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21
Mrz

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Neuer Job, neue Herausforderung: Gerade erst die neue Stelle beim amerikanischen Eisenbahnunternehmen CSX Transportation angetreten, müssen wir uns auch schon mit der Bedienung von schweren Güterzuglokomotiven vertraut machen. Dort nämlich kann die Arbeit des Lokführers schnell richtig anstrengend werden und übersteigt das einfache Bedienen von Schaltern und Hebeln bei weitem. Weichen wollen per Hand gelegt, Güterwaggons manuell abgekoppelt werden und auch die Funktionsweise der Lokomotive selbst muss bis hin zum Motorraum und der Handbremse bestens einstudiert werden. Kein leichter Job also, wenn es heißt, kilometerlange gleich doppelstöckige Containerzüge den Berg der Sand Patch Grade hinauf zu bringen, oder beim nächsten Braunkohlebergwerk die Rohstoffe zu beladen. Kommen dann auch noch Mehrfachtraktionen in Sandwichformation hinzu, die bis zu fünf Lokomotiven betreffen können, entwickelt sich aus der einfachen Bahnfahrt schnell ein richtiger Schwertransport…

Kritik:
Viele Jahre haben die Entwickler es angekündigt, doch nun ist es endlich so weit: Der berühmte Train Simulator sollte eine neue Engine bekommen. Dabei verpasst man dem alten Spiel allerdings nicht einfach ein Update, sondern liefert gleich ein eigenes Standalone-Spiel mit: „Train Sim World: CSX Heavy Haul“ soll somit der Nachfolger der beliebten Eisenbahnsimulation werden und das Genre nicht nur auf den aktuellen Stand bringen, sondern auch noch einiges besser machen.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Wenig Änderung seit der Beta
Die Erwartungen waren schließlich ziemlich groß, seitdem einige Spieler und Vorbesteller bereits im Dezember in den Genuss des Spiels kommen und einen ersten Blick erhaschen konnten. Das Feedback fiel zugleich nicht ausschließlich positiv aus, fehlten doch so manche interessante Features. So konnten sich Spieler vor allem mit dem Punktesystem nicht so recht anfreunden, die Signalschaltungen funktionierten nicht immer korrekt und massive Performanceprobleme machten selbst High-End-Rechnern zu schaffen. Nachdem die Entwickler bis zum Release einiges an Verbesserungen versprachen, ist die Ernüchterung nun umso größer: An den Performanceproblemen hat sich derweil nur sehr wenig geändert, denn selbst auf der aktuellsten Grafikkartengeneration klagen so manche Spieler von Framerates unterhalb der 30 fps-Marke. Das ist ein echtes Problem, das den Spielspaß enorm trübt. Immerhin: Die Signalschaltungen funktionieren nun tadellos.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Hoher Detailgrad der Simulation
Dabei ist „Train Sim World“ keineswegs ein schlechtes Spiel, ganz im Gegenteil. Schaut man sich den enormen Grad der Simulationsdetails einmal genau an, kann man von dem Spiel durchaus schnell begeistert sind. Im Führerhaus ist nahezu jeder Knopf bedienbar und das betrifft nicht nur allein die eigentliche Fahrsteuerung. So müssen wir in einigen Szenarien sogar die Lokomotive manuell aufrüsten, können den Sicherungskasten bedienen oder gar den Motorraum öffnen. Die Heizung funktioniert, der Ventilator lässt sich einschalten, jede einzelne Sonnenblende verstellen und sogar ein interaktives Display zur Geschwindigkeitskontrolle beim Rangieren lässt sich bedienen. All das sind Neuerungen, die es so beim Vorgänger nicht gab und auch nur in wenigen hochwertigen Erweiterungen eher rudimentär umgesetzt wurden. Das Potential ist also durchaus vorhanden, zu einer erstklassigen Simulation zu werden.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Theorie und Praxis
Damit die Bedienung der Lokomotive dabei nicht zu schwer wird, gibt es einige umfangreiche Tutorials, die uns die Bedienung der Fahrzeuge grundlegend erklären. Dabei bietet sich sowohl Theorie, als auch Praxis, etwa wenn es um die korrekte Bedienung der drei verschiedenen Bremssysteme geht, die allesamt innerhalb der Lokomotiven simuliert wurden. Das Rangiersystem wird uns in einem weiteren Tutorial ebenso beigebracht, wie das Beladen von Kohle oder das Auftanken der Lok an einer entsprechenden Tankstelle. Gleichzeitig spielt wiederum aber auch die Verwendung einer Drehscheibe eine wichtige Rolle, ist sie immerhin Teil des riesigen Güterbahnhofs. Es empfiehlt sich gerade für Einsteiger also, das Tutorial unbedingt zu spielen. Wenig durchdacht ist unterdessen allerdings, dass das manuelle Aufrüsten einer Lokomotive erst in einem der Hauptszenarien erklärt wird und sonst nur in der englischen Anleitung nachzulesen ist. Wer gleich nach dem Tutorial in die freie Fahrt wechseln möchte, wird daher auf Probleme stoßen. Ganz zu schweigen von einem mangelnden Tutorial zum amerikanischen Signalsystem, das grundlegend von den deutschen Signalen abweicht und daher für deutsche Spieler des Train Simulators eine ungewohnte Neuheit darstellen könnte. Da hat man also nicht an alles gedacht, auch wenn das Fahren einer Lok nach den Tutorials grundsätzlich klappen mag.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Einmal selbst Hand anlegen
Ebenso neu und ungewohnt für einen Eisenbahnsimulator ist derweil, dass wir in der Ego-Perspektive tatsächlich aus unserer Lokomotive aussteigen und den realen Arbeitsablauf eines Bahnmitarbeiters erleben dürfen. So müssen wir also tatsächlich aus unserem Führerhaus aussteigen, um Weichen umzulegen, Waggons abzukoppeln, die Lok zu betanken oder die Drehscheibe zu bedienen. In „Train Sim World“ klappt das alles nicht mehr einfach per Klick auf die Karte, sondern muss nach realistischen Abläufen manuell erfolgen. Bei einem mehr als eine Meile langen Güterzug kann das Laufen zur hinten in Sandwich-Formation angekoppelten Lok allerdings auch mal etwas nervig und frustrierend sein, hatten wir schließlich nicht damit gerechnet, in einer Eisenbahnsimulation mal eben zehn Minuten herumlaufen zu müssen. In Amerika wirken Güterzüge nämlich doch schier endlos.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Unpassendes Erfahrungssystem
Eine weitere Neuerung ist übrigens das Erfahrungssystem, das nun Einzug in den Simulator gehalten hat. Der Sinn dessen konnte sich uns allerdings bisher noch nicht ganz erschließen, scheint dieses System mitsamt seinem Feedback doch einfach nicht so recht auf das Genre der Eisenbahnsimulation zugeschnitten zu sein. So erhalten wir beispielsweise Erfahrungspunkte für das Betätigen von Schaltern, obwohl dies früher oder später zum normalen, selbstverständlichen Arbeitsablauf gehören sollte. Für die eigentliche Fahrweise hingegen gibt es keinerlei Feedback. Anders als noch in „Train Simulator 2017“ erhalten wir hier nämlich keine(n) Punkte(abzug) für Pünktlichkeit, Geschwindigkeitsüberschreitungen und andere Handlungen. Auch nach Ende eines Szenarios bleibt das Feedback zu unserer Fahrweise komplett aus. Spätestens, wenn mit einem zukünftigen Szenario auch Passagierverkehr hinzu kommt, dürfte dies wohl eines der wichtigsten Features sein, welches Spieler vermissen könnten.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Fracht durch Amerika
Apropos Passagierverkehr: Eisenbahnfans, die lieber Fahrgäste durch die Gegend kutschieren und am liebsten an jedem Bahnhof anhalten möchten, werden bei „Train Sim World“ bisher noch nicht auf ihre Kosten kommen. Bisher ist nämlich lediglich eine einzige amerikanische Route enthalten, die sich auch ausschließlich auf Güter- und Rangieraufgaben beschränkt. Ganz klassisch amerikanisch fahren wir also meistens extrem lange und schwere Güterzüge umher, oder rangieren auf einem riesigen Güterbahnhof. Das kann zwar durch die Schwere und Länge des Zuges und mitunter schwierigen Witterungsverhältnissen ebenfalls spannend werden, könnte aber vor allem jenen Spielern keinen Spaß machen, die ungern mit weniger als 50 Meilen pro Stunde unterwegs sind. Hat man bereits die amerikanischen Strecken des „Train Simulator 2017“ als eher langweilig empfunden, könnte dies auch hier schnell der Fall sein.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Realistische Fahrzeiten
Dafür allerdings kommen Fans des amerikanischen Güterverkehrs umso mehr auf ihre Kosten, denn die Szenarien können sich durchaus sehen lassen. Mit einer jeweiligen Länge zwischen 30 und 180 Minuten wird dabei immerhin eine realistische Fahrzeit simuliert, die auch in der Realität vermutlich vorkommen dürfte. Das bietet dann sowohl Aufgaben für Zwischendurch, als auch umfangreichere Szenarien für längere Spielesessions. Noch dazu gibt es ein paar mehr Szenarien, als dies bisher in einigen TS2017-Addons üblich war. Man kann also durchaus von einem akzeptablen Spielumfang sprechen, der sein Geld wert ist. Und wer nach den Szenarien immer noch nicht genug hat, findet mit dem neuen Fahrplan-Modus auf dem Lokauswahlbildschirm mehr als dreißig weitere Aufgaben, bei denen wir fahrplanmäßige Züge an ihren Zielort bringen. Die Gesamtpielzeit für die Szenarien beträgt dabei etwa 14 bis 15 Stunden und mindestens noch einmal dieselbe Spielzeit kann für das Spielen des Fahrplan-Modus aufgerechnet werden.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Zukünftiges Potential
Bis „Train Sim World“ allerdings sein volles Potential gänzlich entfalten kann, sind weitere wichtige Optimierungen nötig. Insbesondere sollten die Entwickler die Performanceprobleme dringend beseitigen, trüben diese den Spielspaß doch am meisten. Interessant wird aber vor allem das Herumlaufen in Ego-Perspektive, das weitaus komplexere Szenarien ermöglicht, als wir sie bisher erlebt haben. Problemlos ist es also möglich, während eines einzelnen Szenarios die Fahrzeuge zu wechseln und mehrere Lokomotiven nacheinander zu steuern. In einigen der enthaltenen Szenarien müssen wir dies sogar tun und dürfen uns die Reihenfolge der Arbeitsabläufe mitunter aussuchen. Spannend kann das aber auch bei der Inszenierung realistischer Fahrten werden, wenn wir etwa auf Grund von defekten Türen oder randalierender Fahrgäste einmal unser Führerhaus verlassen müssen. Selbst Szenarien als interaktiver Schaffner wären problemlos denkbar, jetzt da wir uns frei bewegen können. Die Möglichkeiten scheinen aktuell also schier endlos – wäre da nur nicht das Fehlen des Streckeneditors, der es aktuell praktisch unmöglich macht, dass Entwickler und andere Spieler eigene Strecken entwickeln. Ehe dieser nicht implementiert wurde, können wir auf neuen Content vermutlich lange warten.

Train Sim World: CSX Heavy Haul

Wunderschöner Hardwarehunger
Verfügt man aber tatsächlich über einen aktuellen leistungsstarken High-End-Rechner und ist noch dazu Eisenbahnfan, lohnt sich der Kauf bereits jetzt. Denn im Gegensatz zum Vorgänger handelt es sich bei „Train Sim World“ tatsächlich um eine Simulation mit wunderschöner Grafik. Stellt man die Einstellungen auf „Ultra“ und die Screen Percentage auf 200% – was sozusagen einem 2-fachen Supersampling entspricht – braucht sich das Spiel keineswegs vor anderen aktuellen AAA-Titeln zu verstecken. Optisch könnte man das Spiel momentan als die bestaussehende Simulation auf dem gesamten Spielemarkt bezeichnen. Das allein dürfte angesichts zahlreicher eher minderqualitativer Simulationen bereits ein Alleinstellungsmerkmal sein. Ganz besonders, seitdem man auch die Post Processing-Effekte verbessert hat, die in der Beta stellenweise noch für etwas seltsame Beleuchtung sorgten.

Fazit:
Der neue Eisenbahnsimulator aus dem Hause Dovetail Games überzeugt mit seinem hohen Detailgrad bei der Simulation, der Ego-Perspektive, der wunderschönen Grafik und den komplexeren Szenarien. Dass sich allerdings seit der Beta entgegen den Versprechungen der Entwickler nur wenig verändert hat und massive Performanceprobleme immer noch vorhanden sind, sorgt derweil für Ernüchterung. Doch auch das wenig sinnvolle Punktesystem dürfte nicht unbedingt dem Geschmack eingefleischter Train Simulator-Fans entsprechen.

Train Sim World: CSX Heavy Haul Wertung



21
Mrz

Karlsruhe bekommt seine eigene Comic Con

Film und Comic Con KarlsruheIm vergangenen Jahr war die Sensation noch groß: Die riesigen und beliebten “Comic Con”-Veranstaltungen, die viele eigentlich nur aus den USA kannten, kamen endlich auch nach Deutschland. Mittlerweile allerdings ist der Markt ein bisschen größer geworden und bereits drei verschiedene Veranstalter bereichern die Convention-Landschaft mit eigenen Comic Cons. In diesem Jahr möchte die MHS Events GmbH auch in der baden-württembergischen Stadt Karlsruhe ihre erste eigene “Film und Comic Con” veranstalten. Dabei verschlägt es das Event in die großen Messehallen von Karlsruhe und geht vom 29. bis 30. Juli 2017 ein wenig in direkte Konkurrenz zu der wenige Wochen zuvor stattfindenden Comic Con Germany in Stuttgart.

Bisher haben die Karlsruher auch schon drei interessante Stargäste angekündigt. So dürfen sich Fans der Serie “Torchwood” etwa auf den beliebten Gareth David-Lloyd freuen, der in drei Staffeln die Rolle des Ianto übernommen hat. Außerdem sind angekündigt: Esme Bianco aus “Game of Thrones” und Jon Davey, der bereits zahlreiche Monster und Außerirdische in der britischen Kultserie “Doctor Who” verkörpern durfte. In den interessanten Q&A-Panels haben die Besucher und Fans also die Möglichkeit, ihn einmal darüber auszufragen, wie er sich wohl unter den engen Kostümen der Cybermen und Daleks gefühlt hat.

Dazu erwarten den Besucher natürlich wie üblich spannende Autogrammstunden und Fotosessions, zahlreiche Händler und Zeichner, sowie mindestens ebenso viele Cosplayer, die sich liebendgern mit den Fans ablichten lassen. Preise liegen bei 20 Euro für Tageskarten und 36 Euro für das gesamte Wochenende. Weitere Infos findet ihr unter filmundcomiccon.com.



18
Mrz

Sniper Elite 4

Geheimagent und Eliteschütze Karl Fairburne muss nach seinen aufregenden Kämpfen gegen das Deutsche Afrikakorps feststellen, dass der Krieg längst kein Ende gefunden hat. Im Jahre 1943 ist dieser längst noch in vollem Gange und den Scharfschützen verschlägt es dieses Mal in das vermeintlich idyllische Italien. Truppen der Deutschen Wehrmacht machen dort die Städte unsicher und Fairburnes Aufgabe ist es fortan, ihre Pläne zu durchkreuzen und wichtige hochrangige SS-Offiziere unschädlich zu machen. Dieses Mal steht er allerdings nicht gänzlich allein in der Schlacht: Gemeinsam mit Alliierten und italienischen Partisanen kämpft er auf den Straßen von Italien und trägt seinen Teil dazu bei, dass die Nazis den Zweiten Weltkrieg nicht gewinnen werden…

Kritik:
Fans der beliebten Stealth-Shooter-Reihe dürfen sich freuen: Der neueste „Sniper Elite“-Ableger hält an den Stärken seines Vorgängers fest und erweitert das Spielerlebnis mit einigen Neuerungen. Dieses Mal schlüpfen wir erneut in die Rolle des Scharfschützen Karl Fairburne und sollten uns nicht zu sehr von der optischen Idylle Italiens ablenken lassen. Denn der Ausgang des Krieges gegen die Deutschen liegt in unseren Händen.

Sniper Elite 4

Stealth vs. Konfrontation
Dabei hat sich am eigentlichen Spielprinzip zunächst nichts grundlegendes geändert. Erneut setzt „Sniper Elite 4“ vor allem auf das versteckte Vorgehen mit seinen Stealth-Elementen, lässt dem Spieler aber jederzeit die Möglichkeit, auch in die offene Konfrontation zu gehen. Dabei lädt der Shooter aber geradezu dazu ein, verdeckt vorzugehen, sich vor den Gegnern zu verstecken und diese aus einem Hinterhalt heraus niederzustechen. Für den Kern des Spielerlebnisses, das Schießen mit dem Scharfschützengewehr, setzt man dabei auch dieses Mal auf bewährte Gameplay-Stilmittel, wie etwa das Ausnutzen von Geräuschen. Macht ein Objekt in der Umgebung kurzfristig Lärm oder fliegen Flugzeuge über unseren Kopf hinweg, sind diese wenigen Sekunden genau unser Moment: Die Luft wird angehalten, das Ziel anvisiert und genau an dem Moment gefeuert, wenn das Geräusch ertönt. Damit sorgen wir mit dem richtigen Timing dafür, dass die Gegner uns nicht hören und folglich unsere Position nicht ausmachen können. Geduld spielt dabei allerdings eine wichtige Rolle, denn der offene Kampf – auch wenn er durchaus möglich ist – gestaltet sich wesentlich schwieriger. Die Wahl des Vorgehens bleibt aber beim Spieler.

Sniper Elite 4

Lautlose Munition
Damit unsere leise und unentdeckte Spielweise nun ein wenig unterstützt wird, haben sich die Entwickler einige spannende Neuerungen ausgedacht. So verfügen wir nun auch über Ultraschall-Munition, die mit einigen ausgewählten Waffen – darunter auch Scharfschützengewehre – abgefeuert werden kann. Mit dieser Munition besteht für uns die Möglichkeit, auch dann lautlos zu feuern, wenn gerade kein Krach in der Nähe ist und auch kein solcher zu erwarten sein wird. Spannend bleibt es aber dennoch, denn die Anzahl dieser Munition ist stets begrenzt und muss deswegen zurückhaltend verwendet werden. Es liegt dabei stets am Spieler einzuschätzen, wann er diese Munition benötigt und wann ein anderes Vorgehen sinnvoller erscheint. Nichts desto trotz gibt uns „Sniper Elite 4“ damit ein interessantes taktisches Element, das vor allem Stealth-Gamer umso mehr erfreuen wird. Schade ist unterdessen allerdings, dass gänzlich lautlose Waffen mit Schalldämpfer lediglich über einen kostenpflichtigen DLC erworben werden können. Ob die Anschaffung angesichts des Schwierigkeitsgrades und der Dramatik sinnvoll ist, sei allerdings mal dahin gestellt – denn gerade hierdurch würde die Spannung, welche durch begrenzte Ultraschall-Munition entsteht, verflogen gehen und das Spiel womöglich etwas zu einfach werden.

Sniper Elite 4

Flankierende Gegner
Immerhin ist die Geräuschkulisse eines der wichtigsten Spielelemente, welches auch dafür sorgt, dass die Gegner auf uns reagieren. Verpassen wir nämlich den richtigen Moment, kann Triangulation dazu führen, dass die Gegner unsere Position ausfindig machen können. Spätestens bei mehrfachem Abschuss ohne Übertönung kennen die Feinde unseren exakten Aufenthaltsort und machen sich prompt auf den Weg. Ebenfalls neu ist dabei allerdings, dass sich die KI längst nicht mehr so dumm anstellt, wie noch im dritten Teil. Dieses Mal nutzt sie aktiv Flanken aus und umkreist uns nach Möglichkeit sogar. Ein Entkommen ist somit gar nicht mehr so einfach wie zuvor, wenn der Gegner uns erst einmal entdeckt hat. Spannend ist dabei auch, dass die Feinde dabei regelmäßig einen anderen Weg verwenden. Sterben wir also und laden den Spielstand neu, kann es durchaus passieren, dass die KI beim nächsten Mal einen anderen Weg wählt. So bleibt das Spielerlebnis einigermaßen unvorhersehbar. Da bleibt es nur schade, dass die KI immer noch gelegentliche Aussetzer hat, sodass diese mitunter an Gegenständen hängen bleibt oder uns einmal in einer Deckung nicht sieht, obwohl sie direkt zu uns schaut. Ein paar kleinere Optimierungen, über die wir allerdings getrost hinweg sehen können, wären also immer noch empfehlenswert.

Sniper Elite 4

Gegnerische Scharfschützen
Ob und wie die Feinde allerdings vorgehen, hängt mitunter auch von ihrem Dienstrang ab. So agieren Jäger deutlich intelligenter und flinker, als ihre niedrigeren Kameraden. Ganz besonders harte Ziele können unterdessen gegnerische Scharfschützen sein, die sich gelegentlich an einem höher gelegenen Aussichtspunkt aufhalten. Diese sind für uns nicht nur kleidungstechnisch schwerer zu erkennen, sondern können uns durch die große Entfernung oft bereits ins Visier nehmen, ehe wir sie entdeckt haben. Dass dies allerdings auch andersrum funktioniert, macht „Sniper Elite 4“ besonders spannend, denn ein genaues Auskundschaften der Umgebung mit einem Fernglas kann häufig von Vorteil sein. Taktisch ist das ohnehin sinnvoll, da wir so unsere Gegner markieren und anschließend ihren Aufenthaltsort genauestens verfolgen können. Praktisch derweil aber, dass Scharfschützen gerne einmal das Licht reflektieren und wir sie gerade dadurch womöglich leichter erkennen.

Sniper Elite 4

In den Tiefen des Waldes
Dass es allerdings nicht allzu einfach wird, dafür sorgt derweil das Leveldesign, das sich mehr als nur sehen kann und sich überaus positiv vom Vorgänger abgrenzt. Dieses Mal bekommen wir es mit recht großen, frei begehbaren Maps zu tun, auf denen wir unsere Ziele in beliebiger Reihenfolge durchführen können. So befinden wir uns mal auf einer Insel, ein anderes Mal auf den italienischen Straßen und an anderer Stelle müssen wir gar ein Viadukt in die Luft jagen, welches sich im Innern eines tief bewachsenen Waldes befindet. Gerade bei letzterem können Scharfschützen wiederum zu einer interessanten Herausforderung werden, denn zwischen all den Bäumen sind Gegner nicht immer ganz so leicht erkennbar, wie wir das gewohnt sind. Ganz davon abgesehen, dass so ein Viadukt ohnehin bereits einen echten Augenschmaus darstellt. Nebenbei haben wir nun auch schon ein weiteres Kernelement des Spiels erläutert: Denn neben mehreren Primärzielen, bekommen wir nun auch in jedem Level zahlreiche optionale Ziele geboten. Das Erledigen aller Ziele dauert dabei häufig im Schnitt um die zwei Stunden, sodass die Kampagne um einiges länger ist, als noch in allen Vorgängern.

Sniper Elite 4

Italienische Verbündete
Die optionalen Ziele erhalten wir allerdings nicht nur rein zufällig. Vor Beginn einer jeden Mission, haben wir schließlich die Möglichkeit, uns mit unseren Verbündeten – darüber meist auch die Partisanen – zu unterhalten. Diese beliefern uns nicht nur mit wichtigen Informationen zur Situation und den Gegnern, sondern auch mit optionalen Zielen, die wir – wenn es nach ihnen geht – möglichst ausschalten, um ihrer eigenen Operation ein wenig unter die Arme zu greifen. Schade ist dabei, dass all diese Figuren zwar interessant gestaltet sind, aber spielerisch kaum eine Rolle spielen. Ein echtes Koop im Singleplayer-Modus mit anderen NPCs bekommen wir also nicht geboten, sodass wir stets alleine unterwegs sind. Im Glücksfall kann es allerdings passieren, dass wir inmitten der Stadt auf kämpfende Partisanen stoßen, die wir im Kampf unterstützen dürfen oder die für uns den ein oder anderen Gegner erledigen. So sind wir zumindest nicht immer ganz alleine unterwegs.

Sniper Elite 4

Kämpfen mit Freunden
Apropos Koop: Wer sich einmal an den Multiplayer-Modus wagt, wird feststellen, dass er die Kampagnen-Missione nicht zwingend tatsächlich alleine durchführen muss. Im Koop-Modus dürfen wir uns einmal mehr gemeinsam mit einem Freund in die Schlacht begeben und die gesamten Story-Kampagne auch zu zweit durchführen. War das im Vorgänger auf Grund der zahlreichen Zwischensequenzen und der linearen Missionsziele noch eher schlecht umgesetzt, macht dieser in „Sniper Elite 4“ nun um einiges mehr Spaß. Die Häufigkeit verschiedener primärer und optionaler Ziele lässt uns dabei freie Wahl, ob beide Spieler ein jeweils eigenes Ziel verfolgen, um die Mission so schneller zu erledigen, oder gemeinsam vorgehen und sich an Ort und Stelle unterstützen. So kann ein Spieler beispielsweise die Situation auskundschaften und der andere übernimmt den aktiven Scharfschützen. In einem weiteren neuen Multiplayer-Modus geht es sogar spezifisch um diese Art von Zusammenarbeit. Damit steht fest, dass die Entwickler den Multiplayer-Part der Spielereihe im vierten Teil erheblich verbessert haben.

Sniper Elite 4

Rudimentärer Fähigkeitenbaum
Gerade im Hinblick auf den Koop-Modus ist es allerdings besonders schade, dass das Skillsystem ein wenig zu einfach gestaltet wurde. Nach jedem fünften Level unserer Figur haben wir somit die Möglichkeit, eine neue Fähigkeit freizuschalten. Dummerweise können wir dabei allerdings lediglich zwischen einer von zwei möglichen Fähigkeiten wählen und unsere Figur nicht auf komplexe Weise spezialisieren. Für den Koop-Modus bedeutet das letztendlich, dass es keinerlei Auswirkungen hat, wie die jeweiligen Spieler ihre Figur geskillt haben, da keine echten spielerischen Auswirkungen vorhanden sind. Man hat somit also nicht die Möglichkeit, zwei verschiedene Spieler mit unterschiedlichen Spezialisierungen zusammenarbeiten zu lassen, um ein abwechslungsreiches Spielerlebnis sicherzustellen. Gerade an dieser Stelle wäre also nochmal Luft nach oben gewesen. Am Spielspaß generell ändert das allerdings noch nicht allzu viel. Man stellt sich jedoch die Frage, ob man auf das Skillsystem in dieser Form nicht sogar gänzlich hätte verzichten können.

Sniper Elite 4

Mehr Story für mehr Geld
An der DLC-Politik scheiden sich derweil übrigens die Geister. Dass es diverse Erweiterungen mit nur ein paar wenigen Waffen gibt, für die man tatsächlich zusätzliches Geld ausgeben muss, kommt bekanntlich bei den meisten Spielern nicht allzu positiv an. Allerdings bekommen „Sniper Elite 4“-Spieler auch einige interessante Storyerweiterungen geboten. Dazu zählt nicht nur eine bald erscheinende dreiteilige neue Storykampagne, sondern natürlich auch die obligatorische Mission, in der wir einmal mehr Adolf Hitler ermorden müssen. Letztere dürfte wohl in jedem bisherigen „Sniper Elite“-Spiel mit von der Partie gewesen sein und erfüllt damit exakt die Erwartungen der meisten Spieler. Dass sie allerdings einmal mehr nicht unbedingt das Highlights des Spiels darstellt, kommt zugleich ebenso wenig überraschen. Inhaltlich hat die eigentliche Hauptkampagne dann doch wesentlich mehr zu bieten, auch hinsichtlich des Levelsdesigns.

Sniper Elite 4

Wunderhübsches Italien
An der technischen Umsetzung kann man unterdessen übrigens überhaupt nichts aussetzen, denn hier zeigt sich „Sniper Elite 4“ absolut vorbildlich. Die Grafik ist dabei nicht nur insgesamt hübsch anzusehen, sondern kommt zudem auch noch mit überraschend niedrigen Systemanforderungen aus. Selbst Mittelklasse-PCs werden also kein Problem haben, dieses Spiel auf hohen Einstellungen flüssig spielen. Generell mag man damit zwar noch nicht die aktuelle Grafikreferenz präsentieren, doch allein die Integrierung von DirectX 12 mitsamt funktionierendem Async Compute ist dann doch geradezu einzigartig und zeigt, dass das Spiel durchaus technisch auf dem aktuellen Stand ist. Das dürfen wir dann vor allem bei der Flora bewundern, denn speziell die Mission mit dem Viadukt im Wald kann sich mehr als nur sehen lassen. Ganz zu schweigen davon, dass der klassische brutale Röntgen-Kill erneut mit von der Partie ist und der Reihe wohl den besonderen Widererkennungswert verleiht. Das sorgt grafisch nicht nur für Faszinationen, sondern gibt zudem besonderes Feedback zum Schuss. Spannend.

Fazit:
Während der neueste Teil der „Sniper Elite“-Reihe mit altbewährtem Gameplay vor allem Kenner erneut begeistert, sorgen diverse Verbesserungen bei der KI, wesentlich umfangreichere Missionen und einige anderen Neuerungen dafür, dass „Sniper Elite 4“ seinen Vorgänger noch einmal übertreffen kann. Vorbildlich!

Sniper Elite 4 Wertung



19
Feb

Orwell

Privatsphäre war gestern. In der heutigen Welt ist die totale Überwachung allgegenwärtig und jegliche Kommunikation wird von der Regierung ausspioniert. Doch nicht alle Menschen sind mit diesem Vorgehen einverstanden. In der amerikanischen Stadt Bonton kommt es daher zu einem schwerwiegenden Terroranschlag, bei dem mehrere Menschen sterben. Die bisherigen Hinweise deuten darauf hin, dass der Anschlag aus Protest gegen die Überwachung stattfand und ein polizeibekanntes Mädchen taucht kurz zuvor am Tatort auf. Wie es die Ironie des Schicksals will, soll ausgerechnet das Überwachungssystem Orwell nun Hinweise über die Verdächtigen finden, ein Persönlichkeitsprofil erstellen und die Täter letztendlich überführen. Dumm nur, dass es längst einen Feind im eigenen System gibt…

Kritik:
Seit Edward Snowden und die Aufdeckung des NSA-Skandals ist die totale Überwachung ein allgegenwärtiges Thema. Nicht wenige Menschen befürchten seitdem, George Orwells Werk „1984“ würde endgültig zur Realität werden. Denn schon damals wurde deutlich, dass der Geheimdienst offenkundig in der Lage ist, jegliche Kommunikation zu überwachen. Doch was, wenn man einmal selbst in die Rolle des Überwachers schlüpfen kann?

Orwell

Totale Überwachung
Genau das machen wir in dem Indie-Game mit dem passenden Titel „Orwell“. Wir übernehmen hier die Kontrolle über ein mächtiges Überwachungswerkzeug des Geheimdienstes und sind mit diesem Programm in der Lage, das gesamte Leben von Zielpersonen auszuspionieren. Nach einem Terroranschlag sollen wir schließlich als investigativer Geheimagent, im (In-Game) Internet nach Hinweisen und Informationen suchen, die die Verdächtigen mit dem Anschlag in Verbindung bringen. Auf irgendeiner Webseite eine Angabe zu Social Media-Accounts gefunden – und schon gibt uns „Orwell“ mit einer Backdoor sofortigen Zugriff auf den Account. Finden sich dort anschließend Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Chataccounts, dauert es auch hier nur wenige Sekunden und wir sind live in der Lage, die Kommunikation der Zielpersonen abzufangen. Und wenn dann auch noch das große Los gezogen und eine Hardware-ID eines Computers oder Smartphones gefunden wird, ist gar der Vollzugriff möglich. Doch in all diesen Überwachungsmöglichkeiten ist es unsere Aufgabe, die richtigen Informationen zu finden, diese ins Orwell-System hochzuladen und ein Persönlichkeitsprofil über unser Ziel zu erstellen.

Orwell

Auswertung von Daten
Da mag man sich mitunter natürlich fragen, wozu ein solch mächtiges und fast schon automatisiert funktionierendes System überhaupt einen realen Anwender benötigt. Das erklärt sich aber schnell ganz einfach: Unsere Aufgabe ist es nämlich auch, die Informationen nach Wahrheitsgehalt auszuwerten. Denn wir wissen: Nicht jeder sagt im Internet immer die Wahrheit. Manches Mal ist es auch einfach nur Angeberei gegenüber den eigenen Freunden. Und nicht selten finden sich gar völlig widersprüchliche Informationen im Netz, bei denen wir letztendlich entscheiden müssen, welche Hinweise tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Die Oberfläche von „Orwell“ ist dabei ziemlich simpel und einfach gehalten. Statt aufwändiger und beeindruckender 3D-Grafik, gibt es lediglich eine 2D-Oberfläche eines Computerprogramms. Über die Reiter „Reader“, „Listener“ und „Insider“ können wir wahlweise auf den Browser, das Kommunikationsabhör-Tool oder die Backdoor eines Computers oder Handys zugreifen. Man fühlt sich also tatsächlich ein bisschen mächtig. Die Bedienung ist einfach und doch hat man das Gefühl, in die tiefste Privatsphäre eines Menschen eindringen zu können. Dieses mitunter beklemmende Gefühl bringt „Orwell“ fantastisch rüber.

Orwell

Fehler kosten Leben
Faszinierend wird das Spiel allerdings erst dadurch, dass unsere hochgeladenen Informationen und unsere Entscheidungen tatsächlichen Einfluss auf den Spielablauf haben und das manchmal ein bisschen rasanter, als es uns lieb wäre. Eine kleine Falschinformation ins System geladen und ein Verdächtiger wird zu Unrecht festgenommen oder Menschen könnten ums Leben kommen. Denn das „Orwell“-System zögert nicht lange, die aus dessen Sicht notwendigen Maßnahmen anhand der Informationen einzuleiten. Stufen wir einen Verdächtigen als gefährlich ein, obwohl dies gar nicht der Fall ist, kann das unangenehm enden. Mitunter ist es schon faszinierend und auch erschreckend zugleich, wenn wir einen durch uns ausgelösten Vorfall live beim Abhören eines Telefonats miterleben können. Doch an dieser Stelle wollen wir einmal nicht weiter spoilern, um den Spielverlauf nicht schon vorab zu verraten.

Orwell

Gegner im System
Der andere spannende Aspekt des Spiels ist die Tatsache, dass wir ausgerechnet gegen Verdächtige ermitteln, die ironischerweise gegen das eigene Überwachungssystem protestiert haben. Ohne tatsächliche Figuren steuern zu können, bieten die jeweiligen Protagonisten schon eine sehr intensive und aufregende Geschichte, die uns selbst dann in den Bann zieht, wenn wir ausschließlich ein Überwachungssystem steuern. Doch nicht jeder Verdächtige ist automatisch ein offenes Buch für „Orwell“. Manche sind mit ihren Angaben im Netz tatsächlich vorsichtig und werden selbst für uns zu einer harten Nuss. Kommt dann auch noch ein Hacker ins Spiel, der sich als Gegner unseres Systems entpuppt, wird es erst richtig spannend und „Orwell“ entfaltet sein volles Potential. Denn was passiert, wenn ein Hacker und Terrorist es tatsächlich schaffen würde, sich Zugang zum System zu verschaffen und Unschuldige als Terroristen einzustufen? In jedem Fall ist „Orwell“ eines dieser Spiele, wenn nicht gar das einzige Spiel, das uns tatsächlich darüber nachdenken lässt, ob wir nicht doch lieber ein paar Informationen weniger im Netz und in unseren Social-Media-Accounts preisgeben sollten.

Fazit:
Ein kurzes, aber sehr eindringliches und faszinierendes Spiel über die totale Überwachung, bei der wir selbst in die Rolle des Überwachers schlüpfen müssen und über die Fähigkeiten der NSA verfügen. Nach diesem Spiel wird so mancher nicht mehr bereitwillig all seine privaten Details in die Social-Media-Netzwerke laden.

Orwell Wertung



19
Feb

Dishonored 2

Fünfzehn Jahre nach dem Tod des Lordregenten hat sich eigentlich vieles in den Straßen von Dunwall verändert. Kaiserin Emily Kaldwin hat unlängst dafür gesorgt, dass die Menschen wieder in Freiheit leben können und die Rattenseuche seit einiger Zeit Geschichte ist. Doch das könnte sich schon bald ändern, als ein mysteriöser Thronräuber der mächtigen Kaiserin ihren Thron entzieht und die Macht über das Land übernimmt. In der Rolle von Kaiserin Emily oder ihres Vaters Corvo Attano liegt es nun an uns, die Macht zurückzuerlangen und sich gegen zahlreiche Widersacher mit übernatürlichen Kräften durchzusetzen. Doch noch ahnen wir gar nicht, welch große Bedrohungen fortan auf uns warten. Denn von mechanischen Soldaten, bis hin zu gespenstigen Hexen scheint keiner der vielen Feinde so richtig von unserer Welt zu sein…

Kritik:
Bereits der Vorgänger galt bei vielen Spielern und Kritikern als ein Meisterwerk. Nun geht die spannende Geschichte von „Dishonored“ in die zweite Runde und entführt uns einmal mehr in eine Welt aus Steampunk und Mystik, in der nichts unseren gewohnten Verhältnissen entspricht.

Dishonored 2

Mann oder Frau?
Und dabei macht „Dishonored 2“ bereits in einer der ersten Szenen deutlich, dass sich doch so manches seit dem Vorgänger geändert hat. So müssen wir bereits jetzt eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die den gesamten Spielverlauf und auch das Gameplay grundlegend verändern kann. Denn hier entscheiden wir uns erstmals dafür, ob wir mit dem Helden aus dem Vorgänger, Corvo Attano das aufregende Abenteuer antreten wollen, oder es einmal auf neuartige Weise mit seiner Tochter Emily Kaldwin versuchen möchten. Und während vor allem Corvo mit seinen üblichen und bekannten Fähigkeiten aufwartet, hat Emily teilweise eine gänzlich andere Spielweise zu bieten. Denn ist Corvo noch relativ kampferprobt, entpuppt sich die schlanke Emily eher als ein schnelles und flinkes Wesen, das problemlos längere Strecken schnell überwinden kann. Aber vor allem speziellere Fähigkeiten, wie etwa das Verknüpfen des Schicksals zweier gegnerischer Figuren sorgt für interessante Kombinationsmöglichkeiten und ein ungewöhnliches Gameplay – vorausgesetzt der Spieler skillt die entsprechenden Fähigkeiten.

Dishonored 2

Kämpfer oder Assassine
Ansonsten hat sich allerdings das Basis-Spielprinzip nicht verändert. Noch immer ist „Dishonored 2“ eine gelungene Mischung aus schleichendem Stealth-Game und konfrontierender Action, bei der wir uns in jeder Situation selbst entscheiden können, wie wir das Spiel oder den nächsten Gegner meistern möchten. Ob wir uns von hinten anschließen und das Ziel erwürgen, es mit einem Pfeil betäuben oder frontal mit dem Schwert niederstechen – die Wahl liegt stets bei uns. Selbst eine Kombination aus verschiedenen Vorgehensweisen steht uns immer frei, etwa dann, wenn der eigentliche heimliche Schleichversuch einmal mehr schief gegangen ist. Denn schnell steht fest: Das versteckte Vorgehen ist doch manches Mal schwieriger, als einfach in den offenen Kampf zu ziehen.

Dishonored 2

Viele Wege führen zum Ziel
Zum Glück kann man an der Stelle glatt sagen, dass uns „Dishonored 2“ generell sehr viele Freiheiten lässt. So ist jeder Kartenabschnitt, auf dem wir unsere jeweilige Mission durchführen müssen, eine offene Welt. Wir können uns also frei bewegen und müssen nicht zwangsläufig mitten durch die Gegnermengen. Alternative und auch versteckte Wege gibt es derweil nämlich reichlich, sodass wir uns gut und gerne durch die anliegenden Häuser schleichen können, auf Dächer teleportieren oder mitunter auch durch tiefer liegende versteckte Zugänge in ein Gebäude kommen können. Diese zahlreichen unterschiedlichen Möglichkeiten machen die verdeckte Spielweise immerhin deutlich einfacher. Ganz zu schweigen davon, dass das Erkunden der Karte ohnehin oft sinnvoll ist, denn die zahlreichen Schwarzhändler in Dunwall und an anderen Orten sorgen erst dafür, dass wir uns unterwegs mit wichtigem Equipment und Waffen eindecken können. Das nämlich sollten wir dringend tun, ehe wir uns an das nächste größere Ziel wagen.

Dishonored 2

Detaillierte Steampunk-Welt
Außerdem gibt es in der Welt von „Dishonored 2“ ja ohnehin reichlich zu entdecken. Dazu gehören schließlich nicht nur die futuristisch wirkenden Eisenbahnen über unseren Köpfen und die mit Walöl betriebenen elektrischen Barrieren, sondern auch so manches Geheimnis in den kleinen Gassen abseits der Straße. Insgesamt muss man nämlich klar sagen, dass das Leveldesign des Spiels mehr als nur herausragend ausgefallen ist. Ob Ratten in der einen Ecke, Graffiti an der anderen oder einfach nur der Müll hinter den Gebäuden: Hier haben die Entwickler wirklich auf jedes noch so kleine Detail geachtet, um eine stimmungsvolle und glaubwürdige Spielwelt zu erschaffen, in der tatsächlich nichts fehlt. Manchmal erzeugt das Actionspiel dabei sogar eine höchst beklemmende, fast aussichtslose Atmosphäre. Und die technischen Errungenschaften wie mechanische Soldaten und andere futuristische Dinge sorgen für das perfekte Steampunk-Feeling.

Dishonored 2

Kein Versteck in der Menge
Hinsichtlich der Missionen muss man allerdings einige Abstriche im Vergleich zum Vorgänger machen, auch wenn selbst die Fortsetzung noch immer ihre großen Stärken hat. Doch interessante Aufgaben inmitten einer zivilen Menge suchen wir mittlerweile vergebens, sodass die klassische Maskerade in keiner der Missionen mehr zu unseren Hauptaufgaben gehört. Stattdessen sind wir meist maskiert auf den Straßen unterwegs und sollen wahlweise eine Zielperson ermorden oder sie auf andere Art und Weise von unseren Zielen überzeugen. Auch hier haben wir meist die Freiheit selbst zu entscheiden, ob wir tödlich oder nicht-tödlich vorgehen möchten. Bis die Missionen aber wirklich interessant werden, sind mitunter zu Beginn drei weniger spannende Aufgaben vergangen, die auch nicht unbedingt den zugänglichsten Einstieg ermöglichen. Davon sollten sich Spieler aber mitnichten abschrecken lassen, denn sind diese erst einmal hinter uns gebracht, kann „Dishonored 2“ seine ganzen Stärken voll entfalten.

Dishonored 2

Haus der Labyrinthe
In der vierten Mission zeigt sich nämlich zugleich auch eines der besten Kapitel des gesamten Spiels. In einer Art Haus der Labyrinthe müssen wir mittels Schalter die verschiedensten faszinierenden Räume aufdecken, neue Wege transformieren und schlussendlich den Weg zu unserer Zielperson finden – und das alles zwischen zahlreichen mechanischen Soldaten, denen wir nach Möglichkeit aus dem Weg gehen sollten. Diese zugleich auch vermutlich längste Mission des Spiels zeigt hier erstmals, was „Dishonored 2“ eigentlich tatsächlich drauf hat. Aber dabei soll es nicht bleiben, denn wenn wir einige Kapitel später plötzlich mittels Chronometer in die Vergangenheit blicken können, während wir zugleich die Gegenwart vor uns haben, bekommen selbst Sci-Fi-Fans einige faszinierende Spielmomente geboten. Denn das Hin- und Herwechseln zwischen den Zeiten entpuppt sich als einzigartiges Gameplay, das wir so noch in keinem anderen Spiel gesehen haben. Allein dafür lohnt sich „Dishonored 2“ allemal.

Dishonored 2

Entscheidungen
Allerdings soll es dabei nicht bleiben, denn die Entscheidungen, die wir in diesem Spiel treffen, haben echte Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. So entscheidet das tödliche oder nicht-tödliche Vorgehen, also die Tatsache, ob wir am Ende einen hohen oder niedrigen Chaosfaktor erzeugt haben, über das tatsächliche Ende des Spiels. Das ist unterdessen aber längst nicht die faszinierendste Entscheidung, denn so manch andere eher subtile Entscheidung wird mitunter erst im Nachhinein wirklich ersichtlich. So hat schließlich auch unsere Spielweise in der Vergangenheit sichtbare Auswirkungen auf die Gegenwart. Abhängig davon, welche Gegner wir ermorden und wie wir mit der Hauptfigur interagieren, hat unsere Verbündete Meagan, die uns über das gesamte Spiel hinweg begleitet, plötzlich nur einen oder noch beide Arme. Und wir wissen womöglich gar nicht, durch welche konkrete Entscheidung dies zustande gekommen ist. Faszinierend – und zugleich wünschen wir uns mehr davon auch in anderen Spielen.

Dishonored 2

Gameplay durch Skills
Eine weitere wichtige Entscheidung, die wir im Laufe des Spiels treffen, ist allerdings die Art und Weise, mit der wir unsere Spielfigur mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Fest steht: Wir werden in den insgesamt neun Kapiteln niemals genügend Runen sammeln können, um tatsächlich alle verfügbaren Fähigkeiten auch auszustatten. Das macht allerdings „Dishonored 2“ auch so spannend und sorgt für einen sehr hohen Widerspielwert. Denn während sich die möglichen Fähigkeiten von Emily und Corvo jeweils unterscheiden, so können wir das Spiel zugleich auch mehrmals mit unterschiedlichen Skills durchspielen und so immer wieder eine komplett andere Spielerfahrung erleben. Das macht „Dishonored 2“ vor allem für jene interessant, die Spiele gerne mehr als nur ein einziges Mal durchspielen (die Angabe der Spieldauer im Kasten unten bezieht sich hierbei auf das einmalige Durchspielen der Story, bei mehrmaligem Durchspielen vervielfacht sich diese Angabe).

Dishonored 2

Keine einwandfreie Technik
Schade ist derweil nur, dass das Spielerlebnis dieses eigentlich erstklassigen Spiels vor allem durch die Technik der PC-Version etwas getrübt wird, denn diese funktioniert derweil nicht immer ganz fehlerfrei. So hatten wir zu Beginn des Tests selbst mit seltsamen Grafikfehlern zu kämpfen, bei denen beispielsweise eine mysteriöse grüne Acht in der Mitte unseres Bildschirms erschien. Wodurch dieser Fehler ausgelöst wird, ist bisher nicht klar. Zum Glück ließ sich dieser aber durch die Installation des neuesten Grafikkartentreibers beheben. Damit ist ohnehin klar: Wer „Dishonored 2“ spielen möchte, sollte unbedingt vorher die neuesten Treiber installieren, da es sonst zu erheblichen Problemen kommt. Aber das längst nicht alles: So funktioniert auch die „adaptive Auflösung“ nicht richtig und sorgt ebenfalls für Grafikfehlern an den Bildschirmrändern. Ein Abschalten dieser Option hat den Fehler behoben und das Spiel ließ sich im Test auf aktueller Hardware trotzdem flüssig spielen.

Dishonored 2

Flackern der Schatten
Weitere durchaus sichtbare Fehler sind etwa das Flackern der Schatten, wenn wir vom Schiff aus auf die Landschaft schauen. Diesen Fehler konnten wir bisher immer noch nicht beheben, er stört aber zugleich auch das Spielerlebnis nicht allzu sehr. Über kleinere Texturfehler kann man unterdessen auch hinwegsehen. Und doch muss man schnell zu dem Entschluss kommen, dass „Dishonored 2“ damit insgesamt nicht mehr so recht zeitgemäß aussieht. Bot uns der Vorgänger einst noch überwältigende Grafik für seine damalige Zeit, entspricht die Grafik aus diesem Spiel hingegen nur noch dem Stand von vor einigen Jahren – und das, obwohl die Systemanforderungen ganz und gar nicht besonders niedrig sind. Denn Hardwareleistung frisst „Dishonored 2“ mitunter schon enorm. Insgesamt sind wir darüber wiederum verwundert, wenn wir beispielsweise die wirklich hübschen Wassereffekte sehen, die auf dem Meer eindeutig mit Einsatz von Tesselation dargestellt werden und damit besonders organisch erscheinen. Und auch Charakteranimationen können sich tatsächlich sehen lassen. Warum man diese Qualität dann nicht im gesamten Spiel fortgesetzt hat, sorgt für Verwunderung. Dennoch sollte man sich auf Grund dessen nicht vom Kauf abhalten, denn spielerisch macht „Dishonored 2“ sehr viel Spaß und gehört mit zu den besten Spielen des vergangenen Jahres.

Fazit:
Mit seinem dynamischen auf Fähigkeiten basierenden Gameplay, den enorm vielen Freiheiten und einer faszinierenden Steampunk-Welt kann „Dishonored 2“ seinem Vorgänger spielerisch mehr als nur gerecht werden. Schade nur, dass die Technik hier und da das Spielerlebenis trübt.

Dishonored 2 Wertung



16
Feb

Leaving Lyndow

Nach den vielen Jahren in der Gilde der Wissenschaftlichen Erkundungen ist es für Clara endlich so weit: Sie darf auf eine mehrjährige aufregende Expedition gehen und wird vielleicht sogar fremde Zivilisationen auf ihren Schiffsreisen kennenlernen. Doch das große Abenteuer ist auch mit einigen Herausforderungen verbunden, zu denen vor allem der große Abschied aus ihrer Heimatstadt gehört. Immerhin fällt es der Familie nicht leicht, das noch junge Mädchen endgültig gehen zu lassen und einige sind gar besorgt, dass sie auf dem gefährlichen Meer sterben könnte. Ganz zu schweigen von Clara selbst, der es ebenfalls nicht allzu leicht fällt, ihre Freunde zu verlassen und damit auch die vielen spaßigen Abende mit ihrem besten Freund zu verzichten. Aber für sie steht der Entschluss längst fest, denn mit der Expedition erfüllt sie sich ihren großen Traum…

Kritik:
Die Spiele-Landschaft ist für gewöhnlich voll mit brutaler Action und umfangreichen Rollenspielen. In eine ganz andere Richtung möchte allerdings „Leaving Lyndow“ – ein Indie-Abenteuer, das eher für einen kurzweiligen entspannten Abend sorgen möchte. Vergleichbar mit der Story eines Kurzfilms konzentriert sich das Spiel nämlich lediglich auf ein einziges Ereignis, nämlich den großen Abschied von der Familie und möchte damit eine intensive Atmosphäre aufbauen. Denn hier versucht man dem Spieler das Gefühl zu geben, selbst etwas zurückzulassen und sich in die emotionale Welt des jungen Mädchens hineinversetzen zu können. Dazu dienen nicht nur Briefe und ein paar Hintergrundinformationen vom Ableben ihres Vaters, sondern auch diverse Dialoge mit den Freunden und Familienmitgliedern. Insgesamt ist „Leaving Lyndow“ damit schon eine kleine Besonderheit unter den Unmengen an Spielen, die wir regelmäßig zu Gesicht bekommen.

Leaving Lyndow

Das melancholische Packen
Schon im ersten Abschnitt des Abenteuers kommt da sogar eine melancholische Stimmung auf, die nicht zuletzt am gelungenen und einfühlsamen Soundtrack liegt, der die irgendwie traurige, aber auch freudige Geschichte perfekt untermalen kann. Im Haus der Eltern müssen wir schließlich zunächst einige Dinge zusammensuchen und unseren Koffer packen, damit wir uns für die große Reise bereit machen können. Ein kleines Abschiedsgespräch mit der Mutter gehört selbstverständlich auch dazu. Und danach sind auch die anderen noch an der Reihe. Der Onkel etwa kann sich mit dem Abschied gar nicht anfreunden und hat doch große Sorge, dass die junge Clara sterben könnte. Und auch die vielen Freunde sind doch eher zwiegespalten, wenn es darum geht, ihre langjährige Freundin gehen zu lassen. Dieses Gefühl, unter allen Umständen den großen Traum erfüllen und doch insgeheim bei den Freunden und der Familie bleiben zu wollen, kann „Leaving Lyndow“ jedenfalls perfekt einfangen.

Leaving Lyndow

Wenig Gameplay
Doch reicht das allein tatsächlich bereits, ein gutes Spiel zu bieten? Hinsichtlich des Gameplays hat „Leaving Lyndow“ jedenfalls nicht allzu viel zu bieten. Das Abenteuer präsentiert sich insgesamt doch eher als eine Art Walking Simulator, bei dem wir durch mehrere Abschnitte der Welt spazieren und verschiedene Gegenstände einsammeln, oder Briefe und Dokumente lesen, um interessante Informationen zur Hintergrundgeschichte zu erfahren. Dazwischen warten lediglich einige durchaus gelungene Minispiele und Rätsel auf den Spieler, etwa wenn wir mit unserem kleinen Neffen einige Figuren einsammeln müssen oder in einer kleinen Erinnerung an vergangene Zeiten ein Musikstück auf einem speziellen Instrument nachspielen sollen. Hier hat man die relativ einfachen Rätsel hin und wieder auf durchdachte Weise eingebaut und zu einem wichtigen Teil der Story gemacht. Und dennoch: Das reicht noch nicht so recht, um tatsächlich zu begeistern, denn spielerisch ist das einfach zu wenig. Von der ohnehin sehr kurzen Spieldauer von gerade einmal knapp 30 Minuten einmal ganz zu schweigen.

Leaving Lyndow

Wunderschöne Fantasy-Welt
Dabei ist „Leaving Lyndow“ ja eigentlich sogar wegen seiner überaus hübschen Grafik und Gestaltung der Welt sehr atmosphärisch. Geradezu verträumt bunt sind da die hübschen Wälder und Wiesen mit ihren tollen Panoramaaussichten und dem beeindruckenden Blick auf den Mond. Der Detailgrad der Grafik kann sich dabei in jedweder Hinsicht sehen lassen und braucht sich vor den großen Titeln sicherlich nicht zu verstecken. Schon allein die ausgesprochen umfangreiche Vegetation mit ihren vielen Pflanzen, Blumen und Bäumen kann sich mehr als nur sehen lassen. Dazwischen süße Vögel, die zwischen den Baumkronen umherfliegen und die Verträumtheit der Szenerie noch einmal unterstreicht. Lediglich die Animationen der menschlichen Charaktere könnten sicherlich einen Tick hübscher ausfallen. Aber dennoch freuen wir uns angesichts der Tatsache, dass „Leaving Lyndow“ nur ein kleiner Einblick in die Welt des noch kommenden Open-World-Spiels „Eastshade“ bietet darüber, wie hübsch doch bereits jetzt die Welt gestaltet ist. Insgesamt würden wir aber dennoch den potentiellen Käufern dazu raten, auf das „große“ Spiel noch zu warten.

Fazit:
Der wunderhübsche und atmosphärische Walking Simulator bietet bereits jetzt einen kleinen Einblick in die zukünftige Welt von „Eastshade“. Spielerisch reichen die winzigen Rätsel und die extrem kurze Spieldauer von gerade einmal 30 Minuten allerdings noch nicht aus, um vollends zu begeistern.

Leaving Lyndow Wertung



23
Dez

Train Simulator: Midland Main Line – London-Bedford

Die Midland Main Line nördlich von London gehört zu den Strecken von Groß-Britannien mit dem höchsten Fahrgastaufkommen. Insbesondere der Nah- und Fernverkehr ist hier stark vertreten und kann speziell im Berufsverkehr für einen strammen Fahrplan sorgen. Mit der Class 319 von First Capital Connect werden die Vorstädte und Counties bis nach Bedford verbunden, wo der Weg zunächst an St. Albans und Luton vorbei führt. Auf der überwiegend viergleisigen Strecke liefern sich die langsameren Nahverkehrszüge stets ein Wettrennen mit den schnelleren Fernverkehrszügen und dem Güterverkehr aus den anliegenden Fabriken. Denn auch Kies, Zement und Container sind auf dieser wichtigen Hauptstrecke desöfteren unterwegs und verstopfen zu den Stoßzeiten die Schienen. Da kann sich tatsächlich mal eine Herausforderung ergeben.

Kritik:
Mit dem Streckenabschnitt von London nach Bedford liefert Dovetail Games mittlerweile die vierte Train Simulator-Route mit direkter Anbindung nach London. Hier wartet schließlich der spektakuläre Bahnhof St. Pancras auf uns, den wir vor allem über die Thameslink-Strecke auf den unterirdischen Gleisen betreten. Obwohl nur 88 km kurz und damit sicherlich nicht die gesamte Midland Main Line umfassend, richtet man sich damit speziell an Freunde des Personenverkehrs, denn fünf der insgesamt sieben mitgelieferten Karriereszenarien widmen sich speziell diesem Aufgabengebiet.

Train Simulator: Midland Main Line

Kein neues Rollmaterial
Mitgeliefert werden dabei lediglich zwei verschiedene Lokomotiven. Zunächst die Class 319 der First Capital Connect als Triebfahrzeug, welches wir wahlweise in einer Einzel-, Doppel- oder Dreiertraktion fahren dürfen. Diesen steuern wir in allen fünf Passagierszenarios, können damit flotte Sprints hinlegen und erfreuen uns an der doch eher ruhigen und angenehmen Fahrweise. Vor allem in der Dreiertraktion kann sich das korrekte Anhalten am Bahnhof allerdings tatsächlich als etwas knifflig herausstellen, denn nicht zu weit vorne raus zu fahren und andererseits auch das Hinterteil korrekt zu platzieren, ist nicht immer einfach. Die realistisch eingefügten Stoppschilder für die verschiedenen Zuglängen sorgen hier aber für Abhilfe. Andererseits finden wir allerdings auch eine EWS Class 66 vor, die wir in den beiden Güterszenarien fahren dürfen und die über ein ungewöhnliches Bremsverfahren verfügt. Beide mitgelieferten Fahrzeuge sorgen aber nicht zwangsläufig für Begeisterung, da beide bereits in einem anderen Routen-DLC vorhanden waren. Somit handelt es sich also nicht um gänzlich neues Rollmaterial.

Train Simulator: Midland Main Line

Blick aufs Armaturenbrett
Während die Class 319 dabei nicht unbedingt eine echte Herausforderung darstellt, zumindest was das Fahren dieses Triebfahrzeugs betrifft, gestaltet sich die Steuerung der EWS Class 66 dann schon ein wenig anders. Hier können wir nämlich nicht in mehreren Stufen die Bremse betätigen, sondern müssen die Bremskraft zwingend auf der Anzeige am Armaturenbrett ablesen. Zunächst stellen wir die gewünschte Bremskraft ein und anschließend dürfen wir dann beobachten, wie sich die Nadel auf der Anzeige auf den jeweiligen Wert bewegt. Dadurch haben wir tatsächlich die Möglichkeit, die Bremse recht stufenlos einzustellen und müssen auch etwas vorausschauend denken. Zumal das Bremsverhalten einigermaßen realistisch ist, denn mit schweren Güterwaggons wird der Bremsweg tatsächlich auch mal etwas länger. Kommen dann noch Schnee und gelbe Signale hinzu, muss man mitunter tatsächlich etwas Ausschau nach dem nächsten Signal halten, um noch rechtzeitig bremsen zu können. Soweit recht spannend.

Train Simulator: Midland Main Line

Immer geradeaus
Die eigentliche Gleisanlage bleibt dann allerdings überwiegend viergleisig, wie bereits zuvor erwähnt. So fahren wir hauptsächlich einer Hauptstrecke entlang, die uns nahezu ausschließlich gerade aus führt und bei der jeweils zwei Gleise für eine Richtung vorgesehen sind. Interessant anzusehen sind dann diverse „Überholmanöver“, wenn wir etwa mit einem Expresszug einen langsameren Zug neben uns überholen oder umgekehrt. Dennoch bleibt die Herausforderung oftmals aus, sodass hohe Punktzahlen leicht erzielt werden können. Ein Wechseln auf Nebengleise ist fast nur bei den Güterszenarien erforderlich, oder wenn wir vor oder nach unserer Fahrt auf ein Abstellgleis müssen. Das sorgt allerdings noch nicht für allzu viel Abwechslung auf der Strecke.

Train Simulator: Midland Main Line

Gebäude wie im Original
Dass es sich dennoch um eine hübsch anzusehende und gelungene Strecke handelt, liegt speziell daran, dass man sich äußerst viel Mühe gegeben hat, die Route möglichst originalgetreu nachzubauen. Das fällt vor allem an den jeweiligen Stationen sehr positiv auf. Beispielsweise bei den realistischen Fußgängerüberwegen in Luton oder in St. Albans City. Und auch sonst stimmen insgesamt sehr viele Details, die Vegetation ist dicht und glaubwürdig und selbst in den Fabriken können wir die Container vor dem Gebäude bewundern. Man hat es außerdem geschafft, eine gänzlich fehlerfreie Strecke zu veröffentlichen, denn Bugs oder fehlerhafte Szenarien brauchen wir hier nicht zu befürchten. Hier funktioniert alles tatsächlich perfekt. Insofern steht einem angenehmen Spielvergnügen nichts mehr im Wege, solange das wiederverwertete Rollmaterial und die überwiegend gleich bleibende Strecke nicht weiter stört. Fans des Passagierverkehrs dürfen hier gerne zugreifen. Güterfreunde sollten allerdings bedenken, dass wir auf Rangieraufgaben leider gänzlich verzichten müssen.

Fazit:
Mit einem hohen Detailgrad und absolut fehlerfreien Szenarien liefert die „Midland Main Line“ eine insgesamt hochwertige und sehr hübsche Strecke ab. Das wiederverwertete Rollmaterial bestehend aus nur zwei Fahrzeugen und die über lange Abschnitte durchgehend viergleisige Strecke sorgen aber dafür, dass auch diese Route nicht ganz ohne Nachteile bleibt. Fans des Passagierverkehrs sollten die Route aber in ihrer Sammlung haben.

Train Simulator: Midland Main Line Wertung



21
Dez

Hardware-Test: Samsung CF390

Der neueste Trend unter den Monitoren und Fernsehern geht eindeutig in Richtung Curved Monitor. Besonders Samsung setzt seinen Fokus seit einiger Zeit gezielt auf die Entwicklung eben solcher Bildschirme und möchte nun endlich auch wieder im Gaming Sektor einigermaßen interessant werden. Mit dem FreeSync-Monitor CF390, den wir in der 27“-Ausführung getestet haben, ist der erste Weg dahin längst getan. Allerdings richtet man sich mit maximal 60 Hz sicherlich noch nicht an die Hardcore-Gamer, die gerne auch einmal zur gehobenen Preisklasse greifen. Dafür kommt der CF390 mit seinen knapp 220 Euro allerdings verdammt günstig daher – vor allem für einen Monitor dieser Größe. Ob sich das auf die Qualität auswirkt? Natürlich – aber das ist nicht zwangsläufig ein Problem.

Mit einer Krümmung von 1800R, also einem Biegungsradius von 1800mm schafft es Samsung jedenfalls bereits, die Krümmung auch bei einer solchen Größe sichtbar zu machen. Der versprochene Tiefeneffekt mag zwar noch nicht so extrem ins Auge fallen, aber vor allem bei näherer Betrachtungsweise entlastet dies tatsächlich die Augen. Immerhin haben wir die gesamte Fläche des Screens nun komplett im richtigen Blickwinkel, die Entfernung zu den Ecken stets gleich. Gerade bei Spielen kann das einen angenehmen Vorteil ergeben und angenehmer für die Augen sein. Insgesamt stellt sich das Feature aber wohl eher als Spielerei heraus und weniger als ein tatsächliches Muss. Schaden kann die Curved-Technologie allerdings auch nicht.

Samsung C27F390

Stabil, aber schwer wieder abzubauen
Bis wir in den Genuss kommen, müssen wir den Bildschirm aber zunächst einmal zusammenbauen – logisch. Im Lieferumfang finden wir neben einem Ständer auch einen Fuß, die wir zunächst manuell aneinander schrauben müssen. Mit einer unterhalb des Fußes befestigten Schraube fällt es recht leicht, den Ständer darauf zu befestigen. Der Rest geht per Stecksystem: Einfach die Halterung des Bildschirms oben rein schieben, bis der Standfuß eingerastet ist und fortan steht der Bildschirm tatsächlich stabil. Hier hat man kaum noch eine Chance, den Bildschirm durch einen Stoß zu Fall zu bringen und kann bedenkenlos selbst die härtesten Gaming-Sessions beginnen. Der eigentliche Spaß beginnt allerdings erst, wenn man den Bildschirm wieder auseinandernehmen möchte, um ihn etwa für eine Reklamation erneut zu verpacken oder bei einem Umzug mitzunehmen. Den Fuß anschließend nämlich wieder zu entfernen, artet schnell in einem Kraftakt aus. Wir benötigten gar ein Hilfsmittel, um den Ständer wieder aus seinem Raster zu entfernen. Das sollte normalerweise besser gehen.

Keine modernen Anschlüsse
Auf der Rückseite des Bildschirms finden wir dann alle nötigen Anschlüsse, um den Monitor an unseren Rechner anzuschließen. Hierfür liegen allerdings lediglich HDMI und ein veralteter analoger VGA-Anschluss vor. Bei einem aktuellen PC dürfte die Wahl dabei ziemlich schnell auf den digitalen HDMI-Anschluss fallen. Das beiliegende, allerdings etwas kurz geratene HDMI-Kabel sorgt dann auch dafür, dass wir relativ schnell loslegen können. Zumindest, wenn unsere Grafikkarte nicht dummerweise über einen miniHDMI-Port verfügt, denn ein passender Adapter liegt nicht bei. Auch einen VGA-Kabel suchen wir vergebens. Schade ist obendrein, dass man auf den neuen und aktuellen Standard DisplayPort gänzlich verzichtet hat. Stattdessen finden wir einen Kopfhöreranschluss auf der Rückseite des Monitors. Haben wir im Treiber den HDMI-Anschluss für die Soundausgabe ausgewählt, können wir diesen über den 3,5mm Klinke Kopfhöreranschluss wiedergeben. Lautsprecher allerdings gibt es nicht. Gerade deswegen hätten wir uns gewünscht, wenn Samsung stattdessen einen DisplayPort verbaut hätte, der die Ansprüche der meisten Nutzer vermutlich eher erfüllt hätte.

Samsung C27F390

Starke Leuchtkraft
Erst einmal aufgebaut und angeschlossen, bleibt die restliche Bedienung recht selbsterklärend. Auf der Rückseite finden wir einen Analogstick, mit dem wir uns sehr modern durch die hübschen Menüs navigieren können und dabei schnell jede Funktion finden, die wir suchen. Das ist allerdings auch nötig, denn beim erstmaligen Einschalten ist doch vor allem die Helligkeit deutlich zu stark eingestellt. Bei einer Nutzung in einem durchschnittlich ausgeleuchteten Raum empfehlen wir Werte zwischen 30 und 50 Prozent. In unserem Test hat sich die goldene Mitte dann als optimal herausgestellt, die vor allem in Spielen und Filmen dann immer noch die nötige Helligkeit und einen guten Kontrast ermöglicht. Office-User, die überwiegend einen weißen Hintergrund vor sich haben, könnten das allerdings dauerhaft als unangenehm empfinden und bei Bedarf noch etwas runterschalten.

Farbbrillanz zum niedrigen Preis
Richtig begeistert sind wir direkt danach von der erstaunlich guten Bildqualität, die wir für diesen geringen Preis geboten bekommen. Vor allem die Farbintensität kann sich sehr gut sehen lassen, was uns natürlich vor allem in Spielen sehr erfreut. Aber auch die Bildbearbeitung stellt sich als überraschend einfach heraus. Hier stört sogar die Krümmung des Bildschirms in keinster Weise, obwohl Befürchtungen bei vielen Fotografen und Grafikern verständlicherweise vorhanden sind. Insgesamt stellt sich die Quantum Dot-Technologie von Samsung als sehr positiv heraus, um auch mit niedrigem Budget wirklich tolle Farben auf den Screen zu zaubern. Für den klassischen Multimedia-Nutzer können wir den Monitor also an dieser Stelle schon voll und ganz empfehlen. Für Spieler soll diese Tatsache aber natürlich noch nicht ausreichen und hier kommen dann auch gleich die Schwächen des CF390 zum Vorschein.

Samsung C27F390

Reaktionen mit Ghosting
Erfreulich für Spieler ist allerdings zunächst einmal, dass der Samsung CF390 über drei verschiedene Einstellungen für die Reaktionszeit verfügt. Neben „normal“, bietet sich auch noch die Einstellung „schnell“ und „schneller“ an. Tatsächlich hat sich die Nutzung der schnellsten Einstellung bei unserem Test allerdings nicht als empfehlenswert erwiesen, denn der Bildschirm erzeugt in diesem Fall teilweise sehr starkes Ghosting, das in Spielen als störend empfunden werden kann. Insbesondere bei starken Kontrasten – etwa, wenn dunkle Gebäude auf weißem Hintergrund stehen – wird dies stark sichtbar. Möchte man etwa in „Far Cry 4“ durch die schneeweiße Himalaya-Region wandern, ist man schnell dazu geneigt, die Reaktionszeit etwas zu senken. Und das, obwohl sich der geringere Lag als spürbar positiv erweist. Das Ghosting allerdings dürfte für die meisten Anwender unangenehmer sein. Schon allein deswegen könnte für Spieler die Überlegung da sein, gleich zu einem richtigen Gaming-Monitor mit schnellerer Reaktionszeit zu greifen.

Clouding in den Ecken
Als ebenso störend haben wir in dunklen Szenen übrigens das entstehende Clouding empfinden. Das heißt, dass in den vier Ecken des Bildschirms die Hintergrundbeleuchtung etwas durchscheint und sich leichte weiße Lichthöfe bilden. Das kann insbesondere bei sehr dunklen Szenen – etwa in Shootern oder Horrorfilmen – schnell zum Problem werden, ist allerdings auch sehr winkelabhängig. Schauen wir von der Seite auf den Bildschirm, wird dieser Effekt deutlich stärker sichtbar, als bei einer frontalen Ansicht. Damit eignet sich der CF390 allerdings auch nur bedingt, um darauf mit mehreren Personen etwa einen Film anzusehen. In helleren Szenen ist das Clouding allerdings gar nicht sichtbar und die Bildqualität macht insgesamt einen sehr guten Eindruck. Vor allem auch deshalb, weil sich der intensive Schwarzwert sehr gut sehen lassen kann. Innerhalb der niedrigeren Preisklasse können wir den CF390 also durchaus empfehlen. Die anspruchsvollsten Käufer könnten allerdings enttäuscht werden.

Fazit:
Ein niedrigpreisiger und großer Multimedia-Monitor, der mit seiner exzellenten Farbwiedergabe und seiner insgesamt guten Bildqualität vor allem ein herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis liefert. Gamer sollten sich vom FreeSync-Feature allerdings nicht täuschen lassen und insbesondere wegen des teils starken Ghostings dem Samsung FG70 den Vorzug geben.



21
Dez

Train Simulator 2017: Mannheim – Karlsruhe

Im Norden von Baden-Württemberg liegt einer der vielleicht wichtigsten Eisenbahnknoten des gesamten Südwestens. Immerhin dient dessen Hauptbahnhof als direkter Anschlusspunkt für die Fernverkehrslinien von Nordrhein-Westfalen über Frankfurt nach Basel und München. Ein Großteil des gesamten Landes wird über diesen mächtigen Umstiegsbahnhof angeschlossen und ein enormes Fahrgastaufkommen steigt regelmäßig zwischen den Fernverkehrszügen um. Und während die Rheintalbahn die kleineren Orte über Hockenheim und Schwetzigen anbindet, findet sich im südlichen Teil unterhalb des Hauptbahnhofes von Mannheim ebenso ein riesiger Umschlagplatz. Tausende von Containern, die über den Mannheimer Hafen eintreffen, werden hier verteilt, um anschließend in der Nacht ihren Weg nach Karlsruhe anzutreten. Damit wird die gesamte Route schnell zu einem hoch ausgelasteten Verkehrsknoten, der erst vor kurzem mit neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken erweitert wurde. Nun dürfen sich auch virtuelle Fahrer an dieser spannenden Strecke versuchen.

Kritik:
Bereits beim Betreten des Zuges im Mannheimer Hbf zeigt sich, dass die Spieler kein großes Problem haben dürften, den überwältigenden Bahnhof wiederzuerkennen. Die komplexen Gleisanlagen sind nahezu originalgetreu angelegt und sogar die Oberleitungen entsprechen einigermaßen dem Original. Aber vor allem die legendäre gelbe Brücke mit ihren Straßenbahnen sorgt für den ersten markanten Wiedererkennungspunkt auf dieser Route. Die Macher haben sich alle Mühe gegeben, diese möglichst realistisch einzubauen. Schade ist an der Stelle, dass wir lediglich nach Karlsruhe fahren, denn vor allem die Einfahrt von Zügen aus Frankfurt ist entlang des Hafens mit Blick auf den Fluss doch sehr spannend. Dennoch sorgt auch die Strecke nach Karlsruhe für interessante Momente.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Doppelte Strecke
Eigentlich hat man bei „Mannheim – Karlsruhe“ ja gleich zwei Strecken eingebaut. Da wäre einerseits die Regionalbahnstrecke der Rheinbahn, die exakt dem originalen Streckenverlauf folgt. Der Weg führt dabei neben Hockenheim und Schwetzingen auch über den erstaunlich großen Bahnhof in Graben-Neudorf. Gleich daneben findet sich dann die Hochgeschwindigkeitsroute für den Fernverkehr, auf der neben dem Intercity Express auch die etwas langsameren IC-Züge verkehren. In der Nacht dann wird die Strecke – zumindest laut dieses Routen-Addons – für den Güterverkehr freigegeben, an den wir uns in den Szenarien ebenfalls wagen können. Besonders gelungen sind entlang der Strecke dann vor allem das Industriegebiet am Mannheimer Hafen mitsamt seiner zahlreichen Rohre, die interessante Einfahrt nach Karlsruhe, als auch ein paar der größeren Zwischenstationen. Ebenso ein langer Tunnel, durch den wir uns mit dem Fernverkehr begeben dürfen.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Umfangreiches Rollmaterial
Interessant ist wohl die Tatsache, dass dem Routen-Addon gleich vier verschiedene Lokomotiven beiliegen, was für einen solchen DLC wirklich ungewöhnlich ist. Primär begeben wir uns dabei dann in die Baureihe 189, die wir speziell im Güterverkehr entlang des Rangierbahnhofes und Umschlagplatzes steuern dürfen. Zusätzlich geht es dann mit der klassischen Baureihe 425, die wir mit ihren Triebwagen wohl im gesamten Land desöfteren bewundern dürfen, auf die Regionalbahnstrecke, ehe wir uns dann an ein paar kurze Sprints mit dem ICE 3M wagen dürfen, der ebenfalls zwischen Mannheim und Karlsruhe auf der Fernverkehrsstrecke verkehrt. Ebenfalls vorhanden ist eine Rangierlok der Baureihe 294, die wir innerhalb der Szenarien vor allem im KI-Verkehr entgegen kommen sehen und die damit den optischen Reiz der Strecke erweitert. Im Modus der „freien Fahrt“ dürfen wir aber auch an das Steuer dieser Lokomotive. Und wem das noch nicht reicht, darf auch gleich zum Twin Pack mit der Baureihe 145 greifen, die dann ebenfalls nochmal drei verschiedene Routen für die Mannheim – Karlsruhe-Strecke mitliefert.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Triebwagen ohne Details
Schade ist derweil allerdings, dass es sich bei all dem Rollmaterial leicht nicht um die besten Lokomotiven handelt, die es mittlerweile für den Train Simulator gibt. Das liegt dann vor allem an den mangelnden Details in der Führerstandansicht, wo eben doch viele Funktionen fehlen. Das Armaturenbrett wirkt oft etwas detaillos, die Bildschirme sind nicht animiert und auch sonst lässt sich bis auf die Standardfunktionen nicht viel bedienen. In der Außenansicht sieht das dann ähnlich aus: Bei der Baureihe 425 fehlt etwa die typischen Logos des Verkehrsverbundes an den Seiten und auch bei der Fahrgastansicht stellen wir doch schnell fest, dass typische Aufkleber an den Decken und Wänden nicht durch Texturen umgesetzt werden. Dabei wissen wir doch alle, dass sich über den Türen ein Plakat mit den Linien und Strecken des jeweiligen Verbundes befindet.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Fahren nach realem Fahrplan
Etwas realistischer wird es dann allerdings bei der Umsetzung der jeweiligen Karriereszenarien. So hält man sich doch ziemlich genau an den exakten Streckenverlauf und setzt auch die Linien korrekt um. In den Szenarien der Baureihe 425 dürfen wir etwa die Linie RB2 zwischen Mannheim und Karlsruhe fahren, die hier auch mitsamt der Liniennummer der realen Fahrt entspricht. Selbstverständlich finden wir selbige Beschriftung dann auch auf der Matrixanzeige des Zuges selbst vor. Schade ist dann, dass man jenes nicht unbedingt von den IC-Fahrten der Baureihe 145 sagen kann, wenn etwa auf den IC-Waggons solch unsinnige Angaben wie „IC RE3“ zu finden sind, die in der Realität so kaum vorkommen. Allerdings muss man an dieser Stelle eben noch einmal betonen, dass die Szenarien dieser Baureihe nicht zum Standardumfang des Routen-Addons gehören.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Grüne Welle
Apropos Szenarien: Leider muss man ebenso feststellen, dass sich die Karriereszenarien nicht unbedingt an erfahrene Spieler richten, sondern doch eher für Einsteiger von Interesse sein könnten. Eine echte Herausforderung suchen wir schließlich vergebens. In den meisten Fällen fahren wir nämlich lediglich eine vorgegebene Strecke von A nach B ab und halten dabei an den jeweils angegebenen Stationen. Dummerweise kommt es dabei auch selten zu unvorhergesehenen Ereignissen, sodass wir doch meist nur der grünen Welle nach Fahrplan entlang fahren – eine hohe Punktzahl sollte dabei sehr einfach erreicht werden können. Beim ICE 3M wird es dann gar noch einfacher: In jeweils zwei etwa 25-minütigen Szenarien fahren wir lediglich ohne Zwischenhalt von Mannheim nach Karlsruhe oder umgekehrt und müssen nicht einmal an einem Signal halten. Richtig spannend ist das nun nicht. Da sind wir schon froh, dass wir in einem der Güterszenarien einmal überlegen müssen, welche Weichen wir zu stellen haben und hin und wieder gar Waggons ankuppeln dürfen. Eine echte Herausforderung ist aber selbst das nicht.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe

Erweiterungsmöglichkeiten
Man muss abschließend wohl feststellen, dass die Strecke „Mannheim – Karlsruhe“ hauptsächlich wegen der verschiedenen Erweiterungsmöglichkeiten vor allem für Spieler mit Interesse am Güterverkehr interessant wird. So besteht bereits jetzt die Möglichkeit, mit der Baureihe 261 eine Lok namens „Voith Gravita“ zusätzlich zu erwerben, die zu den neuesten Rangierlokomotiven der Deutschen Bahn gehört. Und mit zwei weiteren Lokomotiven des privaten Leasingunternehmens MRCE gibt es noch weiteres Rollmaterial mit passenden Güterszenarien für diese Strecke. Die bereits vorhandenen und durchaus abwechslungsreichen Güterwaggons dürften dann auch die Möglichkeit bieten, interessante Zugkombinationen zusammenzustellen, die dem realen Bahnverkehr auf der Strecke einigermaßen entsprechen.

Fazit:
Mit umfangreichem, aber nicht ganz so detailliertem Rollmaterial und eher einfachen Karriereszenarien richtet sich die „Mannheim – Karlsruhe“-Strecke vor allem an Einsteiger, die sich zunächst gutes Basismaterial zusammenkaufen möchten. Erfahrenere Spieler kommen für die nötige Herausforderung allerdings nicht drumherum, weitere Lokomotiven käuflich zu erwerben. Insgesamt richtet sich die Strecke zudem primär an Güterzugfans, da die interessantesten Szenarien dieses Aufgabengebiet umfassen.

Train Simulator: Mannheim - Karlsruhe Wertung



18
Dez

Fiddler’s Green: Fulminantes Jahres-Abschlusskonzert in Köln

Ob Fans aus dem Mittelaltergenre oder der schwarzen Szene: Fiddler’s Green begeistern mit ihrem außergewöhnlichen Speedfolk mittlerweile zahlreiche Fans. Sie klingen ein bisschen wie klassischer Irish Folk und doch treten sie bei ihrem Sound ordentlich aufs Gas. Meistens ein bisschen schneller klingen die Songs, die mit einer echten Vielfalt an Instrumenten dargeboten werden. Gleich zwei Arten von Schlagzeugen lassen sich zwischenzeitlich auf der Bühne vorfinden, der Geiger spielt gleichzeitig auch Kontrabass und selbst der Gitarrist darf sich für einen Song an das Piano wagen. Da merkt man recht schnell: Die Jungs haben wirklich was drauf und fahren bei ihren richtigen Tour-Konzerten nochmal eine ganz andere Hausnummer auf, als wir es von den Festivals, wie etwa dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum gewohnt sind.

Fiddler's Green Köln

Kurz nachdem ihr neuestes Album “Devil’s Dozen”, welches auch namensgebend für die Tour war erschienen ist, lassen es sich die sechs Bandmember auch nicht nehmen, eine gute Mischung aus neueren und älteren Songs zu spielen. Vor allem letzteres soll sich in der Live Music Hall in Köln besonders auszahlen: Hier sind wirklich Fans anwesend, die seit vielen Jahren die musikalische Entwicklung von Fiddler’s Green mitverfolgen und wirklich jeden ihrer Songs bestens mitsingen können. Vor allem, wenn sie “Old Dun Cow” anstimmen und die Band regelrecht geflasht wird, wenn das Publikum ihr geliebtes “McIntyre” mitsingen. Oder auch bei ihrem Kultsong “The Night Pat Murphy Died”, der auf einem guten Fiddler’s Green Konzert ebenso wenig fehlen darf.

Fiddler's Green Köln

Doch wenn die Band ein Tour-Konzert extra für ihre Fans gibt, dann gehört natürlich auch die ein oder andere Ballade tatsächlich dazu. Und das kommt besonders gut an, wenn etwa Geiger Tobias sich an ein Geigensolo wagt und erst einige Minuten später von den kraftvollen Trommeln des Schlagzeugers unterstützt wird. Langsam im Laufe des Konzerts steigert die Band dann kontinuierlich das Tempo, bis die Menge endgültig zu feiern beginnt. Dass es am Ende in der Zugabe nicht nur einen Solosong von Gitarrist Patrick gibt, sondern auch die T-Shirts nicht lange am Körper bleiben und der legendäre Moshpit in der Mitte der Tanzfläche ebenso wenig fehlen darf, macht deutlich, warum ein Fiddler’s Green Konzert so besonders ist – und wieso man auch mit der etwas schnelleren Variante des Irish Folk so ausgelassen feiern kann. Damit liefert die Band ein Jahres-Abschlusskonzert ab, mit dem sie zahlreiche Festivalauftritte gar noch deutlich überboten haben und die Fans waren am Ende schlichtweg begeistert, obwohl der Auftritt mit etwa 100 Minuten gar nicht einmal so lange dauerte. Aber mit der perfekten Akustik gibt es eben am Ende nichts zu bemängeln.