Spiele spielt oder gar die Wissenschaft mag, obwohl sie im Unterricht dazu neigt, dramatisch durchzufallen. Nach außen hin überaus tough, im Innern aber eben doch ein wenig der typische Nerd und damit womöglich auch eine interessante Erklärung dafür, wie die Freundschaft zwischen Max und Chloe einst zustande kam. Insgesamt setzt Deck Nine also gekonnt fort, was Dontnod einst angefangen hat: Den Charakteren wurde allesamt reichlich Tiefgründigkeit verliehen und wecken sofort ohne jede Ausnahme das Interesse des Spielers. Geschichten erzählen können die Entwickler also.

Life is strange: Before the storm

Kein vollwertiger Ersatz
Das alles täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass das gelungene Zeitreise-Feature dann eben doch fehlt. In „Before the storm“ dürfen wir uns – ganz typisch für Chloe – stattdessen auf Widerspruchs-Gefechte einlassen und müssen mit Dialogen eine Reaktion unseres Gegenübers provozieren. Das können Widerworte gegen den Stiefvater sein, Beleidigungen gegen irgendwelche Bösewichte oder schlicht draufgängerisches Geschwätz gegenüber Gleichaltrigen. Nur, wenn wir uns schnell genug für die richtigen passenden Antworten entscheiden, fällt die Reaktion am Ende so aus, wie wir uns das wünschen – und dieses Mal können wir nicht die Zeit zurück drehen, um es noch einmal zu versuchen. Hinsichtlich des Gameplays ist das allerdings nicht ganz so aufregend und innovativ, wie die spannenden Science-Fiction-Elemente des Vorgängers, die es uns einst angetan haben. Das macht „Before the storm“ sicherlich noch nicht zu einem schlechten Spiel, vollkommen mithalten kann das Prequel aber auch nicht.

Fazit:
Das Prequel zu „Life is strange“ punktet erneut mit tiefgründigen Charakteren und einer überaus spannenden Handlung, verzichtet aber leider auf das innovative Zeitreisefeature und bleibt damit auf dem Niveau üblicher Episodenspiele.

Life is Strange: Before the Storm Wertung



15
Sep

Train Simulator: Sherman Hill

Die amerikanische Eisenbahn war schon seit je her für ihre kilometerlangen Güterzüge bekannt, statt Passagiere zwischen den großen Städten hin und her zu transportieren. So wurde letztendlich auch die Strecke zwischen Laramie und Cheyenne genutzt, die auf sechzig Meilen über enorme Höhen von bis zu 2500 Metern führt. Viele Menschen leben hier nicht, denn selbst der namensgebende Ort Sherman ist heute nur noch ein Geisterdorf. Auf Bahnhöfe müssen wir in der recht kargen Landschaft also komplett verzichten. Stattdessen beliefern wir die örtlichen Unternehmen und transportieren Fracht zu den Umschlagbahnhöfen. Und die ist mitunter so schwer, dass gleich vier Lokomotiven der Union Pacific Railroad gleichzeitig notwendig sind, um sie über die starken Steigungen zu ziehen. Bei langsamen Geschwindigkeiten stellt „Sherman Hill“ dabei auch eine Herausforderung für die Geduld des Lokführers dar.

Kritik:
Nicht ganz an den üblichen deutschen Vorlieben mag sich die mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommene „Sherman Hill“-Route orientieren. Komplexe Gleisanlagen, Passagierverkehr und hohes Verkehrsaufkommen gibt es eigentlich nicht. Dafür aber derartig lange Güterzüge, dass wir das Ende des Zuges in manchen Fällen nicht einmal mehr sehen können. Das kann zugleich auch eine Herausforderung sein, etwa wenn wir den extrem schweren Zug mit teils riesigen Containerwaggons über eine Steigung bringen müssen und dabei richtig zu kämpfen haben, oder etwa wenn wir geschickt die Bremse kontrollieren müssen, um bei Gefälle nicht unkontrolliert davon zu rasen. Und das ist gar nicht so einfach, denn die empfindlich reagierenden Bremsen können bei Gefälle und falscher Bedienung durchaus auch einmal unter einem Totalversagen leiden. Selbst erfahrene Train Simulator-Spieler kommen dabei schnell an ihre Grenzen.

Train Simulator: Sherman Hill

Leere bis zum Horizont
Für Spieler, die vor allem deutsche und britische Strecken gewöhnt sind, mag nicht nur der schwere Frachtverkehr eher ungewöhnlich sein. Auch die Landschaft wirkt im Vergleich zu hiesigen Strecken doch eher eintönig. Viel Abwechslung gibt es entlang der Strecke, auf der wir stets dieselben Wiesen und dasselbe Ödland sehen, tatsächlich nicht. Man muss mitunter schon fünfzehn bis zwanzig Meilen fahren, um die nächste Ortschaft und die nächsten Gebäude zu entdecken. Dazwischen verläuft die Strecke überwiegend gerade, langsam und optisch wenig anspruchsvoll. Tatsächlich muss man an dieser Stelle hinzufügen: Das entspricht wirklich auch der Realität dieser Strecke. Den ein oder anderen Spieler könnte das aber womöglich langweilen, mit häufig gerade einmal 40 mph durch die Landschaft zu tuckern. Andere wiederum sehen in der recht einschläfernden Strecke auch eine Herausforderung, das Durchhaltevermögen unter Beweis zu stellen. In jedem Fall muss man diese Art von Strecke aber unbedingt mögen und sollte vielleicht schon die ein oder andere amerikanische Route gefahren sein, um einen Kauf in Betracht zu ziehen.

Train Simulator: Sherman Hill

Ein Lokführer kommt selten allein
Interessanterweise versuchen die Entwickler allerdings möglichst alles aus dieser Route rauszuholen, was dazu beiträgt, die Eintönigkeit zu kompensieren. Denn während die Strecke selbst wenig Abwechslung bietet, sind vor allem die Szenarien durchaus unterhaltsam gestaltet. Selbst Kommunikation darf dabei nicht fehlen. In vielen der Karriereszenarien sind wir nämlich mit einem zweiten Lokführer unterwegs, der sich während der Fahrt gerne auch einmal mit uns unterhält. Und auch unvorhersehbare Ereignisse sollen nicht lange auf sich warten. In einem der Szenarien bekommen wir es unter anderem mit der Polizei zu tun und verlieren womöglich Fracht bei voller Fahrt. In einem anderen wiederum wartet ein schwerer Gewittersturm darauf, von uns gemeistert zu werden. Zumindest an dieser Stelle wird also genügend Abwechslung geboten – jedenfalls in den Hauptszenarien.

Train Simulator: Sherman Hill

Durch den Sturm
Eine Sache gestaltet sich bei „Sherman Hill“ darüber hinaus besonders positiv: Die Entwickler legen nämlich hohen Wert auf maximalen Realismus. Das fällt nicht nur bei der kargen Landschaft auf, sondern auch bei den überaus launischen und wechselhaften Wetterverhältnissen in den hohen Lagen. So kann das Wetter innerhalb von Minuten von strahlend blauem Himmel zu einem Gewittersturm mit Starkregen umschlagen. Und auch das entspricht durchaus auch den realen Bedingungen dieser Strecke. Die Wettereffekte des Addons sind dabei so gut gelungen, dass wir bei Starkregen mitunter kaum mehr aus dem Fenster schauen können und der düster-graue Himmel eine gelungene Atmosphäre entfaltet – während leichter Regen wiederum weniger Probleme verursacht. Hier prasselt also nicht nur der „Standardregen“ des Train Simulators auf die Frontscheibe.

Train Simulator: Sherman Hill

Matsch aus der Vergangenheit
Schade ist angesichts dieser gelungenen Wettereffekte allerdings, dass die Route allgemein dann doch ein wenig veraltet in Erscheinung tritt. An vielen Stellen entlang der Strecke fallen uns vor allem recht matschige Bodentexturen auf, die wahrlich nicht mehr dem entsprechen, was wir von aktuelleren Routen gewohnt sind. Und auch das Rollmaterial selbst macht hier und da einen etwas undetaillierten Eindruck. Das macht sich natürlich auch daran bemerkbar, dass wir einige Gegenstände und Knöpfe in den Führerhäusern weniger bedienen können, als inzwischen üblich. Trost kommt aber sicherlich dadurch, dass „Sherman Hill“ mehr als genügend Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten hat und der Spieler reichlich weitere Lokomotiven und Szenarien dazu kaufen kann. Darunter auch diverse wirklich interessante Fahrzeuge.

Train Simulator: Sherman Hill

Gasturbinenlok
Käufer der 2016er Vollversion des Train Simulators erhalten etwa die berühmte riesige Gasturbinenlok der Union Pacific dazu, die mit gleich zwei Motoren daher kommt und einige Besonderheiten zu bieten hat. Einerseits den klassischen Dieselmotor für das Rangieren auf Güterbahnhöfen und andererseits die leistungsstarke Gasturbine, die der Spieler zunächst manuell hochfahren muss, ehe er diese bedienen kann. Die Steuerung eben dieser Lok gestaltet sich im Vergleich zu anderem Rollmaterial somit sichtlich außergewöhnlich und kann richtig Spaß machen. Zumal auch die Animationen schnell punkten können, denn selbst die Vibrationen der Lok sind auf dem Bildschirm leicht erkennbar. Schade ist dann lediglich, dass die Szenarien selbst hierbei nicht ganz so abwechslungsreich gestaltet wurden, wie etwa beim mitgelieferten Rollmaterial.

Train Simulator: Sherman Hill

Umfangreiches Rollmaterial
Aber auch ohne solche Zusatzmaterial enthält die Strecke selbst schon mehr als genügend Lokomotiven. Mit der SD70M, der SD40-2, der ES44C und der SW10 sind dementsprechend bereits standardmäßig vier verschiedene Lokomotivtypen enthalten, die sich auch grundsätzlich anders steuern und ein anderes Brems- und Beschleunigungsverhalten an den Tag legen. Die Schwierigkeit des Transports von schwerer Fracht ist dabei direkt abhängig von Kraft und Bremsverhalten der Lok und realistisch spürbar. So macht zumindest das Fahren selbst bereits recht viel Spaß. Und auch innerhalb eines Szenarios kann der Spieler durchaus auf abwechslungsreichen KI-Verkehr treffen, der keineswegs stets dieselben Lokomotiven an seiner Front hat. Insgesamt überschneidet sich das Rollmaterial dabei sogar mit „Train Sim World: CSX Heavy Haul“ – mit dem Unterschied, dass die Lokomotiven hier alle mit der berühmten Union Pacific-Lackierung aufwarten können.

Train Simulator: Sherman Hill

Weniger Funktionen
Jetzt bleibt natürlich für den Spieler die entscheidende Frage, ob er sich tatsächlich die „Sherman Hill“-Route zulegen soll, oder stattdessen gleich zu „Train Sim World“ greifen sollte. Eines muss man an dieser Stelle natürlich klar sagen: Auf Grund des Alters des Train Simulators sind die Funktionen der Lokomotiven im Vergleich zu TSW natürlich wesentlich eingeschränkt. So lässt sich etwa der Bordcomputer der ES44C nicht wie in Train Sim World bedienen, sondern wird lediglich als abgeschalteter Bildschirm dargestellt. In TSW hingegen lässt sich darüber auch der Rangier-Tempomat steuern, um leichter den Zug beladen zu können. Und auch aussteigen und etwa den Motorraum öffnen, können wir bei „Sherman Hill“ natürlich nicht. Dafür eignet sich die Strecke aber trotzdem vor allem für echte Union Pacific-Fans und all jene, deren Rechner nicht leistungsstark genug für das neuere Spiel sind.

Train Simulator: Sherman Hill

Die größte Dampflok
Übrigens: Interessant kann „Sherman Hill“ auch für echte Dampflok-Fans werden, denn diese Route lässt sich auch durch die enorm große und legendäre „Big Boy“ von Union Pacific erweitern. Und damit erhält man die wohl größte Dampflokomotive, die jemals gebaut wurde. Natürlich muss allerdings auch diese Lokomotive zusätzlich erworben werden, doch wie wir eingangs schon erwähnten: Erweiterungsmöglichkeiten gibt es – gegen entsprechendes Geld – bei diesem Addon mehr als genügend. Ganz zu schweigen von einem zusätzlichen Szenariopaket, das für zehn Euro ebenfalls die Strecke noch einmal um diverse spannende Aufgaben erweitert. Auch ohne dieses Paket darf man sich aber bereits auf eine hohe Spielzeit von deutlich über zehn Stunden freuen.

Train Simulator: Sherman Hill

Lange Fahrten
Das liegt vor allem daran, dass die einzelnen Szenarien mitunter recht lang sind. Für die ein oder andere Aufgabe ist man dann durchaus einmal 90 bis 120 Minuten unterwegs – natürlich auch der relativ langsamen Geschwindigkeit geschuldet. Bei sechs Szenarien an der Zahl (die Gasturbinenlok noch nicht mitgerechnet), kommt da durchaus eine gute Zeit zusammen. Und wenn man Pech hat, darf man so manche Aufgabe sogar erneut erledigen, weil man an einem Punkt gescheitert ist. Ganz einfach gestalten sich die Karriereszenarien nämlich nicht und ein erreichen einer hohen Punktzahl kann ebenfalls schnell eine echte Herausforderung werden. Wer also den Extrem-Güterverkehr liebt und genau in diesem Bereich einige spannende Aufgaben sucht, liegt mit „Sherman Hill“ absolut richtig.

Fazit:
Die mittlerweile etwas in die Jahre gekommene „Sherman Hill“-Route punktet mit schwierigen Frachaufgaben, großer Erweiterbarkeit und durchaus abwechslungsreichen Szenarien. Dafür muss man sich allerdings mit nicht mehr zeitgemäßen Texturen zufrieden geben und auf Passagieraufgaben vollständig verzichten.

Train Simulator: Sherman Hill



25
Aug

Pizza Connection 3: Mafia der Moderne

2017 scheint tatsächlich das Jahr der Neuauflagen zu sein, schaut man sich einmal die verschiedenen Neuankündigungen der diesjährigen Gamescom an. Immerhin ist auch der letzte Teil der “Pizza Connection”-Reihe mittlerweile sage und schreibe 16 Jahre her. Und nun kommen die Entwickler von Assemble Entertainment und beglücken die Fans der beliebten Wirtschaftssimulation mit einem dritten Teil des deutschen Spiele-Hits, in dem Spieler ihre eigenen Pizzen designen konnten und mittels Mafiamethoden gegen die Konkurrenz vorgehen konnten. Und diese Gelegenheit hat man dann auch gleich genutzt, um die Vorgehensweise des eigenen Imperiums ein wenig an die modernen Zeiten anzupassen.

Pizza Connection 3

Das Spielprinzip ist – wie wir auf der Gamescom sehen konnten – auch heute noch ziemlich dasselbe. In erster Linie geht es darum, unsere eigene Pizzarestaurantkette aufzubauen, eigene Pizzen zu kreieren und damit möglichst viel Geld zu verdienen. Und wie man das von einer guten Wirtschaftssimulation erwartet, nutzen die Entwickler natürlich jede Möglichkeit aus, um den Alltag und das Leben der virtuellen Bevölkerung so detailliert wie möglich zu simulieren. Ob Schüler oder Tourist, ob alt oder jung, ob arm oder reich – jede Bevölkerungsschicht in diesem Spiel hat nicht nur einen völlig individuellen Tagesablauf, sondern auch gänzlich verschiedene Vorlieben und Ansprüche, was ihre Essgewohnheiten betrifft. Und genau da gilt es, mit eigenen Strategien anzusetzen und diese Vorliebe für den eigenen Profit zu nutzen.

In einer bereits spielbaren Version zeigte uns Assemble Entertainment gleich mehrere Städte, in denen “Pizza Connection 3″ unter anderem spielen wird. Jede einzelne davon orientiert sich an eher westlichen Regionen und reicht von Südeuropa bis nach Amerika. Ob Rom, Berlin, London oder gleich mitten in den USA – die Voraussetzungen für den Spielerfolg sind grundsätzlich verschieden. Ungewöhnlich ist allerdings, dass man eine Kampagne doch eher kleingehalten hat und diese eher als eine Form des mehrstündigen Tutorials betrachtet. Das eigentliche Spiel soll dann aber tatsächlich im Endlosmodus stattfinden, wo sich der Spieler dann nach Belieben austoben kann.

Dabei wird er es allerdings auch mit der Konkurrenz zu tun bekommen, die es nicht nur mit wirtschaftlichen Methoden auszustechen gilt. Wie auch bereits in den damaligen Vorgängern darf der Spieler hier und da sogar Mafiamethoden anwenden und der Konkurrenz mit unlauteren Mitteln die Kunden abjagen. Dabei setzt man allerdings auf etwas weichere Methoden als damals und möchte die Vorgehensweise ein wenig modernisieren: Statt Schlägertruppen loszuschicken oder Schutzgeld zu erpressen, dienen heute Schmutzkampagnen und Rufschädigungen zu den beliebtesten Methoden. Realistisch angepasst an die heutigen Möglichkeiten der Onlinemedien. “So, wie die Mafia vermutlich heute vorgehen würde”, wie Philipp Keydel, der Producer von Assemble Entertainment in einem Interview verriet.

Pizza Connection 3

Trotz des Konkurrenzkampfes verzichten die Entwickler allerdings vollständig auf einen Multiplayermodus, was insbesondere auch an den Möglichkeiten liegt, die Spielgeschwindigkeit variabel anzupassen. Tatsächlich wäre man wohl in einem Multiplayer lediglich in der Lage gewesen, in der niedrigsten Spielgeschwindigkeit zu spielen und hätte damit vermutlich den ein oder anderen Spieler gelangweilt oder frustriert. Dafür hat man dann allerdings einige interessante Widerspielmöglichkeiten eingebaut, in dem man unter anderem auch auf ein Forschungsmenü setzt, bei dem man die Technologien für sein eigenes Unternehmen auf verschiedene Arten voranbringen kann – und so womöglich einen Anreiz hat, einen weiteren Versuch auf anderem Wege zu starten.

Bereits in der gezeigten Entwicklerversion auf der Gamescom sah “Pizza Connection 3″ nach einem gut und stabil laufenden Spiel aus, das mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Release in einem hervorragenden Zustand fertig werden dürfte. Somit dürfen sich Fans des Klassikers also auf einen potentiell gelungenen Release im Anfang 2018 freuen.



25
Aug

We. The Revolution: Richter auf den Spuren von Orwell

Einmal im Leben in die Rolle eines Richters schlüpfen und über Leben und Tod entscheiden, würde wohl so mancher gerne einmal. In “We. The Revolution”, dem neuesten Spiel aus dem Hause Klabater ist das tatsächlich möglich. Und zwar während der französischen Revolution, in der Macht und Intrigen eine große Rolle spielen. In der bereits anspielbaren Version auf der Gamescom stellte man dann auch schnell fest: In diesem Spiel geht es gar nicht so sehr um Action. Kampfszenen aus der Revolution finden wir eher weniger. Stattdessen handelt es sich um einen Richter mit dem ein oder anderen Problem, in dessen Rolle wir uns an das Pult des Gerichtssaals setzen und Urteile fällen. Im Mittelpunkt des Spiels stehen also vor allem Entscheidungen, die auch über unsere eigene Zukunft entscheiden können – je nachdem, wem wir mit unseren Urteilen missfallen oder wie wir die politische Situation zu unserem Gunsten verwenden können.

We. The Revolution

Ein Großteil des Spiels verbringen wir also auf einem Gerichtsbildschirm, bei dem wir wichtige Unterlagen direkt vor uns sehen. Ein Gesetzesbuch links, die Akte des Angeklagten in der Mitte, rechts dann die eigenen Notizen und das Formblatt für das spätere Urteil. Anhand der Akten müssen wir dann wichtige Fakten miteinander verbinden und daraufhin unseren Angeklagten befragen. Doch wir haben nur mehrere Versuche: Mehrfach die falschen Fakten verbunden und die Befragungsmöglichkeit verschwindet im Nichts, weil wir nie auf die passende Frage stoßen. Die Fakten jedoch richtig verbunden und wir finden mehr und mehr Details heraus, die sich auch auf die Meinung der Geschworenen auswirken. Am Ende gilt es, ein Urteil zu sprechen – etwa Freispruch, Gefängnis oder ein Todesurteil. Doch was passiert, wenn wir entgegen der Meinung der Geschworenen entscheiden? Oder etwa mächtige Personen verärgern? Und können wir die Geschworenen womöglich sogar beeinflussen?

“We. The Revolution” hat also ein wirklich innovatives Spielkonzept um politische Machtspielchen und das geschickte Ausspielen von Meinungen und Intrigen – und das, obwohl wir uns fast nur durch Menüs und Dialoge hangeln. Mit einer Ausnahme: Abseits des Gerichtsalltags erleben wir tatsächlich auch eine Story. Etwa, wenn wir als Richter einmal zuhause sind und auf die eigene Familie treffen. Und auch die Geschehnisse in der Stadt werden durch unsere Urteile beeinflusst. Den ein oder anderen Aufstand gibt es vielleicht nur deshalb, weil wir ein unliebsames Urteil gesprochen haben, das bei der Bevölkerung so ganz und gar nicht ankommt. Noch dazu die Problematik, dass wir womöglich auch die Akten einmal falsch deuten oder schlicht die falschen Schlussfolgerungen ziehen. Und überhaupt: Wie sollte man wohl als moderner Mensch, der in der heutigen Gesellschaft aufgewachsen ist, mit gutem Gewissen ein Todesurteil sprechen können. Gerade hier stellt uns “We. The Revolution” auf eine interessante Probe, die potentiell sogar einen Widerspielwert bieten könnte, weil wir vielleicht beim einen Versuch unserem Gewissen folgen und bei einem anderen vielleicht die Meinung der Geschworenen beachten.

We. The Revolution

Übrigens: Passend zu diesem interessanten politischen Thema, liefert “We. The Revolution” auch gleich den passenden Grafikstil mit. Denn die Personen sind im typischen Polygon-Look gehalten, den wir vor einiger Zeit auch schon im innovativen Spiel “Orwell” zu sehen bekamen. Damit entfaltet auch dieses Spiel recht schnell seinen ganz eigenen Charme und wir bekommen den Eindruck, einen interessanten “Thriller” geboten zu bekommen, der mit einfachen Mitteln doch reichlich Spielspaß bieten könnte.



25
Aug

Rising World: “Mehr Indie geht nicht”

Bereits seit drei Jahren befindet sich das Survival-Game “Rising World” im Early Access auf Steam und trotzdem dürfte ein finaler Release noch immer ein wenig dauern. Bei dem ein oder anderen Spieler mag das sicherlich etwas Unmut auslösen, dass die Entwicklung mitunter doch sehr schleppend voran geht. Auf der Gamescom allerdings waren auch die Entwickler von JIW-Games vertreten und zeigen: Auch an diesem Spiel wird weiterhin gearbeitet. Im Interview mit einem der Entwickler erfuhren wird, welche Inhalte in den nächsten Monaten noch geplant sind und warum die Entwicklung eines solchen Spiels manchmal ein wenig länger dauert.

Rising World

Die Besonderheit von “Rising World” liegt nämlich tatsächlich darin, dass die Objekte innerhalb der Spielwelt allesamt keine festen Objekte sind. Stattdessen handelt es sich um veränderbare und zerstörbare Gegenstände, bei denen jeder einzelne Holzbalken bei Bedarf auseinander genommen werden kann. Ob Holzbretter an einem Fachwerkhaus, der Rahmen eines Fasses oder gar der Boden der abwechslungsreichen Landschaft: Einmal mit einer Spitzhacke oder einem anderen Objekt darauf eingeschlagen, lässt sich alles verändern und verwerten. Das macht allerdings auch das Objektdesign des Spiels einerseits so aufwändig, weshalb die Entwicklungszeit mitunter etwas länger dauert. Andererseits bietet sich der Vorteil einer vollständig variablen Welt, in der selbst Tunnelsysteme eigens ausgestattet werden können. Eine Art Minecraft für Survival Games also.

Rising World

Interessant ist außerdem, dass es sich bei dem deutschen Entwicklerstudio aus Meschede tatsächlich um ein Indiestudio handelt. Gerade einmal drei Entwickler sind an der Produktion dieses Spiels beteiligt. “Mehr Indie geht nicht”, wie einer der Entwickler bei einer Präsentation auf der Gamescom erwähnte. Und diese drei Entwickler haben noch reichlich Arbeit vor sich, denn die Liste der geplanten Features auf der Webseite ist lang. Eines davon wurde bereits umgesetzt, denn Tiere sind in der aktuellen Entwicklerversion bereits enthalten und nutzbar. NPC-Charaktere, mit denen der Spieler interagieren kann, sollen dann als nächstes Folgen. Ebenso die Darstellung einer Hand, damit getragene Objekte nicht mehr frei in der Luft schweben und “Rising World” optisch ein wenig hübscher wird. Spätestens nach einem Blick in den Entwicklungsstatus ist immerhin zu erwarten, dass dieses Survival Game irgendwann einmal tatsächlich aus dem Early Access-Status entlassen werden kann. Doch bei solch kleinen Teams gilt wohl: Gut Ding, will Weile haben.