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10
Feb

Train Simulator: Durchs Moseltal

Das Moseltal gehört zu den wohl schönsten und beeindruckendsten Landschaften Deutschlands. Auf der einen Seite ragen die romantischen Weinberge in die Höhe, auf der anderen Seite schlängelt sich die hübsche Mosel zwischen den Hügeln entlang und verschafft dem Reisenden einen fantastischen Ausblick. Zugleich ist die Strecke zwischen Koblenz und Trier allerdings auch eine der wichtigsten Industrierouten unseres Landes. Güterverkehr gehört dort ebenso an die Tagesordnung, wie auf der vergleichbaren Rheinstrecke nach Bingen. Und auch für den Regionalverkehr dürfte die Route keineswegs uninteressant sein, zumal zahlreiche Nebenstrecken die kleineren Orte an der Mosel mit den Hauptstrecken verbinden. Und spätestens dabei wird die Fahrt wohl für jeden Lokführer und Fahrgast zu einem wahren Augenschmaus.

Kritik:
Deutsche Fans des Train Simulators dürften es auf die richtig hübschen Routen sicherlich in besonderem Maße abgesehen haben. Dass dazu neben der Rheinstrecke natürlich auch das Moseltal gehören muss, versteht sich von selbst. Entsprechend einem Fahrplan, der vermutlich in den 90iger Jahren angesiedelt ist, geht es demnach von Koblenz nach Trier.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Auf zu den Weinbergen
Dabei ist nicht nur der Streckenverlauf der ganze 113 Kilometer langen Route insgesamt originalgetreu nachgebaut, sondern hat auch einige optische Merkmale zu bieten. Wahlweise links oder rechts finden wir meist die wunderhübschen Weinberge, die interessanterweise je nach Jahreszeit des jeweiligen Szenarios eine andere Farbe annehmen. Im Sommer knall grün, im Herbst dann rustikal braun-rot und im Winter sogar ohne jegliche Früchte – da macht die Strecke zwischen Koblenz und Trier durchaus einen realistischen Eindruck und hat somit sogar eine optische Besonderheit zu bieten. Da lässt es sich auch verschmerzen, dass die Wasseranimationen der Mosel mit der veralteten Engine des Train Simulators nicht mehr ganz so modern aussehen. Übrigens: Eine Streckenlänge von 113 Kilometern ist für ein Addon des Train Simulators erstaunlich lang, üblich sind häufig eher maximal die Hälfte. Dementsprechend sind Fahrten von mehreren Stunden durchaus möglich.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Ruhige Fahrt auf Nebenstrecken
Das soll allerdings längst nicht alles sein, denn neben der wichtigen Hauptstrecke zwischen Koblenz und Trier, die vollständig mit all ihren Halten umgesetzt wurde, haben sich die Entwickler zugleich auch die Mühe gemacht, eine interessante Nebenstrecke zu integrieren. Von Bullay in Rheinland-Pfalz aus geht es schließlich über eine eingleisige Strecke ins tiefe Innere des Moseltals nach Traben Trarbach. Etwa zehn Kilometer dürfen wir dort mit dem alten Dieseltriebwagen der Baureihe 628 eine vermutlich nicht ganz so profitable, aber dafür umso hübscher anzusehende Nebenstrecke von knapp zehn Kilometern abfahren, die sogar über gänzlich eigene Signalsysteme verfügt. Da darf man sich also durchaus auf ein wenig Abwechslung freuen – und bekommt auch noch den passenden Streckenabschnitt für hübsche Screenshots geboten.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Mitten im Grünen
Dass „Durchs Moseltal“ allerdings zugleich auch wirklich richtig hübsch aussieht, haben wir vor allem der dichten Vegetation zu verdanken, die die Macher in das Routen-Addon eingebaut haben. Dass die Büsche auf der Nebenstrecke fast unseren Zug streifen und auch innerhalb der Schienen schon einmal etwas Gras wächst, gehört zum festen und wichtigen Bestandteil der Route und wertet sie optisch noch deutlich auf. Insgesamt mögen die Farben der teils neongrünen Vegetation dabei zwar etwas zu hell aussehen, aber im Vergleich zu anderen Strecken bekommen wir immerhin eine realistischere Bewachsung entlang der Strecke geboten. Und das gilt letztendlich natürlich auch für die Bahnhöfe, die selbst hin und wieder mal etwas Gras abbekommen haben. Rein optisch dürfte „Durchs Moseltal“ also vermutlich zu den schönsten Strecken für den Train Simulator gehören.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Licht am Ende des Tunnels
Entlang der Strecke dürfen wir uns aber auch architektonisch auf einen gewissen Realismus freuen. Mit dem Kaiser-Wilhelm-Brücke hat man immerhin eine der längsten Eisenbahntunnel Deutschlands eingebaut und diesen realistisch mit über vier Kilometern Länge umgesetzt. Und auch der kann sich dank der glaubwürdigen Innenbeleuchtung durchaus sehen lassen und hebt sich von den Tunneln aus anderen Addons deutlich ab. Ähnliches gilt für die Doppelstockbrücke Alf-Bullay, die nicht nur einen hübschen Ausblick über die Mosel bietet, sondern auch relativ detailgetreu umgesetzt und durchaus wiedererkennbar ist. Ganz zu schweigen vom Bahnhof in Cochem mit seiner besonderen Gestaltung oder der ein oder anderen Burg, die im Hintergrund auf den Bergen auftaucht und ebenfalls auf der Moselstrecke nicht fehlen dürfen.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Zurück in die Vergangenheit
Den heute dort vorherrschenden Schienenverkehr bekommen wir allerdings nicht geboten, was vermutlich lizenzrechtliche Gründe hat: Auf die zahlreichen Privatbahnen, die heute im Regionalverkehr unterwegs sind, müssen wir also verzichten. Stattdessen dürften die Szenarien und das Rollmaterial vermutlich eher in den 90iger Jahren angesiedelt sein und einen für damalige Verhältnisse realistischen Schienenverkehr bieten. Für den Spieler bedeutet das, dass er gleich zwei verschiedene Lokomotivtypen fahren darf: Einerseits die Dieseltriebwagen der Baureihe 628 / 928, die mit ihrem kleinen niedlichen Look eher die kleineren Orte und Bahnhöfe anfahren. Andererseits aber auch die große starke E-Lok der Baureihe 189, die vor allem im Güterverkehr unterwegs ist und dabei gerne auch mal in Doppeltraktion beobachtet oder gefahren werden kann, wenn sie ihr hohes Gewicht über die Strecke zieht.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Immer eine Überraschung
Spannend werden die Szenarien allerdings auch deshalb, weil die Moselstrecke weitaus mehr KI-Verkehr mitliefert, als wir zunächst erwartet haben. Dabei beschränkt man sich nämlich nicht auf die zwei verschiedenen Baureihen, sondern liefert noch zahlreiche, nicht fahrbare Lokomotiven und Züge mit. Die Baureihe 151 gehört für den damaligen Güterverkehr schließlich obligatorisch dazu und auch Baureihe 243 kann im Regionalverkehr mit Doppelstock- oder den damaligen roten n-Wagen desöfteren beobachtet werden. Damit gestaltet sich insgesamt ein realistischer Verkehr nach damaligem Fahrplan, bei dem die Szenarien zu keiner Zeit einen zu leeren Eindruck machen. Wir fühlen uns schnell, wie bei der echten Eisenbahn. Und wenn dann auch noch der ein oder andere Sonderzug mit Dampflok entgegen kommt, ist die Überraschung erst so richtig groß – denn „Durchs Moseltal“ hält noch so manchen KI-Verkehr bereit, der in der Beschreibung zuvor gar nicht angegeben wurde.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Passagier- und Güterverkehr
Insgesamt kommt das Addon auch mit ganzen zwölf Szenarien daher und bietet dabei reichlich Spielspaß, zumal so manche Aufgabe auch einmal mehr als eine Stunde dauern darf. Dabei ist der Passagier- und Güterverkehr gleichermaßen stark vertreten. Im Personenverkehr dürfen wir vor allem mit Baureihe 628 / 928 eher langsam unterwegs sein und nehmen dabei jeden Bahnhof mit. Baureihe 189 hingegen versorgt uns mit meist sehr langen Fahrten über die gesamte Strecke, bei dem wir durchaus hohes Gewicht transportieren. Auf Rangieraufgaben verzichtet „Durchs Moseltal“ somit also fast komplett. Dafür bekommen wir aber auch mal einen damaligen Intercity-Zug zu sehen, der ersatzweise mit der 189er unterwegs ist und somit auch bei dieser Lok einmal Abwechslung zu bieten hat. Dass sich die Entwickler zudem auch einige Zufallsereignisse haben einfallen lassen, über die wir dann während der Fahrt informiert werden, macht die Fahrten noch ein klein wenig aufregender. Fans des Train Simulators können bei dieser Strecke also nicht viel falsch machen, obwohl es durchaus ein paar kleinere Probleme gibt.

Train Simulator: Durchs Moseltal

Gar nicht zu schnell
Schade sind angesichts dieser hohen Qualität aber vor allem einige Bugs entlang der Strecke, die den Spielverlauf durchaus stören können. An zwei Stellen entlang der Route registriert „Durchs Moseltal“ beispielsweise eine Geschwindigkeitsüberschreitung, während der Spieler eigentlich unterhalb der vorgegebenen Geschwindigkeit fährt. Das stört zwar nicht allzu sehr, weil wir ohnehin nur Standard- statt Karriereszenarien geboten bekommen, macht aber in der Auswertung zumindest die Statistik kaputt. Zum anderen entspricht die Aufstellung der Signale nicht immer dem Original und einige der Anzeigen haben nicht die vorgesehene Wirkung. Etwa dann, wenn eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht wie auf dem Signal angegeben in Kraft tritt. Derartige Dinge sollten die Macher also in jedem Fall noch überarbeiten – ob das allerdings zwei Jahre nach der Veröffentlichung noch passiert, ist fraglich.

Fazit:
Die Strecke entlang des Moseltals gehört optisch zu den hübschesten Addons für den Train Simulator und hat dank zahlreicher Szenarien und einer ungewöhnlich langen Route auch reichlich Spielspaß zu bieten. Leider trüben vereinzelte Fehler das Spielerlebnis.

Train Simulator: Durchs Moseltal Wertung



01
Feb

Heroes & Villians: Arrow-Star Stephen Amell kommt nach Dortmund

Heroes & Villains GermanyWenn es um den großen Hype der Comicserien geht, stößt nicht nur Marvel bei den Fans auf sehr großes Interesse. Auch DC ist aus dem Fandom längst nicht mehr wegzudenken. Und eine der beliebtesten DC-Serien dürfte dabei sicherlich “Arrow” sein, die vor einiger Zeit auf dem TV-Sender Vox zahlreiche Fans begeistern konnte. Umso größer dürfte bei Fans allerdings die Begeisterung gewesen sein, als mit der Heroes & Villains Germany noch eine weitere neue Con angekündigt wurde, die erstmals in Deutschland gastiert. Die Wahrscheinlichkeit für einen Besuch des Arrow-Hauptdarstellers in Deutschland wurde damit schließlich schon ein wenig größer – immerhin ist die Veranstaltung der Geistesprodukt von Stephen Amell alias “Oliver Queen” und James Frazier, dem Schöpfer der ebenfalls erstmals in Deutschland stattfindenden Walker Stalker Convention.

Dass damit natürlich auch der wichtigste aller Stargäste nicht fehlen darf, sollte klar sein: Stephen Amell hat sein Erscheinen in der Dortmunder Westfalenhalle schließlich nun als erster Serienstar angekündigt und wird dort am 2. und 3. Juni 2018 den Fans in seinen Panels Rede und Antwort stehen, wenn er nicht gerade bei den spannenden Fotoshootings posiert oder die vermutlich ziemlich lange Schlange am Autogrammstand abarbeitet. Und dabei wird es sehr wahrscheinlich nicht bleiben: So manches Posting der Veranstalter lässt schließlich noch auf weitere interessante Stargäste aus den DC- und Marvelserien hoffen und sorgen höchstwahrscheinlich für zwei spaßige Tage für alle Nerds, Geeks und Serienliebhaber.

Der Ticketvorverkauf für die Heroes & Villains Germany öffnet am 2. Februar 2018 um 11:11 Uhr. Weitere Infos zum Event findet ihr unter heroesfanfest.de.



26
Jan

Railway Empire

Im Jahre 1830 steht die Eisenbahn in Nordamerika noch vor den blutigen Anfängen. Einige amerikanische Eisenbahnunternehmen, darunter die Union Pacific Railroad, stecken ihr gesamtes Herzblut in die Aufgabe, die Menschen des Landes über die Schiene miteinander zu verbinden. Der große Traum ist eine transkontinentale Eisenbahn von der West- hinüber zur Ostküste. Doch der Weg dahin ist wahrlich kein leichter: Die finanziellen Mittel sind begrenzt, die Zeit rennt allmählich davon und die Konkurrenz schläft nicht, wenn es darum geht, ihr eigenes Streckennetz möglichst gewinnbringend auszubauen. Nun liegt es an uns, das Ziel des Projektes als erster zu erreichen…

Kritik:
Ganze fünfzehn Jahre ist es mittlerweile her, dass mit „Railroad Tycoon 3“ die letzte reine Eisenbahn-Wirtschaftssimulation auf den Markt kam. Die Begeisterung dafür hat hierzulande aber noch immer nicht nachgelassen: Vielen Spielern sind die zahlreichen Stunden mit der süchtig machenden Wirtschaftssimulation in Erinnerung geblieben. Genau deshalb möchte „Railway Empire“ nun die Gelegenheit nutzen, nach dieser langen Zeit endlich in die Fußstapfen der damaligen Spielereihe zu treten.

Railway Empire

Herausforderungen in Nordamerika
Ein ungewöhnlicher und mutiger Schritt mag es dabei sein, auf internationale Szenarien zu verzichten. „Railway Empire“ konzentriert sich nämlich ausschließlich auf die Anfangszeiten der Eisenbahn in Nordamerika. Konkret bedeutet das, dass wir auf europäische oder gar deutsche Szenarien komplett verzichten müssen – und das, obwohl die größte Zielgruppe derartiger Wirtschaftssimulationen höchstwahrscheinlich in Deutschland zu finden ist. Immerhin lieben vor allem die Deutschen diese Art von Managementsspielen mit möglichst umfangreichen Micromanagement-Optionen. Durchdacht ist dieser Schritt aber durchaus: So nämlich kann „Railway Empire“ in seiner knapp 15-stündigen Kampagne eine richtige und spannende Geschichte um die Entwicklung der Eisenbahn in den Vereinigten Staaten erzählen.

Railway Empire

Komplex und doch einfach
Das Spielprinzip ist dabei grundlegend dasselbe, wie einst in „Railroad Tycoon“: Auch dieses Mal müssen wir mit dem verfügbaren Budget ein Eisenbahnnetz aufbauen und dabei Produktionsketten möglichst profitabel miteinander verbinden. Wir bauen Bahnhöfe verschiedener Größe, verlegen Gleise, erstellen Linien und lassen anschließend Passagier- und Frachtverkehr auf den Strecken fahren. Kennern des Genres dürfte der Einstieg demnach recht leicht fallen, zumal das erste Szenario der Kampagne leicht verständlich die Funktionsweise des Spiels erklärt. Und da fällt auch prompt auf, dass „Railway Empire“ bei seiner alten Vorlage nicht nur einiges abgeschaut, sondern vor allem auch verbessert hat. Wie einfach hierbei das Verlegen von Gleisen oder der Brückenbau von der Hand geht, überrascht selbst so manchen Fan des Genres. Und selbst die Installation von Signalen oder die Konfiguration des verwendeten Bahnsteigs funktioniert erstaunlich einfach. Besser hätte man das komplexe Bauen von Bahnnetzen nicht umsetzen können.

Railway Empire

Forschung und Personal
Interessant ist derweil auch, dass „Railway Empire“ einige Funktionen mehr eingebaut hat, als dies in den meisten anderen Wirtschaftssimulationen üblich ist. Denn statt sich rein auf den wirtschaftlichen Faktor zu beschränken und neue Technologien lediglich durch das Fortschreiten der Zeit freizuschalten, hat Kalypso ihrem neuesten Spiel auch einen echten Forschungsbaum spendiert. Durch unseren Spielfortschritt oder auch durch das Einsetzen von Erfindern erhalten wir schließlich Innovationspunkte, die wir zur Freischaltung beliebiger neuer Technologien verwenden können – seien es Lokomotiven, Verbsserungen oder auch firmeninterne Vorteile. Gleichzeitig hat man außerdem die Möglichkeit eingebaut, Personal einzubauen, das etwa in den Zügen oder im Büro arbeitet. Der Einsatz von Lokführern, Heizern, Wachmännern, Landvermessern, Ingenieuren und anderen Personen verschaffen uns letztendlich ganz verschiedene Vorteile, die sich direkt auf den Spielablauf auswirken können. So wird das Eisenbahnmanagement sogar noch ein bisschen interessanter, als wir es bisher gewohnt waren.

Railway Empire

Wirtschaftsspionage
Apropos Personal: Eine besondere Eigendynamik entwickelt „Railway Empire“ vor allem auch damit, auf den Schwarzmarkt zurückgreifen zu können. Da gibt es dann nämlich ein paar weniger seriöse Mitarbeiter zu ergattern, die beispielsweise die Züge der Konkurrenz ausrauben können oder für schlechte Artikel in den Medien sorgen. Besonders interessant wird dabei allerdings die Möglichkeit der Wirtschaftsspionage, bei der wir einen Spion anheuern, um Technologien – die wir normalerweise über den Forschungsbaum freischalten müssten – bei einem Konkurrenzunternehmen unserer Wahl zu ergattern. Die sind mitunter zwar ein bisschen teurer, machen „Railway Empire“ insgesamt aber ebenfalls noch ein klein wenig spannender.

Railway Empire

Steigender Schwierigkeitsgrad
Einsteiger muss das unterdessen allerdings noch nicht abschrecken. Vor allem die Kampagne startet anfänglich immerhin recht leicht und zieht seinen Schwierigkeitsgrad zur Mitte hin dann ordentlich an. Also genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Spieler mit allen Funktionen des Spiels bestens vertraut ist. Erfahreneren Spielern mag das anfangs sicher noch etwas zu leicht erscheinen, da vor allem die zu beliefernden Produktionsketten zunächst recht einfach gehalten sind. Im späteren Verlauf, wenn etwa steigende Bedürfnisse der Städte und Industrien berücksichtigt werden müssen und gleich mehrere Fabriken hintereinander beliefert werden müssen, wird die planerische Herausforderung schon um einiges größer – vor allem, wenn es darum geht, keinen Stau auf den Schienen zu verursachen. Gleichzeitig kann eine später aufkommende zeitliche Begrenzung den Spieler ziemlich ins Schwitzen bringen, denn wenn wir für so manche Aufgabe nur ein virtuelles Jahr Zeit haben, wird so manches Ziel schon einmal nur sehr eng erreicht.

Railway Empire

Bedürfnisse der Stadt
Etwas zu simpel aufgebaut sind allerdings wohl die Muster, nach denen die jeweiligen Industrien verteilt wurden. Grundsätzlich ist es schließlich so, dass landwirtschaftliche Betriebe und Rohstoffabbau grundsätzlich auf dem Land zu finden sind, produzierende Industrie wiederum ausschließlich in den Städten – und das ausnahmslos. Das sorgt mitunter dafür, dass sich der grundlegende Aufbau der Karten gelegentlich ein wenig wiederholt und man früher oder später mit der immer gleichen Vorgehensweise erfolgreich sein kann. Hier und da auch mal einen Bauernhof in der Stadt zu platzieren, hätte den Warenverkehr sicherlich ein wenig spannender gemacht. Dass man darauf verzichtet hat, liegt aber vermutlich am grundlegenden Spielprinzip: Vergleichbar etwa mit dem Ressourcenmanagement in Aufbaustrategiespielen spielen vor allem die Bedürfnisse der Städte eine große Rolle – und die steigen schließlich mit steigender Einwohnerzahl. Da hat man ein wenig das klassische „Anno“-Prinzip auf das Eisenbahnmanagement übertragen.

Railway Empire

Langer Spielspaß
Wer allerdings nun dachte, dass er auf Grund der sich wiederholenden Muster recht schnell mit „Railway Empire“ durch ist, den können wir an dieser Stelle eines Besseren belehren: Mit dieser Wirtschaftssimulation wird man nämlich noch so manchen verregneten Abend verbringen können. Denn neben der insgesamt knapp 15-stündigen Kampagne, finden wir noch zahlreiche, davon unabhängig spielbare Einzelszenarien, die auf Grund des fordernden Schwierigkeitsgrades vermutlich noch einmal die doppelte Spielzeit in Anspruch nehmen. Man sollte bei „Railway Empire“ also nicht damit rechnen, das gesamte Spiel in weniger als 30 Stunden durchspielen zu können. Eine wesentlich längere Spielzeit ist sogar eher zu erwarten, hängt aber von den Fähigkeiten der Spieler ab. Und wem das dann noch nicht reicht, der findet zudem auch noch einen Modellbahnmodus, in dem er sich schlicht und einfach nach Belieben austoben und Bahnstrecken bauen kann. Da hat man gleich von vornherein an jene Spieler gedacht, die den meisten Spaß mit dem Bauen haben und dies sonst ohnehin per Mod hinzugefügt hätten. Überaus lobenswert.

Railway Empire

Technisch einwandfrei
Noch lobenswerter ist unterdessen allerdings der herausragende Zustand des Spiels. Nachdem sich schließlich immer mehr Spieler darüber beschweren, dass zahlreiche Spiele mittlerweile in unfertigem Zustand erscheinen, freuen wir uns doch umso mehr darüber, dass dies bei „Railway Empire“ keineswegs der Fall ist. Bereits die im Dezember verfügbare Beta-Version überzeugte mit einer technisch einwandfreien Umsetzung und lief auf unserem Test-Rechner zu jeder Zeit absolut stabil. Nennenswerte Bugs konnten wir während unseres Tests außerdem bisher auch nicht feststellen und auch grafisch dürfte dieses Spiel wohl eine der hübschesten Wirtschaftssimulationen der vergangenen Jahre sein. Insofern können wir Fans von „Railroad Tycoon“ und ähnlichen Spielen hiermit eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.

Fazit:
Die hübsche Wirtschaftssimulation aus dem Hause Kalypso tritt in die tiefen Fußstapfen eines „Railroad Tycoon“ und liefert nicht nur einen würdigen Nachfolger, sondern erweitert diesen auch noch um spannende neue Features. „Railway Empire“ ist somit eine klare Kaufempfehlung für Fans des Eisenbahnmanagements.

Railway Empire Wertung



23
Jan

Nantucket

Auf den Spuren von Moby Dick: Als einziger Überlebender von Pequod verbringt Captain Ishmael seine Lebenszeit am liebsten damit, die sieben Weltmeere zu durchqueren. Auf seinen Reisen kann er sich vor allem für eine besondere Leidenschaft begeistern: Das Jagen von Walen. Vor allem die Legende vom berühmten weißen Pottwal Moby Dick lässt ihm dabei keine Ruhe. Doch selbst mit seinem weltoffenen Charakter stellt es eine echte Herausforderung dar, genügend Ansehen bei den anderen Seefahrern zu erlangen, um dem Geheimnis von Moby Dick ein klein wenig näher zu kommen. Damit beginnt eine lange, beschwerliche Reise für den Kapitän…

Kritik:
Innovativ ist es in jedem Fall, ein Computerspiel basierend auf der Geschichte von Moby Dick zu entwickeln. Noch dazu, wenn man sich hinsichtlich der Erzählung und Charakterauswahl durchaus an der Vorlage orientiert. Denn „Nantucket“ setzt genau da an, wo das Buch von Melville einst beendet wurde: Kurz nach den Ereignissen auf der Pequod.

Nantucket

Aller Anfang ist schwer
Und mit genau so einem schicken Segelschiff sind wir dann auch in „Nantucket“ unterwegs, wenn gleich wir im späteren Verlauf durchaus die Möglichkeit haben, größere und fähigere Schiffe einzukaufen. Schade ist dann gleich zu Beginn, dass wir auf Captain Ahab aus den berühmten Moby Dick-Büchern größtenteils verzichten müssen, auch wenn dieser immerhin während des Tutorials auftaucht. Danach nämlich steuern wir die Erlebnisse von Captain Ishmael, dessen Namen wir bei Bedarf auch ändern können und erleben eine komplett eigene Geschichte. Und dabei ist der Einstieg zumindest auf den ersten Blick gar nicht so einfach: Gerade erst das Spiel gestartet, wirkt „Nantucket“ mit seinem umfangreichen Mikromanagement nämlich zunächst ein wenig überladen. Den Überblick zu behalten, gestaltet sich nicht immer einfach – zumal, das Tutorial lediglich einige grobe Basics vermittelt, nicht jedoch die wichtigsten Elemente des Spiels. Danach heißt es nämlich „Learning by doing“.

Nantucket

Bunter Genre-Mix
Dass der Anblick der zahlreichen Menüs dabei zunächst ein wenig überfordern kann, liegt allerdings auch daran, dass sich „Nantucket“ nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen will und damit zugleich auch seine Innovation ausmacht. Dieses Spiel ist nämlich eine Mischung aus Rollenspiel, Erkundung und Karten-/Würfelspiel, das Elemente aus allen drei Genres geschickt miteinander kombiniert. Noch dazu komplett in 2D gehalten, versteht sich. Wenn wir uns also nicht gerade durch umfangreiche, etwas überladen wirkende Menüs wurschteln, treiben wir vor allem auf einer Weltkarte unser Unwesen, auf der wir unser Schiff steuern und die nächsten Ziele anvisieren können. Denn auf den sieben Weltmeeren heißt es, Quests zu erfüllen, spannende Dinge mit der Crew zu erleben und nebenbei ein paar Wale und Seeungeheuer zu vernichten.

Nantucket

Prestige ist alles
Bevor es los geht, liegt es allerdings an uns, zumindest eine kleine Crew für unser Schiff anzuheuern, die dieses auf der Fahrt in Stand hält und uns vor allem im Kampf gegen Tiere und andere Gegner zur Seite steht. Das Prinzip ist dabei allerdings simpler, als es auf den ersten Blick scheint: Je höher unser Prestige, desto mehr und bessere Mannschaftskameraden können wir im nächsten Hafen anfordern. Prestige wiederum erhalten wir durch das Absolvieren von Quests oder durch unser Verhalten in den Zufallsereignissen auf hoher See. Denn wird natürlich eine Geschichte erzählt. Und so manche neue Quest eröffnet sich sogar, wenn wir erst einmal im Prestige oder im Level gestiegen sind. Ein klein wenig Suchtpotential hat das Spiel damit also schon, ständig neue Fähigkeiten und Verbesserungen ergattern zu wollen.

Nantucket

Schwäche der Wiederholung
Leider liegt zugleich auch die größte Schwäche des Spiels in der Handlung und den Quests. Denn obwohl wir durchaus eine spannende Hauptquest erhalten und nebenbei einige wenige Nebenquests mit Story vorfinden können, setzt „Nantucket“ überwiegend dann doch auf generische und sich ständig wiederholende Aufgaben, mit denen wir Geld und Prestige sammeln können. Ein verloren gegangenes Schiff suchen gehört dann ebenso dazu, wie neue Walfanggebiete auszukundschaften und auf die Jagd zu gehen. Leider stellen wir fest, dass wir doch einen Großteil unserer Zeit mit genau diesen beiden Aufgaben verbringen und dass dies ein echter Motivationskiller sein kann. Vor allem, wenn die erste Hauptquest zunächst noch heißt, 25 Prestige erlangen zu müssen, ehe die Story voranschreitet – und wir lediglich diese generischen Möglichkeiten dazu erhalten. Erst danach schreitet die Story dann mit größeren Schritten voran und entfaltet sein eigentliches Potential. Man sollte also zu Beginn am Ball bleiben, um „Nantucket“ als wirklich spaßig zu empfinden.

Nantucket

Der Mangel an Geld
Schade ist anfänglich auch, dass es uns häufig an Geld mangelt, denn „Nantucket“ setzt zugleich auch auf spannendes Ressourcenmanagement. Um genügend Tage mit Nahrung, Wasser und anderen wichtigen Dingen auszukommen und nicht vor unserer Ankunft am Ziel zu verhungern, müssen wir an den jeweiligen Häfen auch genau diese Rohstoffe einkaufen – und auf unseren Reisen stets im Auge behalten. Das bedarf dann anfangs schon ein oder zwei Anläufe, denn das Tutorial verzichtet gänzlich darauf, das Ressourcenmanagement auch nur zu erwähnen. Den richtigen Dreh rauszubekommen, wie viele Ressourcen wir wohl benötigen, ist nicht immer einfach. Und vor allem sind die Ressourcen auch nicht ganz so günstig. Das führt dann dazu, dass wir durchaus einige Stunden benötigen, um endlich unser zweites, größeres Schiff kaufen zu können, mit dem wir dann auch spannendere Quests erhalten. Ganz zu schweigen davon, dass die erforschbaren Schiffsverbesserungen natürlich auch allesamt Geld kosten. Das meiste Geld allerdings gibt es durch den Walfang – und auch hier können die Wiederholungen mitunter frustrieren.

Nantucket

Kampf mit Würfeln
Beim Kampfsystem kommen nämlich die Karten- und Würfelspielelemente hinzu. Unsere Crew und auch die Gegner liegen dabei in Form von Karten vor, die über die Lebenspunkte und auch die besonderen Fähigkeiten entscheiden. Je mehr Prestige wir haben, umso bessere Werte haben die Crewmitglieder, die wir am Hafen anheuern können. Und auch die Größte des Schiffes entscheidet: Je mehr Walfangboote und Crewmitglieder wir aufnehmen können, desto besser dann unsere Chancen im Kampf. Ob wir also mit drei, sechs oder gar neun Crewmitgliedern in den Kampf ziehen, entscheidet sich daran. Spannend wir der Kampf allerdings dadurch, dass er auf ein rundenbasiertes Würfelsystem setzt. Für jeden unserer Crewmitglieder erhalten wir einen Würfel mit 6 Seiten, die darüber entscheiden, ob und welche Fähigkeiten wir einsetzen können. Ein bisschen ist „Nantucket“ also auch Glücksspiel, das aber an der Stelle durchaus Spaß macht – denn auch die Gegner vermehren sich und werden immer stärker. Doch auch hier kommen wir erneut zum Thema der Wiederholungen: Der Ablauf der Kämpfe ist nämlich stets derselbe.

Nantucket

Kein Herz für Tiere
Dafür allerdings macht es schon einen gewissen Spaß, in die Zeit von 1830 einzutauchen – vor allem, wenn einem heutige Moralvorstellungen ein wenig auf die Nerven gehen. „Nantucket“ spielt schließlich in einer Zeit lange vor dem Tierschutz, Greenpeace oder militanten Organisationen wie Sea Shepherd. Hier dürfen wir nicht nur, sondern müssen sogar ganz gezielt junge und neugeborene Wale, Delfine, Haie und andere Tiere ermorden. Meerestiere nämlich sind für Captain Ishamel und die anderen Seefahrer lediglich Seeungeheuer, die es unbedingt zu vernichten und auszuweiden gilt – denn mit ihrem Speck lässt sich schließlich das meiste Geld erwirtschaften. Interessanterweise gilt ähnliches allerdings auch für amerikanische Ureinwohner und Piraten. Die werden schließlich auch ausnahmslos getötet. Political Correctness sucht man in diesem Spiel also „erfrischenderweise“ vergeblich – damit möchte man eben ein realistisches Leben der Seefahrer im 19. Jahrhundert abbilden. In diesem Sinne: Gute Jagd!

Fazit:
Das Spiel rund um die Abenteuer von Moby Dick entpuppt sich als innovative Mischung aus 2D-Rollenspiel, Erkundung und Würfelspiel. Das ist nicht nur einzigartig und macht durchaus Spaß, sondern hat auch einen gewissen Anspruch. Leider verspielt „Nantucket“ mit den generischen Quests und den sich ständig wiederholenden Spielelementen viel Potential, da es zeitweilig etwas an Abwechslung mangelt.

Nantucket Wertung



16
Jan

Mannheim: Walker Stalker kommt erstmals nach Deutschland

In den USA und Großbritannien konnte sie sich bereits fest auf dem Convention-Markt etablieren und ist vor allem bei den Fans von “The Walking Dead” eine international bekannte Marke: Die Walker Stalker Convention. Nun soll sie erstmals auch nach Deutschland kommen, wo sie am 17. und 18. März 2018 in der Maimarkthalle Mannheim stattfinden wird. Und da braucht man sich vor dem amerikanischen Original sicherlich nicht zu verstecken, denn das dazugehörige Stargastaufgebot kann sich bereits jetzt sehen lassen. Denn auch hierzulande sollen die “Walking Dead”-Fans schließlich die Möglichkeit erhalten, all ihre Lieblingsstars zu treffen, spannende Bühnenshows mit ihnen zu erleben und reichlich Autogramme einzusacken.

Walker Stalker Germany

Dass dazu auch die beliebtesten Darsteller, wie Frauenschwarm Norman Reedus gehören, versteht sich dabei von selbst. Immerhin ist der Darsteller von “Daryl” nicht gerade ein Stammgast auf deutschen Conventions und könnte damit schnell zu einem Highlight der gesamten Veranstaltung werden. Ähnliches gilt für Jeffrey Dean Morgan, der als “Negan” zu einem der beliebtesten Bösewichte der Serie geworden ist und mit Chandler Riggs ist selbst der junge “Carl” mit von der Partie, der stets an der Seite seines Serienvaters Rick gegen die zahlreichen Untoten von Atlanta kämpfen durfte.

Wem das noch nicht reicht, der kommt mit Michael Cudlitz alias “Abraham”, Ron Perlman aus “Hellboy” oder “Tara”-Darstellerin Alanna Masterson mit großer Wahrscheinlich ebenfalls noch auf seine Kosten. Die restlichen der mittlerweile sage und schreibe 16 bekannten Seriendarsteller hat der Veranstalter unterdessen auf seiner Webseite bekanntgegeben und können dort nachgelesen werden. Ebenso gibt es dort Tickets ab 54 Euro unter walkterstalkercon.de.



18
Dez

Wolfenstein 2: The New Colossus

Der knallharte Widerstandskämpfer William J. Blazkowicz hat in den vergangenen Jahren schon reichlich schlechte Erfahrungen mit dem Nazi-Regime machen dürfen. Nun steht er in Gefangenschaft vor einer folgenschweren Entscheidung: Er muss darüber entscheiden, welcher seiner Freunde von den Soldaten ermordet wird. Doch dabei wird er es natürlich nicht belassen. Mit roher Waffengewalt kämpft sich B.J. seinen Weg aus der Gefangenschaft frei, um sich erneut der Widerstandsbewegung anzuschließen. Denn der Tod seines Freundes soll nicht umsonst gewesen sein und seine Kinder sollen zukünftig nicht in einem faschistischen Staat aufwachsen müssen. Dumm nur, dass er körperlich stark angeschlagen ist und seine Leber kurz davor ist, gänzlich zu versagen. Und auch seine Erzfeindin Frau Engel ist ihm noch immer auf den Fersen. Trotzdem liegt es in seiner Hand, die Menschheit vom Nazi-Regime zu befreien, das auch im Jahre 1961 noch die Welt tyrannisiert…

Kritik:
Was wäre, wenn die Nazis einst den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten und mit moderner Technologie noch immer die Menschheit in Angst und Schrecken versetzen würden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die „Wolfenstein“-Reihe traditionell – und setzt dabei auf satirisch überzeichnete Charaktere und teils skurrile Handlungen. Mit „The New Colossus“ ist nun der neueste Teil der Reihe erschienen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

German Angst
Angesichts dieser Hintergrundgeschichte des Spiels, erscheint es geradezu absurd, dass man die hierzulande erhältliche Version entschärft hat. Nicht etwa bei den teils tatsächlich sehr drastischen Gewaltdarstellungen – die zeigt man völlig ungeschnitten – sondern bei der Symbolik, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem Dritten Reich steht. Absurd ist das deshalb, weil praktisch alles in diesem Spiel an das Nazi-Regime erinnert – die roten Armbinden der Soldaten, der zugespitzte Reinheitskult der Faschisten, bis hin zu so manch kruden Phantasien, welche die Nazis einst tatsächlich hegten. Dann aber ausgerechnet Hitler in „Herrn Heiler“ umzubenennen und ihm den Bart abzurasieren, obwohl man ihn ohne Zweifel trotzdem erkennt, grenzt schon ein wenig an Albernheit. Und zeugt letztendlich von vorauseilendem Gehorsam, um eine Indizierung von vornherein gar nicht erst zu riskieren.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Schwere Kindheit
Das wird vor allem dann albern, wenn „Wolfenstein 2“ sogar tatsächlich kontroverse Szenen zeigt, die zugleich aber zu den Stärken des Spiels gehören. Etwa dann, wenn ein Wehrmachtssoldat in einem American Diner von seiner menschlichen Seite gezeigt wird und freundlich einem Kind gegenübertritt, ehe er eine Erdbeermilch bestellt und damit so manchen netzaffinen Nerd prompt zum Lachen bringt. Kontroversen, Humor und Ernsthaftigkeit liegen bei diesem Spiel also nah beieinander. Obwohl es sich um einen Ego-Shooter handelt, der gelegentlich auch mal zu einer reinen Ballerorgie werden kann, ist Gewalt hier kein Selbstzweck. Die Aufdeckung der Absurditäten der faschistischen Ideologie steht im Mittelpunkt. Man könnte „The New Colossus“ stellenweise sogar als Antikriegsspiel mit linkem Touch bezeichnen. Denn: Widerstand macht Spaß – das vermittelt der Shooter vordergründig.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Kampf den Aluhüten
Und da passt es auch hervorragend, dass es sich „Wolfenstein 2“ nicht nehmen lässt, reichlich Anspielungen an die heutigen Verschwörungstheorien einzubauen. Die Nazis werden dann kurzerhand mit Reptiloiden in Verbindung gebracht und nachdem diese im Vorgänger bereits eine Basis auf der Rückseite des Mondes besaßen, verschlägt es uns dieses Mal gleich direkt auf die Venus, um dort den Machenschaften und Experimenten der Nazis ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Anders gesagt: Hier reiht sich eine auf Aluhutfantasien basierende Absurdität nach der anderen aneinander und „Wolfenstein 2“ wird schnell zu einem Fest für aufgeklärte Menschen. Schade ist an der Stelle dann lediglich, dass der Einblick in die moderne Welt etwas zurückhaltend geblieben ist. Nur selten betreten wir in diesem Spiel die Zivilisation, unterhalten uns mit den normalen Menschen und bekommen einen Einblick in ein Leben im Zeitalter des Faschismus. Stattdessen ballern wir uns überwiegend durch Schlauchlevel mit Beton- und Stahlwänden. Schade, denn spätestens im American Diner sehen wir, welches Erzählpotential hier möglich gewesen wäre.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Starke Momente in Maßen
Generell fällt bei genauerem Hinsehen ohnehin auf, dass die richtig starken Momente, die wir einst in „Wolfenstein: The New Order“ erlebt haben, hier ein wenig rarer gesät sind. Großartige Level wie etwa der Gefängnisausbruch oder das Klettern an einer riesigen Hauswand hinauf, müssen wir leider sehr vermissen. Stattdessen sorgen eher kurze Auftritte von Ober-Nazi Frau Engel für skurrile Momente am Rande des guten Geschmacks. Fest steht: So absurd genial manche Szene hier sein mag, empfiehlt sich trotzdem eine gewisse Ekelresistenz, wenn unsere Erzfeindin einmal mehr ihr Beil schwingt. Statt aber übermäßig auf diese grandiosen Momente zu setzen, sucht „Wolfenstein 2“ seine Stärken eher in der persönlichen Geschichte der Hauptfigur – und in seinen Kindheitserlebnissen mit einem prügelnden und rassistischen Vater. Das ist eindringlich, gestaltet sich aber zu ernsthaft, um an die satirischen Szenen des Vorgängers heran zu kommen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Widerstand kommt brutal
Dazwischen allerdings – und das betrifft einen Großteil der Spielzeit – schlagen wir uns mit brachialer Waffengewalt durch die Nazihorden und bekommen einen schnellen Oldschool-Shooter geboten. Grundsätzlich bietet es sich zwar auch an, schleichend vorzugehen und die Gegner von hinten zu erledigen, um zunächst die Anführer auszuschalten, damit diese keine Verstärkung mehr rufen können – doch eingefleischte Stealth-Action-Fans werden mit „Wolfenstein 2“ sicherlich nicht wirklich glücklich werden. Ein einziges Mal erwischt werden reicht aus, um die Masse der Gegner gegen uns zu richten – und diesen Beschuss werden wir dann auch nicht mehr los. Da helfen nur noch schnelle Stellungswechsel und Frontalangriff. Und mitunter bekommen wir dabei auch auf mittleren Einstellungen bereits einen ordentlichen Schwierigkeitsgrad geboten. Ein Glück, dass wir diesen jederzeit ändern können, ohne den Spielstand neu laden zu müssen. So lässt sich Frust an der ein oder anderen Stelle vermeiden.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Nazis sind dumm
Angesichts dieses durchaus fordernden Schwierigkeitsgrades wundern wir uns dann aber doch über gelegentliche Aussetzer der KI, die sich gelegentlich leicht überlisten lässt. So ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass wir direkt vor einem Gegner standen und dieser trotzdem nur regungslos an derselben Stelle stehen blieb. In anderen Momenten wiederum war es möglich, einfach eine erhöhte Position einzunehmen und fortan vor dem Beschuss des Gegners sicher zu sein. Erstaunlich ist das übrigens deshalb, weil die Gegner – sofern sie keine Aussetzer haben – recht fordernd und intelligent reagieren. Sie nutzen Deckungen, flankieren uns nach Möglichkeit und schrecken auch vor dem Einsatz von Granaten nicht zurück. Kurz gesagt: Meistens setzen sie uns massiv unter Druck und lassen keine Verschnaufpausen. Da entsteht dann auch recht schnell viel Tempo innerhalb der Kämpfe.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Hoch die Beine
Im späteren Spielverlauf bekommen wir dann nicht nur interessantere und größere Waffen, sondern auch neue Modifikationen und Fähigkeiten. So können wir beispielsweise über drei verschiedene „Körperverbesserungen“ wählen, die uns wahlweise mehr Kraft verleihen oder etwa auf Stelzen laufen lassen, um erhöhte Positionen leichter erreichen zu können. Wenn wir dadurch alternative Wege nutzen können oder ganz andere Taktiken gegen unsere Gegner anwenden dürfen, bekommen die Auseinandersetzungen eine gänzlich neue Dynamik, die schnell Spaß macht. Da ist es fast schade, dass diese Möglichkeiten erst etwa zur Mitte des Spiels erscheinen und wir nicht weitaus früher über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Apropos Fähigkeiten: Natürlich kommt „Wolfenstein 2“ auch mit einem echten Fähigkeitenbaum. Erfahrungspunkte gibt es dafür allerdings nicht, denn auf Rollenspielelemente möchte man zugunsten des Oldschool-Feelings verzichten. Stattdessen sind die Fähigkeiten von unseren Handlungen abhängig: Töten wir unsere Gegner also häufig von hinten, erhalten wir verbesserte Fähigkeiten in eben diesem Kampfstil. So formen wir nach und nach einen individuellen Charakter, der durch unseren eigenen Spielstil geprägt wird. Wie im realen Leben eben.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Chroniken der Freiheit
Hat man dann anschließend noch nicht genug vom Kampf gegen die Nazis, setzt sich „Wolfenstein 2“ auch nach der Hauptstory noch fort. Dann allerdings nicht mehr mit unserer Hauptfigur B.J., sondern mit drei anderen interessanten Charakteren. Im Episodenformat erhalten Käufer des Season Passes nämlich die dreiteilige Erweiterung „The Freedom Chronicles“, bei der wir in die Rolle eines Widerstandskämpfers schlüpfen, der seine ganz eigene Geschichte erzählt und über ganz eigene Fähigkeiten verfügt. Beginnend mit einem ehemaligen Football-Spieler können wir dann beispielsweise durch brüchige Wände rammen oder unsere Gegner über den Haufen rennen. In einer der späteren Episoden schlüpfen wir dann wiederum in die Rolle einer Agentin, die durch winzige Luftschächte kriechen kann und eher verdeckt vorgeht. Da kommen dann auch die Stealth-Fans ein bisschen mehr auf ihre Kosten.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Attentate ohne Reiz
Apropos Stealth: Ein bisschen könnte man seine verdeckten Fähigkeiten auch bei den diversen Attentatsmissionen austesten, die wir durch bei Kommandanten eingesammelte Lochkarten freischalten können und die in erster Linie als Nebenmissionen dienen, um zusätzliche Ausrüstung zu erhalten. Dann nämlich begeben wir uns in bereits bekannte Level und müssen dort ein vorgegebenes Ziel eliminieren. Optimalerweise könnten wir dabei versuchen, unentdeckt an den normalen „Fußtruppen“ vorbei zu kommen und auf direktem Wege den Kommandanten zu erledigen, ohne auch nur einmal den Alarm auszulösen. Schade ist dann nur, dass sich der Reiz an diesen Nebenmissionen stark in Grenzen hält, weil sie schlicht nichts zur Story beitragen und keine neuen Locations hinzukommen. So hat man nach drei bis vier dieser Missionen allmählich genug gesehen.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Fehler im Regime
Abschließend muss man sagen, dass „Wolfenstein 2“ insgesamt eigentlich ein herausragendes Spiel wäre, würde der Spielspaß nicht bei einigen Käufern durch zahlreiche Bugs und Fehler getrübt. Auch im Test mussten wir immer wieder feststellen, dass es stellenweise zu schwerwiegenden Grafikfehlern kam, wenn wir die „Bild-Streaming“-Option auf ultra gestellt haben. Plötzlich waren ganze Level kaum mehr zu erkennen oder Haare von Charakteren bildeten riesige Balken. Viele andere Spieler wiederum berichten von Abstürzen und Fehlermeldungen, die das Spiel mitunter unspielbar machen. Wir wiederum stießen auf diese Fehlermeldungen lediglich beim Schließen des Spiels – warum auch immer. Aus diesem Grund empfehlen wir vor dem Kauf einen Test der Demo-Version, um sicherzugehen, dass es auf dem eigenen Rechner zu keinerlei Problemen kommt. Mit etwas Glück werden die Bugs aber auch mit zukünftigen Patches schon bald behoben.

Fazit:
Obwohl „Wolfenstein 2“ stellenweise nicht an die Stärken des Vorgängers heran kommt, liefern die Entwickler wieder einen überaus spaßigen Oldschool-Shooter, der mit seinen satirisch überzeichneten Charakteren auf jeden Fall einige starke Momente zu bieten hat.

Wolfenstein 2: The New Colossus Wertung



18
Dez

Hocico: Knallharte Aggrotech-Sounds aus Mexiko im Kulttempel Oberhausen

Eine steinerne Halle, Gemälde wie Kirchenfenster an den Wänden und ein Publikum, das ausnahmslos in schwarz gekleidet ist. Wenn man diesen Anblick vor sich hat, kann man sicher sein, man befindet sich im Kulttempel Oberhausen, der sich direkt neben der berühmten Turbinenhalle befindet. Findet man dann allerdings auch noch okkulte Gegenstände in der Nähe der Bühne vor, entdeckt ein Mikrofonstativ voller Totenköpfe und ein Mexikaner betritt die Bühne, der eher an einen Schamanen erinnert als an einen Sänger, ist man noch dazu mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem Konzert der mexikanischen Industrial/Aggrotech-Band Hocico. Eines, wie es Fans der schwarzen Szene am vergangenen Sonntag erleben durften.

Hocico - Kulttempel Oberhausen

“Hocico” heißt übrigens so viel wie “Schnauze” oder “Fresse” – und das nehmen die beiden Mexikaner Erk Aicrag und Racso Agroyam, die mit bürgerlichem Namen eigentlich Eric Garcia und Oscar Mayorga heißen, ziemlich wörtlich. Denn wenn Hocico erst einmal los gelegt hat, gibt es hier musikalisch “ordentlich auf die Fresse”. Nicht umsonst gelten die Mexikaner, die in der deutschen Gothic-Szene schon seit den 90ern eine fest etablierte Größe sind, als eine der härtesten Bands ihres Genres. Da darf man ihren Slogan “Bienvenido a la maldad” – Willkommen in der Hölle – auch durchaus wörtlich nehmen, denn der Sound ist wahrlich nichts für zarte Gemüter. Die Bässe hämmern mit vielen Beats pro Minute nur so vor sich hin, während vor allem Eric Garcia wild auf der Bühne herumhüpft.

Und man mag es an der Stelle fast kaum glauben, aber: Zum Sound von “Hocico” kann man tatsächlich noch tanzen. Wenn die feiernde Crowd nicht gerade ebenfalls wild zu den Klängen der Band herumhüpft und den Mexikanern zeigt, dass sie voll auf ihren Sound abfahren, kann man das sogar hin und wieder beobachten. Besonders ansehnlich, wenn die aufwändig gekleideten Goths sich dann extra viel Mühe bei ihrem Outfit gegeben haben. Ob im engen Leder-Korsett, oder mit künstlichen sogenannten “Cyberlocks” auf dem Kopf – einmal mehr zeigt sich, dass die schwarze Szene nicht nur eine einheitliche Farbgebung hat, sondern sich gerne einmal stilvoll-elegant oder mitunter ausgefallen kleidet. Nicht, dass die Outfits der Band selbst nicht schon so gelungen wären, dass sie beinahe als düstere Variante eines Cosplayers durchgehen könnten.

Chemical Sweet Kid - Kulttempel Oberhausen

Vorab heizte die Support-Band das Publikum allerdings nicht weniger ein. Mit Chemical Sweet Kid gab es schließlich Unterstützung aus dem Nachbarland Frankreich. Die dreiköpfige Band rund um Julien Kidam, Kora-Li Louys und Ersatzgitarristen Kim Larcher beglückte die Gothic-Fans derweil mit knallhartem Industrial-Metal und einem kleinen Elektro-Crossover-Touch. Und da durften sie auch gleich einmal zeigen, dass es bei ihnen auf der Bühne keineswegs weniger wild zugeht, als bei den mexikanischen Kollegen. Mit der nötigen Portion Aggressivität, völlig abhandenen Berührungsängsten und reichlich kräftigen Gitarrensounds waren Chemical Sweet Kid auf jeden Fall ein würdiger Support für die “Schamanen aus der Hölle”.

Schade ist dann lediglich, dass die Besucher im Anschluss an das Konzert nicht mehr allzu lange weiter feiern konnten, denn – vermutlich bedingt durch einen Sonntag – blieb die normalerweise obligatorische Aftershow-Party dieses Mal aus. Dafür konnten sich Fans natürlich noch am Merchandise-Stand des Labels Out of Line mit allen aktuellen Alben und sogar Vinyl eindecken oder gar das ein oder andere Autogramm von Chemical Sweet Kid ergattern, die bis zum Schluss am Stand blieben, um sich den Fragen und Wünschen des Publikums zu widmen. Doch kein Wunder: Die faszinierende kleine Location mit ihrer einzigartigen Dekoration lädt schließlich stets zum Verweilen ein.

Weitere Fotos vom Konzert findet ihr unter facebook.com/dvdmagazine.



15
Dez

Train Sim World: Rapid Transit

Eine der wohl geschäftigsten und wichtigsten S-Bahn-Strecken Deutschlands dürfte die Route zwischen Leipzig und Dessau sein. In der Rolle eines Lokführers der S-Bahn Mitteldeutschland müssen auch wir dabei feststellen, dass die interessante Strecke keineswegs immer nur einfach zu fahren ist. Auf der unterirdischen Stammstrecke unterhalb der Leipziger Innenstadt sind die Entfernungen derartig kurz, dass exaktes Bremsen durchaus zu einer Herausforderung sein kann – ehe es anschließend bergauf in Richtung Norden in die Tiefen der ehemaligen DDR geht. Doch dank des modernen Talent 2-Triebwagens, der von seinen Liebhabern gerne auch „Hamsterbacke“ genannt wird, sollte selbst die schwierigste Herausforderung zu meistern sein.

Kritik:
Die modernste und aktuellste Eisenbahnsimulation unter dem Titel „Train Sim World“ dürfte wohl eine der grafisch aufwändigsten Simulationsspiele auf dem gesamten Spielemarkt sein. Erst im Frühjahr dieses Jahres mit einer amerikanischen Route erschienen, dürfen wir uns mit „Rapid Transit“ nun erstmals auf eine deutsche Strecke wagen und unser Können im reinen Passagierverkehr unter Beweis stellen. Einmal mehr bietet sich mit der neuesten Route allerdings nur die übliche Streckenlänge. Mehr als die üblichen sechzig Kilometer Strecke sollte man bei diesem Addon also ebenfalls nicht erwarten. Eine komplette Linienführung ist damit nicht unbedingt möglich – aber dennoch der wohl realistischste Einblick in die Fahrzeuge der Deutschen Bahn, den wir je gesehen haben.

Train Sim World: Rapid Transit

Eine echte Simulation
Im Mittelpunkt des neuen „Rapid Transit“ dürfte neben der deutschen Strecke, vor allem auch der Triebwagen der Baureihe 1442 stehen, der unter Kennern auch schlicht „Talent 2“ genannt wird. Und wer nach dem klassischen Train Simulator nun erstmals auf Train Sim World umsteigt, wird aus dem Staunen wohl so schnell nicht mehr herauskommen: Die Grafik gestaltet sich nämlich derartig realistisch, dass nicht mehr viel fehlen würde, um den Zug kaum noch von einem realen Foto unterscheiden zu können. Das fängt bei kleinen Details wie den Spiegelungen auf dem Außenblech an und setzt sich sogar bis hin zur animierten Einstiegsrampe fort. Jede Kleinigkeit in und am Talent 2 passt perfekt und entspricht nahezu exakt der Realität. Umso erfreulicher dann, dass auch die Technik des Zuges – bis auf einzelne Kleinigkeiten wie die Haltestellenansage – funktionsfähig simuliert wurde. Da vermisst man am Ende wohl nur noch den Zielanzeiger, wenn wir ansonsten fast den Eindruck haben, in einem echten Zug der Deutschen Bahn zu sitzen.

Train Sim World: Rapid Transit

Hübsches Leipzig
Ebenso gut kann sich natürlich die Strecke ansich sehen lassen, die ziemlich exakt dem realen Vorbild gleicht. Selbst die Säulen und Steine des Leipziger Tiefbahnhofs lassen sich von Fotoaufnahmen mitunter kaum unterscheiden. Gleichzeitig macht die Besiedelung entlang der Strecke einen absolut realistischen Eindruck, sodass wir nicht nur einzelne Häuser wieder erkennen, sondern wirklich der Eindruck erweckt wird, wir befänden uns auf der echten Strecke. Ein Kartenende ist hier jedenfalls bis zum Horizont nicht in Sicht. Kleine zusätzliche Details, wie etwa glaubwürdig aussehende Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn oder niedliche kleine Bahnübergänge machen dabei deutlich, dass die Entwickler sehr viel Detailverliebtheit in ihr neuestes Addon gesteckt haben. Schade, wenn dann wichtige Details im Fahrbetrieb, wie etwa Haltepositionsschilder, leider doch vergessen werden – gerade hier sollte doch das Hauptaugenmerk liegen.

Train Sim World: Rapid Transit

Die einsame Strecke
Problematisch wird bei genauerem Hinsehen aber spätestens die Tatsache, dass ein realistischer Betriebsablauf kaum simuliert werden kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit „Rapid Transit“ lediglich ein einziger Zug – nämlich der Talent 2 – mitgeliefert wird. Auf Regionalbahnen oder gar Güterzüge müssen wir selbst als KI-Verkehr vollständig verzichten. Spätestens an einem der größeren Bahnhöfe außerhalb Leipzigs angelangt, wirkt es doch ganz schön unrealistisch, wenn wir nicht einmal einem klassischen Doppelstockwagen begegnen. Wenn uns ausschließlich Züge entgegen kommen, die exakt so aussehen, wie unser eigener, erscheint das auf lange Sicht nicht sonderlich glaubwürdig. Da hätte man sich zumindest die Mühe machen sollen, noch das ein oder andere zusätzliche Rollmaterial hinzuzufügen – wie immerhin beim alten Train Simulator noch üblich gewesen.

Train Sim World: Rapid Transit

Arbeit ohne Hindernisse
Schade ist dann erst recht, wenn man auch die Szenarien nicht sonderlich interessant gestaltet. Die fünf enthaltenen Aufgaben beschränken sich schließlich komplett darauf, uns einmal von A nach B zu schicken – ohne etwa roten Signalen zu begegnen, unvorhersehbaren Ereignissen oder irgendwelchen anderen Hindernissen. Hier baut man kein spannendes Erlebnis auf, bei dem wir auf Situationen reagieren müssen, sondern wir fahren schlicht bei dauerhaft grünen Signalen über die offene Strecke. Eine Herausforderung für den erfahrenen Eisenbahnfan ist das nun wirklich nicht. Fans des alten Train Simulators könnten hier den Eindruck erhalten, „Train Sim World“ sei lediglich ein Grafikblender, der zwar hübsch aussieht, aber unter der Haube wenig zu bieten hat. Und dabei hat uns das vorherige Addon „Great Western Express“ noch bewiesen, welche Möglichkeiten in diesem Spiel stecken und wie man Szenarien etwas interessanter gestalten kann.

Train Sim World: Rapid Transit

Die kaputte Türe
Dafür orientiert man sich aber ansonsten durchaus an einem gewissen Realismus – allerdings mit dem kleinen Problem, dass das offenbar keineswegs gewollt ist. Wie bei der Deutschen Bahn auch in der Realität desöfteren vorkommend, funktionieren die Türen des Zuges schließlich nicht richtig. Das passiert allerdings nicht, weil hier ein Defekt glaubwürdig simuliert werden soll, sondern weil es sich schlicht um einen Bug des neuesten Addons handelt, bei dem die Türanimation der hinteren Tür gelegentlich nicht funktioniert. Einmal die Kameraperspektive gewechselt und schon ist selbige Tür dann plötzlich geöffnet. Ein solcher Fehler dürfte wohl auf ähnlichen Problemen basieren, wie wir sie in „Great Western Express“ schon mit den Verzerrungen der entgegenkommenden Züge hatten. Auch an dieser Stelle wird deutlich, dass „Rapid Transit“ leider noch nicht ganz ausgereift ist – obwohl es dennoch einen echten Augenschmaus und ein realitätsnahes Fahrvergnügen bietet.

Fazit:
Schaut man über kleinere Schwächen hinweg, bekommt man mit „Rapid Transit“ nicht nur die erste deutsche Strecke für Train Sim World geboten, sondern zugleich auch ein detailliert simuliertes Fahrerlebnis mit einer beeindruckenden Grafik.

Train Sim World: Rapid Transit Wertung



11
Dez

Dortmund: German Comic Con platzt aus allen Nähten

Nachdem die Comic Cons in Deutschland mittlerweile wie Pilze aus dem Boden gesprießt sind und sich auf dem Convention-Markt als Großevents fest etabliert haben, ging am vergangenen Wochenende nun auch die German Comic Con in Dortmund bereits in ihre dritte Runde. Neben drei weiteren Events in Berlin, Frankfurt und München zählt die Veranstaltung in Dortmund dabei eigentlich als deutsches Flaggschiff des Veranstalters, konnte man die Eventreihe schließlich genau damit im Dezember 2015 starten. Das sieht man unterdessen allerdings auch an den Besucherzahlen, denn wie auch in den Vorjahren kamen zehntausende Besucher in die Westfalenhallen Dortmund, um dort ihre Stars zu treffen und sich auf die Jagd nach den heißbegehrten Autogrammen zu machen.

German Comic Con Dortmund

Spätestens zur Mittagszeit am Samstag zeigte sich allerdings auch ein enormes Problem: Obwohl die Besucherzahlen keineswegs geringer wurden, hat der Veranstalter das Event offenbar von vier auf nur noch zwei Hallen reduziert. Der komplette große Bereich der Halle 3B, welcher im vergangenen Jahr noch unter anderem für Photoshoots mit den Stars und Händler diente, fehlte dieses Mal leider komplett. Die Folge war eine starke Überfüllung der Veranstaltung und extremes Gedränge in den Fluren und zwischen den Händlerständen. Zeitweise gestaltete sich die Problematik scheinbar so schlimm, dass ein Einlassstopp in Kraft gesetzt wurde und zahlreiche Besucher mit Tickets aus dem Vorverkauf sogar Probleme hatten, die Veranstaltung überhaupt zu betreten.

Unterhaltungen mit einigen Besuchern ergaben außerdem, dass eine hohe Unzufriedenheit und ein vermindertes Sicherheitsgefühl auf Grund des starken Andrangs vor allem in den Durchgängen zwischen Halle 4 und 7 vorherrschte – in denen dann dummerweise auch noch die Toiletten lokalisiert waren, was zu zusätzlicher Verstopfung führte. Denn wenn hier plötzlich in beide Richtungen kein Weiterkommen mehr war, konnte man von Glück sprechen, dass die Besucher der Convention generell ruhig und gelassen blieben. Dummerweise trugen regelmäßige Warnungen vor Taschendieben allerdings auch nicht gerade zur Stärkung des Sicherheitsgefühls bei. Dass so mancher Besucher bereits nach wenigen Stunden das Weite suchte, weil es ihm schlicht zu überfüllt war, verwundert dann wenig. Bereits am späten Nachmittag war dies dann auch allmählich an den etwas leereren Gängen erkennbar.

German Comic Con Dortmund

Dabei hat die German Comic Con in diesem Jahr sogar keineswegs alles falsch gemacht und erweckte zunächst den Eindruck, aus Fehlern des Vorjahres gelernt zu haben. Die Warteschlange am Eingang befand sich so etwa nicht mehr außerhalb des Veranstaltungsgeländes, sondern von nun an in einer der Hallen der Westfalenhallen. Hat der Einlass einmal etwas länger gedauert, musste nun jedenfalls niemand mehr in der eisigen Kälte des verschneiten Dortmund frieren. Dummerweise stellten wir allerdings auch hier fest: Plötzlich verwendet man für die Warteschlange eine Halle, die im Vorjahr noch mit Zeichnern und Händler gefüllt war – und somit einst dazu beitrug, dass sich die Menschenmenge stärker verteilt. Da hat die Besserung doch gleich wieder einen faden Beigeschmack.

German Comic Con Dortmund

Die besten Chancen, das Event zu genießen, hatten dann doch vor allem die Zuschauer der Panels, die doch lieber das Bühnenprogramm bewunderten, statt sich durch Gänge mit den Händlern zu quetschen oder sich an die etwas chaotischen Autogrammschlangen anzustellen. Das nämlich hat sich in diesem Jahr sichtlich verbessert, sodass vor allem Technik und Akustik während der Bühnenauftritte der Stars nun vorbildlich waren. Und wenn zahlreiche Stars wie Alyson Hannigan aus “American Pie” mit ihren vier Buffy-Kollegen auf der Bühne standen, oder Ricky Whittle aus “American Gods” seine Fans begrüßte, war das definitiv mit ziemlich viel Spaß verbunden. Trotz der starken Überfüllung waren die Stars schließlich sichtbar gut gelaunt und haben sich ihre Fannähe keineswegs nehmen lassen.

Das wurde dann auch bei den etwas seltener anzutreffenen Stargästen sichtbar, denn mit Jaleel White aus “Alle unter einem Dach”, Wentworth Miller aus “The Flash” oder Christopher Lambert aus “Highlander” kamen die Besucher auch in den Genuss einiger Schauspieler, die nun wahrlich nicht auf jeder Convention anzutreffen sind – und konnten erstaunt feststellen, dass die meisten Stars doch tatsächlich genauso aussehen, wie in den Filmen und Serien. Denn manches Mal verändert sich das Aussehen durch die Maske doch gar nicht so intensiv und Stars wie Jaleel White, der einst “Steve Urkel” gespielt hat, scheinen sich auch nach zwanzig Jahren optisch kaum verändert zu haben.

German Comic Con Dortmund

Insofern kann man doch zumindest feststellen: Wer eine gewisse Frusttoleranz mitgebracht hat und wem es nichts ausmachte, in den zahlreichen Schlangen auch mal etwas länger zu stehen, hatte in Dortmund zumindest die Gelegenheit, zahlreiche bestens gelaunte Stars anzutreffen und sogar das ein oder andere Gespräch mit seinem Liebling zu führen. Schade ist dann lediglich, wenn man es auf Grund der starken Überfüllung dann doch nicht rechtzeitig zum Panel seines Lieblingsschauspielers geschafft hat. Da darf man sich allerdings zurecht die Frage stellen, warum es im mittlerweile dritten Jahr in Folge immmer noch zu organisatorischen Problemen kommt. Schade – doch diese Kritik muss sich ein Veranstalter mit zehntausenden Besuchern und mehr als sieben Großveranstaltungen im Jahr gefallen lassen. Das darf nach so viel Erfahrung eigentlich nicht mehr passieren.



11
Dez

Clan of Xymox: 80iger Jahre Goths rocken Bochum

Dass eine Band mehr als 30 Jahre im Geschäft bleibt, ist im Musikbusiness sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Das weiß man spätestens, seitdem ein Großteil der 90iger Jahre Bands mittlerweile wie vom Erdboden verschluckt wurden. Manchmal allerdings schaffen es selbst Musiker, die nicht unbedingt im Mainstream aktiv sind, seit 1984 auf der Bühne zu stehen – und noch heute durch das ganze Land zu touren. Eine dieser Bands ist auch Clan of Xymox, die mit ihrem Darkwave-Sound zur Bestzeit von Depeche Mode oder Die Krupps gegründet wurde – und noch heute in der Lage ist, zumindest kleinere Locations gut zu füllen. In dieses Vergnügen konnte man am vergangenen Freitag im Rockpalast Bochum kommen. Gerade dann, wenn es aber nicht unbedingt volle Stadien sind, sieht man einer Band nach über dreißig Jahren aber vor allem eines an: Sie sind aus Leidenschaft dabei, statt nur für das große Geld.

Etwas anderes fällt auf den ersten Blick dann aber auch auf: Clan of Xymox um Frontmann Ronny Moorings, der nicht nur als Sänger auf der Bühne steht, sondern auch selbst die E-Gitarre in die Hand nimmt, wirken ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Mit Frisuren, die sich irgendwo zwischen Deine Lakaien und Project Pitchfork ansiedeln, sowie einem eleganten Alt-Goth-Style machen sie dabei einen optischen Eindruck, der zugleich bestens zur Musik passt. Die nämlich kommt mit bestem Dark Wave und elektronischen Beats daher und ist letztendlich nicht weniger aus der Zeit gefallen. Wer sich schon mit den Großmeistern Depeche Mode anfreunden konnte, war von Clan of Xymox ebenso schnell begeistert.

Dynastie

Interessant bleibt an der Stelle, dass die Band live auf der Bühne doch einen etwas härteren Eindruck hinterlässt, als die eher sanften und melodischen Töne ihrer alten Studioalben oder etwa die zahlreichen Youtube-Videos, die man im Internet leicht findet, vermuten lassen. Denn wenn der Bass in der Magengegend zu spüren ist, macht eine Band wohl einiges richtig und verdeutlicht, dass sie sich vor der härteren Gangart der heutigen EBM- und Aggrotech-Szene keineswegs verstecken muss. Die Bühne rocken kann auch die ältere Gothic-Generation definitiv noch. Zumal auch Moorings sehr einprägsame und individuelle Stimme hervorragend dazu passt. Da geben sie schnell ein gelungenes Gesamtbild ab und überzeugen selbst Besucher, die eher für eine der Vorbands erschienen sind.

Vorab nämlich begeisterte die Band Dynastie aus dem Raum Dortmund mit etwas moderneren Tönen. Kein Wunder, denn die 4-köpfige Band stammt schließlich noch aus den 90iger Jahren und siedelt sich eher im moderneren Dark Wave / EBM-Spektrum an. Dass man dabei vor allem auf düster-atmosphärische elektronische Klänge setzt, dürfte wenig verwundern. Zumal Bandmember Thomas Lesczenski schließlich einst das Projekt [:SITD:] mitgegründet hat und dadurch reichlich Erfahrungen mit dem deutlich härteren Aggrotech sammeln durfte. Davon abgesehen sollte man sich allerdings von elektronischer Musik keineswegs täuschen lassen: Handgemacht ist auch hier immer noch mehr als genug, denn Gitarre und Bass dürfen selbst in diesem Genre nicht fehlen. Wer da denkt, elektronische Musik käme nur aus dem Computer, hat sich bei Clan of Xymox und Dynastie schwer getäuscht.

Clan of Xymox

Trotz allem kann das Publikum eines solchen Konzertes für Außenstehende allerdings sicher etwas “gruselig” erscheinen. Dass die Besucher des Rockpalastes in Bochum nahezu ausnahmslos in schwarz gekleidet sind, gehört in der Szene wie selbstverständlich dazu. Allerdings gibt es da durchaus auch mal den ein oder anderen Hingucker, wenn so manches junge Mädel plötzlich im engen Lack- und Leder-Outfit vor der Bühne steht, oder gar an die BSDM-Szene angelehnte Kleidungsstücke präsentiert werden. Ein bisschen gehört “sehen und gesehen werden” in der Gothic-Szene eben auch dazu. Allerdings ist das doch meist recht hübsch anzusehen und Angst musste auch der Neuling vor den zwar böse ausschauenden, aber stets freundlichen Goths zu keinem Zeitpunkt haben.