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  • Die Krupps – Live im Schatten der Ringe (BluRay)
    9. Mai 2016 | 20:37

    Die Krupps: Live im Schatten der Ringe

    Das Bundesland Nordrhein-Westfalen ist geprägt durch die einst so starke Industrie und die zahlreichen ehemaligen Stahlunternehmen in den vielen Zechen des Ruhrpotts. So etwas hatte natürlich auch Einfluss auf die hiesige Musik. Die schwarze Szene rund um den Industrial und EBM hat sicherlich nicht grundlos ausgerechnet hier zahlreiche Anhänger. In jedem Jahr finden dazu sogar große Events, wie etwa das E-Tropolis Festival in der Oberhausener Turbinenhalle statt, bei denen man Tausende von Fans dieser Musikrichtung vereinen kann. Den größten Einfluss dürfte die Stahlindustrie wohl auf die ursprünglich aus Düsseldorf stammende Band „Die Krupps“ haben, deren Namen nicht ohne Grund an große Konzerne wie ThyssenKrupp erinnert. Mit einem leicht veränderten Krupp-Logo als Bandsymbol und Gesang über das harte Leben in der Industrie liefern sie praktisch die Hymne für all jene, dessen Eltern in den stahlharten Fabriken arbeiten mussten und die heute das Leben im Ruhrpott vielleicht ein bisschen kritisch sehen, jetzt da die meisten ehemaligen Zechen längst ihre Tore geschlossen haben.

    Doch obwohl die nordrhein-westfälische Band bereits seit den 80iger Jahren aktiv ist und in der Schwarzen Szene groß gefeiert wird, hat ein tatsächlicher Konzert-Mitschnitt lange auf sich warten lassen. Erst jetzt, fünfunddreißig Jahre nach ihren ersten Auftritten, dürfen sich die Fans an einer ersten Musik-BluRay (natürlich auch auf DVD erhältlich) erfreuen, auf der sie ihren Auftritt vom E-Tropolis Festival 2014 mitgeschnitten haben.

    Die Krupps

    Ein ehrliches Konzert
    Bereits in den ersten Minuten wird den Fans dabei allerdings klar: Es handelt sich hier keineswegs um einen Auftritt, der extra nur für die Konzertaufnahmen gestellt wurde. Auf richtige Hochglanzbilder, wie man sie auf manch anderen Live-Mitschnitten von Mainstream- und Charts-Bands kennt, müssen wir verzichten. Stattdessen sehen wir die Aufnahmen aus der recht düster wirkenden Location der Turbinenhalle, hier und da ein wenig getränkt in typisches ISO-Rauschen von Kameras, die mit der geringen Helligkeit in der Halle doch ein klein wenig überfordert waren. Dafür allerdings dürfen wir „Die Krupps“ von ihrer ganz ehrlichen und ungestellten Seite erleben, wie sie auch ein echtes Konzert geben würden: In einer (für Chartsverhältnisse) kleinen Halle, in verschwitztem elegant-schwarzem Outfit und den harten Klängen der Gitarre und des Synthesizers im Hintergrund. Davor: Ein Publikum, bei dem es schon schwer fällt, jemanden zu finden, der nicht vollständig in schwarz gekleidet ist. Ein echtes Konzert der schwarzen Szene eben, wie es die Fans lieben.

    Die Krupps

    Stahlarbeitermusik
    Die ersten Zweifel bei manchen Neulingen der Szene sind da schnell beseitigt: Wer dachte, es handele sich bei dieser Art von Musik ohnehin nur um Töne aus elektronischen Instrumenten und Computern, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Doch neben dem klassischen Schlagzeug und der E-Gitarre setzen „Die Krupps“ noch in ihrem eigenen Stil einen drauf: Da werden die Instrumente dann auch einmal selbst gebaut, um dem Industrial-Sound gerecht zu werden und echte Stahlwerksmusik abzuliefern. Mit dem sogenannten „Stahlophon“, einem Instrument aus verschieden großen Stahlrohren, auf denen Frontmann Jürgen Engler rhythmisch herum trommelt, kombinieren sie die elektronischen und Metal-lastigen Klänge mit eigener Kreativität. Damit bietet die Band ein Rundumprogramm, bei dem einfach alles thematisch passt: Vom Logo, über den Namen, bis hin zum Outfit und Klang orientiert man sich durch und durch an der Arbeit der Stahlwerke. Man könnte sogar sagen: Nach mittlerweile 36 Jahren (zum Zeitpunkt des Mitschnitts noch 34) lebt die Band geradezu ihr Image.

    Krach in der Turbinenhalle
    Einen kleinen Nachteil hat es dann aber dennoch, dass „Live im Schatten der Ringe“ nicht ganz auf Hochglanzbilder und perfekte Inszenierung getrimmt ist. Den Aufnahmen kann man hier und da nämlich durchaus entnehmen, dass es an Dynamik gelegentlich etwas mangelt. Die Gitarre kann ihren kräftigen Sound zwar vollends entfalten, aber beim Schlagzeug fehlt es hier und da vielleicht ein wenig an Druck und auch der Gesang mag in der Abmischung ein wenig untergehen, wenngleich es noch nicht tatsächlich störend erscheint. Man merkt eben durchaus, dass es sich um Live-Aufnahmen handelt, bei denen man sogar das echte Publikum im Hintergrund jubeln hört und dass hier nichts künstlich hinzugefügt wurde.Da kann man dann vielleicht sogar verschmerzen, dass es soundtechnisch dann sicherlich nicht ganz an die gewohnte Studioqualität heran reicht. Wer das erwartet, dem empfehlen wir eher einen Blick auf das Album „The Machinists of Joy“, auf dem viele der hier gespielten Songs auch als Studioaufnahme zu finden sind.

    Fazit:
    Nach mehreren Jahrzehnten Bandgeschichte dürfen wir „Die Krupps“ endlich auch vom Wohnzimmer aus bei ihrem Auftritt auf dem E-Tropolis Festival bewundern. Statt Hochglanzbildern, gibt es ehrliche handwerkliche Musik mit einem abgerundeten Industrial-Gesamtbild.