Royole Moon (Hardware-Test) - Virtual DVD Magazine – News
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  • Royole Moon (Hardware-Test)
    Es sieht aus wie ein Virtual Reality-Headset, ist aber eigentlich keines: Die Royole Moon kommt nämlich komplett ohne einen Bewegungssensor und richtet sich vor allem an die eingefleischten Heimkino-Fans. Simuliert wird im Innern ein richtiges mobiles Kino zum Mitnehmen: Mit einem groß wirkenden curved AMOLED-Display, echter 3D-Fähigkeit und im 3D-Modus sogar in nativem 1080p ist die Bildqualität deutlich höher, als wir das etwa von Oculus Rift oder der HTC Vive gewohnt sind. Und da sind die Einsatzmöglichkeiten recht vielfältig: Ob via HDMI an einem beliebigen (optional auch 3D-fähigen Gerät) oder per App mittels Stream direkt aus dem Internet – das überlässt Royole völlig dem Kunden. Denn mitgeliefert wird auch gleich eine Android-Box, die nicht nur das Signal von einem HDMI-fähigen Zuspieler anzeigen kann, sondern praktisch auch mit jeder App umgehen kann, die im Netz verfügbar ist. Netflix, Amazon Video, Maxdome und zahlreiche weitere VOD-Anbieter sind daher kein Problem.

    Intuitive Steuerung
    Gesteuert wird die Royole Moon dann wahlweise standardgemäß mit einem Touchpad auf der rechten Ohrmuschel des Kopfhörers oder aber auch über eine optional anschließbare Maus und Tastatur, die mittels Micro-USB problemlos per Plug & Play funktioniert. Die meisten werden sich aber mit ersterer Option zufrieden geben, denn der Einstieg ist ziemlich leicht: Wie sich der Mauscursor auf dem Bildschirm steuert, ergibt sich für die meisten Nutzer recht intuitiv und bedarf eigentlich keiner Erklärung. Hat man schon einmal an einem Notebook gesessen, erklärt sich die Steuerung an dieser Stelle praktisch von selbst: Wir streichen einfach mit der rechten Hand über das Touchpad, Öffnen und Bestätigen mit einem einfachen Tastendruck und kehren mit dem doppelten Tastendruck zum vorherigen Bildschirm zurück. Rund um das Touchpad befindet sich außerdem der Lautstärkeregler, den wir ebenfalls durch Ziehen des Fingers über den Außenring verwenden. Und abgesehen von einer Umschalttaste für 2D oder 3D, wenn das Videomaterial einmal mit nebeneinander stehenden Bildern ausgeliefert wird, sind das auch schon fast alle Bedienelemente, die es zur Benutzung des Headsets benötigt.

    Royole Moon

    Passend auch für Brillenträger
    Interessant allerdings dabei: Unterhalb des Bildschirmelements befinden sich zusätzliche Tasten zum Verstellen der Linsen und der Schärfe. Ganz egal also, ob wir einen eher schmalen oder sehr breiten Kopf haben: Hier lassen sich die Linsen problemlos seitlich verschieben, sodass wir wirklich keinerlei Doppelbilder zu sehen bekommen und die Optik recht flexibel auf unsere eigene körperliche Anatomie anpassen können. Im Prinzip sind die Einstellmöglichkeiten hier vergleichbar etwa mit Oculus Rift und HTC Vive, die über ähnliche Tasten auf der Unterseite verfügen. Spannend an dieser Stelle: Auch die Schärfe lässt sich problemlos auf unsere Sehstärke einstellen, sodass sich die Royole Moon auch für Nutzer mit Brille perfekt eignet und selbst bei einem dominanten Auge die Sehstärke für jedes der Augen einzeln einstellen lässt. Man müsste also schon eine stärker ausgeprägte Sehbehinderung haben, um an dieser Stelle Probleme zu bekommen, denn Royole Moon lässt sich hier durchaus gut anpassen.

    Komfort ist Mangelware
    Aus technischer Sicht kann die Royole Moon also für Heimkino-Fans eine echte Option sein, denn optisch macht der Filmgenuss auf dem Gerät tatsächlich Spaß. Wäre da nicht die Problematik mit der mangelnden Polsterung: Warum Royole also ausgerechnet bei einem rund 700 Euro teuren Headset tatsächlich auf eine Polsterung der Nase verzichtet hat, wird sich so manchem potentiellen Käufer vermutlich nicht erschließen. So kommt es also, dass wir unkomfortable knapp 700 Gramm Plastik auf der Nase sitzen haben und diese auch in jedem Moment spüren. Bereits nach zehn Minuten Nutzung, klagt so mancher Nutzer über ein starkes Drücken auf der Nase. Nach einem zweistündigen Film ist man dann gar nicht selten doch froh, das Headset endlich wieder absetzen zu können. Kommt es dann noch dazu, dass man immer wieder dazu neigt, das Headset während der Nutzung mit seiner Hand abstützen zu wollen, kann man an dieser Stelle wohl nur noch sagen: Die Royole Moon ist so unglaublich unbequem, dass man den Komfort am besten zunächst selbst ausprobieren sollte, bevor man sich für einen Kauf entscheidet. Leicht wird das aber nicht, denn die Brille außerhalb des Internets zu erhalten, dürfte überaus schwierig werden.

    Kein Raumklang, dafür qualitatives Stereo
    Dabei ist das große Potential ja durchaus gegeben, denn obwohl der Preis von rund 700 Euro nicht gerade günstig erscheint, ist er auf den zweiten Blick durchaus gerechtfertigt: Neben der optischen Qualität des Bildschirms und der Linsen, überzeugt vor allem der ausgewogene Noise Cancelling-Kopfhörer, der selbst vermutlich schon in einem Preissegment von rund 150 Euro liegen könnte, wenn er denn einzeln erwerbbar wäre. Insgesamt macht der Kopfhörer nämlich einen recht neutralen Eindruck: Höhen und Mitten kommen sauber und passend rüber, werden auch nach Stunden nicht unangenehm. Tiefen haben ausreichend Bass für actionreiche Filme, übertreiben es dabei aber nicht mit einer zu starken Basslastigkeit. Die Präsenz der Höhen und Tiefen hält sich somit insgesamt in der Waage, was die Brille eigentlich sogar für den Musikgenuss interessant machen könnte.

    Royole Moon

    Abtauchen in andere Welten
    Perfekt ist Royole Moon also durchaus für all jene, die sich in einer hellen oder lauten Umgebung einfach einmal abschotten möchten, weil sie sich auf dem normalen Fernseher kaum auf einen Film konzentrieren könnten. Mit einer lauten oder nervigen Familie um sich herum, bekommt man unter der Royole Moon einfach überhaupt nichts mehr von der Umgebung mit. Das Augenteil lässt schließlich kaum Streulicht von der Seite hinein und die mit etwas Saugdruck anliegenden Ohrmuscheln unterdrücken Geräusche ebenfalls so gut, dass man selbst laute Geräusche kaum mehr wahrnehmen dürfte, sobald ein Film erst einmal gestartet ist. Schade ist da lediglich, dass wir auf einen richtig simulierten Raumklang dann doch leider verzichten müssen, obwohl sich das Headset ja gerade an Cineasten richtet, die bereit sind, etwas mehr Geld zu investieren.

    Die Entlarvung der Kompression
    Die insgesamt gute optische und akustische Qualität kann mitunter aber auch schnell einige Nachteile haben, denn sie entlarvt komprimierte Formate jederzeit kompromisslos. Das fällt nicht nur beim Sound auf, sondern vor allem auch bei komprimierten Streams etwa von Amazon Video. Mögen etwaige Artefakte eines HD-Streams auf dem Fernseher womöglich noch nicht aufgefallen sein: Auf der Royole Moon sehen wir sie sofort. Und das fällt bei den VOD-Anbietern mitunter verstärkt bei roten Farben und in dunkleren Szenen auf. Vor allem bei letzterem lässt sich auf dem integrierten AMOLED-Display sogar ein stark ausgeprägtes Color Banding erkennen, welches den Filmgenuss erheblich stört. Erst eine Veränderung der Helligkeitseinstellung von hell oder mittel auf „weich“ lässt diesen Effekt halbwegs verschwinden und die Komprimierungsartefakte von Amazon Video endlich nahezu verschwinden. Durch das geschlossene Sichtfeld ohne Streulicht ist das aber auch kein Problem, da selbst diese Einstellung noch hell genug ist, um einen Film zu genießen.

    Schwache WLAN-Leistung
    Zugleich allerdings offenbart die Royole Moon beim Streaming auch gleich eine weitere Schwäche: Im Test ließ die Stärke des WLANs leider doch ein wenig zu Wünschen übrig. Bereits bei vorhandenen zwei Balken scheint das Headset schon Probleme mit der Geschwindigkeit zu haben und kommt bei Amazon Video oder Netflix manchmal ins Stocken. Gerade im mobilen Einsatz etwa auf Hotelzimmern kann das dann schon zum Problem werden, wenn die Royole Moon nicht mehr in der Lage ist, bei einem schwachen WLAN-Signal trotzdem noch das Videomaterial flüssig und ohne Nachladen zu streamen – während übrigens weder Chromecast, noch der FireTV Stick im selben WLAN und bei gleicher Entfernung zum Router beim Test irgendwelche Probleme hatten. Da ist man glatt froh über den Offlinemodus so mancher Anbieter, denn dessen Nutzung empfiehlt sich unbedingt, wenn das Headset außerhalb des eigenen Zuhauses eingesetzt wird. Dafür allerdings liefert die dabei liegende Android-Box immerhin 32 GB Speicher mit, die sicherlich für den ein oder anderen Film ausreichend sollten.

    Royole Moon

    App Store – wer braucht denn sowas?
    Schade ist dann nur, dass die Nutzung mancher VOD-Anbieter sich doch etwas umständlich gestaltet, denn die Royole Moon wird leider komplett ohne einen App Store ausgeliefert, wodurch auch der sonst standardgemäß installierte und vertraute Google Play Store komplett fehlt. Im bereits vorinstallierten Browser finden wir zwar ein paar Direktlinks zu den APK-Dateien etwa von Netflix oder Amazon Video – bei allem anderen, wie etwa der App von DAZN, müssen wir jene Installationsdateien dann aber komplett manuell aus dem Netz besorgen. Und dabei kann es nicht nur problematisch werden, tatsächlich seriöse Quellen dafür zu finden, sondern auch Updates werden zu einem Problem: Die erfolgen schließlich auch nicht automatisch über den Play Store, sondern müssen manuell in die Wege geleitet werden. Insgesamt sollte Royole diese Praxis wohl besser noch einmal überdenken.

    Ein paar kostenlose Extras
    Immerhin kann man aber erfreulicherweise feststellen, dass selbst der sonst so geschlossene VOD-Anbieter Amazon Prime Video offensichtlich kein Problem mit der Nutzung ihrer App auf dem Royole Moon hat – und das auch in der neuesten Version nicht. Wer sich in der Vergangenheit vielleicht einmal eine Android-Streaming-Box wie die Nvidia Shield angeschafft hat, wird nämlich herausgefunden haben, dass das leider nicht immer selbstverständlich ist und Amazon gerne einmal die Nutzung auf „nicht-autorisierten“ Geräten blockiert, sodass Streams dann gerne komplett den Dienst verweigern. Im Test ließ sich aber sowohl Amazon Video, als auch Netflix problemlos nutzen. Und obendrein liefert Royole auch noch einen Gutschein-Code für den eigenen VOD-Dienst Royole Lounge mit, in der wir uns drei kostenlose Filme von Sony Pictures aussuchen können – wobei wir an der Sinnhaftigkeit zweifeln, wenn diese dort lediglich in 480p vorliegen und häufig ohne deutsche Sprachausgabe daher kommen.

    Das beste 3D
    Dann doch lieber die Royole Moon an den eigenen heimischen BluRay-Player anschließen, denn hier kommen die großen Stärken des Headsets erst so richtig zum Vorschein: Vor allem die Sichtung von 3D Blurays macht auf dem Headset enorm viel Spaß, denn es handelt sich womöglich um das beste 3D Bild, das wir jemals gesehen haben. Ghosting und Doppelbilder etwa sind für die Royole Moon ein absolutes Fremdwort, sodass wir knackscharfe Bilder in Dual Full HD geboten bekommen, deren Tiefeneffekt sogar viele Fernseher übertrifft. Insofern ist das Headset vielleicht gerade für jene Cineasten eine Überlegung wert, die echte Fans von 3D Material sind und denen die Qualität der üblichen aktiven und passiven 3D-Technik einfach nicht ausreicht. Und wenn wir das Headset dann auch noch mit unkomprimiertem Material vom BluRay-Player versorgen, sind auch Color Banding und entlarvende Kompressionsartefakte kein Problem mehr und die Royole Moon kann ihre äußerst hohe Bildqualität erst so richtig entfalten.

    Fazit:
    Mit einer echten Full HD-Auflösung bietet die Royole Moon nicht nur deutlich höhere Bildqualität als die bekannten VR-Brillen, sondern liefert zugleich die absolute Referenzoptik bei der Darstellung von 3D Material. Leider lässt der Komfort des Headsets vor allem bei längerer Nutzung stark zu Wünschen übrig und auch auf einen für Virtual Reality notwendigen Bewegungssensor müssen wir verzichten. Filmfans mit einer Vorliebe für 3D BluRays sollten aber zumindest mal einen Blick riskieren – vorausgesetzt sie versorgen das Headset mit unkomprimiertem HD-Material.