Train Simulator: Sherman Hill | Virtual DVD Magazine – News



15
Sep

Train Simulator: Sherman Hill

Die amerikanische Eisenbahn war schon seit je her für ihre kilometerlangen Güterzüge bekannt, statt Passagiere zwischen den großen Städten hin und her zu transportieren. So wurde letztendlich auch die Strecke zwischen Laramie und Cheyenne genutzt, die auf sechzig Meilen über enorme Höhen von bis zu 2500 Metern führt. Viele Menschen leben hier nicht, denn selbst der namensgebende Ort Sherman ist heute nur noch ein Geisterdorf. Auf Bahnhöfe müssen wir in der recht kargen Landschaft also komplett verzichten. Stattdessen beliefern wir die örtlichen Unternehmen und transportieren Fracht zu den Umschlagbahnhöfen. Und die ist mitunter so schwer, dass gleich vier Lokomotiven der Union Pacific Railroad gleichzeitig notwendig sind, um sie über die starken Steigungen zu ziehen. Bei langsamen Geschwindigkeiten stellt „Sherman Hill“ dabei auch eine Herausforderung für die Geduld des Lokführers dar.

Kritik:
Nicht ganz an den üblichen deutschen Vorlieben mag sich die mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommene „Sherman Hill“-Route orientieren. Komplexe Gleisanlagen, Passagierverkehr und hohes Verkehrsaufkommen gibt es eigentlich nicht. Dafür aber derartig lange Güterzüge, dass wir das Ende des Zuges in manchen Fällen nicht einmal mehr sehen können. Das kann zugleich auch eine Herausforderung sein, etwa wenn wir den extrem schweren Zug mit teils riesigen Containerwaggons über eine Steigung bringen müssen und dabei richtig zu kämpfen haben, oder etwa wenn wir geschickt die Bremse kontrollieren müssen, um bei Gefälle nicht unkontrolliert davon zu rasen. Und das ist gar nicht so einfach, denn die empfindlich reagierenden Bremsen können bei Gefälle und falscher Bedienung durchaus auch einmal unter einem Totalversagen leiden. Selbst erfahrene Train Simulator-Spieler kommen dabei schnell an ihre Grenzen.

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Leere bis zum Horizont
Für Spieler, die vor allem deutsche und britische Strecken gewöhnt sind, mag nicht nur der schwere Frachtverkehr eher ungewöhnlich sein. Auch die Landschaft wirkt im Vergleich zu hiesigen Strecken doch eher eintönig. Viel Abwechslung gibt es entlang der Strecke, auf der wir stets dieselben Wiesen und dasselbe Ödland sehen, tatsächlich nicht. Man muss mitunter schon fünfzehn bis zwanzig Meilen fahren, um die nächste Ortschaft und die nächsten Gebäude zu entdecken. Dazwischen verläuft die Strecke überwiegend gerade, langsam und optisch wenig anspruchsvoll. Tatsächlich muss man an dieser Stelle hinzufügen: Das entspricht wirklich auch der Realität dieser Strecke. Den ein oder anderen Spieler könnte das aber womöglich langweilen, mit häufig gerade einmal 40 mph durch die Landschaft zu tuckern. Andere wiederum sehen in der recht einschläfernden Strecke auch eine Herausforderung, das Durchhaltevermögen unter Beweis zu stellen. In jedem Fall muss man diese Art von Strecke aber unbedingt mögen und sollte vielleicht schon die ein oder andere amerikanische Route gefahren sein, um einen Kauf in Betracht zu ziehen.

Train Simulator: Sherman Hill

Ein Lokführer kommt selten allein
Interessanterweise versuchen die Entwickler allerdings möglichst alles aus dieser Route rauszuholen, was dazu beiträgt, die Eintönigkeit zu kompensieren. Denn während die Strecke selbst wenig Abwechslung bietet, sind vor allem die Szenarien durchaus unterhaltsam gestaltet. Selbst Kommunikation darf dabei nicht fehlen. In vielen der Karriereszenarien sind wir nämlich mit einem zweiten Lokführer unterwegs, der sich während der Fahrt gerne auch einmal mit uns unterhält. Und auch unvorhersehbare Ereignisse sollen nicht lange auf sich warten. In einem der Szenarien bekommen wir es unter anderem mit der Polizei zu tun und verlieren womöglich Fracht bei voller Fahrt. In einem anderen wiederum wartet ein schwerer Gewittersturm darauf, von uns gemeistert zu werden. Zumindest an dieser Stelle wird also genügend Abwechslung geboten – jedenfalls in den Hauptszenarien.

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Durch den Sturm
Eine Sache gestaltet sich bei „Sherman Hill“ darüber hinaus besonders positiv: Die Entwickler legen nämlich hohen Wert auf maximalen Realismus. Das fällt nicht nur bei der kargen Landschaft auf, sondern auch bei den überaus launischen und wechselhaften Wetterverhältnissen in den hohen Lagen. So kann das Wetter innerhalb von Minuten von strahlend blauem Himmel zu einem Gewittersturm mit Starkregen umschlagen. Und auch das entspricht durchaus auch den realen Bedingungen dieser Strecke. Die Wettereffekte des Addons sind dabei so gut gelungen, dass wir bei Starkregen mitunter kaum mehr aus dem Fenster schauen können und der düster-graue Himmel eine gelungene Atmosphäre entfaltet – während leichter Regen wiederum weniger Probleme verursacht. Hier prasselt also nicht nur der „Standardregen“ des Train Simulators auf die Frontscheibe.

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Matsch aus der Vergangenheit
Schade ist angesichts dieser gelungenen Wettereffekte allerdings, dass die Route allgemein dann doch ein wenig veraltet in Erscheinung tritt. An vielen Stellen entlang der Strecke fallen uns vor allem recht matschige Bodentexturen auf, die wahrlich nicht mehr dem entsprechen, was wir von aktuelleren Routen gewohnt sind. Und auch das Rollmaterial selbst macht hier und da einen etwas undetaillierten Eindruck. Das macht sich natürlich auch daran bemerkbar, dass wir einige Gegenstände und Knöpfe in den Führerhäusern weniger bedienen können, als inzwischen üblich. Trost kommt aber sicherlich dadurch, dass „Sherman Hill“ mehr als genügend Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten hat und der Spieler reichlich weitere Lokomotiven und Szenarien dazu kaufen kann. Darunter auch diverse wirklich interessante Fahrzeuge.

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Gasturbinenlok
Käufer der 2016er Vollversion des Train Simulators erhalten etwa die berühmte riesige Gasturbinenlok der Union Pacific dazu, die mit gleich zwei Motoren daher kommt und einige Besonderheiten zu bieten hat. Einerseits den klassischen Dieselmotor für das Rangieren auf Güterbahnhöfen und andererseits die leistungsstarke Gasturbine, die der Spieler zunächst manuell hochfahren muss, ehe er diese bedienen kann. Die Steuerung eben dieser Lok gestaltet sich im Vergleich zu anderem Rollmaterial somit sichtlich außergewöhnlich und kann richtig Spaß machen. Zumal auch die Animationen schnell punkten können, denn selbst die Vibrationen der Lok sind auf dem Bildschirm leicht erkennbar. Schade ist dann lediglich, dass die Szenarien selbst hierbei nicht ganz so abwechslungsreich gestaltet wurden, wie etwa beim mitgelieferten Rollmaterial.

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Umfangreiches Rollmaterial
Aber auch ohne solche Zusatzmaterial enthält die Strecke selbst schon mehr als genügend Lokomotiven. Mit der SD70M, der SD40-2, der ES44C und der SW10 sind dementsprechend bereits standardmäßig vier verschiedene Lokomotivtypen enthalten, die sich auch grundsätzlich anders steuern und ein anderes Brems- und Beschleunigungsverhalten an den Tag legen. Die Schwierigkeit des Transports von schwerer Fracht ist dabei direkt abhängig von Kraft und Bremsverhalten der Lok und realistisch spürbar. So macht zumindest das Fahren selbst bereits recht viel Spaß. Und auch innerhalb eines Szenarios kann der Spieler durchaus auf abwechslungsreichen KI-Verkehr treffen, der keineswegs stets dieselben Lokomotiven an seiner Front hat. Insgesamt überschneidet sich das Rollmaterial dabei sogar mit „Train Sim World: CSX Heavy Haul“ – mit dem Unterschied, dass die Lokomotiven hier alle mit der berühmten Union Pacific-Lackierung aufwarten können.

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Weniger Funktionen
Jetzt bleibt natürlich für den Spieler die entscheidende Frage, ob er sich tatsächlich die „Sherman Hill“-Route zulegen soll, oder stattdessen gleich zu „Train Sim World“ greifen sollte. Eines muss man an dieser Stelle natürlich klar sagen: Auf Grund des Alters des Train Simulators sind die Funktionen der Lokomotiven im Vergleich zu TSW natürlich wesentlich eingeschränkt. So lässt sich etwa der Bordcomputer der ES44C nicht wie in Train Sim World bedienen, sondern wird lediglich als abgeschalteter Bildschirm dargestellt. In TSW hingegen lässt sich darüber auch der Rangier-Tempomat steuern, um leichter den Zug beladen zu können. Und auch aussteigen und etwa den Motorraum öffnen, können wir bei „Sherman Hill“ natürlich nicht. Dafür eignet sich die Strecke aber trotzdem vor allem für echte Union Pacific-Fans und all jene, deren Rechner nicht leistungsstark genug für das neuere Spiel sind.

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Die größte Dampflok
Übrigens: Interessant kann „Sherman Hill“ auch für echte Dampflok-Fans werden, denn diese Route lässt sich auch durch die enorm große und legendäre „Big Boy“ von Union Pacific erweitern. Und damit erhält man die wohl größte Dampflokomotive, die jemals gebaut wurde. Natürlich muss allerdings auch diese Lokomotive zusätzlich erworben werden, doch wie wir eingangs schon erwähnten: Erweiterungsmöglichkeiten gibt es – gegen entsprechendes Geld – bei diesem Addon mehr als genügend. Ganz zu schweigen von einem zusätzlichen Szenariopaket, das für zehn Euro ebenfalls die Strecke noch einmal um diverse spannende Aufgaben erweitert. Auch ohne dieses Paket darf man sich aber bereits auf eine hohe Spielzeit von deutlich über zehn Stunden freuen.

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Lange Fahrten
Das liegt vor allem daran, dass die einzelnen Szenarien mitunter recht lang sind. Für die ein oder andere Aufgabe ist man dann durchaus einmal 90 bis 120 Minuten unterwegs – natürlich auch der relativ langsamen Geschwindigkeit geschuldet. Bei sechs Szenarien an der Zahl (die Gasturbinenlok noch nicht mitgerechnet), kommt da durchaus eine gute Zeit zusammen. Und wenn man Pech hat, darf man so manche Aufgabe sogar erneut erledigen, weil man an einem Punkt gescheitert ist. Ganz einfach gestalten sich die Karriereszenarien nämlich nicht und ein erreichen einer hohen Punktzahl kann ebenfalls schnell eine echte Herausforderung werden. Wer also den Extrem-Güterverkehr liebt und genau in diesem Bereich einige spannende Aufgaben sucht, liegt mit „Sherman Hill“ absolut richtig.

Fazit:
Die mittlerweile etwas in die Jahre gekommene „Sherman Hill“-Route punktet mit schwierigen Frachaufgaben, großer Erweiterbarkeit und durchaus abwechslungsreichen Szenarien. Dafür muss man sich allerdings mit nicht mehr zeitgemäßen Texturen zufrieden geben und auf Passagieraufgaben vollständig verzichten.

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